Telebielingue erhält höhere Subvention

Das Bieler Stadtparlament hat die Subvention an den Lokalfernsehsender um 50'000 Franken erhöht.

Das Bieler Stadtparlament hat die
Subvention an den Lokalfernsehsender Telebielingue um 50’000 auf
125’000 Franken erhöht. Begründet wurde die Aufstockung mit der
schlechten
Wirtschaftlichkeit der französischen Programmhälfte, wie Espace.ch
berichtet. Die zweisprachige Stadt habe ein Interesse, dass der
Lokalsender trotzdem das Gleichgewicht der beiden Sprachen erhalten
könne. Kritische Stimmen in der Parlamentsdiskussion wandten allerdings
ein, dass die Qualität der Sendungen teilweise verbesserungswürdig sei,
ebenso die Entlöhnung des Personals. Der Gemeinderat (die Regierung) hatte dem Gesuch
von Telebielingue auf Erhöhung der Subvention zuvor wegen des
budgetierten Defizits der Stadt von nahezu 10 Millionen Franken nicht
entsprochen.

20 Minuten: In der Westschweiz nichts Neues

Geschäftsführer Rolf Bollmann dementiert eine Pressemeldung über den angeblichen Startschuss.

Ob Tamedia seine Pendlerzeitung 20 Minuten
in die Westschweiz bringt, ist noch immer nicht entschieden.
Geschäftsführer Rolf Bollmann dementierte einen Bericht des Klein
Reports gegenüber der Werbewoche. Der Newsdienst hatte gemeldet, bei
einer Mitarbeiterinformation am Donnerstagnachmittag werde Bollmann
offiziell den Startschuss zu 20 Minutes geben. «Das ist eine
Spekulation des Klein Reports», sagte der Geschäftsführer am
Donnerstagabend. Eine Mitarbeiterinformation sei zwar tätsächlich für
16 Uhr angekündigt gewesen, doch habe er sie wegen eines anderen
Termins verschieben müssen. «Daran können Sie sehen, wie wichtig diese
Information war», so Bollmann. Wenn ein Entscheid irgendwann gefällt
sei, werde Tamedia die Öffentlichkeit umgehend informieren.

Will Ringier auf den Pendlerblatt-Zug aufspringen?

Unter dem Namen Day sei eine Gratiszeitung in Arbeit, berichtet der Tages-Anzeiger.

Ringier will anscheinend auch in der
Schweiz eine Gratiszeitung lancieren, wie der Tages-Anzeiger (TA) heute
berichtet. Heissen werde das Blatt Day. Derzeit sei noch offen, ob es
in direkter Konkurrenz zu 20 Minuten ebenfalls morgens verteilt werde
oder ob Day am Abend erscheinen soll. Bestätigt wurde die Behauptung, für die der TA keine Quelle angibt, bis
jetzt nicht: «Zu Projekten und Gerüchten nehmen wir keine Stellung»,
hiess es aus dem Ringier-Hauptsitz.
Die Spekulationen um ein Ringier-Gratisblatt mehrten sich, nachdem die
SBB ihre Standorte zur Aufstellung von Zeitungsboxen neu ausgeschrieben
hatten. Drei Bewerbungen sind eingegangen. Dass eine davon von Ringier
stammt, will man bei den SBB laut TA «weder bestätigen noch
dementieren», da es sich um ein laufendes Verfahren handle. 20 Minuten
bewarb sich ebenfalls, beim dritten Interessenten soll es sich um einen
Verbund kleinerer Verlage handeln, die ebenfalls eine Gratiszeitung
planen würden.
Die Entwicklung des Boulevardblatts Blick werde bei Ringier mit grosser
Sorge verfolgt, schreibt der TA weiter. Auflage und
Anzeigenerträge sind rückläufig, vor allem im Umkreis von Städten wird
der Blick von 20 Minuten bedrängt.

JvM/Limmat besetzt drei Shortlistplätze bei Global Awards

In die engere Wahl gekommen sind Arbeiten für die Mentor Foundation und für die Zeitschrift Fritz & Fränzi.

