Verpackung Packmittel müssen einen guten Produktschutz bieten, aber auch attraktiv sein. Das Spektrum reicht von Aluminium bis Wellkarton.Die einzelnen Unternehmen der Verpackungsbranche stellen Packmittel aus unterschiedlichsten Materialien wie z. B. Glas, Karton, Kunststoff oder Metall her. Die Verpackungen sind dabei auf die Eigenschaften der Produkte zugeschnitten und/oder sollen bestimmte Zielgruppen ansprechen. Aluminium für Medikamente
Zu den weltweit grössten Playern im Bereich Aluminium gehört der Alcan-Konzern. Dessen zwei Werke in Kreuzlingen und Singen (D) sind auf die Herstellung von Pharma- und Lebensmittelverpackungen aus Aluminium spezialisiert.
Gemäss Dr. Erwin Pasbrig, Director Research & Development für den Pharmaverpackungsbereich bei Alcan Pharma Europa, zeichnen sich bei Produkten wichtige Trends ab, die die Entwicklung beeinflussen. Dazu zählen neben Aspekten bezüglich Sicherheit und Fälschungsschutz für Medikamente auch neue Darreichungsformen. Diese Anforderungen benötigen speziell auf die-se Bedürfnisse zugeschnittene Verpackungen. «Transdermale Pflaster sind auf dem Vormarsch. Bei diesen Pflastern ist der Wirkstoff meist in Gelatine gelöst und wird über die Haut in den Körper abgegeben. Auch Pulver, das inhaliert wird, gehört zu den neueren Darreichungsformen», erklärt Pasbrig. In beiden Fällen müssen die Verpackungen höchste Barriereeigenschaften gegen Feuchtigkeit und Sauerstoff aufweisen. So schützt die Verpackung die Pflaster vor Feuchtigkeitsverlust, damit die Wirksamkeit des Medikaments erhalten bleibt. Beim Pulver ist dagegen der Schutz vor Feuchtigkeit von aussen wichtig, damit es nicht klumpt und beim Einatmen bis in die feinen Verästelungen der Lunge vordringen kann.
Glas visualisiert Hochwertigkeit Die Vetropack ist die einzige Firma in der Schweiz, die Verpackungsglas herstellt. Das Unternehmen produziert in ihrem Stammwerk in St-Prex, das im kommenden Jahr für über 30 Millionen Franken erneuert werden soll, vorwiegend Wein- und Bierflaschen. Daneben besitzt die Firma Produktionsstätten in Österreich, in der Tschechischen Republik, der Slowakei sowie in Kroatien.
Gemäss Jürg Mossdorf, Leiter Marketing und Verkauf bei Vetropack, wird Glas oft dort eingesetzt, wo es auf eine gute Präsentation der Produkte ankommt: «Abfüller von beispielsweise Premium-Fruchtsäften und hochwertigen Mineralwassern nutzen Glasflaschen gerne, um die Qualität ihrer Produkte zu verdeutlichen.» Bereiche, in denen Getränkeflaschen aus Glas dominieren, sind Wein und Spirituosen. Und auch bei Biertrinkern stehen Glasflaschen gemäss Mossdorf nach wie vor hoch im Kurs.
Weithalsgläser mit Schraubverschlüssen werden für verschiedene Produkte verwendet – beispielsweise für Lebensmittel, die heiss eingefüllt werden oder die pasteurisiert sind, oder auch für löslichen Kaffee. Auch Babynahrung wird meistens in Gläsern angeboten. Dies unter anderem deshalb, weil die Nahrung darin problemlos sterilisiert werden kann und sich am Verkaufspunkt appetitlich präsentiert. Ein weiterer praktischer Vorteil: Die Babynahrung lässt sich im Wasserbad erhitzen und das Glas dient gleichzeitig als Essgeschirr.
PET ist leicht und trendy1985 brachte die Firma Femit AG (heute Resilux Schweiz AG, Bilten) die erste PET-Getränkeflasche (Polyethylen-Terephthalat) auf den Schweizer Markt. Seitdem haben die leichten, unzerbrechlichen und meist durchsichtigen Kunststoffflaschen vor allem den Bereich der karbonisierten (mit Kohlensäure angereicherten) Softdrinks erobert: Die meisten Limonaden und Mineralwasser werden hier zu Lande inzwischen in PET angeboten.
Den PET-Flaschen-Boom begründet Eduard Suter, Verkaufsleiter der Resilux Schweiz, mit den Entwicklungsfortschritten in Bezug auf die Eigenschaften und Gestaltungsmöglichkeiten des Materials. «Vor 20 Jahren haben wir die erste PET-Getränkeflasche auf den Schweizer Markt gebracht. Inzwischen gibt es bereits junge Erwachsene, die damit gross geworden und für die diese Gebinde selbstverständlich sind. Wir glauben, dass PET-Flaschen sowie deren Neu- und Weiterentwicklungen dank dieser Akzeptanz auch in Zukunft erfolgreich sein werden.»
