Lust statt Frust mit Fonts

Schrift ist Software – und sollte auch ab und an aktualisiert werden.

Schrift ist Software – und sollte auch ab und an aktualisiert werden.«Wir arbeiten jeweils mit den aktuellsten Versionen», bekunden die Technikverantwortlichen stolz bei der Frage nach der verwendeten Software. Und die Schriften? Sie sind entweder mit Aufträgen «in die Firma gerutscht» oder stammen von der Font-Library, die ein ehemaliger Mitarbeiter vor Jahren einmal beschafft hat. Wie verhält es sich hier mit der Aktualität? Auch Schriften sind Software – und müssen gelegentlich aktualisiert werden!Type 1 – das Urtier
Die ersten qualitativ brauchbaren PC-Schriften waren die PostScript-Type-1-Fonts – landläufig auch PostScript-Fonts genannt. Adobe entwickelte dieses Schriftenformat anfangs der 80er-Jahre. Diese PostScript-Schriften bestehen immer aus einer Outline- und Fontmetrik-Datei für die Ausgabe als auch für die Darstellung am Bildschirm. Mit dieser Schriftengeneration hielt WYSIWYG (what you see is what you get) am Computer Einzug. Leider waren die Betriebssysteme aber von Haus aus nicht fähig, mit diesem Schriftenformat umzugehen. Es brauchte dazu den von Adobe entwickelten Type Manager (ATM).
Heute gehen die Betriebssysteme Mac OS X und Windows (seit Windows 2000) problemlos – auch ohne ATM – mit diesen Fonts um. Doch mit bald zwanzig Jahren auf dem Buckel genügt dieses Schriftenformat heutigen Ansprüchen nicht mehr.
TrueType – der Herausforderer
Adobe gab lange Zeit die Spezifikationen von Type 1 nicht bekannt. Die Konkurrenz (Apple und Microsoft) brachte vermutlich deshalb mit TrueType ein eigenes Fontformat auf den Markt – natürlich mit voller Unterstützung in den eigenen Betriebssystemen. Im Gegensatz zu Type 1 kommt eine TrueType-Schrift mit nur einer Datei aus. Auch die Glyphenanzahl (Erscheinungsbild; siehe Kasten «Glyphen») ist nicht beschränkt auf 1 Byte (= 28 = 256 Möglichkeiten/Glyphen) – in TrueType-Schriften packt man bis zu 6000 Glyphen.
Leider hatte dieses Format den Nachteil, dass die ersten PostScript-basierenden Ausgaberechner (Rips) TrueType nicht direkt unterstützten. Erst mit der PostScript-Version Level 2 brachte Adobe den TrueType-Rasterizer und löste damit das Ausgabeproblem. TrueType hat seither zu Unrecht einen schlechten Ruf.
OpenType – das Beste aus beidem
Kompliziert im Handling, beschränkte Glyphenzahl, schlechte Unterstützung in der Ausgabe: Diese Missstände haben Adobe und Microsoft erkannt und 1996 das Fontformat OpenType vorgestellt. Entwicklungsziel war, ein Schriftformat zu kreieren, das alle Vorteile bisheriger Fontformate vereint und zudem plattformneutral ist. Technisch betrachtet können OpenType-Fonts intern eine TrueType- oder eine Type-1-Outline mitführen.
Die Verbreitung von OpenType lässt allerdings noch zu wünschen übrig. Dabei bietet OpenType viele Vorteile:
– bis zu 65536 Glyphen pro Schrift
– Plattformneutralität (laufen unter Mac- und Windows-Betriebssystemen ohne Konvertierung)
– ein Font pro Datei reicht aus
– kein ATM mehr notwendig
– Unicode als Basis (siehe unter «Unicode – und alle verstehen sich»)
– viele typografische Funktionen (Ligaturen, Brüche etc.)
Adobe selbst hat seine ganze Schriftenbibliothek in OpenType umgewandelt. Auch das zum Druckmaschinenhersteller Heidelberg gehörende Unternehmen Linotype bietet eine grosse Sammlung OpenType-Fonts an. Auch andere Schriftenhäuser offerieren nach und nach OpenType-Versionen ihrer Schriften.
OpenType im Praxiseinsatz
Adobe InDesign war die erste Applikation mit voller OpenType-Unterstützung. Damit kann nicht nur mit einer OpenType-Schrift gesetzt werden, sondern es kann auch auf Funktionen der OpenType-Schrift zugegriffen werden. Eine beliebte Funktion sind hier die «echten» Brüche. Bruchziffern bekommen einfach eine andere ID und schon sind sie typografisch korrekt gesetzt. Auch «echte» Kapitälchen sind auf diese Weise kein Problem. Beeindruckend und/oder von ehemaligen Bleisetzern schon lange vermisst sind Ziffern für Tabellen und Lauftext. Auf Wunsch sind Ziffern mit Ober- und Unterlänge (Mediävalziffern) dank OpenType wieder im Zugriff.
