Die Brotalisierung der jungen Schweiz
Food Mit einer Imagekampagne der Berner STP will die Schweizerische Brotinformation den Absatz steigern.
trotz des riesigen Angebots rückläufig. Mit einer Imagekampagne der
Berner STP will die Schweizerische Brotinformation den Absatz steigern.Der Laib von einem Kilogramm Gewicht war
früher das meistverlangte Brot. In den Kantonen Appenzell und Thurgau
waren gar über zwei Kilogramm schwere Brote alltäglich. Das hat sich
grundlegend verändert.
Zwar nimmt das vielfältige Brotangebot der Schweiz heute noch im
internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Doch die durch den
Wohlstand veränderten Konsumgewohnheiten und das reichhaltigere
Nahrungsangebot haben nicht nur das Gewicht der Laibe, sondern auch den
Gesamtabsatz von Brot schrumpfen lassen. In den letzten fünfzig Jahren
ging der Brotkonsum um einen Drittel zurück und liegt heute bei einer
Tagesration pro Kopf von 131 Gramm oder rund 48 Kilogramm im Jahr. Das
entspricht einem Drittel des Konsums in Osteuropa und liegt auch im
westeuropäischen Umfeld 25 Prozent unter dem Durchschnitt.
Immerhin: Seit zehn Jahren bleibt der Absatz stabil auf dem gleich
tiefen Niveau. Längst erkannt ist, dass Brot nicht als
Grundnahrungsmittel positioniert werden kann, sondern als ein Produkt,
das man in seiner ganzen Vielfalt geniessen soll – «und das uns, dank
der Prägung durch das Elternhaus, durch das ganze Leben begleitet»,
sagt Ursula Sutter, CD und GL-Mitglied der Werbeagentur Stoll Traber
und Partner (STP). Diesem Aspekt und dem Trend zu mehr Brotkonsum
mittags – wegen der kürzeren Lunchpausen von Berufstätigen – will die
neue Inseratenkampagne Rechnung tragen.
Vorerst mit zwei Motiven, die auf junge Erwachsene ausgerichtet
sind und das Brot als ständigen Begleiter zum täglichen Leben
darstellen. Zu diesen reihen sich nächstes Jahr zwei weitere Sujets,
die dann auch Mütter und Kinder mit der Headline «Ich und mein Brot»
anpeilen.
Bis im Jahr 2008 will die Schweizerische Brotinformation insgesamt
zwölf Inseratensujets einsetzen, um die breite Bevölkerung zu
vermehrtem und bewusstem Brotkonsum anzuregen. Diese stellen immer noch
nur den sichtbarsten Teil der Kommunikation dar. Der Hauptteil fliesst
nämlich weiterhin in die
direkte Ansprache via Informationsmaterial und Publikationen für Schulen, Experten und interessierte Privatpersonen.
Mit der neuen Werbeidee, die auf die zunehmende Ausserhausverpflegung
reagiert, haben sich auch im Mediamix grössere Veränderungen ergeben.
Neu liegt hier der Schwerpunkt auf den Printmedien. Gegenüber den
Messeauftritten der letzten Jahre, bei denen die Mariage Suisse –
einheimisches Brot, Käse und Wein – als Genusserlebnis stilisiert
wurde, gewinnen die plakativen Inserate an Bedeutung.
Dabei stärken sie die Wahrnehmung von Brot, indem sie nicht nur die
Aufmerksamkeit auf ofenfrisches Brot lenken und damit die Sehnsucht
nach Wärme wecken, sondern zusätzlich auf die Dokumentationsplattform
im Internet verweisen. Hier schiebt der Verein mit vertieften
Informationen die Überzeugungsarbeit nach, sprich: viele USPs, die sich
nicht emotional aufladen lassen.
Luca Aloisi
