Printmedien 20 Minuten und der Anzeiger St.
Gallen – beides Tabloidtitel – gewinnen Leser. Der Erfolg von Le Matin
flacht dagegen ab, und Blick kommt im neuen Format weniger gut an.In allen Landesteilen bleiben die
Schweizer und Schweizerinnen ein Volk von Zeitungs- und
Zeitschriftenlesern und -leserinnen. Das schreibt die Wemf und stützt
sich dabei auf ihre jährliche Leserforschung Mach Basic. Danach lesen
nach wie vor 91 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Zeitung und 93
Prozent mindestens eine Zeitschrift. Der Vergleich mit dem Vorjahr
zeigt, dass die diesjährigen Reichweiten für die untersuchten Zeitungen
und Zeitschriften insgesamt stabil bis leicht rückläufig sind. Je nach
Sprachgebiet und Titelgattung lassen sich aber Unterschiede erkennen:
Die Leserzahlen der Tessiner Titel sind insgesamt stabil geblieben,
während in der Westschweiz sowohl die Zeitungen als auch die
Zeitschriften mehrheitlich Leserinnen und Leser verloren haben.
Blick verliert Leser
In der Deutschschweiz bewegt sich die Leserschaft der Zeitungen
insgesamt auf einem vergleichbaren Niveau wie im Vorjahr. Ob zum
Beispiel Blick die Umstellung auf Tabloidformat gut bekommen ist, lässt
sich noch nicht abschliessend sagen. Zweifel sind jedoch angezeigt.
Denn seit der Änderung verliert er, zwar nicht signifikant, Leser und
steht jetzt bei 717000 Lesern. Letztes Jahr waren es noch 19000 mehr.
Mit der Negativtendenz des Blicks und dank dem Ausbau in der
Zentralschweiz konnte dagegen die Pendlerzeitung 20 Minuten ihre
Position als grösste Tageszeitung der Schweiz weiter festigen. Das
Gratisblatt legte signifikant um 21,2 Prozent auf 948000 Leserinnen und
Leser zu. Mit der im letzten Juni erfolgten Expansion in die Ostschweiz
dürfte der Tamedia-Titel zudem bereits die Millionen-Grenze
überschritten haben. Der Anzeiger St. Gallen aus dem Hause Tagblatt
Medien scheint jedoch gut gegen den Eindringling in der Gallusstadt
gewappnet zu sein: Mit der Umstellung auf Tabloid verzeichnet dieser
einen signifikanten Leserzuwachs von 45000 Lesern. Das St. Galler
Tagblatt hingegen tendiert nach unten (–10000 Leser). Interessant ist
übrigens, dass 20 Minuten in der Innerschweiz bis jetzt keinen Schaden
anrichten konnte. Die Neue Luzerner Zeitung und auch der Anzeiger
Luzern konnten ihre Leser halten.
Auf dem Platz Zürich könnte der Unterschied zwischen den beiden
Kontrahenten Neue Zürcher Zeitung und Tages-Anzeiger nicht grösser
sein. Der Tagi leidet (zwar nur marginal mit –6000 Lesern), die NZZ
konnte aber in der gleichen Erhebungsperiode immerhin 4,7 Prozent
zulegen und kommt jetzt auf 331000 Leser.
Negativwerte in Bern
Veränderungen ausserhalb des Vertrauensbereichs weist die Berner
Zeitung (BZ) auf, die als Gesamttitel zusammen mit dem Bund auftritt
und diesen nicht separat ausweisen lässt. Beide haben insgesamt 21000
Leser (–4,9 Prozent) verloren. Der vor einer Woche angekündigte mehr
oder weniger paritätische Stellenabbau bei Bund und BZ dürfte darauf
hinweisen, dass beide Titel gleichermassen vom Leserschwund betroffen
sind.
Ein sanftes Plus weist die Aargauer Zeitung auf, die neu 262000 Leser
erreicht. Hier zahlt sich möglicherweise die Umstellung des
Regionalbundes auf Tabloid aus. Mit dem bevorstehenden Relaunch (siehe
Artikel S. 28) hofft man jetzt, bei den Lesern im AZ-Verbreitungsgebiet
sowie im Raum des ganzen Verbundes Mittelland Zeitung auf mehr
Zuspruch.
Nachdenklich stimmen die Zahlen bei der Basler Zeitung. Sie hat, trotz
Kulturmagazin im Tabloidformat, 11000 Leser verloren. Das ist zwar
nicht signifikant, aber nach dem letztjährigen umfassenden Relaunch
bedeutet dies für den neuen Chefredaktor Ivo Bachmann einen
schwachen Auftakt.
