Bastian Baker als Gastmoderator

Erneut prominente Verstärkung bei «Glanz & Gloria»: Nach Melanie Oesch tauscht nun auch der Schweizer Singer-Songwriter Bastian Baker die Musikbühne mit dem Studio und präsentiert als Gastmoderator eine Woche lang die News aus dem Show-Bizz.

Promis berichten über Promis. Unter diesem Motto standen bei «Glanz & Gloria» bereits 2012 sechs bekannte Persönlichkeiten aus Show und Sport vor der Kamera und moderierten für je eine Woche das People-Magazin. Die Reihe der prominenten Gastmoderationen fand bereits mit dem Volksmusikstar Melanie Oesch im September 2013 eine Fortsetzung. Nun tritt der junge Schweizer Singer-Songwriter Bastian Baker in ihre Fussstapfen und führt in der Woche vom 14. bis 18. Oktober 2013 durch die Sendung.

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Luzerner Jugendkultursender Radio 3fach wird 15

Radio 3fach ging als erster Jugendkultursender der Schweiz am 17. Oktober 1998 auf Sendung: ein Erfolg für das Schülerexperiment. Der Luzerner Lokalsender brachte seitdem einigte Radiotalente hervor, veranstaltet Konzerte und fördert Bands.

Das werbefreie Radio aus Luzern richtet sich an 16- bis 25-Jährige aus der Region. Es wird auch von Jugendlichen dieses Alters produziert. Die Macher improvisieren oft und verzichten nach eigenen Angaben auf «kommerzielles Hitparadengedudel». Stattdessen sind allabendlich Sendungen etwa zu Metal-, Hip Hop-, Indie-, und Schweizer-Musik zu hören. Das Programm umfasst auch politische Hintergrundsendungen wie «Krass Politic» oder das «Campus Radio». Der Sender agiert auch als Veranstalter der «Funk am See»-Musikfestivals, des jährlichen Nachwuchsbandpreises «Kick Ass Award» oder der Sommerbar Volière in Luzern. Finanziert wird 3fach vor allem aus Gebührengeldern des Bundes sowie Sponsoringbeiträgen. Heute zählt der Sender vier Festangestellte sowie über 40 freie Mitarbeiter.

Sprungbrett für Medienleute

Der Sender mit dem Beinamen «Kick Ass Radio» brachte bereits mehrere Talente hervor, darunter etwa SRF3-Moderatorin Anic Lautenschlager und Entertainer Dominic Deville. Gemäss den Verantwortlichen gibt es ein klares Erfolgsrezept: „Unsere Altersguillotine“, sagt der 24-jährige Radio 3fach-Geschäftsleiter Mike Walker gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Beim Sender dürfen Jugendliche bis 25 hinters Mikrofon. Wer älter wird, muss weg. So kämen kontinuierlich neue Leute ins Team, die für frische Ideen sorgen.

Schwierige Phasen

Die Ehre musste sich 3fach hart erkämpfen. Gründer Attila Revesz bemühte sich während sechs Jahren um das Projekt. Er startete dieses 1993 als 16-jähriger Kantonsschüler. Nach mehreren Gesuchen erteilte der Bund schliesslich 1997 eine definitive Konzession. Gründer Revesz hatte sich zuvor mit der Radiokonkurrenz darauf geeinigt, dass 3fach auf kommerzielle Werbung verzichtet. Dafür erhielt der Jungendsender bis 2004 jährlich 230'000 Franken von den Privatradios Pilatus und Central. Zum Schock kam es 2003: Radio-Gründer Attila Revesz beging Suizid. Schwere Zeiten machte der Sender auch 2006 durch, als er in argen Finanznöten steckte. Moderatoren und Festangestellte mussten zeitweise mehrere Monate auf ihren Lohn warten.

Buch zum Geburtstag

Die Mitarbeiter und Fans feiern das 15-Jahr-Jubiläum in der Woche vom 14. bis 20. Oktober 2013 mit mehren Anlässen. So setzen sich etwa ehemalige Moderatoren unter der Woche wieder hinters Mikrofon. Und am 17. Oktober geben die Radiomacher zum Geburtstag ein Buch über den Sender heraus.
(SDA)
 

Ein Nachruf für Paul. Von Paul.

Von Paul Gredinger abgeschrieben von Reinhold Weber.

Die Aufgabe lautet: Einen Nachruf auf Paul Gredinger schreiben. Wir überlegten uns: Niemand kann den Nachruf auf Paul Gredinger authentischer schreiben als Paul Gredinger. Die Lösung: Wir publizieren eins zu eins Originalaussagen von Paul, erschienen u.a. im 365-seitigen GGKalender 1992. Alles andere fände er womöglich zu prätentiös.

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Der Impact-Check der Werbewoche September 2013

Wir zeigen, wie aktuelle Kampagnen bei den Konsumenten abschneiden.

