Havas Worldwide Zürich liest zwischen den Zeilen

Unter dem Motto «Lesen, was woanders nur zwischen den Zeilen steht» hat Havas Worldwide Zürich für die Zeitschrift Schweizer Monat eine Kampagne entwickelt.

Boulevardeske Schlagzeilen stehen für die oft gedankenlos wiederholten Ansichten des gesellschaftlichen Mainstreams, wie es in einer Mitteilung heisst. Das dazwischen geschossene Kleingedruckte steht für eine alternative Sicht auf das jeweilige Thema. So beleuchtet der Miniatur-Text beispielsweise die Schattenseiten der Castinggesellschaft, hinterfragt den digitalen Lifestyle oder warnt vor Sicherheit um jeden Preis.

Verantwortlich beim Schweizer Monat: René Scheu (Herausgeber und Chefredaktor); Urs Arnold (Leiter Marketing & Verkauf). Verantwortlich bei Havas Worldwide Zürich: Frank Bodin (Gesamtverantwortung), Axel Eckstein (ECD), Laurie Morard, Claude Schweizer (Grafik), Sven Rufer (Text), Maria Ebnöther (Beratung).

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«Dieser Journalist ist für mich ein Stalker»

Frank A. Meyer äussert sich in der Sonntagszeitung zu kritischen Journalisten, seiner Rolle bei Ringier, «Rollkoffer-Kommandos» in Medienhäusern, Andrea Bleicher und Kurt Imhof.

Im Interview bezeichnet Meyer einen NZZ am Sonntag-Journalisten als «Stalker», da dieser immer «derart böse und obsessiv» über ihn schreibe, obwohl er ihn noch nie getroffen habe. Das müsse Liebe sein, denn die könne ins Gegenteil umschlagen.

Seinen Einfluss auf Ringier verneint Meyer nicht («Wer Einfluss hat, redet nicht darüber»), als jahrelanger Publizistischer Leiter beim Medienhaus sei dies auch nachvollziehbar. Mit Marc Walder und Michael Ringier – «beide sind ganz tolle Gesprächspartner» – diskutiere er regelmässig über Journalismus. Im Publizistischen Ausschuss kämen selbstverständlich auch «Personalprobleme» zur Sprache. Ein solches Gremium, bestehend aus dem Verleger, dem Verlagschef und Journalisten, müsste es laut Meyer in jedem Verlag geben. Ganz ohne die verhassten «Rollkoffer-Kommandos», «an der Uni St. Gallen ausgebrütete und in Beraterfirmen scharfgemachte Bürschchen», die meinten, sie müssten ein Unternehmen umstellen, obwohl sie im Leben noch nie «etwas Konkretes» geleistet hätten. Journalisten müssten über ihr Metier selbst nachdenken, mit einer Redaktion könne man sogar übers Sparen reden, da sie in der Regel mit intelligenten Menschen besetzt sei.

Meyer fordert, man müsse von der ständigen Diskussion um die Zukunft von Printmedien wegkommen. Stattdessen soll man über das journalistische Handwerk nachdenken. Es handle sich um ein Denkhandwerk – er beobachte aber, dass junge Journalisten googelten statt zu denken. Der Leser habe das Anrecht, durch einen Artikel ein Stück weiterzukommen. «Schaumkrönchen beschreiben» sei nicht die Aufgabe von Journalisten – für die Strömungen sei man zuständig.

Bei der Absetzung von Andrea Bleicher sei womöglich die Absicht ausschlaggebend gewesen, «die unglaubliche Kraft des Blicks weniger oberflächlich umzusetzen», obwohl er selbst nichts gegen Unterhaltung habe. Die Relevanz des Aufstandes der Redaktion vergleicht Meyer mit der Frage, wieso Schawinski einen Bart habe. «Zürcher Geschichten», an denen er sich nicht beteiligen wolle.

Lobende Worte hat Meyer für Ringier-CEO Marc Walder. Unter ihm gäbe es keine Sparmassnahmen in den Redaktionen, beim Blick würde sogar investiert. Durch die neuen Erlösströme (Entertainment, Digital) soll Ringier publizistisch unabhängig und stark werden und Inhalte statt «Content for People» liefern. Wenn man die Zeitungen entleere, brauche man sich nicht zu wundern, wenn niemand dafür zahlen wolle.

Dem Soziologen Kurt Imhof wirft Meyer vor, mit Pessimismus Aufmerksamkeit erregen zu wollen. «Bei solchen Befunden schwingt stets mit, Ich, der Professor, wüsste die Lösung für die Probleme». Die «wissenschaftliche Posse» sei zwar nett, aber die Journalisten bräuchten die Medienwissenschaft nicht. Im Vergleich zu den früheren Parteizeitungen sei man heute weiter, auch wenn der «Google-Journalismus» tatsächlich ein Problem darstelle. (hae/SoZ)
 

Donate a Plate geht in die zweite Runde

Zu guter Letzt: Wie man nicht landwirtschaften soll

Im Rahmen einer internationalen Kampagne gegen Beifang in der Fischerei hat WWF einen Clip produziert. Er musste wieder zurückgezogen werden: weil er zu plakativ ist oder zu authentisch.

Der Animationsfilm zeigt verschiedene reale Methoden des Wildfischfangs auf – aber nicht im Wasser, sondern auf dem Land. Da soll bewusst werden, wie absurd es wäre, bei der Ernte nebenbei ein ganzes Feld mit Tieren umzupflügen.

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Der Clip ist humorvoll gemacht und hat eine klare Botschaft:

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Der Clip sensiblilsiert aber nicht nur, sondern er wirbt auch für das Label Marine Stewardship Council und für MSC-zertifizierten Fisch. Damit entstehen verschiedene Bedürfnisse und Anforderungen an den Clip.

Nun ist der Clip von Youtube und Vimeo verschwunden. MSC forderte WWF auf, ihn aus dem Netz zu nehmen: er zeige ein falsches und negatives Bild der Fischerei. Und er verkenne das Engagement vieler Fischereien, die sich um nachhaltigen Fischfang bemühen. Wieso die sich dann angegriffen fühlen sollten, ist nicht ganz klar. (sis)

Das Video finden Sie momentan noch unter folgendem Link.

