Beteiligungen Das Seilziehen um Vogt-Schild ist nahezu beendet: Peter Wanner ist Sieger. Mit seinem Jubel hätte er allerdings besser zugewartet.Was am 11. Mai in der Solothurner Zeitung und in deren Partnerblättern Aargauer Zeitung (AZ), Oltner Tagblatt (OT) und Zofinger Tagblatt (ZT) verlautbart wurde, kam für SZ-Verleger Fritz M. Schuhmacher eher überraschend. «Die vier Partner sind sich einig geworden, die Mittelland Zeitung langfristig weiterzuführen», war da zu lesen. «Diesen Satz habe ich mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, ist doch punkto Verlängerung des MZ-Verbundes noch nichts entschieden. Die Gespräche laufen», hielt Schuhmacher auf Anfrage der Werbewoche fest.Das wirft eine Frage auf: Wie kam dieser Satz ohne Wissen von Schuhmacher ins gemeinsame Communiqué der MZ-Partner. Ein Nachfragen zeigt schnell: Seitens Vogt-Schild (VS/H) hat CEO Christian Müller den Wortlaut abgesegnet. «Ich auf meiner Ebene halte die MZ für ein erfolgreiches Produkt. Ich muss nichts anderes haben», sagt er. Dessen sei er sich mit den Partner-CEOs einig. Doch auch er weiss: Der MZ-Vertrag wurde seinerzeit auf Verwaltungsratsebene unterschrieben. CEOs haben hier nicht vorzuprellen.
Dass sich VS/H-CEO und VS/H-VR-Präsident punkto Kommunikation nicht abstimmen, ist zwar merkwürdig. Noch befremdender wirkt aber, dass auch Peter Wanner, immerhin VR-Vizepräsident der AZ-Medien und Gallionsfigur der MZ, der Verlautbarung ebenfalls zustimmte, obwohl er davon Kenntnis haben muss, dass sein Verlegerkollege Schuhmacher noch zuwarten will – oder muss. Kommt dazu, dass Wanner mit der Aussage, er wolle sich an der VS/H beteiligen, Schuhmacher quasi als Zögerer hinstellt.
Auch wenn Wanner bloss eine Beteiligungsabsicht äusserte: Er würde eine solche Aussage nie machen, wenn er sich seiner Sache nicht sicher wäre. Wanner wollte sich dazu gegenüber der Werbewoche nicht mehr äussern. Er habe sich schon zu weit aus dem Fenster gelehnt und seitens der MZ-Partner und der PubliGroupe Geharnischtes zu hören bekommen. Das alles deutet darauf hin: Wanner weiss mehr als Schuhmacher.
Letzteres erstaunt nur auf den ersten Blick. Wenn man sich jedoch Schuhmachers heikle Situation vor Augen hält, wird sein Nichtwissen durchaus nachvollziehbar: Schuhmacher ist ja nicht nur SZ-Verleger, sondern zugleich VR-Vizepräsident der PubliGroupe, die zu 35 Prozent an VS/H beteiligt ist. Wegen dieser Doppelrolle bei VS/H ist Schuhmacher bekanntlich im Visier der Wettbewerbskommission. Kein Wunder deshalb, dass der Jurist darauf bedacht ist, sich in seiner heiklen Mission äusserst korrekt zu verhalten. Aus diesem Grund, so betont er, trete er bei den PubliGroupe-VR-Sitzungen «nachweislich in den Ausstand, wenn die VH/S traktandiert ist.»
Wenn dem so ist – und daran ist eigentlich nicht zu zweifeln – dann ist Schuhmacher derzeit nicht im Bild, wie die Verhandlungen der PubliGroupe mit AZM und Espace Media bisher liefen. Wanners Äusserung, das vorprellende MZ-Communiqué sowie die Reaktion aus Bern (siehe Kasten) weisen jedoch darauf hin, dass Wanner mit der PubliGroupe so gut wie handelseinig geworden ist. Unklar bleibt, wie genau.
Offen ist vor allem die Frage, wie denn die von Wanner angebotenen Kreuzverflechtungen am Ende aussehen werden. Fest steht bisher: Die AZ Medien beteiligt sich zu je 5 Prozent an der OT-Herausgeberin Dietschi AG und an der Zofinger Tagblatt AG. Mehr gibts nicht, denn bei beiden Verlagshäusern existiert in den Statuten je eine entsprechende Vinkulierungsklausel. Beide sind aber daran interessiert, sich ebenfalls an AZM zu beteiligen, zudem werden sie sich voraussichtlich auch untereinander verflechten – wiederum zu maximal 5 Prozent.
Das bestätigen die Herausgeber Arthur Tabeling (OT) und Hans Gresch (ZT). Bleibt die Kreuzbeteiligung mit dem Vierten im Bund, der SZ. Hier wird es heikel: Wie viel von ihrem Anteil verkauft die PubliGroupe? Alles – oder nur 15 Prozent, also je fünf Prozent an die drei MZ-Partner? Und was erhält sie dafür? Anteile der AZM sowie von OT und ZT? Die AZ-Regie? Oder die Möglichkeit, das ganze Paket bei der NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH) einzubringen, um damit die junge Partnerschaft mit der NZZ zu stärken?
Wanner will sich dazu nicht äussern. Arthur Tabeling hingegen wagt sich vor: «Wir haben kein Interesse, der PubliGroupe über die wenigen Freundschaftsaktien, die sie bei uns schon heute hält, noch mehr Anteile abzugeben. Zudem hat sie schon 100 Prozent beim Stadtanzeiger Olten. Das genügt für diesen Raum.» Und zur Spekulation, die PubliGroupe könnte die MZ quasi bei der FPH integrieren wollen, sagt er dezidiert: «Die PubliGroupe wird die MZ vorwärts und sonst nirgendwohin bringen.» In eine ähnliche Kerbe schlägt Hans Gresch: «Wie sehr das ZT selbstständig bleiben will, zeigen die Investitionen von über 20 Millionen Franken für unseren Neubau und die neue Zeitungsrotation.»
Nichts Neues für das Solothurner TagblattWas bedeutet die Absage aus Solothurn für die Espace Media Groupe? Und wie reagiert sie darauf? Sieht man in Bern einen Spielraum, um das Blatt doch noch zu wenden? Und wie geht es mit dem Solothurner Tagblatt weiter, das seine Todesanzeigen nach wie vor gratis druckt? Diese Fragen schickte die Werbewoche nach Bern.
Die Antwort kam postwendend von Albert P. Stäheli, VR-Delegierter der Espace Media. Er schrieb: «Auch wenn die Solothurner Zeitung beziehungsweise die VS/H zur Überwindung ihrer wirtschaftlichen Schwierigkeiten nun die Unterstützung der AZ sucht, heisst das nichts Neues für das Solothurner Tagblatt. Seine Entwicklung – wir rechnen bei der nächsten Auflage-Beglaubigung bereits mit einem Wert um die 5000 Exemplare (!) – zeigt, dass für diese redaktionell gut gemachte Zeitung ein echtes Bedürfnis vorhanden ist. Es ist für die Solothurner Bevölkerung offenbar eine Bereicherung, täglich die Wahl aus zwei Zeitungen zu haben. Der erst kürzlich eingeführte Tarifverbund im öffentlichen Verkehr bringt Solothurn und Bern einander noch näher. Und es sieht nicht danach aus, dass sich dieser Trend in absehbarer Zeit ändern würde.» (mk)
Markus Knöpfli