«Einen klaren Trend sehen wir nicht»

Kino Gemäss Mach Basic 2005 gehen deutlich weniger Junge ins Kino. Matthias Luchsinger, Geschäftsführer des Vermarkters Cinecom, sieht die Branche gefordert, glaubt aber, dass sie die Abwanderung stoppen kann.

Kino Gemäss Mach Basic 2005 gehen deutlich
weniger Junge ins Kino. Matthias Luchsinger, Geschäftsführer des
Vermarkters Cinecom, sieht die Branche gefordert, glaubt aber, dass sie
die Abwanderung stoppen kann. WW Die
Mach Basic 05 weist gesamtschweizerisch keinen signifikanten, aber doch
deutlichen Rückgang bei den Kinobesuchern aus – vor allem in der
Westschweiz. Wie interpretieren Sie diese Zahlen?
Matthias Luchsinger Zunächst
gilt es festzuhalten, dass die Mach-Basic-Daten für das Medium Kino nur
die Vergangenheit bis zum April 2005 abbilden. Aktuellere Trends
erhalten wir aus den Ticketverkaufszahlen von Procinema, dem Verband
der Kinobesitzer und Filmverleiher. Allerdings weist auch Procinema in
den ersten acht Monaten 2005 einen Rückgang von 12 bis 13 Prozent aus.
Doch jetzt, im September, zog es wieder an, unter anderem wegen des
Films «Mein Name ist Eugen». Demnächst kommen zudem Harry Potter und
King Kong ins Kino, sodass wir dieses Jahr insgesamt keinen grossen
Besucherrückgang haben werden.

WW Welche Rolle spielt das Wetter?
Matthias Luchsinger Das
Wetter ist sicher ein Faktor, aber nicht der entscheidende. Letztes
Jahr hatten wir einen schönen Sommer, dieses Jahr war er verregnet.
Dennoch hatten wir im 2004 mehr Besucher, weil eindeutig mehr
attraktive Filme liefen.

WW Die
Mach-Zahlen zeigen etwas, was bei den Procinema-Zahlen nicht
ersichtlich ist: Die 14- bis 34-Jährigen kehren dem Kino den Rücken,
dafür nimmt die Zahl älterer Besucher zu.
Matthias Luchsinger Tatsächlich
zieht die verbesserte Komfortqualität in den Kinos Personen ab 34
vermehrt an, das Kino erschliesst also neue Zielgruppen, was positiv
ist. Aber einen klaren Trend, wonach die Jungen nicht mehr ins Kino
gehen, sehen wir nicht. Das ist eine Momentaufnahme und auch wieder vom
Filmangebot abhängig. Letzten  Herbst beispielsweise lief der Film
«Der Untergang», der eher ältere Leute ins Kino zog, welche die
Nazizeit noch erlebt haben. Etwas Weiteres kommt hinzu: Die Wemf weist
nur die Besucher ab 14 Jahren aus, hingegen die jüngeren, die auch
häufig ins Kino gehen, werden nicht befragt. Es wäre deshalb falsch zu
sagen, das Medium Kino verliere das junge Publikum.

WW Gemäss
Mach Basic verhalten sich die Jungen zudem nach Regionen sehr
verschieden: In Zürich sind die Zahlen stabil, in Basel, Bern und
Lugano nahmen die jungen Besucher um 25 bis 60 Prozent zu, während die
Luzerner, St. Galler und Westschweizer Kinos trotz neuer Multiplexkinos
15 bis 30 Prozent weniger Junge haben.
Matthias Luchsinger Diese
regionalen Unterschiede kommen mir komisch vor, weil ja das Filmangebot
überall etwa dasselbe war. Auch auf Grund der Ticketverkäufe kann ich
sie nicht nachvollziehen. Ich will zwar die statistische Genauigkeit
der Wemf nicht in Frage stellen. Aber ich muss doch ein Fragezeichen
betreffend die Zahl der Stichproben in den Regionen in der jungen
Zielgruppe setzen.

WW Vielleicht
haben aber doch die steigenden DVD-Verkäufe und die seit Frühling 2004
erlaubten DVD-Parallelimporte bei den Jungen einen Einfluss?
Matthias Luchsinger Dazu
eine einfache Antwort: In den Neunzigerjahren hatten wir
durchschnittlich 15,5 Millionen Kinobesucher pro Jahr. In den Jahren
2000 bis 2004 kommen wir auf einen Schnitt von 16,5 Millionen. Die
Kinoeintritte haben also klar zugenommen. Natürlich steigt der Druck
durch die Parallelimporte und durch die immer kürzere Zeit zwischen
Film- und DVD-Release. Doch dies spornte umgekehrt die Kinobesitzer
auch an, das Kinoerlebnis noch exklusiver zu machen, ihre Kinos noch
attraktiver zu bauen und mit neuen Kinozentren neue Regionen zu
erschliessen.

