Auch im Gesundheitswesen ist eine digitale Kommunikation gefragt.Das Internet und insbesondere soziale Medien werden immer beliebter. Es eröffnen sich Chancen und neue Möglichkeiten der Zielgruppenansprache. Gerade im Gesundheitswesen gibt es im Social Media Bereich aber auch Risiken, da thematisch heikle Situationen entstehen können. Vor diesem Hintergrund befragte Weidmannpartner insgesamt 19 Pflegeinstitutionen, 14 Kliniken, 12 Spitäler und sechs weitere Institutionen. Die Ergebnisse liefern eine aktuelle Situationsanalyse des tatsächlichen Nutzungsverhaltens von Deutschschweizer Gesundheitsinstitutionen im Social Media Bereich.Fünf zentrale Ergebnisse der Online-Studie:
1. Potenzial erkannt – Nutzung deutlich geringer als in anderen BranchenZwar werden Social Media von über zwei Dritteln der befragten Gesundheitsinstitutionen als wichtige bis sehr wichtige Kommunikationsinstrumente eingeschätzt, jedoch nutzen bislang nur sechs von zehn Institutionen dieses Potenzial aus. Dies liegt weit unter dem branchenübergreifenden Prozentsatz von 89 Prozent Usern, der aus der diesjährigen Social Media Studie der Agentur Bernet PR in Zusammenarbeit mit der ZHAW hervorgeht. Im Institutionsvergleich gibt es allerdings grosse Unterschiede: So führen die Kliniken mit 13 Usern von 14 Teilnehmenden die Liste an, gefolgt von den Spitälern, bei denen acht von 12 Teilnehmenden aktiv sind. Von den 19 befragten Pflegeinstitutionen sind nur gerade sechs auf Social Media vertreten.
2. Wachsende Bedeutung unbestritten – Akzeptanz noch gering Einig sind sich die Befragten bei der Entwicklung der Kommunikation innerhalb der nächsten zwei Jahre: 79.3 Prozent der User sowie 81 Prozent der Non-User denken, dass es immer mehr sowohl Social Media als auch klassische Kommunikationskanäle im Deutschschweizer Gesundheitswesen braucht. Gegenüber anderen Kanälen verlieren Social Media allerdings an Bedeutung. Beim Einordnen verschiedener Kommunikationsmittel auf einer Skala von eins (sehr wichtig) bis sieben (überhaupt nicht wichtig) setzen die meisten Befragten ihre Corporate Website und Printmittel wie Broschüren oder Geschäftsberichte auf die vorderen Ränge. Im Mittelfeld befinden sich Public und Media Relations sowie E-Mailing. Werbung, Newsletter und Social Media landen im Ranking auf den hinteren Plätzen (vgl. Abb. 1).
3. Facebook als klarer SpitzenreiterFacebook wird von knapp zwei Dritteln der befragten User genutzt und damit am häufigsten mit einer Unternehmensseite bespielt. Twitter wird hingegen wenig verwendet. Ausserdem bleiben Plattformen mit Schwerpunkt auf Bildmaterial wie Instagram und Flickr beinahe ungenutzt. Xing und Linkedin werden in den übrigen Branchen mittlerweile gleichwertig behandelt, im Gesundheitswesen hat Xing die Nase aber klar vorn und gehört zu den drei beliebtesten Social Media Kanälen.
4. Nachholbedarf im MonitoringZwar erachten mehr als die Hälfte der User regelmässige Auswertungen ihrer Social Media Aktivitäten als wichtig bis sehr wichtig, in der Durchführung gibt es jedoch Nachholbedarf: Rund 70 Prozent aller befragten Gesundheitsinstitutionen, die Social Media nutzen, bewirtschaften ihre Kanäle ohne Messung des Erfolgs ihrer Aktivitäten, sodass wertvolle Informationen ungenutzt bleiben.
5. Non-User: Eine Mehrheit möchte aktiv werden oder ist noch unschlüssigBei 57.1 Prozent der Non-User sind Social Media Aktivitäten bereits in Planung oder sie sind noch unschlüssig. Vor allem Spitäler und Klinken, welche noch keine Social Media Kanäle betreiben, planen entsprechende Aktivitäten. Nur die Pflegeinstitutionen sind noch zurückhaltend: Erst bei zwei der 13 Non-User ist der Social Media Einstieg in Planung und zwei zögern noch. Neun Pflegeinstitutionen sehen zurzeit keinen Handlungsbedarf.
Potential evaluieren und positive Effekte nutzenDer Entscheid gegen einen Social Media Auftritt muss in der wettbewerbsorientierten Branche des Gesundheitswesens gut überlegt sein. Als Hauptgrund für den Verzicht geben die meisten Non-User an, dass ihre Zielgruppe nicht auf Social Media aktiv sei. Diese Einschätzung sollte neu evaluiert werden, da sich das Nutzungsverhalten stetig verändert. Das neuste Facebook Monitoring von Juli 2016 der Agenturen Bernet PR und Equipe zeigt beispielsweise, dass die Gruppe der über 50-jährigen Schweizerinnen und Schweizer wächst, der Zuwachs der Jüngeren hingegen stagniert. Zudem bieten Social Media Kanäle vielerlei Vorteile, welche auch die meisten Befragten erkannt haben. Über zwei Drittel der User verfolgen das Ziel, auf diese Weise ihre Bekanntheit zu steigern. Weitere positive Effekte sind: Gewinnung neuer Mitarbeitenden und Patientinnen sowie Patienten, erhöhte Reichweite und Steigerung des Webtraffics. Im Gegensatz zu den meisten klassischen Kommunikationskanälen bieten sie ausserdem ein in Echtzeit aufbereitetes Daten-Monitoring. Mit einer gut strukturierten Bewirtschaftung sind Social Media eine effiziente und Erfolg versprechende Bereicherung jeder Crossmedia Strategie – für viele Institutionen im Gesundheitswesen ein Ansporn, das eigene Potential neu zu evaluieren und zu nutzen.Der vollständige Auswertungsbericht kann hier eingesehen werden:
WP Online-Studie 2016/issuu