Die Zürcher Agentur Jung von Matt/Limmat
landete in der Kategorie Print drei Treffer auf der Shortlist der
Global Awards in New York. In die engere Wahl gekommen sind die
Arbeiten «Spritze» für die Drogenpräventions-Stiftung Mentor Foundation
sowie «Joint» und «Ausserirdische» für die Zeitschrift Fritz &
Fränzi. Die Global Awards finden jährlich im Rahmen der New York
Festivals statt. Prämiert werden die besten Arbeiten in Healthcare
Communication. Laut den Veranstaltern werden die definitiven Resultate
in einer nächsten Runde bekannt gegeben.

Bolloré besitzt ein Fünftel von Aegis

Der Chairman von Havas hat seine Beteiligung an der Media- und Forschungsholding weiter aufgestockt.

Der französische Investor Vincent Bolloré
hat seine Beteiligung an der Media- und Forschungsholding Aegis auf
fast ein Fünftel aufgestockt. Er besitze jetzt 19,96 % der Aktien,
teilte Bolloré am Donnerstag mit. Das Paket ist gemäss der britischen
Zeitung The Guardian rund 640 Millionen Franken wert. Vor weniger als
drei Wochen ist Bolloré bei der Mutterfirma des Medianetzwerks Carat
zuerst eingestiegen. Vergangenen Oktober hatte er eine ähnliche
Einkaufstour bei der Werbeholding Havas gestartet und schliesslich
diesen Sommer mit 22 % Anteil die Führung des Unternehmens übernommen.
Bisher versicherte er allerdings, sein Interesse an Aegis sei rein
finanziell, und er bevorzuge es, wenn die Holding unabhängig bliebe.

Zusammenschluss von UD Print und Sticher Printing

Die Druckerei UD Print aus Luzern kauft ihre Kantons- und Branchenkollegin Sticher Printing.

Die Druckerei UD Print aus Luzern kauft
ihre Kantons- und Branchenkollegin Sticher Printing. Durch den
Zusammenschluss entsteht laut Communiqué die grösste
Bogenoffsetdruckerei in der Zentralschweiz mit einem Umsatz von rund 30
Millionen Franken. Robert Sticher, der bisherige Inhaber von Sticher
Printing, wird eine neue Funktion als Leiter Aussendienst im
zusammengeführten Unternehmen übernehmen. Ziel sei es, die
Druckmaschinen beider Firmen besser auszulasten und Synergien in der
Administration, beim Einkauf und bei der Erweiterung der
Angebotspalette zu nutzen. Zugleich wollen sich die beiden Betriebe
vermehrt als Generalunternehmen betätigen und zusätzliche
Dienstleistungen im Datenhandling und der Weiterverarbeitung anbieten.
Bestehen bleibt die bisherige Produktionspartnerschaft mit der Firma
Brunner in Kriens.
Die UD Medien Gruppe löst mit dem Zusammenschluss ein drängendes
Raumproblem: Mittelfristig werden alle ihre Firmeneinheiten in die
Räumlichkeiten von Sticher Printing umziehen. Der operative
Zusammenschluss wird schrittweise erfolgen und soll im Jahr 2007
abgeschlossen sein. Sollte es im Rahmen des Zusammenschlusses zu
einzelnen Kündigungen kommen, würden sozialverträgliche Lösungen
gesucht, heisst es im Communiqué weiter.

Sucht SF DRS bald die Helden der fünften Liga? 

Lancierung einer Sendung wie «Unser Fussballclub: Helden der Kreisklasse» im Gespräch bei SF DRS.

Auf den deutschen Privatsendern laufen
seit einiger Zeit Fussball-Formate wie «Borussia Banana: Helden im
Strafraum» (RTL 2) oder «Unser Fussballclub: Helden der Kreisklasse»
(Kabel 1). Die Docu-Soaps zeigen eine Horde eher untalentierter
Fussballer, die von einem ehemaligen Fussballprofi trainiert und
bewertet  werden. SF DRS will laut Recherchen der
Fernsehzeitschrift TV-Star nachziehen und im nächsten Frühjahr eine
Kickerschule auf SF 2 senden, quasi als Einstimmung zur WM 2006 in
Deutschland. Ein definitiver Entscheid sei aber noch nicht gefallen.
Die Schweizer Version von «Borussia Banana» würde voraussichtlich
jeweils am Dienstag um 20 Uhr laufen, mutmasst TV-Star.  Führend
in diesem Genre ist die dänische Produktionsfirma Zodiak Television.
Sie entwickelt Konzepte für die Castingshows auf dem grünen Rasen und
hat bereits zwölf entsprechende Lizenzen abgesetzt. Ein Quotenschlager
sind die Sendungen laut TV-Star allerdings nicht: «Borussia Banana»
erreiche jeweils etwa 6 % Marktanteil.