WW Aber
beim jungen Kinopublikum gehts doch über den Preis – und da ist eine
DVD-Ausleihe wesentlich günstiger als ein Kinoeintritt.
Matthias Luchsinger Zur Preispolitik der Filmindustrie kann und will ich nichts sagen. Wichtig ist, dass das Erlebnis Kino einzigartig ist.

WW Ein anderes Thema: Wie lief die Digitalisierung der Kinos an?
Matthias Luchsinger Das
digitale Kino ist seit 1. Juli Tatsache. Auf die Sommerpause hin haben
wir natürlich keinen Verkaufssturm erwartet. Im vierten Quartal ist
aber ein erster Effekt spürbar – und besonders wichtig: Die
Verkaufsgespräche für 2006 laufen sehr gut. Zudem ist die Tendenz
sichtbar, dass extrem viele TV-Kunden dank der Digitaltechnik nun auch
Kino buchen wollen, weil sie ihren TV-Spot nicht mehr neu fürs Kino
produzieren müssen. Darum kann ich schon jetzt sagen, dass wir im 2006
ein Umsatzplus verzeichnen werden.

WW Ist
die neue digitale Brücke zwischen Kino und TV der Grund, weshalb die
Cinecom kürzlich die Vermarktung des deutschen Privatsenders Kabel 1
von IP Multimedia übernehmen konnte?
Matthias Luchsinger Die
digitale Brücke hilft sicher, unser Gewicht im audiovisuellen Bereich
zu stärken. Wechselt hingegen ein Sender den Vermarkter, verspricht er
sich, so nehme ich an, meistens mehr Umsatz.

Interview: Markus Knöpfli

Neues christliches Radio mit Carmen Fenk

«Lebensnah praktisch» soll der neue christliche Radiosender Life Channel werden und nicht etwa «theologisch hochfliegend».

«Lebensnah praktisch» soll der neue
christliche Radiosender Life Channel werden, der am 1. Oktober 2005
startet, und nicht etwa «theologisch hochfliegend», heisst es in einer
Meldung der SDA. Das Programm ist rund um die Uhr über Kabel und
Internet empfangbar und soll Menschen ab 30 ansprechen. Trotzdem sei
Life Channel aber ein Radio für die ganze Familie und beinhalte auch
Kinder- und Jugendsendungen. Gemeinsamkeit aller Sendungen sei die
Orientierung an christlichen Grundwerten. Die Redaktion setzt sich aus
einem Redaktionsleiter und sieben RedaktorInnen zusammen.
Musicstar-Gewinnerin Carmen Fenk wird die Charts moderieren. Produziert
wird das Programm von der Organisation Evangelium in Radio und
Fernsehen (ERF),
die unter anderem die TV-Sendung «Fenster zum Sonntag» auf SF2
mitproduziert.

Die hohe Schule des Wegschauens

Rassismus Die neue Kampagne von Wirz Werbung für die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus wirbt gegen Ausgrenzungen.

Rassismus Die neue Kampagne von Wirz Werbung für die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus wirbt gegen Ausgrenzungen.In Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen
Departement des Inneren rückt die Stiftung gegen Rassismus und
Antisemitismus (GRA) heuer das Thema «Diskriminierung im Alltag» in den
Mittelpunkt. Auch die dritte Kampagne wird von Wirz Werbung betreut.
Vorgängig hat die Agentur die Probleme «Gewalt» und «Rassismus» auf
provokative Weise erfolgreich «vom Stammtisch auf den Tisch der Nation
gebracht», wie sich CD Hanspeter Schweizer freut.
Die letztjährige Kampagne hat sogar im redaktionellen Teil des
Nachrichtenmagazins Spiegel grosse Beachtung gefunden. Provoziert wurde
eine Diskussion, wie weit das Hinterfragen rassistischer Witze selber
mit solchen Vorurteilen arbeiten darf, wenn zum Beispiel getextet wird:
«Was machen Thailänderinnen, wenn es dunkel wird? – Licht.» Wie die
Schweizerinnen auch.

