20 Minuten überrascht mit Redesign

Pendlerzeitung Was an der Bilanzmedienkonferenz von Tamedia vergangene Woche noch als Möglichkeit angetönt wurde, ist jetzt Wirklichkeit: 20 Minuten präsentiert sich seit Montag optisch überarbeitet.

Pendlerzeitung Was an der Bilanzmedienkonferenz von Tamedia vergangene Woche noch als Möglichkeit angetönt wurde, ist jetzt Wirklichkeit: 20 Minuten präsentiert sich seit Montag optisch überarbeitet.Neu ist insbesondere die Typografie, die breiter, fetter und boulevardiger daherkommt. Im Online-Forum auf 20min.ch wurde denn auch kritisiert, dass die Pendlerzeitung offenbar dem Blick angeglichen werden solle.

Die Seele der Unternehmenskultur

Corporate Publishing Interne Kommunikation und Mitarbeitermagazine gewinnen an Bedeutung.

Corporate Publishing Interne Kommunikation und Mitarbeitermagazine gewinnen an Bedeutung. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie. Die vom Forum Corporate Publishing FCP in Auftrag gegebene und von der TNS Emnid durchgeführte Studie hat bei Deutschlands Top-500-Unternehmen den Stellenwert der Mitarbeitermagazine untersucht. An der Befragung nahmen die Verantwortlichen für die interne Kommunikation teil. Das Resultat der Studie ist in einem Booklet zusammengefasst, das Mitte April vom FCP herausgegeben wird.
Aus den Resultaten geht hervor, dass den Mitarbeitermagazinen eine hohe Kompetenz beim Erreichen wichtiger Kommunikationsziele zugestanden wird. Sie sind wie kein anderes Medium geeignet, Umstrukturierungen oder strategische Neuausrichtungen kompetent und verständlich zu vermitteln. Dies ist in einer Zeit des «Change Managements» oder des «Internal Brandings» enorm wichtig. Für Ulrich Nies, Leiter Information Coordination der BASF AG in Ludwigshafen, ist es wichtig, die Mitarbeitenden mit professioneller Kommunikation zu ermutigen, ihr Leistungspotenzial und ihre Kreativität für den Unternehmenserfolg einzusetzen. Für die befragten Kommunikationsfachleute besteht kein Zweifel, dass Mitarbeitermagazine die interne Kultur prägen und weiterentwickeln. Mitarbeitermagazine sind «die wahre Seele des Unternehmens», wird in der Präsentation der Studienresultate festgehalten.
Gestiegene QualitätsansprücheSo wie sich die publizistische Qualität bei Kundenpublikationen in den letzten Jahren durchgesetzt hat, erkennt nun eine wachsende Zahl an Unternehmen die Notwendigkeit, die Mitarbeiterkommunikation auf ein inhaltlich höheres Niveau zu heben: «Inhouse Communication ist zunehmend Sache von Kommunikationsprofis und nicht mehr von Betriebsräten, Personalabteilungen oder Fachbereichen», stellt FCP-Geschäftsführer Michael Höflich fest. Mitarbeitermagazine sind längst nicht mehr mediale Gefässe für nette Berichte über Betriebsanlässe oder für moraltriefende PR-Aufsätze der Unternehmensleitung, sondern übernehmen eine führende Rolle in der strategischen Unternehmenskommunikation. Diese Funktion kann aber nur mit professionell aufbereiteten Kommunikationsmitteln erfüllt werden, welche die Mitarbeitenden umfassend und ehrlich über Strategien und aktuelle Entwicklungen informieren und ihnen ermöglichen, Werte, Ziele und Ideen mit dem Unternehmen zu teilen.
Die Studienresultate sind eher als Absichtserklärung oder Wunschgedanken der Kommunikationsverantwortlichen denn als Status quo zu werten. Nach wie vor wird bei Budgetkürzungen der Rotstift vorschnell im Bereich der internen Kommunikation, insbesondere bei den Mitarbeitermagazinen, angesetzt. Auf manchen Teppichetagen gilt immer noch die Auffassung, für die Information der Mitarbeitenden sei das Intranet völlig ausreichend, viel schneller und vor allem bedeutend günstiger. Dem entgegnet Viviane Laissue, Leiterin Interne Kommunikation der Swisscom: «Der Wert von Mitarbeitermagazinen wird immer wieder unterschätzt. Eine Zeitschrift in der Hand zu haben, die mich über meinen Arbeitgeber kritisch, hintergründig und spannend informiert, kann durch keinen E-Mail-Versand oder Aushang wettgemacht werden.»
Daniel Steim ist Mitglied der Geschäftsleitung der CP-Agentur Medianovis AG.
Daniel Steim

Buchstaben inszenieren

Typografie nahm bei Gutenberg ihren Anfang, dank dem Computer sind ihr heute kaum Grenzen gesetzt – täglich entstehen neue Schriften.