Launch an der Messe

Messen Seit sieben Jahren betreut die Agentur Z.B. die Berner Weinmesse.

Messen Seit sieben Jahren betreut die
Agentur Z.B. die Berner Weinmesse. In diesem Jahr hat diese vom 18. bis
20. Oktober stattgefunden. Ein doppelter Grund zum Prosit für die
Agentur Z.B., denn diese hat sich in diesen Tagen nach sieben Jahren
neu gelauncht. Der Texter und Konzepter Denis Jeitziner ist als
gleichberechtigter Partner zu CD Felix Zimmermann dazugestossen. Die
Beratung wird durch Franzisca Ellenberger verstärkt. Diese hat vorher
die Unternehmenskommunikation von McDonald’s geleitet. Die Agentur
betreibt je ein Büro in Zürich und Bern, was auch zum Namen Z.B.
geführt hat.

Wie kann sich die SRG von der Forschung trennen?

Die SRG hat bei der Radio- und TV-Forschung das letzte Wort. Diese Situation befriedigt längst nicht mehr. Die SRG soll künftig aus der Forschung ausgliedert werden.

Die SRG hat bei der Radio- und
TV-Forschung das letzte Wort, denn der Forschungsdienst ist eine
Abteilung innerhalb der SRG. Auch die Firma Publica Data, welche die
Daten an die Privaten verkauft, gehört zu 100 Prozent der SRG. Diese
Situation befriedigt längst nicht mehr. In diesem Punkt besteht
zwischen Privaten und SRG Einigkeit. Auch das Parlament will nun die
Forschung aus der SRG ausgliedern. Über die Frage, wie dies
bewerkstelligt werden soll, gehen die Meinungen jedoch weit
auseinander. Die SRG möchte die Ausgliederung so schnell wie möglich in
die Wege leiten, am liebsten per Ende 2005. Unter der Leitung von
Walter Rüegg, Direktor von Radio DRS und innerhalb der SRG zuständig
für die Forschung, hat eine SRG-interne Arbeitsgruppe bereits ein
Modell entworfen, das in zwei Phasen eine neue Struktur und einen
Wechsel der Besitzverhältnisse vorsieht. Einzelheiten über den
Lösungsvorschlag der SRG erfahren Sie in der Werbewoche vom 20. Oktober
2005.
Kein Werbewoche-Abo? Einzelausgaben der Werbewoche können per
E-Mail bei Ginette Peter () bestellt werden (CHF
8.00+MwSt./Porto).

Zukunftsformat Tabloid

Zeitung Geschichte und technische Finessen des Zeitungsdrucks im Halbformat.

Zeitung Die Halbierung des Seitenformats hat den Zeitungsmarkt verändert.Ein aufgeschlagenes Zeitungsexemplar – als
Panorama- oder Spreadformat bezeichnet – braucht eine Menge Platz. The
Times brachte es noch bis vor zwei Jahren auf 90 cm Spannweite. Diese
Abmessungen hatten ihren Ursprung in einer 1712 eingeführten
Besteuerung nach Anzahl Zeitungsseiten. Konsequenz: grosses Format,
weniger Seiten. Die überfüllten Londoner Busse und Metros bewegten im
September 2003 die Herausgeber des Independent, einen Teil und ab Mai 2004 die gesamte
Auflage in halbierten Abmessungen, also im Tabloidformat, zu drucken.
Was im traditionsbewussten England ein Affront war, ging bei einigen
Tageszeitungen in Skandinavien und Spanien schon vor dreissig Jahren
lautlos über die Bühne. Dort erblühten in den Neunzigerjahren auch
mehrere Gratiszeitungen in einem kleinen Format. Und Ende 2004 stellten
die letzten 20 bis anhin zögerlichen Tageszeitungen in Schweden auf
Tabloid um.

