Bilanz Tamedia hat den Turnaround geschafft – dank deutlichem Personalabbau.
Tamedia erzielte im Jahr 2004 einen Umsatz von 566,6 Millionen Franken, 7,4 Millionen Franken weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist auf die Verkäufe kleiner Betriebseinheiten (etwa der Kulturzeitschrift Du) zurückzuführen, im Kerngeschäft hingegen hat Tamedia den Umsatz gehalten. Dennoch verzeichnete der Medienkonzern ein positives Betriebsergebnis (EBIT) von 63,1 Millionen Franken, eine ansehnliche Leistung nach dem Minus von 40,7 Millionen Franken im Vorjahr. Möglich wurde dieses Resultat nur dank Restrukturierungen. So baute Tamedia in den letzten zwei Jahren insgesamt rund 25 Prozent seines Personals ab – ein Drittel durch Outsourcing, zwei Drittel durch Entlassungen. Entsprechend konnte der Personalaufwand, der grösste Kostenblock, allein im letzten Jahr um 66 Millionen Franken oder 24,5 Prozent auf 203 Millionen Franken gesenkt werden. Tiefere Papierpreise sowie ein geringerer Papierverbrauch wegen kleinerer Umfänge senkten die Kosten zusätzlich. Das Konzernergebnis, 2003 noch tiefrot bei minus 18 Millionen Franken, stieg auf 50 Millionen Franken.
Neu-alte Philosophie
«Wir haben denselben Umsatz wie 2003 erreicht, aber mit viel weniger Personal», sagte Tamedia-CEO Martin Kall an der Bilanzpressekonferenz. Entsprechend gestiegen ist die Rendite. 2004 habe Tamedia trotz widrigem Umfeld die viertbeste EBIT-Marge der letzten 15 Jahre erreicht, triumphierte Kall. «Wir wollen in der Lage sein, auch ohne konjunkturabhängige Stellenanzeigen eine anständige Rendite zu erzielen», sagte der CEO. Damit greift der Historiker Kall auf eine Erkenntnis aus der Ölkrise von 1973 zurück. Stellenanzeigen seien die Butter auf dem Brot, hiess es schon damals. Kalls Verdienst ist es, dass er diese Erkenntnis nicht erst umsetzen will, sondern schon 2004 umgesetzt hat, wie nebenstehende Grafik zeigt. So gesehen schaffte Tamedia letztes Jahr gar die beste EBIT-Marge der letzten 15 Jahre!
Von den Konzernbereichen weist einzig das Segment Zeitschriften einen rückläufigen Umsatz aus, dies wegen des Verkaufs der Zeitschrift Du sowie der Einstellung von Annabelle Wohnen und Business. Den Turnaround schafften die Zeitschriften gleichwohl, gemäss Kall schneller als erwartet. Ihr Betriebsergebnis (EBIT) stieg von minus 9,6 Millionen auf plus 8,5 Millionen Franken. Die Zeitungen erhöhten den EBIT gar um 1218 Prozent auf 47,3 Millionen Franken. Nach wie vor rot sind die elektronischen Medien (–5,6 Millionen Franken), dies allerdings wegen einer nachträglichen Korrektur für nicht ausgewiesene Umsätze aus Medienpartnerschaften im 2003. Für 2005 erwartet Kall auch für diesen Bereich schwarze Zahlen. Und obwohl TeleZüri spätestens 2006 in die Gewinnzone komme, will Kall nicht auf Anteile aus dem Gebührensplitting verzichten. «Falls es diesen Honigtopf geben wird, wäre es für uns kein Widerspruch, auch jene zu belohnen, die aus eigener Kraft einen Gewinn erwirtschaften», sagt er.
Nach wie vor nicht unter Dach und Fach ist der Kommissionierungsvertrag mit der Publimedia. Tamedia hatte ihn nach dem Zürcher Pressedeal ausserterminlich gekündigt. Die Publimedia habe bisher nicht auf den Tamedia-Vorschlag reagiert, sagte Kall. Anders Publimedia-Generaldirektor Otto Meier. «Wir stehen in gegenseitigem Austausch, der Streitpunkt ist noch die konkrete Ausgestaltung des Bonus für die P», sagt Meier.
NZZ-Gruppe ebenfalls mit besseren ZahlenIm 2004 hat die NZZ-Gruppe ein Unternehmensergebnis von 21,7 Millionen Franken erzielt, mehr als viermal so viel wie im Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis beträgt 16,1 Millionen Franken gegenüber einem Minus von 8,7 Millionen in 2003. Der Umsatz stieg um 18,6 Prozent auf 547 Millionen Franken. Die Trendwende ist allerdings vor allem Änderungen im Konsolidierungskreis zu verdanken: Die Beteiligung am Bund Verlag schied aus, die LZ Medien wurde erstmals einbezogen.
Im NZZ-Ergebnis noch nicht niedergeschlagen hat sich der Zürcher Pressedeal. Interessant jedoch: Die NZZ erhält längerfristig von der Akeret AG, einer 100%-Tochter der PubliGroupe und Herausgeberin des Zürcher Unterländers, mehr Anteile, als bisher kommuniziert wurde. Dies hielt PubliGroupe-CEO Hans-Peter Rohner gegenüber der Werbewoche fest. Wörtlich sagte er: «Die Übertragung von Aktien an der Akeret AG wird so abgewickelt, wie dies bei Bekanntgabe unserer Vereinbarung mit der NZZ im Sommer 2004 angekündigt worden ist: In einem ersten Schritt, der im Verlaufe der nächsten Wochen abgeschlossen wird, werden 40 Prozent der Akeret AG von PubliGroupe an die Freie Presse Holding (FPH) AG übertragen. Die verbleibenden 60 Prozent der Akeret AG werden in einem zweiten Schritt in voraussichtlich zwei bis drei Jahren ebenfalls an die FPH übertragen.» (mk)
Tamedia in Zahlen (in Mio. Fr.)
2003 2004 Veränd. in %
Umsatz 574,0 566,6 – 1,3
Betriebs-
ergebnis –40,7 63,1 –
(EBIT)
Konzern-
ergebnis –17,7 49,8 –
Cashflow 51,9 99,2 + 91,1
Personal-
bestand 1825 1518 – 16,8
Quelle: Tamedia
Markus Knöpfli