Publishing III Das Programm InDesign CS geht mit neuen Funktionen, besserer Integration und zahlreichen Verbesserungen in die nächste Runde.Es geht im Laufschritt voran. 18 Monate nach InDesign CS bringt Adobe nun InDesign CS2. Beim Update handelt es sich um eine weit gehend neue Version mit vielen zusätzlichen Funktionen wie Marginalien, Objektstilen und Fussnoten. Die erneuerte Layoutapplikation wird wiederum als Bestandteil der ab Juni erhältlichen Adobe Creative Suite (CS2) oder separat erhältlich sein. Neue Objektstile: Profis verwenden zum Auszeichnen bzw. Formatieren von Texten Zeichen- und Absatzformate. Für wiederkehrende grafische Elemente (Textkasten, Bildrahmen, Randnotizen) mussten sie sich bisher mit einer Bibliothek behelfen. Das ändert sich nun in der neuen InDesign-Version. Mit den so genannten Objektstilen lassen sich Objekte nach Wunsch formatieren und daraus ein Objektstil erzeugen. Der Vorgang funktioniert ähnlich wie bei den Textformaten: Die Software sammelt sämtliche Attribute des Objekts (Füllung, Kontur, Transparenzeigenschaften, Textrahmenoptionen) und verknüpft es mit dem neu angelegten Objektstil. Änderungen am Format wirken sich dann auf alle Objekte aus, die mit dem Objektstil versehen wurden.
Mauslos formatieren: «Schnell anwenden» nennt sich eine neue Methode zum Formatieren von Texten. Durch Drücken der Apfel- (Mac) oder Ctrl-Taste (Windows) zusammen mit der Zeilenschaltung kann direkt auf alle Absatz- und Zeichenformate oder die Objektstile zugegriffen werden. Ein Pull-down-Menü, das nach dem Betätigen der beiden Tasten erscheint, ermöglicht nun eine Texteingabe. Tippt man jetzt zum Beispiel ein «G», dann zeigt die Palette nur noch Formate/Stile, in denen ein «G» vorkommt – zum Beispiel «Grundtext». Eine Zeilenschaltung weist das Format dem zu formatierenden Text zu. Das macht die Maus arbeitslos – und die Anwender schneller.
Zusammenspiel: InDesign CS2 unterstützt Kompositionen im PSD-Format (Photoshop-eigenes Datenformat), zudem kann auf Ebenen in PDF-Dokumenten (PDF-Version 1.5) zugegriffen werden. Durch Importoptionen und nach dem Import mittels Objektmenü lässt sich definieren, welche Ebene einer platzierten Datei sichtbar sein soll. Weiter lässt sich bei der Aktualisierung von platzierten Objekten wahlweise beibehalten, was im Bild beziehungsweise im PDF-Dokument zu sehen ist. Stattdessen kann auch auf die in Photoshop oder im PDF-Dokument angelegten Ebenen/Kanäle zurückgegriffen werden.
Auch lassen sich nun einzelne Seiten aus mehrseitigen PDF-Dokumenten bequem importieren bzw. auf der Layoutseite platzieren. Zur Auswahl genügt beim Import ein Mausklick zum Blättern.
Textimport: InDesign CS2 löst selbstständig Namenskonflikte bei Zeichen- oder Absatzvorlagen, die beim Import von Dokumenten im Microsoft-Word-Format öfters auftreten. Besonders praktisch ist, dass die Word-Vorlagen InDesign-Vorlagen zugewiesen werden können. Konkret kann eine Vorlage «Titel 1» beim Import direkt in die Vorlage «Haupttitel» des InDesign-Dokuments verwandelt werden. Diese Importeinstellungen lassen sich zudem speichern.
Smart Text: Die einen werden es lieben, andere sich daran stören: Wie aus Office-Applikationen oder QuarkXPress bekannt, kann man nun auch in InDesign CS2 Text per «Drag&Drop» verschieben. Dank der Funktion «Textbearbeitung durch Ziehen und Ablegen» muss dazu der Text lediglich markiert und kann dann an eine andere Stelle im Dokument gezogen werden. Gleichzeitiges Drücken der Alt-Taste kopiert den Text – und falls ein neuer Textrahmen erstellt werden soll, kann das elegant durch Drücken der Apfel/Ctrl-Taste erfolgen. «Textbearbeitung durch Ziehen und Ablegen» ermöglicht auch eine dynamische Rechtschreibkontrolle und einen verbesserten Umgang mit Benutzerwörterbüchern.
