Weinselige Geheimnisse

Letzte Woche feierte die Werbewoche im Lakeside Zürichhorn eine wilde Party, um sich für einmal bei den wichtigsten Leserinnen und Lesern für ihre Treue zu bedanken.

Letzte Woche feierte die Werbewoche im Lakeside Zürichhorn eine wilde Party, um sich für einmal bei den wichtigsten Leserinnen und Lesern für ihre Treue zu bedanken.Geladen war nur, wer in der Werbebranche wirklich Rang und Namen hat. Die Vorbereitungen zu den Festivitäten und das Einladungsprozedere fanden unter strengster Geheimhaltung statt. Es wurde eine rauschende Sause, von der man noch lange sprechen wird – und da Alkohol bekanntlich die Zunge löst, wurde im Gespräch mit dem Shortlistautor auch so manches Geheimnis ausgeplaudert.Dietmar Bemberg und Andreas Gedenk, welche diese Woche mit ihrer Agentur BG Media Geburtstag feiern, verrieten uns: «Zehn Jahre sind genug, jetzt haben wir es definitiv gesehen.» Auf die Frage, was denn die beiden für Zukunftspläne hätten, gaben sie erst nach längerem Nachfragen Auskunft. Die Werbewoche kann deshalb jetzt schon exklusiv verraten: Bemberg und Gedenk haben sich auf der Kanareninsel Teneriffa ein kleines Restaurant mit Bar gekauft und werden diesen Sommer ihre Zelte in Zürich abbrechen. Das gemütliche Etablissement am Promistrand von Los
Gigantes soll unter dem Namen «B&G» zahlungskräftige Touristen anlocken.
Neues auch von Raphaela Höhn. Nachdem sich ihr Freund Roger Baur mit Agenturinhaber Gilbert Fisch überraschend nach San Francisco abgesetzt hat (O-Ton Baur: «Endlich können Gilbert und ich heiraten.»), will es die umtriebige Organisatorin der Miss-Zürich-Wahlen nochmals wissen und hat sich selbst zur Miss-Schweiz-Wahl angemeldet. Das sei kein Problem, durch ihre guten Kontakte zur Organisation und zur Jury könne sie sich beste Chancen ausrechnen, wenigstens unter die ersten drei zu kommen, sagte die ehemalige TeleZüri-Wetterfee gegenüber der Werbewoche.
Wie man hörte, haben auch Filmer Ernst Wirz und Partnerin Irene Hiltpold Grosses vor. Sie planen eine Wiedereröffnung des In-Clubs Roxy. Zwei Programmpunkte stehen dabei jetzt schon fest. Erna Höltschi hinter der Bar und mindestens einmal wöchentlich ein Auftritt von Wirz mit seiner Band Medium Rare. Wirz verriet auch, dass er einen neuen Gitarristen in die Band geholt habe. Kein Geringerer als Starwerber und Buchautor Jean
Etienne Aebi soll bei Medium Rare die Saiten zupfen. Dazu Aebi: «Nach meinem Ausstieg bei Publicis suchte ich nach einem neuen Einsatzgebiet, da kam mir das Angebot von Ernst gerade recht. Selbst ich kann schliesslich nicht jedes Jahr ein Jahrhundertwerk über Kreativität produzieren, denn dafür gibts schlicht zu wenig gute Werbung.»
Und auch bei der Shortlist der Werbewoche wird es Veränderungen geben. Shortlistautor Beat Fritsch wird ab Mai persönlicher Referent von Bundesrat Joseph Deiss. Kennen gelernt haben sich die beiden am Tag der Werbung vor zwei Jahren. Die gegenseitige Sympathie war offenkundig – der Ruf nach Bern ist jetzt erfolgt, nachdem im bundesrätlichen Stab eine Stelle frei wurde. Fritschs Nachfolge bei der Werbewoche übernehmen alternierend Hildegard Schwaninger und Suzanne Speich, welche beide als ehemalige Klatschkolumnistinnen des Züri-Leu beziehungsweise der Züri-Woche bestens für den Job gewappnet sind.
Ach ja, in welcher Branche, liebe Leserin, lieber Leser, arbeiten Sie eigentlich genau? In der Werbung, die bekannt ist, dass sie mit Illusionen und Tricks arbeitet. Und Sie glauben all das, was Sie eben gelesen haben? Dann werfen Sie mal einen Blick aufs Datum oben links!
Ab in den Süden: Daniela und Dietmar Bemberg (r.), hier mit Kaspar Loeb, kehren der Schweiz den Rücken und eröffnen eine Beiz.
Andreas Gedenk, hier mit Irene Ackermann, wird beim Teneriffa-Abenteuer ebenfalls dabei sein – als Chef de Service im neuen B&G.
Raphaela Höhn, hier mit Robert Hunziker, will es nochmals wissen und nimmt im Herbst an der Miss-Schweiz-Wahl teil.
Ein schon seit längerem erwartetes Outing: Roger Baur (l.) und Gilbert Fisch sind nach San Francisco umgezogen, um zu heiraten.
Irene Hiltpold (l.) und Erna Höltschi wollen das Roxy wieder zum Leben erwecken: «Wir werden alle gnadenlos abfüllen!»
Jean Etienne Aebi übte an der Bar schon mal den richtigen Ton – er wird neu den Background-Chor von Medium Rare leiten.
Shortlistautor Fritsch übernimmt einen Job im Stab von Aussenminister Deiss, der extra für die Werbewoche-Party aus Bern anreiste.
Suzanne Speich, hier mit Bruno Oetterli, eine der Nachfolgerinnen bei der Shortlist, freut sich schon wahnsinnig auf den neuen Job.
Und auch die charmante Hildegard Schwaninger wird künftig die Werbewoche-Leser mit neuen Klatschgeschichten versorgen.
Beat Fritsch

