Die Swiss ist die Schweiz

Aufgefallen Wo kollektiver Kleinmut und journalistische Schwarzmalerei sich gegenseitig verstärken, ersticken Visionen im Keim. Unsere Airline ist dafür ein schlagendes Beispiel.

Kolumne Wo kollektiver Kleinmut und journalistische Schwarzmalerei sich gegenseitig verstärken, ersticken Visionen im Keim. Unsere Airline ist dafür ein schlagendes Beispiel.Wir sind schon ein komisches Völkchen in unserem stotzigen Alpenreduit. In kehligem Idiom beklagen wir unser hartes Schicksal. Ach, die Kkkrise! Ach, der Irakkk-Kkkrieg. Ach, die Kkkonjunkkktur. Wunschlos unglücklich sitzen wir im Jammertal und lassen uns von den kkkleinmütigen Kkkassandras in den Medien wehrlos den Gummi schleifen. Vor allem die geschriebene Presse ist in eine Negativspirale getaumelt, die sich nur noch aus sich selber nährt.Das beste Beispiel dafür ist die Swiss. In einer ganz und gar unschweizerischen Aufwallung von Zuversicht und Mut hat man den Phönix wieder zum Fliegen gebracht. Und jetzt reist unser Heckflossen-Kreuz in alle Welt, transportiert jeden Monat eine Million mehrheitlich zufriedene Passagiere zuverlässig ans Ziel und ist nachweislich unterwegs zur «Destination excellence». Und das mitten in der grössten Krise der Luftfahrtindustrie.
Lufthansa und British Airways legen Dutzende von Maschinen still, was in den deutschen und britischen Medien als wirtschaftliche Notwendigkeit akzeptiert wird. Tut die Swiss das Gleiche, wird bei uns gleich das ganze Unternehmen in Frage gestellt. Und Journalisten, die eine Amsel nicht von einem Airbus unterscheiden können, machen dem Management Vorwürfe, hinterfragen Rentabilitätsrechnungen und spekulieren über das baldige Ende des Vorhabens. Mehr noch: Sie schreiben es herbei.
Ich will ihnen dabei keine Absicht unterstellen. Nur Naivität. Und mangelndes Bewusstsein über die Tragweite ihrer destruktiven Sichtweise. Wenn die Swiss wirk-lich untergeht, haben sie zwar Recht behalten. Aber um welchen Preis? Die Medien haben im Luftraum schon einmal versagt: Den Untergang der Swissair haben sie sträflich verschlafen. Die Spatzen pfiffen es längst vom Balsberg, aber keiner hat damals, im Vorfeld des Dramas, ernsthaft recherchiert. Jetzt steuern wir
aufs nächste Grounding des Wirtschaftsjournalismus zu. Alle schreiben sich gegenseitig den gleichen Unsinn ab. Zum Beispiel die Legende vom überdimensionierten Langstrecken-Netz. Knapp 70 Prozent der Passagiere werden im Ausland generiert. Und noch niemand hat gesagt, dass UBS, Novartis oder Nestlé einen zu kleinen Heimmarkt hätten.
Aber das sind Details. Und die Swiss wird – ein bisschen Aufschwung vorausgesetzt – schon bald vom Aschenputtel zur Heldin mutieren. Was bleibt, ist das Unbehagen über das selektive Wahrnehmungsvermögen der Medien. Und jenes, uns selbst in ihrem Verhalten wiederzuerkennen. Wir sind gefangen in unserem Kleinmut. Wir sehen zuerst das Risiko und dann die Chance. Wir fühlen uns wohler im Tiefbau als im Höhenflug. Wir sind nicht bereit, uns zu engagieren für Visionen. Wenn schon, wollen wir sie pfannenfertig und ohne Aufwand nach Hause geliefert bekommen. Wie die Alinghi. Sie steht für die Schweiz, die wir uns nicht zumuten. So wie die Swiss auch. Alles kkklar?
> Walter Bosch war Blick-Chefredaktor, Chef aller Chefredaktoren des Ringier Verlags und Mitgründer der Werbeagentur Bosch & Butz. Seit er diese 1998 verkaufte, ist er Unternehmer und Berater in Zürich und den USA.