Bei der Awareness liegt die Emmentaler- Anzeige mit dem neuen Schwingerkönig von Leo Burnett an der Spitze, gefolgt von der Credit-Suisse-Anzeige der Werbeagentur Scholz&Friends. An dritter Stelle liegt die Anzeige für Michel der Agentur Erdmannpeisker. Die Anzeige Rent a Rentner der Agentur Werbeanstalt siegt beim Kriterium Uniqueness vor dem London-Sujet für Tibits der Werbeagentur Wirz und dem Sujet Schweizer Fleisch der Agentur Polyconsult. Beim Kriterium Brand Fit gewinnt Schweizer Fleisch vor Michel und Emmentaler. Rent a Rentner liegt bei der Likeability an der Spitze gefolgt von Schweizer Fleisch und Tibits.

Impact Check der Werbewoche September 2013 (PDF)
Detaillierte Ergebnisse (PDF)

Zur Sache: zweifelhafter Dialog

Jeder Journalist weiss, dass es nur gewisse Reizwörter braucht, damit die Kommentarspalten in den Onlineausgaben der Zeitungen förmlich explodieren. Solche Reizwörter sind unter anderem Blocher, Ausländerkriminalität, Raser, Sozialhilfe, Tierquäler, Europa. Aber auch Abzocker, Boni, Fussballrowdy und jugendliche Trinker generieren viele Kommentare. Einige Kommentare sind jeweils gut und wertvoll, andere eher grenzwertig. Sehr oft befassen sich nur gerade die ersten Kommentare mit dem eigentlichen Thema, dann gleitet die Diskussion in gegenseitige Beleidigungen ab. Die Kommentar-Trolle lassen grüssen.

Auf Twitter und Facebook passiert Ähnliches. Schon einige Politiker mussten feststellen, dass ihre emotionalen, sich unter der Gürtellinie bewegenden Tweets und Bemerkungen ihrer Karriere nicht gerade förderlich waren. Solche unpassenden Kommentare und Tweets sind für einige Leute der Beweis, dass man solche Äusserungen nicht ernst nehmen darf. Auch Michael Ringier versuchte das am Medienkongress mit Zitaten aus Kommentarspalten zu belegen.

Wie war es denn früher? In der Vor-Internet-Zeit konnte man Leserbriefe, die dem verantwortlichen Redaktor nicht passten oder die sich im Tone vergriffen, einfach in den Papierkorb schmeissen. Das war Zensur. Monologe waren Trumpf. Heute ist man liberal und lässt oft eine härtere Diskussion zu. Der Leser soll mitreden können. Man sucht den Dialog. So weit, so gut.

Das Flüchtlingsdrama von Lampedusa zeigt die Grenzen des Dialogs. Christof Moser schrieb in der Schweiz am Sonntag: «Zweimal hatte ich diese Woche Tränen in den Augen. Das erste Mal, als ich die TV-Bilder über die Flüchtlingstragödie vor Lampedusa sah: über 300 ertrunkene Flüchtlinge, darunter Schwangere und Kinder. Und das zweite Mal, als ich die Kommentare unter den Artikeln zur Tragödie las.»

Man kann ihm nur beipflichten, denn was da in den Kommentarspalten abging, war einfach nur widerlich. Da war es ein schwacher Trost, dass die rassistischen und menschenverachtenden Kommentare im Ausland zum Teil noch krasser waren. Ich für mich jedenfalls habe mir die Zensur kurz zurückgewünscht. Doch das wäre der falsche Weg. Im Rahmen der Diskussion über die Qualität der Medien hört man immer wieder die Meinung, dass Journalisten generell an ihren Lesern vorbeischreiben und dass sie, was die Bevölkerung bewegt, nicht ernst nehmen würden. Mag sein. Aber ich will die dumpfbackenen Lampedusa- Kommentar-Schreiber gar nicht ernst nehmen, sonst wird es mir schlecht. Eine Lösung für einen Dialog habe ich leider auch nicht. Wichtig wäre er.

Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]
 

Postfinance sponsert Das Zelt

Seit 2013 ist Postfinance neue Hauptpartnerin des Schweizer Tourneetheaters. Publicis lanciert eine Kampagne anlässlich des neuen Tourneeprogramms.

Mit dem Sponsoring will die Finanzdienstleisterin ihr Engagement im Kulturbereich langfristig ausbauen und national stärken. Man habe bereits bewirkt, dass der Tourneeplan von ursprünglich 16 auf neu 21 Spielorte ausgebaut wurde, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Kommuniziert wird das Engagement von Postfinance im Duktus der Dachmarke „Jeder hat das Zeug zum…“. Diesmal aber hat der Postfinance-Kunde nicht „…das Zeug zum Finanzexperten“ – sondern „das Zeug zum Mega-Fan“ nach dem Besuch von Das Zelt. Die Kampagne startet rund einen Monat vor der Kommunikation des neuen Tourneeprogramms 2014 von Das Zelt – Chapiteau Postfinance und wird bis Mitte November präsent sein.

Verantwortlich bei Publicis: Roger Ruegger (CD), Bettina Klossner und Tom Kees (AD), Oliver Gisi (Text), Barbara Lagger (Beratung), Beni Kägi (Art Buying), Tiago Dias, Simon Grasser, Andy Günter (Digital), Andrea Achermann (DTP), Bianca Nerlich (Produktion), Diana Scheunemann (Fotografie).

