Urs Rohner verlässt ProSieben Sat 1

Privat-TV Der Schweizer Urs Rohner tritt per Ende April als Konzernchef von ProSieben Sat 1 zurück. Laut einer Meldung von Cash soll er ab Juni den Rechtsbereich der Credit Suisse Group übernehmen.

Privat-TV Der Schweizer Urs Rohner tritt per Ende April als Konzernchef von ProSieben Sat 1 zurück. Laut einer Meldung von Cash soll er ab Juni den Rechtsbereich der Credit Suisse Group übernehmen.Moneycab hingegen vermutet, Rohner werde neuer CEO der Swiss. Seine Nachfolge übernimmt der Belgier Guillaume de Posch.

«Intellektuelles Schwarzbrot»

Martin Paff, Verlagsleiter von Cicero, über Anzeigenstrassen und (fehlende) Schweizer Kunden.WW Herr Paff, in der 148-seitigen Erstausgabe finden sich satte 46 Anzeigenseiten.

Martin Paff, Verlagsleiter von Cicero, über Anzeigenstrassen und (fehlende) Schweizer Kunden.WW Herr Paff, in der 148-seitigen Erstausgabe finden sich satte 46 Anzeigenseiten.Martin Paff, Verlagsleiter von Cicero, über Anzeigenstrassen und (fehlende) Schweizer Kunden.WW Herr Paff, in der 148-seitigen Erstausgabe finden sich satte 46 Anzeigenseiten. Wie viele sind bezahlt?
Martin Paff Rund 40, wobei wir auf den regulären Preis von 9900 Euro bis Juni noch einen Einführungsrabatt von 20 Prozent gewähren.
Ganze acht davon stammen von Subaru, einer Automarke, die kaum dieselbe Zielgruppe haben dürfte wie Cicero.
Wieso? Unser Monatsmagazin ist kein reines Edelgebäck, sondern intellektuelles Schwarzbrot, das sich auch Normalverdiener leisten können – und hoffentlich auch wollen. Dass schon unser erster Kunde, nämlich Subaru, gleich eine ganze Anzeigenstrasse bucht, gab uns natürlich besonderen Auftrieb. Zumal Maybach leider noch keine Achtseiter schaltet.
Schweizer Inserenten sucht man jedoch umsonst. Gabs keine Unterstützung vom Mutterhaus Ringier?
Nur indirekt. Da wir völlig anders positioniert sind als eine Schweizer Illustrierte oder Glückspost, halten sich Synergieeffekte in Grenzen. Zudem sind wir erst seit drei Monaten im Markt präsent. In der Schweiz schlummert also gewiss noch einiges Potenzial.
Welcher Anteil der 120 000 Exemplare starken Startauflage geht an Kioske südlich des Rheins?
Etwa 2500. Weitere 7000 Titel kommen in den Ringier-Zielversand und von dort direkt in die Briefkästen politischer, wirtschaftlicher und intellektueller Meinungsmacher sowie in ausgewählte Schweizer Hotels.
Interview:
Oliver Classen

Ein Hauch von Transparenz

Wemf Ein neues Reglement verschiebt die Auflagenpublikation in den Herbst. Und zwar erstmals 2005.