Folien – dünner und brillanterNoch weniger Materialverbrauch, hohe Qualität sowie noch brillantere Druckergebnisse werden bei Verpackungen und Taschen aus Kunststofffolie erwartet. Da diese Forderungen schon seit Jahren gelten, sind Hersteller und Verarbeiter inzwischen in Bereiche vorgedrungen, die vor kurzem undenkbar waren.
Zu den führenden Verarbeitern und Anbietern von Folienverpa-ckungen und Tragetaschen gehört die PetroplastVinora AG in Andwil. Stephan Walti, Co-CEO des Unternehmens: «Um die Forderungen unserer Kunden erfüllen zu können, ist neben kontinuierlicher Forschung und Entwicklung auch die Investition in hochmoderne Verarbeitungsmaschinen notwendig. Mit den neuartigen Extrudern, die wir in diesem Jahr in Betrieb genommen haben, können wir besonders dünne und hochwertige Folien sowie bis zu siebenschichtige Barrierefolien für erhöhte Anforderungen im Lebensmittel- und Medizinalbereich produzieren.»
Auch in die Drucktechnik hat PetroplastVinora investiert: Im Frühjahr wird in Andwil eine hochmoderne Zehnfarben-Druckmaschine installiert, die in dieser Ausführung vorerst einmalig in Europa ist.
Karton ist immer noch attraktivKartonverpackungen gehören zu den Klassikern im Verpackungsbereich. Sie bieten nicht nur einen guten Produktschutz, sondern lassen sich zudem attraktiv gestalten und sind besonders ökologisch. So verwundert es nicht, dass Papier, Karton und Wellkarton mit einem mengenmässigen Anteil von ca. 40 Prozent den Spitzenplatz bei den Packmaterialien einnehmen.
In der Schweiz wird Karton von der zum Mayr-Melnhof-Konzern gehörenden Firma Karton Deisswil produziert. Zu den Spezialitäten gehört u. a. ein Kugellager-Karton, der so aufgebaut ist, dass Fett zwar in die Oberfläche der Rückseite, aber nicht auf die bedruckte Kartonvorderseite durchdringen kann. Die Entwicklung macht deutlich, dass Karton auch heute noch Innovationspotenzial bietet, mit dem sich der Kreis der Nutzer erweitern lässt. Auf Grund seiner Stabilität und der hohen Schutzwirkung hat die Wellpappe vor allem als Transportverpackung Furore gemacht. 1871 in den USA von Albert L. Jones entwickelt, hat das braune Packmaterial in den letzten Jahren durch modernes und farbenfrohes Design auch die Verkaufsregale erobert. Als Gestaltungselement werden dabei die verschiedenen Wellenstrukturen – sichtbar als «offene Welle» – sowie Druck- und Veredelungstechniken eingesetzt. Zudem wird Wellkarton wegen seiner hohen Stabilität für die Herstellung von Displays verwendet. Innovationen im Bereich der Drucktechnologie – insbesondere Verbesserungen beim Flexodruck – haben dazu beigetragen, dass Wellkarton heute auch als Präsentations- und Verkaufsverpackung bei Premiumprodukten eingesetzt wird.
Gemäss Hansulrich Brauchli, Geschäftsführer der Langenbach AG, die zur Lande-Langenbach-Gruppe gehört, ist der Trend zu immer anspruchsvoller gestalteten Verpackungen ungebrochen. So wird bereits hochwertig bedruckte Wellpappe zusätzlich durch Folienprägungen, Reliefprägungen, Matt- und Hochglanzlackierungen veredelt. MFX-Farben bieten zudem im Offsetdruck interessante Möglichkeiten, weil sich damit beispielsweise schöne Metallic-Verläufe erzielen lassen. Wichtig ist jedoch, dass Drucker und Druckvorstufen-Betrieb frühzeitig in die Gestaltung einbezogen werden. Ein weiterer Trend betrifft die Logistik-Verpackungen, bei denen die Wellpappe schon immer stark vertreten war. «Sie erhalten mehr und mehr die Funktion von Display-Verpackungen», stellt Brauchli fest. Das trifft besonders auf den deutschen Markt zu. So werden bei den grossen Discountern die Produkte in ihren Umverpackungen am Verkaufspunkt präsentiert. Besonderes Augenmerk wird deshalb auf die Gestaltung der Regelkartons gelegt. Oftmals werden diese sogar mit einem Innendruck versehen.
Sonderfall EtikettenInnerhalb der verschiedenen Packmaterialien nehmen die Selbstklebeetiketten eine Sonderstellung ein. So können sie einerseits direkt auf das Produkt, andererseits auf die Verpackung aufgebracht werden und damit Produkt- und Herstellerinformationen kommunizieren. Auf Grund des geringen Materialbedarfs, der vielfältigen Designmöglichkeiten und der hohen Funktionalität bieten Etiketten ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Sie können auf Kunststoffbehälter und Kartonschachteln ebenso angebracht werden wie auf Tuben, Metalldosen und Glasflaschen.
