Radio Liechtenstein soll weiter bestehen

Trotz finanzieller Probleme geniesst der Radiosender laut einer Meinungsumfrage in der Bevölkerung einen grossen Rückhalt.

Der auf Anfang 2004 verstaatlichte
Privatsender Radio Liechtenstein ist bereits im ersten Betriebsjahr in
die roten Zahlen gerutscht. 2005 wird mit einem weiteren Verlust
gerechnet. Trotzdem geniesst der Radiosender laut einer Meinungsumfrage
in der Bevölkerung einen grossen Rückhalt. So sprachen sich 77% der
Befragten für einen Fortbestand des Senders aus. Dabei wünschte die
Mehrheit die Beibehaltung des gegenwärtigen Programms. Für 47% der
Befragten ist Radio Liechtenstein der meistgehörte Sender im Fürstentum
und rund 80% gaben an, die Radiostation zumindest gelegentlich zu
hören. Für die Finanzierung, die nicht vollständig aus Werbeeinnahmen
bestritten werden kann, sind laut Umfrage verschiedene Modelle denkbar.
So bevorzugen 44% zur Deckung des Defizits Steuergelder und 36%
sprachen sich für die Einführung von Radiogebühren aus. Die Befragung,
von der Liechtensteiner Regierung in Auftrag gegeben, wurde laut dem
Informationsamt zwischen dem 15. und 18. Oktober bei 501 Personen
durchgeführt.

Mann der Mitte

Moreno Cavaliere ist neuer Regionaldirektor für Publicitas Mitte und damit verantwortlich für 350 Millionen Franken Umsatz und 300 Leute.

Moreno Cavaliere ist neuer Regionaldirektor
für Publicitas Mitte und damit verantwortlich für 350 Millionen Franken
Umsatz und 300 Leute.Die Publicitas hat ihre Aktivitäten in der
Schweiz in vier Regionen eingeteilt: Léman und Romandie sowie
Ostschweiz und Mitte. Hier wirkt seit ein paar Wochen der 42-jährige
Moreno Cavaliere als jüngster Regionaldirektor der P in der Schweiz.

Die Region Mitte umfasst die Hauptfilialen Aarau, Basel, Bern und Biel.
An insgesamt 25 Standorten generieren rund 300 Mitarbeitende 350
Millionen Franken Umsatz. Der Hauptsitz der Region Mitte  – und
damit der Arbeitsplatz des neuen Regionaldirektors – befindet sich in
Basel.

Als wichtigste Pendenz auf seinem Pult liegt zurzeit ein neuer
Regievertrag mit der Basler Zeitung. Bekannterweise bereits
abgeschlossen ist ein solcher Vertrag mit der Aargauer
Zeitung/Mittelland Zeitung (AZ). «Damit ist es zu einer ganz neuen
Konstellation gekommen», erklärt Cavaliere. Die AZ hat die letzten 25
Jahre in Eigenregie gearbeitet. Auf den 1. Januar 2006 werden nun 43
Mitarbeiter der AZ-Media in die Publicitas integriert. Gleichzeitig
zügelt die Publicitas Aarau in die Räumlichkeiten des Verlags. «Das
ergibt im Mittelland die grösste Filiale der Schweiz mit rund 140
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern», gibt sich Cavaliere stolz. Nach dem
Regievertrag mit der NZZ im letzten Jahr sei dieser mit der AZ, der
drittgrössten Zeitung der Schweiz, «ein sehr bedeutender Schritt für
die Publicitas».

Dass es in jüngster Zeit zu solchen Regieverträgen gekommen ist, sieht
Cavaliere nicht nur im veränderten Markt, sondern auch in einer
Professionalisierung der Dienstleistungen. «Jeder Verleger muss sich
überlegen, wie er sein Anzeigengeschäft am effizientesten bearbeiten
kann.»