Um die Zeichen auszuwählen und darauf zugreifen zu können, hat Adobe in InDesign und Illustrator eine Glyphenpalette eingebaut. Ein Doppelklick auf die gewünschte Glyphe fügt sie an der Textcursor-Position ein. Beim Layoutprogramm QuarkXpress sieht es bis heute düster aus. Zwar «sieht» Xpress dank dem Betriebssystem die ersten 256 Glyphen einer OpenType-Schrift, aber für die Funktionen als solche ist die Software blind. Trotzdem empfiehlt sich auch unter Xpress der Einsatz von OpenType.
Unicode – und alle verstehen sich
Zum Beispiel bei den Type-1-Fonts war für die Kodierung der Zeichen der so genannte ASCII-Code zuständig. Doch diese Kodierung hat den Nachteil, dass sie plattformabhängig ist. Dies ändert sich mit der Kodierung Unicode, die jedem Zeichen jeder geschriebenen Sprache einen eindeutigen Code zuweist. Apple und Microsoft unterstützen Unicode – und da OpenType auf Unicode basiert, ist auch dieses Schriftformat plattformunabhängig. Wer seine Daten ebenfalls für zukünftige Anwendungen (Datenmehrfachnutzung) bereithalten will, sollte sich nun unbedingt mit Unicode befassen.
Schriften verwalten
Wer heute unter Mac OS X und Windows XP nur wenige Schriften verwaltet, kommt mit den Fontverzeichnissen der Betriebssysteme klar. Diese unterstützen Schriften im Type-1-, TrueType- und OpenType-Format. Wer hier an die Grenzen dieser Software stösst, sollte professionelle Fontverwaltungsprogramme verwenden.
Software-Anbieter Extensis hat mit Suitcase und Fontreserve gleich zwei Tools im Angebot: Suitcase sollte man nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings mit Vorsicht einsetzen – vor allem dann, wenn das Auto-Aktivierungs-Plug-in eingeschaltet ist, da dieses für diverse Systemprobleme verantwortlich ist. Extensis Fontreserve empfiehlt sich für grosse Umgebungen. Sehr beliebt und zuverlässig unter Mac OS X ist das Schriftenverwaltungsprogramm Fontagent Pro von Insider Software.
Beim Umgang mit vielen Glyphen hilft in InDesign und Illustrator die Glyphenpalette.
Adobe InDesign holt alles aus den OpenType-Schriften, sogar «echte» Brüche sind kein Problem. Für eine Schrift sind jeweils die Funktionen zugänglich, die nicht in eckigen Klammern stehen.
Adobe liefert mit der Creative Suite über 100 OpenType-Schnitte aus. Der Einstieg in die neue Fontwelt wird dadurch erleichtert.
Glyphen p ZeichenGlyphen und Zeichen sind nicht das Gleiche. Bei OpenType muss man sich dessen bewusst sein. So können die Zeichen f + i als Versalien, als Ligaturen oder als Kleinbuchstaben gesetzt werden. Die Zeichen sind dann zwar die gleichen, die Glyphen (das Erscheinungsbild) aber nicht. Die Glyphe ist demnach das momentane Erscheinungsbild eines Zeichens.
Jede Glyphenform hat eine eindeutige Identifikation, die Glyphen-ID – nicht zu verwechseln mit dem Unicode-Wert des Zeichens. Eine OpenType-Funktion basiert nun auf dem Wechsel der Glyphen-ID. In InDesign sind die Funktionen im Palettenmenü des Steuerelements zugänglich. Dort gibt es je nach Schrift mehr oder weniger implementierte OpenType-Funktionen, nicht zugängliche Funktionen werden in Adobe-Applikationen mit eckigen Klammern versehen.
«Spezialschriften»
CID-Fonts: CID-Fonts wurden mit Adobe InDesign bekannt. Dieses Fontformat kommt beim direkten PDF-Export aus Illustrator und InDesign zum Zug. Ältere Rips (Raster Image Prozessoren) unterstützen dieses Format aber nicht, was Updates erfordert.
.dfont: Unter Mac OS X kommt leider als Systemfont dieses Apple-Schriftformat zum Einsatz. Die Ausgabe gelingt mit den «Data-Fork-Fonts» zwar gut, aber Dokumente können bei einem Plattformwechsel nicht direkt ausgegeben werden. (hu)
Haeme Ulrich

