Print Seit einiger Zeit arbeiten 22
Grossverlage und die Publimedia an einem einfacheren Tarifmodell.
Mindestens 15 Titel sind nun per 2006 zu ersten Schritten bereit. Jedes Jahr veröffentlicht der Verband
Schweizerischer Werbeauftraggeber SWA in seinem Geschäftsbericht eine
lange Liste von Forderungen, die er punkto Handling und Tarifpolitik an
die Medien stellt. Und regelmässig richtet sich der weitaus längste
Wunschzettel an die Printmedien (siehe Kasten). Tatsächlich nahm sich
vor eineinhalb Jahren eine Verlegergruppe zusammen mit der Publicitas
dieser Anliegen an und präsentierte im letzten Juni einen Vorschlag.
Allerdings widmeten sie sich nur den Zeitungen – und hier vorerst nur
den 22 sprachregionalen und überregionalen Titeln. Blätter mit Auflagen
unter 50 000 Exemplaren blieben unangetastet, betont Rainer Sauser,
Marketingdirektor bei der Publicitas und Projektleiter für das
Tarifmodell. Noch etwas soll vorausgeschickt werden: Es gibt kein
Dokument, das alle Vorschläge der Arbeitsgruppe auflistet, jedoch eine
Software, mit der die 22 Verlage die Änderungen und deren Einfluss auf
die eigenen Umsätze simulieren konnten.
Dennoch lässt sich an einigen Punkten festmachen, in welche Richtung
das neue Tarifmodell zielt, etwa beim Basistarif. Heute gibt man dafür
in der Regel den Millimeterpreis für Schwarzweissinserate an und setzt
eine ganze Palette von Farbzuschlägen hinzu (etwa Pantone-,
Europaskala-, Haus- oder Spezialfarben). Demgegenüber empfiehlt die
Arbeitsgruppe einerseits feste Preise für vierfarbige Fixformate wie
Panoramaseiten (2/1), ganze Seiten (1/1) und halbe Seiten (1/2)
aufzuführen, parallel dazu aber für individuelle Formate einen
Millimeterpreis für zwei- und vierfarbige Anzeigen aufzulisten. Ganz
nach dem Gusto des SWA. Das Ziel: Unnötiges raus, mehr Überblick, mehr
Anschaulichkeit, leichtere Vergleichbarkeit.
Den Begriff «Reklame» streichen
Ein weiterer Punkt: Fixformate, die wenig gefragt sind – derzeit etwa
Panorama-Anzeigen – sollen gemessen am Millimeterpreis zu günstigeren
Tarifen angeboten werden können, wenn dies einem Verlag auf Grund von
Nachfrage und Disponibilität opportun erscheint. Dann will die
Arbeitsgruppe all jene Kunden mit einem Preisnachlass belohnen, die
ihre Anzeigen fixfertig und nach bestimmten technischen Normen (etwa in
der Qualität des Datenübermittlers Print Online) anliefern. Wer dies
nicht tut, soll künftig eine Bearbeitungsgebühr berappen. Heute ist es
umgekehrt: Wer gute Datenqualität liefert, wird bestraft, weil er
gleich viel bezahlt wie jener Kunde, dessen Inserat noch erfasst werden
muss.
Noch in weiteren Punkten kommt die Arbeitsgruppe dem SWA entgegen, etwa
wenn sie vorschlägt, den Begriff Reklame künftig zu streichen,
Textanschlussinserate als solche aber weiterhin anzubieten – natürlich
mit Platzierungszuschlag. Weiter empfiehlt sie, Stellenanzeigen zu
rabattieren und so treue Kunden zu belohnen. Auch bei den Beilagen
folgt die Kommission dem SWA und fordert eine Vereinfachung, indem sie
einen Preis nach Gewicht vorschlägt, der bereits alle weiteren
Preisaspekte wie Format oder allfällige Post-Porti einschliesst.
Einen Punkt liess die Arbeitsgruppe aber völlig ausser Acht: die alte
SWA-Forderung, wonach die Stellentarife den Preisen für kommerzielle
Inserate angeglichen werden sollen. Sauser bestätigt: «Die Abschaffung
dieser Preisdifferenz ist nicht Bestandteil unserers Vorschlags.» Denn
hier gehe es um grosse Umsätze. Zudem betrieben viele Titel für Stellen
einen Zusatzaufwand in Form von Extrabünden und teils sogar mit
redaktionellen Beiträgen.
Norm-Abweichungen möglich
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass dem neuen Tarifmodell
primär eine neue Philosophie zu Grunde liegt. Statt von einem
Basispreis auszugehen und Kunden mit Zuschlägen zu «erschrecken»,
bietet man neu tendenziell günstige Fixformate an, wobei
Norm-Abweichungen möglich sind, jedoch einen Preisaufschlag zur Folge
haben. Vereinfacht wird die Tarifstruktur aber nur bedingt (siehe Box
rechts). Und selbst wenn ein Verlag all diese Neuerungen auf einen
Schlag umsetzte, würde damit seine Tarifdokumentation nicht kleiner.
«Unser Vorschlag ist keine Revolution», weiss auch Sauser.
Sauser und die Arbeitsgruppe scheinen gut vorgespurt zu haben. Denn auf
das Publimedia-Forum am 26. September hin lagen folgende Rückmeldungen
vor: Von den eingangs erwähnten 22 grossen Zeitungstiteln haben sich 15
dazu bekannt, Teile des neuen Modells per 2006 zu übernehmen. Absagen
lagen keine vor, die restlichen Titel hatten sich bis zum Forum
lediglich noch nicht entschieden.
