Snapchat ist insbesondere bei den Jugendlichen beliebt. Wie lässt sich die App als Marketing-Tool nutzen?Erst seit September 2011 auf dem Markt, entwickelt sich Snapchat immer mehr zu einer echten Konkurrenz für Facebook, Twitter und Co. Die App wurde dadurch bekannt, dass man mit ihr Bilder und Videos bearbeiten und versenden kann, die nach maximal zehn Sekunden wieder verschwinden.Die Nutzerzahlen von Snapchat wachsen unaufhaltsam. Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Finanzdienstes Bloomberg verzeichnet die App mittlerweile 150 Millionen Nutzer täglich. In der Schweiz nutzten 2015 bereits 59 Prozent der 14- bis 19-Jährigen Snapchat – Tendenz steigend (Quelle: Media Use Index 2015). Kein Wunder, dass auch in der Schweiz immer mehr Firmen daran denken, Snapchat als Marketing-Tool einzusetzen. Swissmilk hat Snapchat beispielsweise für eine Kampagne zum Tag der Milch eingesetzt.
Steigende Bedeutung für das Social-Media-MarketingWelche Bedeutung hat der Instant-Messaging-Dienst wirklich für das Marketing? Beim
MK Meinungsbild stuften 34,4 Prozent der Befragten die Bedeutung als «gering» ein, 32,8 Prozent als «mittel» und 15,6 Prozent als «gross». Für 14,1 Prozent ist Snapchat bedeutungslos und nur für 3,1 Prozent ist die Bedeutung «sehr gross».Stephanie Wörmann, Head of Social Media bei Goldbach Interaktive, hebt die steigende Bedeutung von Snapchat für das Social-Media-Marketing hervor. «Den Jugendlichen geht es um Entertainment. Informationen werden häppchenweise und «on the go» konsumiert.» Die Generation Z interagiere ganz anders als die Generation X oder Y und Snapchat ermögliche das. Goldbach Interactive hat beispielsweise für McDonald’s Schweiz einen Snapchat-Account eröffnet. «Innerhalb von 30 Stunden konnten wir bereits über 2000 Follower verzeichnen», so Wörmann. «So schnell haben wir noch auf keiner anderen Plattform für Kunden Follower gewonnen – und das Wachstum hält an.»
Besonders geeignet für Branding-MassnahmenDoch für welche Marketing-Zwecke lässt sich der Instant-Messaging-Dienst überhaupt einsetzen? «Snapchat eignet sich für Branding-Massnahmen, insbesondere um sich bei der jungen Zielgruppe zu positionieren», sagt Wörmann. «Die App bietet die Möglichkeit, der Marke eine Persönlichkeit zu geben, fernab von steifen Unternehmensprofilen.» Marken werden via Snapchat direkt ansprechbar und ermöglichen Kommunikation auf Augenhöhe. «Kreative Kampagnen, welche die Funktionen von Snapchat spielerisch nutzen, können dazu sehr effizient sein». Laut Wörmann ist die Option, eigene Filter zu erstellen, am spannendsten für Marken. Diese ermöglichen eine Interaktion mit der Marke und sorgen für eine Verbreitung unter den Nutzern. Globale Brands haben hier bereits erste Anläufe gestartet.In anderen Ländern bietet Snapchat nebst der Möglichkeit, eigenen Content zu erstellen, bereits auch Werbeplatzierungenan. «Die Werbemöglichkeiten von Snapchat sind derzeit im Vergleich jedoch ziemlich kostspielig und für die Schweiz nicht verfügbar», gibt Wörmann zu bedenken.
Für Snapchat-Marketing ist ein Umdenken gefragtEin weiteres Problem: Snapchat ist für Marketingzwecke noch nicht so ausgereift wie beispielsweise Facebook oder Instagram. Es gibt keine ausführlichen Analytics zum Beispiel zu Fanwachstum oder Reichweite, sondern nur rudimentäre Angaben, die von Hand zusammengezählt werden müssen. «Generell ist das Handling und Content-Management schwieriger, da alles über das Mobiltelefon gemacht werden muss», erklärt Wörmann. «Drittplattformen für das Dialogmanagement gibt es noch nicht.»Auch muss der Content, um authentisch zu bleiben, mehr oder weniger ad hoc «gesnappt» und nicht schon lange im Voraus in professionellen Grafiken vorproduziert werden.Wörmann meint, dass beim Snapchat-Marketing ein Umdenken stattfinden muss: «Langwierige Abnahmeprozesse waren bereits für Facebook, Twitter und Co. nicht mehr zeitgemäss. Bei Snapchat muss das Management das Vertrauen in die Community-Manager noch einmal erhöhen und ihnen freie Hand lassen.» Erschwerend komme hinzu, dass viele Marketing-Manager Snapchat nicht verstehen.»