Werbung, die fetzt

Fachpresse Unter den Juristen ist es so bekannt, wie das Kult unter den Werbern: das zweimonatlich erscheinende Magazin für Recht und Politik Plädoyer.

Fachpresse Unter den Juristen ist es so bekannt, wie das Kult unter den Werbern: das zweimonatlich erscheinende Magazin für Recht und Politik Plädoyer.Für die Abo-Kampagne liess Verleger René Schuhmacher die Zürcher Agentur Hesskiss vortreten. Ihre einfache und doch ausgefallene Grundidee: Prominenten, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, das Plädoyer nahe legen. Das erste Motiv richtet sich an den Basler Finanzjongleur Dieter Behring, der eine Gratis-Probenummer erhält mit der eher dreisten Frage: Wer kann es sich eigentlich leisten, sich kein Plädoyer-Abo zu leisten? Wer diese Frage nach Behring beantworten darf, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Reizlose Unterschwelligkeit

Aufgefallen Die 60er-Jahre sind Vergangenheit, doch das Gespenst von der Manipulation durch subliminale Werbung geistert weiter durch viele Köpfe. Ein Aufklärungsversuch.

Kolumne Die 60er-Jahre sind Vergangenheit, doch das Gespenst von der Manipulation durch subliminale Werbung geistert weiter durch viele Köpfe. Ein Aufklärungsversuch.Während meines Studiums war ich tief beeindruckt vom Bestseller des amerikanischen Werbers Vance Packard «Die geheimen Verführer» («Hidden Persuaders»). Er erzählte dort unter anderem die Geschichte der «Forschungen» von James Vicary. Dieser habe 1956 in einem Kino in Fort Lee/New Jersey in den Kim-Novak-Film «Picnic» alle fünf Sekunden Botschaften eingeschleust, die so kurz aufleuchteten, dass man sie nicht bewusst wahrnehmen konnte. Die Quasi-Befehle hiessen «Trink Coca-Cola» und «Iss Popcorn». Angeblich stieg der Verkauf von Cola um 18 Prozent, jener von Popcorn um 58 Prozent.Die Politik hat auf diese Herausforderung reagiert. Im deutschen Rundfunk-Staatsvertrag heisst es: «In der Werbung dürfen keine unterschwelligen Techniken eingesetzt werden». In den Vereinigten Staaten ist subliminale Werbung seit 1974 verboten. Es gab dort den berühmten Rattenfall. Im Wahlkampf 2000 tauchte in einem Werbespot der Republikaner für den Bruchteil einer Sekunde das Wort «Rats» auf. Woraufhin der demokratische Kandidat Al Gore natürlich klagte. Es stellte sich schliesslich heraus, dass ein Schnipsel des Worts «Bureaucrats» beim Schneiden versehentlich übrig geblieben war. Das Verfahren wurde eingestellt.
Aber auch im neuen Russland hat man Schritte gegen unterschwellige TV-Werbung unternommen. Dort gibt es ein Rundfunkministerium, das extra einen komplizierten Apparat entwickelt hat, der solche Werbung aufspüren soll. Ein Sender in Jekaterinburg wurde dadurch bereits überführt. Die Folge: Lizenzentzug.
Man sieht: Die politisch Verantwortlichen handeln – hüben wie drüben. Gelegentlich allerdings wegen realer Probleme, sondern blosser Mythen. Das Peinliche ist nämlich, dass besagter James Vicary schon 1962 in einem Interview mit Advertising Age zugegeben hat, dass das von Packard geschilderte Originalexperiment gar nie stattgefunden hat. Die gut erfundene Story wird aber trotzdem immer noch weiter getragen.
Das heisst nicht, dass Gefühle überhaupt nicht unterschwellig beeinflussbar sind. Ein schwedischer Forscher hat den Porträts von schönen Frauen wechselweise das Bild von Spinnen, Schlangen oder wiederum einer schönen Frau vorausgeschickt. Resultat: Die Probanden fanden jene Frauen, vor denen für ein paar Millisekunden Reptilien und Insek-
