Sissacher Chefredaktor wechselt zur Polizei

Rolf Wirz verlässt die Lokalzeitung Volksstimme.

Rolf Wirz, Chefredaktor der Sissacher
Lokalzeitung Volksstimme, wechselt in die Baselbieter
Kantonsverwaltung. Ab 1. Februar 2006 wird Wirz in der Abteilung
Öffentlichkeitsarbeit/Mediendienst der Polizei Basel-Landschaft
arbeiten. Leiter der Abteilung als Polizeisprecher ist Meinrad
Stöcklin. Vermutlich werde Wirz zu Stöcklins Stellvertreter gewählt,
berichtet Onlinereports.ch. Wirz arbeitete seit 1994 bei der
Volksstimme. 1999 wurde er stellvertretender Chefredaktor und seit 2002
selbst Chefredaktor. «Im Vordergrund war, dass ich nach zwanzig Jahren
Lokaljournalismus noch einmal etwas anderes machen wollte», erklärte
Wirz gegenüber Onlinereports.ch. Die Nachfolge bei der Volksstimme ist
noch offen.

Noch einen Monat Zeit für Swiss Poster Award

Am 11. Mai 2006 verleiht die APG zum 2. Mal ihren Plakatpreis.

Am 11. Mai 2006 verleiht die Allgemeine
Plakatgesellschaft (APG) zum 2. Mal den Swiss Poster Award. Die
Eingabefrist für den Wettbewerb läuft noch bis 15. November. Die besten
Plakate in den Kategorien «Kommerziell», «Public Service» und «Kultur»
werden mit Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet; das beste der besten
erhält den Swiss Poster Award 2005. Anmeldeformulare finden sich auf
der Website der APG.

Aus dem Topf der alten Tante

Pressenetz Der Medienpool von NZZ-Tochter FPH findet bei den verschiedenen Redaktionen keinen Anklang.

Pressenetz Die NZZ-Tochter FPH hält an ihrem Poolmodell fest. Doch zur Lösung der Branchenprobleme trägt es kaum bei.«Das Interesse am Pressenetz ist klein»,
sagt Bund-Chefredaktor Hanspeter Spörri. René Bondt, stellvertretender
Chefredaktor des Zürcher Oberländers, habe den Eindruck, «das
Pressenetz ist gar nie richtig angelaufen.» Benjamin Geiger,
Chefredaktor der Zürichsee Zeitung doppelt nach: «Man hat sich keine
Gedanken gemacht, wie man das Pressenetz nutzen und in die
redaktionelle Planung einbauen kann.»
Seit Pressenetz-Erfinder Beat Lauber, Mitglied der NZZ-Gruppenleitung
und bis vor kurzem Leiter Regionalpresse, vor etwa einem Jahr das
Modell vorgestellt hat, ist die Presselandschaft im Grossraum Zürich
und der angrenzenden Nordostschweiz heftig in Bewegung geraten. Drei
Zürcher Landzeitungen neigten sich der NZZ (Freie Presse
Holding/PubliGroupe) zu, während der Landbote auf Tamedia-Kurs
einschwenkte, jüngst gefolgt von der Thurgauer Zeitung, die in
absehbarer Zeit zur 100-prozentigen Tamedia-Tochter wird. «Viele
Zeitungen sind heute wieder Konkurrentinnen», sagt Geiger. Auch Bondt
zweifelt, ob nach der Entstehung dieser neuen Allianzen ein Netz
Bestand haben könne, das ungeachtet der Veränderungen «quer durch die
Zeitungslandschaft geht.»

