Top-Scorer bei IP Multimedia

Grosszügigerweise hat die IPM letztes Jahr einen neuen Event ins Leben gerufen – ein Golfturnier.

Grosszügigerweise hat die IPM letztes Jahr einen neuen Event ins Leben gerufen – ein Golfturnier.Das ist ja an und für sich nichts Neues für Werber, aber da es sich um ein Einladungsturnier handelt, können sich die Küsnachter natürlich jeweils dreissig besonders lustige Golfer aussuchen. Zudem geht dem Anlass jeglicher sportliche Ehrgeiz fast vollständig abhanden, denn gespielt wird im Scramble-Stableford-Modus. Was so viel heisst, dass jeder Flight eine Mannschaft bildet und sich mit den anderen Flights misst. Für Nichtgolfer – ein Flight sind die vier Spieler, die zur selben Zeit zu ihrer Runde starten.Dass dann die Ränge eins bis vier nur je einen Punkt auseinander lagen, fuchste den Shortlistautor letztlich aber doch etwas. Denn der eine Zähler, der fehlte, ging erst am letzten Loch verloren. Weshalb sich Jürg Schubiger, André Dosé und IPM-COO Marcel Bosshard allein über den zweiten Platz freuen durften.
Aber wie schon gesagt – für einmal stand nicht das rein Sportliche im Vordergrund. Und so wurde denn auch für ein Golfturnier beim Dinner erfrischend wenig über Golf gesprochen.
Siegreich: Werni Baumann, Ad. X, Paul Sturzenegger, Ex-GL-Mitglied Rivella, Reto Caviezel, Art on Ice und Werber Heinz Egli (v. l.).
Die Gastgeber mit ihrem Vizepräsidenten Dr. Beat Curti – Michi Frank (l.), CEO, und Marcel Bosshard (r.), COO der IP Multimedia.
Auf Platz drei landeten Shortlistautor Fritsch, Hélène Müller, Headaway & Stone, Werber Martin Denecke und Roli Lacher, Pinx (v. l.).
Golffans: Claude Hauser, Präsident der Verwaltung MGB, Ex-McCann-CEO Heinz Flückiger und SI-Verlagsdirektor Urs Heller (v. l.).
Ein grosses Dankeschön an die Organisatorinnen Bettina Singeisen, Tanja Kretz-Sägesser und Franca Mathes von IP Multimedia (v. l.).
Liessen sich die Teilnahme an dieser Golfpartie ebenfalls nicht entgehen: Theophil Butz, Andy Hostettler und Peter Lesch (v. l.).
Beat Fritsch

JobChange

verstärkt seine Schweizer Generaldirektion mit Eric Hoesli (Bild). Der ehemalige Verlagsleiter und Chefredaktor von Le Temps übernimmt die neu geschaffene Stelle eines Direktors der Regionalpresse.

verstärkt seine Schweizer Generaldirektion mit Eric Hoesli (Bild). Der ehemalige Verlagsleiter und Chefredaktor von Le Temps übernimmt die neu geschaffene Stelle eines Direktors der Regionalpresse.Das Lausanner Verlagshaus Edipresse Ihm werden Antoine Exchaquet als Leiter der Tribune de Genève und Pierre Buntschu als Verantwortlicher für 24 Heures und die Waadtländer Publikationen unterstellt. …
Der ehemalige SonntagsBlick-Chefredaktor Martin Hofer wird Senior Consultant bei Burson-Marsteller. Er verstärkt die Zürcher Kommunikationsagentur ab Anfang September in den Bereichen Public Affairs und Media Relations. Hofer führte den SonntagsBlick von Januar bis Oktober 2003. Davor war er bei SF DRS Redaktionsleiter der Newssendung «10vor10».
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Stefan Vogler verlässt die Werbeagentur Grey Schweiz Ende August. Der bisherige Chairman und Managing Partner ist gemäss Communiqué «offen für neue Herausforderungen». Er übergibt die Leitung der Agentur im Juli
an den Managing Director von Grey Genf, Charris Yadigaroglou (Bild), der zum CEO ernannt wurde. Grey Zürich wird ab demselben Zeitpunkt von Christoph Vogler, bisher verantwortlich für Strategic Planning, weitergeführt. Das Amt des Chairman der Grey Worldwide AG übernimmt Anfang September Uli Veigel, Head of Grey Germany.
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Patrick Steinemann schreibt seit Anfang Juli als Inlandredaktor für die Schaffhauser Nachrichten. Zuvor war er als freier Journalist unter anderem für die Werbewoche und das Media Trend Journal tätig.
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Die Regionalsender Tele M1 und TeleTell stocken ihren Technikerpool bei der gemeinsamen Produktionsfirma TMT Productions von 9 auf 13 Vollstellen auf. Die bisher vakante Stelle des Leiters Technik und Produktion wird aufgeteilt. Für die Leitung Produktion wurde per Oktober Bruno Zus verpflichtet, bisher bei SF DRS für «10vor10» tätig. Die Leitung des Bereichs Technik übernimmt Jann Erne, der als freier Produzent schon lange für Tele M1 und TeleTell tätig ist.
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Monika Nievergelt stösst Anfang Juli als Beraterin zur Zürcher Consulting-Agentur Bretscher + Partner. Die einstige Werbeleiterin für die Bereiche Wireline & Internet bei Sunrise verstärkt das Angebot in den Bereichen Kommunikation, Werbung und Media Relations.

