Tierische Verführer

Kampagnen Sie sind immer beliebt und in Aufmerksamkeitswerten nur durch Promis und Babys zu überbieten – Tiere in der Werbung. Neu setzen auch Sibir, Ragusa und «Österreich» auf Tatzen, Pfoten und Co.

Kampagnen Sie sind immer beliebt und in Aufmerksamkeitswerten nur durch Promis und Babys zu überbieten – Tiere in der Werbung. Neu setzen auch Sibir, Ragusa und «Österreich» auf Tatzen, Pfoten und Co.Zum Frühstück beisst man vielleicht in ein Stück Kuh, die lacht. Wer sichs noch nicht abgewöhnt hat, steckt danach ein Kamel in Brand. Und löscht es vorsichtshalber wieder, bevor er den Tiger in den Tank füllt: So lässt sich aus der modernen Markenwelt leicht ein ganzer Zoo zusammenstellen. Am häufigsten vertreten in der Werbung sind stark vermenschlichte und mit verschiedenen Stimuli ausgestattete Tierfiguren. Aber auch natürlichen Tieren gelingt es mit ihrer Mimik und ihrem Charakter praktisch immer, die Aufmerksamkeit der Betrachter zu wecken und sie auf der emotionalen Ebene zu beeinflussen.Ein Trick mit Tücken
Gelingt es den Kreativen, diese Vorzüge in der Kampagnenidee unterhaltend mit dem beworbenen Produkt zu verbinden, ist dem tierischen Sympathieträger und der Marke das Wohlwollen der Betrachter sicher. «Der Vorteil an Tieren in der Werbung ist ihre ulkige Art», weiss Hansjörg Zürcher, der geistige Vater der Milchkuh Lovely. Die Tatsache, dass Tiere sich nicht verstellen können, lasse die Betrachter oft vergessen, dass es sich eigentlich um Werbung handle. Deshalb würden gerade Spots mit Tieren immer wieder gern gesehen, ist Zürcher überzeugt.
In besonders aufmerksamkeitsstarken Fällen öffnen sich auch die redaktionellen Spalten der Medien. So schaffte vor einigen Jahren der treuherzige Migros-Hund Max als einziges Familienmitglied der Werbe-Sitcom den Sprung auf die Titelseite der Schweizer Illustrierten. Und in Aeschbachers Unterhaltungssendung «Casa Nostra» nahm der Vierbeiner als Interviewpartner im Sessel Platz.
Doch wo solch starke Emotionen ausgelöst werden, ist auch Vorsicht ratsam. Zu bedenken gibt Hansjörg Zürcher, dass man heute sehr behutsam mit den Tieren und ihrer Darstellung in der Werbung umgehen muss. Schnell handle man sich Ärger mit übereifrigen Tierschützern ein. Längst nicht alle gängigen Slapsticks aus der Welt der Tiertrickfilme werden auch in der Werbung akzeptiert. Auffallen um jeden Preis wird im Zusammenhang mit Tieren häufig von breiten Segmenten abgelehnt. Wie wenig es braucht, die Gefühle von sensiblen Tierfreunden zu verletzen, zeigt das Beispiel einer Kaugummikampagne, die im letzten Jahr mit grinsenden Tiermäulern den USP auf branchenunübliche Weise umgesetzt hatte. Wählten sie die einen Werbekonsumenten zur zweit- beliebtesten Kampagne des Jahres 2003 (WW 2/04), beklagten sich andererseits laut der Agentur nicht wenige über so viel Niedertracht. Einiges gewagt und gewonnen hat der Starkreative Markus Ruf. Ende der Neunzigerjahre entzweite er mit einem Motiv eines krepierten Wellensittichs, der für die langen Ferien mit SSR warb, das Land. Und mit rülpsenden Steinböcken und pinkelnden Murmeltieren lenkte er die Aufmerksamkeit des jungen Zielpublikums auf Calanda Viva.
Aber Ruf kennt auch die Schwachpunkte von Tieren in der Werbung. «Viel spricht dagegen, Tiere nur zu benutzen, um einen Jööh-Effekt zu erzielen. Denn so geht letztlich die Unterscheidbarkeit vor die Hunde», sagt er. Nicht selten gebe es Werber, die den Weg des geringsten Widerstands gingen. Denn: «Wer mit einem Tier aus der Streichelzoo-Abteilung wirbt, hat gute Chancen, dass die Kampagne nicht nur dem Werbeleiter, sondern auch seiner Frau gefällt», spottet Ruf.
Super Bowl mit vielen Tierspots