Anfang einer Zeitreihe

ÜBERBLICK Mit der MACH Basic 2013-2 startet in der Nutzungsforschung der Printmedien eine neue Zeitreihe. Deshalb stehen in dieser Ausgabe für einmal nicht die Veränderungen im Mittelpunkt, sondern die neue Ausgangslage an sich. Trotzdem sind auch die teilweise massiven Veränderungen zu erwähnen.

Jetzt ist sie da, die völlig neu konzipierte MACH Basic der dritten Generation. Wie das MTJ bereits mehrfach berichtet hat (zuletzt in der Ausgabe 2013-1 auf den Seiten 5-7), sind die Ergebnisse der neuen MACH Basic näher an der Realität als die bisherigen. Die wichtigsten Neuerungen sind dem entsprechenden Kasten zu entnehmen.

MASSIVE VERÄNDERUNGEN

Abweichungen zwischen den Ergebnissen der MACH Basic 2012-2 und der aktuellen Ausgabe lassen sich nicht eindeutig interpretieren. Denn es bleibt offen, welchen Anteil an den Veränderungen methodische Gründe haben und welcher Anteil durch tatsächliche Nutzungsveränderungen im Markt bedingt ist. Es ist aber davon auszugehen, dass sehr hohe Abweichungen stark von den methodischen Veränderungen geprägt sind. Dabei hat mit Sicherheit die neue Stichprobenziehung einen entscheidenden Einfluss. Nach Auskunft von WEMF-Forschungsleiter Harald Amschler hat sich nämlich gezeigt, dass die bisher nicht erreichten Personen (also diejenigen ohne eingetragenen Festnetzanschluss) ein abweichendes Nutzungsverhalten aufweisen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Männer und junge Leute. Ihre Nutzung wurde bisher durch entsprechende Gewichtungen sozusagen simuliert. Dadurch erhielten die Interviews mit Personen aus dieser Zielgruppe eine überproportionale Bedeutung. Mit der neuen Stichprobenziehung fliesst jetzt aber das effektive Verhalten von Jungen und Männern ein. Die Ergebnisse liegen deshalb wesentlich näher an der Realität. Das hat aber die Konsequenz, dass es für eine grosse Anzahl von Titeln hohe prozentuale Abweichungen gibt, die zwischen -45 und +79 Prozent liegen und sich in den wenigsten Fällen durch ein effektiv geändertes Nutzungsverhalten begründen lassen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisse hat sicher auch der Umstand, dass in der neuen MACH alle Befragten sowohl das Titellogo als auch die Antwortkategorien vor Augen hatten. Harald Amschler vermutet, dass dadurch vor allem die Abfragen der Nutzungsfrequenz präziser beantwortet wurden. Dieser Einfluss sei bei Titeln mit nicht täglichem Erscheinen deutlich grösser.

Der Tabellenteil des gedruckten Berichtsbandes ist völlig neu konzipiert worden. Neben einer Umstellung ins Querformat ist vor allem eine andere Darstellungsart zu erwähnen. So sind die Informationen zu Geschlecht und Alter, aber auch die Ergebnisse nach Wirtschaftsgebieten separat nach Sprachgebieten auf der gleichen Seite abzulesen. Die Werte in der Grundgesamtheit sind bei den Titeln der Tages-, Wochenund Sonntagspresse konsequent nach Kantonen über die ganze Schweiz, diejenigen der Publikums- und Spezialpresse nach Sprachgebieten geordnet. Dadurch lassen sich bei allen Titeln und Kombinationen, die in mehr als einem Sprachgebiet genutzt werden, auf der gleichen Zeile die Werte für die betreffenden Sprachregionen sowie für die ganze Schweiz ablesen.

NEUE NATIONALE ANGEBOTE

Dank dieser Darstellungsweise lassen sich nationale Angebote sehr viel einfacher eruieren und darstellen. In der nebenstehenden Grafik sind diejenigen aufgeführt, die in mindestens zwei Sprachgebieten je mindestens fünf Prozent Reichweite erzielen. Dies trifft auf immerhin sechs Angebote zu, die in der Grafik in der Reihenfolge ihrer nationalen Reichweite aufgeführt sind. Abgesehen von der KombiNation SwissWomen von Ringier mit Schweizer Illustrierte, Glückspost, L’Illustré und TV8 sowie des NZZ Business Combi von NZZ und Le Temps sind diese Angebote in allen drei Sprachregionen vertreten. Die an dritter Stelle platzierte KombiNation SwissFamily von Ringier mit SonntagsBlick, Schweizer Illustrierte, L’Illustré, L’Hebdo, TV8 und Il Caffè della Domenica erzielt dabei in der Westschweiz die zweithöchste Reichweite. Beim führenden Angebot Kombinazione mit allen drei Migros-Wochenblättern fällt der relativ starke Unterschied zwischen den drei Sprachgebieten auf. Auch in den beiden Grafiken mit den Reichweitenjägern sind die Titel auf Grund ihrer Reichweite in der Grundgesamtheit rangiert. Aufgeführt sind dabei nur Angebote, die im Sprachgebiet mindestens 30 Prozent der Grundgesamtheit erreichen. Im Gegensatz zu bisher sind jetzt in beiden grossen Sprachgebieten die Titel von Migros und Coop an der Spitze, in der Westschweiz dank massiv höheren Reichweiten als in der alten MACH Basic. Neben den zwei Titeln der Grossverteiler ist in beiden Sprachgebieten 20 Minuten als ebenfalls gratis verteilte Publikation enthalten. Lässt man diese Publikationen sowie die Kombinationen weg, ergibt sich das Bild in der Grafik «Top-Titel bezahlt». Dabei fällt auf, dass die drei Westschweizer Titel geschlossen die Podestplätze einnehmen. Auf mehr als 20 Prozent Reichweite kommen ausserdem nur noch der K-Tipp und der Beobachter, der gerade noch den Grenzwert erreicht.

Insgesamt über alle vom MTJ erfassten Titel werden in der Schweiz 45,5 Prozent der Kontakte gratis erzielt (siehe Grafik «Gratisanteile nach Titelgruppen und Sprachregionen»). Bei der Publikums- und Spezialpresse beträgt der Gratisanteil ziemlich genau 50 Prozent, bei der Tagespresse 37,8 und bei der Sonntagspresse, die nur in der Südschweiz gratis vertrieben wird, lediglich 5,3 Prozent. In der Südschweiz werden auch nur gerade durch die Tagespresse bezahlte Kontakte erzielt, bei den andern drei Titelgruppen beträgt der Gratisanteil 100 Prozent. In der West- und Deutschschweiz liegt der Gesamtanteil zwischen 40 und 50 Prozent.

