Es fehlt das Tüpfelchen auf dem i
Prepress Als Inserateübermittler ist PrintOnline das Nadelöhr für Online-Anzeigen, sitzt mit der Polas-Datenbank aber zwischen Stuhl und Bank.
Prepress Als Inserateübermittler ist PrintOnline das Nadelöhr für Online-Anzeigen, sitzt mit der Polas-Datenbank aber zwischen Stuhl und Bank.Inserenten, die überregional tätig sind, ihre Anzeigen aber regional anpassen müssen (Händlerinserate), haben oft einen grossen Koordinierungs- und Gestaltungsaufwand. Alle Daten müssen nicht nur richtig und mit den betreffenden lokalen Stellen – etwa mit den Händlern oder Filialen – zeitlich und inhaltlich abgestimmt werden, auch die Corporate Identity der Marke sollte gewahrt bleiben.Für solche Koordinierungsprobleme bietet PrintOnline, der elektronische Anzeigenkurier, seit einem Jahr Abhilfe: Das Non-Profit-Unternehmen von Ringier, Tamedia, NZZ und Publicitas (alle sind zu je 25 Prozent beteiligt) stellte anfangs 2004 ein System namens Polas bereit, auf dem ein Grundinserat – etwa mit dem CI einer Automarke – so gespeichert werden kann, dass autorisierte Händler oder Filialleiter darauf zugreifen, ihren individuellen Text samt Adresse einsetzen, gegebenenfalls ein anderes Bild wählen und danach einen Buchungsauftrag für die Regionalzeitung erteilen können. Für das Speichern bei Polas, das Generieren der Daten und die Zugriffsmöglichkeiten bezahlt der Auftraggeber eine jährliche Grundgebühr sowie einen Anteil pro Inserat. «Für ein so erstelltes Inserat bezahlt uns der Inserent im Durchschnitt etwa 20 Franken», sagt PrintOnline-Geschäftsführer Kurt Obrist.
Die Idee besticht. Doch eingeschlagen hat sie nicht. Zumindest in der Autobranche, wo PrintOnline seit letztem Januar nach Pilotkunden für Polas suchte. «Wohl hat der eine oder andere potenzielle Kunde das System getestet – und es hat auch funktioniert –, aber angebissen hat keiner», sagt Obrist. Die Autobranche sei durch andere Probleme absorbiert, weshalb bestehende und oft auch komplizierte Workflows derzeit kaum hinterfragt würden, solange sie funktionieren. Dieses Jahr werde PrintOnline deshalb andere Branchen mit Händler- oder Filialnetzen (Grossverteiler, Versicherungen, Banken, Stellenvermittler) anfragen. «Offenbar sind wir mit unserer Idee der Zeit voraus», stellt Obrist fest.
Doch offenbar ist eher das Gegenteil der Fall. Es gibt zahlreiche Firmen im Prepress-Bereich, die teils seit Jahren ähnliche und auch umfassendere Datenbanken anbieten: Neben Inseraten sind dort auch Verpackungen, Firmenlogos, Briefschaften und Visitenkarten abrufbar. Der Workflow läuft dabei exakt nach dem Muster von Polas ab: Die Werbeagentur erstellt eine Grunddatei, beispielsweise ein Inserat, stellt dieses in die Datenbank der Druckvorstufenfirma und jede autorisierte Person hat online Zugriff. Weltweit. Im Fachjargon nennt man dies «remote publishing». Nach dem Erstellen der Vorlage kann dann bei PrintOnline ein Buchungsauftrag erteilt und die Daten an die Zeitungen übermittelt werden. Zu den Anbietern solcher Datenbanken gehören unter anderen die Detail AG in Zürich, die Straumann AG in Dielsdorf, die NC AG in Urdorf oder auch die Mediaagentur m&m Media Group mit ihrem HOBV-System. Da viele dieser Firmen zudem in der Bildbearbeitung tätig sind, sind sie gleich nach der Werbeagentur auch ein wichtiges Glied in der Produktionskette.