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The Product is the Hero

Marti Communications lässt SIGG Farbe bekennen. In drei Schritten zu einer neuen Kampagne, inklusive Markenworkshop.

Längst haben die Alu-Flaschen von SIGG auch ausserhalb der Landesgrenzen zahlreiche Fans gefunden. So zählen neben Europa auch die USA und China zu den Schlüsselmärkten. Die Marke sieht sich zunehmend globalen Positionierungsfragen gegenübergestellt, die nicht mehr mit einem reinen «Made in Switzerland» beantwortet werden können. Vor diesem Hintergrund wurde Marti Communications beauftragt, eine Positionierungsplattform für SIGG zu erarbeiten, die internationalen Ansprüchen gerecht wird.

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Zweidimensionales Zielgruppenmodell

Bezeichnend für SIGG ist die zweidimensionale Zielgruppenstruktur. Einerseits durch die soziodemografische Achse, die Kinder ab drei Jahren bis Erwachsene im Rentenalter anspricht. Andererseits die psychologische Achse, die urbane Trendsetter von naturverbundenen Traditionalisten trennt. Dies galt es für die Entwicklung der Positionierungsplattform entscheidend zu berücksichtigen. «Um den Spagat zwischen Zielgruppen und Märkten zu meistern, wurde die konzeptionelle Arbeit in ein dreistufiges Modell gegliedert», erklärt Berater Thomas Krebs. Am Anfang stand ein Markenworkshop, der die Teilnehmer an eine gemeinsame Markenvision heranführt. Im Falle von SIGG nahmen daran rund 20 Personen aus allen relevanten Märkten teil, die unter anderem mit Bildwelten und Assoziationsübungen eigene Markenwelten für ihre Marke entwickelten. Auf dieser Basis erarbeitete Marti Communications verschiedene Kreativkon- zepte. Gemeinsam mit DemoScope wurden diese in allen Märkten in der Folge repräsentativ einem Pretest unterzogen und so auf ihre Tauglichkeit geprüft.

Farben machen Flaschen

In allen Märkten hat sich klar gezeigt, dass die Farben der SIGG-Flaschen ein entscheidendes Merkmal sind, das SIGG viel Sympathie verschafft. Sei es als farbiges Modeaccessoire, als Ausdruck eines vitalen und nonkonformistischen Lebensstils oder als eigentliches Farbsignal zur Abgrenzung vom sozialen Umfeld. Nicht nur in den wenig entwickelten Märkten ist die Flasche und ihre Kontur ein wichtiges Merkmal für die Wahrnehmung von SIGG. «Nur wenn die Flasche gross und plastisch gezeigt wird, stossen die Anzeigen auf Akzeptanz und konnten die notwendige Aufmerksamkeit erzielen», folgerten die Kreativen um Peter Marti aus den Tests. Sie kreierten drei Sujets, die als erste Generation der neuen Kampagne ab Herbst 2013 eingesetzt werden und die Marke als farbenfrohes Original positionieren. Zu sehen sind die Visuals on- und offline in nationalen und internationalen Medien. Eine Weiterentwicklung für 2014 ist bereits in Arbeit.

Markenworkshop

Das von Peter Marti entwickelte Tool zur effizienten Entwicklung nachhaltiger Markenstrategien ist als Markenworkshop im Unterschied zu anderen Strategieprozessen in wenigen Wochen umsetzbar. Es benötigt nur einige Stunden Engagement des Kunden. Ein weiterer Vorteil ist, dass unterschiedliche Gremien (VR, Management, Marketing, Verkauf) des Kunden aktiv integriert werden. Dies öffnet die Optik und erhöht die interne Akzeptanz. Neben SIGG wurde die Methode von Marti auch für Unternehmen wie Sunrise, Charles Vögele, Schulthess, Domino’s Pizza, Manpower oder Diethelm Keller Brands entwickelt und umgesetzt.

Neuer Sitz an historischer Stätte

Der Ort, wo man sich aufhält, und die Eindrücke der Umgebung widerspiegeln sich im Ausdruck und der Kreativität der Menschen, die diesen Ort bewohnen. «Das jedenfalls habe ich im Laufe der Jahre immer wieder erlebt», sagt Peter Marti. Seit diesem Herbst ist seine Marti Communications neu im Jugendstilhaus an der Forchstrasse 280 eingemietet. In den 4 Meter hohen und hellen Räumen wirkten früher die Kreativen der berühmten Agentur Wiener, Deville & Wälchli. Die Crew um Max Wiener erlebte hier die wichtigste Wachstumsphase von 1963 bis 1972, bevor die Agentur nach Küsnacht übersiedelte. Dort hat später auch Peter Marti bei Wiener, Deville gearbeitet. Der Rest ist Zufall.
 
Andreas Panzeri

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Aufgespiesst: Nostalgische Verjüngung

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über Kindheit zum Nachblättern.