Teletext ist nicht gleich Teletext

In der letzten Werbewoche/ (No. 25 vom 30. Juni 2005) heisst es im Artikel «Bald Sendeschluss in Biel» auf Seite 15:

In der letzten Werbewoche/ (No. 25 vom 30. Juni 2005) heisst es im Artikel «Bald Sendeschluss in Biel» auf Seite 15:In der letzten Werbewoche (No. 25 vom 30. Juni 2005) heisst es im Artikel «Bald Sendeschluss in Biel» auf Seite 15: «Der ORF, für den Swiss TXT die Teletextdienste vollständig bereitstellt, wirbt bereits mit dem Werbepotenzial der Schweizer Marke.» Richtig ist: Zwischen Swiss TXT und dem Angebot des ORF besteht weder eine publizistische noch eine kommerzielle Verbindung.

Der Markenpfleger

Daniel Kraft will sich als neuer Teilhaber von Scholtysik Niederberger Kraft für eine nuancierte Betrachtungsweise von Marken einsetzen.

Daniel Kraft will sich als neuer Teilhaber von Scholtysik Niederberger Kraft für eine nuancierte Betrachtungsweise von Marken einsetzen.Die Schuhe müssen das richtige Logo haben, die Getreideflocken auf dem Frühstückstisch die genau im Trend liegenden Gadgets in der Packung versteckt halten, und gespielt wird nicht mit irgendeinem namenlosen Game. Seine beiden Buben von sechs und neun Jahren haben, wie die meisten Kinder heute, ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. Trotzdem kann ihnen ihr Vater nur schwer erklären, was er den ganzen Tag und oftmals auch länger in seinem Büro macht.Daniel Kraft «entwickelt und pflegt die Identität von Marken», steht auf seiner Visitenkarte. Und er weiss, was diese Arbeit auslöst. «Die Besessenheit auf Markenartikel – man will alles haben, was einflussreiche Kinder auch haben – zwingt viele Eltern dazu, sehr viel Druck aushalten und abfedern zu können.» Allerdings: «Wir machen nicht nur begehrenswerte Marken, damit man nachher für einen Tennisschuh mehr bezahlt», will Daniel Kraft das grösste Missverständnis seiner Berufskunst ausräumen. Und er spricht jetzt für Erwachsene.
Dem neuen, gleichberechtigten Teilhaber bei Scholtysik Niederberger Kraft in Zürich gefällt an seinem Beruf, dass er immer mehr das Geheimnis entdeckt, wie Impulse und Signale aufgenommen werden. «Nach welchen Kriterien verhalten wir uns?», ist seine wichtigste Frage. Die Antwort in Bezug auf Markenführung heisst: Ordnung im kollektiven Bewusstsein schaffen durch Vereinfachen und Bündeln der vielen Informationen, die bei einem Unternehmen und seinen Produkten alle gleichzeitig an die Oberfläche wollen. «Jede Information will die wichtigste sein. Der Markenspezialist versucht deshalb, das Mass vorzugeben und Strukturen zu schaffen.»
Dass dieses «Heimatfinden» einer Marke mit «Mehrpreis erzeugen» meistens zuerst einmal fehlinterpretiert wird, zeigt für Kraft die Marke Aldi. Die Leute gehen dorthin, weil ihnen die Marke billigere Einkäufe verspricht. Wenn Aldi deswegen von immer mehr Kunden überrannt wird, könnte die Ladenkette mit dem Preis allerdings wieder zu spielen beginnen.
Solche Strategien verstehen und dafür in der Kommunikation die richtige Bühne und das passende Auftreten finden, ist eine Herausforderung, die den früheren Grafikerlehrling Daniel Kraft länger denn mehr fasziniert hat. Solche Ideen und Werte durch die Zeit hindurch in Bilder, Geschichten, Worte und Taten umsetzen zu können, definiert das Selbstverständnis seiner Agentur.
«Wir sind keine Werbeagentur für aktuelle Kampagnen, sondern wollen nachhaltige und langfristige Mechanismen einführen, mit einem fliessenden Übergang von Inhalt zu Form und Taten», meint Daniel Kraft. Massnahmen sind für ihn nach einiger Zeit vergessen, was zurückbleibt ist ein inneres Bild, das einen an die Marke bindet. Kraft hat eine Lehre als Grafiker beim Zürcher Atelier Scheller absolviert, wo nach bewährter Tradition der Schweizer Grafik Logos für die Kantonalbank oder Sporthilfe entstanden sind. Später hat er sich in den USA weitergebildet. Er machte den Master of Fine Arts, hat an einer Kunstschule an der Ostküste auch Graphic Design unterrichtet und von 1989 bis 1992 bei der etablierten Agentur Malcolm Grear Designers als Designer gearbeitet. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz durfte er beim später legendären Börsenstar Day das Design prägen, als das Unternehmen noch klein war und mehr Richtung Multimedia gegangen ist.
1996 wechselte er zu Interbrand Zintzmeyer & Lux. Hier wirkte er acht Jahre. Als Senior-Designer und Teamleiter hat Kraft Kunden betreut wie DieMobiliar, Schweizerische Nationalbank, BASF, Thai Airways. Besonders stolz sind er und sein Team auf die Entwicklung des neuen Bildzeichens von Mini im 1999. Bei Interbrand hat Kraft auch seine jetzigen Partner kennen gelernt. «Wir kommen alle drei aus dem Design und haben die Interbrand-Schule sehr genossen, weil Zintzmeyer ein Vorreiter in der Branche ist, ein Erfinder, Visionär und charismatischer Typ.» 1996 gründete Carsten Scholtysik in Basel seine eigene Agentur. Ihm folgte vor fünf Jahren Armin Niederberger und im Juni 2004 Daniel Kraft. Rückwirkend per 1. Januar 2005 ist dieser jetzt teilhabender Partner bei Scholtysik Niederberger Kraft. Heute kümmern sich alle drei Partner gleichzeitig um das operative Geschäft, Design, Konzept, Strategie und Unternehmensführung. Auf den 1. Juli sind auch die Büros von Basel am neuen Hauptsitz an der Marktgasse im Zürcher Niederdorf konzentriert worden, wo 20 Leute arbeiten.
So schnell gewachsen sei man vor allem dank der UBS, für welche Scholtysik Niederberger Kraft als Leadagentur für die Visual Identity verantwortlich zeichnet. «Unser Team hat die Single-Brand-Marken-Implementierung 2003 konzeptionell-gestalterisch begleitet. Seither sorgen wir für die weltweite Umsetzung mittels Online-Guidelines, Schulung und Mitarbeiterkommunikation.» Eine Aufgabe mit einer Verpflichtung, denn die UBS gilt als eine der wertvollsten Marken weltweit und wird im jährlich von Business Week veröffentlichten Ranking unter den «100 Best Global Brands» eingestuft. Der qualitative Sprung in der Bewertung wird vor allem auf die neue Single-Brand-Strategie und deren überaus konsequente Umsetzung zurückgeführt.
Einen weiteren erfolgreichen Markenauftritt lancierte die Agentur vor vier Jahren für das neue Uhrenlabel von Carl F. Bucherer. Aber auch zahlreiche KMU lassen sich ihre Marke an der Marktgasse prägen. «Solche Business-to-Business-Marken sind für die breite Öffentlichkeit nicht spektakulär, aber für uns genauso attraktiv.»
Marke kommt von Merken. In diesem Sinne arbeitet Scholtysik Niederberger Kraft auch am Auftritt für die «Stadt Zürich». Die Bevölkerung soll «merken», was ihnen die Stadt bietet. Die Dachmarkenstrategie soll der Tendenz Einhalt gebieten, dass jede Stelle sich selber eine Identität verpasst und dadurch das Leistungsspektrum der Stadt verwässert wird. Hinter dem Theater Spektakel und der Kehrichtentsorgung steht schlussendlich das gleiche «Unternehmen».
Daniel Kraft will «langfristige und nachhaltige Mechanismen einführen».

