Markus Mager will Radio 24 im Informations-bereich weiter stärken und als neuer Programmleiter den Sender möglichst breit positionieren.
«So skurril das jetzt tönen mag: Der SBB-Gau war für uns ein grossarti-ges Ereignis», erklärt Markus Mager. Beim Interview am Morgen nach dem fatalen Blackout der Bundesbahnen wirkt er noch total aufgekratzt. «Ein grosser Tag für uns, weil wir als Journalisten voll gefordert waren», präzisiert Mager, der seit dem 1. Mai als neuer Programm-
leiter für Radio 24 verantwortlich ist. Für den Heimkehrer in ein
ehemaliges Schawinski-Medium und Pionier bei Tele 24 hat der spontane Einsatz mit vielen Sonderleistungen «wieder einmal bewiesen», dass das Newsteam bei Radio 24 «unglaublich schnell und hart an den Fakten ist».
Die Radioleute haben lange niemanden erreicht und trotzdem live und sofort eine komplette Berichterstattung machen müssen. «Das sind die Momente, wo das Adrenalin schiesst und die Redaktion auf Hochtouren läuft. Mit 200 Prozent Engagement.» Für den neuen Programmleiter war es «wie eine Erleuchtung», nach so vielen Jahren zum Radio zurückzukehren. Kein Medium ist so «schnell und mit intimer Nähe bei den Nutzerinnen und Nutzern». Das Radio läuft im Schlafzimmer, Badezimmer, im Auto. Natürlich hätte man beim Fernsehen ein Bild zu jeder Meldung. «Aber Kino im Kopf ist für mich noch schöner, weil man sich selber das Bild machen kann», kommt Mager von seiner Euphorie langsam herunter, während bei den SBB der Strom jetzt wieder mehr oder weniger hochgefahren ist.
«Dein Sprechorgan muss einmal separat totgeschlagen werden», hat Moderator Röbi Koller ihm prophezeit, als der damalige IT-Spezialist Mager und der Radiomann gemeinsam einen WK machten. Mager
interpretierte die Diagnose als Aufforderung zu einer Bewerbung. Er schickte eine Demokassette an Radio Z und durfte dort in der Folge
alle Stationen absolvieren, vom Wunschkonzert-Moderator bis zum Chefreporter.
«Die Entwicklung zu jener Zeit war verrückt. Der Radiobereich war Mitte der 90er-Jahre erstmals richtig im Umbruch, so wie jetzt vor vier Jahren wieder.» Gute Leute hatten ihre Chancen. Als bei Radio Z einmal zu wenig Leute auf der Redaktion weilten, wurde auch Moderator Mager kurzerhand in die journalistische Verantwortung berufen. «Das war eine Initialzündung. Bei der Redaktion hat es mich gepackt.»
Mager hat diverse Schulungen am MAZ und beim VSP absolviert. Eine Radioausbildung in der heutigen Form hat es aber noch nicht gegeben. Nur Fragmente. «Ich habe ‹on the Job› von vielen arrivierten Radioleuten profitieren können.»
Sein grosses Feuer für das Medium sei gekommen, als ihm bei Radio Z der Job als Chefreporter anvertraut wurde. Reportagen anreissen auch abseits der Agenda-Stoffe. Zum Beispiel eine Reportage im Sommer 96, «Zürich erwacht», bei Sonnenaufgang aus einem Heissluftballon oder sehr persönliche Portraits von Politikern und Politikerinnen 1998.
Markus Mager erlebte die Entwicklung der elektronischen Medien in der Schweiz genau in der richtigen Generation. Als die Radios etabliert waren, kam ein neuer Hype mit dem Privatfernsehen.
Bestandene Radioprofis waren gesucht, als Tele 24, TV 3 und das Schweizer Fenster von RTL/Pro 7 gegründet wurden. Mager stiess 1998 zu TeleZüri und machte dann die Entwicklung zu Tele 24 mit. Nach Abstechern zu RTL/Pro 7 und Sat 1 (Schweiz) kehrte er 2001 zunächst als Reporter und Produzent zu Tele 24 zurück. Von 2002 bis 2004 wirkte er als stellvertretender Chefredaktor beim nun wieder lokal ausgerichteten TeleZüri unter Programmleiter Markus Gilli. «Das war für meine Berufserfahrung eine wertvolle Zeit, weil wir auch Tele- Züri wieder neu aufbauen mussten – aber auch sehen konnten, wie es gedeiht.»
Unvergesslich für den Journalisten bleibt das Jahr 2001 mit all den Katastrophen wie 9/11, dem Massaker von Zug, dem Brand im Gotthard-Tunnel, das Swissair-Grounding. «Da sind wir als Journalisten in eine neue Dimension eingetaucht.»
Eine neue Situation im Leben stellte sich für Markus Mager auch im Jahre 2004. Er heiratete, verlor innerhalb kurzer Zeit Vater und Mutter und fragte sich dann generell: Was will ich noch machen? In seinem Rucksack fehlte bislang der Printbereich. Ein knapp einjähriger Abstecher zum SonntagsBlick zeigte ihm aber, dass die elektronischen Medien trotzdem besser seinem direkten Naturell entsprechen.
Für Radio 24 sieht Mager einen Schwerpunkt bei der Information. «Das ist meine ganz klare Definition: Ein Regionalmedium mit einer Geschichte und Verankerung wie Radio 24 muss eine sehr starke Info-Kompetenz haben. Die Leute wollen wissen, was in Zürich passiert», erklärt Mager. Man hat feine Änderungen auch in der Musik schon vorgenommen, die sehr positiv aufgenommen werden beim Publikum. «Ein bisschen breiter und abwechslungsreicher», heisst das Konzept. Das führe zu einem guten, viel-
fältigen Radioprogramm, das auf Tendenzen, Stimmungen und Strömungen eingehen kann. «Es ist wichtig, diesen Puls zu spüren.»
Mager sieht sich deshalb als «erster Hörer» und nicht als Musikexperte seines Radios.
Radio funktioniert nicht mehr wie vor zehn Jahren. Die Leute haben stets mehr Möglichkeiten, sich zu unterhalten und zu informieren. Internet oder Musik aus dem iPod waren damals kein Thema. «Also müssen wir von der Basis her immer mehr Leute ansprechen, damit wir die Hörerzahlen halten können.» Radio 24 «muss ein Massenmedium sein und viele Geschmäcker ansprechen». Mager hat schon mehrmals in Führungspositionen gewirkt. Eine Programmleitung aber nie aktiv gesucht. Es mache ihm aber Spass, jetzt erstmals «auf einer Kutsche zu sitzen und wie bei einem Zwölfspänner mal hier und mal da an den Zügeln zu ziehen, bis der Kurs richtig ist».
Auch am Mikrofon wird man das «nicht umzubringende Mundwerkzeug» ab Juli wieder hören können. Mit einer Talkshow? Hier will Mager beim Interview einen Punkt setzen. Ob daraus mal ein «Doppelpunkt» wird?
Für Markus Mager ist Radio 24 ein Massenmedium, das viele Geschmäcker ansprechen muss.
Andreas Panzeri