Lust statt Frust mit Fonts
Schrift ist Software – und sollte auch ab und an aktualisiert werden.
Schrift ist Software – und sollte auch ab und an aktualisiert werden.«Wir arbeiten jeweils mit den aktuellsten Versionen», bekunden die Technikverantwortlichen stolz bei der Frage nach der verwendeten Software. Und die Schriften? Sie sind entweder mit Aufträgen «in die Firma gerutscht» oder stammen von der Font-Library, die ein ehemaliger Mitarbeiter vor Jahren einmal beschafft hat. Wie verhält es sich hier mit der Aktualität? Auch Schriften sind Software – und müssen gelegentlich aktualisiert werden!Type 1 – das Urtier
Die ersten qualitativ brauchbaren PC-Schriften waren die PostScript-Type-1-Fonts – landläufig auch PostScript-Fonts genannt. Adobe entwickelte dieses Schriftenformat anfangs der 80er-Jahre. Diese PostScript-Schriften bestehen immer aus einer Outline- und Fontmetrik-Datei für die Ausgabe als auch für die Darstellung am Bildschirm. Mit dieser Schriftengeneration hielt WYSIWYG (what you see is what you get) am Computer Einzug. Leider waren die Betriebssysteme aber von Haus aus nicht fähig, mit diesem Schriftenformat umzugehen. Es brauchte dazu den von Adobe entwickelten Type Manager (ATM).
Heute gehen die Betriebssysteme Mac OS X und Windows (seit Windows 2000) problemlos – auch ohne ATM – mit diesen Fonts um. Doch mit bald zwanzig Jahren auf dem Buckel genügt dieses Schriftenformat heutigen Ansprüchen nicht mehr.
TrueType – der Herausforderer
Adobe gab lange Zeit die Spezifikationen von Type 1 nicht bekannt. Die Konkurrenz (Apple und Microsoft) brachte vermutlich deshalb mit TrueType ein eigenes Fontformat auf den Markt – natürlich mit voller Unterstützung in den eigenen Betriebssystemen. Im Gegensatz zu Type 1 kommt eine TrueType-Schrift mit nur einer Datei aus. Auch die Glyphenanzahl (Erscheinungsbild; siehe Kasten «Glyphen») ist nicht beschränkt auf 1 Byte (= 28 = 256 Möglichkeiten/Glyphen) – in TrueType-Schriften packt man bis zu 6000 Glyphen.
Leider hatte dieses Format den Nachteil, dass die ersten PostScript-basierenden Ausgaberechner (Rips) TrueType nicht direkt unterstützten. Erst mit der PostScript-Version Level 2 brachte Adobe den TrueType-Rasterizer und löste damit das Ausgabeproblem. TrueType hat seither zu Unrecht einen schlechten Ruf.
OpenType – das Beste aus beidem
Kompliziert im Handling, beschränkte Glyphenzahl, schlechte Unterstützung in der Ausgabe: Diese Missstände haben Adobe und Microsoft erkannt und 1996 das Fontformat OpenType vorgestellt. Entwicklungsziel war, ein Schriftformat zu kreieren, das alle Vorteile bisheriger Fontformate vereint und zudem plattformneutral ist. Technisch betrachtet können OpenType-Fonts intern eine TrueType- oder eine Type-1-Outline mitführen.
Die Verbreitung von OpenType lässt allerdings noch zu wünschen übrig. Dabei bietet OpenType viele Vorteile:
– bis zu 65536 Glyphen pro Schrift
– Plattformneutralität (laufen unter Mac- und Windows-Betriebssystemen ohne Konvertierung)
– ein Font pro Datei reicht aus
– kein ATM mehr notwendig
– Unicode als Basis (siehe unter «Unicode – und alle verstehen sich»)
– viele typografische Funktionen (Ligaturen, Brüche etc.)
Adobe selbst hat seine ganze Schriftenbibliothek in OpenType umgewandelt. Auch das zum Druckmaschinenhersteller Heidelberg gehörende Unternehmen Linotype bietet eine grosse Sammlung OpenType-Fonts an. Auch andere Schriftenhäuser offerieren nach und nach OpenType-Versionen ihrer Schriften.