Ueli Custer

Grafiken und Übersicht (PDF)

Werbung und Röstigraben

In der welschen Schweiz präsentiert sich die Migros mit anderen Ideen für ihre Werbung und Kommunikation als in der deutschen Schweiz. Die bilingue Berner Agentur Numéro 10 stellt drei neue Arbeiten vor.

Auf der anderen Seite des Röstigrabens ist nicht nur das Leben manchmal ein bisschen lockerer. Auch die Werbung zum Beispiel für die Migros ist nicht den gleichen Grundsatzpapieren wie in der deutschen Schweiz verpflichtet. Sie darf sich ein paar «typisch welsche» Freiheiten erlauben. Verantwortlich gleich für drei verschiedene Einkaufstempel oder «Centres» ist die Berner Agentur Numéro 10. In den nächsten Wochen sind für alle drei neue Arbeiten von Gilles Aebi und seinen bilinguen Kreativen zu sehen. Alle Kampagnen bauen der Spezialität der Agentur entsprechend auf «sync big» – die «neue Methode für synchronisierte Kommunikation », zu der rund um den roten Faden mit Transmedia-Storytelling klassische Massnahmen mit dynamischer und digitaler Kommunikation verbunden werden. Die Kampagnen sind für die drei Centres in Bulle, Marin-Epagnier im Kanton Neuenburg sowie auf dem Campus der Technischen Hochschule EPFL in Lausanne völlig unabhängig und individuell gestaltet worden.

Gruyère Centre Bulle

In Bulle, das zur Migros-Genossenschaft Neuchâtel-Fribourg gehört, locken seit 30 Jahren 20 Verkaufsgeschäfte die Kunden an. Die Migros setzt in der eben angelaufenen Kampagne auf Kinder. Die Kampagne von Numéro 10 baut auf drei in der Region stark verankerte und bei Kindern sehr beliebte «Legenden». Der Riese Gargantua, der Hofnarr Chalamala und die Hexe Catillon werden noch einmal zu neuem Leben erweckt mit 3‑D-Zeichnungen, die beim Zielpublikum eine ähnliche Anziehung wie aktuell beliebte Filme im Stil von «Ice Age» erzeugen sollen. Die Figuren werben auf Plakaten für eine Märchenaufführung. Dieses Spiel von insgesamt 45 Minuten ist im Centre an verschiedenen Tagen in drei Akten von je 15 Minuten zu sehen. «Eine ideale Zeit für eine Pause nach dem Familieneinkauf», meint Gilles Aebi. Und der Trick funktioniert natürlich, dass die Kinder für alle Fortsetzungen noch einmal ins Centre kommen wollen. Dort werden sie auch mit 68 Karten beschenkt. Anders als bei den «Mania»-Sammelobjekten in der Deutschschweiz ist die Abgabe dieser Karten aber nicht an einen Kauf gebunden. Verteilt werden sie nach einer Vorankündigung in der Presse an rund 15 Events. Bei diesen können die Kinder dann Karten tauschen und an einem Turnier teilnehmen, während ihre Eltern beim Shoppen sind.

Marin Centre Kanton Neuenburg

Das Einkaufszentrum Marin war eines der ersten seiner Art in der Schweiz. Numéro 10 hat die vierjährige Umbauzeit bis zur Neueröffnung im November 2011 bereits kommunikativ begleitet. Jetzt bewirbt die Agentur das auch architektonisch ausgezeichnete Shoppingcenter mit einer Reihe von Happenings. Gesucht werden oder wurden jeweils «die Besten» oder am meisten Ausgefallenen aus einem bestimmten Fachgebiet. Für den Wettbewerb «Wer zeigt die originellsten Schuhe» sind an einem Samstag über hundert Leute mit selber gebastelten «Fantasieschuhen» ins Center gekommen. Das Vorzeigen hat natürlich ein noch viel grösseres Publikum angelockt. Auch ein Auftritt von 80 Mutigen im Pyjama hat die Zuschauer in Scharen ins Marin Centre gelockt.

Migros EPFL Lausanne

Die neue Migros auf dem Campus der Technischen Hochschule EPFL und ganz in der Nähe der Universität ist erst am 19. September dieses Jahren eröffnet worden. Hier soll ein vor allem junges Publikum angesprochen werden. «Diese Studenten kommunizieren überdurchschnittlich gerne über soziale Medien», weiss Gilles Aebi. Bei seiner Kampagne von Numéro 10 spielt deshalb Facebook eine entsprechend starke Rolle. Dazu ist auch der Look mit dem Design der Werbemittel «jünger» als bei anderen Migros-Massnahmen gestaltet worden. Die Agentur arbeitet mit schwarzen Einkaufstaschen. 50 verschiedene Modelle mit jeweils anderen Aufschriften sind produziert worden. Die Wortspiele nehmen jeweils bekannte Sprichwörter rund um das Essen auf. In den gratis verteilten Taschen fanden die Studis während der Eröffnungsphase einen von der Migros offerierten Snack. Dazu wurde über Facebook jeweils ein Wortspiel speziell promoted. Wer eine Tasche mit dem entsprechenden Spruch vorweisen konnte, wurde mit grosszügigen Einkaufsgutscheinen beschenkt. Und damit die Kampagne auch nachhaltig wirkt, sind die schwarzen Taschen in einer besonders guten Qualität produziert worden – damit die Studis sie nicht wegschmeissen, sondern weiterhin täglich Werbung für ihre Migros machen.

Andreas Panzeri

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Hackordnung unverändert

Weder die neue Erhebungsmethode noch erstmals bzw. nicht mehr ausgewiesene Titel haben die Rangfolge der Verlage in den einzelnen Märkten verändert. Aber die Abstände sind natürlich nicht mehr dieselben.

