Anzeigen Ob versteckt oder unverblümt – die meisten grösseren Titel heben zumindest den Tausendleserpreis an.Dass Zeitungen und Zeitschriften, die gemäss Mach Basic 2004 ihre Reichweiten steigerten, im nächsten Jahr auch höhere Anzeigentarife verlangen, ist nachvollziehbar. Zu dieser Kategorie gehören Blätter wie 20 Minuten, Le Matin semaine und dimanche, das Bieler Tagblatt, die Basellandschaftliche Zeitung, Le Temps, Edelweiss, Bolero, Bon à savoir oder TV8. Eine spezielle Situation ergibt sich bei 24 Heures: Das Blatt aus dem Hause Edipresse erhöht seinen Tarif per 1. Januar nur leicht, wird dann aber ab 26. Februar 2005 gleich um gut 50 Prozent teurer, weil es ab diesem Datum die Blätter La Presse Riviera-Chablais und La Presse Nord Vaudois integriert (siehe WW 32/04). Auch das Magazin, bisher die Wochenendbeilage des Tages-Anzeigers, kostet ab 1. Januar massiv mehr, nämlich pro Seite neu knapp 23000 Franken, weil es seine Reichweite auf insgesamt 500000 Exemplare erhöht und neu noch der Basler Zeitung (BaZ), der Berner Zeitung (BZ) und dem zur BZ gehörenden Solothurner Tagblatt beigelegt wird.Facts und Bilanz günstiger
Wenn leistungsbedingte Preiserhöhungen akzeptiert werden, erwartet man umgekehrt auch Preissenkungen bei Reichweitenverlust. Doch nur gerade die Bilanz und Facts machen diesen Schritt. Facts hat seine Tarife sogar schon kurz nach der Publikation der Mach Basic 04 um 10 Prozent gesenkt, auf den Jahreswechsel hin steht deshalb keine weitere Reduktion an. Anders die Bilanz: Sie reduziert den Tarif ab 1. Januar um 13,1 Prozent, womit sie gar den Reichweitenverlust von 12,2 Prozent übertrifft. Sie deutet damit wohl an, dass sich der Auflagen- und Leserschwund noch weiter akzentuiert hat.
Bei den Werbekunden noch beliebter sind Zeitungen und Zeitschriften, die trotz höherer Leistung den Tarif beibehalten und
damit den Tausendleserpreis (TLP) senken. Mit gutem Beispiel gehen hier die Schweizer Familie und das Radiomagazin voran. Sie bleiben beim 2004er-Preis, obwohl sie signifikant Reichweite gewonnen haben. Ähnlich, wenn auch ohne signifikanten Lesergewinn, verhalten sich die Aargauer Zeitung, die Mittelland Zeitung, L’Illustré, Stocks, L’Express, Kochen oder das Teleclub Magazin.
Am liebsten aber wären den Werbeauftraggebern Titel, die trotz gesteigerter Reichweite ihre Tarife senken. Doch das gibt es nicht. Das Umgekehrte hingegen schon – noch dazu in erstaunlich grosser Zahl: Blätter, die trotz teilweise signifikanten Reichweitenverlusten ihre Preise anheben. Dazu gehören in erster Linie der Beobachter und alle Deutschschweizer Sonntagsblätter, ferner der Tages-Anzeiger, die BaZ, die BZ, die Neue LZ, die WochenZeitung (WOZ), Fémina, Le Nouvelliste, La Regione und Bilan.
Bloss wenige Begründungen
In den meisten dieser Fälle hielten es die Verlags- und Anzeigenleiter nicht einmal für nötig, ihren Entscheid zu begründen. Nur bei zwei Titeln gab man eine Erklärung ab: Beim Nouvelliste seien Auflage sowie Papier- und Vertriebskosten gestiegen, zudem habe man im 2003 den sw-Tarif nicht erhöht, schrieb Olivier Debons von der Publicitas Sion. Und bei der WOZ gab Verlagsleiter Kilian Gasser zu Protokoll, dass sein Blatt seit acht Jahren auf Tariferhöhungen verzichtet habe, dies, obwohl die WOZ-Reichweite übers Ganze gesehen gewachsen sei – und die Teuerung dazu. Auch die NZZ schlägt trotz signifikantem Reichweitenverlust auf, allerdings nur beim sw-Tarif. Den Vierfarben-Preis senkt sie hingegen um 5,5 Prozent – «weil sie so ihren Inserenten die Möglichkeiten der neuen Rotation weitergeben will», wie Anzeigenleiter Marcel Kohler erklärt.
Die weitaus meisten Titel erhöhen ihre Tarife aber einmal mehr versteckt, indem sie trotz gesunkener Reichweite den absoluten Preis auf dem bisherigen Niveau belassen. Mit solch schlechtem Beispiel gehen Cash, Finanz und Wirtschaft, Schweizer Illustrierte, NZZ Folio und Sélection voran. Aber auch die HandelsZeitung, die Glückspost, der K-Tipp, die Weltwoche, L’Hebdo, die Südostschweiz, das Beste, Gesundheit Sprechstunde, L’Impartial, Il Giornale del Popolo, Annabelle, Tele und La Liberté gehören dazu.
Und was macht der Landbote, der im Juni seine Auflagenmanipulation aufgedeckt hat? Hier wird mit Argumenten jongliert: Vor einem Jahr hatte Markus Wenger, Leiter Regiezeitungen bei der Publicitas Winterthur, den damaligen Preisaufschlag damit begründet, dass die Landbote-Auflage «deutlich um 2,8 Prozent auf 48016 Exemplare gestiegen» sei. Vom Auflagenbschiss wusste er damals noch nichts. Tatsächlich war die Auflage zum wiederholten Mal gesunken. Angesichts dieses Schwindels und vor allem auf Grund der letztjährigen Argumentation wäre nun eine Tarifsenkung am Platz. Doch dafür scheint man in Winterthur kein Musikgehör zu haben. Im Gegenteil, man tut so, als verzichte man kulanterweise auf eine erneute Preiserhöhung.
Jedenfalls schrieb Wenger: Die Leserzahlen des Landboten «haben sich nur in Folge der neuen Befragung durch die Wemf verändert und rechtfertigen daher in der Normal- und Grossauflage keine Preiserhöhungen». Will wohl heissen: Dieses Jahr richten wir unsere Tarifpolitik nicht nach der Auflage, sondern für einmal nach den Reichweiten – und weil diese relativ stabil sind, verzichten wir wohl oder übel auf eine Tariferhöhung.
Markus Knöpfli