Richtig, aber unvollständig

Online-Werbemarkt Media Focus versucht klarzustellen: Das für Januar 2003 ausgewiesene Brutto-Onlinewerbevolumen stimmt nur vorläufig. Nachträglich wird es nach oben korrigiert.

Online-Werbemarkt Media Focus versucht klarzustellen: Das für Januar 2003 ausgewiesene Brutto-Onlinewerbevolumen stimmt nur vorläufig. Nachträglich wird es nach oben korrigiert.372000 Franken soll die Onlinebranche im Januar 2003 umgesetzt haben, 66,4 Prozent weniger als im Januar 2002. Das wies Media Focus (MF) aus. Dass bei der Datenerhebung quantitative und methodische Änderungen vorgenommen worden waren (siehe WW 7/03), erwähnte MF-Geschäftsführer Lukas Zihlmann in seinem Kommentar zwar, über das Ausmass liess er seine Leser aber im Ungewissen. Er bat lediglich darum, die Brutto-Onlinewerte «der nächsten drei Monate sehr differenziert zu betrachten».Kein Wunder, dass nach der Publikation der Zahlen in der Onlinebranche ein Sturm der Entrüstung losbrach. Die Zahlen würden nicht stimmen, sie seien viel zu tief, wurde von Vermarkterseite moniert. «So kann es nicht weitergehen», reklamierten auch Eigenvermarkter. Reto Hartinger, Marketingleiter von Search.ch, bezeichnete die Zahlen als «Nonsense».
Am 10. März versuchte nun Jens Windel, VR-Delegierter MF, per Communiqué die Wogen zu glätten und mehr Transparenz zu schaffen. Der Text war mit Online- und Eigenvermarktern abgestimmt, diese enthielten sich im Gegenzug weiterer zusätzlicher Kommentare. Der Versuch, mit nur einer Stimme zu sprechen, ist zwar löblich, das vorgängige Feilschen um den Wortlaut war dem Text aber anzumerken: Er enthielt zahlreiche gewundene und teils missverständliche Formulierungen. Folgendes Fazit lässt sich nun aber ziehen.
Einige Eigenvermarkter fehlen
Das Onlinevolumen von 372 000 Franken für Januar 2003 setzt sich aus den Daten von Adlink, Publimedia Webservices und ActiveAgent sowie von den Eigenvermarktern Swisscom Directories, der Bund, NZZ Online, Basler Zeitung, Finanz und Wirtschaft, Msn, SevenOneMedia und Swissquote.ch zusammen. Wichtige Eigenvermarkter wie Search.ch, Google.ch und Bluewin.ch haben hingegen bisher keine Daten geliefert.
«Die Januar-Daten sind richtig, aber unvollständig», folgert Jens Windel – dies, weil eben noch einige grosse Eigenvermarkter fehlen. Mit Bluewin.ch und Google.ch sei man in Verhandlung, Search.ch wolle demnächst die Daten liefern. Sobald neue Datenlieferanten hinzukämen, die ihre Daten auch rückwirkend deklarieren, würde das Volumen von Januar und den Folgemonaten nachträglich entsprechend nach oben korrigiert, sagte er.
Windel hält ferner fest, dass die gemeldeten Werte neu «brutto-fakturiert» seien und den monatlich verarbeiteten Auftragswerten der einzelnen Vermarkter und Eigenvermarkter entsprächen. Die Umstellung auf eine exakte zeitliche Abgrenzung führe naturgemäss zu einer vorübergehenden Verringerung der Werbevolumen. «Dieser Effekt wird spätestens innerhalb der nächsten sechs Monate neutralisiert», schrieb Windel. Wegen dieser Änderungen könne zudem «momentan kein Trendvergleich zum Vorjahr durchgeführt» werden. Ohnehin seien die ehemals gelieferten Vorjahreswerte im Sinne der neuen Erhebungsart als «qualitativ unzureichend» zu beurteilen.
Dennoch wird der Online-Werbetrend von MF weiterhin prozentuale Vergleiche mit den Werten von 2002 enthalten. Dies bestätigte Windel. Die Begründung: Auch bei den Volumina der andern von MF erhobenen Mediengattungen käme es laufend zu teilweise starken Veränderungen, die gegenüber den Kunden dann detailliert deklariert würden. Auf Vorjahresvergleiche verzichte man auch dort nicht. Doch gerade weil die MF-Bruttoaufwandstatistik einer stetigen Dynamik unterworfen sei, sei es wichtig, den absoluten Franken-betrag immer im Zusammenhang zu sehen mit der Anzahl der Werbeschaltungen, die ebenfalls in der Statistik abgebildet sind, sagte Windel.
Gaben in der Szene Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen: Die von Media Focus erhobenen Januar-Umsätze der Online-Vermarkter.
Media-Focus-VR-Delegierter Jens Windel: «Unzureichende Vorjahreszahlen.»
Markus Knöpfli