Tamedia, die Grossverteiler Migros und Coop sowie Ringier erzielen zusammen 50,6 Prozent aller Kontakte derjenigen Titel, die durch das MTJ erfasst werden (siehe Kasten «Basisinformationen» auf Seite 2). Die andere Hälfte des Lesermarktes geht an Axel Springer und NZZ (je 5,2%), die Konsumenteninfo (4,9%) und die AZ Medien (3,4%). Die restlichen 30,7 Prozent verteilen sich auf eine Vielzahl von Titeln kleinerer Verlage (siehe Grafik «Marktanteile Ganze Schweiz»). In der alten MACH Basic hielten Tamedia, Ringier und die beiden Grossverteiler noch weniger als die Hälfte des Marktes. Dazu beigetragen haben einerseits die neue und erstmals ausgewiesene Landliebe von Ringier und andererseits die Zugewinne der Pendlerzeitungen auf Grund der besseren Erreichbarkeit von jungen Leuten sowie deutlich höhere Reichweiten der beiden Grossverteilertitel in der Westschweiz. Vor allem dank 20 Minuten beträgt der Gratisanteil aller Tamedia-Titel 52,7 Prozent. Am zweithöchsten ist er bei der NZZ-Gruppe mit 30,2 Prozent, während Ringier auf 19,9 Prozent kommt. Nicht zu berechnen ist er bei den AZ Medien, da sie ihre Gratistitel mit Ausnahme des Stadtanzeiger Olten nicht von der MACH Basic erheben lässt.

NZZ und Springer gleichauf

In der deutschen Schweiz kommen Tamedia, Ringier und die beiden Grossverteiler auf nicht ganz 50 Prozent. Wie die Grafik «Marktanteile Deutsche Schweiz» zeigt, spielen hier drei der vier mittel-grossen Verlage eine grössere Rolle, da sie schwergewichtig oder ganz in diesem Sprachgebiet aktiv sind. Auch hier liegen die NZZ-Gruppe und Axel Springer praktisch gleichauf. Dazu beigetragen hat allerdings auch, dass der deutsche Verlagsriese seine beiden Programmtitel TVvier und TV2 nicht mehr ausweisen liess. Dazu kommt, dass für den Beobachter Natur neu wesentlich weniger Leserinnen und Leser gefunden wurden als bisher. Dasselbe lässt sich aber auch zu NZZ Folio sagen. In der Westschweiz generieren die in der MACH Basic ausgewiesenen Titel der Grossen sogar 59,1 Prozent aller Kontakte. Dabei liegt die Tamedia mit 28,8 Prozent deutlich vorne. Die Konsumenteninfo kommt hier mit 6,3 Prozent auf einen klar höheren Wert als in der deutschen Schweiz.

NZZ wird stärker werden

Fokussiert man auf den Markt der Tages- und Sonntagspresse, wird das Bild wesentlich extremer. Hier halten Tamedia, Ringier und die NZZGruppe gesamtschweizerisch und in der deutschen Schweiz über 80 Prozent des Marktes. Dominierend ist dabei die Tamedia – vor allem in der Westschweiz, wo sie mehr als drei Viertel aller Kontakte hält. Zum Marktanteil der AZ Medien ist anzumerken, dass hier für die Schweiz am Sonntag die Leserzahl der Gesamtausgabe (also inkl. der Regionalausgabe Graubünden) eingesetzt wurde, da der Titel nur noch so ausgewiesen wird. Ihr Marktanteil von 9,9 Prozent ist also zu einem kleinen Teil auch der ehemaligen Südostschweiz am Sonntag zu verdanken. Die NZZ-Gruppe wird in einem Jahr mit Sicherheit ihren Marktanteil noch ausbauen, weil spätestens dann erstmals Zahlen für die Ostschweiz am Sonntag ausgewiesen werden. Dazu kommt die Stärkung von St. Galler Tagblatt und Neue Luzerner Zeitung durch Übernahmen von Teilausgaben des Südostschweiz- Verbundes. Der nun – vorbehältlich der Genehmigung durch die Wettbewerbskommission – vollständig zur Tamedia gehörende Landbote wird die Verhältnisse angesichts von lediglich 60 000 Kontakten nicht nennenswert beeinflussen.

Ueli Custer

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Prix Italia: Koproduktionen der SRG SSR ausgezeichnet

Am 65. Prix Italia wird «Bloody Daughter» von Stéphanie Argerich als bester TV-Dokumentarfilm in der Kategorie «Musik und Kunst» ausgezeichnet.  «More than Honey» von Markus Imhoof wurde für den Spezialpreis «Expo 2015» nominiert.

Kontinenten in acht verschiedenen Kategorien teil.

Wie 2012 und 2011 hat die SRG auch in diesem Jahr einen der Hauptpreise gewonnen. Die Jury der Sparte TV-Dokfilme «Musik und Kunst» hat den ersten Preis an «Bloody Daughter» von Stéphanie Argerich vergeben, die in ihrem intimen Familienporträt die Beziehung
zwischen einer Mutter – der Starpianistin Martha Argerich – und ihren drei Töchtern thematisiert. Die Auszeichnung belegt die Qualität und das internationale Format der SRG-Koproduktionen, schreibt das Medienunternehmen in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Eine zweite dokumentarische Koproduktion der SRG hat bei der internationalen Jury des Prix Italia 2013 Beachtung gefunden: Sie nominierte «More than Honey», einen Film von Markus Imhoof über das Sterben von Bienenvölkern, als einen der drei besten Filme für den
Spezialpreis «Expo 2015 – Feeding the Planet, Energy for Life». Dieser Preis wird für Fernsehproduktionen verliehen, die sich mit den Themen Ernährung, Nahrungsmittelindustrie und deren Einfluss auf die Umwelt, die Gesundheit und auf unser Leben generell beschäftigen.
 

Zur Sache: Perfektes Timing

Nachdem unser aller Bundespräsident, passionierter Grasschmöcker und bekennender Nichtmedienkonsument Ueli Maurer am Kongress der Schweizer Medien kurz in seine Rolle als austeilender Parteipräsident zurückfiel und die Qualität und Themensetzung der Medien pauschal verdammte, wurde er von einem Teil der Teilnehmer ausgepfiffen. Zu Recht?

Kritik ist ja gut, aber wenn man nur das verdammt, was nicht dem eigenen Weltbild entspricht, wird es ein wenig öd. Vom Auspfeifen kann man halten, was man will, aber wer austeilt, muss auch einstecken können. Dem war nicht so! Der sonst nicht so zimperliche Maurer beklagte sich, dass er seit 35 Jahren nie mehr so ausgepfiffen worden sei. Glück für ihn – aber das weiss er ja nicht, denn er liest ja keine Medien – war auch, dass die Leserkommentare auf die diversen Artikel zur Medienschelte mehrheitlich positiv waren. Tatsache ist, viele Leser haben an den heutigen Medien was auszusetzen.