Familien- und Sonntagsfreuden

Medienunternehmen Tiefrot war 2003 für Tamedia. Nur Schweizer Familie und SonntagsZeitung machten Kasse.

Medienunternehmen Tiefrot war 2003 für Tamedia. Nur Schweizer Familie und SonntagsZeitung machten Kasse.Umbauen, sparen: Tamedia hat ein Jahr des organisatorischen Leidens und der negativen Zahlen hinter sich. Es resultiert ein Verlust von 17,7 Millionen Franken (2002: 35,6 Millionen Franken Gewinn). Der Betriebsertrag sank um 71 Millionen auf 569 Millionen Franken (–11,1 Prozent). Ursache der Verluste ist die miserable Performance des Printwerbemarktes. 2003 sank der Inserateertrag bei Tamedia um 63 Millionen Franken (–12 Prozent). Davon gingen 26 Millionen bei den Stellenanzeigen (–33 Prozent) verloren. Zusätzlich fiel der Druckertrag um 7 Millionen Franken (–18 Prozent).
Die einzigen Medien mit Zu- wachs bei den Werbeumsätzen waren Schweizer Familie (+1,5 Prozent) und die SonntagsZeitung (+0,1 Prozent). Ein weiterer Trost: Mit Brutto-Werbeeinnahmen von 67 Millionen Franken behielt der Tages-Anzeiger auch 2003 die Leaderposition unter den Tageszeitungen – knapp vor der Mittelland Zeitung, aber mit deutlichem Abstand zum drittplatzierten Blick.
Trotz nach wie vor unsicherer Werbemarktentwicklung stehen im laufenden und im kommenden Jahr auch freudige Ereignisse an: Tamedia-CEO-Martin Kall rechnet 2005 mit dem Break-even bei TeleZüri. Auch 20 Minuten will er möglichst noch dieses Jahr in die Gewinnzone führen. Ebenfalls sollen die Zeitschriften im laufenden Jahr erstmals schwarze Zahlen schreiben. Geklappt hat es bereits bei Partnerwinner, das dank Einführung der Gebührenpflicht aus der tief defizitären Situation heraus-gekommen ist. Und auch Jobwinner erzielte im 2003 einen kleinen Gewinn.
Daniel Schifferle

Wenn der Frühling einfährt

Pneuhandel Bewährte Strategie mit neuer Agentur: Pneu Egger ruft mit Wirz’ erstem Spot humorig wie eh zum Reifenwechsel auf.