OpenType im Praxiseinsatz
Adobe InDesign war die erste Applikation mit voller OpenType-Unterstützung. Damit kann nicht nur mit einer OpenType-Schrift gesetzt werden, sondern es kann auch auf Funktionen der OpenType-Schrift zugegriffen werden. Eine beliebte Funktion sind hier die «echten» Brüche. Bruchziffern bekommen einfach eine andere ID und schon sind sie typografisch korrekt gesetzt. Auch «echte» Kapitälchen sind auf diese Weise kein Problem. Beeindruckend und/oder von ehemaligen Bleisetzern schon lange vermisst sind Ziffern für Tabellen und Lauftext. Auf Wunsch sind Ziffern mit Ober- und Unterlänge (Mediävalziffern) dank OpenType wieder im Zugriff.
Um die Zeichen auszuwählen und darauf zugreifen zu können, hat Adobe in InDesign und Illustrator eine Glyphenpalette eingebaut. Ein Doppelklick auf die gewünschte Glyphe fügt sie an der Textcursor-Position ein. Beim Layoutprogramm QuarkXpress sieht es bis heute düster aus. Zwar «sieht» Xpress dank dem Betriebssystem die ersten 256 Glyphen einer OpenType-Schrift, aber für die Funktionen als solche ist die Software blind. Trotzdem empfiehlt sich auch unter Xpress der Einsatz von OpenType.
Unicode – und alle verstehen sich
Zum Beispiel bei den Type-1-Fonts war für die Kodierung der Zeichen der so genannte ASCII-Code zuständig. Doch diese Kodierung hat den Nachteil, dass sie plattformabhängig ist. Dies ändert sich mit der Kodierung Unicode, die jedem Zeichen jeder geschriebenen Sprache einen eindeutigen Code zuweist. Apple und Microsoft unterstützen Unicode – und da OpenType auf Unicode basiert, ist auch dieses Schriftformat plattformunabhängig. Wer seine Daten ebenfalls für zukünftige Anwendungen (Datenmehrfachnutzung) bereithalten will, sollte sich nun unbedingt mit Unicode befassen.
Schriften verwalten
Wer heute unter Mac OS X und Windows XP nur wenige Schriften verwaltet, kommt mit den Fontverzeichnissen der Betriebssysteme klar. Diese unterstützen Schriften im Type-1-, TrueType- und OpenType-Format. Wer hier an die Grenzen dieser Software stösst, sollte professionelle Fontverwaltungsprogramme verwenden.
Software-Anbieter Extensis hat mit Suitcase und Fontreserve gleich zwei Tools im Angebot: Suitcase sollte man nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings mit Vorsicht einsetzen – vor allem dann, wenn das Auto-Aktivierungs-Plug-in eingeschaltet ist, da dieses für diverse Systemprobleme verantwortlich ist. Extensis Fontreserve empfiehlt sich für grosse Umgebungen. Sehr beliebt und zuverlässig unter Mac OS X ist das Schriftenverwaltungsprogramm Fontagent Pro von Insider Software.
Beim Umgang mit vielen Glyphen hilft in InDesign und Illustrator die Glyphenpalette.
Adobe InDesign holt alles aus den OpenType-Schriften, sogar «echte» Brüche sind kein Problem. Für eine Schrift sind jeweils die Funktionen zugänglich, die nicht in eckigen Klammern stehen.
Adobe liefert mit der Creative Suite über 100 OpenType-Schnitte aus. Der Einstieg in die neue Fontwelt wird dadurch erleichtert.
Glyphen p ZeichenGlyphen und Zeichen sind nicht das Gleiche. Bei OpenType muss man sich dessen bewusst sein. So können die Zeichen f + i als Versalien, als Ligaturen oder als Kleinbuchstaben gesetzt werden. Die Zeichen sind dann zwar die gleichen, die Glyphen (das Erscheinungsbild) aber nicht. Die Glyphe ist demnach das momentane Erscheinungsbild eines Zeichens.
Jede Glyphenform hat eine eindeutige Identifikation, die Glyphen-ID – nicht zu verwechseln mit dem Unicode-Wert des Zeichens. Eine OpenType-Funktion basiert nun auf dem Wechsel der Glyphen-ID. In InDesign sind die Funktionen im Palettenmenü des Steuerelements zugänglich. Dort gibt es je nach Schrift mehr oder weniger implementierte OpenType-Funktionen, nicht zugängliche Funktionen werden in Adobe-Applikationen mit eckigen Klammern versehen.
«Spezialschriften»
CID-Fonts: CID-Fonts wurden mit Adobe InDesign bekannt. Dieses Fontformat kommt beim direkten PDF-Export aus Illustrator und InDesign zum Zug. Ältere Rips (Raster Image Prozessoren) unterstützen dieses Format aber nicht, was Updates erfordert.
