Crossmarketing Trotz mieser Wirtschaftslage kommt der neue BMW-Roadster bei den Kunden gut an. Mitverantwortlich dafür ist seine Lancierungskampagne. Ein Lehrstück in Crossmarketing. Billige 08/15-Marketinglösungen haben ausgedient: Wer potenzielle Neuwagenkäufer verführen will, braucht viel Geld, eine clevere Werbestrategie, geschmackvolle Events und einen Draht zur Zielgruppe. Um sich wertvolle Adressen zu sichern, setzte die Leitung von BMW Schweiz für die Lancierung des Z4 auf Crossmarketing. Sie bot B & O, Lavazza, Ermenegildo Zegna, Möbel Pfister, Mövenpick Weine, dem Südtirol Tourismus, dem Catering-service Gamma und Lindt eine Zusammenarbeit an und verschaffte sich Zugriff auf deren Kundenlisten.
5500 Kunden hat BMW dazu eingeladen, den Z4 am 26. Februar an sieben Events zu bewundern. «Dank dieser Zusammenarbeit konnten wir unseren Kundenkreis zielgerichtet vergrössern», sagt Piergiorgio Cecco, Leiter Marketing BMW Group Schweiz. Zwischen 500 und 1500 Leute kamen angefahren, um in Industriehallen in Dübendorf, Arberg, Arbon, Genf, Schönenwerd, Mendrisio und Baar das PS-Wunder zu bestaunen.
Acht Produkte am Z4-Event
Auch die acht BMW-Partner zogen einen Nutzen aus diesem Event und präsentierten ihre Neuheiten. «Es musste alles zu unserem Stil passen», sagt Cecco. Schliesslich heissen die (meisten) BMW-Kunden nicht Hinz und Kunz. Mit dem Z4 sollen drei Typen – der Genussmensch im Alter von 40 bis 55 Jahren, der jüngere, erfolgsorientierte Typ und der konservative, wohlhabende über 55-Jährige – angesprochen werden. Unterstützt wird die Lancierung des Z4 mit einer Internet-Teaser-Kampagne, einer Plakatkampagne in Genf zur Salonzeit und einem TV-Spot.
Im Mittelpunkt des Werbe- und Marketingauftritts steht der Slogan «Die Summe aller Sinne». Originalton Cecco: «Dieser Slogan kann am besten in einem TV-Spot umgesetzt werden.» BMW Schweiz verzichtet dabei weit gehend auf Print und setzt voll auf den Spot.
Entwickelt wurde er von Jung von Matt/Hamburg. Der Spot, auf dem der Z4 von einem Blitz getroffen wird – ohne einen Kratzer abzubekommen –, läuft bis Anfang April auf allen Schweizer Sendern und Schweizer Werbefenstern. Kostenpunkt der gebuchten Spotzeit: rund eine Million Franken.
Geht die Rechnung der BMW-Schweiz-Verantwortlichen auf, soll der Z4 die Absatzzahlen des Z3 – er kam 1997 als eines der ersten Roads-ter-Modelle auf den Markt – übertreffen. Keine leichte Sache: Immerhin verkaufte BMW Schweiz 1997 1200 Roadster.
Beim Z4 sollen es dieses Jahr bereits über 1400 werden. 60 Prozent der Kunden – so die BMW-Rechnung – werden ehemalige Z3-Kunden sein, der Rest Neukunden. «Diese Vorgaben sind realistisch», sagt Cecco. 800 Autos des teuren Flitzers (ab 52000 Franken) sollen bereits verkauft sein. «Der Markt für ein solches Auto ist nach wie vor vorhanden», ergänzt der Marketingfachmann. Das weiss auch die Konkurrenz. Mit dem Porsche Boxter, dem Mercedes SLK und dem Audi tt streiten sich drei Konkurrenten im gleichen Marktsegment. Dass dabei die Werbe- und Marketingstrategie eine entscheidende Rolle spielt, ist allen bewusst.
Sinnlich dem Blitz entgehen: TV-Gewitter im Spot für BMW Z4.
Annelies Friedli