Cavaliere hat es nicht krampfhaft  gesucht, freut sich aber über
den Umstand, dass in seiner Region heute fast überall Frauenpower
herrscht. Die ehemalige Publicis-Geschäftsleiterin Cornelia Harder hat
sich in Aarau bei einem langen Verfahren als Beste durchgesetzt. Die
Direktion in den Filialen Bern und Biel  bleibt bei Patrizia
Caldini, während Walter Althaus, bisher Direktor in der Bundesstadt, im
Januar das Ausbildungszentrum in Baden übernehmen wird. In Basel ist
Otto Walter neben Cavaliere stellvertretender Direktor. In Zürich wirkt
mit Alexandra Kasper noch eine dritte Frau «on top» für 
Publicitas Swiss Press. Diese Organisation ist für den Import von
Anzeigen aus dem Ausland zuständig und ebenfalls Cavaliere unterstellt.

Befragt nach möglichen Herausforderungen für die Zukunft, sieht
Cavaliere das Onlinebusiness. Auch hier ist ein Generationenwechsel
spürbar: «Obwohl die Publicitas nach wie vor eine Printorganisation
ist, war eine Öffnung in diesem Bereich unabdingbar. Wir sind Partner
vom Verlag und wollen vermarkten, was die Verleger im Markt anbieten.»

Auf Gruppenebene steht neben den Aktivitäten im Bereich Cinecom «sicher
auch einmal eine Radiogeschichte an», meint der jüngste
Regionaldirektor. Er hofft, im Zug eines Generationenwechsels neue
Ideen einbringen zu können, möchte sein Unternehmen aber «nicht nur
dynamischer, sondern auch losgelöster vom traditionellen P-Denken»
beschrieben sehen.

Als wichtigste Herausforderungen in seiner neuen Funktion sieht
Cavaliere «ganz klar: Einen guten Job bei den Regiepartnern und deren
Titeln machen. Dynamisch am Markt funktionieren und den Verlegern
bestätigen, dass sie ihre Anzeigenregie in gute Hände gegeben haben.»
Das sei schwierig genug, weil der Printmarkt stark unter Druck ist.
Nach den Verträgen mit  NZZ und AZ – «was man noch vor zwei Jahren
nicht für möglich gehalten hätte» – glaubt Cavaliere: «Hier müssen wir
weiter kreativ denken und mit weiteren Partnern das Gespräch suchen.»

Auf Ebene der Gruppe identifiziert sich Cavaliere mit dem Einbeziehen
von neuen Märkten nicht nur bei neuen Medien, sondern auch im Ausland.
Die vielschichtigen Herausforderungen und das exotische Ambiente zum
Beispiel in China haben ihn fasziniert. Mehr Chancen für seinen Stil
als «Teamplayer», wie er in der Mitarbeiterzeitung «Pipeline»
vorgestellt worden ist, sieht Cavaliere aber in seiner alten Heimat.

Der heutige Regionaldirektor hat bei den Bally Schuhfabriken in
Schönenwerd die KV-Lehre gemacht. Schon damals war er von den Medien
fasziniert. Cavaliere wollte «unbedingt an die Front» und hat bei Assa
Aarau «in einem wunderbaren Umfeld» seine Chance als «Propagandist»
bekommen, wie man damals die Inserateverkäufer nannte. Kurz vor der
Fusion von ofa, Assa und Publicitas 1993 übersiedelte Cavaliere aus der
Region nach Zürich. Eigentlich sei er in all seinen 23 Jahren im
Geschäft noch nie in der P gewesen, nur immer in der Gruppe, schmunzelt
er über seinen Weg im Konzern. 1994 war er bei der Neugründung von
Publimedia in Zürich von Beginn weg mit dabei, zuerst als
Beratungsgruppenleiter und zuletzt Account Director für Zürich, Bern
und Basel. Bei Publimedia wirkte Cavaliere bis zum Wechsel in seine
heutige Funktion Ende Juni dieses Jahres.

Cavaliere hat sich neben zahlreichen internen Kursen zum eidg.
dipl. Werbeleiter und Marketingleiter ausbilden lassen. Heute
unterrichtet er selber am Sawi als Dozent für verschiedene Fächer in
den Bereichen Medien und Marketing und wirkt auch als Prüfungsexperte.