Weniger provozierend
Diese Plakate haben hohe Wellen geworfen. Auch Vertreter von
Minderheiten hätten sich beschwert, meint Schweizer, der aber einräumt:
«Je höher der Bildungsgrad, desto höher die Akzeptanz.» In diesem Jahr
will Wirz Werbung im Grundton etwas weniger provozieren. Einmal mehr
geht es aber darum, mit einer kreativen Idee «die schlafende Mehrheit
auf dem linken Fuss zu erwischen», sie aufzurütteln und ein Thema in
ihr Bewusstsein zu rücken, das lieber unter dem Tisch gehalten würde.
«Bei nur beschränkt zur Verfügung stehenden Mitteln ist es erst recht
entscheidend, dass ein Maximum an Wirkung herausgeholt werden kann:
plakativ, provozierend und involvierend», forderte das Briefing.
Bei der Stiftung GRA trug Ronald Bernheim, CEO von Mondaine Watch, die
Gesamtverantwortung. Er ist nach dem Tod von Sigi Feigel 
Präsident. Die Kampagne «Diskriminierung im Alltag» arbeitet mit
ausgegrenzten Menschen der verschiedensten Art. Vorurteile gegen
Hautfarbe, Religion, Nationalität oder Sexualität werden mit
Multiple-Choice-Sujets bewusst gemacht.
CD Hanspeter Schweizer will mit einer solchen Arbeit «reduzieren, weil
man mit dem Medium Plakat und Anzeige keine komplizierten Sachverhalte
vermitteln kann». Sein Rezept heisst: «Wenig auf das Plakat, damit viel
bewegt werden kann.» Der Werber ist überzeugt, dass Anzeigen immer
plakativer werden müssen, weil sich kaum mehr jemand die Zeit zum Lesen
des Kleingedruckten nehmen will. Nur noch ein bisschen Text zum
Aufrütteln und Polarisieren liege drin, damit das Zielpublikum angeregt
wird, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Schweizer vergleicht
den Prozess mit mentaler Akupunktur: «Wir müssen einzelne Nadeln
setzen, damit etwas passiert.»
Im Spot funktioniert das nach den Regeln erfolgreicher Sitcoms. Als
Musik ist ein Piano wie bei der Vorführung von Stummfilmen zu hören.
Die Gags werden mit Lachern aus einem unsichtbaren Publikum
unterstützt. Der Spot zeigt komische Situationen wie in den Filmen mit
der versteckten Kamera. Ein Mann im Restaurant trinkt absichtlich
mehrmals aus dem Glas seiner Nachbarin, bis diese entnervt den Tisch
wechselt. Ein Jogger im Quartier wird mit Absicht geduscht, wenn in
einem Garten jemand mit einem Schlauch den Rasen spritzt. Beim
Klassiker mit der Schiebetüre steht ein Mann ständig vor verschlossenen
Türen, während alle anderen eintreten können. In einem Park verlassen
alle Menschen fluchtartig die Bänke, als ein junger Mann sich in ihre
Mitte setzen will. Ein unsichtbarer Lacher, dann ist der Claim zu
hören: «Wer diskriminiert wird, erlebt das jeden Tag» und in der Folge
die Aufforderung «www.stop-diskriminierung.ch».
Den Film produziert hat die Zürcher Pumpkin. Der Spot in der Länge
eines Kinotrailers wurde auf Video gedreht, um den Charakter der
«Versteckten Kamera» kopieren zu können. Die Akteure waren aber
Schauspieler. Regisseur Frieder Wittich hat für solche Szenen ein
bekannt «glückliches Händchen», was er bei Spots für Pneu Egger oder
McDonald’s Deutschland bewiesen hat.

Minderheiten bleiben draussen
Im neuen Spot hat die Agentur diesmal bewusst keine Minderheiten zu
Akteuren gemacht, damit das Publikum möglichst herzlich lachen kann.
Der Betrachter wird dadurch zum möglichen Täter gemacht – ohne dass
schulmeisterlich gegen Gewalt gepredigt wird.
In der ersten Kampagne hat noch ein Film für Schlagzeilen gesorgt, in
welchem sich zwei Schauspieler auf dem Zürcher Paradeplatz vor
versteckter Kamera eine fingierte Schlägerei geliefert haben – und die
meisten Passanten schauten nur zu.

Engagement geht weiter
Bei diesen Dreharbeiten auf dem Paradeplatz standen dreissig Leute der
Agentur Wirz bereit, um die «Statisten» nach ihrem Weglaufen um die
Ausstrahlungsrechte zu bitten. Aus dem umfangreichen Material mit
vielen unentschlossenen und mehr oder weniger helfenden Passanten sind
Schulungsvideos gedreht worden. «Die Kampagnen sind nur einer der
Kanäle der Aufklärung», erklärt die GRA. Die Stiftung will über Werbung
hinaus gehen und auch Aufklärung zum Beispiel in Schulen leisten. Neben
verschiedenen Publikationen wird auch periodisch ein Buch über
rassistische Vorfälle in der Schweiz herausgegeben.
Die neuen Filme werden dank dem Engagement von Cinecom zwei Wochen lang
gratis in den Schweizer Kinos laufen. Eine Ausstrahlung zugesagt hat
auch Sat 1. Für die Anzeigenkampagne zählt man auf die Zusammenarbeit
mit dem Verband Schweizer Presse. Mit Plakanda/ ClearChannel ist man
auf gutem Verhandlungsweg für eine zweite Plakatierungswelle im ersten
Quartal 2006.  