Wemf Ein neues Reglement verschiebt die Auflagenpublikation in den Herbst. Und zwar erstmals 2005.Die neuen Auflagenzahlen, die am 1.April publiziert werden, sind ausnahmsweise eineinhalb statt ein Jahr gültig. Dies, weil die Wemf nun definitiv ein neues Auflagenreglement verabschiedet, das per 1. Juli 2004 in Kraft tritt. Dieses sieht eine Verschiebung des Publikationsdatums auf den 1. Oktober vor, was erstmals im 2005 der Fall sein wird.Entsprechend werden die Auflagen nicht mehr wie bisher nach Kalenderjahr, sondern vom 1. Juli bis 30. Juni erhoben (erstmals 1. 7. 2004 bis 30. 6. 2005). «Damit werden Leserschafts- und Auflagezahlen fast zeitgleich veröffentlicht. Dies hat den Vorteil, dass den Verlagen für ihre Tarifdokumentationen aktuelle Daten vorliegen», erklärt Christel Plöger, oberste Auflagenbeglaubigerin der Wemf.
Wesentlicher ist aber, dass künftig die «tatsächlich verbreiteten Exemplare» beglaubigt werden. Diese ergeben sich (wie bisher) aus «verkaufter Auflage» plus Gratisauflage. Neu muss auch Letztere publiziert werden. Zudem wird die «verkaufte Auflage» auf andere Weise erhoben, weshalb sie mit dem heutigen Wert nicht vergleichbar sein wird: Neu umfasst sie Abos, Pflichtabos, Einzelverkauf, E-Papers, alle ermässigten Exemplare sowie maximal fünf Prozent regelmässig vertriebene Gratisexemplare.
Da Gratisauflage und «verkaufte Auflage» im Impressum, in Offerten oder Werbung genannt werden müssen, werden die Auflagenzahlen etwas transparenter. Von einer echten Transparenz, wie sie noch im ersten Reglementsentwurf vorgesehen war (WW 41/03), kann aber keine Rede mehr sein.
Markus Knöpfli

Die fantastische Sprache der Comics

Plakate Um 1970 tauchten in den Strassen Genfs Plakate in einer neuen visuellen Sprache auf. Im Stil vergrösserter Comiczeichnungen erzählten sie kurze Geschichten.

Plakate Um 1970 tauchten in den Strassen Genfs Plakate in einer neuen visuellen Sprache auf. Im Stil vergrösserter Comiczeichnungen erzählten sie kurze Geschichten.Mit Fantasie und Augenzwinkern verliehen sie dem Geist der politisch-kulturellen Protestbewegung der Epoche ihren authentischen Ausdruck. Das Genfer Comic-Plakat steht in der langjährigen Tradition des illustrierten Plakats der Romandie und hat über die Grenzen der französischen Schweiz kaum Beachtung gefunden. Das soll eine Ausstellung ändern. Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt Comic-Plakate wie das rechts abgebildete, ab 16. März, in den Schaukästen der Nationalbank an der Fraumünsterstrasse.

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übernimmt die Leitung der Corporate Communications von Clariant. Er löst Personalchef Peter Brandenberg ab, der das Amt seit Mai 2003 interimistisch führte.

übernimmt die Leitung der Corporate Communications von Clariant. Er löst Personalchef Peter Brandenberg ab, der das Amt seit Mai 2003 interimistisch führte.Walter Vaterlaus …
Lisa Feldmann wird Nachfolgerin von Annabelle-Chefredaktorin Christa Löpfe. Feldmann war unter anderem Chefredaktorin von Elle und Cosmopolitan. Seit März 2002 ist sie Redaktorin im Trend-Bund der SonntagsZeitung. Bis zu ihrem Stellenantritt leitet Martina Monti, stellvertretende Chefredaktorin, die Zeitschrift.
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Der neue Direktor des Giornale del Popolo heisst Claudio Mésoniat. Der bisherige TV-Journalist steht derzeit noch auf der Lohnliste des Tessiner Fernsehens TSI. Er tritt Anfang Mai die Nachfolge von Chefredaktor Cesare Chiericati an, der das Blatt verlässt.
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Die Genfer Tageszeitung Le Temps verstärkt sich mit Emmanuel
Garessus und Pierre Veya. Die beiden Journalisten waren bis vor kurzem als Redaktionsdirektor und Chefredaktor der Wirtschaftstageszeitung L’Agefi tätig.
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Stratos Prodromakis ist seit Anfang März neuer Sales Manager der Fachzeitschrift InfoWeek aus dem Verlag Compress. Er war zuletzt für den Konkurrenten IDG tätig. Gleichzeitig mit Prodromakis’ Eintritt hat Markus Stotz die Gesamtverkaufsleitung für die drei Compress-Fachtitel InfoWeek, IT Reseller und IT Report übernommen. Stotz arbeitet seit über sieben Jahren im Thalwiler Verlag, zuletzt als Sales Manager des IT Reseller.
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Seit kurzem arbeitet Daniele Müller (Bild) bei der Kommunikationsagentur Karl F. Schneider AG (PR-KFS) in Schlieren. Er ersetzt Benno Schmid,
der eine neue berufliche Herausforderung angenommen hat.
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Der Bieler Webdienstleister Aseantic hat René Maeder als neuen Account Director gewonnen. Maeder war zuletzt Geschäftsleitungsmitglied von Assai Interactive, der Internettochter der Werbegruppe Wirz.

