The Cover Media vermarktet Balkanfenster

TV In der Schweiz lebende Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien lassen sich neu mit TV-Werbung in der eigenen Sprache erreichen:

TV In der Schweiz lebende Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien lassen sich neu mit TV-Werbung in der eigenen Sprache erreichen:The Cover Media vermarktet die Schweizer Werbefenster auf den Sendern RTS (Radio-televizija Srbije, Serbien) und RTK (Radio Televizioni i Kosovës, Kosovo). Sie bietet auch die Adaption der Spots in die jeweiligen Sprachen an (siehe Editorial Seite 5).

Gekrönte Viecher

Tierfutter Seit rund sechzig Jahren mischt Kroni aus dem St. Galler Rheintal individuelle Nahrungsergänzung für Rindvieh, Schafe, Ziegen, Pferde und Schweine.

Tierfutter Seit rund sechzig Jahren mischt Kroni aus dem St. Galler Rheintal individuelle Nahrungsergänzung für Rindvieh, Schafe, Ziegen, Pferde und Schweine.Tierfutter Seit rund sechzig Jahren mischt Kroni aus dem St. Galler Rheintal individuelle Nahrungsergänzung für Rindvieh, Schafe, Ziegen, Pferde und Schweine. Diese Mineralstoffe benötigen die Tiere, damit sie gesund bleiben und «schön werden», wie es die Viehhalter fordern. Kroni lobt sich, über eine sehr effiziente Kundenbetreuung zu verfügen. Der Marktanteil der Spezialfirma ist klein, aber fein. Dementsprechend ist auch das Kommunikationsbudget nicht gerade gross. Es galt also, mit wenig Geld einer unbekannten Marke, die überdies ein ziemlich unspektakuläres Produkt verkauft, mit einer eingängigen Botschaft zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Eugster Kommunikation in Rorschacherberg hat sich für eine augenzwinkernde Kampagne entschieden. Als Models liessen sich die Schönheiten Laana, Fränzi und Alicia fotografieren. Als Kuhstylist wirkte Mathias Voppichier (siehe Seite 15).

WoZ auf Sammeltour

Presse Aus ihrer Not macht die WochenZeitung (WoZ) eine Tugend: Sie serialisiert ihre «dramatische finanzielle Schräglage» unter dem Titel «Gebt uns Geld!».

Presse Aus ihrer Not macht die WochenZeitung (WoZ) eine Tugend: Sie serialisiert ihre «dramatische finanzielle Schräglage» unter dem Titel «Gebt uns Geld!».Letzte Woche der Hilferuf, diesen Mittwoch der Hoffnungsschimmer. Für die nächste Ausgabe verspricht die WoZ endlich die nackten Zahlen zum Fehlbetrag. Apropos Zahlen: Der Hilferuf hat sich bereits ausgezahlt. Leserinnen und Leser haben schon 28000 Franken an Spenden einbezahlt. Neben dem Publikum hofft die WoZ auch auf Unterstützung bei den Grossinserenten. Denn nicht sie sind es, welche die Zeitung in die Krise gestürzt haben. Schuld ist neben hohen Relaunchkosten der Rückgang im traditionellen Rubriken- und Kleinanzeigengeschäft.
Grossinserenten bescherten der WoZ 2004 Einnahmen von 130000 Franken, 40000 weniger als im Vorjahr, als die Migros die grösste kommerzielle Kampagne in der Geschichte der WoZ geschaltet hatte. Es sind aber auch 50000 mehr als 2002, als sich das Meinungsblatt erstmals im grossen Stil um Grossinserenten bemühte. Die Zahl der Unternehmen, die in der WoZ Werbung schalteten, war 2004 grösser als je zuvor.
(sm)

Die Löwen erhalten Nachwuchs

Finanzen Die laufende Bank-Leu-Kampagne mit den Löwenporträts auf schwarzem Grund bringt Eigenschaften der Bank eindrücklich auf den Punkt.