Zwar heben sich die weniger kuscheligen Tiere wie die Schweizer Muntermacherin Lovely oder ihre deutsche lila Ku(h)sine sehr gut vom Werbeeinerlei ab und machen «ihre» Marke unverwechselbar. Doch haben die «fotorealistischen» Berühmtheiten – selbst wenn computeranimiert – oft produktions- und kostenbedingte Nachteile. Erschwerend kommt hinzu, dass Tieren von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedliche Bedeutungen zugeordnet sein können (heilige Kuh, unreines Schwein).
Die Kunst liegt nun darin, das richtige Mass zu finden. Wirbt ein Tier zu platt für ein nahe liegendes Produkt, geht der Überraschungseffekt verloren. Fehlt dem Tier in der Werbung die Glaubwürdigkeit, fühlt sich der Betrachter schnell an der Nase herumgeführt. Auch der Einsatz in einem allzu fremden Umfeld stiftet beim Zielpublikum nicht selten unterschwellig Verwirrung oder verhindert die Identifikation. Das wurde etwa der kuscheligen Eisbärenfamilie von Coca-Cola sowie Clive, dem trocken-sarkastischen Jaguar von Schweppes, zum Verhängnis.
Wer nun glaubt, dass Tiere und Getränke sowieso nicht zusammenpassen, sieht sich spätestens nach der diesjährigen Super Bowl im US-Fernsehen eines Besseren belehrt. Zur «Werbeweihnacht» 2004 hat sich die legendäre «Whazzup»-Marke Budweiser auf die Werte des Tierreiches besonnen und einen ausgewachsenen «Animal Farm»-Spot präsentiert. Mit seiner animalischen Umsetzung stand das Bier nicht alleine: Für das Spot-Spektakel der Superlative kam die US-Automarke Dodge auf den Affen, Honda auf die Wölfe und Pepsi – auf Grizzlybären, die Pepsi einkaufen gehen.
Keiner so langlebig wie der Tiger
Die heimischen Tier-Stars dagegen befanden sich bis vor kurzem auf dem Rückzug: Ausser den Cardinal-Eulen, den Bank-Leu-Löwen und den rot gefleckten Avia-Tieren waren im Schweizer Werbezirkus nur gelegentlich neue Tierrufe – meist als Komparsen – zu vernehmen.
So wie der Migros-Hund Max vor Jahren musste 2003 auch Maus Fredy, die für den Emmentaler weibelte, abtreten. Fälle wie in England, wo riesiger Protest aufkam, weil eine Teemarke ihre Teeparty-feiernde Schimpansenfamilie nach jahrelangem Einsatz schnöde absetzen wollte, sind in der Schweiz nicht aktenkundig.
Ebenso selten kann sich ein Tier so lange halten wie Essos Wappentier, der Tiger. Mitte der Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts gab er in England sein Debüt in der Esso-Werbung und wurde seither als Bestandteil der Marke immer wieder aufgefrischt. Laut Bertrand Cornaz, Esso-Mediensprecher, springt der Tiger im deutschsprachigen Raum gegenwärtig nicht mehr so häufig in den Tank wie früher. Dafür ist er als Figur an Tankstellen immer noch ein gern gesehener Sympathieträger. Nebst der Esso-Wertewelt hat das majestätische Tier auch das Sponsoring des Ölkonzerns geprägt: 1995 gründete ExxonMobil mit der britischen National Fish and Wildlife Foundation zusammen den «Save the Tigers Fund», um den Tiger vor dem Aussterben zu bewahren.
Österreich kommt auf den Pinguin
Zurück zu den «neuen» Tieren, die die Werbung in der Schweiz besiedeln. Eine in der Tourismusbranche eigenständige und unverwechselbare Werbeidee durfte Lowe GGK, Wien, für Österreich Werbung (ÖW) realisieren. Anstatt weiter auf Berge, Städte und Seen oder gar Prominenz zu setzen, stellt die kürzlich angelaufene Kampagne die Sehnsucht nach Ferien in Österreich durch eine Story dar. «Eine Geschichte, die poetisch mit den Werten der Marke aufgeladen ist», erklärt Werbeleiterin Susanne Winter. Dieses Story-Telling-Prinzip wird von Joe und Sally versinnbildlicht – den beiden Pinguinen, die der niederösterreichische Autor und Kunstfotograf Willy Puchner erstmals 1992 im Band «Die Sehnsucht der Pinguine» auf eine Weltreise geschickt hatte. Pinguine stehen für die Neugier, die Faszination und Reiselust. Da lag es auf der Hand, Österreich als Bühne ihres unverwechselbaren Charmes zu nutzen. Arthur Oberascher, ÖW-Chef, hofft über den Umweg von Impact und Differenzierung potenzielle Kunden aktivieren zu können. «Um sich im Infotainment-Zeitalter durchsetzen zu können, sollte die Werbung unterhaltsam sein. Deshalb enthält die liebenswürdige Metapher der beiden Pinguine einen behutsam eingesetzten Schuss Selbstironie.» Als erste Testimonials bei ÖW leisten Joe und Sally ganze Arbeit: Die beiden Helden helfen auf liebenswürdige Art und ohne Worte, Österreich als «charmantestes Ferienland der Welt» zu positionieren, resümiert Oberascher.