Der gläserne Zeitungs-Surfer

Onlinemarketing Blue Eyes Marketing hat die Websites von drei Zeitungen psychografisch untersucht: Blick.ch, Cash.ch und 20min.ch.

Onlinemarketing Blue Eyes Marketing hat die Websites von drei Zeitungen psychografisch untersucht: Blick.ch, Cash.ch und 20min.ch.
Blick-Leser weisen in einigen Leserschaftsstudien nur darum mehrheitlich ein tiefes Einkommen und eine ebensolche Bildung auf, weil Befragte mit höherer Bildung sich aus Imagegründen nicht als Blick-Leser outen wollen. Diese These erhält nun durch eine Bluemind-Studie der Marktforschungsagentur Blue Eyes Marketing zusätzlich Auftrieb. «Wir wissen daraus, dass das Einstiegsalter der Blick.ch-Besucher noch tiefer ist als bisher angenommen – nämlich bei 16 Jahren. Zudem werden die MA-Comis-Resultate bestätigt, wonach viele sehr kaufkräftig, gut gebildet und beruflich auch hoch positioniert sind», sagt Bernhard Wüthrich, Leiter von Blick-Online. Tatsächlich verfügen gemäss Bluemind 38 Prozent der Blick.ch-User über mehr als 8000 Franken Einkommen, und 48 Prozent bekleiden mittlere oder hohe Kaderpositionen. Wüthrich: «Das ist ein Indiz dafür, dass diese Leute eher zum Online-Blick stehen als zur Blick-Zeitung.» Dass sich zudem 19 Prozent der Online-User zu den Blick-Lesern zählen und 49 Prozent eine Ausgabe kaufen, wenn sie ein Thema interessiert, deutet Wüthrich so: «Unsere Website nimmt dem Printprodukt keine Leser weg, sondern könnte sogar verstärkt zum Kauf animieren.»
Mehr Know-how über User
Zu demselben Schluss kommt auch André Michel, Leiter von Cash-Online, obwohl sich bei Cash.ch eine andere Situation zeigt: «Cash.ch-User und Cash-Leser sind nicht
dieselben Leute, sie haben allerdings ähnliche psychografische Merkmale.» Leser wie User verfügen über eine gute Bildung und ein hohes Einkommen. Von den Usern weiss Michel jetzt zudem, dass 90 Prozent in Wertschriften investieren. Dieses Börseninteresse erklärt, weshalb
80 Prozent der Cash.ch-User sich nach wie vor über Borsalino.ch einloggen, obwohl dieser Kanal längst nicht mehr beworben wird. «Für uns eröffnet sich dank der Studie ein Wachstumspotenzial, dann nämlich, wenn es uns gelingt,
Leser zu Usern und die User zu Lesern zu machen», ist Michel überzeugt.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Bluemind-Studien sind bei 20Min.ch ganz anders gelagert: Klar ist nun, dass die fünf untersuchten Einstiegs-Sites (Home, News, Community, Unterhaltung, Supermarkt) nahe beieinander im fortschrittlichen Feld anzutreffen sind. Der Marketingverantwortliche Stephan Obwegeser nutzte aber primär die Affinitätswerte der Studie, und zwar ganz konkret für das kürzlich erfolgte Website-Redesign.
Jung und voller ExpansionsdrangDie Daten zu Blick.ch, Cash.ch und 20 Min.ch wurden Ende 2003 während je vier Wochen online erhoben: Wer eine dieser Websites aufsuchte, wurde mittels Pop-up einmal zum Mitmachen angefragt. Neben Standardfragen enthielt der Fragebogen auch Bilder, die beurteilt werden mussten. Gemäss Markus Britschgi, Inhaber von Blue Eyes Marketing, waren pro Website mindestens 600 ausgefüllte Fragebogen nötig.
Ein immer wichtigeres Standbein werden für Blue Eyes Marketing aber Offline-Produktestudien. «Schon heute haben wir mehr
Offline- als Online-Aufträge. Auf diesen Bereich werden wir deshalb noch mehr Gewicht legen», sagt Britschgi.
Zudem bahnt sich eine Expansion nach Deutschland und Österreich an. Britschgi führt Gespräche mit Instituten, welche in diesem Raum mit der Bluemind-Typologie arbeiten möchten. (mk)
Markus Britschgi, Inhaber Blue Eyes Marketing.
Benutzer unter der Lupe: die Websites von 20 Minuten, Blick und Cash.
Markus Knöpfli