Typografie nahm bei Gutenberg ihren Anfang, dank dem Computer sind ihr heute kaum Grenzen gesetzt – täglich entstehen neue Schriften.«Typografie ist die Inszenierung einer Mitteilung in der Fläche.» Das ist wohl die kürzeste Definition. Entscheidend für den typografischen Erfolg kann also nur die Art und Weise sein, wie die Mitteilung inszeniert wird. Es gibt auch in der Typografie alle möglichen Inszenierungen, z. B. gute und schlechte, exzessive und biedere, laute und leise. Also ist ein Typograf gewissermassen ein Buchstaben-Regisseur – und Typografie die Kunst, Buchstaben zu inszenieren.Schön der Reihe nach!
Typografie gibt es erst seit dem Tag, an dem Johannes Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfand. Davor war alles, was mit Schrift zu tun hatte, Kalligrafie. Weil Gutenberg der erste Drucker war, musste er, was er zur Ausübung seines Handwerks benötigte, selbst herstellen – auch seine Buchstaben. Er konnte nicht einfach in einen Laden gehen und eine Kiste Blei- oder Holzlettern bestellen. Demnach war Gutenberg der erste echte Schriftentwerfer.
Schnell wurden überall in Europa Druckereien eingerichtet. Jeder Herzog, der etwas auf sich hielt, wollte seine eigene Druckerei haben. Einer der grössten Arbeitgeber war der Vatikan, der in über hundert Sprachen drucken liess. All diese Drucker mussten ihre eigenen Schriften herstellen. Die Schrift wurde zum Markenartikel einer Druckerei. Wer die schönste Schrift besass, der hatte die meisten Aufträge. Am Anfang druckten alle Frakturschriften, man versuchte einfach, die schönen kalligrafischen Formen in bewegliche Lettern umzusetzen.
Die absolute Gestaltungsfreiheit
Erst nach und nach fand man eine eigene Formensprache. Die Italiener hatten da einen Vorteil, war bei ihnen doch die römische Capitalis Teil des täglichen Lebens. Da wundert es nicht, dass selbst der Franzose Nicolas Jenson schon kurz nach Erfindung des Buchdrucks in Venedig (1470 bis 1480) anfing, seine Frakturbuchstaben mit runden Formen (Rotunda) auszugestalten. Heute ist Jenson jedoch hauptsächlich für seine Roman bekannt, die Rotunda ist fast vergessen.
Die Namen heutiger Schriftklassiker wie z. B. Garamond oder Bodoni sind alle die Familiennamen berühmter Drucker vergangener Jahrhunderte.
Irgendwann verselbstständigte sich die Kunst des Buchstabenschneidens und wurde ein eigener Beruf. Vielleicht war es so, dass ein Drucker einen Mitarbeiter hatte, der viel schönere Buchstaben schneiden konnte als er selbst. Der musste dann nur noch Buchstaben schneiden, was damals richtige Knochenarbeit war – und bestimmt kein Privileg. Schon war der neue Beruf erfunden.
Erst zu Zeiten der industriellen Revolution entstanden die ersten Schriftenverlage, die Schrift als Ware anboten. Die angestellten Entwerfer blieben in der Regel namenlos. Anfang des 20. Jahrhunderts machten sich dann einige Entwerfer mit ihren eigenen Schriftgiessereien selbstständig, z. B. Deberny & Peignot in Frankreich.
Die rasante Entwicklung vom Bleisatz über den Fotosatz zum computergesteuerten Schriftsatz bis hin zu den Möglichkeiten, die heute jeder PC bietet, hat der Typografie und den Schriftentwerfern schliesslich die absolute Gestaltungsfreiheit beschert. Jeder, der meint, er könne es, kann heutzutage seine eigene «digitale Schriftgiesserei» eröffnen. Das tun auch viele. Noch nie wurden so viele neue Schriften entworfen (und alte kopiert) wie heute. Beim grössten Internetschriftenverkäufer myfonts.com erscheinen täglich ca. sechs neue Schriften, das sind bei 200 Arbeitstagen 1200 neue Schriften im Jahr. Wenn man davon ausgeht, dass 80 Prozent davon Kopien existierender Schriften sind, weitere 10 Prozent zu dilettantisch ausgeführt sind, als dass sie Bestand haben könnten, dann bleiben immer noch 120 echte neue Schriften pro Jahr übrig. Wobei der Trend hier übrigens eindeutig zum Script geht (siehe Kasten).
Wer benötigt neue Schriften?
Bei der täglichen Arbeit als grafischer Gestalter stellt sich immer aufs Neue die Frage, welche Schrift passt zu diesem Auftrag beziehungsweise Kunden.
Nehmen wir z. B. an, eine Bank sei der Kunde. Banken wollen immer zurückhaltend auftreten und damit Vertrauen erwecken. Sie möchten möglichst vermeiden, dass ihre Kunden bemerken, dass es eigentlich «nur» ums Geld geht. Also benötigt die Bank eine Schrift, die so wenig eigene Persönlichkeit hat wie möglich. Die Schrift der Wahl ist die Helvetica, die ehemals eigens zu diesem Zweck entwickelt wurde. Dummerweise verwenden aber bereits die meisten Banken eben diese Helvetica als Hausschrift.
Die entscheidenden Damen und Herren des fiktiven Kunden hätten zwar schon gerne die Helvetica – aber doch vielleicht mit ein bisschen mehr Eigenständigkeit … Und schon ist Bedarf für eine neue Schrift entstanden. Aus eben diesem Grund wurde in den letzten 15 Jahren eine Vielzahl Groteskschriften entworfen. Banken woll(t)en sich von ihren Mitbewerbern abheben, ohne sich wirklich zu unterscheiden. Es entstanden jede Menge Variationen der Helvetica mit so fantasievollen Namen wie z. B. Swiss. Es wurden aber auch neue Klassiker geboren wie die Meta und die Thesis. Die haben sich jedoch in kürzester Zeit so unter Bankkunden verbreitet, dass sie ebenfalls bereits starke Abnutzungserscheinungen zeigen. Und – schon ist der Bedarf für eine neue Generation von «Banken-Schriften» entstanden. Wenn wir nun «Bank» mit Institution gleichsetzen, dann ist schnell augenfällig, wie gross die Verbreitung einer solchen Schrift wirklich ist.
Dieser Mechanismus des ewig neuen Bedarfs durchläuft in anderen Branchen eine parallele Entwicklung. So war es im Verlagswesen die Times, die buchstäblich von jedem Verlag benutzt wurde. Um sich abzuheben, setzten dann einige Verleger die Schrift Sabon ein, nur um ein paar Jahre später wieder von der Masse eingeholt zu werden. Als nächste Reaktion hat jemand die schöne Joanna von Eric Gill ausgegraben, die nun ebenfalls dieses Schicksal erleidet.
Hauptsächlich aus diesem Grund – nämlich für einen speziellen Zweck oder Auftraggeber – benötigen wir immer wieder neue Schriften. Ein weiterer Grund ist der, dass jemand eine Idee für eine neue Schrift hat oder es dieser Person Spass macht, eine neue Schrift zu entwerfen.
Über den AutorGert Wiescher wurde während seiner Jugendfreundschaft mit Erik Spiekermann vom Typografie-Bazillus angesteckt. Wiescher hat über 200 Schriften entworfen und mehrere Bücher über Typografie geschrieben. Nach Arbeitsaufenthalten in Paris, Barcelona und Johannesburg lebt und arbeitet er seit 30 Jahren als freier Grafiker und Schriftentwerfer in München.
Seit einem Jahr konzentriert er sich ausschliesslich auf Schriftentwicklung und vermarktet seine Schriften selbst. Sie sind bei allen grossen Internethändlern zu erwerben. Das aktuellste Angebot ist immer unter www.myfonts.com/foundry/wiescherdesign oder auf seiner eigenen Website www.wiescher-design.de zu finden. Seine neuste Schrift, ein Script mit drei untereinander kombinierbaren Schnitten, hat er zu Ehren der Witwe Bodonis Donna Bodoni genannt.
Gert Wiescher