ten aufblitzten, weniger schön.
Für die kommerzielle Kommunikation ist diese umstrittene Methode dennoch nicht nutzbar. Die deutsche Zeitschrift Psychologie heute hat dazu kürzlich alle empirischen Forschungsergebnisse ausgebreitet. «Unbewusste Reize werden nur verarbeitet, wenn sie zu unseren Absichten passen», haben Bielefelder Psychologen herausgefunden. Unterschwellige Werbebotschaften – ob für Popcorn oder Alcopops – sollten ja aber gerade dann wirken, wenn der Kinobesucher oder Fernsehzuschauer keinen
bestimmten Handlungsplan hat. Die Verwendbarkeit subliminaler Reize für Werbezwecke ist also schlicht ein Mythos.
Er passte jedoch in eine Zeit, in der vom Menschen behauptet und geglaubt wurde, er lebe nicht, sondern er werde gelebt. Von Sigmund Freud und seinen Zauberlehrlingen glauben immer mehr ansonsten gescheite Zeitgenossen lernen zu müssen, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Haus ist, sondern von unbewuss-
ten Trieben gesteuert wird. Aufbauend auf dieser These dürfen Kulturwissenschaftler die tollsten Theorien entwickeln. Werbeleute hingegen, die überprüfbare Dienstleistungen für die Wirtschaft erbringen sollen, sollten auch in dieser Sache nüchtern und rational bleiben.
> Peter Glotz ist Publizist und emeritierter Professor für Medienmanagement der Universität St. Gallen.

Aufbauende Werbung

Immobilien Cavegnwerbung hat für das Zürcher Baugeschäft Robert Spleiss AG die ersten TV-Spots realisiert.

Immobilien Cavegnwerbung hat für das Zürcher Baugeschäft Robert Spleiss AG die ersten TV-Spots realisiert.Spleiss baut auf Cavegnwerbung. «Die Zürcher Bauunternehmung Robert Spleiss AG baut nicht nur mit Herz und Verstand. Sie wirbt auch so», formuliert Markus Cavegn. Der Werber im Zürcher Westend ist vom jungen Firmenchef Christian R. Spleiss angefragt worden, ob er für sein bekanntes Familienunternehmen eine neue Art von Werbung kreieren könnte. In drei formal überraschenden TV-Spots zeigt Spleiss nun auf witzige und einprägsame Weise, dass man auch beim Bauen nicht auf Happy Ends, Special Effects und gekonnte Stunts verzichten muss. Mit Schrifttafeln wie beim alten Stummfilm beginnt jeder Streifen mit der Ankündigung: «Spleiss präsentiert seinen neuesten Werbefilm». Als «Special Effect» ist dann zu sehen, wie ein Senkblei innert Sekunden seine Gerade findet, dazu der Text: «Wir stehen jederzeit für unsere Qualität gerade.» Der Film «Happy End» zeigt zwei Backsteine, die miteinander verbunden werden. Dazu der Claim: «Für Verbindungen, die ewig halten.» Im «Stuntfilm» fliegt eine Schaufel voll
Pflaster durch die Luft und landet präzise auf einer Baukelle. Dazu der Text: «Wir bauen nur mit besten Zutaten.»
Reine Imagewerbung
Christian R. Spleiss glaubt natürlich nicht, dass er mit diesen Spots konkrete Aufträge holen kann. «Das ist reine Image-Werbung. Ich will mit solchen Ideen die Branche entstauben», meint der Baumeister, dessen Unternehmen bis jetzt nur mit Prospekten oder Informationsveranstaltungen für Ingenieure oder ande-
re Bauinteressenten geworben hat. Spleiss ist überzeugt, dass diese
Spots nun unübersehbar «Markieren in einem Verdrängungsmarkt» manifestieren. Das Bauunternehmen beschäftigt 400 Leute und ist im Grossraum Zürich im Hochbau, vorwiegend im Wohnungsbau tätig.
Die drei TV-Spots laufen ab April auf TeleZüri. Solid & Hallerfilm betreute für Cavegn die Produktion. Regie führte dabei Werner Haltinner.
Die Bauunternehmung Robert Spleiss AG baut nicht nur mit Herz und Verstand – neuerdings wirbt sie auch so.
Andreas Panzeri