Eine Sache ist wohl zwischen allen Eltern und Kindern gleich: Man führt zwar längst ein Leben unabhängig von Mama und Papa, bei den Altvordern daheim ist man aber immer noch Kind, im Ernstfall sogar der oder die «Kleine». Das nervt ziemlich oft, hat aber nicht nur Nachteile. Denn in diesem elterlichen Schonraum kann man immer wieder an die Bücherregale seiner Kindheit und Jugend zurückkehren und in die Welten und Geschichten von damals abtauchen. Wenn man Glück hat, stehen die Bücher sogar noch im alten Kinderzimmer, das zum Näh- oder Gästezimmer wurde, oder sie finden sich fein säuberlich versammelt in Kartonschachteln im Keller.

Die Tauchgänge zwischen den alten Buchdeckeln wecken herrliche Erinnerungen an nächtlichverbotene Lesestunden unter der Bettdecke, an immer wieder gern gehörte oder gelesene Geschichten und an Seiten, die wegen eines unheimlichen Bildes oder einer schreckreichen Erzählung nie wieder aufgeschlagen werden durften. Manchmal entdeckt man sogar, dass man die gleichen Lieblingsbücher hatte wie der Ehepartner, was schön ist und wie ein Stück gemeinsam verbrachte Kindheit. Jedenfalls, wenn es sich nicht um «Hanni und Nanni auf dem Ponyhof» handelt.

Bücher (lassen) leben

Vor allem für den, der selbst kleine Kinder hat, kann der Streifzug im Bücherregal von damals sehr fruchtbar sein. Denn warum nicht das, was in der eigenen Kindheit gut und schön war, was Fantasie und Träume beflügelt hat, für den eigenen Nachwuchs ins Hier und Jetzt retten? Und dabei selbst noch einmal ein wenig Kind, Fantast und Träumer sein. Gedacht, getan. Als ich kürzlich daheim ein paar meiner papierenen Kindheitsgesellen für unseren Sohn in den Koffer packte, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: «Werden diese Bücher dereinst in die Hände unserer Kindeskinder gelangen? Oder werden unsere Enkel irgendwann unseren Sohn fragen ‹Du, Papa, wo sind eigentlich unsere Kinderbücher?› und die Antwort erhalten ‹Die habe ich alle von meinem Tablet gelöscht.›?»

Der Zahn der Zeit

Klar, die Kinderbücher, die ich jetzt nach Hause schleppe, sind schwer – ich werde wahrscheinlich Übergepäck bezahlen müssen. Ich weiss nicht, wo ich sie daheim hinstellen soll, denn das Kinderzimmer unseres Sohnes ist nicht sonderlich geräumig. Ausserdem verströmen die Bücher den Geruch vergangener Tage und die ein oder andere Seite gibt Auskunft über ein Menü oder eine Schogginascherei von vor 35 Jahren. Manch ein Rücken ist gebrochen, manche Seite zerknickt oder bekritzelt – und dennoch treibt mir die Vorstellung von ordentlichen, sauberen, platzsparend abgespeicherten und schliesslich gelöschten Büchern auf dem Tablet einen traurigen Schauer über den Rücken. Denn all die Erinnerungen, die neben und zwischen den erzählten Geschichten auftauchen, sind mir mehr wert als Hygiene, Praktikabilität und Neuwert. Es ist, als wäre ich ein bisschen jünger, seit die alten Bücher wieder bei mir sind. Deshalb hoffe ich, dass ich trotz allen technischen Fortschritts irgendwann in den Bücherregalen unserer Enkelkinder das eine oder andere Buch von mir wieder entdecke – denn das Alte kann eben auch ein Jungbrunnen sein. Den ich dereinst noch besser gebrauchen kann als heute schon.
 

Heizungswechsel fällig?

Mit einer Kampagne von Metapur will die WWZ potentielle Erdgas-Nutzer an den Erdgasleitungen entlang ansprechen und die neuen nachhaltigen Erdgasprodukte bekannt machen.

Die WWZ sieht ein hohes Verdichtungspotential den installierten Erdgasleitungen entlang, gibt das Unternehmen bekannt. Eine Kampagne soll nun dazu beitragen, dass die Investoren bei Heizungswechseln die Option Erdgas in ihre Überlegungen einbeziehen. Dafür entwickelte die WWZ neue, auf Nachhaltigkeitsbedürfnisse ausgerichtete Erdgas-Produkte unter Beimischung von erneuerbarem Biogas. Die WWZ will damit ihr Image als nachhaltig agierendes Unternehmen stärken. Um diese Botschaft zu transportieren, wurde das «Sonnenblumen-Visual» der Erdgas-Kampagne des VSG (Verband der Schweizerischen Gasindustrie) adaptiert, mit den Kernbotschaften der WWZ-Verdichtungs-Kommunikation und mit einem in der Region bekannten Hintergrund-Sujet kombiniert.

Verantwortlich bei WWZ Energie: Nathalie Lüthi, Robert Watts. Verantwortlich bei Metapur: Jens Riedweg (AD), Nicole Fink (Grafik), Daniel Steiner (Text/Konzept).

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Neue Wege in der Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinenmarketing- Spezialisten geben gerne Empfehlungen ab, wie eine Website in den Suchresultaten ganz vorne erscheint. Doch sind manche Massnahmen, die vor kurzem noch top waren, heute ein Flop. Grund genug aufzuzeigen, was heute bei der Suchmaschinenoptimierung einer Website zu beachten ist.