Finanzen Die laufende Bank-Leu-Kampagne mit den Löwenporträts auf schwarzem Grund bringt Eigenschaften der Bank eindrücklich auf den Punkt.Nun doppeln die Kreativen von Matter & Partner mit neuen Sujets nach. Widmete man sich in der ersten Serie dem Private Banking im Allgemeinen, wird der Fokus bei den neuen Sujets in erster Linie auf die Anlageberatung gesetzt. Deshalb wurde mehr Gewicht auf die Schlagzeilen gelegt, die pointiert die Verbindung zwischen Löwenporträt und Anlageberatung herstellen. «In der Schweiz gibt es keine Könige. Aber wenn Sie sich wie einer fühlen, haben unsere Anlageberater ihr Ziel erreicht.» Zu sehen sind die neuen Löwen-Sujets in NZZ, Weltwoche, Bilanz, HandelsZeitung, Stocks sowie in Lifestyle-Magazinen.

Korrigendum

Im Artikel «Expansion mit Rückschlägen» (WW 9/05, S. 17) ist uns ein Fehler unterlaufen: In der Tabelle wurde die Auflage des KMU Magazins mit 5200 Exemplaren angegeben. Das ist falsch. Gemäss Korrekturliste zum Wemf-Auflagebulletin 2004 beträgt die

Im Artikel «Expansion mit Rückschlägen» (WW 9/05, S. 17) ist uns ein Fehler unterlaufen: In der Tabelle wurde die Auflage des KMU Magazins mit 5200 Exemplaren angegeben. Das ist falsch. Gemäss Korrekturliste zum Wemf-Auflagebulletin 2004 beträgt die verkaufte Auflage 6639 Exemplare. Diese Auflage ist zu 100 Prozent abonniert.

Eugster gründet Tochter in Österreich

Agenturen Eugster Kommunikation in Rorschacherberg SG expandiert nach Österreich.

Agenturen Eugster Kommunikation in Rorschacherberg SG expandiert nach Österreich.Anfang März hat das Unternehmen in Dornbirn den Ableger Agentur am Marktplatz gegründet. Eugster betreut schon seit längerem grenzüberschreitend tätige Schweizer Unternehmen und konnte in den letzten Monaten mehrere Budgets im Vorarlbergischen gewinnen. Ausserdem glaubt die Dialogagentur, in ihrer Kernkompetenz eine gewisse Marktlücke im Westen Österreichs entdeckt zu haben. In einer ersten Phase wird die Agentur am Marktplatz einen engen Schulterschluss zur Kreativabteilung von Eugster pflegen.

Südostschweiz wird zur Mikrozeitung

Tageszeitungen Die Südostschweiz erhält ein völlig neues Konzept.

Tageszeitungen Die Südostschweiz erhält ein völlig neues Konzept.Wie die Werbewoche erfahren hat, wird sie als Mikrozeitung nach dem Vorbild der Jungfrau Zeitung relauncht. Die konsequente Ausrichtung auf lokale Räume dürfte in den engen Bündner Tälern genauso gut funktionieren wie im Berner Oberland, glauben Brancheninsider. Jungverleger Urs Gossweiler suchte bereits seit langem Abnehmer für sein Zeitungskonzept. Von den Verantwortlichen war am Vorabend des 1. April niemand zu erreichen.

Angeknabbert

Internet Im Rahmen der laufenden Kampagne mit dem Slogan «erst probieren, dann entscheiden» hat sich Jung von Matt/Limmat eine besondere Osteraktion ausgedacht: Auf der Strasse wurden Osterhasen an die Passanten verteilt.

Internet Im Rahmen der laufenden Kampagne mit dem Slogan «erst probieren, dann entscheiden» hat sich Jung von Matt/Limmat eine besondere Osteraktion ausgedacht: Auf der Strasse wurden Osterhasen an die Passanten verteilt.Anders als die Modems in einer früheren Plakataktion wurden die Hasen allerdings den Leuten nicht nachgeworfen. Dafür hat jemand schon vorgekostet. Denn eins haben Schokolade und ADSL gemäss Agentur gemeinsam: Obs schmeckt, weiss man erst, nachdem man probiert hat.