Typografie für immer

Schrift hilft uns bei der Verständigung – früher, heute und in Zukunft.

Schrift hilft uns bei der Verständigung – früher, heute und in Zukunft.Schrift kann Gefühle vermitteln, Stimmungen oder Lebenseinstellungen in uns wachrufen. Eine Kreidetafel für «Frisches Gemüse» ist einfach glaubwürdiger als eine Marmortafel, die, in römischen Lettern gemeisselt, frisches Gemüse anpreist. Ein Restaurantschild, das mit englischer Schreibschrift gestaltet ist, verspricht uns ein anderes kulinarisches Erlebnis als eines, das in Fraktur dasteht. Könnten wir einer Tageszeitung vertrauen, die in der kindlichen anmutenden Handschrift des Chefredaktors gedruckt ist? Da wir unsere Botschaften immer präziser gestalten wollen und müssen, benötigen wir immer neue und diversifizierte Botschafts-Transporteure, sprich Schriften. Es sollte mindestens so viele unterschiedliche Schriften geben, wie es Gefühle und Stimmungen gibt – also unendlich viele.Solange wir uns mittels Sprache verständigen und Texte in irgendeiner Form übermitteln müssen oder wollen, werden wir neue Schriften benötigen. Erst an dem Tag, an dem wir in der Lage sind, uns telepathisch zu verständigen, benötigen wir keine neuen Schriften mehr. Allerdings kann heute noch keiner sagen, wie die telepathische Verständigung der Zukunft funktioniert. Vielleicht passiert das ja ebenfalls mittels Schrift- oder Bildzeichen, dann muss jemand auch diese Zeichen entwerfen. Typografie aber wird es immer geben.
Werkzeuge für SchriftentwerferFont-Studio – der Oldtimer von Letraset – wird immer noch gerne benutzt, da das Programm sehr stabil und schnell ist. Leider wird das Programm nicht mehr vertrieben und nicht mehr gepflegt.
Fontographer von Macromedia ist das wohl am meisten verbreitete Arbeitstier für die Schriftgestaltung. Es ist ebenfalls recht robust, läuft aber leider nicht unter Mac OS X, sondern nur unter der Classic-Emulation. Fontographer wird zwar noch verkauft, aber nicht mehr gepflegt, was wirklich bedauerlich ist.
FontLab ist die neuste Font-Software mit sehr umfangreichen Möglichkeiten. Die Einarbeitungszeit dauert entsprechend länger. In FontLab ist es möglich, OpenType-Schriften zu entwickeln. Damit ist das Programm die beste Zukunftsinvestition.
Alle Programme existieren in Versionen für verschiedene Betriebssysteme. Mit allen drei Programmen können (leider) bestehende Schriften geöffnet und (verbotenerweise) modifiziert werden. Daneben gibt es noch andere Fontdesign-Programme, die jedoch eher für den professionellen Einsatz bestimmt sind. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es halbautomatische Fontscan-Programme und ebensolche Kerning-Programme gibt.
Script
… ist der Oberbegriff für alle Schriften, die versuchen, Handschrift zu imitieren. Bevor der Buchdruck erfunden war, kopierten Schreiber in so genannten «Scriptorien» Bücher von Hand in mühseliger Arbeit. Das machte Bücher zu einem Luxusartikel und verhinderte, dass die breite Masse Bildung und Wissen erwarb.
Rechtliches
Wer eine Schrift kauft, erwirbt nicht das Design, sondern lediglich das eingeschränkte Nutzungsrecht. In der Regel darf die Schrift nur
auf einem Rechner benutzt werden. Sie darf weder unentgeltlich noch
gegen Entgelt weiterverteilt werden. Die Schrift darf in der Regel nur an ein Reprohaus weitergegeben werden, um den gerade anliegenden Auftrag auszuführen. Derjenige, der die Schrift zu diesem Zweck weitergibt, muss sicherstellen, dass die Kopie nach Gebrauch auch wieder vernichtet wird.
Anmerkung: Pro Schriftschnitt muss ein Schriftentwerfer über 250 Zeichen gestalten. Wenn man von einer durchschnittlichen Arbeitszeit von nur einer Stunde pro Zeichen ausgeht, dann sind das 32 Arbeitstage oder sechs Wochen. Bei einem normalen Vierersatz Schriften sprechen wir von der Arbeit eines halben Jahres. Wer Schriften benutzt, ohne dafür zu bezahlen, der sollte diese Arbeitsleistung immer vor Augen haben. (gw)
Gert Wiescher