JobChange

Anfang März hat Heinz Brenner die Online-Agentur Brenner Communications gegründet. Er war zuletzt bei Siemens Schweiz Head of Online Communications. ...Die bisherigen Associés Ernst Gremlich und Matthias Fatzer übernehmen die Aktivitäten

Anfang März hat Heinz Brenner die Online-Agentur Brenner Communications gegründet. Er war zuletzt bei Siemens Schweiz Head of Online Communications. …
Die bisherigen Associés Ernst Gremlich und Matthias Fatzer übernehmen die Aktivitäten der Zürcher Kommunikationsagentur Büttler Associés und firmieren neu als Gremlich Fatzer Partner AG.
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Denise Meier, zuvor bei Canon Schweiz Head of Channel Marketing, hat sich mit Jade Communications selbstständig gemacht.
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Der Ex-Chefredaktor von Cigar und Verlagsleiter von Salz & Pfeffer, Bruno Bötschi, geht beim Express als Unterhaltungsredaktor an Bord.
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Zum Ende der laufenden Amtsperiode tritt Markus Gisler aus dem Verwaltungsrat (VR) des Medienkonzerns Jean Frey AG zurück.
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Nach einem Jahr als Geschäftsführer von Universal McCann verlässt Frank Woday die Mediaagentur. Sein Nachfolger wird Heinz Bischof (Bild), der die Führung der Agentur ab April übernimmt. Die Leitung der Genfer Niederlassung bleibt bei Marco Rose.
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Im Frühling gibt Hanspeter Detsch sein Amt als Verwaltungsratspräsident von TBWA Switzerland ab und zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück. Zudem tritt er auf die nächste Generalversammlung aus dem Vorstand des (BSW) zurück (siehe auch Seite 8).
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Die Kreation von McCann-Erickson Schweiz wurde mit den ADs Sara De Pasquale und Bruce Roberts sowie den Texterinnen Heike Gross und Susi Kammergruber verstärkt.
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Ab 1. April übernimmt Eva Grolimund die Leitung der Basler Filiale von Clear Channel Plakanda. Sie folgt auf Hans Rudolf Keller, der aus gesundheitlichen Gründen austritt.

Luzerner wappnen sich gegen Gratiszeitungen

Verlage Die Neue Luzerner Zeitung (NLZ) und Anzeiger Luzern (AL) rü-cken näher zusammen: Die NLZ übernimmt im Zug einer Kapitalerhöhung der AL einen Aktienanteil von 30 Prozent.

Verlage Die Neue Luzerner Zeitung (NLZ) und Anzeiger Luzern (AL) rü-cken näher zusammen: Die NLZ übernimmt im Zug einer Kapitalerhöhung der AL einen Aktienanteil von 30 Prozent.Verlage Die Neue Luzerner Zeitung (NLZ) und Anzeiger Luzern (AL) rü-cken näher zusammen: Die NLZ übernimmt im Zug einer Kapitalerhöhung der AL einen Aktienanteil von 30 Prozent. AL gibt mit dem Anzeiger Luzern und der Luzerner Woche zwei Gratisanzeiger für Stadt und Agglomeration Luzern heraus. Die Bündelung der Kräfte verfolge auch das Ziel, die Position gegenüber Attacken neuer Gratisanzeiger abzusichern, so Erwin Bachmann, VR-Delegierter der NLZ.

