Ernsthafter Anlauf zur Paarbildung
Forschung Die Finanzierung des MMXI-Internet-panels läuft Ende Jahr aus. SRG und Wemf führen Gespräche über künftige Kooperationsmodelle.
Forschung Die Finanzierung des MMXI-Internet-panels läuft Ende Jahr aus. SRG und Wemf führen Gespräche über künftige Kooperationsmodelle.Bisher läuft die Internetforschung in der Schweiz zweigleisig: Die Wemf zählt mit Net Audit die Besuche auf Websites und befragt für die Studie MA Comis rund 2000 Personen. MMXI Switzerland betreibt ein Panel plus die Konso-Studie mit über 40 000 Interviews. Nun wird der Fünfjahresvertrag zwischen den Geldgebern von MMXI per Ende Jahr erstmals kündbar. Hauptauftraggeber und Hauptinvestor ist der SRG-Forschungsdienst, weitere Investoren sind die SRG-Generaldirektion, die Publisuisse, Swiss TXT, IP Multimedia (Schweiz), Banner.ch, das Postportal Yellowworld.ch und die Espace Media Groupe. Diese haben die MMXI-Forschung seit 2001 jährlich mit 2,4 Millionen Franken finanziert.
Noch sind gemäss Manuel Dähler, Leiter des SRG-Forschungsdienstes, bisher keine Kündigungen eingegangen. Er bestätigt aber, dass derzeit intensiv über die Zukunft der Internetforschung in der Schweiz diskutiert wird. Die Federführung liegt bei ihm. «Wir sind daran, verschiedene Optionen ab 2006 zu evaluieren», sagt Dähler. Folgende Möglichkeiten stehen zur Diskussion: Man lässt die heutige Forschung (Panel) weiterlaufen, baut das bestehende System aus oder nimmt einen Wechsel vor. Eines steht gemäss Dähler fest: «Die Anforderungen an die Onlineforschung sind heute höher, als was das aktuelle Panel derzeit zu bieten vermag.» Geklärt werden muss zudem die Frage der künftigen Finanzierung.
Die Überlegungen in der Schweiz orientieren sich am Drei-Säulen-Modell der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) in Deutschland (siehe Kasten). Folgt man diesem Modell, könnte sich bei der Internetforschung in der Schweiz ein Zusammengehen von MMXI Switzerland und Wemf anbahnen. Sowohl Dähler als auch Wemf-Direktor René Schmutz bestätigen Gespräche. «Wir reden miteinander», sagt Dähler. «Wir klären ab, ob wir zusammen etwas Gescheites auf die Beine stellen können», ergänzt Schmutz.
Lösung bis Mitte Jahr
Ein Zusammenlegen der MMXI-Daten mit jenen von Net Audit wäre technisch möglich, zudem sind beide Tools international recht etabliert. Auch verfügen sie in der Schweiz über ansehnliche Kundenzahlen. Und schliesslich ist Net Audit als zweite Säule des AGOF-Modells vorgesehen. Jedoch: Die MMXI-Daten passen nicht ins AGOF-Modell, weil sie aus einem Panel stammen und nicht aus einer On-site-Befragung. Die Chance, gleich eine internationale Währung mitzuentwickeln, wäre mit den MMXI-Daten also vertan.
Denkbar wäre deshalb auch eine Abkehr vom MMXI-Panel, das heute zu Nielsen/Netratings gehört, hin zu einer On-site-Befragung, wie sie die deutsche Firma Infratest anbietet. Damit würde man aber die fünfjährige History des MMXI-Panels opfern.
Noch wurde kein Entscheid gefällt. «Es gibt heute drei Systeme, die site- und userzentrische Daten miteinander verknüpfen», sagt Dähler. So haben die holländische Netstat, TNR Infratest sowie Nielsen/Netratings bei Dähler Offerten eingereicht. Dieser ist zuversichtlich, dass bis Mitte Jahr eine Lösung gefunden werden kann.
«Heute höhere Anforderungen»: Manuel Dähler, Leiter SRG-Forschungsdienst.
«Zusammen etwas Gescheites tun». René Schmutz, Wemf.
Das AGOF-ModellUm eine einheitliche Währung für die Online-Reichweite auf dem deutschen Markt etablieren zu können, baut die AGOF auf ein Drei-Säulen-Modell. Eine On-site-Befragung mittels Online-Fragebogen (user-centric) bildet die erste Säule, die Messung der Zugriffe auf Websites (site-centric) stellt die zweite und eine repräsentative Telefonbefragung die dritte Säule dar.
Jede dieser Säulen bildet für sich allein die Internetnutzung nur unvollständig ab: Die site-zentrische Messung identifiziert zwar die Rechner, von denen aus auf die Websites zugegriffen wird, nicht aber die einzelnen User. Die On-site-Befragung löst dieses Problem nur teilweise, von einigen Usern liefert sie aber soziodemografische Daten. Und die Telefonbefragung ergibt bloss summarische Erinnerungswerte, dazu aber soziodemografische Daten.
