Bisher fehlte der Online-Nutzungsforschung
eine einheitliche Währung. Jetzt haben sich SRG und Wemf auf ein
gemeinsames Vorgehen geeinigt. Was heisst das im Detail?Am Mittwoch gaben die Wemf und der SRG
Forschungsdienst bekannt, dass sie im Bereich der Internetforschung
künftig kooperieren werden. Die Werbewoche hat mit Manuel Dähler, dem
Leiter des Forschungsdienstes, darüber gesprochen, wie das neue Modell
aussehen wird und auf welche Weise die bisherigen Messsysteme
integriert werden.
«NetAudit der Wemf wird durch eine on-site-Befragung ausgebaut»,
erklärt Dähler. NetAudit erhebt gegenwärtig die Nutzungsdaten für
Online-Angebote mittels site-zentrierter Messung, misst also die
Besuche auf einer bestimmten Site. Analog zum deutschen AGOF-Modell
soll aus dem Zusammenführen der site-zentriertren Messung und der
on-site-Befragung der Datenbestand 1 entstehen. Angereichert wird
dieser mit einer telefonischen Befragung – was gegenwärtig die Wemf mit
der MA Comis durchführt. «Wie lange die MA Comis noch
weitergeführtwerden wird, ist noch nicht ganz sicher. Das Ziel ist,
dass der mit Strukturdaten ergänzte Datensatz 1 die MA Comis einmal
ablöst», so der Leiter des Forschungsdienstes.
«Das bisherige Panel des Forschungsdienstes, MMXI, wird ebenfalls
weitergeführt, die Panelisten aber eventuell mit einer neuen Software
ausgestattet werden», erläutert Dähler weiter. Bleiben werde das
Prinzip der Erhebung mittels Software, die von den Usern auf ihrem
Rechner installiert wird. Ein bisheriger Problempunkt bei
Internetforschung ist die Erhebung am Arbeitsplatz, da Arbeitgeber oft
befürchten, sich Nachteile einzuhandeln, wenn mit den Untersuchungen
fremde Augen Einblick in ihre Daten kriegen. «Wir werden gar nicht
versuchen, eine Messung mittels installierter Software in Unternehmen
zu machen. Der neue Ansatz hier ist ein Login-through-Portal-Panel,
dass heisst, dass sich die User jeweils auf einem Portal einloggen,
bevor sie im Netz surfen. Wir möchten die Nutzer dafür gewinnen, dass
sie dies unabhängig vom Ort tun – zu Hause, im Internetcafé, am
Arbeitsplatz,» so Dähler. Auf diese Weise könnten endlich auch Daten
zur Nutzung «at Work» gewonnen werden. Man sei sich aber bewusst, dass
dafür noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse.
Der Zeithorizont sieht vor, dass der Datenbestand 1 – also die
Kombination von on-site-Befragung und der site-zentriertren Messung –
erstmals im Herbst 2006 vorliegt. «Wir werden das neue System sicher
noch nicht am 1. Januar 2006 total unter Fach und Dach haben», sagte
Dähler. Die Anreicherung dieser Ergebnisse mit Daten aus einer
Telefonbefragung werde wohl in der ersten Hälfte 2007 publiziert werden
können. In der Zwischenzeit werde weiterhin mit NetAudit, MMXI und MA
Comis und den Basisuntersuchungen MA Net (Wemf) und Net-Base
(SRG-Forschungsdienst) gearbeitet. Welche Messungen bis wann laufen,
ist anscheinend noch unklar. «Es gibt ja aber auch Verträge, die
auslaufen» – damit ist der Fünfjahresvertrag für MMXI gemeint, der Ende
2005 ausläuft. «Wir sind nun in der Planungs- und Offertenphase,
einiges muss noch konkretisiert werden», so Dähler.
Seit Anfang 2005 erarbeiten Wemf und Forschungsdienst mit Kunden und
Datenbezügern das neue Modell. Diese haben bei der Umsetzung also auch
ein Wort mitzureden. Man darf gespannt sein, wie die neue Lösung im
Detail aussehen wird. Dähler hält fest: «Die oberste Maxime ist es
natürlich, endlich eine einheitliche Währung für Internetnutzung zu
schaffen.»
Carole Scheidegger