Agenturen Die Werber haben ein sehr schlechtes 2002 hinter sich. An eine rasche Besserung glauben höchstens die Dialog-Marketing-Agenturen.
Mit Bruttobetriebserträgen (BBE) von 386,42 Millionen Franken mussten die Mitglieder des BSW (Branchenverband Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen) gegenüber dem Vorjahr einen Ertragsrückgang von 11,4 Prozent in Kauf nehmen. «Einige Agenturen dürften mit roten Zahlen abgeschlossen haben», meint dazu BSW-Präsident Hanspeter Detsch. Wie in früheren rezessiven Phasen erlebten Agenturen, dass zuerst die Budgets für Marketingkommunikation gekürzt oder gar ganz gestrichen werden, weil diese zu den wenigen variablen Kosten einer Unternehmung zählen. Die Agenturen litten 2002 unter der schwachen Konjunktur, zunehmendem Preisdruck der Auftraggeber sowie den stärker werdenden Globalisierungstendenzen. Analog zur Entwicklung von Marken, Produkten und Medien wird heute auch ein Grossteil von Werbekampagnen grenzüberschreitend konzipiert. Für Schweizer Agenturen reduziert sich damit die Aufgabe oft auf lokale Anpassungen. Rund die Hälfte aller BSW-Mitglieder sind heute Niederlassungen oder assoziierte Mitglieder eines international tätigen Networks. Bei den zehn grössten Agenturen sind es sogar alle.
Viel Werbung für wenig Geld
Mit dem Ausverkauf traditioneller Schweizer Marken wandern Agenturaufträge vermehrt ins Ausland. Auch international tätige Schweizer Unternehmen treten zunehmend mit globalen Kampagnen auf, die in London, Paris oder Frankfurt entwickelt werden. Ein kleiner Hoffnungsschimmer dabei: «Schweizer Agenturen sind es gewohnt, mit wenig Geld viel zu machen. Das ist unsere Chance», ist Hanspeter Detsch überzeugt.
Im Verband selbst beträgt das Minus, dank der Aufnahme von neun Neumitgliedern, per Ende Jahr lediglich 6 Prozent. Die Mitglieder des BSW realisieren 70 Prozent des in der Schweiz über Agenturen getätigten Werbevolumens. Ende 2002 waren im BSW 80 führende Werbe- und Kommunikationsagenturen zusammengeschlossen – davon waren 61 Werbeagenturen, 10 Media-agenturen und neun Dialogmarketing- und Spezialagenturen. Als Meilenstein in der Geschichte des BSW darf die im November erfolgte Aufnahme der IGMA-Mitglieder (Interessengemeinschaft Mediaagenturen) in den Verband bezeichnet werden.
Auf Vorstandssebene wurden Anstrengungen unternommen, um die Mitglieder besser zu positionieren. Erstmals wurde unter dem Titel «Leading Swiss Agencies» ein verbandseigenes Agenturen-Portraitbuch publiziert. Als Antwort auf die zunehmenden, zum Teil groteske Ausmasse annehmenden, Wettbewerbspräsentationen hat der BSW 2002 eine so genannte «Pitch-Liste» eingeführt. Die Mitglieder erstatten der Geschäftsstelle freiwillig Meldung, wenn sie zu einer Konkurrenzpräsentation eingeladen werden. Mit der gewonnenen Übersicht können die Agenturen die Chancen und Risiken ihrer Teilnahme sorgfältiger einschätzen.
Neben der ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung wird das Agenturgeschäft auch durch politische Aktivitäten bedroht. Die Tendenz zu mehr Werbeverboten nimmt zu. Unter diesem Eindruck hat sich der BSW der Allianz gegen Werbeverbote angeschlossen, die vom Schweizerischen Gewerbeverband gegründet worden ist. Auf europäischer Ebene ist der BSW Mitglied der EACA (European Association of Communications Agencies) und mit einem Sitz im EACA-Vorstand eng mit dem Geschehen in der EU verbunden.
Für das Jahr 2003 prognostizieren die Werbe- und Kommunikationsagenturen im BSW noch keine Erholung. Laut BSW-Monitor rechnen die klassischen Agenturen mit einem weiteren Rückgang von 2,2 Prozent. Das Dialogmarketing hofft hingegen auf ein Plus von 6,4 Prozent. Nachdem die Agenturen anfänglich sehr verantwortungsbewusst und zurückhaltend mit personellen und strukturellen Anpassungen umgingen, werden diese im laufenden Jahr unumgänglich sein.