Erst durch das Zusammenspiel
aller drei Säulen sei die Ermittlung von Reichweiten- und Strukturdaten von Online-Werbeträgern möglich, heisst es deshalb auf www.agof.de. Und so geht man vor: Die Daten der On-site-Befragung und der technischen Messung werden abgeglichen und so jene Nutzer herausgefiltert, von denen Daten aus beiden Erhebungen vorliegen. Daraus werden so genannte «idealtypische Nutzerprofile» erstellt. Deren soziodemografische Daten lassen sich dann nach dem Ähnlichkeitsprinzip auf diejenigen Nutzer projizieren, von denen lediglich die technischen Daten vorhanden sind. All diese Informationen werden schliesslich dank der Telefonbefragung auf die Gesamtbevölkerung übertragen.
Markus Knöpfli
Noch sind gemäss Manuel Dähler, Leiter des SRG-Forschungsdienstes, bisher keine Kündigungen eingegangen. Er bestätigt aber, dass derzeit intensiv über die Zukunft der Internetforschung in der Schweiz diskutiert wird. Die Federführung liegt bei ihm. «Wir sind daran, verschiedene Optionen ab 2006 zu evaluieren», sagt Dähler. Folgende Möglichkeiten stehen zur Diskussion: Man lässt die heutige Forschung (Panel) weiterlaufen, baut das bestehende System aus oder nimmt einen Wechsel vor. Eines steht gemäss Dähler fest: «Die Anforderungen an die Onlineforschung sind heute höher, als was das aktuelle Panel derzeit zu bieten vermag.» Geklärt werden muss zudem die Frage der künftigen Finanzierung.
Die Überlegungen in der Schweiz orientieren sich am Drei-Säulen-Modell der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) in Deutschland (siehe Kasten). Folgt man diesem Modell, könnte sich bei der Internetforschung in der Schweiz ein Zusammengehen von MMXI Switzerland und Wemf anbahnen. Sowohl Dähler als auch Wemf-Direktor René Schmutz bestätigen Gespräche. «Wir reden miteinander», sagt Dähler. «Wir klären ab, ob wir zusammen etwas Gescheites auf die Beine stellen können», ergänzt Schmutz.
Lösung bis Mitte Jahr
Ein Zusammenlegen der MMXI-Daten mit jenen von Net Audit wäre technisch möglich, zudem sind beide Tools international recht etabliert. Auch verfügen sie in der Schweiz über ansehnliche Kundenzahlen. Und schliesslich ist Net Audit als zweite Säule des AGOF-Modells vorgesehen. Jedoch: Die MMXI-Daten passen nicht ins AGOF-Modell, weil sie aus einem Panel stammen und nicht aus einer On-site-Befragung. Die Chance, gleich eine internationale Währung mitzuentwickeln, wäre mit den MMXI-Daten also vertan.
Denkbar wäre deshalb auch eine Abkehr vom MMXI-Panel, das heute zu Nielsen/Netratings gehört, hin zu einer On-site-Befragung, wie sie die deutsche Firma Infratest anbietet. Damit würde man aber die fünfjährige History des MMXI-Panels opfern.
Noch wurde kein Entscheid gefällt. «Es gibt heute drei Systeme, die site- und userzentrische Daten miteinander verknüpfen», sagt Dähler. So haben die holländische Netstat, TNR Infratest sowie Nielsen/Netratings bei Dähler Offerten eingereicht. Dieser ist zuversichtlich, dass bis Mitte Jahr eine Lösung gefunden werden kann.
«Heute höhere Anforderungen»: Manuel Dähler, Leiter SRG-Forschungsdienst.
«Zusammen etwas Gescheites tun». René Schmutz, Wemf.
Das AGOF-ModellUm eine einheitliche Währung für die Online-Reichweite auf dem deutschen Markt etablieren zu können, baut die AGOF auf ein Drei-Säulen-Modell. Eine On-site-Befragung mittels Online-Fragebogen (user-centric) bildet die erste Säule, die Messung der Zugriffe auf Websites (site-centric) stellt die zweite und eine repräsentative Telefonbefragung die dritte Säule dar.
Jede dieser Säulen bildet für sich allein die Internetnutzung nur unvollständig ab: Die site-zentrische Messung identifiziert zwar die Rechner, von denen aus auf die Websites zugegriffen wird, nicht aber die einzelnen User. Die On-site-Befragung löst dieses Problem nur teilweise, von einigen Usern liefert sie aber soziodemografische Daten. Und die Telefonbefragung ergibt bloss summarische Erinnerungswerte, dazu aber soziodemografische Daten.
Erst durch das Zusammenspiel
aller drei Säulen sei die Ermittlung von Reichweiten- und Strukturdaten von Online-Werbeträgern möglich, heisst es deshalb auf www.agof.de. Und so geht man vor: Die Daten der On-site-Befragung und der technischen Messung werden abgeglichen und so jene Nutzer herausgefiltert, von denen Daten aus beiden Erhebungen vorliegen. Daraus werden so genannte «idealtypische Nutzerprofile» erstellt. Deren soziodemografische Daten lassen sich dann nach dem Ähnlichkeitsprinzip auf diejenigen Nutzer projizieren, von denen lediglich die technischen Daten vorhanden sind. All diese Informationen werden schliesslich dank der Telefonbefragung auf die Gesamtbevölkerung übertragen.
Markus Knöpfli
