Swiss reisst Luftlöcher in die Printauflagen
Zeitungen Der voraussichtliche Verlust ihrer Airline-Exemplare erwischt die Verlage vor der Beglaubigung auf dem falschen Fuss.
Zeitungen Der voraussichtliche Verlust ihrer Airline-Exemplare erwischt die Verlage vor der Beglaubigung auf dem falschen Fuss.«Die Ständer an den Gates, wo sich alle Swiss-Passagiere, insbesondere aber jene der Economy-Class (rund 80 Prozent der Passagiere) bedienen durften, werden spätestens Mitte Jahr verschwinden.» Was dieser Satz aus dem vorsorglichen Kündigungsschreiben des Customer Ground Service (CGS) an die betroffenen Schweizer Verlage bedeutet, fasst Wemf-Beglaubigungsexpertin Christel Plöger trocken mit «vierstelligen Einbussen» zusammen. Auf den demnächst fälligen Wemf-Bögen firmiert dieser – schon beim Übergang von Swissair zu Swiss substanziell gefallene – Auflagenanteil unter der Sammelrubrik «Mehrverkauf zu Spezialpreisen». Welcher Titel wie stark vom überraschenden Swiss-Entscheid betroffen ist, darüber kann selbst die Wemf nur mutmassen.Weiter geschrumpft wäre das Sortiment gemäss CGS-Manager Rolf Kohler beim Flugplanwechsel Ende März allerdings sowieso: Wöchentlich 100 Flüge weniger ab Zürich, Bern, Basel und Genf hätte die Bestellungen bei den Verlagen ohnehin um 20 bis 30 Prozent einbrechen lassen. Nun gehts indessen gleich um alles oder nichts. So jedenfalls interpretiert die ungehaltene Weltwoche-Verlagsleiterin den CGS-Brief. «Auf Grund unserer positiven Auflagenentwicklung können wir es uns leisten, den gesamten Swiss-Posten bereits rückwirkend auf 2002 zu streichen», erklärt Uli Rubner auf Anfrage der Werbewoche.
Vor einem so radikalen Schnitt schreckt ihr NZZ-Kollege Tobias Trevisan (noch) zurück. Begründung: «Auflagezahlen spiegeln ein Marktgeschehen, und das ist nun mal dynamisch.» Wie viele der jeweils rund 4000 Werk- und Sonntagsausgaben der NZZ, welche die Swiss heute noch täglich in Umlauf bringt, der Wemf nicht mehr angegeben werden, sei derzeit «Gegenstand interner Gespräche». Da Airline-Exemplare jedoch «nur grosszügig verteilt statt wirklich gelesen» würden, schmerze ihn der angesichts 700 weiterer Swiss-Entlassungen «durchaus verständliche Bescheid» nicht nachhaltig.
Economy-Opfer Tagi und Blick
Weit weniger entspannt reagieren die beiden anderen Zürcher Grossverlage – kein Wunder, sind ihre Titel doch deutlich «Economy»-orientierter als die NZZ. Während beim Tages-Anzeiger dazu nicht mehr als ein beredtes «No comment» verlautet, zeigt sich SoBli- und Blick-Mann Bruno Blaser gelinde gesagt «not amused». Er spricht von einem «grundfalschen Signal» und beziffert die voraussichtlichen Ringier-Verluste auf «einige tausend Exemplare pro Titel». Tatsächlich dürfte der zu erwartende Rückgang – noch hat sich die Swiss ja ein Hintertürchen offen gelassen – bei den Boulevardblättern im tiefen fünfstelligen Bereich liegen. Da liegt es nahe, die Fühler in Richtung Lufthansa, Air France und andere gut situierte Schweizflieger auszustrecken. Was Blaser in weiser Voraussicht schon vor geraumer Zeit getan haben soll.
Oliver Classen
Vor einem so radikalen Schnitt schreckt ihr NZZ-Kollege Tobias Trevisan (noch) zurück. Begründung: «Auflagezahlen spiegeln ein Marktgeschehen, und das ist nun mal dynamisch.» Wie viele der jeweils rund 4000 Werk- und Sonntagsausgaben der NZZ, welche die Swiss heute noch täglich in Umlauf bringt, der Wemf nicht mehr angegeben werden, sei derzeit «Gegenstand interner Gespräche». Da Airline-Exemplare jedoch «nur grosszügig verteilt statt wirklich gelesen» würden, schmerze ihn der angesichts 700 weiterer Swiss-Entlassungen «durchaus verständliche Bescheid» nicht nachhaltig.
Economy-Opfer Tagi und Blick
Weit weniger entspannt reagieren die beiden anderen Zürcher Grossverlage – kein Wunder, sind ihre Titel doch deutlich «Economy»-orientierter als die NZZ. Während beim Tages-Anzeiger dazu nicht mehr als ein beredtes «No comment» verlautet, zeigt sich SoBli- und Blick-Mann Bruno Blaser gelinde gesagt «not amused». Er spricht von einem «grundfalschen Signal» und beziffert die voraussichtlichen Ringier-Verluste auf «einige tausend Exemplare pro Titel». Tatsächlich dürfte der zu erwartende Rückgang – noch hat sich die Swiss ja ein Hintertürchen offen gelassen – bei den Boulevardblättern im tiefen fünfstelligen Bereich liegen. Da liegt es nahe, die Fühler in Richtung Lufthansa, Air France und andere gut situierte Schweizflieger auszustrecken. Was Blaser in weiser Voraussicht schon vor geraumer Zeit getan haben soll.
Oliver Classen