Kein Ende des Sparens bei Basler Mediengruppe

Auch im Geschäftsjahr 2003/2004 muss bei der Basler Mediengruppe (BM) gespart werden.

Auch im Geschäftsjahr 2003/2004 muss bei der Basler Mediengruppe (BM) gespart werden.Angesichts der negativen Entwicklung im Anzeigengeschäft werde die Gruppe nicht um eine weitere Reduktion der Kostenblöcke herumkommen, erklärte CEO Beat Meyer in der Hauszeitung Net. Leser, Hörer und Druckkunden sollten davon nichts spüren. Ansetzen will Meyer bei Leistungen, die als «nice to have» erbracht werden.

SF DRS erzielt Rekord im Sponsoring

Im vergangenen Jahr hat das Schweizer Fernsehen DRS erstmals über 20 Millionen Franken mit Sponsoring eingenommen. Im Jahr 2001 waren es noch 17,1 Millionen Franken.

Im vergangenen Jahr hat das Schweizer Fernsehen DRS erstmals über 20 Millionen Franken mit Sponsoring eingenommen. Im Jahr 2001 waren es noch 17,1 Millionen Franken.Die genaue Zahl für 2002 wurde nicht bekannt gegeben. Im laufenden Jahr wurden bereits weitere Verträge für Sendungen und Programmplätze abgeschlossen, welche bisher nicht gesponsert waren: «Puls» mit Bico, «MTW» mit Erdgas und die Mittwoch-Serie um 20 Uhr mit Visilab.

AA&I für ein warmes Bad und Sicherheit

Die Zürcher Werbeagentur Advertising Art & Ideas entwickelt für Käch Security eine neue CI sowie weitere Kommunikationsmassnahmen. Ausserdem hat Runtal die Agentur mit dem Mandat für ihre Badeheizkörper betraut.

Die Zürcher Werbeagentur Advertising Art & Ideas entwickelt für Käch Security eine neue CI sowie weitere Kommunikationsmassnahmen. Ausserdem hat Runtal die Agentur mit dem Mandat für ihre Badeheizkörper betraut.

Für Jugendradio, gegen Subventionen

Der Zürcher Stadtrat äussert sich positiv zu einem möglichen Jugendradio für die Stadt Zürich. Dies schreibt er in der Antwort auf eine SP-Interpellation.

Der Zürcher Stadtrat äussert sich positiv zu einem möglichen Jugendradio für die Stadt Zürich. Dies schreibt er in der Antwort auf eine SP-Interpellation.Es müsse ein Programm geliefert werden, das hinsichtlich Präsentation, Wortanteil und Musikangebot auf die Bedürfnisse der Jugendlichen zugeschnitten sei. Die Bewerberinnen und Bewerber der Konzession müssten selber Ideen liefern, hiess es weiter. Eine regelmässige Betriebssubvention lehnt der Stadtrat ab.

Korrigendum

Im Artikel «Anzeigenpreise auf Augenhöhe» (WW 9/03) wurde der 1/1-Inseratetarif des Ende März neu erscheinenden Express mit 12284 Franken angegeben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um den Grund-Bruttoseitenpreis – der 11167 Franken beträgt und dam

Im Artikel «Anzeigenpreise auf Augenhöhe» (WW 9/03) wurde der 1/1-Inseratetarif des Ende März neu erscheinenden Express mit 12284 Franken angegeben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um den Grund-Bruttoseitenpreis – der 11167 Franken beträgt und damit fast identisch mit demjenigen von 20 Minuten ist –, sondern um eine Seite im News-Bereich mit 10 Prozent Platzierungszuschlag.

SFLB: Oazapft is!

Das Budget von Feldschlösschen wird neu von Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) betreut.

Das Budget von Feldschlösschen wird neu von Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) betreut.Bisher lag das Mandat bei Contexta. SFLB überzeugte laut Mitteilung mit einem Ansatz, der «durch seine Bierigkeit» besteche.

Ein Jogurt wie aus dem Beauty-Case

Nahrungsmittel Mit Marketingpower besetzt Emmis neue Aloe-Vera-Linie den Wellness-Jogurt- Markt. Dem neuen «sensitive Jogurt und Drink» soll gelingen, was dem Vorgänger und Subbrand Aloe Vera 4plus versagt blieb: der Durchbruch.