Geri Aebi Kommunikator des Monats

Für die IWC-Abschiedsanzeige hat der Verband Schweizer Werbung (SW) Wirz-Agenturchef Geri Aebi zum Kommunikator des Monats ernannt.

Für die IWC-Abschiedsanzeige hat der Verband Schweizer Werbung (SW) Wirz-Agenturchef Geri Aebi zum Kommunikator des Monats ernannt.Nachdem Wirz Werbung das Budget der Schweizer Uhrenmarke an die Hamburger Jung von Matt/Alster abgeben musste, zeigte die Agentur noch einmal auf einer ganzen NZZ-Seite 49 Sujets ihrer Kampagne. Mit Charme und Esprit habe Wirz sich selbst und auch IWC so gratis und franko reichlich PR verschafft.

Apple jetzt auch für Hacker interessant

Sicherheit Bislang waren Hackerangriffe auf Apple-Rechner eine Ausnahme.

Sicherheit Bislang waren Hackerangriffe auf Apple-Rechner eine Ausnahme.Gemäss Symantec hat sich dieser Sachverhalt aber geändert, da das Mac OS X immer mehr zum Ziel für Malware (Oberbegriff für Viren, Trojaner und Würmer) geworden ist, die bisher von Microsoft und anderen Unix-Systemen angezogen wurde. Apple sei gemäss Symantec bisher für Hacker einfach nicht interessant genug gewesen. www.symantec.com

Das NZZ-Folio ist Spitze

Leserforschung Leader lieben die SonntagsZeitung ein klein wenig mehr als das NZZ-Folio, Top- Leader ziehen aber das Folio vor.