Andreas Panzeri

Liechti berät 20 Minuten (D)

Pendlerzeitungen Der ehemalige stellvertretende Chefredaktor von 20 Minuten, Dieter Liechti (44), ist wieder bei seinem Ex-Arbeitgeber unter Vertrag.

Pendlerzeitungen Der ehemalige
stellvertretende Chefredaktor von 20 Minuten, Dieter Liechti (44), ist
wieder bei seinem Ex-Arbeitgeber unter Vertrag. Wie der Ende 2003 –
anlässlich der Tamedia-Übernahme – zurückgetretene und seitdem als
Journalist und Berater tätige Thuner auf Anfrage bestätigt, arbeitet er
seit Anfang August für den norwegischen Verlag Schibsted auf
Mandatsbasis an der Lancierung des Erfolgstitels für den deutschen
Markt.
Liechti, der 20 Minuten anno 2000 nach Basel und Bern brachte, ist Teil
eines Projektteams, das dem Vernehmen nach in Frankfurt stationiert
ist. Über Art und Umfang seines Know-how-Transfers hält sich der von
Schibsted während eines Alinghi-Auftrags in Malmö kontaktierte
Blattmacher bedeckt: «Im Vergleich zum bald sechs Jahre alten Schweizer
Original machen wir sicher einen Schritt vorwärts – vor allem in
Richtung Emotionalität.» Ob, wann und in welcher Allianz 20 Minuten
Deutschland erscheint, wisse allerdings auch er nicht. (oc)

Verstanden, compris

Mehrsprachigkeit Für die Oertli-Stiftung hat Publicis eine Plakataktion zur Förderung der zweiten Landessprache lanciert.

Mehrsprachigkeit Für die Oertli-Stiftung hat Publicis eine Plakataktion zur Förderung der zweiten Landessprache lanciert.Schon von weitem springen sie einem
entgegen: die weissen Schweizer Kreuze auf rotem Grund. Der tiefere
Sinn ergibt sich bei näherem Hinsehen. Jetzt erkennt man die übers
Kreuz geschriebenen Wörter – in jeweils zwei verschiedenen
Landessprachen. Ob als Übersetzung, als interessante Beziehung (z.B.
AMANT-BRAUT) oder als kleiner Unterschied mit grosser Bedeutung (z.B.
BLUME-PLUME) – immer regen die Wortpaare zum Nachdenken an.  Sich
Gedanken machen soll man sich über die mehrsprachige Schweiz, deren
nationale Einheit sich aus den verschiedenen Sprachregionen
zusammensetzt.

Brückenschlag zwischen den Schweizer Sprachregionen
«Verstehen verbindet.» Hinter diesem Motto steht die 1967 vom Zürcher
Industriellen Walter Oertli gegründete Stiftung. Das Anliegen der
politisch und konfessionell neutralen Oertli-Stiftung ist die Förderung
des Brückenschlags zwischen den Schweizer Sprachregionen und die
Stärkung des inneren Zusammenhaltes durch eine bessere gegenseitige
Verständigung. Dieses Anliegen soll gemäss Statuten «durch die dauernde
geistige Kommunikation zwischen den Landesteilen, durch vertiefte
Information über die verschiedenen Sprach- und Kulturgruppen und durch
das Eindringen in die Lebens- und Denkart der Schweizer auf der anderen
Seite der Sprachgrenze» erreicht werden.
Die Aktion der Zürcher Werbeagentur Publicis bringt das Anliegen der
Oertli-Stiftung plakativ und geistreich zum Ausdruck. Die Serie mit
mehr als einem Dutzend Sujets in Deutsch, Französisch, Italienisch und
Rätoromanisch im Format F200 ist ab sofort bis Ende Oktober in der
ganzen Schweiz zu sehen.

Andreas Panzeri

Abspecken in Bern

Berner Tagespresse Sparen bei Bund und Berner Zeitung: Wie weit sollen die Blätter noch abbauen?

Berner Tagespresse Sparen bei Bund und Berner Zeitung: Wie weit sollen die Blätter noch abbauen?Sparmassnahmen und Kündigungen von
möglicherweise je drei bis vier Leuten auf den Redaktionen sowohl beim
Bund als auch bei der Berner Zeitung: Das wirft einmal mehr die Frage
auf, ob das Berner Modell funktionieren kann, das im vergangenen Jahr
zur Rettung des Bunds lanciert worden war.
Konkret trifft der Stellenabbau beim Bund zwei erfahrene Journalisten,
wie unlängst bekannt wurde. Der Verwaltungsrat hatte, entgegen der sich
zunächst abzeichnenden Einigung, Vorschläge der Redaktion abgelehnt,
die beiden Kündigungen mit einer Reduktion des Arbeitspensums
aufzufangen.