Alles, was von der Frucht übrig bleibt

Detailhandel Die Migros und Exxtra Kommunikation führen einen Brotaufstrich ohne Kristallzucker ein.

Detailhandel Die Migros und Exxtra Kommunikation führen einen Brotaufstrich ohne Kristallzucker ein.Rund 638 Millionen Franken haben Herr und Frau Schweizer im letzten Jahr für den täglichen Konfitürengenuss ausgegeben. Egal bei welchem Detaillisten eingekauft wird, vor dem Brotaufstrich-Regal herrscht die Qual der Wahl. Für Migros-Kundinnen und -Kunden ist diese noch etwas grösser geworden: Mit Pure Fruit hat der Detailhandelsriese, welcher mengenmässig rund 48 Prozent des Konfitüren-marktes besetzt, eine neue Eigenmarke eingeführt. Der Brotaufstrich, der statt mit Kristallzucker mit Fruchtsaftkonzentrat gesüsst ist, peilt «Kleinhaushalte an, die Wert auf gesunde Ernährung legen». Zudem wolle man mit der Einführung der 185-Gramm-Gläser das Kundenbedürfnis nach Kleingläsern befriedigen, so Migros-Mediensprecher Urs Peter Naef. Dass ein Gläschen Pure Fruit etwa gleichviel kostet wie ein 500-Gramm-Glas, nämlich Franken 2.50, wird damit gerechtfertigt, dass für ein gleichwertiges Produkt aus dem Reformhaus noch mehr ausgelegt werden muss. Für die Einführung der neuen Eigenmarke verzichtet die Migros-Hausagentur Exxtra Kommunikation darauf, Packshots und Models zu präsentieren. Stattdessen setzen die Kreativen um CD Dieter Hofmann auf die Dramatisierung des USPs – 100 Prozent Frucht, 0 Prozent Kristallzucker – und zeigen das Einzige, was von den Früchten nicht in Pure Fruit enthalten ist: Der Stein der Aprikose und das Kraut der Erdbeere. «Den Rest», so die Inserate-Copy, «haben wir für Sie in ein Glas abgefüllt». Neben den auf den beiden Sujets abgebildeten Sorten ist die neue Kreation in weiteren Geschmacksrichtungen erhältlich.
In Pure Fruit gibts Früchte – und nur Früchte.

Simone Keller

Ist eine Tabloid-Anzeige eine halbe Sache?

Zeitungen Was bringen Tabloid- und was Broadsheet-Anzeigen?Klar ist: Die Preise geraten unter Druck.