Wer abkürzt, ist schneller

Sportschuhe Ruf Lanz beschleunigt den Zürich Marathon mit einer ausgelassenen Idee für Nike.

Sportschuhe Ruf Lanz beschleunigt den Zürich Marathon mit einer ausgelassenen Idee für Nike. 42,195 Kilometer in weniger als drei Stunden. Wer hat da noch Zeit, die Strassenschilder zu lesen! Ruf Lanz hat die buchstäblich auf der Strasse liegende Idee für eine Werbeaktion rund um den Zürich Marathon in Szene gesetzt. Am diesjährigen Zürich Marathon vom 3. April tritt Nike als offizieller Ausrüster auf. Unterstützt wird das Engagement mit einer auffälligen Werbekampagne entlang der Rennstrecke. Damit festigt die Marke auch in der Kommunikation ihre Kompetenz bei Laufschuhen und Laufbekleidung (for runners by runners). Nach einer Konkurrenzpräsentation hat Ruf Lanz das Rennen um die Schweizer Auftritte von Nike für sich entschieden.
«Das war ein Pitch um ein Budget, das wohl jeder möchte», freut sich CD Markus Ruf. Der sportliche Erfolg am Schreibtisch, welcher den Werber wochenlang vom Einhalten des üblichen Trainingsprogramms abgelenkt hat, entschuldigt Ruf zumindest in diesem Jahr noch vor einer eigenen Teilnahme am wichtigen Sponsoringanlass seines Neukunden. «Nein. Auch wenn einem die rund 42 Kilometer mit Nike kürzer vorkommen, sind sie für mich wohl noch eine Spur zu lang. Aber Danielle könnte ich eigentlich anmelden», hat Markus Ruf auf Anfrage der Werbewoche erklärt.
Den ambitionierten Läuferinnen und Läufern bietet Nikerunning leichte und schnelle Laufschuhe sowie speziell atmungsaktive Bekleidung. Diese Produktevorteile hat Ruf Lanz in der Kampagne für den Zürich Marathon verblüffend dramatisiert. Wer die 42,195 Kilometer mit Nike-Equipment absolviert, dem kommt der Marathon viel kürzer vor.
Namen im SchnellzugstempoUmgesetzt wurde diese Aussage, indem Streckenabschnitte des Zürich Marathon in ihrer Schreibweise verkürzt werden. Da wird aus der Bahnhofstrasse die Bhfstrse oder aus dem Bürkliplatz der Brkliplz.
Die Kampagne von Ruf Lanz wird ab Ende März auf Schaufensterplakaten, auf Messeplakaten, auf F12, F200 und F200-Leuchtplakaten, Inseraten, Banden und in Broschüren zu sehen sein. Die Aussage, dass einem der Marathon mit Nike kürzer vorkommt, begleitet die Läuferinnen und Läufer auch während des Marathons auf Plakaten.
Die internationalen Nike-Kampagnen kommen wie bisher von Wieden + Kennedy in Amsterdam. Ruf Lanz in Zürich ist nach dem Marathon-Pitch neu verantwortlich für die Schweizer Auftritte in Zusammenhang mit sportlichen Anlässen. «Wir geniessen kreative Freiheiten innerhalb des CI», verrät Ruf Lanz. Es sei sinnvoll, wenn für einzelne Projekte eine lokale Agentur beigezogen werde.
«Wie viele Nike-Kampagnen made in Switzerland es 2005 geben wird, ist noch nicht abzusehen.» Aber: «Möglich, dass es bald weitere Auftritte mit Lokalbezug gibt», meint Markus Ruf, bevor er wieder in den Kraftraum entschwindet.
Kurzstrecke: Mit Nike-Schuhen ist der Marathon flugs absolviert.
Andreas Panzeri

NZZ am Sonntag überschreitet den Rhein

Distribution Die NZZ am Sonntag ist neu auch in Deutschland erhältlich.

Distribution Die NZZ am Sonntag ist neu auch in Deutschland erhältlich.Seit einigen Wochen könne sie tagesaktuell an ausgewählten Verkaufsstellen erworben werden, heisst es in der jüngsten Ausgabe. Diese Stellen befinden sich in Darmstadt, Frankfurt, Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigshafen, Mainz, Offenbach, Stuttgart, Wiesbaden und München. Das Netz soll kontinuierlich ausgebaut werden.