Was zum Teil als Suchmaschinenoptimierung verkauft wird, ist ganz einfach die Basis, die zum Launch oder Relaunch einer Website gehört. Dazu zählen die Evaluation der richtigen Keywords, die Naming Convention (Page Title, URL, Headlines). Dass beim Relaunch die alten URLs auf die neuen umgeleitet werden (Redirects), sollte selbstverständlich sein, ebenso sprechende URLs sowie eine XML Sitemap. Die Suchmaschinen verlangen, dass die Suchresultate von allen Benutzern gleichwertig genutzt werden können. Darum können Websites, welche die Informationen auf dem Smartphone oder Tablet ungenügend darstellen, von den Suchmaschinen abgestraft werden. Somit ist das Responsive Design heute eine wichtige Anforderung an die Suchmaschinenoptimierung einer Website.
 
In den letzten Jahren hat sich die Suchmaschinenoptimierung zu sehr auf die Keyword-Evalulation sowie auf die Optimierung der Inhalte der Websiteauf die Keywords konzentriert. Dem Sinn einer Suchanfrage sowie der Informationsvermittlung nach der Suche wurde zu wenig Beachtung geschenkt. Dem wirkt Google jetzt mit Algorithmus- Updates (Panda etc.) bzw. einem neuen Algorithmus (Hummingbird) entgegen. Mit diesen Massnahmen trennt Google die wertvollen Informationen zu einem Thema von den wertlosen, um den Benutzern die bestmöglichen Antworten auf ihre Bedürfnisse, Fragen, Anforderungen und Wünsche zu liefern. Dieses Umdenken bei Google verlangt von den Website-Betreibern mehr Marketing-Denken: Um in den Suchresultaten vorne platziert zu sein, muss ein Unternehmen durch seine Informationsvermittlung im Web zu einem Thema oder Fachgebiet eine autoritäre Stellung anstreben:
 
– Die Intentionen, Bedürfnisse und Probleme der Konsumenten müssen bekannt sein 
– Der Content einer Website ist so aufzubauen, dass er die Fragen der (Suchmaschinen-) Besucher antizipiert und die entsprechenden Antworten Liefert 
– Rich Snippets sollen die semantische Suche unterstützen. Die Inhalte der Rich Snippets erscheinen zum Teil beim Suchergebnis und vermitteln dem Nutzer eine Vorstellung, welche Informationen die Website für ihn bereithält: Restaurantbewertungen, Preise, Öffnungszeiten, Hörproben einer CD etc. Mit den Snippets kann der Suchmaschinenbenutzer besser abschätzen, ob eine Website für seine Suchanfrage relevant ist.
 
Für Websites, die die bestmöglichen Informationen für die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Besucher bereitstellen, hat sich durch den Hummingbird- Algorithmus nicht viel verändert. Für alle anderen steht Arbeit an.
 
Nicolas Kaufmann

Der Himmel hängt voller Fonts

In der Buchstadt St. Gallen wurde vom 20. bis zum 22. September 2013 zum zweiten Mal das Symposium «Tÿpo St. Gallen» durchgeführt. An der hochkarätig besetzten Veranstaltung wurde über das Thema «Weissraum», über Fonts (Schriftdesign), Ideen und Konzepte sowie über Buchgestaltung referiert. Mit 300 Gästen war der Saal an der Schule für Gestaltung St. Gallen einmal mehr ausverkauft.

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In der Typografie gibt es so wenig absolut Neues zu erfinden wie im Bett oder in der Kochkunst.» Kein Geringerer als der unvergessene, vor zwei Jahren verstorbene Design-Professor Kurt Weidemann hat diese These in die Welt gesetzt. Diese ist in der Tat kaum zu widerlegen. Trotzdem, was ist heute anders als früher, zu der Zeit, als Typografie noch bleiernes Handwerk gewesen ist? Zu der Zeit also, als die besten Schriften (Fonts), die verwendet wurden, ihre Wurzeln im Mittelalter hatten – und die noch heute Bestand haben? Geblieben ist sicher einmal, dass es heute genau wie früher zwei Arten von Typografie gibt – gute und schlechte (s. dazu auch «Pausengespräch mit Jost Hochuli»). Anders als früher ist auch die ins Kraut schiessende Menge neuer Fonts, die vielen «privaten» Fonts; will heissen, Schriften, die sich relativ leicht am Computer «designen» lassen. Meist basierend auf existierenden Schriftschnitten. «Dinosaurier», also alte Typografen, die der Meinung sind, diese neuen Fonts könne man in den Atlantik werfen, ohne kulturellen Schaden zu nehmen, werden gerne mit der Bemerkung zurechtgewiesen, es gebe ja in der Kleidermode auch immer wieder Neues, neue Rocklängen, andere Farben, andere Schnitte usw., diese neuen Fonts würden eben das Leben bzw. die Typografie bereichern.