Zeitungen Was bringen Tabloid- und was Broadsheet-Anzeigen?Klar ist: Die Preise geraten unter Druck.
Nach der Aargauer Zeitung (AZ) erhält ab 4. September auch die Basler Zeitung (BaZ) einen Tabloid-Bund. Sie wird allerdings nicht den Regio-Bund grössenmässig halbieren, sondern einen neuen Kultur- und Freizeitbund. Die ersten drei Faszikel bleiben im grossen Format (Broadsheet) erhalten. Zumindest vorläufig. «Die Mischform lässt uns alle Möglichkeiten offen», weiss BaZ-Verlagsleiter Daniel Sommer und fügt hinzu: «Als Leser könnte ich mir gut noch weitere Teile im Tabloidformat vorstellen.» Als Verlagsleiter hingegen hat Sommer auch darauf zu achten, dass die BaZ mit den andern Swisspool-Partnern kompatibel bleibt.Kommt dazu, dass das kleinere Format Umsatzeinbussen zur Folge haben könnte. Denn gemäss Sommer wird eine ganzseitige Tabloid-Anzeige in der BaZ günstiger sein als ein ganzseitiges Broadsheet-Inserat – offen ist noch, um wie viel. Für kleinere Anzeigen wird der normale BaZ-Millimetertarif gelten.
Der Kulturbund bot sich als Versuchskaninchen an: Er enthält kaum Swisspool-Inserate und generell wenig ganzseitige Anzeigen, weshalb der Tabloidentscheid den Werbemarkt und die Umsätze kaum tangieren wird.
Doch damit taucht eine Frage auf, die über die BaZ hinaus interessiert: Hat eine ganzseitige Anzeige weniger «Wert» im Tabloid- als eine im Broadsheet-Format. «Dazu gehen die Meinungen der Agenturen auseinander», hat Sommer erfahren. Während die einen betonen, dass Tabloid bloss etwa 50 Prozent der Broadsheet-Fläche umfasse und deshalb auch die Sujets kleiner gezeigt werden müssen, heben andere die bessere Handlichkeit und Übersicht hervor. Kleinere Anzeigen würden zudem auf einer Tabloidseite eher aufgewertet.
Massive Tarifreduktionen
Doch jene, die Tabloid eine verminderte Werbewirkung zuschreiben, scheinen in der Überzahl zu sein. Jedenfalls reduzierte schon Le Matin 2001 bei der Umstellung auf Tabloid seinen Tarif um 25 Prozent. Und die AZ wird die Tarife in den neuen Regionenbünden gar um 28 bis 33 Prozent senken. Das entspricht zwar – relativ zur Flächenverkleinerung – keiner linearen Reduktion. «Das ist auch nicht nötig», sagt AZ-Verlagsleiter Ueli Eckstein und fügt hinzu: «Eine Studie über die Vor- oder Nachteile dieser Formate käme wohl für beide auf etwa die gleichen Beachtungs- und Werbewirkungswerte.»
Erfahrungen mit zwei Formaten hat Ringier bei Blick und SonntagsBlick (SoBli). Gemäss Verlagsleiter Bruno Blaser hat bisher nie ein Kunde mit der Werbewirkung des einen oder andern Formats gehadert. Doch verlangt auch er beim kleineren SoBli einen um 33 Prozent tieferen TKP als beim Blick. «Dafür war aber nicht das Format massgebend, sondern die Tarife der Konkurrenz im Sonntags- beziehungsweise Tageszeitungsmarkt», sagt Blaser.
Und wie packt Ringier dieses Thema im Hinblick auf den allfälligen Versuch mit dem Tabloid-Blick an? Hat Blaser denselben Tarif wie beim Broadsheet-Blick vorgeschlagen? Er sagt nur: «Es sind mehrere Tarifvarianten im Gespräch.» Man darf also gespannt sein, welche Philosophie Ringier vertreten wird.
Markus Knöpfli

Neuer Anzeigenleiter für Schweizer Familie

Zeitschriften Jean-Claude Plüss übernimmt die Anzeigenleitung der Schweizer Familie und löst Christina von Hahn ab.