Leserforschung Leader lieben die SonntagsZeitung ein klein wenig mehr als das NZZ-Folio, Top- Leader ziehen aber das Folio vor.Die MA Leader 2005, die nun zum dritten Mal mit dem LpA-Wert erscheint, wurde mittels Interviews (2307 in der Deutschschweiz, 1104 in der Westschweiz) zwischen dem 27. September und dem 19. Dezember 2004 erhoben. Die Grundgesamtheit aller Menschen, die als Entscheidungsträger in Firmen und Behörden den Wemf-Definitionen (siehe Kasten) entsprechen, beträgt neu 218000 Personen. Das sind 13000 weniger als 2003, was zeigt, dass die Entlassungen der letzten Jahre auch auf den Chefetagen ihre Spuren hinterlassen haben – jedenfalls in der Deutschschweiz (siehe Grafik).Die Leader-Reduktion in der Deutschschweiz ist durchaus von Bedeutung, denn dadurch ergaben sich bei einigen Titeln auch dann prozentuale Reichweitengewinne, wenn sie – in absoluten Zahlen – keinen Zuwachs ausweisen. So kommt es, dass der eine oder andere Titel seine Reichweite sogar dann noch steigern konnte, wenn er unter den Leadern Leser verlor. Ein Beispiel unter mehreren ist die bei Leadern nach wie vor äusserst beliebte SonntagsZeitung (SoZ). Ihr Verlust von 5000 auf neu 78000 Leader ist signifikant, dennoch vermochte sie die Reichweite von 45,9 auf 47 Prozent zu steigern. Solche reziproken Reichweitensteigerungen sind nicht selten, die prozentuale Veränderung bleibt aber durchwegs innerhalb des statistischen Vertrauensbereichs.
Top-Leader lieben NZZ-Folio
Doch zurück zum Sonntagsblatt aus dem Hause Tamedia: Sein Leader-Verlust macht einen Titel aus dem NZZ-Verlag zum heimlichen Gewinner: das NZZ-Folio. Es war schon bisher bei den Leadern die Nummer 2, der Abstand zur SoZ betrug 2003 aber noch 7000 Leser. Doch weil sich nun das Folio mit 1000 Leadern um signifikante
4,6 Prozent steigern konnte und gleichzeitig die SoZ Leader verlor, schrumpfte der SoZ-Reichweitenvorsprung von 3,9 auf marginale 0,4 Prozent. Kommt dazu, dass das NZZ-Folio bei den Top-Leadern schon immer die Nase vorn hatte, was sich nun noch weiter akzen-
tuierte. Mit einer Reichweite von 53,8 Prozent ist der Monatstitel von der Falkenstrasse in der exquisiten Zielgruppe einsame Spitze, mittlerweile ganze 4,8 Prozent vor der SoZ.
Das Beispiel SoZ und NZZ-Folio zeigt zudem, dass die meisten signifikanten Veränderungen entweder im Prozentbereich oder bei der Projektion stattfinden, selten bei beiden gleichzeitig. Eine doppelte Signifikanz weisen bloss die Berner Zeitung (BZ), Das Magazin, Facts und in der Westschweiz das PME-Magazine und L’Hebdo aus. Überall ausser bei Facts handelt es sich um Reichweitengewinne. Den grössten Zuwachs von 4000 Leadern (+4,1 Prozent) verzeichnet die BZ, dies primär durch die Integration des Bund, der nicht mehr separat ausgewiesen wird. Das mag zwar trotz Doppellesern als relativ geringer Gewinn erscheinen, doch er wird nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass die BZ den Bund schon 2003 sowohl bei den Leadern als auch bei den Top- Leadern überholt hatte. Bei den Top-Leadern steigerte sich die BZ denn auch «nur» um 3000 Personen, gleich stark übrigens wie Das Magazin. Prozentual den grössten Zuwachs aller ausgewiesenen Titel verzeichnete aber das PME-Magazine, das bei Leadern und Top-Leadern je 5,2 Prozent zulegen konnte. L’Hebdo gewann immerhin 2000 Leader (+4,2 Prozent) und 1000 Top-Leader hinzu.
Facts und Cash verloren
Facts hingegen ist jener Titel mit den grössten Verlusten, hat es doch 9000 Leader (-2,3 Prozent) und 2000 Top-Leader (-2,7 Prozent) weniger in seiner Leserschaft. Ein schwacher Trost: Auch Cash verlor 8000 Leader (-1,9 Prozent), aber nur 1000 Top-Leader, gefolgt von der Bilanz, die 7000 Leader (-0,3 Prozent) und 2000 Top-Leader einbüsste. Wie sich beim Wirtschaftsmagazin aus dem Hause Jean Frey Relaunch und Rhythmuswechsel auswirken, wird sich erst in zwei Jahren weisen. Stabil geblieben sind dagegen die HandelsZeitung, die Finanz und Wirtschaft, Stocks und die Weltwoche.
Tagi hat Boden gutgemacht
Interessant ist ferner, dass NZZ und Tagi bei den Leadern exakt gleich beliebt sind, bisher war der Tagi der NZZ immer leicht voraus. Bei den Top-Leadern hingegen ist zwar die NZZ weiterhin beliebter, der Tagi hat aber signifikant Boden gutgemacht und den deutlichen Abstand etwas verkleinert.
Was sich bei den beiden Tageszeitungen zeigt, spiegelt sich auch bei deren Wochenend-Kombis mit dem jeweiligen Sonntagsblatt aus demselben Mutterhaus wider. Das NZZ Executive Weekend ist bei den Top-Leadern fast gleich stark wie das Fullhouse von Tamedia. Und bei den Leadern hat zwar das Fullhouse die Nase noch immer deutlich vorn, doch der Vorsprung hat sich verringert.
Erstmals bei der MA Leader dabei ist die Mittelland Zeitung, die in
beiden Zielgruppen auf knapp 15 Prozent Reichweite kommt und
damit unter den sieben ausgewiesenen Deutschschweizer Tageszeitungen immerhin den dritten Platz belegt. Neu dabei ist auch das KMU-Magazin, das ebenfalls je rund 15 Prozent von den Leadern und Top-Leadern erreicht, 4000 Leader und 2000 Top-Leader mehr als Konkurrent KMU-Manager.
Für die MA Leader 2005 wurden 2307 Interviews in der Deutsch- und 1104 in der Westschweiz geführt.
In der Deutschschweiz ist eine Reduktion der Leader feststellbar.
Interessant, wer nicht (mehr) dabei istNicht von der MA Leader erheben liessen sich Brückenbauer und CoopZeitung, die beiden grössten Schweizer Titel. Auch 20 Minuten, die
grösste Tageszeitung, ist nicht mit von der Partie. Was jedoch noch mehr erstaunt, ist die Abwesenheit des SonntagsBlick, der bis 2003 noch mitmachte. Eigentlich wäre seine Teilnahme logisch, denn Leader sind oft auch Promis, die im SoBli (und im Blick) häufig vorkommen. Eine Begründung für den SoBli-Rückzug war aber nicht erhältlich.
Auch die Boulevardtitel der Westschweiz sucht man neuerdings ver-
geblich bei der MA Leader. Edipresse hat die Studie sowohl für Le Matin Semaine als auch Le Matin Dimanche gestrichen, ferner auch für 24 Heures und Tribune de Genève. Marcel Siegenthaler, bei Edipresse zuständig für den Werbemarkt, begründet dies primär mit den geringen Fallzahlen in der Romandie. «Mit diesen Daten kann man deshalb nicht in die Tiefe gehen», sagt er. Das, was er benötige, könne er auch der Mach Basic und der Mach Consumer entnehmen. Dass Edipresse aber Bilan bei der MA Leader beliess, dafür macht Siegenthaler primär Imagegründe geltend.
Was ebenfalls auffällt: Sämtliche Frauentitel glänzen durch Abwesenheit, ebenso Programmzeitschriften. Schliesslich sind das TCS-Blatt
Touring sowie sämtliche Autotitel der MA Leader ferngeblieben. Als ob
Leader zu Fuss gehen würden. (mk)
Markus Knöpfli