Die Idee überzeugt nicht
Das Pressenetz aus dem Hause NZZ sollte es eigentlich den im
Strukturwandel schwankenden Regionalzeitungen ermöglichen, günstiger zu
Inhalten zu kommen, indem Texte online getauscht und zweitverwertet
werden. Die Idee fokussiert hauptsächlich auf die überregionalen
Ressorts, die nicht zur Kernkompetenz der Regionaltitel gehören, aber
dennoch Bestandteil einer Komplettzeitung sind. Einsparungen dort
würden Ressourcen freisetzen, die hier im Regionalen die Qualität
steigern liessen. Doch die Idee scheint nicht zu überzeugen, denn viele
Zeitungen tauschen bereits heute Artikel aus und nutzen
verschiedentlich gemeinsame Korrespondentenpools, was bestens
funktioniert. «Man hat nicht bedacht, wie wenig wir bereits heute für
Geschichten ausgeben», sagt Benjamin Geiger. Die Zürichsee Zeitung
nutzt zum Beispiel Korrespondentenpools mit der Südostschweiz, mit dem
Limmattaler Tagblatt, gelegentlich mit der Aargauer Zeitung oder hat
denselben Bundeshauskorrespondenten wie der Landbote.
Der Sparanreiz, einer der Hauptargumente für das Pressenetz, scheint zu
schwach: Journalistische Texte waren noch nie so billig zu haben wie
heute, der Zerfall ihrer Wertigkeit ist mithin ein Indiz für den
Zustand der Presse. Hier regt sich das Gewissen des Berufsstandes. «Die
Idee ist bestechend, aber was wird aus den freien Mitarbeitern?», fragt
sich Ivo Bachmann, Chefredaktor der Basler Zeitung. «Wir wollen in den
gegenwärtig schlechten Zeiten nicht den Freien das Wasser abgraben»,
meint auch René Bondt vom Oberländer. Zudem wird befürchtet, dass in
den bereits bis an die Grenzen geschrumpften überregionalen Ressorts
weitere Stellen gefährdet wären.
In der Tat wurde noch keine Lösung gefunden, wie Presseartikel aus dem
Pressenetz verrechnet werden sollen beziehungsweise, wie freie
Journalisten in einem Pool mit ihren Texten gegen die Konkurrenz
bestehen könnten. Doch so weit ist es noch nicht. Das Pressenetz
–  nach wie vor in der Testphase – will nicht vom Fleck kommen.
«Das Projekt hat nicht mehr erste Priorität», sagt dazu Pepe Wiss,
Geschäftsleiter der NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH) und
Projektleiter.

Geringe Lust, Inhalte zu liefern
Für den Testbetrieb zugesagt und die entsprechende Software installiert
haben zehn Regionalzeitungen aus dem Raum Zürich, Bern, Luzern und der
Nordostschweiz. Sie beschränken sich inhaltlich jedoch allein auf
Wirtschaftsthemen im Raum Zürich.
Doch offensichtlich scheint die Lust gering, den gemeinsamen Pool mit
Inhalten zu speisen. «Wir haben es ein paar Mal geprüft, aber es war
nichts drin», sagt etwa Unterländer-Chefredaktorin Christine Fivian,
zumal das Blatt kraft seiner Kompetenz im Themenbereich Flughafen
Kloten einiges beizusteuern hätte. Dennoch hofft man an der Zürcher
Falkenstrasse, dass das Projekt zu Stande kommt: «Wenn genügend Texte
vorhanden sind, dann kommt alles ins Rollen», ist Wiss überzeugt.
Doch die Bedürfnisse der Redaktionen gehen auseinander. Für Hanspeter
Spörri vom Bund ist klar: «Die Zeitungen sind zu unterschiedliche
Persönlichkeiten.» Das wertet Pressenetz-Erfinder Beat Lauber nicht als
Problem: «Für alle gibts Lösungen», die verschiedenen Interessenlagen
liessen sich technisch mühelos gruppieren. Für Lauber ist die
Realisierung des Pressenetzes jedoch hochdringlich: Im redaktionellen
Umfeld werde die Einnahmenerosion weiter zunehmen. Deshalb brauche es
eine Lösung für die ganze Branche. «Aber offenbar ist der Leidensdruck
der Verleger noch zu wenig gross.» Das Interesse am Pressenetz wäre
sonst grösser, schätzt er.
Bis im kommenden Frühling will Pepe Wiss das Projekt neu aufgleisen und
die technischen Möglichkeiten ausloten. Sollte das Pressenetz ganz
versanden, dann verliert die NZZ auch ein strategisches Instrument, um
im Netz der  regionalen Qualitätszeitungen erklärtermassen die
Führungsrolle zu übernehmen und expansionswilligen Verlagshäusern wie
Tamedia die Stirn zu bieten.

René Worni

Durch die Blume

Fachhandel Mit einer ganz eigenen Definition von Field Marketing hat die Fachhandelskette Blume 3000 auf ihr immer frisches Sortiment aufmerksam gemacht.

Fachhandel Mit einer ganz eigenen
Definition von Field Marketing hat die Schweizer Fachhandelskette Blume
3000 auf ihr immer frisches Sortiment aufmerksam gemacht. Passanten
fanden letzte Woche an gut frequentierten Plätzen Zürichs bunte
Texttafeln vor, die mitten in städtischen Blumenrabatten und -kübeln
mit vergangener Blumenpracht thronten. Die Botschaft «Frische Blumen
gibts bei Blume 3000». Die frische Idee zur Aktion dagegen kam aus dem
Zürcher Werbegewächshaus Soldini Bienenfeld.

Einen Fasi fürs Schneehasi

Mode Für Helly Hansen rückt Publicis der St. Moritzer High Society auf den Pelz.