Andreas Panzeri

SRG und Kabelnetzbetreiber sind die grossen Abräumer

Medien Herr und Frau Schweizer geben jedes Jahr im Durchschnitt gut 3000 Franken für Medien aus – ein 10-Milliarden-Geschäft.

Medien Herr und Frau Schweizer geben jedes Jahr im Durchschnitt gut 3000 Franken für Medien aus – ein 10-Milliarden-Geschäft.Man lasse sich die Zahl auf der Zunge zergehen: 9,4 Milliarden Franken investieren die privaten Haushalte in der Schweiz in Zeitungen, Magazine, Internet, Kabelnetze, Radio- und Fernsehgebühren, TV-Geräte, Computer, Kino und in Bücher – jedes Jahr. «Jetzt wird endlich die volkswirtschaftliche Bedeutung der Medien klar. Medien sind keine Quantité négligeable», sagt Hanspeter Lebrument, der Präsident des Verbandes Schweizer Presse. Von den durchschnittlich 3000 Franken pro Haushalt geben die Medienkonsumenten aber nur rund 20 Prozent oder 600 Franken für Printmedien aus. Das geht aus einer erstmals erhobenen Studie «medienbudget.ch» hervor, welche eine Projektgruppe um die Kommunikationsberaterin Thérèse Ruedin im Auftrag des Verbandes Schweizer Presse durchgeführt hat. Die Ausgaben der privaten Haushalte verteilen sich zu 24,7 Prozent auf PC und Internet und zu 22,5 Prozent auf das Fernsehen (Konzessionen, Kabelgebühren, PayTV und Hardware). Für die Printmedien fallen lediglich 20,2 Prozent ab. Die restlichen Prozente verteilen sich auf Unterhaltungselektronik (15,5 Prozent), Bücher (9,4 Prozent), Radio (5 Prozent) und Kino (2,7 Prozent).
Die zeitliche Entwicklung zeigt einen steten Anstieg der Medienausgaben. 2004 stiegen sie um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei betrifft das Wachstum jedoch fast ausschliesslich elektronische Medien. Allein für Konzessionen und Kabelnetze mit staatlich vorgegebenen Preisen geben die Schweizerinnen und Schweizer rund ein Fünftel mehr aus als für sämtliche Druckmedien zusammen.
Die Studie ist in ihrer Art europaweit einmalig und ergibt erstmals einen Eindruck davon, wie viel die Mediennutzung den Leuten wert ist. Lebrument vermerkt mit Genugtuung die Vergleichsmöglichkeit zwischen den Einkünften der gebührenabhängigen staatlichen Medien und dem freien Markt, das lasse in Zukunft vermehrt auf politische Entscheide zu Gunsten der Privaten hoffen. Zusammen mit den an den Kiosken verfügbaren ausländischen Printtiteln sind in der Schweiz permanent rund 3500 Zeitungen und Zeitschriften verfügbar. Dennoch gibt man hier zu Lande nur 600 Franken im Schnitt für Presseerzeugnisse aus, davon knapp zwei Drittel für Abonnemente und den Rest im Einzelverkauf. Im letzten Jahr belief sich das Wachstum auf gerade mal 0,6 Prozent, der Einzelverkauf ging sogar um 1,9 Prozent zurück. Die stärksten Verkäufe betreffen die Tages-, die regionale Wochen- und die Sonntagspresse (+1 Prozent), während die Publikums-, Finanz- und Wirtschaftspresse einbrach (–3 Prozent). Dennoch ist die Stabilität hoch bei breitem Angebot.
Stabile Umsätze ortet die Studie «medienbudget.ch» auch bei den Büchern, die mit 900 Millionen Franken Jahresumsatz seit 2002 unverändert bleiben. Aufwind verspürt die Kinobranche (+5,5 Prozent gegenüber 2003). Multiplexkinos verfügen über einen Marktanteil von 23 Prozent, Film-Openairs dagegen verzeichnen einen Anteil von lediglich 2,8 Prozent.
Die SRG verschlingt am meistenDie grossen Abräumer sind dagegen die Kabelnetzbetreiber und die SRG SSR idée suisse. Die Studie beweist, dass allen voran die gebührenprivilegierte SRG den Löwenanteil an den Medienausgaben der privaten Schweizer Haushalte verschlingt. Allein die Konzessionsgebühren erreichten 2004 fast zwei Drittel des Betrages, der gesamthaft für Printtitel ausgegeben wurde. Zählt man die Ausgaben für PayTV-Abos sowie Gebühren für das Kabelnetz dazu – 90 Prozent der Haushalte sind verkabelt – dann erreichen die Ausgaben etwa Gleichstand. Rechnet man noch die jährlichen Aufwendungen für Neugeräte hinzu, übersteigen die Ausgaben jene für Zeitungen und Zeitschriften um 36 Prozent.
Weiter ziehen Tonträger, DVDs, PC- und Videospiele inklusive Abspielgeräte sowie Video-, HiFi-Anlagen und Car-Electronics 1,5 Milliarden Franken jährlich ab. Das Geschäft mit bespielten Tonträgern brach durch die illegalen Musik-Downloads um ein Viertel auf 231 Millionen Franken seit dem Jahr 2000 ein. Dagegen schossen mit 25 Prozent in einem einzigen Jahr die DVD-Verkäufe mit total 249 Millionen Franken in die Höhe. Dies ist eine eigentliche Erfolgsgeschichte, obwohl erst 45 Prozent aller privaten Haushalte über DVD-fähige Abspielgeräte verfügen. Für 147 Millionen Franken kauften Schweizerinnen und Schweizer PC- und Videogames, 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Dieser Einbruch sei auf Preis- und Margenzerfall sowie auf Lieferengpässe zurückzuführen, heisst es in der Studie.
Für Computer und Internet gaben die privaten Internetuser in der Schweiz im letzten Jahr rund 2,3 Milliarden Franken aus. Damit stieg das Segment um 12,2 Prozent. 1,5 Milliarden Franken entfielen dabei auf Hard- und Basissoftware, 444 Millionen auf Breitband-Verbindungen (+53,6 Prozent) und 385 Millionen auf Internet-Downloads. Ein explosives Wachstum verzeichnen die Breitband-Verbindungen, über welche schon 770000 Internet-surferinnen und -surfer in der Schweiz verfügen. Für die Jahre 2005 und 2006 werden besonders im Bereich PC-Installationen und Hardware nach einem Umsatzeinbruch von 2003 und einem Anstieg im 2004 (+4,3 Prozent) weiter steigende Umsätze erwartet.
Die Kioske kooperiertenDie Studie konnte sich bei ihrer sekundärstatistischen Datenerhebung auf die Daten von rund 17 Unternehmen, Institutionen und Verbänden aus dem öffentlichen und privaten Bereich stützen. «Erstmals haben die Kioske sich bereit erklärt, uns ihre Verkaufsdaten zur Verfügung zu stellen», erklärt Projektleiterin Thérèse Ruedin.
Bei den grossen Telecomanbietern dagegen habe man auf Granit gebissen und diese hätten den Einblick in ihr Zahlenmaterial standhaft verweigert. Ruedin vermutet, dass sich die Grossen nicht in die Karten blicken lassen wollen, da es sich wohl um riesige Geschäftsvolumina handle. Die Studie «medienbudget.ch» soll künftig alljährlich erscheinen.
René Worni

Pulpcom/Samcom werben für rauchfreie Restaurants

Verbände Nach einer Konkurrenzpräsentation unter drei St. Galler Agenturen hat sich der Verband Gastro St. Gallen für die Partneragenturen Pulpcom/Samcom entschieden.

