Lisa Feldmann wird Annabelle-Chefredaktorin

Frauenzeitschriften Lisa Feldmann wird Anfang Mai Chefredaktorin von Annabelle. Seit dem Abgang von Christa Löpfe Ende Januar leitet Martina Monti die Redaktion ad interim.

Frauenzeitschriften Lisa Feldmann wird Anfang Mai Chefredaktorin von Annabelle. Seit dem Abgang von Christa Löpfe Ende Januar leitet Martina Monti die Redaktion ad interim.Lisa Feldmann ist derzeit Redaktorin im Trend-Bund der SonntagsZeitung.

Cinecom zeigt Trailer auf der Website

Kino Der Kinovermarkter Cinecom baut das Informationsangebot auf seiner Website aus. Ab sofort sind in der Rubrik «Kino-Highlights» von www.cinecom.ch die Trailer der kommenden Filme abrufbar.

Kino Der Kinovermarkter Cinecom baut das Informationsangebot auf seiner Website aus. Ab sofort sind in der Rubrik «Kino-Highlights» von www.cinecom.ch die Trailer der kommenden Filme abrufbar.Dazu kommt eine Übersicht mit Kurzbeschreibung, Bildern und Startdatum. Dieser Service ermögliche eine detaillierte Planung im passenden Umfeld, heisst es in einer Mitteilung. Cinecom arbeitet dazu mit der Firma Cinergy zusammen, die unter anderem die Kino-Website www.cineman.ch betreibt.

P-Webservices mit AdStream liiert

Kooperationen Der Online-Vermarkter Publicitas Webservices (PWS) und der Werbedienstleister Real Media rücken näher zusammen.

Kooperationen Der Online-Vermarkter Publicitas Webservices (PWS) und der Werbedienstleister Real Media rücken näher zusammen.PWS ist eine Tochter der PubliGroupe, die an der US-Firma 24/7 Real Media mit 16 Prozent beteiligt ist. PWS setzte für die Bannerauslieferung schon bisher das «Open AdStream»-System von 24/7 Real Media ein. Laut einem Communiqué arbeitet PWS nun ab sofort im technischen Vertrieb eng mit der Real Media Technology SA zusammen, einer Schweizer Tochter von 24/7 Real Media. Ziel sei es, die neuesten Software-Lösungen des Unternehmens in der Schweiz einzuführen beziehungsweise deren Verbreitung weiter auszudehnen.

Schweizer Frauenpower für Cannes

Bildagenturen Für das Keystone Cannes Open wurden 73 Arbeiten eingereicht. Die Qualität war bemerkenswert.