.dfont: Unter Mac OS X kommt leider als Systemfont dieses Apple-Schriftformat zum Einsatz. Die Ausgabe gelingt mit den «Data-Fork-Fonts» zwar gut, aber Dokumente können bei einem Plattformwechsel nicht direkt ausgegeben werden. (hu)
Haeme Ulrich
Die ersten qualitativ brauchbaren PC-Schriften waren die PostScript-Type-1-Fonts – landläufig auch PostScript-Fonts genannt. Adobe entwickelte dieses Schriftenformat anfangs der 80er-Jahre. Diese PostScript-Schriften bestehen immer aus einer Outline- und Fontmetrik-Datei für die Ausgabe als auch für die Darstellung am Bildschirm. Mit dieser Schriftengeneration hielt WYSIWYG (what you see is what you get) am Computer Einzug. Leider waren die Betriebssysteme aber von Haus aus nicht fähig, mit diesem Schriftenformat umzugehen. Es brauchte dazu den von Adobe entwickelten Type Manager (ATM).
Heute gehen die Betriebssysteme Mac OS X und Windows (seit Windows 2000) problemlos – auch ohne ATM – mit diesen Fonts um. Doch mit bald zwanzig Jahren auf dem Buckel genügt dieses Schriftenformat heutigen Ansprüchen nicht mehr.
TrueType – der Herausforderer
Adobe gab lange Zeit die Spezifikationen von Type 1 nicht bekannt. Die Konkurrenz (Apple und Microsoft) brachte vermutlich deshalb mit TrueType ein eigenes Fontformat auf den Markt – natürlich mit voller Unterstützung in den eigenen Betriebssystemen. Im Gegensatz zu Type 1 kommt eine TrueType-Schrift mit nur einer Datei aus. Auch die Glyphenanzahl (Erscheinungsbild; siehe Kasten «Glyphen») ist nicht beschränkt auf 1 Byte (= 28 = 256 Möglichkeiten/Glyphen) – in TrueType-Schriften packt man bis zu 6000 Glyphen.
Leider hatte dieses Format den Nachteil, dass die ersten PostScript-basierenden Ausgaberechner (Rips) TrueType nicht direkt unterstützten. Erst mit der PostScript-Version Level 2 brachte Adobe den TrueType-Rasterizer und löste damit das Ausgabeproblem. TrueType hat seither zu Unrecht einen schlechten Ruf.
OpenType – das Beste aus beidem
Kompliziert im Handling, beschränkte Glyphenzahl, schlechte Unterstützung in der Ausgabe: Diese Missstände haben Adobe und Microsoft erkannt und 1996 das Fontformat OpenType vorgestellt. Entwicklungsziel war, ein Schriftformat zu kreieren, das alle Vorteile bisheriger Fontformate vereint und zudem plattformneutral ist. Technisch betrachtet können OpenType-Fonts intern eine TrueType- oder eine Type-1-Outline mitführen.
Die Verbreitung von OpenType lässt allerdings noch zu wünschen übrig. Dabei bietet OpenType viele Vorteile:
– bis zu 65536 Glyphen pro Schrift
– Plattformneutralität (laufen unter Mac- und Windows-Betriebssystemen ohne Konvertierung)
– ein Font pro Datei reicht aus
– kein ATM mehr notwendig
– Unicode als Basis (siehe unter «Unicode – und alle verstehen sich»)
– viele typografische Funktionen (Ligaturen, Brüche etc.)
Adobe selbst hat seine ganze Schriftenbibliothek in OpenType umgewandelt. Auch das zum Druckmaschinenhersteller Heidelberg gehörende Unternehmen Linotype bietet eine grosse Sammlung OpenType-Fonts an. Auch andere Schriftenhäuser offerieren nach und nach OpenType-Versionen ihrer Schriften.
OpenType im Praxiseinsatz
Adobe InDesign war die erste Applikation mit voller OpenType-Unterstützung. Damit kann nicht nur mit einer OpenType-Schrift gesetzt werden, sondern es kann auch auf Funktionen der OpenType-Schrift zugegriffen werden. Eine beliebte Funktion sind hier die «echten» Brüche. Bruchziffern bekommen einfach eine andere ID und schon sind sie typografisch korrekt gesetzt. Auch «echte» Kapitälchen sind auf diese Weise kein Problem. Beeindruckend und/oder von ehemaligen Bleisetzern schon lange vermisst sind Ziffern für Tabellen und Lauftext. Auf Wunsch sind Ziffern mit Ober- und Unterlänge (Mediävalziffern) dank OpenType wieder im Zugriff.