Verbände Nach einer Konkurrenzpräsentation unter drei St. Galler Agenturen hat sich der Verband Gastro St. Gallen für die Partneragenturen Pulpcom/Samcom entschieden.Sie wurden mit einer Kampagne zum Thema «Rauchfreie Restaurationsbetriebe und Schutz für die Gastronomieangestellten» betraut. Mit Plakaten, PR-Massnahmen, Onlineauftritt und diversen weiteren Kommunikationsmitteln richtet sie sich an die Öffentlichkeit und die Verbandsmitglieder. Start ist am 5. September.

Lovely goes West

Food Der Ausstieg aus der Milchkontingentierung, der Druck bei den Ausgaben und die Reform der Agrarpolitik – die SMP müssen sich wappnen. Und Imageträgerin Lovely in eine neue Runde schicken.

Food Der Ausstieg aus der Milchkontingentierung, der Druck bei den Ausgaben und die Reform der Agrarpolitik – die SMP müssen sich wappnen. Und Imageträgerin Lovely in eine neue Runde schicken.«Oberstes Ziel ist, viel Milch zu einem guten Preis zu produzieren sowie den Absatz von Milch und Milchprodukten zu fördern», lautet ein Leitsatz der Schweizer Milchproduzenten (SMP). 2004 war, so gesehen, ein erfolgreiches Jahr: Bei Frischmilchprodukten, Käse und Butter entwickelten sich die Absätze positiv bei parallelem Anstieg der Weltmarktpreise. Doch der Bund zieht im laufenden und kommenden Jahr die Sparschraube an, um gegenüber letztem Jahr 90 Millionen Franken an Zulagen zu sparen. Zudem sollen per 2009 die Quoten komplett aufgehoben sein, die «grösste aktuelle Herausforderung», so die SMP. Über 3,2 Mio. Tonnen Milch (+1,2% gegenüber 2003) lieferten die Schweizer Kühe 2004 ab, von denen 14 Prozent als Konsummilch (+0,4%) in den Verkauf kamen. Den lang anhaltenden Rückgang bis vor wenigen Jahren konnten Innovationen, die in der Ausser-Haus-Verpflegung etabliert worden sind, nur teilweise auffangen.Als Grundlage zur Absatzförderung von Milch dient der Organisation das Basis-Marketing, das einheimische Produkte gegenüber Importen stärken und das Jahr hindurch präsent halten soll. Um der immer mächtigeren Konkurrenz im Getränkemarkt die Stirn zu bieten, hat die SMP im Jahr 1992 für die Einkommenssicherung der Produzenten die virtuose Kuh Lovely aus dem Gockhausener Werbestall von Advico Young & Rubicam ins Massnahmenpaket aufgenommen. In den folgenden zwölf Jahren hat sie in witzigen Spots, Plakaten und Anzeigen ihre technische Überlegenheit immer wieder bewiesen: unter anderen Gladiatoren, Sumoringern, den Monderoberern USA und einem Überraschungs-Olympioniken als Skispringerin. Auch auf Plakaten und Inseraten wurde sie ihrer Rolle als sympathische und vielseitige Milchbotschafterin wiederholt gerecht. Die Imageträgerin hat es überallhin geschafft: Ihr Kuhmaul streckt Lovely National auf witzig-freche Weise in Rezeptbroschüren, als MMS und Bildschirmschoner, in Kinder- und Lehrbüchern sowie auf Müeslischalen den verschiedenen Segmenten – vor allem 15- bis 39-Jährigen – entgegen. Den gesundheitlichen Stellenwert und das Image der Milch hat sie zunehmend besser verankert und gesteigert. Die Agentur AY&R hat nun für die SMP zwei neue Spots sowie zwei Print-/Plakatsujets kreiert. Lovely zeigt darin einmal mehr, was in ihr und in der Milch steckt. Der Hauptspot führt uns in den Wilden Westen, genauer: in einen Cowboy-Streifen aus den guten, alten Zeiten. Darin steht Lovely neben einem Cowboy, der seine Revolver gekonnt herumwirbelt, ein Tänzchen wagt und dabei übermütig Schüsse in die Luft ballert. Doch das hätte er lieber bleiben lassen sollen: Der obere CinemaScope-Balken knallt ihm, von den Kugeln getroffen, voll auf den Kopf. Lovely, wie immer cool, wuchtet den Balken kurzerhand zurück an seinen Platz. Doch damit nicht genug. In einem Kurzspot klemmt Lovely eine nervige Fliege blitzschnell zwischen ihren Hörnern ein. Und in Anzeigen und auf Postern demonstriert Lovely im Kreis der Familie, zu welchen artistischen Hochleistungen man dank starken Knochen fähig ist.
Der gestaffelte Einsatz der neuen Arbeiten vom Team um CD Daniel Comte ist vor wenigen Tagen gestartet und soll Ende Jahr in einer zweiten Welle wieder geschaltet werden.
Der aktuelle Hauptspot: Lovely wuchtet cool den CinemaScope-Balken an seinen angestammten Platz zurück, derweil der Revolverheld erschlagen am Boden liegt.

Luca Aloisi

Cablecom hat Börsenlust

Kabel Cablecom denkt an ein Going Public. Man prüfe «laufend alle Optionen, unter anderem auch einen Börsengang», kommentiert der Kabelnetzkonzern eine Reuters-Meldung. Entschieden sei aber noch nichts.