Mode Für Helly Hansen rückt Publicis der St. Moritzer High Society auf den Pelz.Hoch oben in den Engadiner Alpen liegt
eine Ortschaft, wo nichts einfacher ist, als viel Geld auszugeben und
wo sich die Reichen und die Schönen gute Nacht sagen. Dieser
Wallfahrtsort der VIPs heisst St. Moritz und ist weltweit auch bekannt
als eine der letzten Bastionen für Trägerinnen und Träger von teuren
Pelzmänteln.
Hier, inmitten der berühmten Shoppingmeile Via Maistra, hat Peter Wider
(Sportplausch Wider Wallisellen) kürzlich den Flagship-Store des
norwegischen Funktionswäsche-Pioniers Helly Hansen übernommen. Dass
sich unter seiner Leitung die Kommunikation ändert, spürt die
einheimische Bevölkerung bereits «in der Aufwärmphase», wie Wider die
Zeit vor der hochoffiziellen Eröffnung nennt. Inspiration fand er in
der lokalen Weisheit, wonach es leichter ist, einem Bären das Fell über
die Ohren zu ziehen, als einem Bündner seine Helly Hansen.
Für die vorwinterliche Teilliquidation wirbt seine Hausagentur Publicis
mit einer Aktion unter dem Motto «Lieber Faserpelz als Pelz!». Diese
freie Interpretation der Tierschützer-devise «Lieber nackt als im Pelz»
macht schon deshalb Sinn, weil die Outdoor-Mode von Helly Hansen um
einiges besser vor Schneestürmen schützt als die nackte Haut.
Das wird im Rahmen der Werbeaktion von Models demonstriert, die nur mit
Faserpelz bekleidet durch St. Moritz flanieren. Auf Plakaten und in
Anzeigen sind mondäne Damen mit zu viel Nerz und zu wenig Herz für
Tiere abgebildet, überstempelt mit dem Aktionsmotto und dazu der
Hinweis, wo man sich nicht nur politisch korrekt, sondern jetzt auch
mit 50 Prozent Liquidationsrabatt einkleiden kann.

Luca Aloisi

Mutmacher frisch vom Wallis

Mineralwasser Exxtra will neben Kalzium und Magnesium jetzt auch emotionale Werte in das Wasser von Aproz mixen.