Privat freut er sich zusammen mit seiner Lebenspartnerin – einer
Werberin – auf seinen dritten Buben, der  im November zur Welt
kommt. Zwei weitere Söhne sind bereits 12 und 16. Neben diesen
Teenagern hält ihn der Sport auf Trab. Sieht man den ehemaligen
Torhüter  nicht als 2.-Liga-Inter-Fussballschiedsrichter im
Einsatz, dann beim Biken, Joggen oder im Fitnesscenter.  
 

Andreas Panzeri

«Das heutige System wäre völlig austariert»

Forschung Matthias Steinmann, ehemaliger Leiter des Forschungsdienstes, hat Bedenken gegen neueste Ideen zur Organisation der Radio- und TV-Forschung.

Radio/TV-Forschung Matthias Steinmann, ehemaliger Leiter des Forschungsdienstes,
hat Bedenken gegen neueste Ideen zur Organisation der Radio- und TV-Forschung.Die Werbewoche hat in der Ausgabe 37 das
neue Organisationsmodell für die Radio- und Fernseh-Forschung
vorgestellt, die eine Ausgliederung aus der SRG vorsieht.

WW: Herr Steinmann, während
35 Jahren haben Sie die Radio- und TV-Forschung innerhalb der SRG
aufgebaut. Jetzt wollen SRG und Parlament die Forschung aus der SRG
ausgliedern. Ist dies ein Schritt in die richtige Richtung?
Matthias Steinmann: Ja, er
ist notwendig. Auch wenn beim Forschungsdienst (FD) und bei der SRG
hoch qualifizierte Personen arbeiten, die von der Sache her sicher
nicht Partei sind, ist es richtig, zum heutigen Zeitpunkt die Forschung
quasi per Gesetz zu objektivieren und zu neutralisieren. Erlauben Sie
mir aber eine persönliche Forderung: Die Forschung sollte auf einem
möglichst hohen qualitativen Niveau erfolgen, das heisst, es sollten
keine politischen Kompromisse in der Methodik stattfinden. Nur so kann
das entstehen, was wir Forschungsfrieden nennen – dass nämlich alle
gleichermassen an die Währung «glauben», die allen zur Verfügung steht.

WW: Beim
Aufbau der Forschung achteten Sie unter anderem auf eine
organisatorische Trennung der Daten-Erhebung und der Anwendung. Wie
sieht dieses Trennmodell aus?
Matthias Steinmann: Den
Grundsatz der Trennung von Anwendung und Forschung hatten wir zunächst
SRG-intern realisiert. Einerseits ist der Forschungsdienst für 
die Erhebung zuständig, kontrolliert die Daten und stellt sie geordnet
zur Verfügung. Andererseits haben wir innerhalb der SRG zweierlei
Datenanwender: die Medienreferate, die die Daten etwa für
Programmoptimierungen bei den SRG-Radio- und -TV-Sendern heranziehen,
sowie die Publisuisse, welche die Daten für den Werbezeitverkauf
verwendet. Als dann die Privaten ebenfalls Daten beziehen wollten,
haben wir die Publica Data AG initiiert – mit demselben Grundgedanken:
Wir trennten die Anwendung für die Privaten vom Forschungsdienst. Somit
stehen heute Medienreferate, Publisuisse und Publica Data auf ein und
derselben Anwenderebene.

WW: Warum war Ihnen diese Trennung so wichtig?
Matthias Steinmann: Die
Datenbezüger können so die Daten nach ihren Bedürfnissen verwerten und
interpretieren. Mit dem Trennmodell haben wir zugleich erreicht, dass
die Methodik operationell unabhängig blieb. Es hat aber auch die
Forschung davon abgehalten, Einfluss auf die anwendungsorientierte
Auswertung und Distribution zu nehmen. Es wäre äusserst gefährlich,
wenn etwa der Forschungsdienst mit den Daten in irgendeiner Form die
Programmarbeit beeinflussen wollte. Wenn es aber um die Erarbeitung der
basalen Forschungsmethoden und -aufgaben geht, können alle drei
Anwender geordnet Einfluss nehmen.