Ragusa prägnanter positionieren
Die Helden des neuen Ragusa-Plakatauftritts – Eichhörnchen, Bienen und Bernhardiner – springen in eine ähnliche Konzeptnische. «In einer Zeit, in der nicht nur die Schokoladenwerbung mit hohem Lifestyle-Appeal und starker Zielgruppen-Darstellung kommuniziert, wollten wir aus dem gängigen Ideenrepertoire ausbrechen», sagt Hans Tanner, CD bei cR DDB, Basel. Der Kreative, der Werbetierklassiker für Zürich-Versicherung und Key Club mit entwickelt hat, stellte die Eigenschaften der berühmten Schokoladenspezialität – von den erlesenen Rohstoffen bis zum Energiespender – mit einleuchtenden Tier-Analogien dar. Im Umfeld von Mitbewerbern, die über einen grösseren Werbedruck verfügen, wolle sich die Camille-Bloch-Marke mit den Tieren prägnanter positionieren als die Konkurrenz, begründet Tanner die Werbeidee.
Bei der Haushalttechnikmarke Sibir gab ein anderes Problem den Ausschlag für die Einführung eines Eisbären als emotionales Key Visual. Sibir wurde trotz erweitertem Sortiment weiterhin von den meisten Segmenten nur als Kühlschrankhersteller wahrgenommen. Das habe unter anderem damit zu tun, dass immer mehr Küchen en bloc geplant und geliefert werden, sagt Oskar Gasser von der Agentur Zogg Kettiger Gasser (ZKG). Da Kochherd und Backofen beim Küchenbau die zentrale Rolle spielen, wird sie quasi um diese zwei Apparate herum zusammengestellt. «Folglich sucht der Konsument vor allem Marken, die in dieser Gruppe Top of Mind sind», so Gasser.
Auch in diesem Fall musste ein aufmerksamkeitsstarkes Werbekonzept das im Vergleich zur Konkurrenz kleine Budget aufwiegen. Mit der Vorführung der Produkte wäre das kaum gelungen. Da Sibir früher schon mit dem Eisbären gearbeitet hatte, entschied man sich dafür, ihn in einer vitaleren und witzigeren Form zu neuem Leben zu erwecken – mit auffälliger Blues-Brothers-Brille. Ziel ist, dass Konsumenten auf die Marke reagieren, denen «menschliche Wärme» näher liegt als die letzten technischen oder ästhetischen Gimmicks. Damit würde sich Sibir in einem psychologischen Feld positionieren, das so von keinem Konkurrenten besetzt ist. «Wir mussten abwägen zwischen der Gefahr, dass der Eisbär die Assoziation mit der Kühlschrankmarke zementiert, und dem Nutzen, dass der Eisbär den Recall-Wert zu Sibir rasch erhöht», blickt Gasser zurück. «Wir haben Letzteren als wichtigeren Effekt gewertet.» Auf einer Basis von Bekanntheit und Sympathie liessen sich weitere Botschaften wie die des Gesamtsortiments leichter transportieren, glaubt man bei ZKG.
Nach einer ersten Phase, in der Sibirs starke Serviceorganisation enger an die eigene und nicht mehr allen Marken zugeordnet wird, soll der Eisbär auch für TV-Spots animiert werden. Kernstück ist ein reines Imagesujet – der Bär in der Corbusier-Liege. Es soll die Gesamtlösung mit allen Gerätekategorien sowie den komfortabel kompletten Service symbolisieren.
Sibirs Eisbär gabs schon mal. Zogg Kettiger Gasser machte ihn Disney-like.
Tier-Prominenz: Milchkuh Lovely, Milka-Kuh, Migros-Hund Max.
Lowe GGK, Wien, schickt das Pinguin-Paar Joe und Sally in die Ferien – natürlich nach Österreich.
cR DDB macht Ragusa zum Retter: Ein Branchli gegen den Hungerast.
Zogg Kettiger Gasser hat den Sibir-Eisbären aus der Versenkung geholt.
Mercedes-Benz erfüllt Jägerträume.
Post, Bank Leu: Tiere als Akteure oder als reine Image-Ikonen.
Luca Aloisi