Tücken der Halbierung des Broadsheet-Formats
Nachdem die anfängliche Wirkung des durchgängig vierfarbigen
Zeitungsdrucks verflogen war, setzte sich in der Zeitungsbranche in
aller Welt die Idee fest, dem Produkt Zeitung mehr Magazincharakter zu
verleihen. Wie beim Platzproblem war auch hierfür die
Formatverkleinerung der folgerichtige Ansatz.
Zunächst favorisierten viele europäische Verlage die kleinste Variante
der Broadsheet-Zeitung, das Berliner Format, auch Midi-Format genannt.
Damit verknüpft ist zwangsläufig die Investition in eine neue
Zeitungsrotation. Wer also ohnehin modernisieren wollte, überlegte sich
gleich, ob er künftig nicht auch ein kleineres Format drucken wird. Ob
wegen des Images oder aus Gründen der Modernisierung – auch das
klassische Schweizer Format wurde vor
einigen Jahren durch ein kleineres Format abgelöst, dessen Seitengrösse in etwa dem Berliner Format entspricht.
Verlage, die auch ohne Austausch ihrer Rotationsdruckanlagen das Format
verkleinern wollten, setzten auf die kostengünstigste Möglichkeit: die
Halbierung der Broadsheet-Papierbahn auf zwei Tabloidformat-Teilbahnen.
Klingt trivial, ist es aber nicht. Denn damit verbunden ist einerseits
der Wechsel von einem «stehenden» zu einem «liegenden» Format (Bundsteg
parallel zur Zylinderachse) und andererseits die Erhöhung der
Gesamtseitenzahl. Beim Wechsel zu einem kleineren, liegenden Format
entspricht die Gesamtbreite einer Doppelseite nicht mehr der
Bahnbreite, sondern der Bahnabschnittlänge bzw. dem Zylinderumfang. Das
Problem, den bisherigen Inhalt nun auf doppelt so vielen Seiten
unterbringen zu müssen, bedeutet entweder dickere oder mehr Bücher.
(Buch oder in der Schweiz auch Bund heissen die Einzelteile einer
Zeitung, das äussere Buch wird als Mantel bezeichnet.)
Auf jeden Fall bedarf die höhere Seitenzahl einer stärkeren
Strukturierung, was gestalterisch durch Rubrik- und Beilagenfarben
lösbar ist und worauf schon auf der Titelseite hingewiesen werden
sollte. Und dickere Bücher findet man bisweilen rückstichgeheftet vor,
also könnte am Falzapparat auch eine Drahtheftvorrichtung sinnvoll sein.

Unterschiedliche Akzeptanz
Das Tabloid-Konzept kommt in der Schweiz gut an. Mit 20 Minuten, Le
Matin und schliesslich Blick haben bislang drei Zeitungen auf Tabloid
umgestellt. Für die Akzeptanz
dieser Titel sorgen unter anderem übersichtliche Gestaltungskonzepte
und der Magazincharakter. Auch Kundenzeitungen wie Coop-Zeitung und
Migros-Magazin sind bekannterweise in Tabloidgrösse aufgemacht; sie
definieren sich nicht als Wochenzeitungen, sondern als Magazine.
Im ewig skeptischen Deutschland hinterliess indes der Trend zum
Kleinformat zunächst nur Spuren bei den anspruchslosen Anzeigenblättern
und Gratiswochenzeitungen.
Unter den kostenpflichtigen Tageszeitungen regiert nach wie vor das
Rheinische Format; schon immer klein waren lediglich taz (Berliner) und
Junge Welt (Tabloid). Bild, das Springer-Pendant zum Blick, entschied
sich Ende 2004 gegen ein kleineres Format.
Erst seit 2005 bereichern fünf Tabloidtitel den Markt: Die
Holtzbrinck/Handelsblatt-Gruppe gründete die Blätter Boulevard, 20 Cent
(nicht Minuten!) und News (nur Frankfurt/Main). Unter Roger Köppel,
Chefredaktor Die Welt, rief Springer im Mai die vorerst auf die
stärksten Wirtschaftsregionen beschränkte Tabloidausgabe Welt kompakt
ins Leben («32 Seiten, die den Leser morgens in der U-Bahn in 15
Minuten updaten»). Zielgruppe bei allen: die ansonsten lesefaule
Jugend.
Nach nur zwei Neugründungen in den letzten dreissig Jahren könnte man
in der deutschen Zeitungslandschaft glatt von einer Goldgräberstimmung
sprechen.

