Anna Maier hofft, bei «People» auf Sat 1 Schweiz auch ihre Stärken als Talkerin ausbauen zu können.Für die meisten bleiben es Traumjobs. Doch bei Anna Maier wurde es bisher fast immer automatisch Realität. Das war zuerst beim Radio so. Die KV-Stiftin wollte nach ihrer Lehre nicht weiter im Büro arbeiten. Also nahm sie eine Demokassette auf und schickte diese an Radio 24. Ein paar Wochen später hatte sie den Job in Zürich, für den andere jahrelang zuerst einmal durch Provinzzeitungen und Privatsender irgendwo im Mittelland tingeln müssen. «Hast du Lust, Fernsehen zu machen?», wurde sie vom treffsichersten Talent-Scout der einheimischen Branche zwei Jahre später gefragt. Aus dem Smalltalk mit Roger Schawinski wurden zuerst sechs Jahre als Moderatorin des People-Magazins «Inside», dann als VJ und Anchor-Woman für die News bei TeleZüri. «Ich war damals völlig überrumpelt. Aber ich mache ohnehin nie eine Karriereplanung.»Auch bei Sat 1 Schweiz wurden schon andere bekannte Namen gecastet, bevor «People» auf Anna Maier zugegangen ist. Jetzt wird die 27-Jährige das neue Aushängeschild von «People», dem Promi-Magazin der Schweizer Illustrierten im Fenster von Sat 1.
In dieser Sendung sollen inskünftig die Schweizer Stars oder
zumindest Promis gemacht werden. Aber immer noch bescheiden, sympathisch und ohne jeden Hauch von «ich bin ein gefragtes TV-Gesicht», lässt sich die zukünftige Identifikationsfigur von «People» zu ihrer eigenen Karriere befragen. «Ich habe grosses Glück gehabt», meint Anna Maier. «Alles, was nach dem Radio gekommen ist, war eigentlich eine Zugabe», wiegt sie ab. Dass sie neben dem KV auch noch die Berufsmittelschule und später das Medienausbildungszentrum MAZ sowie «ein paar interne Kurse bei TeleZüri» absolviert hat, lässt sie sich nur auf Nachfrage entlocken.
Statt zu planen, hört Anna Maier lieber auf ihren Bauch. Das war schon so, als sie sich vor vier Jahren trotz anbahnender Karriere als Moderatorin im schönsten Gefühl der Liebe spontan für ein Kind entschlossen hat.
Etwas profaner «aus dem Bauch heraus» ist jetzt auch ihr Entscheid für eine Zukunft mit Sat 1 gefallen. «Ich bin seit der Lehre im gleichen Konzern, irgendeinmal muss man flügge werden», kommentiert sie den Wechsel. Nach acht Jahren findet sie die Lust nach Veränderung «eigentlich normal in meinem Alter». Auch die Frage nach einer «Fahnenflucht» will sie beim Interview nicht gelten lassen. Oft werde sie gefragt, was sich beim Verkauf des Senders von Schawinski an die Tamedia verändert habe. Ihre Antwort tönt vernünftig: «Der Familienvater hat die Familie verlassen. Dann kommt ein Stiefvater und es geht weiter.» An der Arbeit habe sich nicht viel verändert. «Ich konnte bei TeleZüri sehr vieles machen, und dafür bin ich dankbar», fasst sie das Kapitel zusammen.
Anna Maier freut sich vor allem, dass sie bei «People» noch mehr als bisher beim Konzept mitreden darf. «Die Sendung wird an mich angepasst.» Über die Neuerungen im Konzept darf sie natürlich noch nichts verraten. Wichtig ist für sie aber, dass es eine regelmässige Möglichkeit zum Talken geben wird. Menschen – auch unbekannte – in einem längeren Gespräch zu befragen, ist nicht nur ihr liebster Job beim Fernsehen. Anna Maier sieht diese Art Unterhaltung auch als eine ihrer wichtigsten Stärken.
So gesehen macht sie sich auch keine Gedanken über das Risiko, zu einem noch jungen Projekt in der Aufbauphase zu wechseln. «Meine Stärken ausbauen, diese Möglichkeit hat man ja nicht sehr oft», gibt sie sich optimistisch. Auf den Einwand, dass Eva Wannenmacher und Daniela Lager mit ähnlichen Jobwechseln zuerst einmal kein Glück hatten, kontert Anna Maier, dass beide Kolleginnen heute mit «Kulturzeit» und «10vor10» sich bestens entwickeln konnten.
Die neue Promi-Frau bei Sat 1 findet es auch bemerkenswert, wie vor allem Journalisten immer wieder den Unterschied zwischen News und Unterhaltung betonen. «Für mich ist das gar kein so grosser Wechsel – und bestimmt kein Abstieg.» Auch in den Züri News habe es immer schon Geschichten aus dem Leben der illustren Gesellschaft gegeben. Die Sendung «Seitenblicke» im österreichischen Sender ORF mache es zudem vor, wie man Klatsch auch kulturell sehr ansprechend gestalten kann. «Klatsch hat eine gesellschaftliche Funktion. Schon die Kinder klatschen. Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, dass er gern über andere redet», ist Anna Maier überzeugt.
Fast gleichzeitig mit ihrem Start als neue Moderatorin bei Sat 1 wird sie auch im Schweizer Fernsehen zu sehen sein. Für die Sendung «einfach luxuriös» darf Maier im Spätsommer nach Schanghai reisen, «Luxuriös», lacht sie. Was aber nicht heisst, dass Luxus eine Notwendigkeit für ihr Leben bedeutet. Die «People»-Moderatorin, die eine Schwester hat, welche als Nonne in einem Kloster lebt, fühlt sich ganz wohl auch abseits des schicken Party-Glamours.
Anna Maier freut sich darüber, dass sie beim Konzept ihrer Sendung mitbestimmen kann.
Andreas Panzeri