PR-Spezialisten sind zuversichtlich für 2005

Prognose Das Berufsregister der Schweizerischen Public-Relations-Gesellschaft hat erstmals Details seiner jährlichen Mitgliederumfrage veröffentlicht.

Prognose Das Berufsregister der Schweizerischen Public-Relations-Gesellschaft hat erstmals Details seiner jährlichen Mitgliederumfrage veröffentlicht.77 der 250 eingetragenen Fachleute haben ihre Einschätzung der Branchenentwicklung für 2005 abgegeben. 36,4 Prozent erwarten steigende PR-Budgets, etwas mehr als 2004. Mit sinkenden Etats rechnen nur gerade 2,6 Prozent, im Vorjahr waren es noch 23,5 Prozent.

Vorsicht, Täuschung!

Ethik Der Verband Schweizer Presse warnt: Mehr Vermischung von redaktionellem und kommerziellem Inhalt. Beispiel 20 Minuten.

Ethik Der Verband Schweizer Presse warnt: Mehr Vermischung von redaktionellem und kommerziellem Inhalt. Beispiel 20 Minuten.20 Minuten hat schon öfters seine Umschlagseiten für Werbung zur Verfügung gestellt. Am 5. April aber, am Tag nach dem sanften Relaunch, wartete die Pendlerzeitung mit einer Neuheit auf: Erstmals konnte ein Unternehmen, im konkreten Fall Orange, die dritte und vierte Umschlagseite so verkehrt herum gestalten, dass sie wie die Frontseite und die Seite 2 des Pendlerblattes daherkam – Headlines, «News» und Bilder nur zu Orange. Erst wenn man die Zeitung umdrehte, sah man die redaktionelle Frontseite. Mancherorts (vielleicht auch überall?) lagen die Blätter aber so in den Boxen, dass die falsche Front nach oben zeigte. Das Ganze hatte zudem einen Schönheitsfehler: Keine der beiden Orange-Seiten war als Anzeige gekennzeichnet.Rolf Bollmann, Geschäftsführer des Tamedia-Titels 20 Minuten, bestätigt «das Versehen». Man habe die Deklaration allerdings nicht bewusst weggelassen und auch die Zeitungen nicht extra verkehrt herum aufgelegt. «Es war auch keine Vorschrift von Orange», stellt er sich vor den Grosskunden. Zum Beweis verweist er auf die Vergangenheit: «Bisher haben wir es ja immer sauber deklariert.»
Pikant: Nur wenige Tage zuvor hatte das Departement Ethik des Verbandes Schweizer Presse (VSP) auf die oftmals fehlende Abgrenzung von redaktionellen Leistungen und kommerzieller Werbung hingewiesen. Es war dies die erste Stellungnahme überhaupt (!) des seit dreieinhalb Jahren bestehenden Departements. Darin beruft es sich auf den Grundsatz 3.12 der Schweizerischen Lauterkeitskommission, der eine klare und sichtbare Trennung und Kennzeichnung von Redaktion und Werbung verlangt. Zudem plädiert das Departement für Transparenz. «Die primäre und nicht verhandelbare Forderung lautet immer: Es darf keine Täuschung des Lesers zugelassen werden.»