Für Beilagen, Sonderthemen oder Regionalausgaben
Einige Verlage nutzen den Vorteil der gemischten
Broadsheet-Tabloid-Produktion und stellen nur einzelne Teile der
Zeitung auf Tabloid um oder nehmen den Trend zum Anlass, um neue
Themenbeilagen zu starten. Beispielsweise erscheinen bei der Aargauer
Zeitung (AZ) nur die jeweiligen Regionalbücher (Regionalbünde) im
Tabloid-Format, der Mantel mit den allgemeinen Inhalten bleibt
Broadsheet. Gestalterisch und publizistisch wertete die AZ den
Regionalbund für jede der acht Vertriebsgebiete als «eigenständige
Zeitung» auf, die der Hauptausgabe beiliegt: eigene Titelseite, dem
Hauptblatt vergleichbare Rubrizierung, umfassendes Service-Angebot. Im
März 2005 startete auch der Tages-Anzeiger eine regionale
Tabloidbeilage am linken Zürichseeufer. Und auch die Basler Zeitung
(BaZ) legt dienstags bis samstags das baz.kulturmagazin im
Tabloidformat bei.

Dieter Kleeberg

Wandlungsfähige TV-Spots

TV-Werbung Neu in den USA: Spots, die sich auf unterschiedliche Regionen und Zielgruppen anpassen lassen.

TV-Werbung In den USA begegnet man mit gezielter Werbung der Fragmentierung des Publikums.Peter Chernin, Präsident des
amerikanischen Mediengiganten News Corporation, gilt als
risikofreudiger Vordenker der Branche. Letztes Jahr forderte er seine
Kollegen in den Vorstandsetagen der grossen Medienhäuser in einer Rede
auf dem Forrester Consumer Forum heraus, den derzeitigen Problemen in
der Fernsehbranche ins Auge zu sehen. Eines davon sei die
fortschreitende Fragmentierung des Fernsehpublikums. Chernins Vision
ist, dass Medienmacher und Werbetreibende zusammenarbeiten. Er
ermutigte sie, neue Technologien einzusetzen, um sich den Problemen der
Zukunft zu stellen. «Der Konsument lehnt Werbung nicht per se ab,
sondern Trägheit», sagte Chernin. «Die Werbeindustrie muss lediglich
ihre Methoden überholen, mit denen sie die Konsumenten anspricht.»

Differenzierung nach Regionen, Alters- und Einkommensgruppen
Die New Yorker Start-up-Firma Visible World verdankt Peter Chernins
Initiative ihren wohl grössten Erfolg. Das Technologieunternehmen hat
kürzlich eine Kooperation mit Fox Network, einem Ableger der News
Corporation, abgeschlossen. Künftig soll es endlich auch im Fernsehen
Werbung geben, die auf kleinste Zielgruppen zugeschnitten ist. Diese
spricht den  Zuschauer weitaus direkter an, als jeder noch so
aufwändige, aber für ein Massenpublikum gemachte Werbespot.
«Printmedien und Radio machen das ja schon längst», sagt Bill Katz,
Chairman von Visible World, «es wird Zeit, dass das Fernsehen
nachzieht.»

Auch in Europa tut sich was: ProSieben Sat1 hat jetzt eine Kooperation
mit dem Unternehmen angekündigt, um eine entsprechende Software im
nächsten Jahr auf dem deutschen Markt einzuführen. Sie funktioniert
nach erstaunlich simplen Prinzipien. Man entwerfe den groben Rahmen
eines Werbespots, wie etwa: «Ab in die Ferien», mit dem betreffenden
Reiseanbieter im Mittelpunkt. Man füge Bilder von Leuten einer
gewünschten Altersgruppe ein. Am Ende wird ein konkretes Flugangebot
mit einem regionalen Flughafen eingeblendet. Es ist, je nach Region und
Budget der Konsumenten, beliebig austauschbar. Eine solche Kampagne hat
ProSieben Sat 1 gerade mit tui als Testpartner entworfen. «Das Konzept
sieht vor, dass der Kunde gar nicht merkt, dass es mehrere Versionen
des Werbespots gibt», sagt Katz. «Schliesslich soll er sich persönlich
angesprochen fühlen.»