Kabel Cablecom denkt an ein Going Public. Man prüfe «laufend alle Optionen, unter anderem auch einen Börsengang», kommentiert der Kabelnetzkonzern eine Reuters-Meldung. Entschieden sei aber noch nichts.Die Nachrichtenagentur hatte aus einer anonymen Quelle zitiert, dass Cablecom angeblich mit mehreren Investmentbanken über einen Verkauf oder ein Initial Public Offering gesprochen habe. Letzteres sei am wahrscheinlichsten und könnte in der zweiten Jahreshälfte stattfinden.

Léman Bleu geht definitiv an Hersant

TV

TVDie Generalversammlung des Genfer Lokalfernsehens Léman Bleu hat Ende Juni den Einstieg des französischen Verlegers Philippe Hersant abgesegnet. Hersants Konkurrent, das Lausanner Verlagshaus Edipresse, hatte sein Angebot zuvor zurückgezogen, wie Le Temps berichtet. Hersant und sein Partner Stéphane Barbier-Mueller schiessen frisches Kapital von 1,2 Millionen Franken in zwei Tranchen ein, sodass das Gesamtkapital auf 3 Millionen Franken steigt. Die genaue Aufteilung der Aktien unter den neuen Teilhabern steht laut der Tribune de Genève noch nicht fest, doch soll die Stadt eine Mehrheit behalten. Die Anzeigenregie verbleibt als 100-prozentige Tochter beim Sender.

Schnelle Knete im Aufwärtstrend

Banken Nach einem Soft Launch begleitet Hesskiss das Kredit- und Leasingunternehmen Cashgate mit klassischer Werbung beim Markteintritt.

Banken Nach einem Soft Launch begleitet Hesskiss das Kredit- und Leasingunternehmen Cashgate mit klassischer Werbung beim Markteintritt.Im internationalen Vergleich darf das Schweizer Konsumkreditgeschäft kaum als Big Business bezeichnet werden. Bis heute kämpft das Finanzierungsprodukt mit seinem negativen Image. Indes prägen Berichte von überschuldeten, jungen Personen und Pfändungen viel seltener den Ruf von Kredit gewährenden Instituten als früher. Dazu dürfte das vor zwei Jahren in Kraft getretene Konsumkreditgesetz beigetragen haben, das die Kreditfähigkeit härter prüft und die Schuldenfalle verhindern soll. Kantonalbanken werden aktivSo war Ende 2004 gemäss Statistik der ZEK (Verein zur Führung einer Zentralstelle für Kreditinformation) beim Volumen der Konsumkreditverträge ein Zuwachs von 5,4 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Franken zu verzeichnen. Die Zahl der laufenden Konsumkredite war mit 400 900 Verträgen gegenüber dem Vorjahr ebenfalls leicht angestiegen (+1,6%). Da nebst den Anbietern – Marktleader GE Moneybank und Credit Suisse – auch Experten davon ausgehen, dass der Kreditmarkt ein grosses Wachstumspotenzial aufweist, hat dieser weitere Banken auf den Plan gerufen. So wollen mehrere Kantonalbanken (Zürcher, Graubündner, Thurgauer und Schwyzer) zusammen mit der Regionalbanken-Holding Valiant unter der Marke Cashgate das Konsumkredit- und Leasinggeschäft neu beleben. Mit eigener Banklizenz, eigenem Team und einem sehr dichten Vertriebsnetz (über 300 Bankfilialen und halb so viele Autohändler) peilt Cashgate mittelfristig einen zweistelligen Marktanteil an.
Um Cashgate gegenüber der Konkurrenz eigenständig zu positionieren, setzte Pitchgewinnerin Hesskiss für den Auftritt auf eine spezielle Corporate Colour und ein Logo, das nicht nur die Seriosität des neuen Instituts und seiner Vertriebsbanken transportieren soll, sondern auch schnell «Konsumfinanzierung» sagt. Zugleich vermittelt die Fairness im Claim das zentrale Motto und die strategische Positionierung – fernab der anrüchigen Praktiken. «Weil es bei Krediten und Leasings um die Realisierung von Kundenträumen geht, setzten wir genau dies auf eine einfache, aber sehr raffinierte Weise um», sagt Tamas Kiss, Geschäftsführer der Agentur. So sind auf den Kampagnenmotiven Räume zu sehen, in denen sich der Kundenwunsch – vom Cabrio bis zu den Ferien – noch nicht materialisiert hat.
Bankeninterne wie -externe Medien werden durch kreative Below-the-line-Massnahmen, wie die offenbar sehr beliebten Schoggitaler, und spezielle Anlässe unterstützt.
Werbewirksamer Auftritt des Kreditinstitutes: Räume, die den Kundenwunsch mit einem Stichwort verdeutlichen.

Luca Aloisi

Plakat-Puff

Pierre C. Meier über den Eclat zwischen den beiden Plakat- Marktleadern.