Per Drehung vom Hoch- ins Querformat

Monitore Der FlexScan L997 von Eizo ist der erste 21 Zoll grosse 2-Megapixel-Monitor mit automatischer Bildumstellung auf den Porträtmodus, bei Drehung des Bildschirmes um 90°.

Monitore Der FlexScan L997 von Eizo ist der erste 21 Zoll grosse 2-Megapixel-Monitor mit automatischer Bildumstellung auf den Porträtmodus, bei Drehung des Bildschirmes um 90°.Diese Funktion wird von allen gängigen Betriebssystemen wie Windows 2000 und XP sowie Macintosh OS 9 und X unterstützt. Weitere Highlights sind die Bild-in-Bild-Funktion sowie der grosse Farbraum, der die Wiedergabe von feinsten Farbverläufen und Grauabstufungen auch in dunklen Tonwerten ermöglicht. Mit seiner sichtbaren Bilddiagonale von 21,3 Zoll und der grossen Auflösung von 1600 x 1200 können auf dem FlexScan L997 problemlos zwei A4-Seiten nebeneinander dargestellt werden. www.excom.ch

Visionärer Aprilscherz

Presse Christoph Mörgeli, Zürcher SVP-Nationalrat und Titularprofessor der Uni Zürich, hat ein neues Buch geschrieben – herausgegeben hat es ausgerechnet der Buchverlag der WOZ.

Presse Christoph Mörgeli, Zürcher SVP-Nationalrat und Titularprofessor der Uni Zürich, hat ein neues Buch geschrieben – herausgegeben hat es ausgerechnet der Buchverlag der WOZ.Ganzseitig wurde das Werk in der WOZ beworben, wo auch der Hinweis auf die Lesung und Signierstunde stand: 1.4.05, 10 Uhr, Rote Fabrik Zürich. Den Aprilscherz, der aus lauter leeren Seiten bestand, haben sich die Kreativen der Agentur Spillmann Felser Leo Burnett einfallen lassen.

Pendlerzug fährt in St. Gallen bald ab

Gratiszeitungen SBB lancierte Submission für rund hundert Zeitungsboxen in der Ostschweiz.

Gratiszeitungen SBB lancierte Submission für rund hundert Zeitungsboxen in der Ostschweiz.
An der Bilanzpressekonferenz vom 30. März tat Tamedia-CEO Martin Kall so, als könnte er irgendwann im zweiten Quartal entscheiden, ob 20 Minuten vielleicht im Herbst in St. Gallen starten will. Was Kall aber schon damals wusste: Tamedia hat bloss bis Ende April Zeit, jedenfalls dann, wenn 20 Minuten wie in Zürich, Bern, Basel und Luzern an den SBB-Bahnhöfen präsent sein soll. Denn das ist der Termin, den die SBB in ihrem «Einladungsverfahren» für 70 bis 100 Boxenstandorte in der Ostschweiz festgelegt haben. Und die entsprechenden Unterlagen haben sie schon vor Ostern an 20 Minuten und die St. Galler Tagblatt AG verschickt. Dies wird von den drei Seiten auch bestätigt.Beat-Gaudenz Schwarz, bei SBB-Immobilien zuständig für die Ausschreibung, zeigt auf Anfrage deren Eckpunkte auch auf: Die SBB erwarten ein Gratisblatt, das fünfmal wöchentlich und vorzugsweise im Tabloidformat erscheint. Es sollte geheftet sein und rund
50 Prozent redaktionellen Inhalt umfassen. Werbebeilagen sind tabu. Doch egal, wer am Ende den Zuschlag erhält, Schwarz weiss aus den Anfängen in Zürich: «Wenn 20 Minuten kommen will, dann kommt es sowieso.»
«Die SBB haben uns noch nie von einem Start abgehalten», lacht Rolf Bollmann, Geschäftsführer von 20 Minuten. Er fügt aber an, dass «die Partnerschaft mit den SBB sehr gut» sei. Auch wisse er noch nicht, ob der Verwaltungsrat – Kall, Zeitungsschef Jürg Brauchli und CFO Christoph Tonini – für eine Ausgabe Ostschweiz grünes Licht geben werde. Er habe aber noch nicht einmal einen Sitzungstermin, um sein Projekt zu präsentieren. Bei der Auflage geht er – wie in der Zentralschweiz – von etwa 40000 Exemplaren aus.
Auch bei der St. Galler Tagblatt AG (SGT) brütet man über der SBB-Ausschreibung. «Wir sind noch in der Klärungsphase», sagt SGT-Verlagsleiter Daniel Ehrat. In Frage käme allenfalls eine Eingabe für das bestehende Gratisblatt Anzeiger St. Gallen, das zwar im Tabloid-Format erscheint, aber nur einmal wöchentlich. Dass Letzteres ein Hindernis darstellen könnte, ist sich Ehrat bewusst, er werde darum mit den SBB das Gespräch suchen. «Die SBB-Definition von Pendlerzeitung ist zu sehr auf 20 Minuten zugeschnitten», kritisiert er. «Warum kann nicht auch eine Wochenzeitung denselben Zweck erfüllen», fragt er.
Markus Knöpfli

