Tabak Die verstaubte Lokalmarke Brunette soll mit Swiss Original urbaner und trendiger werden. MRG hat das alte Elefantenlogo mit leichter Absurdität wiederbelebt.
Kaum ein anderes Produkt ist von seiner Markenidentität so abhängig wie die austauschbare Zigarette. Kaum eine andere Branche lässt sogar taktische Kommunikationsmassnahmen minutiös von der Marktforschung analysieren. Trotz der sprichwörtlichen Markenloyalität – ein typischer Raucher wechselt heutzutage seinen Lebenspartner öfter als seine Zigarettenmarke – können selbst die kleinsten Änderungen an Positionierung, Konzept oder Umsetzung starke Reaktionen beim Zielpublikum auslösen. Das beweisen Camel im negativen und Parisienne im positiven Fall. Letztere baute in den vergangenen Jahren im Schatten der Tabakmultis wie Philip Morris ihren Marktanteil konstant aus – besonders in der jungen und urbanen Zielgruppe.Mit der Line Extension Swiss
Original der Lokalmarke Brunette bläst Philip Morris (PM) zum Angriff auf die Wettbewerbsraucher. Die helle American-Blend-Mischung der neuen Swiss Original soll wieder jüngere Kundensegmente zur geschmacksintensiven Maryland-Tabak-Marke Brunette führen. «Die ‹Swiss Original› ist eine Rückbesinnung zur ursprünglichen Marke, wie man sie auch bei anderen Produkten beobachten kann», sagt PM-Pressesprecher Marc Fritsch. Nur dürfe diese nicht altbacken daherkommen. Bei Brunette Swiss Original heisst das: zweidimensionales, klares Packungsdesign, nur drei Farben und, als zentrales Element der Werbung, das wiederbelebte Logo der 1924 gegründeten Marke – ein stilisierter Elefant.
Dieser wurde Anfang Jahr in der Teaser-Plakatkampagne mit ironischer Absurdität als neues Schweizer Original positioniert, indem er die klassischen Originale wie Matterhorn und Holzchalet aus der Bildfläche schob. CD Michael Gerber: «Im Spot wollen wir nun diese Positionierung weiterführen.» Darin wird eine klischeehafte Schweiz mit Matterhorn, Alphornmusik und einer Horde japanischer Touristen gründlich auf die Schippe genommen.
Denn statt das meistfotografierte Wahrzeichen abzuknipsen, sind die Touristen vom Brunette-Elefanten angezogen. Die Mechanik, traditionelle Werte humorvoll in Frage zu stellen und so die alternative Marke attraktiv zu machen, werde langfristig beibehalten, wobei der Elefant künftig nicht mehr eine so tragende Rolle spielen wird, erklärt Fritsch. Über die nächsten Spielvarianten will die Basler MRG noch nichts verraten. Klar scheint nur, dass für die vormalige Blue-collar-Marke Brunette mit weiteren nonkonformistischen Auftritten, die bislang Parisienne vorbehalten waren, eine trendige Identität aufgebaut werden soll.
Nimmt man die Stimmen der Teens und Twens in den angesagten Chat-Foren als Gradmesser für die Hipness der Marke, sieht man, dass der Elefant noch einen langen Weg vor sich hat. Die Unterstützung, die Hannibals Dickhäuter versagt blieb, dürfte bei Philip Morris im Land
ihres internationalen Sitzes kein Problem sein.
Starker Tobak aus dem Hause MRG: In der Brunette-Werbung wird die klischeehafte Schweiz gründlich auf die Schippe genommen.
Luca Aloisi