Pierre C. Meier über den Eclat zwischen den beiden Plakat- Marktleadern.
Die aktuelle Diskussion über die Schweizer Plakatforschung (siehe Seite 18) hinterlässt ein ungutes Gefühl. Dass die von der Swiss Poster Research (SPR) ins Leben gerufene User Group nicht über die aufgetretenen Umsetzungsprobleme und Differenzen zwischen APG und Clear Channel Plakanda (CCP) informiert wurde, ist eigentlich schon Skandal genug. Doch auch, dass schon seit zwei Monaten Mediationsgespräche zwischen den beiden Anbietern liefen, verheimlichte man erfolgreich – intern wie extern. So stellte APG- CEO Kauter in einem Pressecommuniqué ungerührt fest, dass er vom Rückzug der CCP «völlig überrascht» wurde und «konsterniert» sei. Nach gut schweizerischer Unart versuchte man alle methodischen Ungereimtheiten unter dem Deckel zu halten. Nur nicht informieren, es könnte ja zu Diskussionen kommen! Eine Zeit lang klappte das perfekt. Umso vehementer nun die Reaktion des Marktes. Die Branchenverbände protestieren, und die User Group fühlt sich zu Recht verschaukelt. Hätte man von Anfang an ehrlich gegen innen und aussen kommuniziert, wäre die Stimmung konstruktiver, als sie es heute ist.
Beim seit fünf Jahren laufenden SPR-Projekt kam es schon etliche Male zu ernsten Differenzen, die sich jeweils lösen liessen. Jetzt sind die Probleme aber so gravierend, dass eine Einigung nicht mehr möglich scheint. Über die wahren Hintergründe des CCP-Rückzugs lässt sich nur spekulieren. Ist es der Zweifel an der Verlässlichkeit der Daten, oder ist es der Wunsch nach einer international kompatiblen und pragmatischeren Forschungsanlage? Sind es die Kosten, oder ist es der harzige Fortschritt beim SPR? Die Gründe spielen jedoch eine untergeordnete Rolle. Der Scherbenhaufen ist da, der Schaden gross.
Leidtragende sind die Agenturen und Werbetreibenden, die seit Jahren auf verlässliche und planungsrelevante Daten für ihre Aussenwerbung warten. Sollte es tatsächlich so weit kommen, dass künftig zwei nicht vergleichbare Leistungswerte publiziert werden, wäre das eine Katastrophe für das Medium Plakat – also auch für seine Hauptanbieter. Deswegen müssen CCP und APG den Bruch wieder kitten, schon im eigenen Interesse.
> Pierre C. Meier, Chefredaktor

Bald Sendeschluss in Biel

Teletext Trotz breiter Unterstützung gibt es keinen Zweifel mehr, dass Swiss TXT dezentralisiert werden soll. Der Standort Biel ist akut gefährdet.