Hinter dem Alltag

Halbleiter Catsky & Partner zeigt unsichtbare Innovationen von Unaxis.

Halbleiter Catsky & Partner zeigt unsichtbare Innovationen von Unaxis.Das US-Marketing in Florida war via Videokonferenz live dabei. Im liechtensteinischen Balzers sass ein grosses Gremium von Unaxis Wafer Processing und hörte sich die Ideen von Catsky & Partner für eine neue Imagekampagne an. Präsentiert wurde auf Englisch. «Danach hatte ich ein schlechtes Gefühl», gesteht Agenturchef Claude Catsky. Zu Unrecht: Gerade den Amerikanern gefiel der kreative visuelle Approach, der in der Fachwerbung der IT-Branche nicht allzu häufig anzutreffen ist. Die Aufgabe war, Unaxis als führenden Anbieter von Anlagen für Beschichtungs- und Ätzprozesse in der Halbleiterfertigung zu positionieren. Ein kompliziertes Thema ohne Sexappeal, das Catsky & Partner clever angeht: «Wir verdeutlichen mit zwei fast kongruenten Bildern, dass hinter so mancher technischen Neuheit in unserem Alltag eine Innovation von Unaxis steht», erläutert Claude Catsky. Die einfache visuelle Botschaft wird für die Fachleute in der Anzeigencopy vertieft. Die Texte entstanden unter intensiver Mitarbeit der Marketingabteilung in Florida. «Das ging x-mal hin und her, wir haben fast um jedes einzelne Wort gefeilscht», erinnert sich Catsky.
Entstanden sind zwei doppelseitige Sujets, die seit Anfang März in der internationalen Fachpresse in Europa, dann vor allem auch in den USA und in Asien zum Einsatz kommen. Die Imageinserate werden jeweils durch eine von fünf Produktanzeigen verstärkt, die einige Seiten weiter hinten platziert ist. Auch sie stammen von Catsky & Partner.
Dass eine Schweizer (Klein-)- Agentur eine internationale Kampagne realisieren darf, kommt immer noch selten vor. Catsky & Partner errang das Mandat in einer zweistufigen Konkurrenzpräsentation, die sich über mehr als zwei Monate hinzog. Die Mitbewerber sind nicht bekannt.
Die Einladung zum Pitch hat sich Catsky & Partner mit einigen lokalen Massnahmen verdient, die sie zuvor für Unaxis realisiert hatte, zum Beispiel eine Rekrutierungskampagne für Hochschulabsolventen. Die Grundidee der Anzeigen für Unaxis Wafer Processing war bereits früher als Vorschlag für eine Corporate-Image-Kampagne entstanden und hat nun ihren passenden Platz gefunden.
Ins Bild gesetzt: Hinter mancher technischen Neuheit im Alltag steckt Wafer-Technologie von Unaxis.

TNT für Frankreichs TV-Markt

Digital-TV Die Zahl der frei empfangbaren Fernsehsender hat sich auf einen Schlag verdreifacht. Der Werbekuchen geht wohl bedeutend weniger schnell auf.