Der Markt soll entscheiden
Doch kommt das Traditionsblatt damit aus den roten Zahlen?
«Möglicherweise reichen die Stellen, die wir abbauen, aus», schätzt
Chefredaktor Hanspeter Spörri. Weitere Massnahmen, so auch die
Weitervermietung leer stehender Räumlichkeiten im eigenen Haus, sollen
die erforderliche halbe Million Franken an Einsparungen bringen. Ob es
dann zu weiteren Stellenkürzungen kommt, weiss Spörri nicht endgültig
zu sagen. Die Zukunft des Blattes hänge vom Willen einer möglicherweise
kleineren Redaktion ab, eine eigenständige Tageszeitung zu gestalten.
Und hier gilt unverändert – und damit ist das ganze Berner Modell
gemeint – der Satz: Der Markt soll entscheiden.
Gleiches gilt für die Berner Zeitung. Auch dort musste die Redaktion
abspecken. Gemäss Espace-Verlagsdirektorin Franziska von Weissenfluh
sei dies teilweise schon erfolgt. Sie wertet den Abbau von 1,8 Stellen
jedoch als gering, gemessen an der Grösse der Redaktionen der beiden
Titel (über 100 Beschäftigte bei der BZ und 65 beim Bund). Im Vergleich
mit dem «tragischen»  Stellenabbau beim Anzeiger Region Bern sei
der Abbau erträglich.
Seit Jahresbeginn sind die Inserate bei beiden Titeln (Gesamtausgabe)
im Vergleich zur Vorjahresperiode um 10 Prozent zurückgegangen. Was nun
passiere, sind gemäss von Weissenfluh «notwendige Strukturanpassungen».
Zwar unterscheiden sich beide Zeitungen – der Bund als Qualitätszeitung
und die BZ als breite Forumszeitung – in Inhalt, journalistischem
Approach und beim Zielpublikum, doch Anzeigen laufen parallel in beiden
Blättern. Erfahrungsgemäss schätzt es die Werbebranche wenig, wenn sie
plötzlich in zwei Titeln gleichzeitig inserieren muss, wo das vorher
selektiv möglich war, und dafür im Durchschnitt 30 Prozent mehr zahlen
muss, auch dann, wenn etwa einem Inserenten die bessere Abdeckung
keineswegs dienlich ist. Von Weissenfluh dementiert entsprechende
Schwierigkeiten. «Wir haben von Inserenten ausschliesslich positive
Reaktionen bekommen», Inserenten hätten nirgends im Espace Mittelland
eine vergleichbar gute Abdeckung. Verantwortlich für den
Inseraterückgang ist ausserdem das Ausbleiben von Inseraten der
Grossverteiler.

Mehr Effizienz verlangt
Für den Bund gibt sich  die Verlagsdirektorin optimistisch: «Wir
hoffen, bereits im nächsten Jahr mit dem Bund schwarze Zahlen zu
schreiben.»
Doch wie weit können die Redaktionen noch zurückbuchstabieren, um nach
bereits mehreren erfolgten Abmagerungskuren nicht noch weitere
Abstriche machen zu müssen? Die Verlagsdirektorin ist überzeugt, dass
die Redaktionen ihre Effizienz noch steigern können. Doch Hanspeter
Spörri vom Bund hat in früheren Interviews, so in der Wochenzeitung,
wiederholt erklärt, dass der Abbau die Redaktion zwar noch nicht
umbringe, dass aber Qualitätsjournalismus ihren Preis habe. Spörri
sieht im gegenwärtigen Strukturwandel der Presse auch Chancen für sein
Blatt, das er als Berns kleine NZZ verstanden wissen will: «Wir werden
uns noch mehr auf Hintergründe, Analysen und Reportagen konzentrieren.
Das reine Nachrichtengeschäft überlassen wir tendenziell den
elektronischen Medien und der Gratiszeitung.»
Ein Gedanke jedoch scheint bis jetzt tabu. Wie weiter, wenn das
Qualitätsblatt sich finanziell nicht mehr erholt? Wird der Bund in
diesem Fall zum Bund in der BZ, oder verschwindet er ganz? «Wenn eine
der Zeitungen ernsthaft Schaden nimmt, dann würde ich beanstanden, dass
wir gar nie so weit gedacht haben», sagt Spörri. Doch er ist nach wie
vor vom Berner Modell überzeugt, das trotz möglicher weiterer
Abbaumassnahmen journalistische Konkurrenz auch auf lokaler Ebene
ermögliche. «Das fordert die Redaktionen heraus und erlaubt,
unterschiedliche Zeitungen für unterschiedliche Lesergruppen zu
gestalten.»