Einen einzelnen, unmittelbaren Anlass für diese Mahnung habe es nicht gegeben, sagt Departements-chef Guido Weber auf Anfrage. «Vermischungen haben aber generell zugenommen, sie stellen in unserem Departement das wichtigste Problem dar. Auch von unseren Mitgliedern erhalten wir immer mehr Anfragen», sagt Weber.
Dass das Thema aktuell ist, dafür gibt es noch weitere Hinweise: So verlangte die Lauterkeitskommission vor kurzem von einem Titel, dass er redaktionelle und bezahlte Inhalte deutlicher trennt. Konkret ging es um Publireportagen, die in der fraglichen Zeitung zwar als solche gekennzeichnet waren, jedoch im selben Layout wie redaktionelle Artikel publiziert wurden (siehe WW 9/05). Derselbe Fall ist auch noch beim Presserat hängig.
Am 8. und 9. April findet darüber hinaus in Winterthur eine Tagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) statt. Dort geht es unter anderem auch um das Spannungs- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen PR und journalistischer Qualität. Infos unter www.iam.zhwin.ch/sgkm/.
Zweite Front: Die Orange-Werbung sieht genau wie 20 Minuten aus.
Markus Knöpfli

Headline komplettiert Jury für CC-Award

Die Jury des «Award Corporate Communications 2005 – Best Practice» steht.

Die Jury des «Award Corporate Communications 2005 – Best Practice» steht.Der Veranstalter Headline (Kommunikationsclub Aargau/Solothurn) hat eine Reihe anerkannter Experten verpflichtet: Norbert Winistörfer (Leiter des Instituts für Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz), Ellen Meyrat-Schlee (Direktorin des Departements Gestaltung der Fachhochschule Aargau Nordwestschweiz), Roberto Rivola (Kommunikationsleiter Bakom), Stefan Nünlist (Kommunikationschef Swisscom) und Urs Lüthi (Verlagsleiter Vogt-Schild/Habegger Medien). Headline lanciert diesen Award zur Feier seines 50-jährigen Bestehens. Bis zum 31. Juli 2005 können Konzepte eingereicht werden. Sie werden von der Jury bezüglich ihres integrierten Ansatzes und ihrer erfolgreichen Umsetzung beurteilt. Die Preisverleihung ist am 13. September.

Frechheit siegt

Award Lowe Direct, Zürich, holte sich beim Deutschen Dialogmarketingpreis Bronze.

