Briefpost Euro RSCG Zürich hat Post aus Bern erhalten und soll Briefeschreiben populärer machen.Als der Computer populär wurde, sagten alle, die Zeit der papierlosen Büros breche an. Aber es kam anders: Zwar wird mit E-Mail, Handy und SMS immer mehr digital kommuniziert, doch werden die Stärken des Briefes nach wie vor als unersetzlich empfunden. Denn Briefe sind persönlich, etwas Bleibendes, Verbindliches. «Briefe spielen in unserem Leben eine entscheidende Rolle, da sich mit ihnen viele wichtige Ereignisse verbinden», erkannten die Kreativen von Euro RSCG. Die Zürcher Agentur hat diese Erkenntnis zum gelben Faden ihrer Kampagne für die Schweizerische Post gemacht. Entstanden ist für PostMail eine integrierte Kampagne mit vielfältigen Massnahmen. Diese reichen von klassischen Printsujets über DM, PR, Kino, Fernsehen, Internet und Radio bis zu Klebern auf Briefkästen und gar Werbung auf einer offiziellen Briefmarke.
«Wenn alle Schweizer vier Briefe mehr pro Jahr schreiben, kommt hier ein grosser Umsatz zusammen», ist sich Frank Bodin, Chairman von Euro RSCG Schweiz, der Wichtigkeit dieser Kampagne bewusst.
Im Jahre 2006 fällt in der Schweiz voraussichtlich die Monopolgrenze für Briefe von 1000 auf 100 Gramm. Trotzdem will PostMail auch in Zukunft mit seiner Dienstleistung Leader bleiben. «Keine defensive Haltung der Post» gegen drohende Konkurrenten oder gegen SMS und E-Mail soll deshalb mit der neuen Kampagne kommuniziert werden. PostMail will vielmehr «sensibilisieren für den Brief» und diesem wohl auch in Zukunft nachhaltigsten Medium der zwischenmenschlichen Kommunikation wieder einmal die gebührende Bedeutung einräumen.
Selbstbewusster AuftrittIm Zentrum der Kampagne steht ein strategischer Claim: «Grosses beginnt mit einem Brief.» Alle Werbemittel bauen auf diesem Claim auf: Acht Anzeigenmotive, zwei Radiospots, die ersten «letters for free» der Werbegeschichte und diverse weitere Kommunikationsmassnahmen rufen die Stärken des Briefes in Erinnerung und verknüpfen diese mit der Marke PostMail. Die Kampagne ist seit dem 31. Oktober im Einsatz und «verschafft dem Brief einen selbstbewussten und zeitgemässen Auftritt», wie die Vertreter von PostMail überzeugt sind.
In dieser Kampagne zeigen vier der Anzeigen Briefe, «die wir im Laufe unseres Lebens hoffentlich alle einmal bekommen», wie CD Text Dominik Imseng meint: Aus heiterem Himmel verkündet uns jemand seine Liebe. Nach der bestandenen Prüfung schickt man uns das Diplom.
Eines unserer Kinder überrascht uns mit der freudigen Nachricht, dass wir Grosseltern werden.
Doch nicht nur im Leben von Normalsterblichen spielen Briefe eine entscheidende Rolle. Was wäre aus dem heutigen Superstar Phil Collins geworden, hätte er sich nicht dereinst bei Genesis als Schlagzeuger beworben? Tatsächlich mit einem Brief, wie Euro RSCG weiss. Und wäre Andy Warhol heute ebenso bekannt, hätte ihn nicht ein Freund per Briefumschlag mit der Vorlage für seine berühmte «Marilyn» zu einer ganzen Porträtserie inspiriert? Weitere Anzeigenmotive basieren auf entscheidenden – echten – Briefen der deutschen Krimipäpstin Ingrid Noll und der aktuellen Miss Schweiz, Fiona Hefti, die sich per Brief für die Miss-Wahl beworben hat.