Teletext Trotz breiter Unterstützung gibt es keinen Zweifel mehr, dass Swiss TXT dezentralisiert werden soll. Der Standort Biel ist akut gefährdet.«Es herrscht Ratlosigkeit und Verunsicherung bei der Belegschaft», sagt Andreas Schneider von der Betriebskommission bei Swiss TXT in Biel. Die Ungewissheit drückt auf die Stimmung der 185 Angestellten der 1983 ins Leben gerufenen Teletext AG, die 1997 in Swiss TXT umbenannt wurde und zu 97 Prozent der SRG gehört. Aus aktuellem Anlass hat die Belegschaft die Kommission ins Leben gerufen und versucht, sich auf diesem Weg Gehör bei der Muttergesellschaft zu verschaffen. Seit im vergangenen März die Direktion der SRG angekündigt hatte, dass nach dem geplanten Kahlschlag beim bisher neunsprachigen Auslanddienst Swiss Info in Bern mit einem Stellenabbau von möglicherweise 70 bis 80 Arbeitsplätzen nun auch Swiss TXT in den Strudel der SRG-Internetstrategie geraten wird, fürchtet man das Ende für den Standort Biel. Nach dem Willen der SRG soll Swiss TXT näher an die Sender rücken und auf Genf, Lugano und Zürich verteilt werden. «Es ist entschieden, der Verwaltungsratsbeschluss steht fest», bekräftigt der Leiter der SRG-Unternehmenskommunikation, Simon Meyer, das Aus für Biel.
Manche bei Swiss TXT mögen sich gefragt haben, wie ernst es dem Mutterhaus mit seiner kulturübergreifenden idée suisse noch ist. Müsste hinter die Riesenlettern des SRG-Logos auf dem Dach des Bieler Kongresszentrums, das die Stadt weithin sichtbar überragt und wo Swiss TXT neun Stockwerke belegt, nicht ein grosses Fragezeichen stehen?
Belegschaft will Alternative«Ja, an so was haben wir auch schon gedacht», sagt Andreas Schneider. Er ist Mitunterzeichner des offenen Briefes vom 20. Juni – es ist bereits der dritte – an SRG-Generaldirektor Armin Walpen. Darin fordert die Betriebskommission stellvertretend für die gesamte Belegschaft die SRG auf, Alternativen zur Dezentralisierung zu prüfen, allem voran den Ausbau des heutigen Swiss TXT in Biel zu einem dreisprachigen Multimediazentrum.
Die Idee für ein derartiges Kompetenzzentrum stammt aus der Politik, als nach Bekanntwerden der SRG-Umbaupläne dem Unternehmen eine breite und nach wie vor anhaltende Solidaritätswelle entgegenbrandete. Der Berner Regierungsrat will dieser Tage mit einem Schreiben bei der SRG-Generaldirektion intervenieren und seinen Vorschlag nach einem Multimediazentrum gegen den voraussichtlichen Verlust von Know-how und qualifizierten Arbeitsplätzen wiederholen, wie bereits in der Beantwortung zweier Motionen aus Bieler Politkreisen.
Doch die Vision von einer prosperierenden Stadt der Kommunikation, wie sie etwa dem Bieler Stadtpräsidenten und Nationalrat Hans Stöckli vorschwebt, bekommt Risse. «Keine erfreuliche Sache», kommentiert Stöckli. Deshalb sollen auch die Berner und Neuenburger Parlamente im Bundesbern für das Multimediazentrum werben, Stöckli selbst hat bereits mit einer Interpellation im Nationalrat reagiert. Er bezweifelt, dass eine dezentralisierte Swiss TXT kostengünstiger betrieben werden könnte als wie bisher zentral im lohngünstigen Biel.
Bis jetzt haben die Verantwortlichen der SRG keinen Zweifel an ihrer Internetstrategie gelassen. Alle SRG-Sender betreiben bereits zur Vertiefung ihrer Sendungen ausgereifte Webseiten mit mehr oder weniger weit gehenden User-Angeboten. Doch mehrere voneinander unabhängige Internetangebote im Einzugsgebiet der SRG-Senderketten – Webauftritte des jeweiligen Senders plus Swiss Info und Swiss TXT zusätzlich – das sei zu viel, erklärt Simon Meyer. «Wir können uns das aus Effizienzgründen nicht leisten und müssen die Strukturen glätten», betont er. Added value – die Strategie zielt nicht auf Zusatznutzen und -Angebote, sondern auf die Vertiefung der Programme.