Die alljährliche Qualitätsdiskussion war lanciert. Am Dienstag dieser Woche dann der Medien-Club unter dem Titel «Ueli Maurers Medienschelte». Es diskutierten Roger de Weck, Generaldirektor SRG, Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor Schaffhauser Nachrichten, Kurt Imhof, Professor für Publizistikwissenschaft und Soziologie Universität Zürich, Patrik Müller, Chefredaktor Schweiz am Sonntag, und Iwan Rickenbacher, VR Tamedia. Ich fand die Diskussion, von wenigen Ausnahmen abgesehen, interessant. Das konnte auch die grottenschlechte Moderation von Karin Frei, die wie schon im ersten Medienclub nicht gerade glänzte (Steilpässe verpasst, dafür abrupt Diskussionen beendet und zum nächsten geschweift, Faden verloren, nicht nachgehakt und zu nerviges Zeigefingerfuchteln) nicht verhindern. Bemerkenswert der Satz von de Weck: «Wenn die Kunden wegfallen, sagen alle anderen Branchen, das Produkt muss besser werden. Ausser die Medien …» Hat etwas. Auf Seite 6 findet sich eine Auswahl von Tweets zur Sendung.

Dann am Mittwoch die Präsentation der vierten Ausgabe des Jahrbuchs «Qualität der Medien». Zeitgleich mit der Pressemitteilung der Herausgeber kam auch eine Pressemitteilung des Verbandes Schweizer Medien, die prophylaktisch das Jahrbuch schon mal verteufelte. Und ganz zufällig gab es dann noch einen Artikel in der BaZ online unter dem Titel «Wäre Kurt Imhof eine Zeitung, sie hiesse Blick». Das kann es ja wohl nicht sein. Man kann über die Methodik und über die imhofsche Definition des Qualitätsbegriffes sehr wohl geteilter Meinung sein. Man kann ihn mögen oder nicht, aber einer Diskussion über die Qualität unserer Medien dürfen wir uns nicht entziehen. Diese muss geführt werden – und zwar ohne Vorurteile und Scheuklappen.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]
 

Fenster nach Paris

Mit welchen Ideen wollen die französischen Privatsender M6 und W9 das Publikum in der Romandie vor die Werbefenster locken?

Eine Gruppe von Mitarbeitenden des Vermarkters Goldbach Media ist Anfang September zusammen mit anderen Interessierten für einen Tag nach Paris gereist. Im Kino «Club de L’Etoile» haben die Schweizer sich in einer französischen Version der «Screen up» die kommenden Highlights der Privatsender M6 und W9 präsentieren lassen.

M6, auch unter den Namen Métropole Télévision bekannt, ist ein französischer Privatsender, der zu 48,56 Prozent der RTL Group gehört. M6 ist nach TF1 der zweitgrösste Privatsender Frankreichs. W9 ist ein Schwester-Unternehmen mit identischer Beteiligung. Der im Mai 2005 lancierte Kanal W9 hat als Name keine tiefsinnige Bedeutung. Es ist einfach die grafische Spiegelschrift von M6. In seinen Anfängen 1998 hiess der Sender noch M6 Music. Entsprechend besteht das Programm auch heute noch zur Hauptsache aus Musiksendungen, Fernsehserien und Sportübertragungen. Jacqueline Sasse, Sales Director TV bei Goldbach, bezeichnet W9 als «Shooting Star in Frankreich». Der Sender ist auf der TNT-Plattform, dem wichtigsten Kabelnetz in Frankreich, die Nummer 1, noch vor dem grossen TF1. «Der Sender ist eine einzigartige Erfolgsstory in Frankreich wie in der Westschweiz und hat sich innert kürzester Zeit trotz grosser Konkurrenz in beiden Märkten zu einem relevanten Sender entwickelt. » Das Werbefenster von W9 ist von Goldbach in der Romandie zehn Jahre nach dem Lancieren des Werbefensters M6 im Sommer 2012 ins Portfolio aufgenommen worden. Mit Sendungen wie «Die Simpsons», «Lie to me» aber auch der französischen Version von «jung, wild und sexy» unter dem Titel «Bienvenue chez le Ch’tis» eignet sich W9 als Werbeplattform vor allem für eine jüngere und freche Zielgruppe.

Kultig, aber weniger trashig

Besonders gut angekommen ist bei der Präsentation in Paris auch die Sendung «Séduis-moi si tu peux». Echt progressiv in der Haltung müssen hier Männer, die sich für attraktiv halten, vor einer Jury mit 24 Frauen bestehen. Die Junggesellinnen zeigen sich emanzipiert und gnadenlos bei ihrer Suche nach dem Traummann. Die aufwendige Show wird produziert von Fremantlemedia. Ebenso auf W9 zu finden ist Fussball aus der UEFA Europa League sowie Weltklasse-Tennis. Unter den Serien ist «Spartacus» bereits in der dritten Saison sehr erfolgreich. Auf M6 ist bei der Pariser Novitäten-Show vor allem ein Format mit dem noch provisorischen Arbeitstitel «Ice» ins Auge gestochen. Im Konzept vergleichbar mit dem «Kampf der Chöre» im Schweizer Fernsehen kämpfen hier vier Teams um die beste Performance in der Sparte Eistanz. Als Coaches der jungen Talente wirken die mehrfachen Olympiaund WM-Stars Philippe Candeloro, Surya Bonaly, Sarah Abitpol und Gwendal Peizrat. Für die verschiedenen Folgen der Show hat M6 zwei Eishallen bauen lassen, eine zum Trainieren, eine zweite für die TV-Aufzeichnung. Hier seien die modernsten Anlagen für Lightshows, Projektionen auf die Eisfläche und andere Effekte eingebaut worden. Die Show wird von M6 in eigener Regie produziert. Mit französischem Charme präsentieren sich Doku-Soaps wie «Le meilleur Patissier», wo quer durch das Land die besten Backtalente gesucht werden.

Nach einem ähnlichen Rezept funktioniert «la meilleure Boulangerie de France». Unter den Serien fallen die mit Golden Globes und Emmys ausgezeichneten Folgen «Touch» mit Kiefer Sutherland auf. Und wer wieder einmal seine französischen Sprachkenntnisse auffrischen möchte, kann sowohl auf M6 wie W9 eine Reihe von hochwertigen Kinofilmen auch abseits von Paris in seinem eigenen Sofa geniessen.