Bildagenturen Für das Keystone Cannes Open wurden 73 Arbeiten eingereicht. Die Qualität war bemerkenswert.
Mit dem Keystone Cannes Open bietet die grösste Bildagentur der Schweiz seit vier Jahren eine Plattform für Werbetalente bis 30 Jahre. Bedingung zur Teilnahme am Wettbewerb sind einzig ein Auftraggeber sowie die Verwendung von Bildmaterial aus den Keystone-Archiven mit über 11 Millionen Bildern.Mit 73 Einsendungen wurde die Teilnahme vom letzten Jahr übertroffen. Der Wettbewerb hat damit eine erfreuliche Akzeptanz gefunden. Auch das Niveau war «sehr hoch», wie die Jury einstimmig befunden hat. In dieser wirkten Denis Schwarz, Mathias Freuler, Simone Fennel und Markus Ruf.
Jungwerberinnen überzeugten
Als Siegerteam haben sie Hanna Zimmermann (28) und Chantal Ehrensperger (21) von der Werbeagentur Wirz ausgezeichnet. Die beiden Jungwerberinnen konnten die Fachleute mit ihrem Werk «Ohr – Extreme Carving» überzeugen: Ein blutiges Ohr zeigt, wie extrem das Carvinggefühl mit Stöckli-Skis möglich ist. Die beiden Frauen dürfen im Juni an das renommierte Werbefestival in Cannes fliegen. Darüber hinaus wird ihre Arbeit in der Kategorie «Press & Outdoor Award» für die Lions eingereicht.
Neben dem Siegersujet wurden vierzehn weitere Arbeiten auf die Shortlist gesetzt. Auffallend viele Ideen arbeiteten mit gelungenem Humor. «Ein guter Gag ist noch kein Garant für eine werbewirksame Botschaft», meinte allerdings die Jury.
Nach zwei Ausscheidungsrunden sind drei Werke in die engste Wahl gekommen. Neben den Siegerinnen kam eine weitere Frau auf Platz 2. Cornelia Wenk hätte es sogar beinahe zu Gold gereicht. Bei der letzten Diskussion der Jury fiel aber vor allem ins Gewicht, dass das Carving-Sujet in Cannes auch international verstanden werden könnte und damit die besseren Chancen hat. Wenks Optiker-Sujet mit dem kurzsichtigen Autofahrer hat der Jury aber gefallen als «ein neuer Ansatz für eine schon x-mal abgehandelte Werbung.» Im dritten Rang wurden Sebastian Hugelshofer und Daniel Roznovjak für ihre Idee «Zeit anhalten» für Nivea Visage ausgezeichnet.
Das Gewinnerplakat ist vom 5. bis zum 18.April an
der Weinbergstrasse am Central in Zürich in B12-Format zu bewundern. Alle eingereichten Werke können noch bis zum 25. März im Foyer von Keystone an der Grubenstrasse 45 in Zürich während den Bürozeiten oder im Internet unter www.cannes-open.ch besichtigt werden.
Gefragt bei Werbeagenturen Keystone ist in der Branche bis jetzt vorwiegend als «schnelle Agentur» für Newsbilder positioniert. Die Nachfrage aus Werbeagenturen ist aber steigend, wie CEO Walter Grolimund erklärt.
Keystone ist trotz dem amerikanisch klingenden Namen eine Schweizer Firma, die von einem Schweizer in Keystone Colorado gegründet wurde und dann ihren Sitz nach Zürich verlegte. Seit 1980 bietet die Presseagentur auch allgemeine Stock-Bilder an. Keystone arbeitet im Netzwerk mit «Science», der weltweit besten wissenschaftlichen Datenbank. Zugriff hat die Agentur ebenfalls auf spezialisierte Netzwerke in Korea, Japan und China.
Bald futuristische Möglichkeiten In der Schweiz arbeitet Keystone mit insgesamt 22 fest angestellten Fotografen. Vor zehn Jahren war die Agentur ein Sprungbrett für Fotografen, die zu einer Zeitung wollten. «Heute gibt es eine Warteliste mit Zeitungsfotografen, die viel lieber bei Keystone arbeiten möchten», weiss Grolimund.
In Zürich werden täglich 2000 neue Bilder ins Programm aufgenommen. 1500 davon sind Newsbilder, der Rest allgemeine Sujets. Für die Datenbank sind vier Leute non-stop mit Scannen beschäftigt, zehn indexieren. Ihr wichtigster Job momentan: Die Datenbank wird separiert. Wer bei der Bildsuche bisher «Davos» eingegeben hat, bekam eine Unmenge aktuelle Bilder vom Eishockey-Club Davos. Jetzt sind die Suchkriterien verfeinert worden. In Zukunft wird es sogar möglich sein, dass Werber eine Skizze von einem Bild eingegeben können – dann sucht die Maschine automatisch nach Sujets mit den gleichen Konturen. Dieser futuristische Service heisst «Visual Search» und soll ab Mitte Jahr zur Verfügung stehen. Keystone hat für diese Entwicklungen der Datenbank über eine Million Franken investiert und gehört seit sieben Jahren in Sachen Datenbank zu den führenden Anbietern in Europa. Zurzeit ist man für das Scannen zusätzlich im Test mit einem indischen Spezialunternehmen.
Die hohe Qualität der Einsendungen machte die Arbeit der Jury schwierig. Sieger wurden Chantal Ehrensperger (l.) und Hanna Zimmermann.
Gestoppt auf Platz 3: Sebastian Hugelshofer und Daniel Roznovjak.
Andreas Panzeri

Knusper und busper

Frühstücksmarkt Die Obwaldner Bio-Familia hat die Marketing-Trophy 2004 in der Kategorie 50 bis 299 Mitarbeiter gewonnen. Den Erfolg verdankt der Müesliproduzent steter Innovation und kluger Kommunikation.