Das Ziel: Eine Branchenlösung
Die 15 aufbruchbereiten Titel führen den integrierten
Farb-Millimeterpreis ein (wobei einige Westschweizer Titel dies schon
früher taten) und werden nun je einen Millimeterpreis schwarzweiss,
zweifarbig und vierfarbig auflisten. Alle schwenken zudem auf einen
Gewichtstarif für Beilagen um, sofern sie dies nicht schon umgestellt
hatten. 13 der 15 Titel bieten überdies Fixformate mit vergünstigten
Preisen an, wobei das Ausmass des Nachlasses unterschiedlich ist.
Dieselben Titel führen bei den Fixformaten auch eine Bearbeitungsgebühr
für qualitativ ungenügende Datenlieferungen ein. Ferner gehen 13 Titel
zu einem Rabatt für Stellenanzeigen über. Jedoch erst zwei Zeitungen
verzichten in der nächsten Tarifdokumentation auf den Begriff Reklame.
Sauser ist zufrieden. «Wir sind einen namhaften Schritt weiter», sagt
er. Dies sei eine gute Grundlage für die Weiterarbeit. Denn jetzt sei
erst die Phase I abgeschlossen. «Letztlich ist eine Branchenlösung das
Ziel», sagt er. «Gelingt uns dies, dann haben wir den Mediaplanern
etwas zugute getan, gleichzeitig aber Individuelles nicht verhindert.»
Nächstes Jahr wird Sauser sich deshalb den kleineren Zeitungsverlegern
zuwenden, ebenfalls mit einer Software.
Lob gibt es auch von SWA-Direktor Jürg Siegrist. Er habe zwar noch
keinen Überblick über alle Änderungen per 2006. Doch es scheine ihm,
dass «die Gattung Print einen Schritt in die richtige Richtung getan
hat».
Markus KnöpfliWerbekunden pochen längst auf VeränderungenTariftrends 2006: Reduktionen mit Tücken
Seit Jahren sind die SWA-Forderungen an die
Gattung Print etwa dieselben. «Das Inseratemarketing ist zu wenig auf
den Kundennutzen ausgerichtet», steht deshalb als grundsätzliche
Bemerkung zuoberst auf der Liste. Doch der SWA listet auch konkrete
Mängel auf: «Die Rabattberechnung bei Beilagen erfolgt nach sieben
Verrechnungsmethoden», schreibt er oder: «Stelleninserate werden nicht
rabattiert.» Ferner wünschen die Werbeauftraggeber, dass
«Preiszuschläge für Farben und Bundüberlauf zu überprüfen» seien. Auf
die Unterscheidung zwischen Reklame und Inserat wollen sie zudem
verzichten. Auch fordern sie die Einführung von Farb-Millimeterpreisen.
Ein weiterer Wunsch ist zwar nicht auf besagter Liste, wird aber von
SWA-Direktor Jürg Siegrist jährlich mit Nachdruck vorgebracht: Die
Tarife für Stellenanzeigen sollen nicht höher sein als für kommerzielle
Inserate, es gebe dafür keine vernünftige Erklärung. «Die Wirtschaft
bezahlt wegen dieser Preisdifferenz pro Jahr rund 26 Millionen Franken
zu viel», schrieb Siegrist im letzten Herbst. Kein Wunder, pocht der
SWA auf grundsätzliche Veränderungen. «Es ist eine klare Neuregelung
der Preisstruktur und eine Vereinfachung anzustreben», heisst es, und
auch ein Mitspracherecht bei der Ausgestaltung wird verlangt. (mk)
Am Publimedia-Forum konnten erste Trends bei den Printtarifen 2006
bekannt gegeben werden. Interessant: Bisher hat offenbar noch kein
Titel Tariferhöhungen angekündigt. Ausgehend von den Tarifen für eine
ganze vierfarbige Seite senkt etwa die NZZ ihren Netto-Preis um 3
Prozent, die Neue Luzerner Zeitung (Neue LZ) reduziert um 4,6 Prozent,
das St. Galler Tagblatt (SGT) um 5,4 Prozent und Landbote oder
Südostschweiz gar um 9,6 beziehungsweise 10,3 Prozent. Aber diese
Reduktionen sind mit Vorsicht zu geniessen, zeigt sich doch hier
bereits eine erste Tücke des neuen Tarifmodells. Einige der eben
erwähnten Titel, so die NZZ, das SGT und die Neue LZ, führen das neue
Tarifmodell ein, weshalb sie die neuen Fixformate vergleichsweise
günstiger anbieten, was aber nichts über den Millimetertarif aussagt.
Dieser bleibt bei der Neuen LZ und bei der Südostschweiz denn auch auf
exakt demselben Niveau wie dieses Jahr, das SGT senkt ihn um bloss 3
Rappen, und die NZZ hat ihren neuen Millimetertarif noch gar nicht
offen gelegt. SWA-Direktor Jürg Siegrist kommentiert deshalb die bisher
bekannten Tarife 2006 nur zurückhaltend. Es sei alles noch «zu
schwammig», für eine genauere Analyse müssten erst alle Details
vorliegen.
Ihren Seitenpreis senken übrigens auch die Weltwoche, die
Zürichsee-Zeitung, L’Hebdo, Illustré oder Bon à savoir. Weitaus
häufiger sind aber tarifliche Nullrunden angesagt, so bei Bilanz und
Bilan, bei der Finanz & Wirtschaft, bei 24 Heures, bei der
Coop-Zeitung, beim Migros-Magazin, beim K-Tipp, beim Gesundheitstipp
und bei der WOZ. Andere grosse Titel, so die meisten von Tamedia und
Ringier, ferner jene im Mittelland, in der Nordwestschweiz und in Bern,
haben ihre Tarife noch nicht publiziert. (mk)