Werbeausgaben Der stotternde Werbemotor soll dieses Jahr endlich wieder besser laufen. Allerdings müssen wir uns laut den Werbetrends 2004 der HandelsZeitung bis ins zweite Semester gedulden. Die depressiven Werbejahre 2001 und 2002 mit ihren dramatisch gesunkenen Kommunikationsbudgets hinterliessen tiefrote Spuren in den Geschäftsbüchern der Medien. Und auch im Jahr 2003 war die Talsohle wider alle Erwartungen immer noch nicht erreicht. Für das laufende Jahr beurteilt die im Auftrag der HandelsZeitung erhobene Studie «Werbetrends» das Klima nun aber merklich entspannter. «Zwar ist noch kein ausgeprägter Optimismus spürbar, aber die pessimistische Grundhaltung hat sich weit gehend verflüchtigt», erklärt Ralph Büchi, CEO der Verlagsgruppe HandelsZeitung.Allerdings wird den Medien weiterhin viel Geduld abverlangt, denn für das erste Halbjahr überwiegen nach wie vor die vorsichtigen Stimmen, die noch keine Veränderung des Werbevolumens feststellen können. Eine klar positive Grundstimmung macht sich erst für das zweite Halbjahr breit. Im zweiten Semester rechnen immerhin 60 Prozent der Auftraggeber sowie 86 Prozent der Agenturen mit «leicht steigenden» Werbevolumina.
Mehrheit positiv oder neutral
Befragt nach den zur Verfügung stehenden Werbebudgets 2004 zeigt sich bei den Auftraggebern ein deutlich aufgehelltes Bild. Bei ihnen ist der Anteil jener mit wachsenden Budgets gegenüber dem Vorjahr auf 31 Prozent gestiegen (+2,8 Prozent), derjenige mit abnehmenden Budgets ist hingegen auf 24 Prozent (–8,2 Prozent) zurückgegangen. Stark zugenommen auf 45 Prozent (+5,4 Prozent) hat der Anteil jener Auftraggeber, die mit unverändertem Budget fahren wollen.
Getragen wird die positive Grundtendenz hauptsächlich von fünf Branchen. Mit grossem Abstand die Nase vorn hat der Einzelhandel, bei dem mehr als 57 Prozent der Unternehmen von zunehmenden Budgets sprechen. Der Einzelhandel profiliert sich im Jahr 2004 als einzige Branche, bei der keines der befragten Unternehmen Budgetkürzungen geplant hat. Überdurchschnittlich sind die Budgetzuwächse aber auch bei der Branche Nahrungsmittel und Getränke. Dort rechnen 37,5 Prozent mit wachsenden Werbeinvestitionen. Ebenfalls werbefreudiger als noch vor einem Jahr präsentiert sich die Branche Bekleidung und Kosmetik. Hier gaben 33,3 Prozent einen Anstieg ihrer Budgets zu Protokoll. Genau gleich viele rechnen im Sektor Freizeit und Tourismus mit einem Anziehen der Werbespendings. Und auch im Bereich IT und Telekommunikation sitzt der Werbefranken bei 28,6 Prozent lockerer als noch im Vorjahr.
Bei Auto und Verkehr bleibts hart
Doch leider stehen im 2004 längst nicht alle Auftraggeber mit praller gefüllten Werbebudgets da. Jedem vierten schneien weitere Kürzungen ins Haus. Überdurchschnittlich davon betroffen ist die Branche Automobil und Verkehr, bei der 46,2 Prozent der Befragten von kleineren Kommunikationsbudgets ausgehen. Ebenfalls geringere Werbeausgaben planen 44,4 Prozent der Banken und Versicherungen. Aber auch bei den Verkäufern von Haushaltsgeräten und Wohnungseinrichtungen gehen 33,3 Prozent davon aus, dass sie im 2004 weniger Geld in die Werbung investieren werden.
Zuversichtliche Mediaagenturen
Ganz klar wieder rosigeren Zeiten entgegen gehen die Agenturen, wenn man ihren eigenen Umsatzprognosen Glauben schenkt. Noch zuversichtlicher als die Werbeagenturen zeigen sich dabei die Mediaagenturen. Sieben von zehn rechnen mit einem Umsatzzuwachs. Bei den Werbeagenturen sind es immerhin 47,1 Prozent, die einen Auf-wärtstrend bei den Umsätzen für wahrscheinlich halten.