Mineralwasser Exxtra will neben Kalzium und Magnesium jetzt auch emotionale Werte in das Wasser von Aproz mixen.Im Mineralwasser-Markt der Schweiz
herrscht keine Dürre: Vom Premium-Tafelwasser in der kunstvollen
Flasche bis hin zum Billigimport ist alles erhältlich, was praktisch
farblos und ohne Geschmack den Durst löscht. Gerade weil sich damit die
Unterschiede über die Geschmacksnerven kaum wahrnehmen lassen, erfolgt
die Differenzierung weitgehend über die Kommunikation. Als besonders
schwierig gilt es, Marken im mittleren Preissegment gegen das
Discount-Wasser zu verteidigen: Hier sollen klare und relevante
Markenversprechen sowie Emotionalität den höheren Preis verteidigen.
Das als Familienwasser positionierte Aproz aus der Migros hat sich
bisher durch seinen hohen Mineralgehalt profiliert: Mit 1679 mg/l
besitzt es einen der höchsten Kalzium- und Magnesiumgehalte aller
Schweizer Mineralwasser. Früher hat Aproz vorwiegend mit diesem
Mineralgehalt geworben. Man arbeitete mit sachlicher PR und einer für
Wasser eher trockenen Broschüre. Mit zunehmendem Preiskampf muss Aproz
aber einen Schritt weitergehen und diesen Nutzen aus Konsumentensicht
emotionaler dramatisieren, um weiterhin als beliebtestes Mineralwasser
der Schweiz zu gelten, hat Exxtra erkannt.
Der Markt hat sich verändert. Es sind viele neue Wasser aufgetaucht.
Edelwässerchen wie San Benedetto gibt es bereits im Discounter zu
kaufen. Auch in der Migros sind Edelmarken wie zum Beispiel San
Pellegrino oder Vitel im Angebot. Für viele Kunden entscheidet sich die
Wahl nur noch beim Preis. Aber hier ist Aproz sogar teurer als billige
Neuimporte. Auch hausintern gibt es mit Mineralwasser von M-Budget eine
bei vielen Kunden bereits beliebte Konkurrenz.
Vor diesem Hintergrund ist die neue Inseratekampagne von Exxtra
entstanden. Sie soll der Marke Aproz emotionale Werte verleihen und die
rationalen Argumente konsequent umsetzen. Die zentrale Aussage lautet:
Weil Aproz so viele Mineralien enthält, stellt es eine Quelle der
Kraft, der Energie, Gesundheit, des Mutes und der Erfrischung dar.
Aproz soll im Gegensatz zu Valser oder Evian nicht als
Lifestyle-Produkt dargestellt werden, sondern als Wasser für Menschen
aller Altersklassen. Während Valser mit seiner Werbung die urchige
Bergwelt im Wallis verlassen und in die moderne Stadt mit ihrem
eleganten Lifestyle hinuntergezogen ist, geht Aproz bewusst in die
andere Richtung. «Wir bringen Aproz in die Walliser Berge zurück»,
meint CD Dieter Hofmann.
Exxtra Kommunikation wollte der strategischen Eigenmarke, diesem
regelrechten Urgestein der Migros, eine Erfrischungskur verpassen, ohne
traditionelle Werte wie Familie, Bodenständigkeit und Gesundheit in
Frage zu stellen. Der Fotograf der Kampagne ist der Schweizer Stefan
Schacher, der das imposante Lichtspiel der Alpen genauso einzufangen
verstand wie die Natürlichkeit der Models. Denn als Testimonial wurden
bewusst keine Profis engagiert, sondern «echte», authentische Menschen
aus dem Wallis. Die Kampagne lebt bewusst nicht von Humor oder
überraschenden Aussagen, sondern «von Ästhetik, Ruhe und Souveränität»,
wie AD Grischa Rubinick erklärt. Die Schrift ist kunstvoll wie unter
einem wässrigen Filter gesetzt. Verschiedene Farbtöne unterstützen die
einzelnen Aussagen. Nur in einer kleinen Copy wird erklärt, woher Aproz
kommt und was im Wasser drin ist.
Die Kampagne startet mit doppelseitigen Anzeigen, später soll mit
kleineren Sujets nachgedoppelt werden. Plakate sind im Gespräch, auf
einen Film wird verzichtet. Man will sich bei der Migros gar nicht erst
auf eine werberische Materialschlacht gegen Valser einlassen. Dort ist
nicht nur am neuen Lifestyle zu beobachten, dass die Coca-Cola-Company
als neuer Besitzer die Werbung bestimmt. «Mitmachen oder ausweichen?»
hiess bei Exxtra die Frage. Man hat sich für einen ehrlichen Weg mit
unspektakulärer, dafür glaubwürdiger Werbung entschlossen.
Man kennt Aproz, also muss der Kunde im Meer der Mineralwasser nur an
diese Marke erinnert werden. Bereits vorhandene Kunden sollen in ihrer
Kaufauswahl bestätigt werden.

Andreas Panzeri

Die SRG muss sich von der Forschung trennen, aber wie?

Radio- und TV-Forschung Das Parlament fordert eine Ausgliederung der Publikumsforschung bei der SRG. Diese präsentiert jetzt einen neuen Lösungsansatz.

Radio- und TV-Forschung Das Parlament will
die Forschung aus der SRG ausgliedern. Über das Wie scheiden sich die
Geister. Die SRG präsentiert jetzt einen neuen Lösungsansatz.An die Radio- und TV-Forschung stellen die
privaten Veranstalter und die SRG keineswegs dieselben Anforderungen.
Ein Beispiel: Um repräsentative Daten zu ihren Programmen zu erhalten,
benötigt die sprachregional sendende SRG weitaus weniger Stichproben
als die Privaten, die meist kleinere Räume abdecken. Grössere
Stichproben haben Mehrkosten zur Folge, doch die SRG hat kein
Interesse, dafür zusätzliche Gebührengelder abzuzweigen. Dasselbe gilt
für die Zielgruppenforschung: Heute erhebt Radiocontrol die
Radionutzung aller Hörer ab 15 Jahren, die Privatradios wollen schon
die 12-Jährigen einbeziehen. Dagegen sträubt sich aber die SRG, die für
ihre werbefreien Radioprogramme auf solche Daten verzichten kann.
In der heutigen Situation hat jedoch die SRG bei der Radio- und
TV-Forschung das letzte Wort, denn der Forschungsdienst ist eine
Abteilung innerhalb der SRG. Auch die Firma Publica Data AG, die die
Daten an die Privaten verkauft, gehört zu 100 Prozent der SRG. Diese
Situation befriedigt längst nicht mehr. Die Privaten monieren die
fehlende Unabhängigkeit der Forschung und verlangen mehr Mitsprache.
Und die SRG fürchtet sich vor immer neuen, Kosten treibenden Wünschen
der Privaten. Zudem hat sich bei der SRG die Einsicht durchgesetzt,
dass sie aus Imagegründen nicht gleichzeitig Anbieterin und Abnehmerin
von Forschungsdaten sein sollte (siehe Kasten rechts).
In einem Punkt besteht denn auch zwischen Privaten und SRG Einigkeit:
Die Radio- und TV-Forschung soll aus der SRG ausgelagert werden. Dieser
Meinung hat sich im Prinzip das Parlament in der RTVG-Debatte
angeschlossen. Über die Frage, wie dies bewerkstelligt werden soll,
gehen die Meinungen aber weit auseinander. Der Ständerat will die
Lösung der Radio- und TV-Branche überlassen, der Nationalrat wünscht
für die Nutzungsforschung eine unabhängige Stiftung (siehe Kasten 2).
Diese Haltung hat er in der zweiten Lesung erneut deutlich bestätigt.
Der Ständerat muss nun im Dezember entscheiden, ob er auf seiner
offenen Fassung beharrt oder sich dem Nationalrat anschliesst.
Die Differenzen der Räte widerspiegeln grob die Differenzen der
Branche: Wie der Nationalrat wollen auch die Privaten die Forschung
einer Stiftung übertragen und den Stiftungsrat letztlich vom Bund
bestellen lassen. Die SRG zieht dagegen den ständerätlichen Weg vor,
ohne staatliche Interventionen.