Veranstalter für DM-Preis gesucht

Direktmarketing Der Schweizer Direktmarketingverband (SDV) schreibt die Organisation seines Dialogmarketing-Preises (DM-Preis) öffentlich aus.

Direktmarketing Der Schweizer Direktmarketingverband (SDV) schreibt die Organisation seines Dialogmarketing-Preises (DM-Preis) öffentlich aus.Der Wettbewerb soll von 2005 bis 2007 von einem Veranstalter in eigener Regie und auf eigene Rechnung durchgeführt werden. Die Aufgaben umfassen die Akquisition der Wettbewerbsbeiträge, die Sponsorensuche sowie die Organisation und die Durchführung von Jurierung und Preisübergabe. Interessenten können ihre Bewerbung bis 31. März beim SDV einreichen. Das Verbandspräsidium wählt danach bis zu drei Unternehmen aus, welche ihre Vorschläge für den DM-Preis 2005–2007 präsentieren dürfen. Bis Mitte Mai soll der Sieger feststehen. Weitere Informationen sind bei der SDV-Geschäftsführung unter 052 721 61 62 oder [email protected] erhältlich.

Tages-Anzeiger wechselt zu Jung von Matt/Limmat

Agenturen Jung von Matt/Limmat hat sich in einem Pitch das Werbebudget des Tages-Anzeigers (TA) gesichert.

Agenturen Jung von Matt/Limmat hat sich in einem Pitch das Werbebudget des Tages-Anzeigers (TA) gesichert.Die Agentur setzte sich gegen Etathalterin Guye Benker, Spillmann Felser Leo Burnett und Lesch + Frei durch. Festhalten will Werbeleiterin Gabriela Wettstein trotz Agenturwechsel am Claim «Wir bleiben dran»: «Der gehört zum Tagi wie der Tagi zu Zürich.»

Jahreszeiten-Kino

Kino Die Wemf, die die Kinoreichweiten im Rahmen der Mach Basic erhebt (siehe WW 9/04), wertet die bisher jährlich publizierten Daten künftig auch saisonal aus:

Kino Die Wemf, die die Kinoreichweiten im Rahmen der Mach Basic erhebt (siehe WW 9/04), wertet die bisher jährlich publizierten Daten künftig auch saisonal aus:für die Westschweizer Kinos halbjährlich, für jene in der Deutschschweiz quartalsweise. Ob die Daten auch so häufig publiziert werden, ist laut Jean-Claude Bruhin, Marketingleiter bei der Kinovermarkterin Cinecom, noch offen. Vorerst will er sie nur intern nutzen.

20 Minuten bald in Luzern

Pendlerzeitungen Nun ist es definitiv: 20 Minuten hat sich – wie zuvor die LZ Medien – bei den SBB um Boxenstandorte an rund 60 Zentralschweizer Bahnhöfen beworben. Dies sagt Verlagsleiter Rolf Bollmann.