Durchwegs Gewissheit herrscht bezüglich der geschmälerten künftigen Rolle der klassischen Werbung. Sowohl Auftraggeber wie Agenturen rechnen mit einer leicht rückläufigen Entwicklung. Gemäss Einschätzung der Auftraggeber und der Mediaagenturen geht der Schrumpfungsprozess bei der klassischen Werbung zu Gunsten der Direktwerbung. Auch die Werbeagenturen erwarten einen Rückgang klassischer Werbebotschaften, vermuten aber, dass davon die Verkaufsförderung profitiert.
Zeitungen sind klare Verlierer
Mit einer überraschend deutlichen Abfuhr sind die Tageszeitungen im 2004 konfrontiert. Waren sie in den vergangenen Jahren bei den Auftraggebern unumstritten das wichtigste Leadmedium, so hat sich das bei der aktuellen Befragung gründlich geändert: Die Tageszeitungen rutschen weit nach hinten auf den sechsten Platz. An die Spitze der von der Werbung am meisten geliebten Medien ist neu die Sonntagspresse vorgedrungen. An die zweite Stelle gerückt sind die Pendlerzeitungen. Und sogar die Fachzeitschriften, das Fernsehen und die Aussenwerbung zogen an den Tageszeitungen vorbei.
Dieser Trend zu Lasten der Tagespresse dürfte sich auch längerfristig weiter akzentuieren. Danach befragt, wie sich der Mediamix im Jahr 2008 präsentieren wird, schnitt die Tageszeitung als einzige Mediengattung negativ ab. Für deren Anteil wird ein Rückgang von heute
40 Prozent auf 35 bis 36 Prozent prognostiziert. Die Zeitschriften vermögen sich laut der Langfristprognose bei rund 20 Prozent zu halten.
Auf einen Platz auf der Sonnenseite darf sich weiterhin das Fernsehen freuen. Für dessen Anteil an den Werbeausgaben wird ein Wachstum von heute 15 Prozent auf 17 bis 18 Prozent erwartet. Auch für die Onlinemedien sind die Prognosen Balsam. Ihr Anteil am Werbekuchen soll bis 2008 von 7,5 Prozent auf 8,5 bis 10,5 Prozent wachsen.
Aufschwung lässt auf sich warten
Obschon sich die Wirtschaft von ihrem Tiefpunkt im Frühjahr 2003 inzwischen erholt hat und viele Unternehmen erfreuliche Abschlüsse präsentieren, lässt der sehnlichst erwartete Aufschwung im Werbemarkt weiter auf sich warten.
Tatsache ist, dass der Werbedruck auf Konsumenten und Entscheider seit 2000 massiv nachgelassen hat. «Die Aufmerksamkeit der Kunden ist heute mit weniger Werbeeinsatz zu haben», stellt Ralph Büchi, CEO HandelsZeitung, fest. Doch das werde mit Sicherheit nicht so bleiben. «Der Konkurrenzkampf wird in Zukunft nicht milder, sondern härter.» Und um diesen zu führen, ist Werbung unverzichtbar. «Was jetzt noch fehlt, ist die Initialzündung durch die Keyplayer in den verschiedenen Sektoren», so Büchi.
Knalliger Aufschwung: 57 Prozent der Einzelhandelsunternehmen wollen 2004 mehr Geld für Werbung ausgeben als im Vorjahr.
Unter der LupeFür die jährlich erhobene Studie «Werbetrends» wurden die Kommunikationsverantwortlichen der 500 werbeintensivsten Schweizer Unternehmen befragt. Zur Stichprobe gehören alle 60 BSW-Werbeagenturen sowie sämtliche 25 Mediaagenturen. In die Untersuchung einbezogen wurden weiter die 40 grössten Personalberatungsfirmen sowie 60 Banken und Finanzdienstleister.
Die Befragung erfolgte, nach telefonischer Vorselektion, schriftlich zwischen Mitte Januar und Mitte März 2004. Durchgeführt wurde die Studie von der Media Research Group (Uitikon) im Auftrag der HandelsZeitung. Die jährlich erhobene Werbemarktstudie, die auch die Basisdaten für die Ermittlung der «Werbetrends» enthält, ist verfügbar auf www.mediaresearchgroup.ch. Zu
finden sind dort auch Spezialauswertungen für Medienanbieter, Agenturen und Werbeauftraggeber. (dse)
Daniel Schifferle