Andreas Panzeri


Die Werbefenster der französischen Privatsender werden in der Romandie von Goldbach Media vermarktet. Im Interview zeigt sich Jacqueline Sasse, Sales Director TV, sehr zufrieden mit der Resonanz.
 
WW: Welchen Stellenwert hat M6 im Vergleich zu anderen Sendern in der Romandie?
Jacqueline Sasse: Die Entwicklung von M6 ist sehr zufriedenstellend. Die Top-Rating-Sendungen sind «Top Chef» und «L’amour est dans le pré». Das ist die französische Version von «Bauer ledig sucht», aber mit sichtbar grösserem Aufwand gedreht. Auch die «Scènes de ménages» laufen sehr gut. Das sind kurze Sketches aus dem Alltag des Zusammenlebens. Diese Formate der französischen Sender sind in der deutschen Schweiz nur den wenigsten bekannt. In der Romandie haben die Sendungen aber eine richtige Fangemeinde. Auch der Sonntagabend ist mit «doku/intello» sehr beliebt und kann den Magazinen von TSR die Stirn bieten. M6 positioniert sich bei der werberelevanten Zielgruppe 15–49 und HHF 20–49 über 24 Stunden und in der Primetime sogar vor TF1 und ist entsprechend der Marktführer innerhalb der Privatsender. Bei der Zielgruppe 15–29, 15–39, 15–39 männlich und 15–39 weiblich ist M6 sogar der Nr.-1-Sender in der Romandie über 24 Stunden.
 
Wie ist Goldbach als Vermarkter zufrieden mit den Buchungen der Fenster?
Wir sind sehr zufrieden. M6 und auch das im letzten Jahr neu gelaunchte Werbeumfeld auf W9 sind gut gebucht. M6 liefert seit Jahren konstant Top- Leistungen und wird von den Werbekunden in der Schweiz als innovatives und zuverlässiges Programmumfeld sehr geschätzt.
 
Wie erlebt ihr die Resonanz auf das im letzten Jahr neu lancierte W9-Fenster in der Schweiz?
W9 ist in der Romandie besonders beliebt. Der junge Sender kann eine grosse Medienresonanz geniessen dank Presseartikeln aus Frankreich wie auch Hinweisen und Kritiken in den Schweizer Medien. Auch auf sozialen Medien wie Facebook und Twitter ist W9 in der Romandie sehr präsent. Der Musiksender profiliert sich dank neuen innovativen Shows und Magazinen, welche bei den Jungen zu grosser Akzeptanz führen.
 
Welcher Sender ist für welches Publikum?
M6 positioniert sich als Familiensender. Die HHFZielgruppen werden erreicht dank zahlreichen und abwechslungsreichen Eigenproduktionen, zum Beispiel «La France a un incroyable talent», «Scènes de ménages», «un dîner presque parfait», «100% Mag» sowie Spielfilme, welche am Nachmittag on air sind. Nicht nur die jungen und dynamischen Frauen werden mittels Crime-Serien, Kochsendungen, Magazine und Beauty-Shows angesprochen, sondern auch die männlichen Zielgruppen dank «Capital», «Zone interdite», der Auto-Show «Turbo» und vielen Blockbustern. Die Programmierung von M6 ist nebst grosser Innovation auch qualitativ hochwertig.
 
W9 ist für die Jugend?
Ja, W9, der Schwestersender von M6, eignet sich besonders für jüngere Zielgruppen. W9 hat mit grossem Erfolg neue Konzepte in Frankreich umgesetzt, welche vorwiegend junge und trendige Personen ansprechen, also 15–39-Jährige. Beliebte Sendungen sind «Die verrückten Cht’is» oder «Marseillais». Diese sorgen nach wie vor für Schlagzeilen und faszinieren die jungen Erwachsenen mit markigen, aber auch lustigen Sprüchen. Ausserdem strahlt der Sender spannende Eigenformate wie «Relooking Extreme » oder «Séduis-moi si tu peux» aus, die ebenso die werberelevanten ZG HHF 20–49 und 15–49 ansprechen.

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Werbewirkung: TV-Spots wirken nicht nur auf dem Fernseher

Konsumenten sehen heute auch mit anderen Geräten fern als ihrem Fernseher. Doch wie steht es eigentlich um die Wirkung von TV-Spots auf den verschiedenen Devices? Eine aktuelle Studie, die unter der Federführung der australischen Murdoch University entstanden ist, liefert wertvolle Hinweise.

Der Fernseher im heimischen Wohnzimmer ist noch immer ein wichtiger medialer Fixpunkt – sein TV-Monopol hat er gleichwohl verloren. Die Konsumenten nutzen heute auch PCs, Laptops, Tablets und Smartphones, um fernzuschauen. Interessant ist es daher zu sehen, wie TV-Spots auf solch alternativen Endgeräten wirken. Mit Hilfe von Experimenten, an denen insgesamt rund 1000 australische Konsumenten teilgenommen haben, wurde nun die Wirkung von TV-Spots am Fernseher, PC und Mobiltelefon miteinander verglichen. Im Rahmen der Experimente wurden den Studienteilnehmern – die verschiedenen Gruppen zugeordnet wurden – rund 30-minütige TV-Beiträge samt Werbeblöcken gezeigt. Je nach Gruppenzugehörigkeit wurde dabei entweder ein klassisches TV-Gerät, ein PC oder ein Mobiltelefon zum Fernsehen genutzt. Die Wirkung der TV-Spots wurde im Anschluss per Befragung erfasst. Gemessen wurden vier Parameter: Werbeerinnerung und -sympathie, die Einstellungen gegenüber den beworbenen Marken sowie die Kaufbereitschaft. Das interessante Ergebnis: TV-Spots entfalten eine hohe Wirkung – und zwar unabhängig davon, auf welchem Endgerät sie gesehen werden. Zwischen den Devices zeigten sich in der Untersuchung keine statistisch signifikanten Wirkungsdifferenzen.