Frühstücksmarkt Die Obwaldner Bio-Familia hat die Marketing-Trophy 2004 in der Kategorie 50 bis 299 Mitarbeiter gewonnen. Den Erfolg verdankt der Müesliproduzent steter Innovation und kluger Kommunikation.Vor 100 Jahren wurde er ausgelacht und mit dem Ausschluss aus der Ärztekammer bestraft. Und seither hundertfach kopiert. Maximilian Bircher-Benner hat mit einigen wenigen Zutaten eine Erfolgsgeschichte gemixt, die ihresgleichen sucht. Und dies nur, weil er – gegen den damaligen Trend der weich gekochten Nahrung – seinen Patienten Rohkost vorsetzte: gewalzter Hafer, geriebene Äpfel, Nüsse, Zitronensaft und Kondensmilch. «D’Spys», wie Bircher-Benner seine Erfindung nannte, überzeugte mit der Zeit nicht nur sämtliche Schweizer Mütter, sondern verleitete auch Millionen von Deutschen zu ungewohnter Mundgymnastik: «Müesli» dürfte nach «Tschüss» wohl zu einem der meist gebrauchten Schweizer Wörter in Deutschland gehören. Pech für Bircher-Benner, dass Branding zu seiner Zeit noch unbekannt war: Sein Heilbrei kommt heute weltweit täglich tonnenweise auf die Frühstückstische.
Laut «Marktradar Frühstücksgewohnheiten» von Demoscope greifen vier Prozent der Schweizer täglich zu Frühstücksflocken, für Müeslimischungen begeistern sich fünf und für Cornflakes vier Prozent. Allein in der Schweiz wurden laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens ACNielsen zwischen Dezember 2002 und November 2003 Flocken im Gesamtwert
von 145,2 Millionen Franken verdrückt.
Wobei Müesli heute kaum mehr Birchermüesli ist. Beschränkung auf das Nötigste mag für Genesende angebracht sein. Raffeln, Reiben und Mischen sind jedenfalls passé: Das klassische Birchermüesli trägt nur noch 14 Prozent zum Gesamtmüesli-Umsatz bei. 60 Prozent gehen an so genannte Ready-to-eat Cereals (RETC). Diese und die ebenso beliebten Knuspermüesli haben jedoch einen gewichtigen Nachteil: Mit ihren hohen Zucker- und Fettanteilen schlagen sie kalorienmässig happig zu Buche. Wie leider so oft in der Küche gilt auch bei Cerealien: Wenns schmeckt, setzts wahrscheinlich an.
Erfolg dank Pionierprodukten Fettarm, reduziert im Zucker und trotzdem knusprig? Das schafft das mit der Trophy ausgezeichnete Familia Fit Crisp. Bio-Familia entwickelte ein neues Backverfahren, das die Herstellung von Knuspermüesli mit wesentlich geringerem Fett- und Zuckeranteil erlaubt. Und damit folgt die Familien-AG konsequent ihrer Strategie, sich mit Pionierprodukten in einer Nischenstellung zu behaupten. Gegründet wurde sie vor fünfzig Jahren von Ann und Georg Hipp – vom gleichnamigen deutschen Babynahrungsproduzenten – in der Absicht, als erstes Unternehmen Birchermüesli industriell herzustellen. Wiederum Pionierin war Bio-Familia 1997, als sie als erste Schweizer Herstellerin ein Müesli auf den Markt brachte, das dem im Milchbereich lancierten Trend Functional Food folgte: Familia c.m. Plus, angereichert mit Kalzium, Magnesium und Vitamin D, zielt darauf, die Knochenmasse zu stärken. Zwei Jahre später kam Familia a.c.e. Balance, das durch die Antioxidantien A, C und E die Abwehrkräfte steigern soll. Dass ihr Nutzen für die Gesundheit schwer zu beweisen ist, ist eine Schwierigkeit, die alle Functional-Food-Produkte teilen. Familia Fit Crisp jedoch hat dieses Problem nicht. In einer Zeit, in der Ärzte weltweit Alarm schlagen und vor den fatalen Folgen zunehmender Fettsucht warnen, sind niedrige