Verunsicherung macht sich breit
Noch einen Unterschied gibt es zwischen SRG und Privaten: Die Privaten
haben mit der Sache keine Eile, die SRG will hingegen die Ausgliederung
so rasch als möglich, am liebsten per Ende 2005. Walter Rüegg, Direktor
von Radio DRS und innerhalb der SRG zuständig für die Forschung: «Für
uns ist die Trennung eine Frage der Corporate Governance. Zudem macht
sich unter dem Personal des Forschungsdienstes wegen der ungeklärten
Situation Unsicherheit breit.» Um ein Abspringen von Fachleuten zu
verhindern, will er deshalb die Neuorganisation vorantreiben. Bereits
hat eine SRG-interne Arbeitsgruppe unter Rüeggs Leitung dazu ein Modell
entworfen, das in zwei Phasen eine neue Struktur und einen Wechsel der
Besitzverhältnisse vorsieht.

Im Sinne einer Übergangslösung integriert die SRG in einer ersten Phase
den Forschungsdienst in die Publica Data AG und überträgt der neuen
Firma Medienforschung Schweiz AG (Arbeitstitel) auch alle nötigen
Vermögenswerte wie Radiocontrol- oder Telecontrolpanel. Medienforschung
Schweiz würde den Forschungsbetrieb nahtlos weiterführen und die
bisherigen Forschungs- und Vertriebsverträge übernehmen. Trägerin
bleibt vorderhand die SRG – und zwar zu 100 Prozent. Der Publica
Data-Verwaltungsrat, dem heute auch je ein Vertreter der Privaten und
der Werbewirtschaft angehören, könnte gemäss Rüegg bestehen bleiben.
«Mit der Gründung der Medienforschung Schweiz AG schafft die SRG
personell und buchhalterisch transparente Verhältnisse und ebnet so
einer künftigen Branchenlösung den Weg, ohne diese aber
vorwegzunehmen», erklärt Rüegg.

Nach dieser ersten Phase bestünde auch für die SRG keine Eile mehr,
weil damit ja gemäss Rüegg «die Kontinuität und Stabilität der
Forschung gesichert ist».

Der Beginn der Phase zwei, nämlich die Übertragung der Medienforschung
Schweiz AG an eine neue Trägerschaft, wäre dann Sache der Politik und
der Branche. Wie das vor sich gehen soll, lässt Rüegg offen und
skizziert verschiedene Möglichkeiten: Das Aktionariat der
Medienforschung Schweiz AG wird geöffnet, indem Aktien zu einem
symbolischen oder tatsächlichen Wert an interessierte Verbände und
Organisationen verkauft werden, möglicherweise mit
Aktionärsbindungsvertrag, Stimmrechts- oder
Veräusserungsbeschränkungen. Oder: Die interessierten Verbände und
Organisationen gründen einen Holdingverein beziehungsweise eine
Holdingstiftung, welche die Aktien der Medienforschung Schweiz AG von
der SRG übernimmt. Ob AG, Verein oder Stiftung – gemäss dem Modell
beansprucht die SRG nirgends eine Mehrheit, bloss eine qualifizierte
Minderheit (25 bis 49 Prozent). «Wichtig ist, dass Mehrheiten immer nur
via Koalitionen zu Stande kommen», meint Rüegg. Er hält es zudem für
zentral, dass die breit zusammengesetzte und deshalb schwerfällige
Trägerschaft keinesfalls direkt auf die Medienforschung Schweiz AG
Einfluss nehmen kann. Ihre Hauptkompetenz: Sie setzt einen
Verwaltungsrat ein, der wiederum einen operativen Chef (CEO) wählt.