Zeitschriften Jean-Claude Plüss übernimmt die Anzeigenleitung der Schweizer Familie und löst Christina von Hahn ab.Plüss ist stellvertretender Leiter des Facts-Anzeigenmarkts.

Preussisch-helvetische Wertarbeit

Zeitschriften Ringiers Cicero soll ein gedruckter Salon sein. Dekor und Personal lösen dieses Versprechen ein.

Zeitschriften Ringiers Cicero soll ein gedruckter Salon sein. Dekor und Personal lösen dieses Versprechen ein.Wer je einem seiner seltenen Referate beigewohnt hat, weiss, dass er (noch) besser spricht als er schreibt. Nur logisch also trägt das nach monatelangen Ankündigungen diesen Donnerstag endlich erschienene «Magazin für politische Kultur» den Namen des Urvaters aller staatstragenden Chef-Rhetoriker und -Publizisten. Nichts anderes war Frank A. Meyer nämlich in Zürich beziehungsweise Bern – und ist es nun in Berlin. Dieses Talent hat FAM, der Spiritus Rector hinter Cicero, aber nicht bloss mit seinem römischen Gewährsmann gemeinsam, sondern auch mit seinem Duzfreund im Bundeskanzleramt.Folgerichtig macht das erste, von der Malerikone Jörg Immendorf stilvoll Front-verzierte Mattglanzheft mit dem aktuellen Prügelknaben der deutschen Presse auf. Und rehabilitiert, ja nobilitiert diesen streckenweise geradezu. Kontrastiert werden FAMs Titelinterview mit Gerhard Schröder «über die Zumutungen des Amtes» und – selbstverständlich andere – «Versager in der Politik» sowie Jim Raketes Fotoessay über den einsamen Kanzler durch einen bissigen Beitrag von Ex-SPD-Chef Rudolf Scharping mit der unzweideutigen Überschrift «Meine Partei droht zu erfrieren».
Dieser expliziten Gegenposition hätte es indes gar nicht bedurft, um deutlich zu machen, dass Cicero kein reines Selbstverwirklichungsorgan für FAM ist. Dazu ist das Meinungsspektrum zu breit gefächert, das Autorenteam zu bunt gescheckt. Selbst Meyers aristokratischer Tamedia-Antagonist Roger de Weck wurde eingeladen, über «Die Unfälle der besserwisserischen Generation Golf» zu räsonieren.
Überhaupt scheinen Chefredaktor Wolfram Weimer und seine konzipierende statt schreibende Crew über einen guten Themeninstinkt und noch bessere Kontakte zu verfügen. Man muss in der deutschen Pressegeschichte schon bis zur nicht zufällig zum Vorbild erklärten «Weltbühne» zurückblättern, bis man auf ein ähnlich dichtes Geflecht an Geistesgrössen (Umberto Eco, Arthur Miller, Milton Friedman et al) stösst.
Weltbühne heisst auch das erste der fünf Hauptressorts; es folgen Berliner Republik, Medienmacht, Kapital – inklusive «Mensch Meyer», der obligaten FAM-Kolumne – und zuletzt der Salon. An dessen Tapetentür schreibt Weimer gross die Frage «Gibt es ein Jenseits der Ironie?». Unaufgeregt und seriös wirkt auch die von Art Direktorin Katharina Glaser verantwortete Optik: Gediegene, ganzseitige Fotos lassen Raum für ciceronische Gedankenflüge, aber auch für Original-Karikaturen aus dem New Yorker und andere illustrative Einsprengsel.
Mit einer verkauften Auflage von 50000 könne er bereits «gut und längerfristig leben», sagte Herausgeber Michael Ringier im Vorfeld. Nach erfolgtem Launch ergänzt nun Verlagsleiter Martin Paff: «Wenn wir dieses Buchungsniveau halten können, erreichen wir den Break- even einiges schneller, als wir eigentlich müssen.»
Gerät Cicero tatsächlich zur Erfolgsstory, wäre dies auch dem US-Konzern Conde Nast geschuldet, der nun doch kein deutsches Pendant zum New Yorker oder Vanity Fair entwickelt. Und natürlich FAM, der das Titel gebende Schröder-Zitat auch selbst gesagt haben könnte: «Niemand soll hoffen, dass ich müde werde». Wir hoffen und warten lieber auf den nächsten Cicero.
Oliver Classen

Best of Corporate Publishing boomt

Wettbewerbe Zur zweiten Durchführung des deutschsprachigen Best of Corporate Publishing sind 515 Arbeiten eingereicht worden – 60 Prozent mehr als 2003.