Visible World arbeitet bereits mit Dutzenden von Unternehmen zusammen,
um solche Kampagnen für sie zu entwerfen. Für den Blumenlieferservice
1-800-flowers etwa wird der Werbeclip nicht nur nach Region
modifiziert, sondern auch nach Einkommensgruppe, je nachdem, wie
wohlhabend die Bewohner der entsprechenden Nachbarschaft sind. Andere
Werbeclips, wie etwa für die Ferieninsel Bermuda, werden je nach
Altersgruppe mit verschiedenartiger Musik unterlegt, und
dementsprechend wechselt auch der Rhythmus der Bilder. Auf diese Weise
verändert sich die Machart der Clips sogar von Kanal zu Kanal.

Marktstudien von Visible World zeigen, dass die Zuschauer auf den
persönlicheren Zuschnitt reagieren. So habe sich der Umsatz für
1-800-flowers um 79 Prozent erhöht, verglichen mit der TV-Kampagne, die
für alle Zuschauer gleich aussah. «Ich merke das ja auch an mir
selbst», sagt Tara Walpert, die Marketingchefin des Unternehmens. So
zum Beispiel, wenn sie Werbung für einen Finanzservice sieht, in der
nur Männer vorkommen: «Wäre eine Frau dabei,
käme das bei mir viel besser an.»    

Promotionen mit wechselnden Internetadressen
Die Software erlaubt den Werbetreibenden auch, die Internetadresse der
eingeblendeten Produkte zu ändern. Katz demonstriert es mit dem
fiktiven Beispiel eines Dell-Laptops, für den während der Sendung
«Wetten dass …» geworben werden könnte. So wäre Dell in der Lage, ein
Sonderangebot zu promoten, das nur für die Zuschauer der
Gottschalk-Show gilt, und das über die Webadresse
www.dell.com/wetten_dass bestellt werden könnte. Auf diese Weise könne
der Computerhersteller genau verfolgen, wie viele Konsumenten auf den
Spot reagierten. «Es dreht sich alles um die drei Buchstaben: ROI»,
sagt Katz, was Return of Investment bedeutet.

Die Technologie von Visible World wird in den USA vom Kabelbetreiber
Comcast eingesetzt, der die Software in den meisten der 50 wichtigsten
Märkte nutzt und damit fast 30 Millionen Haushalte erreicht. «Die
Produkte helfen den Werbetreibenden, spezielle Werbebotschaften für
spezielle Zuschauergruppen zu schalten – und das alles mit einem
einzigen Kauf», sagt Dana Runnells, Marketingmanagerin von Comcast
Spotlight, dem Werbearm des Unternehmens. Bisher haben Marketer wie
Daimler, Sony, Toyota, Wendys, UPS und HBO erfolgreiche regionale
Kampagnen über Comcast durchgeführt.

Die Reaktionen aus der Branche klingen ermutigend. «Visible World
vergrössert den Effekt von Werbung, indem sie diese auf
kosteneffektive, schnell veränderbare Art und Weise auf einzelne
Zielgruppen zuschneidet», lobt Chris Rohr, Präsident
der Industrieorganisation Television Bureaus of Advertising. Eric
Schmitt, Analyst bei Forrester Research, glaubt, dass auch die meisten
anderen Kabelbetreiber derartige Technologien einführen werden. Eine
Forrester-Umfrage unter Unternehmenschefs bestätigt das Interesse: 69
Prozent der Befragten gaben an, sie seien an diesem so genannten
«Household level TV ad targeting» interessiert.   