René Worni

Umtriebiger Geist von Genf

Standortmarketing Ein Werbefachmann hat den «Esprit de Genève» zur Marke gemacht. Das passende Produkt hat er auch schon: drahtloses Gratis-Internet.

Standortmarketing Ein Werbefachmann hat den
«Esprit de Genève» zur Marke gemacht. Das passende Produkt hat er auch
schon: drahtloses Gratis-Internet.«Wer kein Erdöl hat, braucht Ideen», sagt
Charly Schwarz. Und solche hat der unabhängige Genfer Werbefachmann und
Kommunikationsberater genug. Und so hat er «L’Esprit de Genève», den
Geist von Genf, als Marke deponiert. Auf ihn geht auch die Idee zurück,
Genf flächendeckend mit drahtlosen Internetzugängen (WiFi = Wireless
Fidelity) zu versorgen. Aber gratis bitte, als von der Öffentlichkeit
bezahlter Service public.
Charly Schwarz, 45, ist gebürtiger Genfer mit polnisch-kubanischen
Vorfahren. Nach mehreren Jahren Arbeit bei der Mediaagentur Initiative
Media beschloss er, sich selbstständig zu machen. Heute ist er
freischaffender Kommunikationsberater, was ihm Zeit für seine
Leidenschaften lässt. Etwa für seine Gesellschaft Anda, die den
amazonischen Regenwald aufforstet. Oder für den Verein L’Esprit de
Genève, den Schwarz gegründet hat und der das Image von Genf und die
Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft und Politik redynamisieren will.
Der Esprit de Genève wird seit Henri Dunant, dem Völkerbund oder dem
legendären Gipfeltreffen zwischen Reagan und Gorbatschow immer dann
zitiert, wenn es um die internationale Ausstrahlung Genfs geht. Doch
nun ist Charly Schwarz dessen alleiniger Besitzer. «Halt! Stopp!»,
wendet er lebhaft ein: «Da verstehen Sie mich falsch!» Geld verdienen
will Schwarz nicht mit seiner Marke: «Wir stellen den Namen allen zur
Verfügung, die die Ausstrahlung von Genf fördern.» Trotzdem ist das
Benützen des Markennamens nicht gratis. Schwarz besteht auf einer
Gegenleistung, die dem Verein zugute kommt. «Nehmen wir einmal an, das
Tourismusbüro wolle eine Werbeaktion für Genf mit dem Namen ‹Esprit de
Genève› starten. Als Gegenleistung würden wir die Unterstützung des
Büros für eine unserer Aktionen aushandeln.»

Stadt der Gastfreundschaft
Eine Art Standortmarketing für den Finanzplatz Genf also? «In Genf
macht niemand etwas ohne Subventionen. Das muss sich ändern. Man muss
zeigen, dass auch grosse Projekte ohne Staatshilfe realisiert werden
können.» Deshalb habe er den Verein gegründet, in dem rund 200
Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Medien daran
arbeiten, dem Geist von Genf seinen ursprünglichen Sinn wieder zu
geben. Genf habe durch die Jahrhunderte hindurch Flüchtlinge
aufgenommen, es sei eine gastfreundliche, weltoffene Stadt mit hoher
Lebensqualität: «Dieser Geist gehört allen, die zur Ausstrahlung von
Genf beitragen.»

Die Asche von Henri Dunant
Der im Juni 2004 gegründete Verein finanziert seine Aktivitäten
ausschliesslich durch private Beiträge und hat schon mehrfach mit
Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Etwa mit einer Publikation über
den Genfer Friedhof Le Cimetière des Rois – ein wenig bekanntes
städtebauliches Schmuckstück, wo begraben ist, wer in Genf Rang und
Namen hat. Dann auch mit einem Inventar der schönsten Badestrände am
See oder mit einer Karte der bestehenden drahtlosen
Gratis-Internetzugänge. Das Projekt «Genf 100 Prozent WiFi» gehört
ebenfalls dazu. «Stellen Sie sich den Werbeeffekt für Genf vor!»,
begeistert sich Schwarz: «Genf wäre weltweit die erste und einzige
bedeutende Stadt mit einer solchen öffentlichen Dienstleistung – sogar
Städte wie New York oder Bilbao befänden sich noch im Versuchsstadium.»

Falls es denn nicht klappen sollte mit der Internet-Hauptstadt Genf,
hat der umtriebige Präsident des Esprit de Genève noch andere Pfeile im
Köcher. Etwa ein elektronisches Inventar aller «Macherinnen und Macher
der Genfer Nomenklatura in Wirtschaft, Kultur, Politik und Kunst». Und
er meditiert über den nächsten Coup: die Rückführung der Asche von
Henri Dunant nach Genf. Der Gründer des Roten Kreuzes wurde nach seinem
Konkurs von puritanischen Calvinisten aus Genf vertrieben und starb
1910 mausarm im Deutschschweizer Exil; er ist in Zürich begraben. Das
ist des Geistes von Genf nicht würdig. Und wo Charly Schwarz Recht hat,
hat er Recht.

