Claudia Bossert will als Chefin der Abteilung Kommunikation und Marketing SF DRS weit besser verkaufen.«Früher war das Fernsehen einfach da. Heute muss es als Dienstleistung ans Publikum gegen die Konkurrenz verkauft werden», fasst Claudia Bossert die wichtigsten Aufgaben ihrer neuen Abteilung zusammen. SF DRS steht in Konkurrenz zu den ausländischen Sendern, trotz dem permanent hohen Marktanteil. «Unsere Glaubwürdigkeit ist vorhanden, aber man kann das noch mehr herausstreichen.» Es gehe nicht darum, eine PR-Offensive zu starten. Aber: «Wenn wir im Programm Ereignisse schaffen, muss das kommunikativ und mit Marketingmassnahmen unterstützt werden.» Ihr erstes Fernseherlebnis, an das sich das neue Mitglied der Geschäftsleitung von SF DRS erinnern mag, sind die Olympischen Spiele in Sapporo 1972. Da weiss Claudia Bossert noch, wie die ganze Familie morgens um fünf Uhr vor dem TV-Gerät mitfieberte, wie Russi und Nadig ihre Medaillen gewonnen haben. «Wow, das ist es!», sagte sich die sportbegeisterte kaufmännische Angestellte deshalb ein paar Jahre später, als das neue Magazin «time out» per Stelleninserat eine Produktionsassistentin suchte.
Claudia Bossert wurde Disponentin und war zuletzt während fünf Jahren Leiterin Kommunikation und Stabschefin bei der Abteilung Sport von SF DRS sowie bei der Business Unit Sport der SRG SSR idée suisse. In beiden Funktionen musste sie die Leistungen des Fernsehens in den Medien verkaufen.
Mit der neu geschaffenen Abteilung Kommunikation und Marketing soll dieses Ansinnen jetzt noch mehr intensiviert werden. Gegen 60 Leute werden mit dieser Arbeit beschäftigt sein. Für die Leitung der Abteilung gab es über 200 Bewerbungen. Nach vier Runden im Evaluationsverfahren sind noch eine externe Kandidatin und Claudia Bossert vor dem Regionalratsausschuss verblieben.
Claudia Bossert sagt von sich, sie sei «vom Virus Fernsehen richtiggehend gepackt». Journalistisch oder gar vor der Kamera zu arbeiten, war aber nie ein Wunschtraum von ihr. Sie sieht sich als ein «Organisationsmensch», obwohl sie sehr gern und gut schreibt. Die neue PR-Chefin musste sich schon immer professionell mit Sendungskritiken auseinander setzen und hat auch alle nötigen Ausbildungen zum Kommunizieren absolviert, zuerst PR-Assistentin, dann eidg. dipl. PR-Beraterin.
Claudia Bossert freut sich, dass sie die Aufbauarbeit, die sie im Kleinen im Sport geleistet hat, jetzt auch in übergeordneter Funktion für das ganze SF DRS durchziehen darf. «Ich kann aber nicht einfach Sportkonzepte über das Haus stülpen, das ist mir klar.» Trotzdem wird ihr die Erfahrung vieles erleichtern.
Ein Höhepunkt in ihrer früheren Arbeit war für Claudia Bossert die Skiweltmeisterschaft in St. Moritz. Hier zeichnete die SRG idée suisse als gastgebender Fernsehproduzent für das ganze TV-Weltsignal verantwortlich. Die Abteilung Kommunikation unter Claudia Bosserts Leitung war für die Gesamtkommunikation zuständig und hat den ganzen Info-Service geliefert, von einem Produktionshandbuch für die ausländischen Stationen bis zu einem elektronischen Informationssystem. Auf Monitoren auf dem Gelände konnten sich Journalisten, Techniker und andere Verantwortliche ständig über das Neuste informieren. Es gab ein Mediencenter als Dienstleistung für die 30 ausländischen Fernsehstationen. Ein Team von 350 Leuten aus allen Unternehmenseinheiten der SRG verlangte auch nach einer internen Kommunikation.
Eine andere Zielgruppe waren die Medien in der Schweiz. Diesen wurde eine umfassende Medienarbeit von Dokumentationen über die WM bis Pressekonferenzen im Vorfeld oder später Medienführungen durch die aufwändige TV-Produktion angeboten. Die Kommunikationsabteilung hat den Medien attraktive Geschichten angeboten, etwa eine Reportage über den Kameramann, der auf dem Gegenhang zur Rennstrecke in einem Container übernachten musste, oder Storys, die bei den Medien Lust auf eine Berichterstattung über die TV-Produktion der Weltmeisterschaften machten. «Wir erreichten eine sehr gute Präsenz in den Medien. Das Publikum hat zur Kenntnis genommen, dass hier die SRG eine enorme Leistung vollbringt.»
Früher haben alle Ressorts im Alleingang Kommunikation betrieben. Jetzt verspricht man sich mehr Effizienz, indem in der Abteilung Kommunikation und Marketing Projekte gemeinsam für alle Bereiche durchgezogen und vernetzt werden: Programmpromotion, Internet, Media-Relations, Sponsoring, PR/Werbung, Events und interne Kommunikation.
Alle Funktionen, die Claudia Bossert bei SF DRS hatte, waren neue Jobs. «time out» war eine neue Sendung. Die Business Unit Sport war neu. Neu war auch, dass die Abteilung Sport eine eigene Kommunikation betrieb. «Aufbauen macht mir Spass, obwohl man dabei natürlich auch auf Schwierigkeiten stossen kann.» Man nimmt jemandem etwas weg und positioniert sich.
Bossert will neue Ideen aber nicht einfach über die Hierarchie und Position durchsetzen, sondern sie will die Leute überzeugen durch ihre Arbeit. Da fühlt sie sich jetzt gut gedeckt durch die neue Direktion, von der man sich Änderungen erwartet. «Es ist jetzt eine sehr interessante Phase, um in der Geschäftsleitung aktiv mitgestalten zu können. Das Haus ist im Umbruch, und es passiert etwas.»
Claudia Bossert: «Man kann unsere Glaubwürdigkeit noch besser herausstreichen.»
Andreas Panzeri