Digital-TV Die Zahl der frei empfangbaren Fernsehsender hat sich auf einen Schlag verdreifacht. Der Werbekuchen geht wohl bedeutend weniger schnell auf.Auch eine Art von Revolution: «La Grande Nation» hat die televisuelle Steinzeit überwunden und verfügt ab sofort über mehr als eine Hand voll TV-Sender. Die «télévision numérique terrestre» (TNT) bringt seit vergangener Woche auch ohne Kabel oder Satellit digitale Fernsehqualität in die französischen Stuben. Der Kauf eines Decoders ab 79 Euro und der Anschluss an eine Hausantenne genügen.Aber wird sich das TV-Publikum auch darauf stürzen, um neue, zum Teil noch völlig unbekannte Kleinsender konsumieren zu können? Der französische Durchschnittsfernseher folgte bisher eher dem Herdentrieb als einem Hang zum Individualismus und dürfte, so schätzen die meisten Experten, den bisherigen «chaînes généralistes» eher treu bleiben. Vielleicht noch treuer als zum Beispiel die Engländer, die ihre angestammten Sender nach der Einführung von TNT noch zu 82 Prozent schauen.
Ideologische Schlammschlacht
Die grossen Fernsehsender rechnen natürlich mit einem gewissen Verlust an Marktanteilen und Werbeeinnahmen, verfallen aber keineswegs in Panik. Patrick Le Lay, Präsident des Schwergewichts TF 1, hatte zwar alles drangesetzt, die Einführung von TNT zu verhindern. Dabei spielte aber nicht nur die Angst vor der neuen Konkurrenz mit; die Privatkette verdächtigte die Linksregie-
rung von 1999 nicht ganz zu Unrecht, das Digitalfernsehen TNT sei in erster Linie ein Werkzeug gegen die Vorherrschaft von TF 1. Le Lay bezeichnete das TNT-Projekt deshalb sogar als «marxistisch». Nun ebnete ausgerechnet der bürgerliche Premierminister Jean-Pierre Raffarin dem terrestrischen Digital-TV auf Druck der Staatssender – und mit Duldung von Staatschef Jacques Chirac – endgültig den Weg.
Kein Wunder, schwingt sich Le Lay jetzt selbst auf den Zug, den er nicht stoppen konnte, und macht gleich bei mehreren Kleinsendern mit. Negative Folgen für TF 1 befürchtet er gegen aussen plötzlich nicht mehr. Hingegen sagt er einen noch härteren Wettbewerb und die Betonung des «Ereignis-Fernsehens» voraus. Damit meint er etwa das aktuelle Blockbuster-Format «Première Compagnie», bei der Prominente in einer tropischen Militärkaserne zum Beispiel lernen, wie man durch den Dreck kriecht und – noch schwieriger – auf den eigenen Mund sitzt.
Angesichts der gewaltigen Mit-
tel, die Sender wie TF 1 oder France 2 tagtäglich in die Schlacht um Einschaltquoten werfen, werden es die TNT-Junioren schwer haben. Ihre Zukunftsaussichten gelten denn auch als unsicher. So schätzt die Vertriebsgesellschaft TDF, dass 2010 erst etwa 5 Millionen Haushalte mit einem Decoder ausgerüstet sein werden; die Medienberatung NPA geht von 6,5 bis 8,5 Millionen verkauften Geräten aus. Bei knapp 25 Millionen Haushalten in Frankreich sind das nicht gerade überwältigende Voraussetzungen.
Über die künftigen Marktanteile der bisherigen und der neuen Sender gehen die Meinungen weit auseinander. Die Mediaagentur Carat Expert etwa kommt in einer ausführlichen TNT-Studie zum Schluss, dass die Zuschauerquote von TF 1 von derzeit 31,8 auf etwa 26 Prozent zurückgehen könnte; jene von M6 soll von 12,5 Prozent auf ungefähr 10 Prozent sinken. Demgegenüber räumt Carat den «Neuen» bei TNT zusammen langfristig eine Quote von einem Viertel bis einem Drittel ein.
Die Börsengesellschaft SG Securities hält das für stark übertrieben. Sie ist überzeugt, dass die neuen TNT-Sender wie in Italien nur einen «mikroskopischen Marktanteil» ergattern können. «Wer mit einer Zuschauerquote von weniger als einem Prozent Werbung akquirieren will, begibt sich auf eine ‹Mission impossible›», meint Arnaud Frérault von SG Securities. Dies erklärt zum Teil, warum Werbespots zumindest bei den TNT-Novizen in der Anfangsphase nur zwischen 10 und 300 Euros kosten.
Kommerzielle Spätzünder
Eine grosse Rolle spielt in Frankreich auch die so genannte «Platzhirsch-Prämie». TF 1 und M6, die zusammen auf eine Quote von rund 44 Prozent kommen, vereinen wegen des Leaderbonus einen Werbeanteil von nicht weniger als 77 Prozent auf sich. Daran können Mini-Sender mit Mini-Budgets höchstens knabbern. Überdies dürfte der Werbeausfall für TF 1, France 2 oder M6 durch die bevorstehende Öffnung des französischen Fernsehens für Supermarkt-Werbung weit gehend kompensiert werden. Diese ist derzeit noch untersagt; ab 2007 aber dürfen auch Detailhändler wie Carrefour oder Champion TV-Spots schalten.
Carat geht davon aus, dass die Werbesekunde dann um durchschnittlich 7 Prozent teurer wird. Das Gesamtvolumen, so schätzt die Pariser Agentur, könnte damit um bis zu 500 Millionen Euro zunehmen. TF 1 dürfte mit 200 Millionen den Löwenanteil einheimsen. Bis in zehn Jahren sollen die französischen TV-Werbeausgaben ohnehin von heute knapp
6 auf über 9 Milliarden Euro steigen.
Die TNT-Junioren werden sich aber fürs Erste gedulden müssen. Der bretonische Finanzinvestor Vincent Bolloré räumt ein, dass er mit seinem Sender Direct 8 frühestens 2012 schwarze Zahlen schreiben wird. Und auch Didier Beauclair von der «union des annonceurs» prophezeit: «Die Werber warten erst mal ab, bis die ersten Resultate da sind.» Anders gesagt: Kommerziell wird die Bombe TNT wohl eher ein Spätzünder.
Die neuen Fernsehsender werden auch Blockbuster-Formate wie «Première Compagnie» konkurrenzieren.
Télévision à la françaiseDie Franzosen lieben die Freiheit,
begnügen sich im Normalfall aber mit fünf frei zugänglichen Programmen (sechs, wenn man den Pay-TV-Sender Canal Plus hinzuzählt). Wer nun meint, die Kulturnation des Savoir-Vivre sässe eben nicht so viel im Pantoffelkino, täuscht sich: Mit 3 Stunden und 24
Minuten verbringen die Franzosen im Schnitt etwa gleichviel Zeit vor dem «petit écran» wie die übrigen Europäer.
Erst ein Viertel aller Franzosen verfügt über Satellitenschüssel, Kabelanschluss oder Breitbandzugang, um ausländische Sender im Dutzend zu empfangen. Entsprechend gross sind die Zuschauerquoten der grossen französischen Sender: Der 1987 privatisierte, zum Baukonzern Bouygues gehörige Sender TF 1 wird von fast einem Drittel der Franzosen geschaut (31,8 Prozent). Darauf folgen die Staatssender France 2 mit 20,5 Prozent Anteil und France 3 mit 15,2 Prozent.
Der 1984 gegründete Bezahlsender Canal Plus auf dem vierten Kanal gehört zum Vivendi-Konzern und ist von 3,8 Prozent der Fernsehzuschauer abonniert. Der Bildungssender France 5 wiederum erreicht tagsüber 6,7 Prozent Zuschauer und wird abends vom deutsch-französischen Kulturkanal Arte (3,7 Prozent, gegenüber 0,8 Prozent in Deutschland) abgelöst. Und das vor allem von Jugendlichen konsumierte Programm M6 aus dem Hause Bertelsmann hat seine «audience» in den letzten Jahren kontinuierlich auf 12,5 Prozent gesteigert.
Seit letzter Woche erlaubt das digitale TNT den Empfang von 14 weiteren Programmen. Einige existieren bereits auf Kabel. Andere sind völlig neu, wie etwa Direct 8 (Gruppe Bolloré) und
NT 1 (Gruppe AB), die ein generelles Vollprogramm anbieten. Musik steht im Mittelpunkt von W9 (von M6 lanciert) sowie NRJ 12, mit dem sich der Radiosender NRJ in den Fernsehmarkt wagt. Dazu kommen TMC (Télé-Monte-Carlo), an dem TF 1 beteiligt ist, und der staatliche Kultursender France 4. In einem zweiten Schritt werden zahlungspflichtige Sender dazukommen. (brä)
Stefan Brändle, Paris