Wieder fit – auch ohne Stellenanzeigen

Bilanz Tamedia hat den Turnaround geschafft – dank deutlichem Personalabbau.

Bilanz Tamedia hat den Turnaround geschafft – dank deutlichem Personalabbau.
Tamedia erzielte im Jahr 2004 einen Umsatz von 566,6 Millionen Franken, 7,4 Millionen Franken weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist auf die Verkäufe kleiner Betriebseinheiten (etwa der Kulturzeitschrift Du) zurückzuführen, im Kerngeschäft hingegen hat Tamedia den Umsatz gehalten. Dennoch verzeichnete der Medienkonzern ein positives Betriebsergebnis (EBIT) von 63,1 Millionen Franken, eine ansehnliche Leistung nach dem Minus von 40,7 Millionen Franken im Vorjahr. Möglich wurde dieses Resultat nur dank Restrukturierungen. So baute Tamedia in den letzten zwei Jahren insgesamt rund 25 Prozent seines Personals ab – ein Drittel durch Outsourcing, zwei Drittel durch Entlassungen. Entsprechend konnte der Personalaufwand, der grösste Kostenblock, allein im letzten Jahr um 66 Millionen Franken oder 24,5 Prozent auf 203 Millionen Franken gesenkt werden. Tiefere Papierpreise sowie ein geringerer Papierverbrauch wegen kleinerer Umfänge senkten die Kosten zusätzlich. Das Konzernergebnis, 2003 noch tiefrot bei minus 18 Millionen Franken, stieg auf 50 Millionen Franken.
Neu-alte Philosophie
«Wir haben denselben Umsatz wie 2003 erreicht, aber mit viel weniger Personal», sagte Tamedia-CEO Martin Kall an der Bilanzpressekonferenz. Entsprechend gestiegen ist die Rendite. 2004 habe Tamedia trotz widrigem Umfeld die viertbeste EBIT-Marge der letzten 15 Jahre erreicht, triumphierte Kall. «Wir wollen in der Lage sein, auch ohne konjunkturabhängige Stellenanzeigen eine anständige Rendite zu erzielen», sagte der CEO. Damit greift der Historiker Kall auf eine Erkenntnis aus der Ölkrise von 1973 zurück. Stellenanzeigen seien die Butter auf dem Brot, hiess es schon damals. Kalls Verdienst ist es, dass er diese Erkenntnis nicht erst umsetzen will, sondern schon 2004 umgesetzt hat, wie nebenstehende Grafik zeigt. So gesehen schaffte Tamedia letztes Jahr gar die beste EBIT-Marge der letzten 15 Jahre!
Von den Konzernbereichen weist einzig das Segment Zeitschriften einen rückläufigen Umsatz aus, dies wegen des Verkaufs der Zeitschrift Du sowie der Einstellung von Annabelle Wohnen und Business. Den Turnaround schafften die Zeitschriften gleichwohl, gemäss Kall schneller als erwartet. Ihr Betriebsergebnis (EBIT) stieg von minus 9,6 Millionen auf plus 8,5 Millionen Franken. Die Zeitungen erhöhten den EBIT gar um 1218 Prozent auf 47,3 Millionen Franken. Nach wie