Anteile an Fett und Zucker bei einem ansonsten wohl schmeckenden Convenience-Produkt als Kaufargument kaum schlagbar.
Nicht erstaunlich also, dass dem Erfolg von Familia Fit Crisp keine besondere Überzeugungsarbeit vorangehen musste. «Das Konzept besticht durch seine Praxisnähe», urteilte denn auch die Jury der Marketing-Trophy 2004. Bei der angepeilten Käuferschaft – gesundheitsbewusste Frauen zwischen 20 und 35 – kommt «knusperleicht» gut an. Laut Auskunft von Marketingleiterin Daniela Reichlin hat das dritte Produkt in der Functional-Food-Linie die Verkaufserwartungen im ersten Jahr bereits übertroffen.
«Als Nischenplayer sehen wir auch in der Zukunft eine Chance – dank gut durchdachten Konzepten und Innovation mit Qualität», gibt sich die Marketingverantwortliche überzeugt. Obwohl der Cerealien-Markt stark im Umbruch ist und die Grenzen zwischen den Produktgruppen immer mehr verschwimmen, steht die Marke Familia gegenwärtig gut da: Im Detailhandel (Migros und Coop ausgenommen) ist sie führend im Knuspermüesli- wie auch im Birchermüesli-Markt. Mit 95 Mitarbeitern produziert die Firma jährlich 9100 Tonnen Müesli, wovon zwei Drittel in der Schweiz bleiben. Exportiert wird mittlerweile in 43 Länder. Der Umsatz beträgt 44 Millionen Franken.
Wenig Aufwand für viel Wissen
Vergleichsweise klein sei das Marketingbudget: Rund 600 000 Franken fliessen in klassische Werbeinstrumente. Getreu ihrem Leitbild «marktnah und innovativ» führt Bio-Familia Marktforschung eigenhändig durch. «Dies verspricht Nähe zum Konsumenten und seinen Bedürfnissen», erklärt Marketingassistentin Petra Feierabend. «Im IHA-Studio befragen wir die Leute selber. Wir sind überzeugt: Bei unserer Methode können 20 bis 40 qualifizierte Befragungen bereits richtungsweisend sein.»
Überdies setzt das Unternehmen auf breit gestreute Produktsamplings im Zusammenhang mit dem Sponsoring von Sportanlässen, auf die Zusammenarbeit mit Presenter Service und gezielte Verteilung, etwa in Schwimmbädern. Bei Anzeigenkampagnen wird vor allem auf Pull-Strategien gesetzt. In Zusammenarbeit mit der Luzerner Hochschule für Wirtschaft wurden auch schon Studien in Fitness-Zentren, Gruppendiskussionen und Befragungen in Schulklassen durchgeführt.
Bei der Verpackung setzt Bio-Familia offenbar auf Bewährtes: Die in Konturen angedeutete Tänzerin vor weiss-grün-blauem Hintergrund ziert auch Nestlés Fitness-Müesli. Die Figur des Multis wirkt jedoch bezeichnenderweise erheblich steifer als die übermütige Tänzerin des wendigen, kleinen Konkurrenten.
Familien-Jubiläum1954, damals noch unter dem Namen Somalon AG und auf den Vertrieb von Babynahrung spezialisiert, wurde die Bio-Familia AG gegründet. Bereits vier Jahre später setzte das Jungunternehmen seine Idee, Birchermüesli industriell herzustellen, in die Praxis um. Den Trend zur vegetabilen Ernährung erkannte die Firma mit Sitz in Sachseln schon Anfang der Siebzigerjahre. Laufend erweiterte Bio-Familia das Sortiment und konnte die Produkte – von der Vollwertnahrung für Sportler bis zum Knabber-Müeslisnack «Pickers» – auch in verschiedenen anderen Ländern erfolgreich etablieren, womit sie dem Mundartbegriff «Müesli» zu Weltruhm verhalf. (la)
Ganz schön fit: Mit trendigen Produkten und einem frischen Auftritt behauptet sich Bio-Familia gegen Nahrungsmittelmultis.
Katrin Piazza