Nahrungsmittel Mit Marketingpower besetzt Emmis neue Aloe-Vera-Linie den Wellness-Jogurt- Markt. Dem neuen «sensitive Jogurt und Drink» soll gelingen, was dem Vorgänger und Subbrand Aloe Vera 4plus versagt blieb: der Durchbruch.
Mit einer geschickten Übernahmestrategie hat sich Emmi zum grössten Schweizer Milchverarbeiter gemausert und sich für den nächsten Expansionsschritt gerüstet. Wie heisst es doch im Volksmund so schön: Der Hunger kommt beim Essen. Erst recht, wenn der Eidgenosse Jogurt löffelt. Denn hier wurde, gemäss ACNielsen, der Appetit der Schweizer nicht nur grösser, sondern vor allem verfeinert. Der Gesamtverbrauch an Jogurts ist 2002 wertmässig um weitere zwei Prozent gestiegen. Zudem hält die Konsumentenforschungsfirma fest, dass Jogurtgeniesser sich immer mehr an qualitativen Topprodukten orientieren und Kleinpa-ckungen (bis 250 Gramm) bevorzugen. Mit einem Plus von 32,4 Prozent erfuhren Premium-Jogurts den stärksten Absatzzuwachs, vor den Bifidus- (+18%) und Bio-Jogurts (+8,6%). Ausserdem zählen die Schweizer europaweit zu den eifrigsten Jogurtkonsumenten: Seit 1999 verspeisten sie pro Kopf und Jahr rund 17 Kilogramm der bulgarischen Nationalspeise.
Sandra Wüest von ACNielsen begründet die Zunahme mit
den vielen Neulancierungen der Milchverarbeiter,
die dem Konsumentenwunsch nach einem abwechslungsreicheren und gesünderen (Jogurt-)Leben entgegenkommen. Nur so lassen sich im Verdrängungsmarkt der Milchprodukte, in dem nur selten vertikale Verschiebungen vorkommen, Anteile verteidigen, bestenfalls hinzugewinnen.
In diesem schnelllebigen Markt hat nur Überlebenschancen, wer den Wandel der Ernährungsgewohnheiten richtig antizipiert und der Konkurrenz stets eine Nasenlänge voraus ist. Diese Voraussetzungen gilt es mit Qualität und gutem Distributionsnetz auszuspielen.
Trotz vieler Neuheiten in den Molkereiregalen der Grossverteiler zeigen sich helvetische Konsumenten in Sachen Geschmacksrichtungen ganz konservativ: Am liebsten essen sie Nature-Jogurt (13,5%), während sie sich nur halb so häufig für Erdbeergeschmack entscheiden (6,5%).
Diese Präferenzen dürften dem neuen Aloe-Vera-Jogurt des Luzerner Milchkonzerns Emmi zum Erfolg verhelfen. Denn die fleischigen Blätter der Wüstenlilie Aloe Vera barbadensis Miller haben einen säuerlich-frischen Geschmack, der dem eines Nature-Jogurts nahe kommt.
Der Mehrwert liegt aber weniger im angenehm zurückhaltenden Geschmack, als vielmehr im Transfer der Produkteigenschaften der Heilpflanze, die sich der Konsument vom Verzehr verspricht. «Anders als bei der Anwendung auf der Haut ist Aloe Vera bei uns
als Nahrungsmittel noch weit
gehend unbekannt», sagt Torsten Fankhänel, Werbeleiter bei Emmi. Erklären kann er sich diesen Umstand vor allem mit der Tatsache, dass Aloe Vera nur als teurer
Saft in Drogerien und Apotheken erhältlich ist. Das aber könnte sich rasch ändern. «In Japan ist das Aloe-Vera-Jogurt ein Renner, gut eineinhalb Millionen Becher gehen dort täglich über den Ladentisch», frohlockt Fankhänel.
Emmi will deshalb für das Original und höchste Qualität stehen, so dass spätere Mitbewerber den Luzernern das Leben nicht schwer und vor allem das Image als innovative Marke nicht streitig machen können. Um das zu erreichen, will Emmi den Schweizer Markt vom Ausland her erobern. So überraschten die Zentralschweizer im Oktober die Branche an der Düsseldorfer Fachmesse Intermopro mit der Lancierung ihres neuen Jogurts.