vor rot sind die elektronischen Medien (–5,6 Millionen Franken), dies allerdings wegen einer nachträglichen Korrektur für nicht ausgewiesene Umsätze aus Medienpartnerschaften im 2003. Für 2005 erwartet Kall auch für diesen Bereich schwarze Zahlen. Und obwohl TeleZüri spätestens 2006 in die Gewinnzone komme, will Kall nicht auf Anteile aus dem Gebührensplitting verzichten. «Falls es diesen Honigtopf geben wird, wäre es für uns kein Widerspruch, auch jene zu belohnen, die aus eigener Kraft einen Gewinn erwirtschaften», sagt er.
Nach wie vor nicht unter Dach und Fach ist der Kommissionierungsvertrag mit der Publimedia. Tamedia hatte ihn nach dem Zürcher Pressedeal ausserterminlich gekündigt. Die Publimedia habe bisher nicht auf den Tamedia-Vorschlag reagiert, sagte Kall. Anders Publimedia-Generaldirektor Otto Meier. «Wir stehen in gegenseitigem Austausch, der Streitpunkt ist noch die konkrete Ausgestaltung des Bonus für die P», sagt Meier.
NZZ-Gruppe ebenfalls mit besseren ZahlenIm 2004 hat die NZZ-Gruppe ein Unternehmensergebnis von 21,7 Millionen Franken erzielt, mehr als viermal so viel wie im Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis beträgt 16,1 Millionen Franken gegenüber einem Minus von 8,7 Millionen in 2003. Der Umsatz stieg um 18,6 Prozent auf 547 Millionen Franken. Die Trendwende ist allerdings vor allem Änderungen im Konsolidierungskreis zu verdanken: Die Beteiligung am Bund Verlag schied aus, die LZ Medien wurde erstmals einbezogen.
Im NZZ-Ergebnis noch nicht niedergeschlagen hat sich der Zürcher Pressedeal. Interessant jedoch: Die NZZ erhält längerfristig von der Akeret AG, einer 100%-Tochter der PubliGroupe und Herausgeberin des Zürcher Unterländers, mehr Anteile, als bisher kommuniziert wurde. Dies hielt PubliGroupe-CEO Hans-Peter Rohner gegenüber der Werbewoche fest. Wörtlich sagte er: «Die Übertragung von Aktien an der Akeret AG wird so abgewickelt, wie dies bei Bekanntgabe unserer Vereinbarung mit der NZZ im Sommer 2004 angekündigt worden ist: In einem ersten Schritt, der im Verlaufe der nächsten Wochen abgeschlossen wird, werden 40 Prozent der Akeret AG von PubliGroupe an die Freie Presse Holding (FPH) AG übertragen. Die verbleibenden 60 Prozent der Akeret AG werden in einem zweiten Schritt in voraussichtlich zwei bis drei Jahren ebenfalls an die FPH übertragen.» (mk)
Tamedia in Zahlen (in Mio. Fr.)
2003 2004 Veränd. in %
Umsatz 574,0 566,6 – 1,3
Betriebs-
ergebnis –40,7 63,1 –
(EBIT)
Konzern-
ergebnis –17,7 49,8 –
Cashflow 51,9 99,2 + 91,1
Personal-
bestand 1825 1518 – 16,8
Quelle: Tamedia
Markus Knöpfli