«Die Schweizer bauen weniger schnell ab als deutsche Agenturen», weiss zwar Detsch. Öffentliche Spekulationen von Agenturleitern, die von rund 20 Prozent Personalabbau sprechen, «dürften aber nicht weit von der Realität entfernt sein». Bei 80 BSW- und 90 ASW-Agenturen sowie rund 550 weiteren Firmen im Bereich Werbung sind in der Schweiz rund 2500 Leute beschäftigt. Davon sind heute «viele auf Stellensuche». Alleine bei der BSW-Stellenplattform www.bswjobs.com liegen zurzeit 138 Dossiers. 2002 konnten lediglich 17 Personen erfolgreich vermittelt werden.
Die Zeichen am Werbehimmel verharren auf Sturm. Das «Unvorhersehbare» lässt sich eben nicht «vorhersehen» – wie die La-Suisse-Kampagne behauptet.
Dialogmarketing- und SpezialagenturenRang Agentur BBE in Mio.
2002 2001
1 Fisch Meier Direkt 11,115 14,651
2 Futurecom Interactive 10,012 10,855
3 Burson-Marsteller 9,448 –
4 OgilvyOne (1*) 5,157 4,152
5 Alex Schmid 3,480 5,528
6 Wunderman (2*) 3,247 –
7 Grey Direct Concept 2,452 2,900
8 MRM Part. Worldwide (3*) 1,991 2,322
9 Catapult 1,607 2,229
1 * Namensänderung per September 2002
2 * Neumitglied
3 * Namensänderung per Dezember 2002
MediaagenturenRang Agentur BBE in Mio.
2002 2001
1 Optimedia Schweiz 5,905 5,162
2 CIA Switzerland (1* ) (2*) 5,722 –
3 Universal McCann 5,434 5,011
4 OMD Schweiz (3*) 4,300 2,500
5 MediaCom Zürich 2,761 2,800
6 MediaSchneider (1*) 1,766 –
7 Initiative Media (1*) 1,703 –
8 The Media Edge (2*) 1,663 1,534
9 Media Planning (2*) 0,922 –
10 The whole Media (1*) 0,350 –
1 * Neumitglied IGMA im BSW
2 * Juristische Fusion CIA Switzerland und The Media Edge zu Mediaedge:cia wird 2003 vollzogen
3 * Vorjahreszahl nur OMD Zürich
WerbeagenturenRang Agentur BBE in Mio.
2002 2001
1 Publicis 1* 28,467 31,743
2 AY&R 23,909 30,800
3 Lowe 17,789 21,097
4 Wirz Werbung 17,641 25,070
5 TBWA Switzerland 2* 16,100 15,500
6 McCann-Erickson 16,005 19,562
7 Contexta 14,980 13,620
8 Euro RSCG 13,154 14,551
9 Grey Worldwide 11,200 13,100
10 Jung von Matt/Limmat 11,168 10,205
11 FCB Leutenegger Krüll 9,100 12,650
12 Grendene Ogilvy & Mather 9,034 8,315
13 JWT+H+F 8,836 8,890
14 DDB Zürich/Bern 7,700 –
15 AY&R Business Comm. 7,640 8,475
16 Lang Gysi Knoll 7,060 8,115
17 Favo 5,945 6,425
18 Saatchi & Saatchi 5,931 6,126
19 Zogg Kettiger Gasser 5,320 3,600
20 Cosmic 5,300 5,400
21 Lesch + Frei 4,960 4,710
22 MetzgerLehner Worldwide 4,950 5,400
23 cR DDB Basel cR 4,850 4,440
24 Sulzer Sutter 4,701 3,857
25 GGK Zürich 4,400 4,800
26 Dachcom Gmeiner (3*) 4,242 –
27 Freicom B + K (3*) 4,232 –
28 Polyconsult (4*) 3,600 4,000
29 Matter & Partner 3,525 3,900
30 Erat Thoma & Herzog 3,450 3,750
31 Schneider Berthoud 3,069 3,620
32 Ottiger & Partner 2,905 2,900
33 Guye Benker 2,878 3,018
34 Pucci Sulzer 2,856 3,299
35 Schmid Riedmann & Part. 2,855 3,165
36 Scotti 2,700 2,740
37 Heads Corporate Comm. 2,296 2,530
38 S&W 2,228 2,022
39 Wyss & Partner 2,080 2,320
40 Hilfiker 2,030 2,380
41 Diem & Partner (5*) 2,000 –
42 Trio Comm. Marketing 1,742 1,865
43 Knaus & Knaus 1,389 –
44 Synthèse 1,260 1,480
45 Kobalt 0,992 0,740
46 Thomas Vetter 0,400 0,398
1* Vorjahreszahl inkl. Publicis Lausanne
(Tätigkeit ab Anfang 2002 eingestellt)
2 * Filiale Bern im Oktober 2002 geschlossen
3 * Neumitglied
4* vormals Polyconsult Bern AG
(Basel AG im Januar 2002 geschlossen)
5* Namensänderung per Februar 2002,
vormals Diem Seiler DDB
(pan)