Mehrheit der Schweizer mag Werbung
Eine Studie der Schweizer Werbung (SW) ist der Frage nachgegangen, ob die kommerzielle Kommunikation wirklich so unbeliebt ist, wie einige behaupten.
Bürger vor der Werbung schützen zu müssen. Eine Studie der Schweizer
Werbung (SW) ist der Frage nachgegangen, ob die kommerzielle
Kommunikation wirklich so unbeliebt ist, wie einige behaupten.
SW-Sprecher Piero Schäfer präsentiert die Ergebnisse. Weitere Details
sind auf zu finden.In Genf, Lausanne und Basel gibt es
Bestrebungen, die Werbung vor eine Ethikkommission zu bringen, bevor
sie publiziert werden darf. Und in vielen Kantonen werden Werbeverbote
gefordert. Die Initianten solcher Anliegen gehen davon aus, dass die
KonsumentInnen Abscheu vor Werbung haben und endlich davor geschützt,
resp. davon befreit werden wollen.
Für viele Unternehmen, insbesondere in der Kommunikationsbranche, ist
diese immer wieder behauptete Phobie ein ernsthaftes Problem, hängt
doch der wirtschaftliche Erfolg nicht zuletzt vom Marketing und der
kommerziellen Kommunikation ab. Eine im Auftrag der Schweizer Werbung
vom Genfer Marktforschungsunternehmen Erasm im Februar und März 2005
durchgeführte und von APG gesponserte Studie sollte endlich Klarheit
schaffen. Haben die Schweizerinnen und Schweizer wirklich grundlegend
etwas gegen Werbung? Und wenn ja: Welche wird eher toleriert als
andere? 1285 Personen im Alter von 14 bis 80 (Durchschnittsalter: 44
Jahre) in der ganzen Schweiz sind mit einer Reihe von entsprechenden
Fragen konfrontiert worden.
Fast zwei Drittel mögen Werbung
Die erste Frage versuchte in Erfahrung zu bringen, wie es denn generell
mit der Einstellung der Schweizerinnen und Schweizer gegenüber Werbung
steht. 59% der Befragten haben ein durchaus positives Bild von der
Werbung, rund ein Drittel mag sie nicht besonders, und bloss 6% geben
an, Werbung abzulehnen.
Bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass ausgerechnet in der Romandie, wo
die Anti-Werbereflexe stärker zu sein scheinen, als in der
Deutschschweiz, die Zustimmung grundsätzlich höher ist: 67% der
Westschweizer haben eine positive Einstellung gegenüber der Werbung. Zu
denken geben muss es den Befürworter der Anti-Werbe-Bewegung, dass
ausgerechnet die Genfer mit 68% die höchste Zustimmungsrate aufweisen.
Über zwei Drittel des Calvin-Kantons ist also gegenüber kommerzieller
Kommunikation durchaus positiv eingestellt.
Wenn man die Antworten analysiert, so stellt man fest, dass die Jungen,
die Männer, die besser Gebildeten und die Romands Werbung eher mögen
als die Älteren, Frauen, Angestellten und Deutschschweizer.
Werbung hat durchaus unterschiedlichen Impact. Es ist also nicht weiter
verwunderlich, dass sie bei den diversen Mediengattungen einen
unterschiedlichen «Störungsgrad» aufweist. Am meisten nervt Reklame
beim Medium Fernsehen (77% sind dieser Meinung), beim Handy und im
Briefkasten sind es 69%, beim Internet 56%, beim Radio 45%, in den
Magazinen 24%, im Kino 23%, in der Tagespresse 18% und am Schluss der
Unbeliebtheitsskala figurieren die Plakate (16%) und die Werbung in
öffentlichen Verkehrsmitteln (14).
Interessant ist die Frage, wie sich denn die Einstellung zur Werbung in
den letzten drei Jahren verändert hat. Beim Fernsehen, im Briefkasten,
im Internet und bei den Plakaten hat die Abneigung leicht zugenommen,
Werbung im Radio, in den Magazinen, im Kino und in der Tagespresse
kommt heute gegenüber 2002 besser an.
Die Beeinflussung durch Werbung
Die Frage, ob Werbung persönlich zum Kauf animiert oder nicht, ist seit
jeher stark umstritten. Die Umfrage hat ebenfalls nicht wirklich
Klarheit geschaffen: 44% der SchweizerInnen meinen, dass sie Werbung
zum Kauf animiert, etwas weniger glauben, Werbung hätte keinen Einfluss
auf ihr Konsumverhalten. Und Knapp 20% behaupten gar, Werbung würde sie
explizit davon abhalten, ein beworbenes Produkt zu erwerben.
Stellt man die Frage allerdings allgemein, so sehen die Zahlen völlig
anders aus: 79% der SchweizerInnen glauben, dass Werbung generell zum
Konsum anregt. Etwas mehr als 10% streiten aber auch dies ab, und rund
5% sind der Meinung, dass Werbung generell vom Konsum abschreckt.
Auf die Frage, ob Werbung allgemein das Leben beeinflusst, haben 84%
der StudienteilnehmerInnen mit «stark», resp. «ziemlich stark»
geantwortet. Das gilt mehr oder weniger für die ganze Schweiz. Die
regionalen Unterschiede sind nicht erheblich: Deutschschweiz: 87%,
Westschweiz: 81%.
Generelle Einstellung
Dass Werbung bei allem Wohlwollen auch umstritten ist, zeigt ein
Katalog von Fragen, welche Auskunft geben über die allgemeine
Einstellung der Konsumenten gegenüber der Werbung. Positiv ist, dass
75% glauben, dass Werbung hilft, neue Produkte zu entdecken, den Markt
besser zu überblicken. Anderseits gaben aber ebenfalls 75% der
Befragten an, Werbung sei etwas gar omnipräsent, man sehe sie überall.
65% sind der Meinung, dass man Werbung für gewisse Produkte verbieten
sollte, 62% glauben, dass die Werbung je länger desto vorlauter wird,
und 58% sind überzeugt, dass die Werbung allzu provokativ geworden ist.
Der Katalog der Einstellung gegenüber Werbung hat noch andere,
interessante Aspekte zutage gefördert: 55% der Befragten sind
überzeugt, dass Werbung die Möglichkeit bietet, Produkte miteinander zu
vergleichen, 52% geben an, Werbung mache das Stadtbild bunter, 36%
glauben gar Werbung erweitere den Horizont, und lediglich 25% träumen
von einer Welt ohne Werbung.
Trotz aller Vorbehalte sind nur wenige für ein Verbot der Werbung: 22%
sähen gerne ein TV ohne Werbung, 18% möchten, dass das Internet
werbefrei ist, 7% sind für werbefreie Strassen, 6% für ein werbefreies
Kino und 6% für werbefreie Veranstaltungen.
Piero Schäfer