Interessant ist ferner, dass der Sonntagsmarkt noch keineswegs
ausgereizt ist. Signifikant zulegen konnte zwar nur die NZZ am Sonntag
mit plus 40000 auf 457000 Personen, aber auch die Leserzahlen von
SonntagsBlick und SonntagsZeitung stiegen relativ deutlich an (+11000
und +23000).
K-Tipp vergrössert Abstand
An der Spitze der Deutschschweizer Zeitschriften hat sich wenig bewegt.
Der K-Tipp führt weiterhin mit 1,114 Millionen Leserinnen und Lesern,
der Beobachter folgt in etwas grösserem Abstand als letztes Jahr, weil
er 24000 Leser verloren hat und nun mit 1,066 Millionen näher zur
drittplatzierten und stabilen Schweizer Illustrierten (1,042 Millionen
Leser) rückt. Zu den grössten Verlierern gehört Du. Das
traditionsreiche Kulturmagazin weist 14,3 Prozent weniger Leser aus.
Die OnlinePC-Zeitung hat mit einem Minus von 12,8 Prozent ebenfalls ein
schlechtes Jahr hinter sich. Den in absoluten Zahlen grössten Verlust
weist die Glückspost aus. Sie verliert 38000 Leserinnen und Leser (–7,9
Prozent). Auf Annäherungskurs befinden sich dagegen Facts und
Weltwoche. Zwar verlieren beide, doch der Verlust bei Facts ist
signifikant (–33000 Leser oder 7 Prozent). Facts liegt nur noch 20000
Leser über der Weltwoche (418000 Leser).
Positive Veränderungen ausserhalb des Vertrauensbereichs erfährt
Kochen. Das Blatt gewinnt 30000 zusätzliche Leserinnen und Leser (+10,2
Prozent). Auch Motorsport Aktuell kann um 10,7 Prozent auf 124000 Leser
zulegen. Die Programmzeitschrift TR7, die sich vor einigen Monaten zu
TV-Star umbenannt hat, sowie PulsTipp, der nun Gesundheitstipp heisst,
haben beide nicht vom Namenwechsel profitiert: Sie verloren signifikant
Leser, ähnlich wie die Konkurrenten Tele und Gesundheit Sprechstunde,
die aber ihre Namen beibehalten.
24 Heures kann sich steigern
Unter den grösseren Zeitungen der Westschweiz weist 24 Heures als
einziger Titel eine signifikante Steigerung aus, jedoch nur, weil er
sich letztes Jahr gleich zwei regionale Titel (La Presse
Riviera-Chablais und La Presse Nord-Vaudoise Broye) einverleibte.
Dadurch wuchs die Leserzahl um 22000 auf 266000 an. Einen Lichtblick
gibt es bei Le Matin. Das Blatt hat sich zwar nicht signifikant, aber
dennoch um 21000 auf 353000 Leser verbessert. Die Umstellung auf
Tabloid macht sich offenbar nachhaltig bezahlt. Sonst bekundet die
Tagespresse der Romands eher Mühe mit den Reichweiten. Schlimmer steht
es jedoch mit den Zeitschriften. Dort sind Verluste im zweistelligen
Prozentbereich keine Seltenheit. Das Minus von Moto Sport Suisse
beträgt 19 Prozent, Paris Match hat 17,7 Prozent weniger Leser, Live
verliert 16 Prozent, und die Leserschaft von Elle und Revue automobile
geht um je 15,5 Prozent zurück. Aber auch die grössten Titel Bon à
savoir und Illustré liegen mit minus 8,5 und minus 6,1 Prozent klar
ausserhalb des Vertrauensbereichs.
Die drei reichweitenstärksten Titel der Deutschschweiz bleiben
CoopZeitung mit 63,5 Prozent, Migros Magazin mit 56 Prozent und K-Tipp
mit 26,9 Prozent. In der Westschweiz führt weiterhin Le Matin Dimanche
mit 44,9 Prozent, gefolgt vom Migros Magazine mit 43,9 Prozent und von
Coopération mit 40,9 Prozent. Im Tessin ist dagegen Cooperazione mit
52,5 Prozent auf dem Goldpodest, Silber heimst Il Caffè mit 47,5
Reichweitenprozenten ein, und Bronze holt sich die Tageszeitung
Corriere mit 45,4 Prozent.
Markus Knöpfli