Pendlerzeitungen Nun ist es definitiv: 20 Minuten hat sich – wie zuvor die LZ Medien – bei den SBB um Boxenstandorte an rund 60 Zentralschweizer Bahnhöfen beworben. Dies sagt Verlagsleiter Rolf Bollmann.20 Minuten hat erst im letzten Moment entschieden. Mit der Offerte, die keine Exklusivität beanspruche, sei auch festgelegt, dass 20 Minuten auf jeden Fall nach Luzern expandiere. Egal, ob das Blatt von den SBB zugelassen werde oder nicht. «Wir haben auch ein alternatives Vertriebskonzept», sagt Bollmann. Den Start-Zeitpunkt liess er offen. 20 Minuten werde aber dem neuen Blatt der LZ Medien die Poleposition überlassen. «Wir sind in einer Konsolidierungsphase. Es ist deshalb denkbar, dass wir in diesem Jahr starten, aber es muss nicht sein», sagt Bollmann. Er werde nun erst einmal eine Projektgruppe bilden und weitere Abklärungen treffen. Die voraussichtliche Auflage für die Zentralschweiz beziffert er auf «etwa
40000 Exemplare». Zum Vergleich: 20 Minuten streut derzeit in Zürich 190000, in Bern 80000 und in Basel 70000 Exemplare.
(mk)

Zahl der Woche

Sponsoring

Sponsoring23 Mio. Rekord trotz Flaute: Das Schweizer Fernsehen hat 2003 in der Werbekrise über 23 Millionen Franken einnahmen verbucht. Zum positiven Ergebnis haben verschiedene Neuakquisitionen beigetragen:
Bico für «Puls», Visilab für die Mittwochserie und Erdgas für «MTW». «MusicStar» sponserten Swisscom, Zweifel, H&M und Fiat. Die Ski-WM in St. Moritz übernahmen Swisscom, Rivella und Winterthur-Versicherungen.

TeleBielingue verfehlt schwarze Zahlen knapp

Lokal-TV TeleBielingue hat 2003 den Break-even knapp verfehlt.

Lokal-TV TeleBielingue hat 2003 den Break-even knapp verfehlt.Trotzdem könne das Ergebnis als «knapp zufrieden stellend» beurteilt werden, heisst es in einer Mitteilung. TeleBielingue, das sich stark aus den regionalen Werbeeinnahmen finanziere, habe bei einzelnen Branchen Umsatz verloren. Der Sender erhält Gebührenanteile vom Bund. Nach den ersten zwei Monaten im laufenden Jahr lägen Umsatzentwicklung und Portefeuillestand leicht über Vorjahr.

Radkappenwerbung erleidet Totalschaden

Below the line Wegen eines ungeklärten Vorfalls hat die Projekt GmbH ihren Werbeträger Rigidisc aus dem Angebot gezogen.

Below the line Wegen eines ungeklärten Vorfalls hat die Projekt GmbH ihren Werbeträger Rigidisc aus dem Angebot gezogen.Nachdem bei einem Demofahrzeug eine Radkappe abgebrochen und durch die Gegend geflogen ist, hat der Appenzeller Spezialist für Sonderwerbeformen die Übung abgeblasen. Zwar sei keine Person zu Schaden gekommen und das System vom österreichischen TÜV zugelassen. Aber ein Werbeträger, der Risiken in sich berge, passe nicht zum Unternehmen, dessen Hauptaktivität die Vermarktung von Werbeflächen in Spitälern ist. Dass sich der Absatz der Radkappen nur schleppend entwickelte, dürfte den Entscheid erleichtert haben.

Berg- und Talfahrt

Letzte Woche gabs in der Maag Eventhall in Zürichs Westend die Verleihung des Xaver, des Schweizer Award für Messen und Events.

