«Man muss viel Geld in die Hand nehmen, um Erfolg zu haben»
Ueli Custer, Medienkenner und Fachpublizist, über die Anstrengungen der St.Galler Tagblatt Medien, im Thurgau Fuss zu fassen.
Ueli Custer, Medienkenner und Fachpublizist, über die Anstrengungen der St.Galler Tagblatt Medien, im Thurgau Fuss zu fassen.WW Das SGT versuchte mit dem Mittelthurgauer Tagblatt und neu mit dem «Tagblatt» in die Lücke einiger wegfusionierter Titel zu springen. Doch es kommt trotz grosser redaktioneller Anstrengungen nicht vom Fleck – warum?Ueli Custer: Das ist wenig überraschend. Neue Titel, die gegen etablierte antreten, haben es immer äusserst schwer. Wer eine Zeitung abonniert hat, bleibt ihr meist treu. Dies gilt sogar bei Fusionen: Wenn das Fusionsprodukt ein wesentlich anderes Angebot vermittelt als der einverleibte Titel, springt ein Grossteil der Abonnenten des mitfusionierten Titels ab. Hier sprechen die Erfahrungen der Zürichsee-Zeitung im Sihltal Bände. Durch die Integration des Sihltalers in die Zürichsee-Zeitung ging der grösste Teil der Sihltaler-Abonnenten verloren, weil sie das Lokalblatt nur als Zweitzeitung abonniert hatten.
Wird die Situation des «Tagblatt» auch dadurch erschwert, dass es ein ausserkantonaler Fremdling ist?
Es mag im Mittelthurgau ein Fremdling sein, hat aber schon seit Jahrzehnten seine Basis im Oberthurgau, wo es seinerzeit lokale Titel übernommen hat.
Oder wurde das Marketing vernachlässigt?
Ich kenne die getroffenen Marketingmassnahmen nicht, gehe aber davon aus, dass man sehr viel Geld in die Hand nehmen muss, wenn man einen gewissen Erfolg erzielen will. Einerseits geht es um hohe Beträge im Vergleich zum Aboertrag und andererseits um eine sehr langfristig angelegte Strategie über allenfalls 10 bis 20 Jahre.
Anders als im Thurgau ist die Situation in Solothurn: dort sprang die
Espace Media nicht in eine plötzlich entstandene Lücke, sondern wagte
eine Neulancierung. Das Solothurner Tagblatt soll nach 14 Monaten um die 2500 Abonnenten haben. Verglichen mit dem Tagblatt im Thurgau ist das ein Erfolg. Warum der Unterschied?
Espace Media hat offensichtlich das viele Geld in die Hand genommen und mit äusserst aufwändigen Marketingmassnahmen wie sechsmonatige Gratisabos, Billigflüge, Frühzustellung und Gratis-Todesanzeigen den vergleichsweise grossen Erfolg erzielt.
Welchen Anteil an den Auflagen haben eigentlich Doppelabonnenten in Gebieten, wo zwei ähnliche Titel um dasselbe Publikum kämpfen? Gibt es Erfahrungswerte aus den letzten 30 Zeitungsfusions-Jahren?
Nein, darüber gibt es keine öffentlichen Angaben. Und wenn es sie gäbe, wären sie nicht übertragbar, da jeder Markt anders strukturiert ist.
Ueli CusterUeli Custer gehört zu den Koryphäen des Medienjournalismus. Das Rüstzeug holte er sich als Werbeleiter bei Calida, Mediaplaner, langjähriger Chefredaktor der Fachzeitschrift Media Trend Journal und Leiter des Medieninstitutes des Verbandes Schweizer Presse. Seit 1998 arbeitet er als Fachjournalist, Berater von Medienunternehmen, Mitherausgeber der PrintMarkt/WerbeMarkt-Studien, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft elektronische Medien und redaktioneller Betreuer des Medienplanungsportals www.mediasearch.ch.
Interview: Markus Knöpfli
Wird die Situation des «Tagblatt» auch dadurch erschwert, dass es ein ausserkantonaler Fremdling ist?
Es mag im Mittelthurgau ein Fremdling sein, hat aber schon seit Jahrzehnten seine Basis im Oberthurgau, wo es seinerzeit lokale Titel übernommen hat.
Oder wurde das Marketing vernachlässigt?
Ich kenne die getroffenen Marketingmassnahmen nicht, gehe aber davon aus, dass man sehr viel Geld in die Hand nehmen muss, wenn man einen gewissen Erfolg erzielen will. Einerseits geht es um hohe Beträge im Vergleich zum Aboertrag und andererseits um eine sehr langfristig angelegte Strategie über allenfalls 10 bis 20 Jahre.
Anders als im Thurgau ist die Situation in Solothurn: dort sprang die
Espace Media nicht in eine plötzlich entstandene Lücke, sondern wagte
eine Neulancierung. Das Solothurner Tagblatt soll nach 14 Monaten um die 2500 Abonnenten haben. Verglichen mit dem Tagblatt im Thurgau ist das ein Erfolg. Warum der Unterschied?
Espace Media hat offensichtlich das viele Geld in die Hand genommen und mit äusserst aufwändigen Marketingmassnahmen wie sechsmonatige Gratisabos, Billigflüge, Frühzustellung und Gratis-Todesanzeigen den vergleichsweise grossen Erfolg erzielt.
Welchen Anteil an den Auflagen haben eigentlich Doppelabonnenten in Gebieten, wo zwei ähnliche Titel um dasselbe Publikum kämpfen? Gibt es Erfahrungswerte aus den letzten 30 Zeitungsfusions-Jahren?
Nein, darüber gibt es keine öffentlichen Angaben. Und wenn es sie gäbe, wären sie nicht übertragbar, da jeder Markt anders strukturiert ist.
Ueli CusterUeli Custer gehört zu den Koryphäen des Medienjournalismus. Das Rüstzeug holte er sich als Werbeleiter bei Calida, Mediaplaner, langjähriger Chefredaktor der Fachzeitschrift Media Trend Journal und Leiter des Medieninstitutes des Verbandes Schweizer Presse. Seit 1998 arbeitet er als Fachjournalist, Berater von Medienunternehmen, Mitherausgeber der PrintMarkt/WerbeMarkt-Studien, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft elektronische Medien und redaktioneller Betreuer des Medienplanungsportals www.mediasearch.ch.
Interview: Markus Knöpfli