Es klärt auf in der Romandie

Zeitungen Le Temps wird relauncht. Das Genfer Qualitätsblatt bringt mehr Wirtschaft und mehr Hintergründe.

Zeitungen Le Temps wird relauncht. Das Genfer Qualitätsblatt bringt mehr Wirtschaft und mehr Hintergründe.Selbstbewusst beansprucht der Titel die ganze Breite. Der neue Kopf von Le Temps signalisiert zugleich Gewicht und – in der eleganten Schrift – Verspieltheit. Mit dieser Grundhaltung geht die Genfer Tageszeitung in ihren zweiten Lebensabschnitt. Das Selbstbewusstsein ist durchaus angebracht. Le Temps hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit der Gründung 1997 schwarze Zahlen geschrieben. «Nun beginnt die Konsolidierungsphase», sagt Chefredaktor Jean-Jacques Roth. Sie beginnt am 13. April mit einer optischen und inhaltlichen Neugestaltung.
Ein Deutschschweizer, der die neue Le Temps aufschlägt, fühlt sich leicht an die NZZ am Sonntag erinnert. Das ist kein Zufall: Beide wurden vom britischen Designer Simon Esterson entworfen. Eine gewisse Ähnlichkeit sei durchaus beabsichtigt, gibt Roth zu: «Die NZZ am Sonntag gefällt uns gut.» Deshalb habe man Esterson zum Wettbewerb um den Auftrag eingeladen, wo er sich gegen drei Mitbewerber durchsetzte.
Das Layout ist aber nur die Oberfläche des Redesigns. Von strategischer Bedeutung sind die Änderungen in Struktur und Inhalt. Le Temps möchte seine Leserschaft vergrössern und besonders die Gelegenheitsleser fester ans Blatt binden. «Fidélisation» heisst das im französischen Jargon. «Im Schnitt werden 12 Prozent der Auflage über Kioske abgesetzt, doch wir erleben starke Schwankungen im Einzelverkauf», erklärt Marketingleiterin Valérie Boagno. Auch die Leser pro Exemplar – gegenwärtig 2,4 – seien ausbaubar.
Drei Pfeile im Köcher
Dieses Ziel nimmt Le Temps auf drei Achsen in Angriff. Die erste heisst Sinnlichkeit. Le Temps soll Spass machen, zum Lesen reizen und Stoff für Tischgespräche liefern. Die zweite lautet Vertiefung: Die Zeitung erklärt die Hintergründe der Aktualität. Dritter Pfeil im Köcher ist ein Ausbau des Wirtschaftsressorts.
«Vertiefung» ist die Unique Selling Proposition für Le Temps. Damit will sich das Blatt von der Konkurrenz absetzen. Relaunches haben sich auch die Tribune de Genève und 24 Heures vor kurzem gegönnt. Ihr Zauberwort dabei lautete «proximité»: Mehr Lokales, näher an den Leser ran! Jean-Jacques Roth will das Gegenteil. Sein Motto heisst «synthèse» und «éclairage», Überblick und Analyse.
«Eine Zeitung muss die Ideen, die in der Welt zirkulieren, sammeln und zusammenfassen», weiss Roth aus einer Leserbefragung. Dazu hat Le Temps ein neues
Gefäss geschaffen. «Éclairage» schliesst den ersten Zeitungsbund ab. Auf drei Seiten enthält es Hintergründe, Analysen und Kommentare. Dafür wurde ein Pool von 30 bis 40 Experten zusammengestellt, die abwechselnd aus ihren Fachgebieten berichten werden. Durch den Rückgriff auf externe Spezialisten möchte Roth den Lesern Fachwissen zugänglich machen, an das Journalisten nur schwer gelangen. «Wir halten Éclairage für etwas wirklich Neues in der Zeitungslandschaft», zeigt sich der Chefredaktor stolz. Das Gefäss wird deshalb auch durch eine eigene grafische Gestaltung von der übrigen Zeitung abgesetzt.
KMU werden besser bedient
Éclairage übernimmt auch die Aufgabe der bisherigen Dossier-Doppelseite «Temps fort». Die Seite 2 hört neu auf den Namen «Zoom» und präsentiert einerseits Kolumnen, anderseits die «clés de l’actualité»: erklärende Fussnoten zu den grossen Beiträgen der Ausgabe. Auf der dritten Seite beginnt die internationale Berichterstattung; aus aktuellem Anlass kann aber ein reduziertes «Temps fort» eingeschaltet werden.
Der Auftakt des zweiten Bundes gehört weiterhin der Wirtschaft. Das Ressort wird stark ausgebaut, weshalb der Sport neu in den ersten Bund verlagert wird. Gerade in Wirtschaftskreisen sehen Roth und Boagno