WW: Nun
schlägt DRS-Radiodirektor Walter Rüegg vor, die Publica Data AG und die
Forschung auszugliedern und in einer neuen Firma zusammenzulegen (siehe
WW 37).
Matthias Steinmann: Ich
kenne die Motivation der SRG für dieses Modell nicht, ich beurteile es
nur von aussen. Aber ich habe Schwierigkeiten, es zu verstehen. Meine
zentrale Frage lautet: Warum nimmt das Modell Rüegg einen der drei
Anwender, in diesem Fall die Publica Data, und setzt ihn auf dieselbe
Ebene wie die Forschung, indem es beide miteinander fusioniert? Weshalb
will man vom nachweisbar erfolgreichen Trennmodell wegkommen und den
Forschungsfrieden gefährden?

WW: Worin konkret sehen Sie ihn gefährdet?
Matthias Steinmann: Indem
man die privaten Anwendungsbedürfnisse auf die Ebene der Datenerhebung
holt, nicht aber jene der SRG. Das ergibt eine Ungleichbehandlung der
SRG und beinhaltet ein Konfliktpotenzial. Würde man hingegen gleich
alle Anwenderbedürfnisse anheben, wird es ganz sicher problematischer,
als wenn man es nicht tut. Mit dem Modell Rüegg verändert man also sehr
viel, ohne sagen zu können, was daraus entsteht. Wenn man hingegen das
Trennmodell weiterführt, wird es wohl so weiterlaufen wie bisher. Das
war ja – von der Sache her – nicht schlecht.

WW: Sie befürchten also, dass die Interessen der Privaten zu viel Gewicht bekommen im Vergleich zu jenen der SRG.
Matthias Steinmann: Ja,
ich befürchte, dass sich dann die Thematik der Stiftung zu sehr auf die
Anwendung der Privaten verlagert und dass die Interessen der
Publisuisse und der Medienreferate vielleicht zu kurz kommen, weil sie
nicht mehr auf der gleichen Ebene behandelt werden. Ich meine, dass das
Trennmodell ganz im Interesse der SRG ist.

WW: Könnte die längerfristige Folge des Modells Rüegg sein, dass sich die SRG aus der gemeinsamen Forschung zurückzieht?
Matthias Steinmann: Das
kann ich nicht beurteilen, das hängt von den Personen ab. Aber ich
glaube, dass ein ausgewogenes Trennmodell, wie es das Stiftungsmodell
des Nationalrates ermöglicht, die Interessen der SRG und der Privaten
besser berücksichtigt.

WW: Aber in der Nationalrats-Version steht nichts von der Publica Data und den übrigen Anwendern.
Matthias Steinmann: Nein, weil das nationalrätliche Modell ja nur die Forschung und nicht die Anwendung regeln will.

WW: Was würde dann aber mit der Publica Data geschehen?
Matthias Steinmann: Das Beste wäre wohl, wenn sie voll in die Hände der Privaten überginge und diese dort die Verantwortung übernähmen.

WW: Nehmen
wir noch den Fall Radio Grischa (siehe WW 37): Dort hat doch das
Trennmodell eben gerade nicht gespielt, es wurden Daten bis heute
gesperrt.
Matthias Steinmann: Doch,
das Trennmodell hat im Prinzip gespielt: Die Daten wurden gesperrt –
eine Sache zwischen Publica Data und Kunde. Aussergewöhnlich war nur,
dass sich der Betroffene verständlicherweise an den höchstmöglichen
Einflussträger –den SRG-Generaldirektor – wandte. Im Fall einer
Forschungsstiftung hätte diese Möglichkeit nicht bestanden.

WW: An wen würde denn Radio Grischa beim Stiftungsmodell gelangen?
Matthias Steinmann: An
die Usercommission der Publica Data oder an deren Verwaltungsrat. Diese
wenden sich dann an die Stiftung. Werden sie nicht zufrieden gestellt,
können sie der medienwissenschaftlichen Kontrollkommission einen
Kontrollauftrag erteilen – auch an der Leitung des Forschungsdienstes
vorbei. So etwas müsste man auch im neuen Modell einrichten. Das
heutige System ist austariert. Man sollte es nicht völlig auf den Kopf
stellen.    
          

