Babypflege Nicht nur der Preis soll Milette positionieren. Wählerische «Persönlichkeiten» werten künftig die Migros-Eigenmarke in einer Exxtra-Kampagne auf.Die gute Nachricht zuerst: Die Schweiz stirbt nicht aus – dank den Ausländern. Allerdings wird die Wohnbevölkerung immer älter. Für die Hersteller von Babypflege-produkten, die 2003 in der Schweiz einen Umsatz von rund 145 Millionen Franken generierten (2002: mehr als 150 Millionen Franken), eine denkbar schlechte Nachricht: Gemäss Schätzungen des Bundesamts für Statistik hat sich 2003 der Rückgang der Lebendgeburten weiter fortgesetzt und erreichte mit 71500 den tiefsten Stand seit dem Jahr 1978.Zarte Produkte, harte Bandagen
Vor allem das klassische Aktionsprodukt Windeln hat die demografische Entwicklung stark zu spüren bekommen. Nebst der schrumpfenden Anzahl Babys sorgen Innovationen für eine schlitternde Absatzkurve. Eine Windelgeneration dauert heute gerade noch neun Monate. Die laufend verbesserte Qualität bei Verschlüssen, Atmungsaktivität und Auslaufschutz führt dazu, dass die Kleinen immer seltener gewickelt werden müssen «und der Umsatz ständig weiter rutscht», so beschreibt Nicole Schmaus, Category Manager beim MGB, den brutalen Markt.
Von den harten Verteilerkämpfen vorerst noch verschont, sind die Pflegeprodukte für Babys. Mit Neueinführungen von Pro-dukten bis ins Kleinkindesalter können die Hersteller die Eltern etwas länger bei der Stange halten.
Zwar sind der Werbebranche dank der gestiegenen Launch-Kadenz grobe Auftragseinbrüche erspart geblieben, doch musste sie sich an Schwankungen gewöhnen, wie die Zahlen von Media Focus nahe legen (siehe Grafik). Zu den grössten Werbe-Investoren zählen seit Jahren Johnson & Johnson (Penaten), P&G (Pampers) und Migros mit ihrer Eigenmarke Milette sowie ihrem Kimberly-Clark-Markenprodukt Huggies.
Da sich die Aufmerksamkeit der Zielgruppe vor allem auf die Launches und Preispromotionen konzentriert, richten die Hersteller und Detaillisten ihre Kommunikationskonzepte danach aus. Von USPs oder UAPs – weit und breit keine Spur. Ob Eigenständigkeit belohnt würde, ist für die meisten fragwürdig, zumal ihre Marken schon eine hohe Bekanntheit geniessen: Gezeigt werden mit Konstanz lächelnde oder schlafende Babys, mal mit, mal ohne Mutter, oft passiv – mit Ausnahme der TV-Spots, in die rund die Hälfte der Budgets fliessen –, und wenn sie etwas tun, dann das, was Babys eben so tun.
Um sich gegen internationale Werbegiganten wie Pampers behaupten zu können, muss deshalb im Babyprodukte-Bereich eine Differenzierung von der homogenen Werbemasse erreicht werden, war die Schlussfolgerung der Verantwortlichen der Migros-Marke Milette.
Babys mit hohen AnsprüchenDie Idee bestand bei Exxtra von Anfang an darin, die Babys als Hauptakteure stärker in Szene zu setzen und sie für einmal altersuntypisch und im Umfeld auffällig zu porträtieren. So zeigt sich in der Printkampagne für Milette-Baby-Feuchttücher zum Beispiel ein zweijähriges Mädchen als kleine, anspruchsvolle Diva. In der eigensinnigen Pose unterstreicht es mit Nachdruck die Botschaft «Nur sanfte Pflege wird auch höchsten Ansprüchen gerecht» und soll den Betrachter zum Schmunzeln bringen, hoffen AD Grischa Rubinick und das Beraterinnen-Team Barbara Hardmeier und Desirée Strassmann. Auch Klein-Elvis, der in der Badewanne mit seiner Milette-Tolle erste Starallüren entwickelt, bringt den Produktnutzen «Damit die Kleinen bei der Haarwäsche sanftere Töne anschlagen» witzig auf den Punkt.
«Allen Sujets gemeinsam ist, dass die Kleinen spektakulär in Szene gesetzt sind», erklärt CD Dieter Hofmann. Als eigenständige Persönlichkeiten dargestellt, sollen die Verwender selbst auf humorvolle Weise ausdrücken, was sie wollen, und nicht wie üblich die Kaufentscheider.
Insgesamt sechs Sujets für Milette-Produkte hat das Fotografenduo Scheffold Vizner in einem zeitaufwändigen Shooting umgesetzt. Vor allem im Windel-Motiv wurden die Akteure schliesslich mit Highend-Bildmontagen in überraschende Posen gebracht. Mit ihrer Kampagne, die vor allem in der Spezialpresse geschaltet wird, will Exxtra die Kernzielgruppe offener und unkomplizierter Mütter der Altersklasse zwischen 20 und 39 ansprechen.
Babypflege mal anders: Die lieben Kleinen wissen, was sie wollen.
Stark: Leute, die es wissen müssen, machen klar, dass Milette-Windeln von Migros halten, was sie versprechen. >> Seite 8
Luca Aloisi