Wettbewerbe Zur zweiten Durchführung des deutschsprachigen Best of Corporate Publishing sind 515 Arbeiten eingereicht worden – 60 Prozent mehr als 2003.Die hohe Zahl zeige eine Weiterentwicklung des Corporate Publishing, kommentiert Manfred Hasen-beck, der Vorstandsvorsitzende des Veranstalters Forum Corporate Publishing (FCP). In den drei neuen Kategorien Mitarbeiterpublikationen, Newsletter und Specials wurden 205 Arbeiten eingereicht. Den Sprung auf die Shortlist für die Hauptjurierung haben 205 Einreichungen geschafft, davon 127 Magazine in den Hauptkategorien B2B und B2C, 88 Mitarbeiterpublikationen, 41 Newsletter sowie 45 Specials und Corporate Books. Die Jury tagt Ende März, am 16. Juli werden in Köln die Gewinner bekannt gegeben.

«Auswählen können ist auch ein Vorteil»

Peter Döbeli, Mitinhaber der Mediaagentur Konnex über Sinn und Unsinn von vier diversen Typologien.

Peter Döbeli, Mitinhaber der Mediaagentur Konnex über Sinn und Unsinn von vier diversen Typologien.WW Machen vier Typologien in der Schweiz Sinn?Peter Döbeli Das wird der Markt zeigen. Mit Sinus-Milieu kann man ja im Prinzip nur die TV-Planung machen. Das ist schade. Besser wäre gewesen, wenn die Publisuisse den Marktradar auf TV adaptiert hätte, wie sie das
zuerst beabsichtigte. Mit dem Marktradar kann man von der Marktanalyse bis zur Mediaplanung alles abdecken, selbst Intermediavergleiche. Die Übertragung dieses Riesenvorteils auf TV scheiterte, weil sich Demoscope und Publisuisse nicht einigten.
Welche Vorteile haben die andern Typologien?
Sinus-Milieu ist im deutschen Sprachraum verbreitet. Kunden, die dort mit dieser Typologie arbeiten, wünschen sie auch in der Schweiz. Der Hauptvorteil von Bluemind ist die Offenheit dieser Plattform. Es gibt zwar erst wenig Daten, aber jedes lizenzierte Forschungsinstitut kann diese Typologie bei allen möglichen Studien mitlaufen lassen. Darum halte ich Bluemind für die Lösung der Zukunft. Die Mach Consumer schliesslich ist ein Standardinstrument, mit dem jeder arbeiten und deren Typologien man bei der MA Strategy weiter verwenden kann.
Für wen ist welche Typologie gut?
Sinus-Milieu eignet sich vor allem für die TV-Planung und für Kunden, die schon im Ausland damit arbeiten. Die Mach Consumer macht bei printlastiger Planung Sinn. Wer schon mit dem Marktradar arbeitet, benutzt diesen sinnvollerweise weiter. Wo aber noch nichts vorhanden ist, empfehle ich Bluemind.
Vier Studien ergeben letztlich vier Währungen. Ein Problem?
Nur wenn man eines daraus macht. Es ist ja auch ein Vorteil, wenn man auswählen kann.
Bluemind überlegt sich eine Ausweitung der Geschäftstätigkeit ins Ausland. Würde eine ernsthafte Low-Budget-Alternative zu den Sinus–Milieus entstehen? Aus meiner Sicht ja.
Interview: Markus Knöpfli
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