Echte Fussnoten: Layouten von mehrseitigen Dokumenten war bisher eine relativ einfache Angelegenheit – zumindest solange keine Fussnoten verlangt waren. InDesign CS2 befreit auch von diesem Manko. Mit einem einfachen Befehl («Fussnote einfügen») können nun mit der Fussnotenreferenz mitlaufende Fussnoten erzeugt werden. Diese lassen sich einfach global formatieren.
Marginalien: Neben den Fussnoten waren bisher die Marginalien (Texte in Randspalten) eine weitere Hürde. Adobe nennt eine Funktion, die hier Abhilfe schaffen soll, trefflich «verankerte Objekte». Dazu muss der Textcursor an die entsprechende Position gesetzt und ein verankertes Objekt eingefügt werden. InDesign fragt dann ab, mit welchem Versatz zum Cursor der Rahmen platziert werden soll.
Neben im Text mitlaufenden Grafiken ist auch ein Versatz ausserhalb der Spalte möglich. Das geht so weit, dass man InDesign anweisen kann, verankerte Rahmen immer an der Seiten-Aussenkante zu positionieren: Bei linken Seiten also links, bei rechten rechts. Rutscht die Verankerung im Lauftext nun von einer linken auf eine rechte Seite, wechselt auch die Marginalie automatisch die Seite bzw. wird gespiegelt.
Vektorgrafiken: Viele Elemente/Grafiken, die früher mit z. B. Illustrator oder Freehand erstellt wurden, können heute direkt in InDesign produziert werden. Um das Handling mit Vektorpfaden nochmals zu verbessern, hat Adobe den Pathfinder ausgebaut. Damit können nun auch in InDesign zum Beispiel mehrere Vektorobjekte zu einem zusammengefügt oder ein Vektorobjekt von einem anderen rechnerisch abgezogen werden.
Farbmanagement: Adobe hat das ICC-Farbmanagement in der Creative Suite 2 praxisbezogener gestaltet. Auch die ungewollten CMYK-zu-CMYK-Transformationen gehören damit der Vergangenheit an. Wichtig zu wissen ist, dass bei sämtlichen Applikationen der Creative Suite (inklusive InDesign CS2) das Farbmanagement standardmässig eingeschaltet ist.
Farben: Wer sich in Illustrator mühevoll Farbfelder anlegt, kann auf diese jetzt direkt in InDesign, Photoshop und GoLive zugreifen. Dazu müssen die Farbfelder im Adobe-Swatch-Exchange-Format (*.ase) exportiert werden.
Metadaten: Um seine Daten künftig schneller zu finden, beschreibt man diese sinnvollerweise mit Metadaten. Für den Umgang mit diesen Objekte, Bilder und Dokumente beschreibenden Daten hat Adobe bereits seit längerem das XMP-Metadatenformat entwickelt und in früheren InDesign-Versionen zugänglich gemacht. InDesign CS2 geht mit gutem Beispiel voran und trägt gleich selbstständig die verwendeten Farben und Fonts in die Metadaten jeder Datei ein. Clever, denn so werden in der Adobe Bridge (in Creative Suite 2 integrierter Datei-Browser) bereits wichtige Informationen zum Dokument ersichtlich. Das geht so weit, dass man künftig nach InDesign-Files suchen kann, die etwa eine bestimmte Sonderfarbe oder Schrift verwenden.
Kompatibel mit CS1InDesign CS2 ist mit InDesign CS1 kompatibel. Adobe verwendet dafür das InDesign-Interchange-Format, eine komplette XML-Abbildung («Extensible Markup Language») der InDesign-Datei. InDesign CS1 kann eine solche Datei öffnen. Voraussetzung ist allerdings ein entsprechendes Update der Creative Suite. Dieses kann bereits auf der Adobe-Website heruntergeladen werden. Aber oft muss nicht das ganze Dokument ausgetauscht werden: Wer InDesign-Objekte per Drag&Drop auf den Schreibtisch oder in die Adobe Bridge zieht, erzeugt so genannte Snippets (kleine XML-Files mit InDesign-Inhalt). Diese Snippets können dann in andere InDesign-Files platziert werden. Dabei wird sogar die Position des Ursprungsdokuments übernommen.