Bildbearbeitungsservice fehltGenau hier dürfte das Problem von Polas liegen: Weil PrintOnline keine Bildbearbeitung anbietet, muss diese Lücke so oder so von einem vorgeschalteten Litho-Betrieb gefüllt werden. Hat dieser auch noch eine
Datenbanklösung, braucht es Polas nicht mehr und PrintOnline nur noch als Datenübermittler … Peter Kettiger, Mitinhaber der Werbeagentur Zogg.Kettiger.Gasser, sagt es so: «Mir scheint, dass die Leute von PrintOnline vorgängig keine saubere Bedürfnisabklärung gemacht haben. Denn ohne Bildbearbeitung ist Polas nicht in den Produktionsprozess eingebunden. Es bietet etwas an, was anderswo umfassender zu haben ist.» Ähnlich äussern sich auch andere Vertreter von Media- und Werbeagenturen. Alle gaben zudem an, bisher noch nie etwas von Polas gehört zu haben.
Noch etwas hat Kettiger festgestellt: Selbst wenn Werbeauftraggeber ihre Werbeagentur wechseln, bleiben sie oft der bisherigen Vorstufenfirma treu. Der Grund liegt bei den Investitionen für die gemeinsam aufgebaute, individuelle Datenbank. «Diese Datenbanken sind für die Anbieter so etwas wie eine Rückversicherung», sagt Kettiger. Und er fügt an: «Es entsteht je länger je mehr eine Art ‹closed circuit›, der aussenstehenden Anbietern ein Eindringen zunehmend erschwert.»
Somit wird klar, Polas nützt allenfalls Litho-Firmen oder Verlagen, die ihren eher kleinen Kunden ebenfalls eine Datenbank anbieten wollen – dann aber als ausgelagerte Dienstleistung. PrintOnline dürfte somit mit Polas nicht nur beim Autogewerbe, sondern auch in andern Branchen bei Grosskunden auf Granit beissen.
Mehr Inserate Obwohl das gesamte Inseratevolumen im 2004 weiter gesunken ist, konnte PrintOnline sein elektronisch übermitteltes Volumen auf 112000 Inserate steigern (+2,2 Prozent). Das entspricht etwa der Hälfte aller in der VSW-Statistik ausgewiesenen Inserate. Der Anteil der Kleininserate nahm erneut zu, und zwar von 40 Prozent im 2003 auf 47 Prozent im 2004.
Wegen des steigenden Anteils der Kleininserate konnte POL den Umsatz nur leicht auf knapp unter zwei Millionen Franken steigern, womit gerade mal die Betriebskosten gedeckt sind. Deshalb verzichtet das Non-Profit-Unternehmen zum zweiten Mal auf eine Tarifsenkung. Die Tarife gibt es weiterhin in zwei Kategorien: Grossverlage bezahlen
eine jährliche Anschlussgebühr von 15 000 Franken und pro Inserat
10 Franken. Kleininserate kosten
6 Franken. Verlage ohne Anschlussgebühr bezahlen 30 Franken pro
Inserat, Kleininserate kosten hier
18 Franken. In beiden Kategorien kommt noch eine datenmengen-
abhängige Abgabe hinzu: 2 Franken pro Megabyte. (mk)
Kurt Obrist,PrintOnlineDie Technik steht, die Arbeit fehlt: Die Polas-Datenbank findet keine Kunden.
Markus Knöpfli
Die Idee besticht. Doch eingeschlagen hat sie nicht. Zumindest in der Autobranche, wo PrintOnline seit letztem Januar nach Pilotkunden für Polas suchte. «Wohl hat der eine oder andere potenzielle Kunde das System getestet – und es hat auch funktioniert –, aber angebissen hat keiner», sagt Obrist. Die Autobranche sei durch andere Probleme absorbiert, weshalb bestehende und oft auch komplizierte Workflows derzeit kaum hinterfragt würden, solange sie funktionieren. Dieses Jahr werde PrintOnline deshalb andere Branchen mit Händler- oder Filialnetzen (Grossverteiler, Versicherungen, Banken, Stellenvermittler) anfragen. «Offenbar sind wir mit unserer Idee der Zeit voraus», stellt Obrist fest.