Ungestützt konnten sich die Konsumenten in der TV-Gruppe an 39 Prozent der Spots erinnern. In der Mobiltelefon-Gruppe lag die ungestützte Werbeerinnerung ebenfalls bei 39 Prozent. In der PC-Gruppe wurden mit 46 Prozent sogar noch etwas höhere Erinnerungswerte erzielt, die Abweichung ist statistisch aber nicht signifikant. TV-Spots erzielen zudem auf allen Devices vergleichbare Sympathiewerte: Anhand einer 7er-Skala mit der 7 als Bestwert wurden die TV-Spots auf dem Fernseher im Schnitt mit der Note 4.8 bedacht. Die gleiche Sympathieno te erhielten die Spots, wenn sie auf dem Mobiltelefon (4.8) angesehen wurden, am PC (4.7) lagen die Sympathiewerte nur geringfügig darunter. Ein ähnliches Bild zeigt sich hinsichtlich der Einstellung der Konsumenten gegenüber den beworbenen Marken und der Kaufbereitschaft. So zeigten die Konsumenten durchwegs eine positive Haltung gegenüber den beworbenen Marken, unabhängig davon, ob die TVWerbung am Fernsehgerät, PC oder Mobiltelefon rezipiert wurde (jeweils 4.9 auf einer 7er-Skala mit Bestwert 7). In der TV-Gruppe lag die Kaufbereitschaft für die beworbenen Produkte bei 32 Prozent. In der Mobiltelefon- (28 %) und der PC-Gruppe (27 %) zeigte sich eine auf den ersten Blick etwas niedrigere Kaufbereitschaft – die Abweichung erwies sich jedoch als statistisch nicht signifikant. TVSpots wirken somit nicht nur auf dem klassischen Fernseher, sondern auch auf alternativen Endgeräten wie PCs oder Smartphones – und zwar vergleichbar gut.

Im Alltag ist es zudem häufig so, dass Konsumenten ein und denselben Spot mehrmals zu Gesicht bekommen – unter Umständen auch auf unterschiedlichen Endgeräten. Aus Sicht werbetreibender Unternehmen ist diesbezüglich von Interesse, ob sich die Kombination und die Reihenfolge der Endgeräte, auf denen ein TV-Spot gesehen wird, auf den Impact des Spots auswirken. Die Untersuchung zeigt, dass dies nicht der Fall ist: Es macht in Sachen Werbewirkung keinen signifikanten Unterschied, ob ein Spot zum Beispiel erst am TV-Gerät und dann ein weiteres Mal am Mobiltelefon, erst am Mobiltelefon und anschliessend am TV-Gerät, zunächst am PC und danach ein weiteres Mal am TV-Gerät oder erst am Mobiltelefon und hiernach nochmals am PC gesehen wird. Alle Endgerätekombinationen sind ähnlich wirkungsvoll.

Clemens Koob

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Die Organisatorin

Als Geschäftsführerin der Textagentur Etextera unterstützt Ruth Hardegger-Wickli Frauen dabei, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Das erfordert Koordinationsgeschick.

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Koordinieren und organisieren, das liegt Ruth Hardegger-Wickli im Blut. Jahrelang hat die Betriebswirtin im Bahngeschäft Kommunikationsprojekte geleitet. Bei den SBB war sie als Kommunikations-Managerin und stellvertretende Chefredaktorin von Sbb.ch tätig, danach wechselte sie als Projektleiterin Multimedia zur BLS. Gleichzeitig leitete Ruth Hardegger-Wickli zusammen mit ihrem Mann das «Projekt Familie». Dreimal wöchentlich musste sie dafür sorgen, dass die externe Betreuung der Kinder funktionierte. Früh morgens lieferte sie den Nachwuchs ab, war tagsüber im Büro und kehrte abends wieder in ihre Rolle als Mutter zurück. Solange alle Rädchen ineinander griffen, funktionierte das System. Sobald eines ausfiel, zum Beispiel ein Kind krank wurde, geriet die Maschinerie ins Stocken. In dieser Zeit kam Ruths Mann Sascha Hardegger auf die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Eine Agentur, die Frauen dabei unterstützt, Beruf und Familie unter einen Hut bringen, indem sie ihre Arbeit flexibel einteilen und von zu Hause aus erledigen können. Noch während Ruth Hardegger- Wickli für die BLS im Einsatz stand, begann der Kommunikationsprofi in seiner Freizeit mit dem Aufbau der Firma. Er entwickelte den Auftritt und rührte bei Firmen die Werbetrommel. Richtig los ging es 2010, als Ruth Hardegger- Wicklis befristeter Vertrag bei der BLS auslief und sie die Geschäftsführung von Etextera übernahm. Texterinnen einzustellen, war noch der einfachste Part beim Geschäftsaufbau. «Wir erhalten wöchentlich Anfragen von Frauen, die für uns schreiben wollen.»

Härter erarbeitet werden mussten dagegen die Kunden. Kleinen Unternehmen fehle häufig das Geld, extern schreiben zu lassen, oder das Wissen sei weniger stark ausgeprägt, was ein schlechter Text anrichten kann. So gehören heute zum Kundenstamm von Etextera vor allem grosse und mittelgrosse Unternehmen, etwa die Allianz Suisse, Wago Contact, der Kanton Basel-Landschaft, Local.ch oder die Klubschule Migros.» Letztere hat Etextera damit beauftragt, für ihre neue Website die Texte neu zu verfassen. «Ein total cooler Auftrag», schwärmt Hardegger-Wickli. Die Agentur musste beim Texten nicht nur den Stil der Klubschule treffen, sondern auch dem Charakter des jeweiligen Kursangebots gerecht werden. Von der Sprach- oder Informatikweiterbildung über die Tanzlektion bis hin zum Kochkurs war alles dabei. Als zusätzliches Kriterium kam die Suchmaschinenoptimierung hinzu.

Während Hardegger-Wickli in der Startphase noch fleissig selber in die Tasten griff, überlässt die CAS PR-Redaktorin dies heute ihren «Damen». «Die schreiben viel effizienter als ich.» Hardegger-Wicklis Stärke liegt klar im organisatorischen Bereich. Als Geschäftsführerin ist sie die Schaltstelle zwischen den Kunden und den Freelancerinnen. Von ihrem Home Office in Schmitten im Kanton Freiburg aus koordiniert sie Anfragen, wählt die richtigen Texterinnen aus und übernimmt die Projektleitung. Darüber hinaus organisiert sie die Vermittlung von Moderatorinnen sowie Text- und Social-Media- Schulungen für Kunden.