Der Markt für Selbstklebeetiketten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Besonders im Getränkesektor – früher der klassische Bereich für Nassleimetiketten – werden heute zunehmend Selbstklebeetiketten eingesetzt. Die auf die Herstellung von Selbstklebeetiketten und Etikettiertechnologie spezialisierten Schweizer Unternehmen (z. B. Pago AG oder Tesa Bandfix AG) haben in den letzten Jahren im Dekorations-, Promotions- und Funktionsbereich immer wieder neue Produkte entwickelt. So sind mittlerweile Selbstklebeetiketten mit glänzenden und tastbaren Spezialeffekten erhältlich. Im Trend liegen auch samtig weiche bzw. irisierende Etikettenoberflächen. Mehrseitige Etiketten sind zudem eine Alternative zum Beipackzettel und können ausserdem als Promotionsinstrumente aufgespendet bzw. eingesetzt werden (z. B. für Wettbewerbe, Rezepte und Sammelbilder).
Im Promotionsbereich erschliesst die Selbstklebeetikette immer neue Verwendungen. Das betrifft u. a. auch das Zusammenspiel mit neuen Medien, z. B. bei Gewinnspielen. Emanuel Schäpper, Leiter Verkauf und Aussendienst Pago AG, nennt hier die von Pago unter der Bezeichnung Pagomedia XL entwickelte extra lange Selbstklebeetikette, die auf der Front- und der Rückseite mit Informationen bedruckt und für die Integration eines Codierungsfeldes genutzt werden kann. Mittels SMS kann der Code an eine Zielnummer gesendet werden. Der Absender erhält innerhalb von drei Sekunden ein Feedback, ob er zu den Gewinnern gehört. Pago hat zudem in der letzten Zeit erheblich in Sleeve- und Wickeletiketten investiert. Das betrifft Maschinentechnik und Druck-technologie. Ein Potenzial sieht Schäpper zudem für RFID-Etiketten (siehe Beitrag Seite 23), und zwar vor allem für logistische Anwendungen: «Auch in diesen Bereich haben wir investiert, sodass wir RFID-Etiketten heute in beliebiger Grösse selbst herstellen können.»
Glas wird besonders gerne verwendet, wenn das Produkt gut präsentiert
werden soll.
Logistikverpackungen übernehmen mehr und mehr die Funktion von Displays.
Im Kosmetikbereich ist die Faltschachtel ein Muss. Anspruchsvolle Sujets in hoher Druckqualität sind dabei die Regel.
Die besonders leichten PET-Flaschen wurden vor 20 Jahren in der Schweiz eingeführt.
Diese hochtransparenten Tubenetiketten von Tesa Bandfix sind nahezu unsichtbar und sitzen wie eine zweite Haut.
So genannte Flaschenanhänge-Etiketten sind ideale Werbeträger.
Die Schweizer VerpackungsindustrieDie rund 370 Betriebe der Schweizer Verpackungsindustrie beschäftigen derzeit rund 24000 Mitarbeitende. Die Branche erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von ca. 7 Milliarden Schweizer Franken*. Nachfolgend
in alphabetischer Reihenfolge Unternehmen aus den verschiedenen
Bereichen.**
Aluminiumfolien und -verarbeitung
Alcan Packaging Kreuzlingen AG, 8280 Kreuzlingen,
www.alcanpackaging.com
Alupak AG, 3123 Belp,
www.alupak.com
Korff AG, 4538 Oberbipp, www.korff.ch
Glas
Vetropack Holding AG,
8180 Bülach, www.vetropack.ch
PET
Resilux Schweiz AG, 8865 Bilten, www.resilux.ch
Kunststofffolien und -verarbeitung
Elag Verpackungen AG,
3422 Kirchberg, www.elag.ch
Folag AG Folienwerke,
6203 Sempach Station, www.folag.ch
PetroplastVinora AG,
9204 Andwil, www.pev.ch
Wipf AG, 8604 Volketswil, www.wipf.ch
Kartonverarbeiter
Fratelli Roda SA, 6807 Taverne-
Lugano, www.fratelli-roda.ch
K+D AG, 9016 St. Gallen, www.kud.ch
Limmatdruck AG / Zeiler AG, 8957 Spreitenbach, www.limmatdruck.ch
Model PrimePac AG, 9434 Au, www.modelprimepac.com
Regia HighPack AG,
4720 Oensingen, www.regia.ch
Rondo AG, 4123 Alschwil,
www.rondodruck.ch
Wellkartonhersteller u. -verarbeiter
Bourquin SA, 4702 Oensingen, www.bourquinsa.ch
Lande AG, 5102 Rupperswil, www.lande.ch
Model AG, 8570 Weinfelden, www.modelgroup.com
SCA Packaging Switzerland AG, www.scapackaging.ch
Well-Pack AG, 8840 Einsiedeln, www.well-pack.ch
Selbstklebeetiketten
Etimark AG, 9472 Grabs,
www.etimark.ch
Heusser AG, 3073 Gümligen, www.heusserag.ch
Pago AG, 9472 Grabs, www.pago.ch
Permapack AG, 9401 Rorschach, www.permapack.ch
tesa Bandfix AG, 8962 Bergdietikon www.tesa.ch (ij)
*Quelle: SVI Schweizerisches Verpackungsinstitut.
** Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Irene Jung