Publishing IV Die A&F Computersysteme AG (A&F) veranstaltete kürzlich ihr traditionelles Seminar.Unter dem Titel «Die richtigen Werkzeuge für ein effizientes Produzieren» veranstaltete A&F in Sursee ihre jährliche, ganztägige «Monsterveranstaltung». Über ein Dutzend Referenten informierten mehr als 300 Personen über Trends und Entwicklungen in der Druckvorstufe.InDesign CS2 versus XPress 7
Wie bei A&F üblich wurden Programme vorgestellt, die andernorts noch nirgends präsentiert wurden. So war eines der Highlights eine für den Schluss aufgesparte Vorstellung von Quarks in den Startlöchern befindlichem Layout-Programm XPress 7. Überhaupt war die Diskussion um die Führung unter den Layout-Programmen wichtigstes Tagungsthema unter vielen Seminarteilnehmern: Wird Quark XPress seine Führung im Markt halten können oder sich weitere Anteile von Adobe InDesign abjagen lassen? Da am Seminar nur ein bescheidener Anteil von XPress 7 vorgeführt werden durfte, kann die Frage um die «technische Vorherrschaft» immer noch nicht abschliessend beantwortet werden; das in Sursee von Thomas Neumaier, Quark Product Market Analyst Europe, Gezeigte reicht kaum aus, um InDesign-Anwender zum Umsteigen zu motivieren (siehe Beitrag «Alles paletti …», S. 26).
InDesign konnte deutlich zulegen (siehe Beitrag «Riesenschritt nach vorne», Seite 27) – wie die kurz vor der Veröffentlichung befindliche Creative Suite überhaupt. Bei Adobes neuem Software-Bundle, das am Seminar erstmals in Europa vorgeführt wurde, gefallen vor allem die mitgelieferten Tools Version Cue (für das projektbezogene Arbeiten) und Adobe Bridge (für die Dateiverwaltung plus Colormanagement und Anbindung an Stock-Photo-Anbieter). Referent Patrick Stalder, A&F, verwies auch auf die aktualisierten Versionen Photoshop und Illustrator. Besonders praktisch für den Vorstufen-Workflow: Bilddateien können nun in Photoshop CS2 neu mit Vektorgrafiken verknüpft werden und die Vektordaten bleiben editierbar. Daraus könnte Photoshop wieder mehr Bedeutung bei der Bildmontage/-komposition erwachsen. In Illustrator CS2 wurde das früher als Streamline bekannte Vektorisierungswerkzeug integriert. Damit lassen sich Pixeldaten abpausen und in bearbeitbare Pfade/Grafiken verwandeln.
Digitale HelferleinGrosses Interesse fanden die von Erich Hunkeler und Martin Wicki, beide A&F, vorgestellten «kleinen Helferlein». Diese Programmerweiterungen von Woodwing, Callas, OneVision und Jo Lauterbach helfen den Desktop-Publishern beim Erledigen wiederkehrender Arbeiten oder etwa beim schnelleren Formatieren von Texten und Tabellen. Zu dieser Software-Kategorie zählen auch die vielen Werkzeuge für die Erstellung «brauchbarer» bzw. ausgabeoptimierter PDF-Dokumente. Das an sich leidige Thema wurde eingehend diskutiert, vor allem der ISO-Standard PDF/X bzw. /X-3. Leidig deshalb, weil die Ausgabe druckfertiger Dokumente in etwa gleich fehleranfällig ist wie das Belichten von seitenglatten Filmen mit dem Aufkommen des Desktop Publishing in den 80er-Jahren. Um den Standard PDF/X in der Schweiz stärker zu verankern, wurde eigens ein Verein namens «PDF/X ready» gegründet, dessen Ziele Kurt Obrist, PrintOnline, kurz präsentierte.
Mit dbEdix stellten Guido Steger (A&F) und Karsten Hesse (vom Anbieter Opix) eine so genannte Autoren-Software vor. Damit lassen sich aus Daten von Warenwirtschaftssystemen (z. B. SAP) dynamisch ab einer Datenbank entweder zusammengehörige Elemente oder in einer Layout-Ansicht auch ganze Seiten zusammenstellen. Die Verknüpfung von Textelementen wie Produktbeschreibungen, Preise etc. ermöglicht es Marketingstrategen, die Preislegung erst kurz vor Herausgabe eines Katalogs festzulegen – immer mit der Sicherheit, dass auch nur die festgelegten Preise publiziert werden. Präsentiert wurde auch die weiterentwickelte Opix-Lösung MediaCity für die crossmediale Produktion.
Eine andere Richtung schlägt das erneuerte Remote Publishing System ein. Damit können Geschäftsdrucksachen über das Internet und via Webbrowser erstellt, aktualisiert oder auch personalisiert werden. Das aus den Modulen Quark Document Server, IIS Webserver, Remote Publishing Systems und Acrobat Distiller bestehende System ermöglicht damit Grossunternehmen, ihre Drucksachen auch ohne Kenntnisse von Layout-Applikationen zu erstellen. Möglich ist nun auch das Austauschen von in der Assetmanagement-Lösung Opix verwalteten Bilddaten. Der bekannte Consultant Michael Mittelhaus gab einen Überblick über den Vernetzungsansatz mittels JDF/JMF. Mittelhaus geht davon aus, dass die Vorstufe erneut gewaltige Veränderungen erfahren wird. So glaubt er, dass das Ausschiessen von Einzelseiten zu Druckformen eine aussterbende Tätigkeit ist, weil JDF-gestützte Systeme das heute schon ansatzweise können und dies in naher Zukunft vollumfänglich möglich sein wird.
Geteilter Meinung konnte man über den Vortrag von Berufskollege Hans Georg Wenke, Chefredaktor Druckmarkt Schweiz, sein. Mit seinen provokanten, als fiktiver Rückblick versehenen Ansichten versuchte er, die Branche auf die heutigen Missstände («Können Sie beim Bäcker auch den Preis für ein Brötchen aushandeln?») aufmerksam zu machen. Bei seinem Vortrag durfte trotz vieler ernster Prognosen auch herzlich gelacht werden; was dem Seminar gut tat, es dem Schlussredner aber auch erschwerte, wieder den Anschluss an technische Features und Funktionen zu finden.
Für jeden etwasBei den am A&F-Seminar vorgestellten Programmen und Lösungen ging es vor allem um die Produktivitätssteigerung. Am besten gefallen haben die kleinen Lösungen, mit denen sich einfach und komfortabel etwa Umformatierungen von Texten bewerkstelligen lassen. Die Konzepte von dbEdix oder RPS brauchen dagegen zuerst die entsprechenden Kunden, die diese Konzepte verstehen und benötigen. Ist dies der Fall, dann wächst jedoch dank dieser zunehmend Browser- bzw. Java-basierenden Applikationen das Einsparpotenzial bei der Werbemittelproduktion.
Mit dbEdix können Produktmanager Kataloge und Flyer produzieren.
IntegrationDie Vorteile der zentralen Informationsverwaltung (Managed Client) gegenüber der Einzelplatzverwaltung hat Urs Felber, Geschäftsführer von A&F, an seinem Vortrag vorgestellt. Die Installation und der Support von Arbeitsstationen kann damit erheblich vereinfacht werden. Auch ist es jedem Anwender möglich an einer beliebigen Station seine gewohnte Umgebung vorzufinden. Im Weiteren wurde eine Integration eines Open Directory Systems (OS X) in eine Active Directory Umgebung (Wndows) thematisiert. Felber sieht dies als eine wichtige Herausforderung für mittlere und grössere Agenturen, Verlage und Druckereien. (jf)
Jürgen Franck