Die Überfüllung

Design Die breite Palette der Bild- und Textverarbeitung macht die Gestalter gleichgültig.

Design Die breite Palette der Bild- und Textverarbeitung macht die Gestalter gleichgültig.Sehr viele gute Typen haben täglich viel mit Typen zu tun – aber sie interessieren sich scheinbar weder für die Schriften (und deren Geschichte), mit denen sie arbeiten, noch bei ihrem Einsatz um deren optimale Wirkung. Auch nicht, ob die Textblöcke, die sie in ihrem Layoutprogramm hin- und herschieben, auf dem Papier oder im Netz genügend leserlich sein werden.Klarheit in der Typografie ist das erste Gebot in jeder Schriftgestaltung. Ob im Prospekt, im Buch, auf dem Plakat oder in einer Zeitschrift: Nicht die Gestalter sind die Hauptsache. Sie sind die Puppenspieler, die die Typen und Schriftblöcke tanzen lassen. Aber Gestalter haben im Hintergrund zu sein, als ein Regisseur der Schrift zu wirken und sich selbst nicht vorzudrängen. Gestalter arbeiten nicht für sich, auch nicht für ihr aktuelles Designverständnis. Sie arbeiten allein für den Empfänger, die Leserin, den Drucksachen-konsumenten: Für all jene, die die Botschaft erhalten, die sie verstehen sollen und die dann am Ende, wenn alles zusammen stimmt, die übermittelte Botschaft auch als schön, wertvoll oder auch «nur» als informativ empfinden mögen.
Wir haben heute eine breite Palette von Möglichkeiten in der Bild- und Textbearbeitung. Wir sind gewissermassen die Zauberlehrlinge des elektronischen Zeitalters. Doch je einfacher etwas zu sein scheint, umso mehr müssen wir aufpassen, dass unsere eigene Einfachheit nicht aus jedem Dokument herausschaut. Doch gerade weil alles so einfach zu sein scheint, machen es sich viele Desktop-Gestalter besonders leicht: Sie sind nicht nur schneller als die «alten» Setzer und Grafiker, sie sind damit auch oberflächlicher, gleichgültiger und konfuser.
Wir haben heute mehr Wirrwarr als früher: Enge, Überfüllung und Chaos. Überfüllung in allem: zu bunte Bilder, zu gross, ineinander, übereinander, überbunt, wenig Weiss – und etwas Schwarz zum Lesen. Jeder Künstler weiss: Zuerst wirkt die Farbe des Druckträgers, des Materials; am Anfang ist das Weiss, dann die Zeichnung, die Linie, die Schrift, und dann erst kommt die Ausschmückung, das Bild und die Farbe.
Was uns dringend fehlt, ist wieder die Achtung und der Respekt vor der Leserlichkeit eines Textes. Was aber ist leserlich? Das, was ich gerne anschaue, wenn ich es lese, was leicht und schön in meine Augen fliesst.
Otto Dörries
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