Keine Zusatzkosten für Private
Es ist wichtig zu wissen, dass die SRG die erste Phase des Rüeggschen
Modells von sich aus auslösen kann und per Ende 2005 durchziehen
möchte. Doch der Radiodirektor betont, dass ihm das Einverständnis der
Privaten wichtig ist. Falls deren Widerstand zu gross sein sollte,
würde die SRG auf eine Ausgliederung verzichten. Dennoch hat die SRG
bereits diverse Vorbereitungen getroffen, unter anderem lässt sie
derzeit von externen Fachleuten die Vermögenswerte des
Forschungsdienstes und der Publica Data AG einschätzen. «Es soll uns
nachher niemand vorwerfen können, wir hätten falsche Werte angegeben»,
sagt Rüegg. Zahlen will er deshalb noch keine nennen. Nur so viel:
Letztes Jahr wies die Publica Data AG einen kleinen Gewinn aus. Ihr
Ertrag aus dem Datenverkauf an Private plus die Einnahmen des
Forschungsdienstes aus dem Datenverkauf an die SRG-Einheiten deckten
knapp die Kosten der Forschung, sagt Rüegg. Ob die Medienforschung
Schweiz AG künftig mittels Gebührengelder finanziert werden soll, lässt
Rüegg offen, er selbst hält das nicht für nötig. Letztlich müsse
darüber  die Politik bestimmen, sagt er. Ohnehin wäre die
Ausgliederung praktisch kostenneutral, allenfalls liessen sich
geringfügige Einsparungen im personellen Bereich vornehmen, meint er.
Es kämen deshalb keine zusätzlichen Kosten auf die Privaten zu.

In zwei Punkten kommt das Modell Rüegg den Privaten entgegen: Anders
als noch vor einem Jahr sperrt sich die SRG nicht mehr grundsätzlich
gegen eine Stiftung als (oberste) Trägerin der Forschung. Zweitens
gesteht sie den Privaten neu die Möglichkeit zu, sich gegebenenfalls
bloss mit einem symbolischen Beitrag an der neuen Forschungsfirma zu
beteiligen. Damit nimmt er dem Einwand der Privaten, die Forschung sei
aus Gebührengeldern bezahlt und gehöre eh allen, etwas Wind aus den
Segeln.

Ob das jedoch ausreicht, ist fraglich. «Ich glaube, dass die Positionen
zur Nutzungsforschung im gesamten RTVG die bedeutendste noch bestehende
Differenz zwischen den beiden Räten darstellen», sagt der Tessiner
CVP-Ständerat Filippo Lombardi. Eine Lösung scheine deshalb auch
zeitlich in weiter Ferne. Ohne Lösung verzögere sich das Inkrafttreten
des RTVG. Lombardi, der auch Präsident des Privat-TV-Verbandes
Telesuisse ist, bemüht sich darum um einen raschen Kompromiss. Kürzlich
hat er deshalb Walter Rüegg sowie Vertreter von Telesuisse und vom
Verband Schweizerischer Privatradios (VSP) zu einer gemeinsamen Sitzung
zusammengetrommelt, um dort das Modell Rüegg zu diskutieren. Lombardi
selbst will keine Stellungnahme abgeben, um einen möglichen Kompromiss
nicht zu gefährden. «Wenn wir bis zur Ständeratsdebatte im Dezember
eine Lösung vorlegen können, die von der ganzen Branche getragen wird,
gewinnen wir Zeit. Wenn nicht, dann wird uns die Politik eine Lösung
vorgeben, was aber sehr lange dauern wird», sagt er.

Beim VSP hingegen sieht man keinen Grund zur Eile. «Unserer Basis
bleibt die nationalrätliche Version: Gerade weil eine Stiftung träge
ist, wollen wir sie als direkte Trägerin der Forschung, denn das gibt
den Privaten mehr Sicherheit und gewährt der Forschung grösstmögliche
Unabhängigkeit vom Markt», meint VSP-Vizepräsident Martin Muerner. Beim
VSP plädiere man dafür, das Modell Rüegg vorläufig auf Eis zu legen und
abzuwarten, was der Ständerat entscheiden wird. Zudem ist man
überzeugt, dass sich viele Punkte des Modells Rüegg auch mit der
Stiftungslösung realisieren lassen.