 
Helen Brügger

Des Meisters neue Töne

Musik Das Collegium Novum Zürich stellt seinen Konzert-Zyklus 2005 unter den Titel «Voices». Die Kreation dazu stammt von Wirz.

Musik Das Collegium Novum Zürich, ganz der
Förderung zeitgenössischer E-Musik verpflichtet, stellt seinen
Konzert-Zyklus 2005 unter den Titel «Voices». Eine nicht ganz
alltägliche Umsetzung dazu hat sich auch die Kreation von Wirz mit AD
Chantal Ehrensperger einfallen lassen: Roboterhund Aibo, Megafon und
Marshall-Verstärker heben als moderne Interpretation des historischen
Logos von «His Master’s Voice» die Modernität der Kompositionen hervor.

Fritz Schuhmacher tritt als PubliGroupe-VR ab

Am Mittwochabend hat Fritz Schuhmacher seinen Rücktritt als Vizepräsident des Verwaltungsrats der PubliGroupe erklärt.

Am Mittwochabend hat Fritz Schuhmacher
seinen Rücktritt als Vizepräsident des Verwaltungsrats (VR) der
PubliGroupe erklärt. Schuhmacher habe sich aus persönlichen Gründen
entschieden, den VR zu verlassen und sein Mandat mit sofortiger Wirkung
zur Verfügung zu stellen, teilte der Werbekonzern mit. Der Basler
Advokat, der dem Gremium seit 1992 angehörte und den Vizevorsitz seit
1995 einnahm, ist durch Ermittlungen wegen Vermögensdelikten gegen
seine Firma Internationale Treuhand AG (Itag) unter Druck geraten. Der
PubliGroupe-VR hat als neuen Vizepräsidenten Felix Weber nominiert.
Weber, geboren 1950, war am 4. Mai 2005 neu in den VR gewählt worden.
Er ist ausserdem Mitglied der Verwaltungsräte der Syngenta und der
Muttergesellschaft von Cablecom. Von 1998 bis 2004 war er CFO der
Adecco-Gruppe. Zuvor war er als Projektleiter und anschliessend als
Partner des Beratungsunternehmens  McKinsey & Company in
Zürich tätig.

Fusion der Druckereien Rub Media und Graf-Lehmann

Die beiden Stadtberner Druckereien legen auf den 1. Januar 2006 ihre Kräfte und Produktionsanlagen zusammen.

Die beiden Stadtberner Druckereien Rub
Media und Graf-Lehmann legen auf den 1. Januar 2006 ihre Kräfte und
Produktionsanlagen zusammen. Sie werden gemeinsam die Rub Media
Graf-Lehmann AG bilden. Mit dem Zusammenschluss entsteht ein
Medienunternehmen mit rund 40 Mitarbeitenden. Die neue Rub Media
Graf-Lehmann AG wird sämtliche laufenden Verträge beider Firmen
übernehmen. Alle Arbeitsplätze werden am Standort von Graf-Lehmann konzentriert. Die Aktionäre Bruno
Grütter, Heinz Hunziker, Pascal Rub, Peter Rub und Rudolf Zundel planen
laut Communiqué keine Entlassungen. Den Vorsitz der neuen
Geschäftsleitung wird Rudolf Zundel (heute CEO Graf-Lehmann)
übernehmen. Der Verwaltungsrat wird ab dem 1. Januar 2006 unter der
Leitung von Peter Rub seine Arbeit aufnehmen. Laut Mitteilung wird mit
der Fusion bereits in den nächsten Monaten die Möglichkeit geschaffen,
Investitionen von rund 2,5 Millionen Franken zu tätigen.

Sankt Jakob geht ein Licht auf

Aussenwerbung LED-Bildschirme als Werbefläche kennt man von den Bahnhöfen. Jetzt installiert Affichage in Basel erstmals ein Outdoor-E-Board.

Aussenwerbung LED-Bildschirme als Werbefläche kennt man von den Bahnhöfen. Jetzt installiert Affichage in Basel erstmals ein Outdoor-E-Board.Auch an Tagen ohne Sportveranstaltungen
passieren über 18000 Fahrzeuge die Kreuzung St.
Jakob-Strasse–Brüglingerstrasse in Basel. Wenn dann aber im
angrenzenden St.-Jakob-Stadion FCB-Goalie Pascal Zuberbühler seine
Paraden zeigt oder Roger Federer in der benachbarten Sporthalle die
Swiss Indoors gewinnt, dann wimmelt es auf der Kreuzung auch mal von
Abertausenden von Menschen.