Fortschritte bei XMLAdobe hat auch den XML-Import und -Export stark überarbeitet. Mit Hilfe der zum Markieren von Dateien mit Metadaten konzipierten XML lassen sich nun Tabellen durchgehend «taggen», also mit dem Original verknüpfen, und auch exportieren. Weiter wird es so möglich, Inhalte aus Datenbanken in Tabellen einfliessen zu lassen. Die XML-Files können beim Import nun auch wie Bilder und Grafiken verlinkt werden. Dadurch ist eine einfache Aktualisierung möglich.
Beim XML-Import gibt es weitere spannende Erweiterungen. Wer viele Datensätze aus einer Datenbank als XML-Inhalt ins Layout übernimmt, braucht dazu nur einen Mustersatz zu formatieren. Die nachfolgenden Datensätze übernehmen automatisch die Formatierung/das Aussehen des ersten. Weiter können auf Wunsch nur Elemente importiert werden, die auch in der Struktur von InDesign vorkommen – oder es lassen sich Elemente aus InDesign löschen, die nicht im XML-File vorkommen.
Der Austausch von Inhalten mit Adobe GoLive, der schon mit der Creative Suite 1 Einzug hielt, ist ebenfalls verbessert worden. Zum einen können nur selektierte Objekte oder ein Seitenbereich für GoLive exportiert werden, zum anderen kann GoLive CS2 jetzt direkt XHTML-Sites (eine HTML-Erweiterung) erzeugen. Für einfache Print-Web-Integration ist dies eine besonders hilfreiche Funktion.
InDesign CS2 ermöglicht das Auslesen von Ebenen aus Photoshop- und PDF-Dokumenten.
Absatz-, Zeichenformate und Objektstile sind zentral zugänglich.
In InDesign CS2 kann das Aussehen von Objekten als Stil gesichert werden.
Word-Formatvorlagen können InDesigns Zeichen- und Absatzformaten zugewiesen werden.
Verankerte Objekte (für Marginalien zu verwenden) sind auch ausserhalb der Satzkante positionierbar.
InCopy CS2Auch Adobe InCopy wurde erneuert. Das separat erhältliche Programm InCopy CS2 ist für Redaktoren, was Adobe InDesign für Gestalter ist. Aufbauend auf der gleichen Text-Engine, lassen sich in InCopy von InDesign freigegebene Artikel zeilengenau schreiben. Noch während der Gestalter an der Seite arbeitet, kann der Redaktor mit dem Abfüllen der Texte beginnen. Die Verbindung zwischen InCopy und InDesign stellt in grösseren Umgebungen ein Redaktionssystem her.
Für kleinere Arbeitsgruppen gibt es Adobe LiveEdit (früher: InCopy-Bridge), eine auf dem File-System basierende Verbindung zwischen InDesign CS2 und InCopy CS2. Beim Einsatz der Creative Suite 1 muss der Redaktor bei dieser File-System-Lösung Zugriff auf die InDesign-Datei haben, um zeilenverbindlich schreiben zu können. Neu schaffen hier Assignments Abhilfe. Assignments sind eine Art Mini-InDesign-Layouts für InCopy. Sie beinhalten nur noch das, was für den jeweiligen Redaktor wichtig ist. Dies ist vor allem dann eine wichtige Erweiterung, wenn Redaktion und Produktion örtlich getrennt sind.
Darüber hinaus lassen sich mit dem Positionierungswerkzeug Bilder in bestehende Rahmen platzieren oder darin verschieben. Mit InCopy CS2 kann auch auf in InDesign angelegte Ebenen zugegriffen und können Dokumente im Word- als auch im RTF-Format geöffnet werden. Zudem ermöglicht die Applikation erstmals den Text-vor-Layout-Workflow, ohne dass dafür zusätzliche Werkzeuge von Drittherstellern notwendig wären.
(hu)
Haeme Ulrich