Interview: Markus Knöpfli

MTW als Video-Podcast

Online-TVWährend die Digitalisierung der terrestrischen Verbreitung bei Fernsehen DRS schleppend vorangeht, zeigt man sich in einer anderen Ecke der digitalen Medienzukunft innovationsfreudig.

Fernsehen DRS Während die Digitalisierung
der terrestrischen Verbreitung bei Fernsehen DRS schleppend vorangeht,
zeigt man sich in einer anderen Ecke der digitalen Medienzukunft
innovationsfreudig – sehr innovationsfreudig sogar. Kaum hatte Apple
die neuste Generation ihrer iPod-Geräte vorgestellt, die nun auch
bewegte Bilder wiederzugeben vermögen, reagierte SF DRS. Während Apple
selbst noch keine Videofilmchen im Angebot hat, kann die SF-Sendung
«Menschen Technik Wissenschaft» (MTW) bereits integral aus dem Internet
heruntergeladen, abgespeichert, auf den iPod kopiert und angeschaut
werden, wann und wo einem beliebt. Dieser Video-Podcast sei vorerst als
Versuch zu betrachten, sagt SF-Mediensprecher Robert Neuhaus. «Das neue
Angebot ist aber ganz im Sinn unserer Multimedia-Strategie. Wir bieten
dem Zuschauer einen Mehrwert, basierend auf den ursprünglichen
Programminhalten.» (nil)

Kreativ unter neuer Adresse

Agenturen An einer Adresse konzentriert, zeigt sich die Schweizer Publicis unverändert gut in Form.

Agenturen An einer Adresse konzentriert, zeigt sich die Schweizer Publicis unverändert gut in Form. Kampagnen für Vögele und andere – auch kleine Kunden – belegen dies.Nahezu alle Branchengrossen kamen während
der Werberezession ins Schlittern und bekamen junge, flexible
Kleinagenturen zu spüren. Eine der wenigen Ausnahmen ist Publicis. Mit
geschickter Strategie, aber auch immer wieder überzeugender Kreativität
konnte sie den Widrigkeiten des Marktes trotzen. Nicht nur ihr Wachstum
spricht dafür. Auch international scheint die Arbeit des Schweizer
Ablegers des französischen Kommunikationskonzerns sehr hoch estimiert
zu sein. Jedenfalls ist auch Markus Gut, Executive Creative Director in
Zürich, Mitglied des 12-köpfigen internationalen Kreativgremiums der
Werbegruppe – nach eigenen Angaben die viertgrösste auf der Welt. Zwar
steht diesem der Abgang des Gründers und Präsidenten David Dorga bevor.
Doch werde sein Posten neu besetzt und die Benchmarking-Aufgabe weiter
wahrgenommen, versichert Gut.

Vögele fährt auf Motorräder ab
Ob das Board dannzumal erneut eine Schweizer Arbeit als vorbildlich in
die Quartalssammlung aufnehmen wird, wie im Fall der letzten Kampagne
für Médecins sans Frontières, steht noch aus. Zu den neusten Würfen von
der Stadelhoferstrasse 25 (im Internet noch nicht aktualisiert) zählt
unter anderen der neue TV-Spot für Vögele. Im neuen Look and Feel
versucht auch dieser Spot Vögele als trendigen Textildetaillisten
gegenüber der wachsenden Konkurrenz – vorab aus dem Discountbereich –
zu positionieren. So will der Spot vor allem das jüngere Publikum, das
bislang dachte, Charles Vögele Switzerland richte sich an den modisch
schweizerischen Durchschnitt, eines Besseren belehren. Er
zeigt, dass sich das Schweizer Modehaus auch in einem ungewöhnlichen
Umfeld sehen lassen kann – bei Harley-Davidson-Bikern. Nebst viel Chrom
und Leder rückt eine taillierte und anschmiegsame Daunenjacke ins
Zentrum des Geschehens. Die Trägerin macht dabei eine so gute Figur,
dass einer der harten Jungs sich von seiner sensibelsten Seite zeigt.
Und auch die restlichen Gangmitglieder scheinen damit kein Problem zu
haben.