Letzte Woche gabs in der Maag Eventhall in Zürichs Westend die Verleihung des Xaver, des Schweizer Award für Messen und Events.Um es gleich vorwegzunehmen: Im Vergleich zur letztjährigen Austragung hat die Veranstaltung einen Quantensprung vollzogen. Zwar dauerte die Verleihung immer noch etwas lange, Professionalität und Angebot der nachfolgenden Stehparty machten aber alles wett. Dies im Gegensatz zu den bisherigen Austragungen, nach welchen die Veranstalter einige Kritik einstecken mussten. Zu eng, Probleme beim Getränkenachschub, unbefriedigender Showblock – so tönte es damals.Alles vergeben, alles vergessen. Die Maag Eventhall schluckte die zahlreichen Besucher problemlos. Die Saaleinrichtung mit unzähligen kleinen Stehbuffets sowie fliegendem Getränke- und Fingerfood-Service garantierte jedem einen Platz an der Sonne. Für Furore und viel Bauchgefühl sorgten die Trommler der Basler Gruppe Top Secret. Ziemlich rasant, was die schneidig gekleideten Mannen mit ihren Stecken und Blechkübeln alles zeigten. Kein Wunder, Top Secret sind die Sieger des letztjährigen Military Tattoo von Edinburgh (dabei handelt es sich nicht um einen militärisch inspirierten Körperschmuck, sondern ein Musikfestival). Schwerstarbeit verrichtete auch Moderator Claudio Zuccolini, der über zwanzig Preise zu verteilen hatte. Noch mehr leisteten allerdings die zahlreichen Gäste, welche die Party bis spät in die Nacht zum Superevent machten.
Sehr willkommen war deshalb die Einladung zur Juniorcom, der Schweizerischen Nachwuchstagung für Kommunikation, Medien und Marketing in Davos, einige
Tage später. Da Bergluft gesund und das
Juniorcom-Programm lohnenswert ist, nahmen neben dem Shortlistautor auch über 200 junge Marketing- und Kommunikationsspezialisten den Weg ins Landwassertal unter die Räder. Bevor wir den Mund zu voll nehmen – das Lob gilt dem gut zusammengestellten, spannenden Programm der Tagung, nicht jedoch der Verleihung des Davoser Medienpreises und der Swiss Text Awards (man ist eben schon sehr verwöhnt in Sachen Preisverleihungen).
Was mit einem Eröffnungsreferat des Präsidenten des Verbands Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument, noch ganz anständig begann, mündete leider in eine fade Beweihräucherung der nominierten Journalisten. Zudem hat die Übergabe eines 15000-Franken-Checks an einen – mit Roger de Weck wohlverstanden exzellenten – Vertreter der Bericht erstattenden Zunft eher wenig mit Marketingkommunikation zu tun. So will der Medienpreis den Makel eines Fremdkörpers im Juniorcom-Programm einfach nicht loswerden. Das konnte auch die etwas peppiger gehaltene, aber teilweise ziemlich hilflos wirkende Text-Award-Verleihung nicht auffangen. Die Chance, über zweihundert hoffnungsvolle Nachwuchskräfte mit einer guten Verleih-Show zu begeistern, wurde vertan.
Wieder versöhnlicher stimmte hingegen der gemütliche Teil des Abends. Im Skihüttenambiente des «Bolgenplaza» traf man sich zum Nachtessen,
bevor man sich zu einer ausgedehnten Tour de Davos, endend in der Pianobar des Europe, hinreissen liess.
Beat Fritschmusste letzte Woche die Ärmel hochkrempeln. Schon Anfang Woche stand
mit dem Xaver, dem Schweizer Messe- und Eventpreis, eine Veranstaltung
an, die bis tief in die Nacht hinein dauerte – wie es sich gehört, wenn Eventspezialisten etwas organisieren. Etwas Erholung gabs dafür an der Juniorcom – nicht etwa, weils da weniger streng gewesen wäre, sondern weil der Anlass in der gesunden Bergluft von Davos vonstatten ging.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsbranche zu ihren Partys trifft, orten wir an den diversen Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch
Sorgte fürs Bauchgefühl: Trommler-Gardist von den Basler Top Secret.