Neuer Sushi-Tempel

Gastronomie Der «Barfüsser» im Zürcher Niederdorf ist schon lange nicht mehr nur Treffpunkt für Gays und Nachtschwärmer der exotischen Art.

Gastronomie Der «Barfüsser» im Zürcher Niederdorf ist schon lange nicht mehr nur Treffpunkt für Gays und Nachtschwärmer der exotischen Art.In der geschmackvoll gestalteten Bar tummelt sich inzwischen ein heterogenes Partyvolk, das die kulinarische Spezialität des Hauses geniesst: Sushi. Zahnzimmermannfankhauser hat nun für das Lokal eine Anzeige entwickelt, die seinem Namen wie der japanischen Spezialität alle Ehre macht. Das Sujet ist am Multimedia-Festival Volts & Visions in Zürich als Kinodia und als Anzeige in Trend- und Partymagazinen zu geniessen.

Supermarkt der Sinnangebote

Gastkommentar Wenn Privatradios und -TVs für Frei- und Landeskirchen werben, würde bald auch die SRG Spots mit religiösem Inhalt senden dürfen. Folge eines solchen Dammbruchs wäre eine aggressive (Sinn-)Flut.

Gastkommentar Wenn Privatradios und -TVs für Frei- und Landeskirchen werben, würde bald auch die SRG Spots mit religiösem Inhalt senden dürfen. Folge eines solchen Dammbruchs wäre eine aggressive (Sinn-)Flut.Ab Mitte 2005 werden Tom Cruise und John Travolta in TV-Spots bei TeleZüri und ProSieben für Scientology werben dürfen. Das laut missionierende Lifestyle-Unternehmen ICF (International Christian Fellowship) wird über Privatradios von Aktuell bis Zürisee zu seinen Party-Gottesdiensten einladen und sich über die uncoolen Angebote der Kirchen mokieren. Und andere religiöse Gruppen und Organisationen, die genügend Geld und den nötigen Pfiff haben, werden mitziehen. Kurzum, die Lautesten auf dem Markt der Glaubensüberzeugungen und Weltanschauungen werden den Ton angeben.So ähnlich dürfte es wohl kommen nach der Behandlung des neuen Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) durch den Nationalrat. Nach dessen Willen soll das Verbot der religiösen Werbung – zusammen mit den Restriktionen für Alkohol- und Politwerbung – bei den Privatsendern aufgehoben werden. In der Debatte wurde die Frage der Alkoholreklame ausführlich, die der politischen Werbung knapp und die der religiösen gar nicht diskutiert. Offenbar hielt man sie für unbedeutend. Da dürften sich die Ratsmitglieder noch wundern.
Um zu sehen, wie aggressiv Religion sein kann, braucht man sich bloss auf der Welt umschauen oder einen Blick in die eigene Geschichte zu tun. Staatsordnung und Alltagskultur der Schweiz haben dieses Gefahrenpotenzial in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten gezähmt. Die Mainstream-Kirchen sind demokratisch strukturiert und öffentlich-rechtlich kontrolliert, die Konfessionen arbeiten meist problemlos zusammen und auch nichtchristliche Gemeinschaften werden einbezogen.
Das ist inzwischen so normal, dass es kaum mehr bemerkt wird. Doch selbstverständlich ist es nicht. Vielmehr stecken kontinuierliche Bemühungen an vielen Fronten dahinter. Diese wurden gestützt durch das Verbot religiöser Werbung in den elektronischen Medien. Nun kommt sie aber. Man darf hoffen, dass destruktiv-aggressive Auftritte sich von selbst erledigen, weil sie beim Publikum schlecht ankommen. Aber ein Risiko bleibt, vor allem, wenn religiöse Identitäten sich mit politischen oder ethnischen Spannungen aufladen sollten.
Jetzt werden also die Kirchen in eine neue Freiheit bugsiert, die sie nicht gesucht haben. Sie werden sich anfangs wundern, wie rasch und mit wie viel Power kleine Gruppierungen in die Öffentlichkeit vorstossen. Freikirchen und ähnliche Gemeinschaften sind expansiv; Werbung ist ihnen nicht fremd. Früher oder später werden jedoch auch die Landeskirchen die Chancen von Radio- und Fernsehwerbung zu nutzen lernen. Leicht fallen wird ihnen das nicht. Die dezentrale Organisation erschwert den gemeinsamen Auftritt. Es droht die Gefahr, dass kleinräumige Jekami-Werbung Energien und Ressourcen verpufft.
Aber vielleicht setzt der Ständerat ja andere Akzente. Nachbesserungsbedarf besteht insbesondere bei den Werberegelungen. Warum die asymmetrische Ordnung zur Förderung einheimischer Privatsender mit solchen Mitteln anstreben? Der erwünschte Effekt wird ausbleiben, da der Löwenanteil der Mediagelder den Schweizer Werbefenstern ausländischer TV-Stationen zufliessen dürfte. Deren Ausschluss von der Privilegierung wird sich nämlich nicht durchsetzen lassen. Hinzu kommt, dass die SRG eine Korrektur des RTVG zu ihren Gunsten anstreben (und auch erreichen) wird. Und zwar mit dem Argument, es sei unsinnig, die Restriktionen einzig für sie aufrechtzu- erhalten und vor allem ausländische Veranstalter zu bevorzugen.
So wird der Schweizer Markt für religiöse Werbung schliesslich völlig liberalisiert. Spätestens dann werden auch die grossen Kirchen Kampagnen fahren. Das Religiöse wird so in der Gesellschaft zwar präsenter, aber auch aggressiver werden. Der Supermarkt der Sinnangebote wird keine harmlose Metapher mehr sein, sondern handgreifliche Realität.
Im besten Fall wird Religion dadurch interessanter, rückt sie näher an die heutigen Menschen. Im schlechtesten stolpern die Kirchen in eine neue Intoleranz.
> Urs Meier ist Geschäftsführer der Reformierten Medien, des Kommunikationsunternehmens der evangelisch-reformierten Kirchen der Deutschschweiz.