Pneuhandel Bewährte Strategie mit neuer Agentur: Pneu Egger ruft mit Wirz’ erstem Spot humorig wie eh zum Reifenwechsel auf.«Pneu Egger versucht stets, mit der Werbung nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu unterhalten. Das gelingt uns aber offenbar nicht immer.» So hatte Simon Müller, Werbeleiter von Pneu Egger, auf einen Leserbrief reagiert. Darin empörte sich der Schreiber über den Pneu-Egger-TV-Spot, in dem ein Frosch – autsch! – gleich zweimal überfahren wird. Dass der nationale Marktführer für die Runderneuerung von Reifen mit dem Spot darauf hinweisen wollte, wie wichtig richtige Reifen sind, schien offenbar nicht von allen verstanden oder goutiert worden zu sein. Stattdessen kam der Pneuspezialist mit dem glitschigen Werbemanöver ins Rutschen. Dies und der Abzug des Leitungsteams bei der damaligen Agentur bewog das Aarauer Handelsunternehmen, sich nach einer anderen Agentur umzusehen.
Aufmerksamkeit dank Lacher
Der Entscheid fiel auf Wirz Werbung. Sie hat für Unternehmen vergleichbarer Grösse mit ausgefallenen Konzepten häufig beachtliche Bekanntheitswerte generiert, so Texter Thomas Kurzmeyer. Wie sich nun zeigt, setzen die Wirz-Kreativen die bisherige Werbestrategie und Kampagnenidee von Pneu Egger fort: Weiterhin sollen Impact-starke TV-Spots für Lacher und Aufmerksamkeit sorgen und so trotz des bescheidenen Mediabudgets die nötigen Erinnerungswerte bei der heterogenen Zielgruppe bringen.
Inhaltlich dient nicht der günstige Preis für einen Neureifen als Werbeargument, sondern die Sicherheit der «saisongerechten» Gummierung. Auch in diesem Frühling werden die Autofahrer den Pneu-Egger-Spot an der unvergleichlichen Stimme und der lakonischen Botschaft erkennen: «Spüren Sie auch schon den Frühling? Dann ist es Zeit für Sommerpneus. Jetzt bei Pneu Egger.» Völlig neu ist die Umsetzung dazu. Gezeigt wird eine nette alte Dame, die gut gelaunt und sorgfältig ihr Köfferchen packt: mit Gestricktem, Gehäkeltem und Geblümtem. Beim Anblick ihrer Unterbekleidung – Modell Liebestöter – zögert sie einen Moment, um dann kurz- entschlossen zur Schere zu greifen und daraus einen G-String zu schnipseln.
Die Kampagne wird ergänzt durch POS-Mittel und – da die Schweiz eine hohe Oldtimer-Dichte aufweist und viele Leute mehrere Oldies besitzen – durch eine Anzeige in Spezialtiteln.
Gummi-Leader Pneu EggerTrotz der Fusion der Schweizer Stationen der europäischen Ketten Euromaster und Viborg hat Pneu Egger die Schweizer Leader-Position im Bereich Reifen, Fahrzeugteile und Services rund ums Rad verteidigt. An 36 Standorten in der ganzen Schweiz und mit rund 280 Mitarbeitern setzte die Firma 2003 rund 90 Millionen Franken um. 40 Prozent davon entfallen auf den Privatauto-, 60 Prozent auf den Gewerbe- und Industriebereich. Seit 1998 führt Gregor Hartmann das Aarauer Unternehmen in zweiter Generation. (la)
Autoreifenhandel Der Frühling ruft, Pneu Egger kommt. Und zwar mit Wirz als neuer Agentur und erstaunlicherweise mit einem Update der bisherigen Hingucker-Kampagne. >> Seite 7
G-String statt Liebestöter: Pneu Egger setzt auf Hinschauer.
Luca Aloisi

Ringier schiebt Neue Zeitung auf die lange Bank

Zeitungen Der Ringier-Verwaltungsrat hat vergangene Woche über das Projekt «Neue Zeitung» gesprochen, aber Konzernsprecherin Eva Keller noch keinen Entscheid gefällt.