Werbender Wegweiser
Just an dieser Kreuzung steht seit kurzem ein Betonturm mit der weit
sichtbaren Aufschrift «St. Jakobshalle Basel», der demnächst seine
Funktion als Wegweiser aufnimmt. Zudem sind hier ein Ticketoffice, ein
Kiosk, eine Bushaltestelle und ein Bancomat integriert. Darüber hinaus
dient der Turm aber auch als Werbefläche. Denn der Aussenwerber
Affichage hat über seine Tochterfirma E-Advertising auf die Kreuzung
hin an der Turmfassade ein 14 Quadratmeter grosses E-Board angebracht,
das voraussichtlich am 1. November in Betrieb geht. Das E-Board ist mit
vier Leuchtstreifen, welche die Turmfassade umgeben, elektronisch
gekoppelt. Leuchtet auf dem Bildschirm das Logo einer Firma auf, deren
Basisfarbe grün ist, färben sich die je drei Meter breiten Streifen
ebenfalls grün. Wechselt das Logo, passen sich die Streifen farblich
entsprechend an.

Nur leicht animierte Werbung
Bei der Affichage ist man auch aus städtebaulicher und ästhetischer
Sicht stolz auf dieses «Novum in der Aussenwerbung». Denn bisher waren
solche elektronischen Tafeln nur im Indoor-Bereich erlaubt. Auf dem
LED-Bildschirm am Basler Turm ist im Gegensatz zu den
Affichage-E-Boards in Bahnhofhallen wegen der Verkehrssicherheit nur
«leicht animierte Werbung» und kein Spot erlaubt, wie Ueli Ritschard,
Geschäftsführer von E-Advertising, erklärt. «Das E-Board am
Sporthalle-Tower setzen wir fürs Branding und die Imagewerbung ein»,
sagt er. «Hier entsteht mit Sicherheit kein Piccadilly Circus.» Kunden,
die das E-Board belegen wollen, verpflichten sich für mindestens ein
halbes Jahr und teilen die Präsenz am Turm dann mit maximal fünf
anderen Werbetreibenden. Die sechs Logos werden je abwechselnd 15
Sekunden lang gezeigt, und dies täglich zwischen 6 und 24 Uhr. Der
Sujetwechsel sowie die sich blitzartig anpassenden Leuchtstreifen
garantieren einen hohen Wahrnehmungsgrad. Eine halbjährige Belegung
kostet den Werbekunden netto 39 100 Franken netto, ein ganzes Jahr 66 300 Franken. Mit der Amag hat Ritschard
bereits einen ersten Vertrag abgeschlossen, bei weiteren Interessenten
steht er kurz vor dem Abschluss.

Die Bauherrschaft hatte zunächst einen LED-Bildschirm minderer Qualität
und bloss für Informationen im Rahmen des Publikumleitsystems
ausgeschrieben. «Wir schlugen vor, ein teureres E-Board anzuschaffen,
dieses aber mit Werbung zu refinanzieren», berichtet Ritschard. Das kam
an: Affichage erhielt den Auftrag.
Ob E-Advertising anderswo bald schon ähnliche E-Boards in Betrieb
nehmen kann? Die Chance ist gross, «denn LED-Flächen werden vermehrt
für die Fassadengestaltung eingesetzt», sagt Ueli Ritschard.

Markus Knöpfli

U1 verrät Details über Gratis-Programmzeitschrift

Am 24. Oktober 2005 wird der Fernsehsender U1 sein bereits angekündigtes Gratis-Programmheft lancieren.

Am 24. Oktober 2005 wird der Fernsehsender
U1 sein bereits angekündigtes Gratis-Programmheft lancieren. Die
tägliche Auflage wird 100’000 Stück betragen, ein definitiver Name
fehlt allerdings immer noch. Das Heft soll in 150 ehemaligen
Metropol-Boxen im Stadtgebiet von Zürich aufliegen. Neben einem
Programmraster mit allen Free-TV-Angeboten der Region wird es auf
insgesamt mindestens 16 Seiten Informationen über alle Spielfilme des
Tages enthalten, wie U1 in einer Mitteilung schreibt. Zusätzlich wird
das Heft mit Reportagen und Interviews zu den Fernsehprogrammen
aufwarten. In einem Gespräch mit der Werbewoche hatte U1-Projektleiter
Peter Kölbel als Grund für die Lancierung einer eigenen
Programmzeitschrift angegeben, dass die Tageszeitungen U1 nicht in ihre
Programmübersicht aufgenommen hatten (vgl. Werbewoche vom 22.
September 2005). Als Arbeitstitel wurde TVTime genannt. 
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