Trophäe des Swiss Text Award – eine scharfe Stahlfeder.
Freude über einen Xaver-Award: Michèle Reinau und Patrick Bruno (l.) von Viollier mit Urs Hofer, GL-Mitglied bei Creaworld.
Karen (l.) und Tina versüssten mit ihrem Charme das prima Catering, das Cateringchef Hajo Tanner vom SV-Service ausgedacht hatte.
Die Ladys von der Künstler- und Kulturagentur Swissandfamous: Rea Eggli, Flurina Attinger und Nathalie Vautier (v. l.).
Mike Meyer (l.) vom Zigarettenmulti J. T. International mit Kim Hilario und Baschti Walz von Freak Productions.
Moderator Claudio «Zucco» Zuccolini (r.) unterhielt sich prächtig mit Preisgewinner Andreas P. Messerli von Messerli Messebau.
Christian Bonnot (l.) von Bonnot’s Eventhouse mit Assistentin Esther Rawyler und Jörg Birrfelder, technischer Leiter von Mediarent.
Feierten an der flotten Xaver-Party: Internet-Spezialist Boris Manhart (l.), Eyemedia, und Oliver T. Röhl von Allmedia Tower.
Trimedia-Geschäftsleitungsmitglied Barbla C. Schaerer mit Xaver-Jurymitglied Philip Kramer von Orange.
Ex-Radiomann Andrej Voina (l.), neu bei Jenni Kommunikation, und Jurymitglied Urs Seiler von der Messe- und Eventzeitschrift Expodata.
Xaver-Gewinner und Luxuskollegen: Marc Glaeser, Maurice Lacroix, Eventspezi Joko Vogel und Filippo Castagna von Lever Fabergé (v.l.).
Sacha Goldstein, Geschäftsführer der Promotionagentur All Access, mit seinen Promo-Girls Sarah (l.) und Lisa.
Jacques Hansel von General Motors Suisse mit Johannes Milla, Milla und Partner, und Knud Schneider (v. l.) von Opel Germany.
Axpo-Werbeleiter Andy Wild mit Reto Caviezel von Art on Ice und Christoph Menti (v. l.), Geschäftsführer von Carré Communication.
Laurence Antiglio (l.) hält Ausschau nach einem Job in der Modebranche und kam mit Patrizia Franz vom Plastikkartenhersteller Trüb AG.
Machten mächtig Dampf mit ihren Puros: Roland Höfler, Adrian Gull und Jürg Lüthi (v. l.) von DaimlerChrysler Schweiz.
Das Trio Bolgenplaza: Brigitte Kuster (l.) mit den Juniorcom-Initianten Germaine Hiltbrunner und Franco Item.
Die Crew vom SPRI: Nadine Hofmann, Marketing, Direktor Cyril Meier und Marie-Christine Schindler (v. l.).
Jeannette Wyssen (l.), Walker Gastro- und Detailhandel, mit Michael Mätzener, Victorinox, und Sabine Rojahn, Parkhotel Waldhaus Flims.
Urs Eggenberger, Leiter Private Leasing bei der CS, mit Jan Tanner und Mike Neuhaus (v. l.) von Tanner Communications, Basel.
Holten sich je eine Texterfeder für ihre Leistungen: Ann-Katrin Oeschger von SF DRS und David Marquis von Gossweiler Medien.
Das Podest des Medienpreises der Stadt Davos: Michael Freund, Roger de Weck und Joachim Schubert-Ankenbauer (v. l.).
Dank der Juniorcom-Textertagung in Davos: Michael Scharenberg, Stephanie Hugentobler und Roger Hausmann (v. l.).
Fast schon Juniorcom-Veteranen: Tamara, Elena und Aileen (hinten v. l.) mit Andi, Eveline und Flo (vorne v. l.) im Bolgenplaza-Sofa.
Texterkollegen im Skihüttenambiente: Mona Sieber, Anton Neuenschwander von Gysi Knoll und Lovey Wymann (v. l.).

Kinojahr 2003 war trotz Rückgang gut

Kino 2003 verzeichneten die Schweizer Kinos zwar 12 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr. Dennoch sieht der Kinovermarkter Cinecom keinen Grund für Trübsal.

Kino 2003 verzeichneten die Schweizer Kinos zwar 12 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr. Dennoch sieht der Kinovermarkter Cinecom keinen Grund für Trübsal.2002 sei ein eigentliches Rekordjahr gewesen, heisst es in einer Mitteilung. Im Langzeitvergleich schneide 2003 immer noch gut ab. Mit 17 Millionen Besuchern liegt es um 100000 hinter dem Ergebnis von 2001 zurück und deutlich vor 2000 (15,6 Millionen). Mit 240 Millionen Franken wurden 5 Millionen mehr eingenommen als 2001. Die Zahlen stammen vom Branchenverband Procinema.

Tamedia investiert ins Online-Stellengeschäft

Internet Tamedia strebt nach Marktführerschaft im Online-Stellengeschäft.