Doch offenbar ist eher das Gegenteil der Fall. Es gibt zahlreiche Firmen im Prepress-Bereich, die teils seit Jahren ähnliche und auch umfassendere Datenbanken anbieten: Neben Inseraten sind dort auch Verpackungen, Firmenlogos, Briefschaften und Visitenkarten abrufbar. Der Workflow läuft dabei exakt nach dem Muster von Polas ab: Die Werbeagentur erstellt eine Grunddatei, beispielsweise ein Inserat, stellt dieses in die Datenbank der Druckvorstufenfirma und jede autorisierte Person hat online Zugriff. Weltweit. Im Fachjargon nennt man dies «remote publishing». Nach dem Erstellen der Vorlage kann dann bei PrintOnline ein Buchungsauftrag erteilt und die Daten an die Zeitungen übermittelt werden. Zu den Anbietern solcher Datenbanken gehören unter anderen die Detail AG in Zürich, die Straumann AG in Dielsdorf, die NC AG in Urdorf oder auch die Mediaagentur m&m Media Group mit ihrem HOBV-System. Da viele dieser Firmen zudem in der Bildbearbeitung tätig sind, sind sie gleich nach der Werbeagentur auch ein wichtiges Glied in der Produktionskette.
Bildbearbeitungsservice fehltGenau hier dürfte das Problem von Polas liegen: Weil PrintOnline keine Bildbearbeitung anbietet, muss diese Lücke so oder so von einem vorgeschalteten Litho-Betrieb gefüllt werden. Hat dieser auch noch eine
Datenbanklösung, braucht es Polas nicht mehr und PrintOnline nur noch als Datenübermittler … Peter Kettiger, Mitinhaber der Werbeagentur Zogg.Kettiger.Gasser, sagt es so: «Mir scheint, dass die Leute von PrintOnline vorgängig keine saubere Bedürfnisabklärung gemacht haben. Denn ohne Bildbearbeitung ist Polas nicht in den Produktionsprozess eingebunden. Es bietet etwas an, was anderswo umfassender zu haben ist.» Ähnlich äussern sich auch andere Vertreter von Media- und Werbeagenturen. Alle gaben zudem an, bisher noch nie etwas von Polas gehört zu haben.
Noch etwas hat Kettiger festgestellt: Selbst wenn Werbeauftraggeber ihre Werbeagentur wechseln, bleiben sie oft der bisherigen Vorstufenfirma treu. Der Grund liegt bei den Investitionen für die gemeinsam aufgebaute, individuelle Datenbank. «Diese Datenbanken sind für die Anbieter so etwas wie eine Rückversicherung», sagt Kettiger. Und er fügt an: «Es entsteht je länger je mehr eine Art ‹closed circuit›, der aussenstehenden Anbietern ein Eindringen zunehmend erschwert.»
Somit wird klar, Polas nützt allenfalls Litho-Firmen oder Verlagen, die ihren eher kleinen Kunden ebenfalls eine Datenbank anbieten wollen – dann aber als ausgelagerte Dienstleistung. PrintOnline dürfte somit mit Polas nicht nur beim Autogewerbe, sondern auch in andern Branchen bei Grosskunden auf Granit beissen.
Mehr Inserate Obwohl das gesamte Inseratevolumen im 2004 weiter gesunken ist, konnte PrintOnline sein elektronisch übermitteltes Volumen auf 112000 Inserate steigern (+2,2 Prozent). Das entspricht etwa der Hälfte aller in der VSW-Statistik ausgewiesenen Inserate. Der Anteil der Kleininserate nahm erneut zu, und zwar von 40 Prozent im 2003 auf 47 Prozent im 2004.
Wegen des steigenden Anteils der Kleininserate konnte POL den Umsatz nur leicht auf knapp unter zwei Millionen Franken steigern, womit gerade mal die Betriebskosten gedeckt sind. Deshalb verzichtet das Non-Profit-Unternehmen zum zweiten Mal auf eine Tarifsenkung. Die Tarife gibt es weiterhin in zwei Kategorien: Grossverlage bezahlen
eine jährliche Anschlussgebühr von 15 000 Franken und pro Inserat
10 Franken. Kleininserate kosten
6 Franken. Verlage ohne Anschlussgebühr bezahlen 30 Franken pro
Inserat, Kleininserate kosten hier
18 Franken. In beiden Kategorien kommt noch eine datenmengen-
abhängige Abgabe hinzu: 2 Franken pro Megabyte. (mk)
Kurt Obrist,PrintOnlineDie Technik steht, die Arbeit fehlt: Die Polas-Datenbank findet keine Kunden.
Markus Knöpfli