Weissraum ist kein Leerraum

Über etwas zu sprechen, was nicht da ist – nämlich über den Weissraum –, erwies sich für die neunzehn internationalen Fachreferenten als nicht ganz einfach. So wurde neben dem Rhythmus zwischen Schwarz und Weiss, der Wechselwirkung zwischen Negativ und Positiv und des Weiteren über besonders gelungene Arbeiten, über Ideen und Konzepte sowie über die Buchgestaltung referiert. Daneben führte der Gestalter Clemens Theobert Schedler das Publikum als Moderator wie gewohnt leichtfüssig, mit Charme und Witz durch das Tagungsprogramm. Rund 300 Gäste verfolgten die Reden von Typografie-Koryphäen wie Jonas Vögeli, Erik Spiekermann, Veronika Burian, Jost Hochuli und weiteren interessanten Persönlichkeiten. Krönender Abschluss war der Buchstabenspaziergang am Sonntag morgen durch die Stadt St. Gallen mit Florian Hardwig. (Wobei anzumerken ist, dass das Symposium auch innert zweier Tage zu bewältigen wäre. Drei Tage sind einfach «too much» in der heutigen Zeit.)

Spiekermanns «Stakkato»-Sprache

«Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist. Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nicht-Lochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut» (Kurt Tucholsky). Dieses Zitat ist dem Referenten Erik Spiekermann bei seiner Recherche zum Thema Weissraum in den Sinn gekommen. In der Tat lassen sich die ersten paar Sätze der «soziologischen Psychologie der Löcher» von Tucholsky mit dem Tagungsthema «Weissraum» vergleichen. Gäbe es keinen Weissraum, so gäbe es auch keine Typografie und damit auch keine Tÿpo St. Gallen, meinte Spiekermann, der Setzer, Drucker, Kunsthistoriker, Informationsdesigner, Schriftentwerfer, Fachautor, Professor und Dr. h.c.

Typografie als Jahrmarkt der Eitelkeiten?

Auch er, Spiekermann, legt gerne Hand an, wenn es darum geht, bestehende Fonts zu modifizieren. Er hat seinerzeit die ersten Entwürfe zur «Helvetica» aufgeschönt und die wirklich schlechten Details ausgemerzt (s. Bild). Zu der «Helvetica» sagt er heute: «Die kann man für alles gebrauchen, aber wirklich sexy ist sie nicht.» Andere Serifenlose hätten zwar mehr Pep, aber man könne die nicht für alles verwenden. Neuerdings befasst er sich mit einem Redesign der «Helvetica», wobei seine neue Variante (z. B. das kleine «g») an die amerikanische Art Gothic gemahnt. Daher stellt sich einem ehemaligen Setzer unwillkürlich die Frage: Warum macht der das, und verwendet er nicht einfach die Art Gothic? Typografie als Jahrmarkt der Eitelkeiten? Wer nicht eitel ist, so Spiekermann, begnüge sich oft mit dem Durchschnittlichen. Spiekermann liess es sich nicht nehmen, gegen Ende seines Referats den Zuhörerinnen und Zuhörern einen handfesten Ratschlag mit auf den Weg zu geben, den auch Werbefachleute (Berater u.a.) beherzigen könnten: «Arbeiten Sie nie mit und für Arschlöcher!» Spiekermann zählte sicher zu den renommierteren Referenten, trotzdem muss seine Sprechweise – Stakkato, d’origine de Berlin – angekreidet werden. Er sprach – wie üblich – zu schnell, sodass ihm viele, vor allem Westschweizer, nicht zur Gänze folgen konnten. Er sollte, mit Verlaub, seine 08/15-Maschinengewehr- Sprechweise ebenfalls modifizieren, nicht nur Schriften. Seine «Spieke» war eine Zumutung für alle Nichtberliner.

Typografie, die den Augen schmeicheltund die Lesbarkeit auf die Spitze treibt
 
Ja, die gibt es heute noch. Die jungen Schweizer Gestalter Samuel Bänziger (28), Rosario Florio (32) und Larissa Kasper (27) gestalten Bücher, Magazine, Ephemera, Websites und Erscheinungsbilder für die Bereiche Kunst, Musik und Architektur. Sie überzeugten mit dem gestalterischen Relaunch des Magazins Saiten. Saiten erscheint seit April 1994 monatlich als Ostschweizer Kulturmagazin und liegt in zahlreichen Kulturorten, Geschäften, Restaurants und öffentlichen Institutionen in der Region Ostschweiz gezielt auf. Hauptanstoss zur Lancierung war die mangelnde Kulturberichterstattung in den lokalen und regionalen Medien. Seit 1999 zeichnet der Verein Saiten als Herausgeber verantwortlich. Saiten ist das einzige Kulturmagazin seiner Art in der Ostschweiz. Als ein unabhängiges Produkt mit hoher journalistischer und gestalterischer Qualität hat sich die Zeitschrift weit über die Ostschweiz hinaus einen Namen geschaffen. Reportagen, Interviews und Porträts aus Kultur und Gesellschaft öffnen den Blick für die Vielzahl an Welten, die im Kleinen stattfinden. Zentraler Gedanke ist, Grenzen zwischen Stadt und Land, Welt und «Provinz», Alt und Jung, «elitärer» und «alternativer » Kultur zu öffnen. Das Ostschweizer Kulturmagazin finanziert sich selbst und bekommt keine Subventionen. Es versteht sich überdies als Dienstleistung an die Bevölkerung (Veranstaltungskalender) und als Forum, das kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen in der Region widerspiegelt, reflektiert und somit eine Ergänzung zur regionalen Tagespresse darstellt.