Zeitungen Der Ringier-Verwaltungsrat hat vergangene Woche über das Projekt «Neue Zeitung» gesprochen, aber Konzernsprecherin Eva Keller noch keinen Entscheid gefällt.Ringier plant ein anspruchsvolles, tägliches Nachrichtenblatt. Gegenüber dem deutschen Tagesspiegel sagte Verleger Michael Ringier, man bastle schon seit Jahren an diesem Projekt. Das Ganze sei schwierig, weil es so etwas noch nirgendwo gebe. «Vielleicht liegt es ja daran, dass das Konzept nichts taugt. Genau das wissen wir eben nicht», sagte Ringier.

Nach einer Erfolgsgeschichte reif für die Insel

PR Trimedia wird britisch. Die Schweizer Agenturgruppe erhält eine Mutterholding und ein hilfreiches Netzwerk.

PR Trimedia wird britisch. Die Schweizer Agenturgruppe erhält eine Mutterholding und ein hilfreiches Netzwerk.Noch steht die Zustimmung der Aktionäre von Huntsworth zwar aus. Doch dass die Übernahme von Trimedia abgesegnet werden wird, steht für den Schweizer Agenturchef Werner Mäder ausser Zweifel. Die PR-Gruppe mit Hauptsitz in Zürich wird Tochter einer aufstrebenden britischen Kommunikationsholding. Die Huntsworth-Gruppe hat in den letzten Jahren eine Reihe von Firmen für Marketing und Kommunikation zusammengekauft. Letztes Jahr übernahm sie die PR-Agentur Hatch-Group, die schon seit eini-ger Zeit mit Trimedia kooperiert. Huntsworth will Hatch-Group in Trimedia UK umbenennen, wodurch Trimedia neue Niederlassungen in London, Birmingham, Edinburgh und Glasgow erhält. Bisher war das 1981 in Zürich gegründete Netzwerk in der Schweiz sowie in Deutschland, Österreich und Frank-reich vertreten.
Kaufpreis noch nicht definitiv Huntsworth zahlt für 100 Prozent der Trimedia-Aktien bis zu 24,9 Millionen Euro. Der genaue Kaufpreis ist von der Performance der Agentur bis 2006 abhängig. Ein Teil wird in Aktien ausbezahlt. Gemeinsam würden die bisherigen Trimedia-Teilhaber zu massgeblichen Aktionären von Huntsworth, heisst es in einer Mitteilung. Wie gross ihr Anteil sein werde, lässt sich laut Werner Mäder allerdings noch nicht sagen. In der ersten Tranche des Kaufpreises sind Huntsworth-Aktien für 2,4 Millionen Euro enthalten. Das sind beim gegenwärtigen Kurs rund 3,5 Prozent. Ob sie die abschliessende Zahlung bar oder in weiteren Aktien tätigt, hat sich Huntsworth offen gelassen. Nach Berechnungen der Werbewoche könnten dies bis zu 35 zusätzliche Prozente sein.
Trimedias neue FamilieDie Huntsworth-Holding in London setzte im vergangenen Jahr rund 33 Millionen Euro um. Sie ist an der Börse London kotiert. Die Gruppe umfasst die PR-Agenturen Counsel, EHPR, Harrison Cowley, Haslimann Taylor und Hatch-Group, die Agentur für Corporate Identity Woodside Communications, die Markenagenturen HMI und Stephanie Churchill, den Pharmamarketingspezialisten PBC und die Global Consulting Group für Finanzkommunikation. (sm)
Stefano Monachesi

JvM einsam an der Spitze

Awards Die Agenturgruppe Jung von Matt ist beim Kreativwettbewerb des deutschen Art Directors Club obenaus geschwungen.

Awards Die Agenturgruppe Jung von Matt ist beim Kreativwettbewerb des deutschen Art Directors Club obenaus geschwungen.Mit insgesamt 119 Punkten heimste die Agentur gut doppelt so viele Punkte ein wie die zweitplatzierte Springer & Jacoby. Am Erfolg hat auch die Zürcher Niederlassung mitgewirkt. Ihre Kampagne für die Bank Julius Bär erhielt Silber für Text und Bronze für Tageszeitungsanzeigen und machte JvM/Limmat vor Spillmann Felser Leo Burnett (Bronze für die Alpenarena) zur erfolgreichsten Schweizer Agentur beim deutschen ADC. Die meisten ADC-Nägel für die Schweiz holten aber nicht Werber, sondern das Kulturmagazin «Du»: einen goldenen Nagel in der Kategorie Zeitschriftentitel sowie Gold und Bronze für Zeitschriftengestaltung. Und die ehemaligen «Du»-Gestalter Wendelin Hess und Beat Müller schlugen gleich nochmal zu: Mit dem «Extrablatt» zum Weltwoche-Jubiläum holten sie einen weiteren Bronze-Nagel. Zur diesjährigen Bewertung erhielt der ADC Deutschland über 7000 Arbeiten, davon zeichnete er 11 mit Gold-, 48 mit Silber- sowie 88 mit Bronze-Medaillen aus.