Award Lowe Direct, Zürich, holte sich beim Deutschen Dialogmarketingpreis Bronze. Zum ersten Mal seit Jahren steht wieder eine Schweizer Agentur auf den Medaillenrängen des Direktmarketing-Wettbewerbs, zu dem ins-gesamt 468 Kampagnen eingereicht wurden. Aus der Schweiz schickten 13 Agenturen 19 Arbeiten ein.
Lowe Direct holte sich Bronze mit einem dreistufigen Mailing für den Kunden Orange Communications SA. Ziel der Aktion war es, möglichst viele VIPs, Geschäftspartner, CEOs und andere Prominente zu einem Orange-Event am Vorabend des schweizerischen Nationalfeiertages einzuladen.
Mit einem frechen Farbenspiel schafften dies Gregor Juritz (CD/ Text), Anita Lussmann-Aragao (AD) und Martin Stauch (Grafik): von Lowe. Sie verwandelten das klassische Schweizer Rot der Nationalfahne kurzerhand in Pantone 151, der Corporate-Farbe von Orange. Kleine Fähnchen, Lampions, Kerzen und Zündhölzer wurden als Türöffner-Elemente und später als Dekoration verwendet – alles in Orange statt in Rot.
Der neue DDV-Präsident Dieter Weng lobte die Zürcher Bronze-Arbeit (Gold wurde in der Kategorie Internationale Kampagnen nicht vergeben) als «überraschend, frech und charmant». Noch dazu funktionierte der Orange-Auftritt: Die Responsequote betrug eindrückliche 38,5 Prozent. In einem Punkt fielen die Schweizer Sieger bei der DDV-Gala aber negativ auf: Weil man sich die Reisekosten nach Berlin gespart hatte, konnte niemand aus dem Hause Lowe die Trophäe entgegennehmen. Erstauntes Raunen unter fast 1000 Gästen. Der einzige von 44 «Direct-Oscars» muss nun per Post verschickt werden. Sieger des Abends war übrigens OgilvyOne Worldwide mit zwölf Auszeichnungen.
Mit der Gala im Berliner Kabelwerk setzte der Deutsche Direktmarketing Verband ein neues Lebenszeichen. Denn über ein Jahr lang lieferte die Truppe Negativschlagzeilen. Es gab Intrigen, Prozesse und Kündigungen. Heute registriert man in der Wiesbadener Zentrale rund 850 DDV-Mitglieder und der Ende Januar gewählte Präsident Dieter Weng hat es geschafft, neue Begeisterung im Club der Direktmarketer auszulösen. Der Mann weiss, wie das funktioniert: Als Marketing-Vorstand bei Reemtsma brachte Dieter Weng die Zigarette West über die Formel 1 auf die Siegerstrasse.
Setzt auf Orange statt Rot: Das Mailing von Lowe Direct.
Peter Ehm

Thurgauer kaufen Werd Verlag

Buchverlage Tamedia trennt sich von ihrer Büchersparte.

Buchverlage Tamedia trennt sich von ihrer Büchersparte.Das Kreuzlinger Druck- und Verlagsunternehmen Bodan AG hat per Ende März die Mehrheit am Werd Verlag übernommen. Direkt beteiligt sind auch Bodan-Finanzchef Urban Ruckstuhl und Gregory Zäch, Inhaber des Zürcher Midas Verlags. Zäch hat den Werd Verlag von September 2004 bis Ende Februar 2005 im Mandatsverhältnis geführt und übernimmt erneut die operative Leitung. Die Bodan AG, die wie die Thurgauer Tagblatt AG mehrheitlich der Familie Ruckstuhl gehört, erwirbt im gleichen Zug auch eine massgebliche Minderheit am Midas Verlag.

NR-Kommission gegen Swissinfo-Abbau

Medienpolitik Die Aussenpolitische Kommission des Nationalrates stellt sich gegen den geplanten Abbau beim SRG-Auslanddienst Swissinfo.

Medienpolitik Die Aussenpolitische Kommission des Nationalrates stellt sich gegen den geplanten Abbau beim SRG-Auslanddienst Swissinfo.Sie hält «am öffentlichen Auftrag betreffend Swissinfo als eine prioritäre Aufgabe der SRG» fest. Die Stellungnahme wurde mit 16 zu 7 Stimmen angenommen. Nach Ansicht der Kommissionsmehrheit müssen die Dienstleistungen im heutigen Umfang aufrechterhalten werden. Für die finanziellen Aspekte erklärte sie sich als nicht zuständig.

Die Creo-Aktionäre stimmen zu

Übernahme Creo gibt bekannt, dass die Aktionäre des Unternehmens am 29. März 2005 alle Anträge genehmigt haben, die zur Abstimmung vorgelegt wurden.

Übernahme Creo gibt bekannt, dass die Aktionäre des Unternehmens am 29. März 2005 alle Anträge genehmigt haben, die zur Abstimmung vorgelegt wurden.Die Aktionäre sprachen sich mit ihrem Votum für die vorgeschlagene Übernahme von Creo durch die Eastman Kodak Company aus. www.creo.com
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