Ein Magazin, das gesammelt werden soll

Das Trio Bänziger, Florio, Kasper wurde 2012 mit der Neugestaltung der Zeitschrift beauftragt; der Verlag wollte bewusst ein Team aus der Region, da eine enge Zusammenarbeit zwischen der Redaktion und den Gestaltern erwünscht war. Das Magazin wird nicht am Kiosk verkauft. Ziel der Neupositionierung bzw. des Redesigns war es, die Inhalte der Zeit anzupassen und das Magazin generell konkurrenzfähig zu machen – als Magazin, das auch gesammelt und aufbewahrt werden soll. Das Kulturmagazin Saiten zeichnet sich durch guten Journalismus aus. Es wurde bewusst auf ein Logo verzichtet, die Gestalter entschieden sich für eine Wortmarke mit starkem Wiedererkennungswert, dementsprechend wurde eine markante Schrift gewählt. Mutig ist auch, dass die redaktionellen Seiten in Schwarz-Weiss gehalten sind; nur Anzeigen werden vereinzelt vierfarbig dargestellt. Das Magazin wird jeden Monat von den Gestaltern selbst betreut, sie übernehmen für jede Nummer die Art Direction.

Ausstellung im Rahmen des Symposiums

Im Rahmen des Typografie-Symposiums Tÿpo wurden anhand einer kleinen, feinen Ausstellung ausserdem handschriftliche Briefe aus der privaten Sammlung des St. Galler Designers und Schriftgestalters Jost Hochuli gezeigt. Ebenso wurden die prämierten Bücher der Wettbewerbe «Die schönsten Schweizer Bücher» und «Die schönsten deutschen Bücher» des Jahrgangs 2012 gezeigt. Wie schon vor zwei Jahren kann auch bei der diesjährigen Tÿpo St. Gallen von einem Erfolg gesprochen werden. «Was kann einer Schule Besseres passieren, als eine solche öffentliche Plattform für die Weitergabe von Wissen und Erfahrung zu schaffen? Das Engagement der Schule für Gestaltung St. Gallen wird damit für die Arbeitswelt Kunst, Gestaltung und Design auf eine sympathische Art und Weise sichtbar – und das weit über die Landesgrenzen hinaus», erklärte Thomas Gerig, Abteilungsleiter der Schule für Gestaltung St. Gallen. Claude Bürki

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Tÿpo wiederum mit internationale Koryphäen: Neben den obgenannten Referenten traten auf: Jonas Vögeli, Mathieu Lommen, Jost Hochuli, Anna Rüegg, Veronika Burian, Kurt Höretzeder, Susanne Zippel, Willi Kunz. Die angereisten Referenten kamen aus Österreich, Tschechien, den Niederlanden, Deutschland, den USA und der Schweiz. Neben dem Thema «Weissraum» referierten sie an dem Symposium zudem über Ideen und Konzepte, über Historisches und Kunsthistorisches, über den Unterschied lateinischer zu asiatischen Schriften.
 


«Jede Zeit hat ihre Bedürfnisse, hat das Recht, sich anders auszudrücken»
 
Jost Hochuli ist wohl einer der bekanntesten Schweizer Typografen und gilt als bester Buchgestalter der Schweiz. Er hat übrigens eigens für die Veranstaltung eine Ausstellung präsentiert: Eine Woche lang waren im Foyer der Schule für Gestaltung Briefe und Plakate unter dem Titel «Einige von Hand geschriebene Briefe» zu besichtigen. Die Briefe stammen allesamt aus Hochulis Fundus und bilden gewissermassen den Schriftverkehr weltberühmter Gestalter ab. – Schreiben ist für Hochuli ebenso Gestalten wie Typografie, ist Formgebung mit dem Körper. Claude Bürki sprach in einer Kaffeepause mit dem Grafiker, Typografen und Buchgestalter Jost Hochuli.
 
