Onlinemarketing Blue Eyes Marketing hat die Websites von drei Zeitungen psychografisch untersucht: Blick.ch, Cash.ch und 20min.ch.
Blick-Leser weisen in einigen Leserschaftsstudien nur darum mehrheitlich ein tiefes Einkommen und eine ebensolche Bildung auf, weil Befragte mit höherer Bildung sich aus Imagegründen nicht als Blick-Leser outen wollen. Diese These erhält nun durch eine Bluemind-Studie der Marktforschungsagentur Blue Eyes Marketing zusätzlich Auftrieb. «Wir wissen daraus, dass das Einstiegsalter der Blick.ch-Besucher noch tiefer ist als bisher angenommen – nämlich bei 16 Jahren. Zudem werden die MA-Comis-Resultate bestätigt, wonach viele sehr kaufkräftig, gut gebildet und beruflich auch hoch positioniert sind», sagt Bernhard Wüthrich, Leiter von Blick-Online. Tatsächlich verfügen gemäss Bluemind 38 Prozent der Blick.ch-User über mehr als 8000 Franken Einkommen, und 48 Prozent bekleiden mittlere oder hohe Kaderpositionen. Wüthrich: «Das ist ein Indiz dafür, dass diese Leute eher zum Online-Blick stehen als zur Blick-Zeitung.» Dass sich zudem 19 Prozent der Online-User zu den Blick-Lesern zählen und 49 Prozent eine Ausgabe kaufen, wenn sie ein Thema interessiert, deutet Wüthrich so: «Unsere Website nimmt dem Printprodukt keine Leser weg, sondern könnte sogar verstärkt zum Kauf animieren.»
Mehr Know-how über User
Zu demselben Schluss kommt auch André Michel, Leiter von Cash-Online, obwohl sich bei Cash.ch eine andere Situation zeigt: «Cash.ch-User und Cash-Leser sind nicht
dieselben Leute, sie haben allerdings ähnliche psychografische Merkmale.» Leser wie User verfügen über eine gute Bildung und ein hohes Einkommen. Von den Usern weiss Michel jetzt zudem, dass 90 Prozent in Wertschriften investieren. Dieses Börseninteresse erklärt, weshalb
80 Prozent der Cash.ch-User sich nach wie vor über Borsalino.ch einloggen, obwohl dieser Kanal längst nicht mehr beworben wird. «Für uns eröffnet sich dank der Studie ein Wachstumspotenzial, dann nämlich, wenn es uns gelingt,
Leser zu Usern und die User zu Lesern zu machen», ist Michel überzeugt.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Bluemind-Studien sind bei 20Min.ch ganz anders gelagert: Klar ist nun, dass die fünf untersuchten Einstiegs-Sites (Home, News, Community, Unterhaltung, Supermarkt) nahe beieinander im fortschrittlichen Feld anzutreffen sind. Der Marketingverantwortliche Stephan Obwegeser nutzte aber primär die Affinitätswerte der Studie, und zwar ganz konkret für das kürzlich erfolgte Website-Redesign.
Jung und voller ExpansionsdrangDie Daten zu Blick.ch, Cash.ch und 20 Min.ch wurden Ende 2003 während je vier Wochen online erhoben: Wer eine dieser Websites aufsuchte, wurde mittels Pop-up einmal zum Mitmachen angefragt. Neben Standardfragen enthielt der Fragebogen auch Bilder, die beurteilt werden mussten. Gemäss Markus Britschgi, Inhaber von Blue Eyes Marketing, waren pro Website mindestens 600 ausgefüllte Fragebogen nötig.
Ein immer wichtigeres Standbein werden für Blue Eyes Marketing aber Offline-Produktestudien. «Schon heute haben wir mehr
Offline- als Online-Aufträge. Auf diesen Bereich werden wir deshalb noch mehr Gewicht legen», sagt Britschgi.
Zudem bahnt sich eine Expansion nach Deutschland und Österreich an. Britschgi führt Gespräche mit Instituten, welche in diesem Raum mit der Bluemind-Typologie arbeiten möchten. (mk)
Markus Britschgi, Inhaber Blue Eyes Marketing.
Benutzer unter der Lupe: die Websites von 20 Minuten, Blick und Cash.
Markus Knöpfli