Internet-Marktplätze gründen Verband

Online Markets Ende Februar wurde der Verband Online Markets Switzerland (OMS) gegründet. Zweck: ein gebündelter Marktauftritt sowie die Vertretung und Wahrung der gemeinsamen Interessen.

Online Markets Ende Februar wurde der Verband Online Markets Switzerland (OMS) gegründet. Zweck: ein gebündelter Marktauftritt sowie die Vertretung und Wahrung der gemeinsamen Interessen.Das Ansehen der Branche in der Öffentlichkeit soll gefördert und Qualitätsstandards sollen gesichert werden. Gründungsmitglieder sind die Scout24-Gruppe (AutoScout24, ImmoScout24, TopJobsScout24 und FriendScout24), die Swissclick-Gruppe (Autoclick, Immoclick, Jobclick und Bazarclick), das Immobilienportal Homegate und die Media Swiss AG (Gate24.ch) sowie die Xmedia Annoncen AG, die das Inseratetool MediaManager vertreibt. Weitere Mitglieder werden dazukommen. Präsident ist Scout24-CEO Daniel Grossen, der den Verband initiiert hat.

Cracks for Kids am Ende

Sonntagszeitung Cracks for Kids wurde nach elf Ausgaben am Dienstag per sofort eingestellt. Die Zeitung habe zwar die Erwartungen im Lesermarkt erfüllt, so Chefredaktor Marco Aldrovandi.

Sonntagszeitung Cracks for Kids wurde nach elf Ausgaben am Dienstag per sofort eingestellt. Die Zeitung habe zwar die Erwartungen im Lesermarkt erfüllt, so Chefredaktor Marco Aldrovandi.Im Werbemarkt habe sie aber nicht genügend Resonanz gefunden. Allen Mitarbeitenden der Kinderzeitung wurde gekündigt. Initiant war der einstige Tamedia-Kadermann René Gehrig.

«Die Auflagenverluste sind gestoppt»

Zeitungen Der Relaunch des Tages-Anzeigers per 30. März ist nur eine Etappe, verrät Verlagsleiterin Maili Wolf. Die Fortsetzung folgt nächstes Jahr.