Leserschaftspotenzial für Le Temps. Die Zeitung verzeichnet zwar bereits eine Reichweite (LpA) von 35,2 Prozent unter den Leadern und 41 Prozent unter den Top-Leadern der Romandie. Mit dem Relaunch sollen diese Zahlen weiter ansteigen. «Wir möchten in den Unternehmen vermehrt als Arbeitsinstrument wahrgenommen werden», sagt Chefredaktor Roth. Besonders für KMU-Führungskräfte, denen die Wirtschaftszeitung L’Agefi zu finanzorientiert sei, könne Le Temps zu einer Navigationshilfe werden.
Daher erlaubt sich die Zeitung im Wirtschaftsressort doch ein paar Schritte in Richtung «proximité». Die Reihenfolge der Berichterstattung lautet neu Schweiz – International – Forum. Die Westschweizer Wirtschaftsszene findet besondere Beachtung. In einer regelmässigen Rubrik stellt Le Temps künftig erfolgreiche Unternehmen der Romandie vor. «Wir wollen proaktiv über die Tätigkeiten lokaler Firmen berichten», erklärt Roth. «So werden wir der heimischen Wirtschaft gerechter, als wenn nur Jahresbilanzen und Krisen im Blatt stattfinden.» Diese Beiträge könnten anderen KMU als Benchmark für ihre eigene Tätigkeit dienen, glaubt er.
Der Wille zu positiven Meldungen spiegelt sich auch im Layout. Die Boxen im Wirtschaftsbund sind künftig himmelblau unterlegt statt in der Farbe von «zerquetschten Erdbeeren», wie sich Roth ausdrückt: «Blau ist die Farbe des Optimismus, dem wir mehr Raum geben wollen.»
Auch in den Bereichen Finanz und Analyse will Le Temps ausbauen. Dazu wurden drei neue Wirtschaftsjournalisten angestellt. Dagegen werden die Börsenkurse auf eine Seite reduziert beziehungsweise ins Internet ausgelagert, wo neu auch Personalisierungsfunktionen geplant sind.
Kein Geld ohne Geist
Den Abschluss der neuen Le Temps macht die Kultur. Hier hat auch Platz, was in Deutschschweizer Zeitungen als «Gesellschaft» oft ein eigenes Ressort besitzt. «Für die Romands ist Gesellschaft eben Kultur», erklärt Jean-Jacques Roth mit einem Schmunzeln. Um den Übergang vom Geld zum Geist im zweiten Bund zu verdeutlichen, wird auch dieses Ressort durch grafische Elemente klar abgesetzt. Lesern, die sich für den Mammon überhaupt nicht interessieren, soll durch die letzte Seite der Einstieg in den Bund erleichtert werden. Wo bisher Wetter und TV-Programm ihren Platz hatten, will Roth künftig mit Trendthemen eine «Gebrauchsanweisung für das Leben» liefern.
Trotz der vielen Neuerungen nimmt der Chefredaktor das Wort Relaunch nur ungern in den Mund. «Wir möchten eigentlich gar nicht von einer ‹nouvelle formule› sprechen», erklärt er. In seinen Augen handelt es sich eher um organische Veränderungen. Die Kontinuität sei ebenso wichtig, die Leser sollten Le Temps nach dem 13. April noch wiedererkennen. Roth ist zuversichtlich, dass dies gelingt: «Ein Redesign ist wie ein kurzer Regenschauer. Ich glaube, in 14 Tagen haben sich alle an das neue Layout gewöhnt.»
Schnell an die neue Le Temps gewöhnen dürfte sich der Werbemarkt. Er erhält zwar einige neue Platzierungsmöglichkeiten (die Marketingleiterin Boagno noch nicht im Detail vorstellen wollte). Die Anzeigentarife bleiben aber gleich wie vor dem Relaunch.
Sinnlichkeit, Tiefe, Wirtschaft: Le Temps setzt beim Relaunch neue und eigenständige Akzente.
Expertenanalyse statt Lokalstoff: Le Temps geht eigene Wege.
Etwas fürs ImageGleichzeitig mit dem Relaunch am 13. April startet Le Temps eine Leserschaftskampagne. Sie werde sich allerdings nicht speziell mit der neuen Formel befassen, sagt Marketingleiterin Valérie Boagno, sondern allgemein für die Zeitung werben. Laut Boagno ist es die erste Imagekampagne für Le Temps seit dem Jahr 2000.
Zum Einsatz kommen Plakate und Anzeigen in Zeitschriften sowie
Direktmarketingmassnahmen. Realisiert wird die Kampagne von der Genfer Werbeagentur TBWA Rive Gauche, die auch schon Dimanche.ch, L’Hebdo und Femina beim Relaunch begleitet hat.
Le Temps nutzt auch die Genfer Buchmesse Salon du livre vom 27. April bis 1. Mai für einen Auftritt. (sm)
Stefano Monachesi
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