Allerdings pflegt die Westschweizer TSR mit einer eigentlichen Online-Boutique eine eigene Interpretation von Added value. Das hat selbstredend auch die Schweizer Zeitungsverleger auf den Plan gerufen, welche der Konkurrenz ihrer Internetplattformen Paroli bieten wollen. «Voraussetzung ist, dass die SRG im Internet auf Werbung verzichtet», sagt Verlegerverbandspräsident Hanspeter Lebrument. Die SRG hat dies bereits per Verwaltungsratsentscheid beschlossen, doch ob SRG-Webportale künftig Sponsoren ihre Plattform anbieten dürfen, ist noch nicht geklärt.
Werbung durch die Hintertür?Wird Swiss TXT längerfristig zum Bestandteil der Webauftritte der Senderketten, dann gibt es weitere Probleme zu lösen. Immerhin hat das Unternehmen eine Konzession zur kommerziellen Nutzung seiner Dienste, die etwa mit den Rubriken Love and Fun, Reisen, Touristik oder Entertainment über den News-Service und die TV-Programme hinausgehen. Dabei glänzt der crossmediale Teletext mit einem hohen Beachtungsgrad und mit steigenden Zuwachsraten: 1,3 Millionen Menschen nutzen Teletext jeden Tag. Der ORF, für den Swiss TXT die Teletextdienste vollständig bereitstellt, wirbt bereits mit dem Werbepotenzial der Schweizer Marke. So könnte sich Werbung durch die Hintertür auf die Senderportale schleichen. Simon Meyer dementiert: «Wir wollen die privaten Anbieter nicht konkurrenzieren und uns keine Hintertüren offen halten.»
Einen Wermutstropfen könnte es für Biel dennoch geben: Dieser Tage liess Generaldirektor Walpen intern verlauten, dass allenfalls die Overheads, also einzelne Arbeitsbereiche wie zum Beispiel die IT-Abteilung von Swiss TXT, in Biel verbleiben könnten. «Das ist erst mal eine Idee, vorerst nur die Redaktionen von Swiss TXT aufzuteilen und den Rest in Biel zu belassen», erklärt Meyer.
Die SRG braucht beim Dezentralisierungsvorhaben von Swiss TXT nicht zwingend politischen Vorgaben zu gehorchen. «Im Gegensatz zu Swiss Info benötigt unsere Konzession keinen parlamentarischen Segen aus Bern», erklärt Swiss TXT-Vizedirektor Beat Schneider, ob Biel oder aufgeteilt spiele da keine Rolle. So muss die politische Lobby für den Standort Biel wohl in den sauren Apfel beissen. Hans Ulrich Büschi, Präsident der SRG idée suisse Bern, Freiburg und Wallis, war zunächst ein Gegner der Dezentralisierung aus Sorge um den Medienstandort Biel und den Kanton Bern. Jetzt verweist er auf die roten Zahlen von Swiss TXT in Höhe einer halben Million Franken und meint im Hinblick auf die Digitalisierung des Fernsehens: «Das Medium Teletext ist langfristig ein Auslaufmodell.»
SRG muss sparenAm 28. Juni kündigte die SRG SSR idée suisse gegenüber den Medien rigorose Sparmassnahmen an, in einer ersten Runde ab 2007 in Höhe von 80 Millionen Franken. Das Unternehmen rechnet mit
einer Finanzierungslücke von 160 Millionen Franken bis 2009 als Folge des revidierten Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG), Gebührenbefreiung für AHV-Bezüger, Wegfall der Bundessubventionen für Swiss Info, Investitionsbedarf in neue Produktions- und Verbreitungstechnologien, teurere Sport- und Filmrechte sowie der Multimediazukunft.
Angesichts real abnehmender Finanzmittel der SRG, die derzeit ein ausgeglichenes Finanzjahr präsentiert, muss mit Gebührenerhöhungen gerechnet werden. (rw)
Glitzernde Fassade, trübe Aussichten: Am Aus für Swiss TXT am Standort Biel gibt es wohl nichts mehr zu rütteln.
René Worni
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