Bei der IGEM (Interessengemeinschaft elektronische Medien) sieht man
das etwas anders. Nachdem Rüegg dort im September sein Modell
vorgestellt hatte, sei der IGEM-Tenor einhellig gewesen, meint
IGEM-Präsident Urs Renner und betont: «Wir sind der Meinung, dass das
Modell in die richtige Richtung weist, auch wenn viele Details noch
ungeklärt sind», sagt er. Renner weiss, wovon er spricht, sitzt doch
der B.G.-Media-Mann als Vertreter der Mediaagenturen bei der Publica
Data im Verwaltungsrat.

Markus Knöpfli

Graubünden beschliesst Werbeverbot für Alkohol und Tabak

Für Raucherwaren und Getränke mit über 20 % Alkoholgehalt darf auf öffentlichem Grund künftig nicht mehr geworben werden.

Im Kanton Graubünden ist Werbung für Tabak
und Getränke mit über 20 % Alkoholgehalt auf öffentlichem Grund künftig
verboten. Das Parlament hat eine
entsprechende Bestimmung ins Gesundheitsgesetz aufgenommen, wie die
Nachrichtenagentur SDA meldet. Gegen das Werbeverbot für Tabakwaren sei
keine Opposition erwachsen, mehrere Ratsmitglieder hätte sich aber im
Interesse der Bündner Weinbauern gegen den Einschluss von Spirituosen
in das Gesetz gewehrt. Der Rat stimmte der neuen Bestimmung dennoch mit
94 zu 14 Stimmen klar zu.

Eidgenössische Förderpreise für Design 2005 – Ausstellung – 26. Oktober 2005 bis 12. Februar 2006, mudac, Lausanne

Das Bundesamt für Kultur und das mudac präsentieren in Anwesenheit von Bundesrat Pascal Couchepin die 24 prämierten Arbeiten des Eidgenössischen Wettbewerbs für Design 2005.

(pr) Das Bundesamt für Kultur und das
mudac präsentieren in Anwesenheit von Bundesrat Pascal Couchepin die 24
prämierten Arbeiten der Preisträgerinnen und Preisträger des
Eidgenössischen Wettbewerbs für Design 2005. Die prämierten Objekte und
Projekte stammen aus den Bereichen Mode- und Textildesign, Fotografie,
Industriedesign, Grafik, Typografie, Schmuck- und Interaktionsdesign.
256 Designerinnen und Designer hatten sich mit 221 Eingaben am
Eidgenössischen Wettbewerb für Design beteiligt. In der Schlussrunde
des Wettbewerbs zeichnete die Eidgenössische Designkommission unter dem
Vorsitz von Lorette Coen 24 Objekte oder Projekte von 27 Designerinnen
und Designern aus. Die Statistik zeigt, dass die Bemühungen der
Kommission Früchte tragen und wieder vermehrt Designerinnen und
Designer aus bislang eher schwach vertretenen Bereichen am
Eidgenössischen Wettbewerb für Design teilnahmen. So sind neben den
immer wieder stark vertretenen Berufsgruppen der Fotografen,
Grafikerinnen und Modedesigner dieses Jahr auch zahlreiche Schmuck- und
Industriedesignerinnen und -designer anzutreffen, und zwar sowohl unter
den Kandidierenden als auch unter den Preisträgerinnen und Preisträgern.
Zehn der prämierten Arbeiten sind als Prototypen für eine serielle
Produktion vorgesehen (oder werden bereits seriell produziert).
Vierzehn Arbeiten wurden von den Teilnehmenden als Unikate oder
Kleinserien deklariert.
Die Preisträgerinnen und Preisträger können wählen zwischen einem
Geldpreis von 20 000 Franken, einem sechsmonatigen Praktikum bei den
Firmen Barber Osgerby (Industriedesign, London), GTF, Practise/James
Goggin (beide Grafikdesign, London), Mevis & van Deursen
(Grafikdesign, Amsterdam), Vogt + Weizenegger (Industriedesign,
Berlin), Akris (Modedesign, St. Gallen), Jakob Schlaepfer
(Textildesign, St. Gallen) oder einem sechsmonatigen Atelieraufenthalt
in London oder New York.
Die Ausstellung findet dieses Jahr im Musée de design et d’arts
appliqués de Lausanne mudac statt. Wir hoffen, dass sie als Plattform
dazu beiträgt, den Bekanntheitsgrad der Preisträgerinnen und
Preisträger zu erhöhen. Das Museum zeigt die Werke in einem Umfeld mit
modernem Design, das sich für Begegnungen und Gespräche eignet.