Nach dem Launch die KampagneBereits im Dezember fanden Emmis Aloe-Vera-Jogurtbecher Einzug in die Kühlregale mehrerer deutscher Lebensmittelketten. Erst im Nachhinein schob man die Launch-Kampagne nach. Vor wenigen Tagen wiederholte der Milchkonzern, was er in Deutschland erfolgreich vorexerziert hatte, und nahm den Vertrieb auch im Heimmarkt («Dritte Kraft», Coop, Migros als Eigenmarke) auf. Wie im Nachbarland soll auch bei uns der nur leicht höhere Preis die Wohlfühleigenschaften des Produkts suggerieren.
Da Emmi als Vorreiterin im neuen Feld des Nahrungsmittel-Wellness-Markts eine «klare Marktdurchdringung» anstrebt, war eine schnelle und klare Positionierung unabdingbar. Entsprechend sehen die Kommunikationsziele eine rasante Bekanntheitssteigerung vor – innerhalb eines halben Jahres von null auf 80 Prozent in der Zielgruppe – und die Festigung des Markenwerts für Emmi. Angesichts der unüblich kurzen Fristen entschied man sich für eine Inhouse-Umsetzung mit einer Impact-Strategie. «Das Produkt sollte auffallen und die Botschaft – Schönheit kommt von innen – klar und schnell vermittelt werden», erinnert sich Fankhänel. Der Spagat zwischen Beauty- und Produktaufnahme, die trotzdem Food-Charakter behält, ist Fotograf Duncan Blum gelungen. Einzig bei der Umsetzung griff Fankhänel auf bewährte Rezepte der Inserategestaltung zurück. Der relativ tiefe Wissensstand über die Pflanze soll mit flankierenden PR-Aktivitäten aufgebessert werden.
Mit dem «sensitive Jogurt» auf Aloe-Vera-Basis bestätigt sich Firstmover Emmi als Innovationsmarke.
Nutraceuticals: Wellness in der NahrungDer Trend im Nahrungsmittelbereich zeigt eindeutig in Richtung Convenience und Functional Food. Weil diese Begriffe immer häufiger für die Beschreibung von Wohlbefinden verwendet werden, kristallisiert auch das Marketing die gesundheitsfördernde Wirkung heraus. Produkte mit natürlichen werden jenen mit künstlichen Substanzen vorgezogen. Trendforscher sind überzeugt, dass bei der Nahrung das Thema Jugend
in allen Aspekten wichtiger wird: Spezifische Wirkungen wie Anti Aging, Wellness oder Schönheit spielen auch beim Essen immer häufiger eine Rolle und beeinflussen somit das Einkaufsverhalten. Obwohl sich hier der viel versprechende Markt der Nutraceuticals – eine Wortschöpfung aus Nutrition (Nahrung) und Pharmaceuticals (Heilmittel) – öffnet, werden diese
Produkte als Lebensmittel beworben, da Health Claims für Nicht-Heilmittel verboten sind. Was die Marketingkommunikation nicht zu stören braucht, denn ein gewisser Imagetransfer findet beim Publikum trotzdem statt. (la)
Luca Aloisi

HandelsZeitung: Redesign

Wirtschaftspresse Die HandelsZeitung erscheint ab Ende Mai in neuer Aufmachung, bestätigte Chefredaktor Kurt Speck der Werbewoche.

Wirtschaftspresse Die HandelsZeitung erscheint ab Ende Mai in neuer Aufmachung, bestätigte Chefredaktor Kurt Speck der Werbewoche.Die Federführung der «sanften Renovation» liegt bei Ex-Blick-Chefredaktor Peter Balsiger, der 1989 nach Deutschland zog und nun für den Springer-Konzern arbeitet, zu dem auch die HandelsZeitungs-Gruppe gehört. Unterstützt wird Balsiger von der Hamburger Editorial-Designagentur Redaktion 4.
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