Gerhard Trautmann, Managing Director Global Savings Group.
Commerce-Content-Partnerschaften helfen, qualitativ hochwertige journalistische Angebote im digitalen Zeitalter auch zukünftig zu finanzieren. Ende August verzeichneten weltweit zahlreiche Commerce-Content-Angebote von Medienhäusern, wie zum Beispiel Gutschein- und Produktvergleichs-Angebote, einen zum Teil deutlichen Rückgang der Sichtbarkeit in Googles Suchergebnissen.
Das Google Algorithmus-Update, dessen Roll-Out vom 22.8.- 6.9.2019 zu beobachten war, korrelierte zeitlich mit einer per Twitter verbreiteten Meldung des Suchmaschinenunternehmens. In diesem stellte Google klar, dass Content-Kooperationen grundsätzlich von ihren Guidelines abgedeckt und damit erlaubt sind. «Das schliesst Commerce-Content-Angebote ein», meint Gerhard Trautmann, Managing Director der Global Savings Group. «Es ist Google aber wichtig, dass bei der Umsetzung dieser Kooperationen, die Partner eng zusammenarbeiten und die Medienhäuser die publizierten Inhalte überwachen.»
Google straft Modell der Commerce-Content-Partnerschaften nicht ab
Nach dem nun ausgerollten Update und den zu beobachtenden Veränderungen wird klar: Google straft das Modell der Commerce-Content-Partnerschaften als solches nicht ab. Der Suchmaschinenriese präzisierte vielmehr seine Leitlinien in diesem Bereich und hat den Algorithmus angepasst, um deren Umsetzung besser zu erkennen. Das schafft ein Plus an Klarheit. Marktteilnehmer, die auf ein Partnerschaftsmodell setzen, verstehen nun besser, woran sie sind: Google erwartet von den Medienhäusern und den Commerce-Experten – noch mehr als zuvor – echte und inhaltlich stimmige Kooperationen, die sich der Erstellung eigenständiger, qualitativ hochwertiger Inhalte verschrieben haben.
Partnerschaften, die diese Vorgaben sehr gut umsetzen, haben zum Teil beim Update im August an Sichtbarkeit gewonnen, während andere diese mitunter deutlich verloren haben. Das trifft zumindest auf die etablierten, bereits länger bestehenden Kooperationen zu. «Allerdings haben wir bei der Analyse auch festgestellt, dass einige sehr junge Partnerschaften Sichtbarkeit eingebüsst haben, obwohl sie nach dem beschriebenen Qualitätsansatz arbeiten. Wir gehen davon aus, dass sich diese über die Zeit wieder positiv entwickeln werden», erklärt Trautmann.
Fünf Learnings aus dem Update
Was bedeutet das konkret für Commerce-Content-Modelle? Und welche Lehren kann man aus der Analyse der Traffic-Veränderungen in den letzten Wochen ziehen kann?
- Auf die Kooperation kommt es an: Commerce-Content-Angebote, die auf Subdomains oder Subfoldern von Medienpartnern liegen, sollten nicht außerhalb der Kontrolle der Nachrichten-Portale agieren. Die Redaktionen oder Commerce-Content-Teams sollten zu jeder Zeit in die Commerce-Content-Angebote eingebunden sein und deren Veröffentlichung final verantworten.
- Es ist von Vorteil, wenn die Medienpartner direkt an der Erstellung der Inhalte beteiligt sind. Tatsächlich gibt sich Google mittlerweile Mühe, festzustellen, ob Inhalte vollständig unabhängig von dem eigentlichen Domain-Host, also dem Medienhaus, erstellt wurden. Der Suchriese möchte zu jeder Zeit erkennen können, dass der Inhalt eines Commerce-Content-Angebots in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten erstellt wurde. Gerade eine enge Zusammenarbeit, Verzahnung und ein Austausch der Aktivitäten und Inhalte, die innerhalb von Partnerschaften erstellt werden und den shopping-relevanten Inhalten, die ein Medienhaus an anderer Stelle publiziert, wird an Bedeutung gewinnen.
- Der Beschluss eines Medienhauses mit einem Commerce-Content-Partner zusammenzuarbeiten, sollte immer strategischer Natur sein, hinter der dann auch alle Entscheider stehen. Es müssen sich alle Beteiligten klar dazu bekennen, qualitativ hochwertigen und Shopping-relevanten Content zu produzieren und transparent über die eigenen Portale zu distribuieren. Die Inhalte sollten einen Mehrwert für die Leserschaft der Medienmarke darstellen und daher auch mit anderen Inhalten entsprechend verknüpft und verknüpfbar sein.
- Für jede Partnerschaft sollte ein erkennbarer Zusammenhang zwischen dem Zweck des Commerce-Content-Angebotes, dessen Inhalten, der Zielgruppe sowie dem Inhalt der Hauptseite bestehen.
- Ein absolutes No-Go ist und bleibt das sogenannte Domain-Leasing. Im Gegensatz zu echten Commerce-Content-Partnerschaften, verfolgen einige Domainbesitzer auch die Strategie, ihre gut rankenden Unterseiten zu vermieten. In diesem Fall bestückt der Mieter die Seiten mit Inhalten, die nichts mit dem Domaininhaber oder seinem sonstigen Angebot gemein haben. Der Domainbesitzer selbst nimmt nicht aktiv an der Gestaltung des Commerce-Content-Angebotes teil. Es geht bei der Variante nicht darum, ein Angebot mit komplementären Inhalten zu erweitern, sondern lediglich darum, vom guten Suchmaschinenranking der Hauptdomain zu profitieren.
«Unsere Erfahrung zeigt uns, dass sich die Punkte am besten mit gemischten oder eng verzahnten Teams beider Partner umsetzen lassen, die gemeinsam an der Produktion und Distribution der Inhalte arbeiten», sagt Gerhard Trautmann. «Grundsätzlich gilt: Je besser die Commerce-Content-Angebote an die Zielgruppe der Hauptseite und deren Bedürfnisse angepasst sind, umso erfolgreicher werden sie sein.»