Hardegger-Wickli ist das Aushängeschild von Etextera – und der Qualitätsgarant der Agentur. «Bei uns geht kein Text raus, ohne dass ich ihn gegengelesen habe», so die Geschäftsführerin. Sie prüft, ob ein Text auf den Punkt geschrieben ist, ob die Botschaft so rüberkommt, wie vom Unternehmen intendiert und ob der Text für die Zielgruppe geeignet formuliert ist: im einen Fall, ob der für Fachspezialisten gedachte Text der Terminologie gerecht wird, im anderen, ob das «Fachchinesisch» so übersetzt wurde, dass es auch für den Laien verständlich ist.

Locker flockig

Hardegger-Wickli gibt sich unbeschwert. Auf der Website präsentiert sie sich nicht nur im Business- Outfit, sondern zeigt sich daneben in Freizeitmontur – oder besser gesagt im Sportdress. «Wir sind nicht die stiere Agentur, die geschniegelt und gestriegelt daherkommt. Ans Kundengespräch gehe ich nicht im Deux Pièce.»

Ihre Lockerheit sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hardegger-Wickli streng strukturiert und durchorganisiert arbeitet. «Mit Ruth Hardegger-Wickli hat man eine verlässliche Partnerin an der Seite», sagt etwa Franziska Rodel, Geschäftsleitungsassistentin des Software-Herstellers Diartis. «Sie behält zu jedem Zeitpunkt den Überblick – egal wie chaotisch es zu und her geht.» Ihre Auftraggeber versucht Hardegger-Wickli weiterzubringen. Wenn ihr etwas suboptimal erscheint, schaltet sie sich ein. Dies schätzen ihre Kunden. «Ruth Hardegger-Wickli gibt klares Feedback und bringt – auch unaufgefordert – Verbesserungsvorschläge » so Manfred Lehmann, Marketing Manager beim Technikunternehmen Wago Contact. «Ich sehe meine Funktion als eine beratende.» Und mit diesem Ansatz ist Etextera schon mehrmals von einem reinen Text-Auftrag zu einem grös- seren Projekt gelangt. Das Software-Unternehmen Diartis beispielsweise wollte lediglich die Produktblätter und das Kundenmagazin überarbeitet haben. Am Schluss wurde – unter Beiziehen einer zweiten Agentur – ein neuer Gesamtauftritt realisiert. Eine Festzeitschrift einer Regionalbank, die eigentlich nur redigiert werden sollte, wurde schliesslich komplett überarbeitet. «Alles andere wäre hinausgeworfenes Geld gewesen.»

Ja, können Frauen denn schreiben?

Dass, wer Etextera engagiert, in Frauenhand ist, interessiert die einen sehr, die anderen gar nicht. «Für uns war die Flexibilität und Schnelligkeit der Agentur entscheidend. Ob es im Hintergrund eine Frau oder ein Mann ist, war zweitrangig», so Lehmann. Bei anderen Unternehmen öffnet sich die Tür für Etextera gerade auf Grund der Agenturphilosophie. «Grundsätzlich stösst Etexteras Idee, Frauen zu unterstützen, bei vielen Kunden auf Wohlwollen», erklärt Ruth Hardegger-Wickli. «Firmen können über uns indirekt Frauenförderung betreiben, das ist klar. Am Schluss zählt allerdings nur die Leistung.» Die Agenturleiterin weiss genau, in welchen Fällen sie ihr Modell zu Vermarktungszwecken einsetzen kann – und wann sie lieber andere Argumente in den Vordergrund stellt. Hardegger-Wicklis wichtigstes Verkaufsargument ist denn nie die Frauenförderung. Vielmehr streicht sie die Vorteile heraus, die sich für Kunden durch die Grösse und Vielfältigkeit der Textagentur ergeben. Mit über 20 Redaktorinnen und Werbetexterinnen versammelt sich unter dem Etextera-Dach Know-how aus den unterschiedlichsten Bereichen. Das grosse Netzwerk erlaubt es ausserdem, Aufträge innert kürzester Zeit auszuführen.

So sympathisch Etexteras Philosophie bei den einen ankommt; in manchen Fällen verkehrt sich der «Frauenbonus» ins Gegenteil. «Ja, können die Frauen auch etwas oder sehen sie nur gut aus?» Die Klischees kennt Hardegger-Wickli bestens. Beeindrucken lässt sie sich davon nicht. «So etwas erlebt man als Frau doch überall.» Häufig gefragt wird Ruth Hardegger-Wickli ebenso, ob Väter bei Etextera willkommen seien. Dann sagt sie jeweils elegant: «Wir wollen unserer Philosophie treu bleiben.» Einziger Mann an Bord bleibt vorerst ihr Mann Sascha Hardegger, der «Quotenmann». Ebenso wenig geplant ist es, neben dem Hauptsitz in Schmitten ein weiteres Büro in Bern oder Zürich zu eröffnen. «Wir kamen zum Schluss, dass ein zweiter Standort momentan nicht nötig ist.» Mit Kunden und Mitarbeiterinnen kommuniziert Ruth Hardegger-Wickli in erster Linie über Mail und Telefon. «Und ansonsten bin ich mit dem Zug schnell in Bern oder Zürich. Oder in Landquart.» Dem Home-Office-Modell bleibt Hardegger- Wickli treu. Nach den geregelten Jobs geniesst die Geschäftsführerin die gewonnene Freiheit. Die Arbeitszeit flexibler gestalten zu können, die Kinder ins Training zu fahren oder bei den Hausaufgaben zu helfen, das bedeutet ihr viel. Dass dafür der eine oder andere Feierabend drauf geht, nimmt die Geschäftsführerin gerne in Kauf.

Die nötige Disziplin, die es im Heimbüro braucht, bringt Hardegger-Wickli mit Leichtigkeit auf. Das verlangt sie auch von ihren Mitarbeiterinnen. «Mir ist egal, wann die Frauen ihre Texte schreiben. Sie müssen nur rechtzeitig liefern. » So streng sich die Geschäftsführerin auf der einen Seite zeigt, so verständnisvoll kann sie auf der anderen Seite sein. Stecken ihre Damen privat in einer schwierigen Situation, hat Hardegger- Wickli stets ein offenes Ohr. «Meine Mitarbeiterinnen wissen, dass sie mit mir auch über Kinder oder Familie reden können. » Sie kann nachempfinden, was es heisst, wenn ein Kind krank ist – oder es einen Engpass bei der Betreuung gibt. Dann ist eben einmal mehr ihr Organisationstalent gefragt.

Isabel Imper
 

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