In Radiospots wird ein Brief von Napoleon vorgelesen sowie ein für ihre Geschäftsidee entscheidender Brief der The-Body-Shop-Gründerin Anita Roddick: Briefe können ein Leben verändern.
Einen schönen Brief aus Hollywood hat Euro RSCG selber erhalten, nämlich mit der Bewilligung, dass der Kinospot für diese Kampagne mit originalem Material aus dem Film «Billy Elliot» montiert werden darf. Gezeigt wird in Kurzform die Szene, wie Elliot den Brief öffnet, worin steht, dass er die Prüfung für die Ballettschule bestanden hat.
Post-Mitarbeitende eingebundenDer internen Kommunikation galt von Beginn weg ein besonderes Augenmerk. So wurde das Thema seit dem Entscheid über die Durchführung der Kampagne in den Post-internen Medien und Anlässen systematisch aufgebaut. Pünktlich zum Kampagnenstart erhielten auch alle Mitarbeitenden von PostMail einen Brief nach Hause geschickt: Dieser informierte nicht nur über Zielsetzungen und Massnahmen, sondern forderte die Mitarbeitenden auf, Ideen zur Förderung des Briefeschreibens einzureichen.
Bereits Mitte Oktober wurden die Medien über die Kampagne informiert. «Die Medienarbeit ist wichtiger Bestandteil unserer flankierenden und unterstützenden PR-Massnahmen. Die Medien haben das Thema erwartungsgemäss sehr positiv aufgenommen», sagt Werner Mäder, CEO der PR-Agentur Trimedia Communications Schweiz. Radiogames und zukünftig auch Kooperationen mit Printmedien verstärken die Kampagnensujets, emotionalisieren den Brief und wirken zusätzlich aktivierend. Eine ungewöhnliche Idee ist zum Beispiel der spontan ins Leben gerufene «Tag des Briefeschreibens» von Radio DRS 3.
«Nicht nur Werbung, sondern Mehrwert kreieren», ist die kreative Business-Idee von Euro RSCG. In diesem Sinn ist auch in den kommenden Jahren eine Fülle von Massnahmen geplant, die das Briefeschreiben fördern sollen. An den Poststellen wird ein Set mit Briefpapier, Couverts und Marken verkauft, das dem heutigen Convenience-Bedürfnis entspricht. Ebenso gibt es am Schalter einen Abrisskalender mit Werbetipps rund ums Briefeschreiben. «Gestehen Sie ihm Ihre Liebe», fordert ein Kleber beim Einwurfschlitz der Briefkästen auf. Auch online soll eine Website wieder Lust aufs Briefeschreiben machen und zugleich spielerische Unterstützung bieten. Und selbstredend sind auch weitere Aktionen für die PostMail-Mitarbeitenden vorgesehen.
Eine ganz besondere Ehre wird der Kampagne «Grosses beginnt mit einem Brief» am 3. Januar 2005 zuteil. Dann steht zum ersten Mal in der Geschichte ein Werbeclaim auf einer Briefmarke. Geworben wird auf vier 1-Franken-Dauermarken, die mit Bildern des international renommierten Schweizer Magnum-Fotografen René Burri gestaltet worden sind.
«Weil Briefmarken als Wertzeichen wie eine Banknote gelten und damit eine gewisse Seriosität verlangen», war diese Idee nicht unproblematisch. Frank Bodin freut sich deshalb, dass die Verantwortlichen von PostMail hier kein gelbes, sondern grünes Licht gegeben haben. Die Marke wird mit 10000 Displays in allen Poststellen bekannt gemacht. Gleichzeitig soll eine Stempelflagge dem Claim «Grosses beginnt mit einem Brief» millionenfache Verbreitung bringen.
Ob Karriere, Liebe oder Geschenke zu Weihnachten: Grosses, so die Botschaft von PostMail, beginnt in vielen Fällen mit einem Brief.
Andreas Panzeri