Zeitungen Der Relaunch des Tages-Anzeigers per 30. März ist nur eine Etappe, verrät Verlagsleiterin Maili Wolf. Die Fortsetzung folgt nächstes Jahr.WW Verglichen mit anderen Tageszeitungen geht der Tages-Anzeiger bei seinem Neukonzept auffallend behutsam vor. Sehr viel mehr wagen etwa die Aargauer Zeitung, die sämtliche Regionalteile in Tabloid bringt, oder die Basler Zeitung, die immerhin den Kulturteil ins Erfolgsformat transformiert. Weshalb verzichtet der Tages-Anzeiger auf so klare und sofort sichtbare Zeichen?Maili Wolf Wir werden das formale Gesamtkonzept des Tages-Anzeigers im 2005 erneut überprüfen. Denn dann bekommen wir neue Druckmaschinen, welche unsere Möglichkeiten erweitern. Im Moment sind wir drucktechnisch noch etwas behindert, durchgehende Vierfarbigkeit ist zum Beispiel nicht möglich. Aus diesem Grund heben wir uns weiter gehende visuelle Anpassungen für das nächste Jahr auf. Wir können nicht ständig irgendwo an der Zeitung etwas verändern, damit würden wir nur die Leserschaft verärgern.
Denkbar wäre also auch, dass ab 2005 zusätzlich zum Züritipp auch weitere Tabloid-Elemente in den Tages-Anzeiger Einzug halten?
Das kann durchaus sein. Im Moment kann ich dazu überhaupt noch nichts sagen. Aber unser Grundsatz lautet immer noch: Wir verkaufen Inhalt und Gehalt. Ob das in Broadsheet oder aber in Tabloid geschieht, ist sekundär.
Statt auf den ganz grossen Frühjahrsputz setzt der Tages-Anzeiger auf
eine verstärkte Ausrichtung seiner Inhalte auf die vermuteten tatsächlichen Bedürfnisse in der Leserschaft. Wie weit ist dieser Prozess bereits umgesetzt?
Die Redaktion hat im vergangenen Jahr lange Diskussionen geführt, welche Geschichten ins Blatt gehören und welche Schwerpunkte zu setzen sind. Nachdem der Tages-Anzeiger viele Jahre versucht hat, ein nationaler Titel zu werden, bekennt er sich jetzt klar zu seiner Heimat Zürich. Dieser geschärfte inhaltliche Fokus wird bereits umgesetzt. Und wir erhalten positive Reaktionen aus dem Lesermarkt. Der jahrelange Rückgang der Auflage konnte jetzt gestoppt werden, und zwar sowohl am Kiosk wie auch bei den Abonnenten. Bis im vergangenen November war die Tendenz immer noch sinkend gewesen. Seither bis Ende Januar haben wir nun aber rund 1000 Festabos hinzugewonnen. Das zeigt mir auch, dass wir inhaltlich auf dem richtigen Weg sind.
Mehr Bauchschmerzen bereitet im Moment ganz offenkundig immer noch der Werbemarkt. Auch hier brauchen die Tageszeitungen dringend neue Ideen. Im Sinne einer Sofortmassnahme sind wir zu einer viel aktiveren Marktbearbeitung übergegangen. Zurzeit sind wir mit einer Roadshow unterwegs, bei der wir die Kunden über unsere neuen Werbe-Sonderformen, neue Platzierungsmöglichkeiten und neue Rubriken informieren. Auch im Bereich Crossmedia halten wir Ausschau nach sinnvollen Möglichkeiten, zum Beispiel mit dem Fernsehen und dem Radio. Neu in unserem Angebot ist die Verbindung von Prospektbeilagen im Tages-Anzeiger mit einem Radiospot. Wer im Tages-Anzeiger Beilagen platziert, kann dies vorab im Radio kommunizieren. Das hilft, damit solche Beilagen nicht einfach herausfallen und dann gleich beim Altpapier landen.
Bestehen Pläne, solche Crossmedia-ideen auch auf die Pendlerzeitung
20 Minuten auszuweiten?
Zuerst einmal gehört 20 Minuten erst zu 49 Prozent Tamedia. Aber in der Zukunft wird man sicher darüber diskutieren, welche Kooperationen Sinn machen. Ich bin eine Verfechterin von Zusammenarbeiten, wenn sich damit Win-Win-Situationen realisieren lassen.
Allerdings ist jede zusätzliche Stärkung von 20 Minuten auch mit der Gefahr einer weiteren Kannibalisierung des Tages-Anzeigers verknüpft. Tamedia wird daher gut aufpassen müssen, in welche Richtungen sie
20 Minuten weiter stärken will.
Ein Teil der in den Vorjahren erlittenen Auflagenverluste des Tages-Anzeigers hat sicher mit 20 Minuten zu tun. Denn es sind ja vor allem die jungen Leserinnen und Leser, die sich bei den Tageszeitungen nicht aufgehoben fühlen. Neben einigen Lesern aus allen Altersgruppen, denen die leichte Kost genügt. Dieser Streusand scheint sich jetzt aber verteilt zu haben. So jedenfalls kann man den Stopp des Auflagenrückgangs beim Tages-Anzeiger interpretieren.
Auch mit Kampfpreisen versucht der Tages-Anzeiger im Anzeigenmarkt mehr Boden unter den Füssen zu
gewinnen: Die Tarife für Prospektbeilagen wurden um 20 Prozent gesenkt. Ist dies als Schritt zu verstehen, um dem boomenden Direktmarketing wieder Marktanteile wegzunehmen?