Um die Zeichen auszuwählen und darauf zugreifen zu können, hat Adobe in InDesign und Illustrator eine Glyphenpalette eingebaut. Ein Doppelklick auf die gewünschte Glyphe fügt sie an der Textcursor-Position ein. Beim Layoutprogramm QuarkXpress sieht es bis heute düster aus. Zwar «sieht» Xpress dank dem Betriebssystem die ersten 256 Glyphen einer OpenType-Schrift, aber für die Funktionen als solche ist die Software blind. Trotzdem empfiehlt sich auch unter Xpress der Einsatz von OpenType.
Unicode – und alle verstehen sich
Zum Beispiel bei den Type-1-Fonts war für die Kodierung der Zeichen der so genannte ASCII-Code zuständig. Doch diese Kodierung hat den Nachteil, dass sie plattformabhängig ist. Dies ändert sich mit der Kodierung Unicode, die jedem Zeichen jeder geschriebenen Sprache einen eindeutigen Code zuweist. Apple und Microsoft unterstützen Unicode – und da OpenType auf Unicode basiert, ist auch dieses Schriftformat plattformunabhängig. Wer seine Daten ebenfalls für zukünftige Anwendungen (Datenmehrfachnutzung) bereithalten will, sollte sich nun unbedingt mit Unicode befassen.
Schriften verwalten
Wer heute unter Mac OS X und Windows XP nur wenige Schriften verwaltet, kommt mit den Fontverzeichnissen der Betriebssysteme klar. Diese unterstützen Schriften im Type-1-, TrueType- und OpenType-Format. Wer hier an die Grenzen dieser Software stösst, sollte professionelle Fontverwaltungsprogramme verwenden.
Software-Anbieter Extensis hat mit Suitcase und Fontreserve gleich zwei Tools im Angebot: Suitcase sollte man nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings mit Vorsicht einsetzen – vor allem dann, wenn das Auto-Aktivierungs-Plug-in eingeschaltet ist, da dieses für diverse Systemprobleme verantwortlich ist. Extensis Fontreserve empfiehlt sich für grosse Umgebungen. Sehr beliebt und zuverlässig unter Mac OS X ist das Schriftenverwaltungsprogramm Fontagent Pro von Insider Software.
Beim Umgang mit vielen Glyphen hilft in InDesign und Illustrator die Glyphenpalette.
Adobe InDesign holt alles aus den OpenType-Schriften, sogar «echte» Brüche sind kein Problem. Für eine Schrift sind jeweils die Funktionen zugänglich, die nicht in eckigen Klammern stehen.
Adobe liefert mit der Creative Suite über 100 OpenType-Schnitte aus. Der Einstieg in die neue Fontwelt wird dadurch erleichtert.
Glyphen p ZeichenGlyphen und Zeichen sind nicht das Gleiche. Bei OpenType muss man sich dessen bewusst sein. So können die Zeichen f + i als Versalien, als Ligaturen oder als Kleinbuchstaben gesetzt werden. Die Zeichen sind dann zwar die gleichen, die Glyphen (das Erscheinungsbild) aber nicht. Die Glyphe ist demnach das momentane Erscheinungsbild eines Zeichens.
Jede Glyphenform hat eine eindeutige Identifikation, die Glyphen-ID – nicht zu verwechseln mit dem Unicode-Wert des Zeichens. Eine OpenType-Funktion basiert nun auf dem Wechsel der Glyphen-ID. In InDesign sind die Funktionen im Palettenmenü des Steuerelements zugänglich. Dort gibt es je nach Schrift mehr oder weniger implementierte OpenType-Funktionen, nicht zugängliche Funktionen werden in Adobe-Applikationen mit eckigen Klammern versehen.
«Spezialschriften»
CID-Fonts: CID-Fonts wurden mit Adobe InDesign bekannt. Dieses Fontformat kommt beim direkten PDF-Export aus Illustrator und InDesign zum Zug. Ältere Rips (Raster Image Prozessoren) unterstützen dieses Format aber nicht, was Updates erfordert.
.dfont: Unter Mac OS X kommt leider als Systemfont dieses Apple-Schriftformat zum Einsatz. Die Ausgabe gelingt mit den «Data-Fork-Fonts» zwar gut, aber Dokumente können bei einem Plattformwechsel nicht direkt ausgegeben werden. (hu)
Haeme Ulrich