Gerti Schön

Für die Schweiz wenig wahrscheinlich
Ist in den USA die Rede von regionalisierter Fernsehwerbung, dann
fokussieren die Werber ein Publikum in der Grösse der Einwohnerschaft
von New York oder Los Angeles, Märkten mit annähernd doppelter Grösse
der Schweiz. Verglichen mit europäischen beziehungsweise Schweizer
Verhältnissen liegen die Dimensionen jenseits des Atlantik vollkommen
anders. Das Echo der Branche und in den Medien auf eine erste
Präsentation des Konzeptes nach Machart von Visible World im deutschen
Essen anlässlich des Branchenevents Big Picture fiel denn auch nicht
euphorisch aus und lässt bei Insidern Zweifel aufkommen, ob es mit
regionalisierter TV-Werbung für mehr als nur für einen Versuch reicht.

Für die Schweiz winkt Christian Gartmann, Geschäftsführer der ProSieben
Sat1-Gruppe Schweiz, ab: «Ich glaube nicht, dass das mit unserem Radio-
und Fernsehgesetz vereinbar wäre.» Abgesehen von den rechtlichen
Schranken schätzen Kenner, dass der Produktionsaufwand für die
Werbekunden sehr gross sein dürfte. So wird ein TV-Spot, der etwa
modular die vier Jahreszeiten berücksichtige, relativ aufwändig und
teuer. (rw)

Fischers Fritz im Strahlenmeer

Snacks Numéro10 hat für Coraya den Urania-Turm in Zürich in neuem Licht erstrahlen lassen.

Snacks Die Berner Agentur Numéro10 hat für Coraya den Urania-Turm in Zürich in neuem Licht erstrahlen lassen.Fishsticks, Surimi-Tranchen, Fish &
Dip: Die Snacks der Marke Coraya stammen aus dem Meer und sind von
uralten japanischen Traditionen der Fischkonservierung inspiriert.
Filets vom Alaska-Seelachs und Seehecht werden mit Hühnereiweiss,
Weizen- und Kartoffelstärke, Rapsöl, Zucker, Krabbenaroma und anderen
geheimen Ingredienzien in Caretan in der Normandie zu
«ernährungsphysiologisch sehr wertvollen» Naschereien verarbeitet. Wie
sage ich das meinem Kunden?

Die Röschtigraben-Agentur Numéro10 in Bern hat für dieses Budget eine
Idee etwas abseits der gängigen Menükarten gewählt. Da Fisch mit Meer
und dieses mit Leuchtturm in eine Assoziation gebracht werden kann,
suchte der strategische Planer Gilles Aeby bei der Agentur nach Ideen,
wie die Brand Values von Coraya Meeres-affin, aber trotzdem
schweizerisch zu ihren Produkten transportiert werden könnten. Die
Lösung fand sich in einer Installation von Gerry Hofstetter. Der
Lichtkünstler hat den Urania-Turm in Zürich zum Leuchtturm «umgebaut»,
indem er die Sternwarte fünf Tage lang in farbigem Glanz erstrahlen
liess. Zwar ärgerten sich die Sternengucker, die Licht ausserhalb ihrer
Teleskope nicht sinnvoll finden. Viel Beachtung fand die Aktion dafür
in den Medien, wo in TeleZüri über
20 Minuten bis Tages-Anzeiger ausführlich über die Coraya-Aktion
berichtet worden ist. Aus den Fotografien des «Leuchtturms» hat die
Agentur eine Anzeige für Coraya gestaltet sowie diverses Material für
die POS-Coverage und Flyer.

Gerry Hofstetter ist künstlerischer Direktor des Festivals Luminis. Er
arbeitet in Zürich. Seit über fünf Jahren verwandelt der Ex-Bankier
weltweit Gebäude, Monumente und Gebirge mit Lichtkunstprojektionen in
temporäre Kunstobjekte. Seit über neun Jahren führt er eine eigene
Marketing-, Event- und Designagentur. Im UNO-Jahr des Wassers hat er
Eisberge in der Antarktis beleuchtet.

Coraya gehört zum Lebensmittelkonzern Soparind-Bongrain. In dessen
Portfolio sind auch Caprice des Dieux, Tartare, Chaumes oder Chocolat
Villars. In der Schweiz werden die Coraya-Produkte durch CPM Suisse in
Cressier repräsentiert. Sie sind bei Migros und Coop zu finden.

Andreas Panzeri

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