KSSJ hat neue Kunden und Mitarbeiter

Die Zürcher Werbeagentur konnte im Rahmen von Konkurrenzpräsentationen gleich drei neue Mandate gewinnen.

Die Zürcher Werbeagentur Krieg Schlupp
Springer & Jacoby (KSSJ) konnte im Rahmen von
Konkurrenzpräsentationen gleich drei neue Kunden gewinnen. Bereits in
den nächsten Wochen wird sie neue Arbeiten für Viva Schweiz
präsentieren, die Bilanz-Sonderausgabe «Die 300 Reichsten» bewerben
sowie für ein Schweizer Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen
werben. Der Name dieses Unternehmens soll Anfang Dezember kommuniziert
werden. Ab dann wird auch die neue Imagekampagne zu sehen sein.
Ausserdem arbeitet der international tätige Designmöbel-Hersteller WOGG
neu mit KSSJ zusammen. Erste Massnahmen sollen noch dieses Jahr zu sehen
sein, ebenso Arbeiten für das nahe bei der Agentur gelegene Bordell Petite Fleur und
dessen neu eröffnete Lounge/Bar Roxanne. Aufgrund der neuen Kunden hat KSSJ zahlreiche neue
Mitarbeiter eingestellt. So sind seit August 2005 Roger
Barak als Leiter Traffic sowie Dany Kielholz und Sabrina Arthur für die
Beratung neu dabei. Per Oktober bzw. November stossen Maurus Zehnder
und Anita Kummer als Junior Art Directors neu dazu. Ausserdem werden
Laurence Bolinger, Conny Geibel und Raymond Immoos für die Beratung,
Evelyn Ruch und Andrea Hegele neu für Empfang/Administration arbeiten.

Russland einfachExklusives Business- & Lifestyle-Magazin für Russland

Streuverlustfreien Zugang zu Russlands kaufkräftiger Zielgruppen-Elite verspricht JET-Media, das als Bordmagazin in gecharterten Business-Jets und VIP-Lounges seine Leser findet.


 
(pr) Streuverlustfreien
Zugang zu Russlands kaufkräftiger Zielgruppen-Elite verspricht
JET-Media, das als Bordmagazin in gecharterten Business-Jets, aber auch
in den VIP-Lounges in europäischen und asiatischen Flughäfen sowie als
bezahlte Abos in der russischen Metropole seine Leser findet.
 
Das in russischer Schrift geschriebene und modern gelayoutete
Monatsmagazin enthält am Heftende ein Resumé in englischer Sprache und
deckt mit den Themen «Business+Company», «Fact+Legal», «Event+People»,
«Plane+Airport» und «View» ein weites Spektrum ab, das kompetent aus
der aktuellen Wirtschaftswelt in Ost und West berichtet sowie über
verschiedene Lifestyle-Bereiche wie Fashion, Gastronomie, luxuriöse
Hotels, Resorts, Yachten und Automobile. Redaktionelle Schwerpunkte in
jeder Ausgabe widmen sich u.a. auch der Geschäftsaviatik sowie der
Vorstellung neuer Business-Jets. Internationale Events und das
dazugehörende «Who-is-Who» runden den redaktionellen Teil ab.
 
Der Mediaplaner und Werbetreibende findet alle Informationen auf
www.jetmedia.ch oder bei der EXPORTWERBUNG AG, Zürich/Schweiz, der
exklusiven Anlaufstelle für Anzeigen aus dem europäischen Raum.

Espace Media reorganisiert Anzeigenleitung der Motorpresse

Der Bereich Fachmedien Mobil wird per 1. November von Remo De Piano und Andy Varonier betreut.

Die Anzeigenleitung für den Bereich Fachmedien Mobil
der Espace Media Groupe wird per 1. November neu organisiert. Die
Fachzeitschriften Automobil Revue, Revue Automobile, Katalog der
Automobil Revue, Moto Sport Schweiz und Moto Sport Suisse werden
künftig von Remo De Piano und Andy Varonier betreut. De Piano übernimmt
als Anzeigenleiter die Verantwortung für den Bereich Geschäftsanzeigen.
Er war zuletzt Gebietsleiter für die Neue Zürcher Zeitung und die NZZ
am Sonntag. Zuvor arbeitete De Piano innerhalb der Espace Media Groupe
als Verkaufsleiter für Espace.ch sowie für TeleBärn und Radio Extra
Bern. Als Leiter Rubriken verantwortet Andy Varonier neu den Bereich
Occasionen. Varonier war in verschiedenen Funktionen bei Mazda Schweiz
tätig, zuletzt als Product Manager.
get_footer();