Jost Hochuli, unter anderem ist an diesem Symposium auch die Rede von Type-Design, und zwar nicht zu knapp. Wir beide haben noch das Handwerk im Bleisatz gelernt und mussten früher mit den bestehenden klassischen und klassizistischen Schriften des Bleisatzes auskommen – und das ging gut so. Heute ist von Fonts die Rede, von zahlreichen neuen Fonts, die ich etwas despektierlich als «private Labels» bezeichnen möchte. Bald bastelt sich jeder Grafiker seine eigenen Fonts, basierend auf bestehenden Schriften. Was ist Ihre Haltung zu dieser «Fonts-itis», diesem riesen Angebot an neuen Schriften, die da herumgereicht werden? Ist das wirklich eine Bereicherung?
 Jost Hochuli: Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich diesbezüglich sehr unentschieden bin. Ich habe mir diese Frage natürlich schon selbst gestellt, und sie ist mir auch schon von anderen Leuten gestellt worden. Ich bin eigentlich ziemlich heikel und auch ein Stück weit konservativ. Einige dieser Schriften, die in letzter Zeit entstanden sind, zum Beispiel die vom Guardian, der englischen Tageszeitung, sind ganz hervorragend. Aber in meiner persönlichen Arbeit kann ich mit «Tagesschriften», bei denen man voraussieht, dass sie in zwei oder drei Jahren wieder verschwunden sein werden, nichts anfangen. Ich habe seinerzeit schon bei der Rotis (1988 von Otl Aicher veröffentlicht) im Rahmen einer Tagung gefunden, dass diese Schrift – wenn sie denn überlebt – eine Zeitspanne von 20 Jahren nicht überdauern wird, höchstens in seltenen Anwendungen. Und das ist genau so gekommen. Sie ist so weit entfernt vom Normalen, von dem, was einem nicht auffallen sollte – denn Schrift ist immer nur Transportmittel der Sprache und sollte als Form nicht zu stark auffallen. Klar hat jede Schrift noch etwas Zusätzliches dazu, ein eigenes Klima, eine eigene Stimmung, sie ist sympathisch, sie ist kalt, sie ist warm oder gar abweisend. Professor Dr. Antonio Loprieno, Rektor und Ägyptologe an der Universität Basel, nennt das den «Ikonischen Mehrwert». Das finde ich einen sehr guten Ausdruck. Das ist jedoch nichts Neues, die alten Setzer nannten dies «Stimmungsgehalt der Schrift». Wenn nun aber dieser Stimmungsgehalt zu stark auffällt, ist das nicht gut.
 
Neunzig Prozent dieser Fonts könne man ins Meer schmeissen, ohne einen kulturellen Verlust anzurichten, sagte ein anderer Professor, nämlich Kurt Weidemann. Er sagte auch, dass es in der Typografie nichts Neues mehr zu erfinden gebe. Ihre Meinung? Ich bin ebenfalls mit dieser Ansicht an dieses Symposium gekommen …
Ich glaube, es ist so, wie es schon immer war: Es hat gute Typografie gegeben und es hat schlechte gegeben. Grundsätzlich bin ich nicht pessimistisch. Ich bin durchaus nicht der Meinung, dass es etwas Negatives ist, dass es so viele Schriften gibt. Für gewisse Sachen kann eine verrückte Modeschrift durchaus ihren Zweck erfüllen. Aber ich wähle aus. Grundlegend Neues gibt es nicht. Die Innenräume der Buchstaben, die Abstände müssen stimmen. Das bleibt. Jede Zeit hat ihre Bedürfnisse, hat das Recht, sich anders auszudrücken. Bei diesen Kongressen oder Symposien lasse ich mich anregen und nehme mit, was ich brauchen kann. Es wurden hier tolle Sachen präsentiert. Es gibt einen Pluralismus, den ich persönlich schätze. Ich möchte auf keinen Fall zurück in die Zeit, in welcher gewisse Ideologen das Sagen hatten und meinten, es müsse alles mittelachsial sein. Und es gibt auch noch alte Basler Kläuse, die meinen, es dürfe um keinen Preis symmetrisch sein. Das Prinzip, das in der Natur vorkommt, an Bäumen, Blättern etc., stimmt heute noch. Nehmen Sie auch den menschlichen Körper, der hat nicht nur Symmetrie. Das Ideologische, das Entweder-oder kann ’s nicht sein. Das Sowohl-als-Auch ist die einzig vernünftige Antwort.
 
Wir leben im Zeitalter des Internet. Gelten da dieselben Grundregeln wie im Print?
Das menschliche Auge ändert sich doch nicht. Natürlich muss das Ganze den technischen Gegebenheiten angepasst sein. Wir haben das Licht von hinten, und wir haben ständig eine Bewegung auf dem Bildschirm. Ähnliches gilt ja auch für Gebäudebeschriftungen. Wenn die beleuchtet sind, braucht es grössere Abstände. Das Grundprinzip aber bleibt, weil unsere Augen die gleichen geblieben sind.

Claude Bürki

Gepflegte Guerilla-Kampagne für Marionnaud

Wunderman lanciert eine Kampagne für Marionnaud. Sie geht mit Beautyprodukten gegen die Schönheitsmakel von Denkmälern und Skulpturen vor.

Die französische Parfümeriekette Marionnaud erweitert ihr Schweizer Filialnetz fortlaufend. Als unterstützende Massnahme hat Wunderman im Spätsommer eine Guerilla-Kampagne in Zürich lanciert. Dabei machte sich die Agentur zu Nutze, dass im urbanen Umfeld Skulpturen, Denkmäler und Street Art Schönheitsmakel aufweisen – genau wie wir Menschen. Mit Beauty-Produkten versehenen Riesenstickern begab sich Wunderman auf die Suche nach diesen Makeln. Die Parfümkette Marionnaud will damit aufzeigen, dass sie für jedes Problem eine Lösung parat hat, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Verantwortlich bei Marionnaud: Vanesa Baleiron (Trade Director), Martina Müller (Marketing Manager). Verantwortlich bei Wunderman: Markus Gut (CCO), Daniel Bieri (CD), Silke Heinzelmann, Miloslav Cerny (AD), Nora Bertoli (Grafik), Laureen Zanotti (Text), Stéphanie Bertschi, Sonja Bernardi (Beratung).

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