Mit diesem Preisschnitt sind wir jetzt wieder halbwegs bei den Leuten. Einzelne Kunden überlegen sich, ob sie es nicht doch wieder mit dem Tages-Anzeiger probieren wollen. Dafür zwar immer noch etwas mehr bezahlen als bei Streuwurfsendungen, im Gegenzug aber von der Glaubwürdigkeit und dem attraktiven Leserschaftsprofil der Zeitung profitieren. Wir stellen fest, dass im Bereich Prospektbeilagen bereits wieder Kunden zurückkommen. Wir scheuten auch keinen Aufwand, um das Angebot attraktiver zu machen. So haben wir die Zustelltouren neu organisiert, sodass Prospektbeilagen regionenspezifisch angeboten werden können. Kunden haben die Wahl zwischen einem Stadtsplit, einem Split Region Nord und einem Split Region Süd.
Allerdings fehlt dem Werbemarkt immer noch der längst angekündigte Aufschwung. Insbesondere die Tageszeitungen kämpfen weiterhin mit rückläufigen Werbeeinnahmen. Wann rechnen Sie mit der Kehrtwende?
Zuerst muss der Aufschwung generell kommen. Nur so viel ist gewiss: Wenn ein Aufschwung kommt, dann profitieren davon sicher auch die Tageszeitungen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Gattung Tageszeitung im Inseratemarkt als sehr teuer gilt. Der Tages-Anzeiger hat zwar den güns- tigsten Tausendleserpreis unter den Tageszeitungen im Grossraum Zürich. Doch seine härteste Konkurrenz ist und bleibt die Sonntagspresse, die mit gleichen Leistungswerten fast dreissig Prozent billiger ist.
Bereits seit Jahren tut sich der Tages-Anzeiger ja auch mit dem Swisspool schwer. Mit welchen Massnahmen könnte das Kombi der Schweizer
Tageszeitungen wieder an Attraktivität zulegen?
Im Vergleich mit den ursprünglichen Zielsetzung des Swisspools haben sich die Erwartungen des Marktes stark verändert. Und auch die Medienvielfalt ist massiv gewachsen. Beim Swisspool hat man aber lediglich Titel fusioniert und die Preise erhöht. Wirklich kreative Schritte, die nötig gewesen wären, sind ausgeblieben. Dies soll jetzt nachgeholt werden. Bei den aktuellen Diskussionen wird geprüft, ob weitere Module einzubauen sind. Will man sich auf gewisse Regionen begrenzen? Sollen neue Titel integriert werden oder stehen Austritte bevor? Die Resultate solcher Erwägungen kann ich noch nicht kommunizieren. Tatsache ist aber, dass der Werbemarkt vom Swisspool nicht nur mehr Flexibilität, sondern auch eine attraktivere Preisgestaltung wünscht.
Kreativität mit AnzeigenDer Tages-Anzeiger lockt seine Inserenten mit einer Reihe von neuen Platzierungsmöglichkeiten. So lassen sich jetzt ebenfalls die Bund-Auftaktseiten (Ausnahme: Frontseite) mit Anzeigen belegen.
Auch aussergewöhnliche Formate schaffen zusätzliche Möglichkeiten für ins Auge springende Auftritte.
So stehen neu in der Vertikalen halbierte, beidseitig bedruckte Inserateseiten zur Verfügung. Und wer genug hat von den ewigen viereckigen Formatvorgaben, kann sich jetzt für ein Multieck-Inserat entscheiden. Zum Beispiel in Herzform.
Kräftig nach unten korrigiert wurden die Preise für Prospektbeilagen, die um 20 Prozent günstiger zu haben sind. Zusätzliche Attraktivitätssteigerung für Beilagen: Neu lassen sie sich mit einem Radiospot kombinieren. (dse)
Mehr Raum für die WirtschaftDie neue Blattarchitektur des Tages-Anzeigers geht mit Änderungen sparsam um. Das «Inland» rückt vor das «Ausland». Die «Hintergrundseite» wandert an den Schluss des ersten Bundes, ergänzt um eine zusätzliche «Analyse»-Seite. Im «Zürich»-Bund verschwindet die jetzige Aufteilung in «Stadt Zürich», «Region» und «Winterthur». Neu wird der «Blaue Bund» ergänzt um die Seite «Bellevue». Mit «Tagestipps», «Eva»-Comic und einer Kolumne von Simone Meier. Zur besseren Leserführung sind die wichtigs- ten Kurznews mit Farbe unterlegt.
Die «Wirtschaft» erhält anderthalb zusätzliche Seiten für KMU-
Geschichten und Kurznews. Schöner und reichhaltiger kommt auch die «Wetter»-Seite daher. Neu wird die Wetterentwicklung im Tagesablauf in Form eines Regenbogens dargestellt.
Die Grafik des Tages-Anzeigers bleibt weit gehend unverändert. Eine der wenigen Ausnahmen: Die Doppellinien oben an den Seiten und bei den Textkästen verschwinden. (dse)
Behutsame inhaltliche und optische Eingriffe – und doch klar erkennbare Veränderungen: So wird der Tages-Anzeiger nach seiner Renovation ab dem 30. März aussehen.
Interview: Daniel Schifferle