Internet Tamedia strebt nach Marktführerschaft im Online-Stellengeschäft.Das Kompetenzzentrum Stellenmarkt wurde vor gut zwei Jahren aus den Produkten Alpha, JobWinner.ch und Stellen-Anzeiger gebildet. Die Stellenplattform JobWinner.ch erreichte 2003 erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis. Mit einer Verdoppelung der personellen Ressourcen sowie Investitionen in eine neue Technologie soll sie nun weiter gestärkt werden.

Erregung öffentlicher Erregung

Erotik Chandra Kurts Kolumnen zur skurrilen Sexualisierung der Werbung liegen endlich in Buchform vor. Da bleibt kein Auge trocken, kein Voyeurismus unbefriedigt – und kaum eine Marke verschont .

Erotik Chandra Kurts Kolumnen zur skurrilen Sexualisierung der Werbung liegen endlich in Buchform vor. Da bleibt kein Auge trocken, kein Voyeurismus unbefriedigt – und kaum eine Marke verschont .Glaubt man Bob Garfield, so handelt es sich bei der Werbebranche im Wesenskern um eine «artificial-erection industry». Und wer würde ihm nicht glauben, dem bissigen, zuweilen auch bizarren Chefkolumnisten vom US-Zentralorgan Advertising Age. Chandra Kurt widmet sich den Sumpfblüten der kommerziellen Kommunikation zwar noch nicht ganz so lange wie Garfield, ist dabei allerdings offenkundig bereits zum selben Schluss wie die amerikanische Kritikerlegende gelangt, nämlich «sex sells».So weit, so bekannt. Wir könnten die gleichnamige Sammlung von Kurts zwischen 1999 und 2003 in der Werbewoche-Rubrik «Aufgefallen» erschienenen Glossen also getrost in unserer Schublade mit der Aufschrift «Im Westen nichts Neues» endlagern. Wäre da nicht diese maliziöse Mischung aus Provokation und Präzision, mit der die renommierte Weinautorin selbst Routiniers immer wieder überraschende Einblicke in Boxer Shorts, Décolletés, Dark Rooms und die sich darin outende Werberpsyche gewährt. Ihr Fett ab kriegen dabei ausser den üblichen Verdächtigen (Pradagucciboss et al.) auch erotische Exoten wie Ikea, BMW, Migros und der Kanton Thurgau.
Als Kompass für Kurts Streifzüge durch die erogenen Zonen der Kommunikationsgesellschaft dienen sinnigerweise die sexuellen Praktiken und Präferenzen derselben. Unter der Rubrik «Plastikfantasie» etwa findet sich – in Form eines offenen Briefs an die Agentur – eine alles andere als jungfräuliche Gebrauchsanweisung für die «Frau zum Aufschrauben» von Virgin-Cola. Und in der Abteilung «tierfreundlich» wird anhand eines leckfreudigen Rüden in Sadomaso-Montur die «orgasmische Affinität zwischen Wauwau und Weibchen» auf die Schippe genommen. Frauenausrüster Emanuel Ungaro müsste solche Gratis-Publicity eigentlich freuen, schliesslich braucht, auch wer den Spott hat, für die Aufmerksamkeit bekanntlich nicht zu sorgen.
Tut es aber offenbar nicht. Jedenfalls hat Ungaro genauso wie ein halbes Dutzend andere Kandidaten (respektive deren Agenturen) den Schwanz eingezogen, als der Verlag wegen Cover-Sujets von Kurts kleinem Kompendium anfragte. Eine Tatsache, die annähernd so viel über die Mimosen- und Neurosenbranche Nummer eins aussagt wie Kurts süffisantes Skurrilitätenkabinett.
Deshalb ist «Sex sells» Pflichtlektüre für alle Grünschnäbel, die versuchen wollen, ins Werbegeschäft einzusteigen. Und Pflichtlektüre für alle alten Hasen, die schon länger aus demselben aussteigen wollten, bislang jedoch vergebens nach dem letzten guten Grund suchten. Dieses Buch liefert gleich 150 davon.
> Sex sells – Warum man sich für Werbung auszieht von Chandra Kurt. Orell Füssli Verlag, Zürich 2004. 224 Seiten mit 160 Fotos, 29.80 Franken.

Oliver Classen

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