Die Kult-Frau

Sibylle Berg will als neue Chefredaktorin aus dem Lifestyle-Magazin Kult eine literarische Zeitschrift machen.

Sibylle Berg will als neue Chefredaktorin aus dem Lifestyle-Magazin Kult eine literarische Zeitschrift machen.Sie sei «ein ganz fauler Hund», meint Sibylle Berg. Gerne liege sie am Boden ihrer Zürcher Wohnung, schaue an die Decke und denke. Was der faule Hund so denkt, wirkt allerdings ziemlich fleissig. Sechs Romane und sechs Theaterstücke gehören bereits zum Werk der jungen Autorin. Ihr letztes Buch «Ende gut» – über Zynismus, Grausamkeit und Melancholie in der heutigen Zeit – soll demnächst noch mit einer musikalischen CD als eine Art «Oper zum Buch» ergänzt werden. Daneben ist das siebte Theaterstück beinahe fertig. Es wird in diesem Sommer in Bochum auf die Bühne kommen – im Haus von Alexander Hartmann, der in der kommenden Spielzeit Nachfolger von Christoph Marthaler in Zürich wird. Berg will in Bochum wie meistens bei ihren Stücken bei den Proben mit dabei sein. Weiter in ihrem Terminplan steht auch ein Auftrag für ein modernes Opernlibretto.Bei all diesen Aktivitäten hat es nicht wenige überrascht, dass Sibylle Berg in diesen Wochen auch die Chefredaktion des Zeitgeistmagazins Kult übernommen hat.
«Leise im Hintergrund» sei sie zwar schon mehr als ein Jahr lang beim erfolgreichen Szeneheft von Rainer Kuhn mit dabei. Sie hat Texte ausgewählt und Autoren gesucht. Diese Beratung hat sich jetzt zu einer richtigen Chefredaktion entwickelt.
«Die Arbeit für Kult ist ein Bestandteil von vielen Sachen, aus denen sich mein Einkommen zusammensetzt», erklärt die Schriftstellerin, die «noch nicht lange» von ihren Büchern leben kann. Und freut sich: «Kult ist auch ganz schön eine Möglichkeit, Freunde zu ernähren, Schriftsteller ein bisschen zu unterstützen und zu fördern.»
Bei solchen Zielsetzungen ist klar, dass Kult sich ein wenig verändern wird. «Keinen Bezug», hat die gesellschaftskritische Autorin zur Party- und Liefestyle-Szene. Zwar findet sie es bewundernswert, wie sich die anfängliche Spassidee von Rainer Kuhn in diesem Umfeld zu einem erfolgreichen Selbstrenner entwickelt hat. Kult wurde immer dicker und besser und mehr gelesen. «Kult ist ein richtiges Blatt geworden, das ich auch selber lesen würde», wirbt Berg für ihr neues Sprachrohr.
Dieses soll statt bei Partygängern jetzt immer mehr auch in intellektuellen Kreisen seine Resonanz finden. «Wir merkten, dass Leute die Bücher lesen, jetzt auch das Kult lesen. Das finde ich schön», freut sich Berg. Mit der neuen Ausrichtung will Kult auch mit Orell Füssli kooperieren. Das Heft wird gratis im Buchhandel ausgelegt. Neu dazugekommen ist eine Zusammenarbeit mit dem Theater in Zürich, «dort, wo jetzt die Hauptleserschaft sitzt».
Als neue Schreiber will Kult möglichst viele bekannte deutschsprachige Autoren verpflichten. Sie habe sich immer ein Magazin gewünscht, in dem alle ihre Lieblingsautoren schreiben. Weil es das nicht gab, macht Sibylle Berg jetzt selber ein solches Heft. Bereits hat sie Kollegen wie Elfride Jelinek, Wim Wenders oder Henrik Broder für Kult gewinnen können.
Mit Bergs Chefredaktion will sich Herausgeber Rainer Kuhn vermehrt in die Verlagsfunktionen zurückziehen. Für die Gestaltung des Hefts sieht die Chefredaktorin «vier gleichberechtigte Leute im kreativen Kern». Shamir Yanay ist für die Bild-Direktion zuständig. Der Werber Frank Bodin – ebenfalls Ko-Herausgeber des Kult – «macht wahrscheinlich so den grossen intellektuellen Zusammenhang». Rainer Kuhn «vernetzt und wirbelt rum».
Und das redaktionelle Konzept? Man habe einmal gesagt: «Fotografen und Autoren beschreiben die Welt.» Mit diesem immer noch gültigen Konzept will man allerdings nicht aktuell die Weltpolitik kommentieren. Aber durch die Geschichten fügt sich doch ein Weltbild zusammen – mit dem Zusammenspiel von Fotos und Texten sowie «auch ein bisschen Kunst, die wir ins Heft reinbringen wollen». Als einzige Klammer habe man immer nur die grossen Themen. Dazu macht jeder in seinem Bereich, was er gerade für wichtig findet. «Am Schluss sind wir selber überrascht, was dabei rauskommt», verrät Berg.
Die Autorin, die in Ostdeutschland aufgewachsen ist und in Zürich in einer Hausgemeinschaft mit der Sängerin Sina wohnt, lässt sich entlocken, dass sie früher als Werbetexterin gejobbt hat. Allerdings hätte sie das nervlich nicht lange ausgehalten. «Die haben das alle viel zu ernst genommen. Das hat für mich nicht funktioniert.»
Heute denkt sie über die Branche natürlich versöhnter. «Lange Zeit waren ja die Werber ein bisschen die Buhmänner oder schwarzen Schafe von so eher linken, intellektuellen Kreisen. Das hat zum Glück aufgehört. Heute sind es die Journalisten, die viel mehr Blödsinn anstellen als die Werber.»
Aber das muss ja nicht im Kult abgedruckt werden.
Sibylle Berg, die neue Chefin von Kult sieht ihren Job als «eine Möglichkeit, Freunde zu ernähren und Schriftsteller zu fördern».
Andreas Panzeri