Lowe wirbt international für Topmarke Davos

Tourismus Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren hat Davos Tourismus Lowe mit seinem Werbebudget betraut.

Tourismus Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren hat Davos Tourismus Lowe mit seinem Werbebudget betraut.Lowe Zürich geht mit Davos einen exklusiven Werbevertrag für die Tourismusbranche ein, wie es in einer Mitteilung der Marketingorganisation heisst. Das weltweite Netzwerk erlaube es Lowe, die Topmarke Davos international zu vertreten. Die Agentur wird auf Basis der bestehenden Marketingstrategie ein neues Kommunikationskonzept und den neuen Werbeauftritt von Davos entwickeln. Das Kernstück der ersten Phase bilden ein Broschürenkonzept und eine Plakatkampagne. Erste Resultate sind auf den Herbst 2004 zu erwarten. Davos war zuvor zwanzig Jahre lang von Contexta betreut worden, ehe die Berner Agentur den Etat im Oktober 2002 zurückgab.

Medieninstitut erneuert Verlagsausbildung

Ausbildung Das Medieninstitut des Verbands Schweizer Presse erneuert sein berufsbegleitendes Ausbildungsangebot für Medienprofis.

Ausbildung Das Medieninstitut des Verbands Schweizer Presse erneuert sein berufsbegleitendes Ausbildungsangebot für Medienprofis.Ausbildung Das Medieninstitut des Verbands Schweizer Presse erneuert sein berufsbegleitendes Ausbildungsangebot für Medienprofis. Ab September wird ein zweistufiges Konzept eingeführt. Kurs 1 (Verlagsfachmann/-frau) richtet sich an junge Fachleute, die sich als Projektleiter, Sachbearbeiter oder Bereichsleiter im Mediengeschäft qualifizieren wollen. Kurs 2 (Verlagsmanager) wendet sich an Fachleute mit Führungspotenzial. Die Kurse dauern je rund ein Jahr. Für Kurs 1 arbeitet das Medieninstitut mit dem Sawi in Dübendorf zusammen, für Kurs 2 mit dem MAZ in Luzern. Die Neukonzeption soll die stark gestiegene Komplexität und den erhöhten Umfang des Lehrstoffs auffangen.

AY&R überzeugt Ceylor

Gesundheit Der Kondomhersteller Lamprecht AG hat Advico Young & Rubicam (AY&R) beauftragt, die Launchkampagne für ein neues Produkt zu entwickeln. Lamprecht, dem die Marke Ceylor gehört,

Gesundheit Der Kondomhersteller Lamprecht AG hat Advico Young & Rubicam (AY&R) beauftragt, die Launchkampagne für ein neues Produkt zu entwickeln. Lamprecht, dem die Marke Ceylor gehört,Gesundheit Der Kondomhersteller Lamprecht AG hat Advico Young & Rubicam (AY&R) beauftragt, die Launchkampagne für ein neues Produkt zu
entwickeln. Lamprecht, dem die Marke Ceylor gehört, wählte AY&R auf Grund einer Agenturevaluation. Der Entscheid sei nach der Präsentation von Erkenntnissen aus ihrer Studie Brand Asset Valuator gefallen, teilte die Gockhauser Agentur mit. Erste Sujets der neuen Kampagne werden Anfang April zu sehen sein.
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