Schmollen bringt nichts

Aufgefallen Politiker sollen und können Journalisten nicht boykottieren. Versuchen sie es dennoch, erweisen sie sich und ihrem Amt einen Bärendienst, findet Peter Glotz.

Kolumne Politiker sollen und können Journalisten nicht boykottieren. Versuchen sie es dennoch, erweisen sie sich und ihrem Amt einen
Bärendienst, findet Peter Glotz.
Die Entourage des deutschen Kanzlers ist sauer, er selbst wohl auch. Böse beutelt ihn der Boulevard, vor allem Bild. Aber auch die linksliberalen Organe der «Hamburger Kumpanei», Spiegel und Stern, hetzen und verhöhnen die Regierung. Das Nachrichtenmagazin rückte zur Fasnacht ein Stück ins Heft, in dem das von Schröder regierte Deutschland als Tollhaus karikiert wurde. Und im Stern schreibt dessen Berliner Statthalter einen rot-grünen Totalverriss nach dem anderen.Fair sind diese Parforce-Ritte oftmals nicht. Immerhin ist Schröder der Erste, der sich überhaupt an die überfälligen Kurskorrekturen im Sozialstaatswesen herantraut. Dass der Reformkanzler «not amused» ist, kann man verstehen.
Die Reaktion seines Apparats ist jedoch, gelinde gesagt, unprofessionell. Das Bundespresseamt verhängte einen Journalistenboykott: Die bösen Buben bekommen keine Interviews mehr oder dürfen bei Auslandvisiten nicht in das Kanzlerflugzeug. Das ist ein grober Fehler. Denn besseres Medienecho bekommt man durch Kommunikation, nicht durch Kommunikationsverweigerung. «Strafe» ist ein Mittel zur Erziehung Minderjähriger; Meinungsmacher kann man nicht abstrafen.
Verstärkt wird dieser Fauxpas durch das Gerede des Regierungssprechers, obwohl der es als früherer Bild-Redaktor besser wissen müsste. Dieser waltet seines Amts nicht durch subtilen Druck, sondern durch beleidigt-sein. Das Resultat sind Demarchen der Bundespressekonferenz, des deutschen Journalistenverbands sowie Protestbriefe aus Chefredaktionen.
Schröder kann sich auf seinen Vorgänger Kohl berufen. Der gewährte dem Spiegel während seiner 16-jährigen Amtszeit kein einziges Interview. Zweckmässig ist so eine Strategie trotzdem nicht. Allenfalls ein Schriftsteller oder ein Bischof kann Massenmedien boykottieren. Wenn sie Moral wichtiger nehmen als Wirkung, trägt das sogar zu ihrer Reputation bei jenen Minderheiten bei, denen sie sich verpflichtet fühlen. Der Kanzler aber ist weder Günter Grass noch Kardinal Ratzinger; er muss seine Politik dem ganzen Volk erklären. Wie soll er das schaffen, wenn er die wichtigsten Kanäle aus irregeleitetem Stolz nicht nutzt?
Klar gibt es Grenzen. Medien, die die persönliche Integrität verletzen, darf jeder meiden. Aber Kritik, auch scharfe und ungerechte, ist niemals ein legitimer Grund fürs Wegducken. Schon richtig: Niemand gibt jedem zu jeder Zeit ein Interview. Aber eine Regierung ist schlecht beraten, wenn sie die Gesprächsanwälte des eigenen Volkes in Schafe und Böcke teilt.
> Peter Glotz ist Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen.

Trendstau bei Media Focus

Werbestatistiken Was ist bloss mit Media Focus (MF) los, mag sich manch einer gefragt haben, der vergeblich auf die Werbetrends für Januar und Februar wartet.

Werbestatistiken Was ist bloss mit Media Focus (MF) los, mag sich manch einer gefragt haben, der vergeblich auf die Werbetrends für Januar und Februar wartet.Selbst MF-Geschäftsführer Lukas Zihlmann kennt den nächsten Publikationstermin nicht. Der Grund für die ausgebliebene Veröffentlichung: Bei einer Mediengattung bestehen noch Unsicherheiten bezüglich der Januar- und Februar-Daten.
Für die Kunden von MF brachte der Publikationsverzicht allerdings keine Verzögerungen. Sie konnten termingerecht sowohl auf die Januar- wie auch auf die Februar-Daten zugreifen.
(dse)

Netzwoche lanciert Topsoft-Messeführer

Kataloge Zur Messe für Business-Software Topsoft erscheint erstmals ein offizieller Messekatalog.

Kataloge Zur Messe für Business-Software Topsoft erscheint erstmals ein offizieller Messekatalog.Herausgegeben wird er von der Netzwoche in Zusammenarbeit mit der Messeleitung; er wird der Netzwoche vom 14. April beigelegt und an die Messebesucher abgegeben. Die 9. Ausgabe der Topsoft findet am 20./21. April in Windisch statt.

U1 noch auf der Durststrecke

Privat-TV Die ersten Zuschauerzahlen von U1 liegen deutlich unter jenen der grössten Schweizer Regional-TV-Stationen.

Privat-TV Die ersten Zuschauerzahlen von U1 liegen deutlich unter jenen der grössten Schweizer Regional-TV-Stationen.In der ersten und zweiten März-Woche zappten je 397500 Personen (Netto-Reichweite) beim neuen Privat-TV rein. «Pro Tag waren es im Durchschnitt 123800 Zuschauer», so Sandra Tuttlies, Marketing- und Verkaufsleiterin des Senders. Zusätzliche aussagekräftige Daten, wie etwa die durchschnittliche Sehdauer, sind noch nicht verfügbar. Der Grund: «Die Zahlen schwanken noch zu stark, was aber immer der Fall ist bei neuen TV-Sendern».Zum Vergleich: TeleZüri erreicht pro Tag durchschnittlich 520000 Zuschauer, bei TeleBärn sind es 252000, und auch Tele M1 schneidet mit 170000 täglichen Sehern immer noch besser ab als der am 1. März gestartete Sender. Mit dem Ausweisen detaillierter Zuschauerzahlen will sich U1 bis im Juli Zeit lassen.
(dse)
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