Prominenz im Sportgeschäft
Für die Saisoneröffnung des St. Moritzer Sportgeschäfts Viva Sportiva
hat CD Philipp Skrabal hingegen Weltprominenz eingebunden, um die
Ungeduldigen über die Wartezeit hinwegzutrösten. Die Aussage, es gebe
Dinge im Leben, auf die man noch viel, viel länger warten muss,
visualisierte sein Team mit dem Konterfei der von Prinz Charles spät gefreiten Gemahlin Camilla Parker. Im Vergleich zu dieser
Geduldsprobe wirken die Tage bis zur Ladeneröffnung tatsächlich wie ein
Klacks. Weitere Promis, auch weniger adlige, sollen auf Inseraten,
Plakaten und POS-Postern bis zum 19. November zu entdecken sein.
Ebenfalls mit einem Promi beziehungsweise seiner medial berühmt
gewordenen, weil wegretouchierten Rolex hätte Publicis für das Zürcher
Reproatelier Straumann werben können. Doch statt auf den Siemens-Chef
Klaus Kleinfeld setzten Markus Gut und AD Ralph Halder auf
spektakulärere Mailingkarten, welche neu die bekannte
B-to-B-Anzeigenkampagne flankieren.
Die amüsanten Motive suggerieren, dass die Straumann-Leute ihrem Job
auch in ihrer Freizeit nachgehen – also mit Leib und Seele. So flickten
sie sich gleich selbst in faszinierende Stockbilder und damit in
halsbrecherische Situationen, wie zum Beispiel beim Whale-tail-Riding
oder «Wildwasser»-Kanufahren.

Luca Aloisi

Marcel Bosshard verlässt Simsa

Marcel Bosshard hat die Leitung der Simsa-Geschäftsstelle an Peter Révai übergeben.

Marcel Bosshard hat auf den 1. Oktober die
Leitung der Geschäftsstelle des Schweizer Branchenverbandes für Neue
Medien, Internet und Software (Simsa) an Peter Révai übergeben. Seit
1999 hatte Bosshard die Geschäftsstelle verantwortet. In Zukunft möchte
er sich vermehrt seiner eigenen Firma widmen. Peter Révai von der
Modularen Agentur für Technologie und Kultur (Matek), einer auf
Unternehmenskommunikation spezialisierten Medienfirma, wurde nach einem
mehrstufigen Auswahlverfahren zum neuen Geschäftsstellenleiter gewählt.
Neben Révai gehören auch Fabiola Rogers und Rhea Plangg zum
Simsa-Betreuerteam.

Über das Küken im Ei

Kolumne Statt Endzeitstimmung sollte in den Agenturen Freude über die neue Macht der Fernsehkonsumenten herrschen, meint Alexander Jaggy.

Kolumne Der Werbeblock ist tot, lang lebe
der TV-Spot! Statt Endzeitstimmung sollte in den Agenturen Freude über
die neue Macht der Fernsehkonsumenten herrschen.Der Fernsehkonsum ist im Begriff, sich zu
revolutionieren. Innovationen aus der Unterhaltungselektronik, mit der
sich ganze Werbeblöcke ausblenden lassen, bieten dem Konsumenten
komplett neue Möglichkeiten. Nach Jahrzehnten des Werbediktats müssen
die TV-Macher erkennen, dass die Macht nicht mehr in den Regieräumen
sitzt, sondern zu Hause vor dem Fernseher. Experten sprechen von der
neuen Freiwilligkeit.

Künftig wird es noch schwieriger zu prognostizieren, ob die Person, die
vor dem Fernseher sitzt, zur richtigen Zielgruppe gehört. «10vor10»
wird nicht mehr um 21.50 Uhr geschaut, sondern um 5 nach irgendwas; der
Blockbuster mit Hilfe der
Time-Slip-Funktion zeitverschoben und ohne Werbung konsumiert. Es ist
offensichtlich: Der klassische Werbeblock ist ein Auslaufmodell.

Das Gute daran: Es ist zugleich das Ende der Penetranz. Kein Hersteller
kann uns mehr zwingen, seine geisttötende Werbung anzuschauen – und
buttert er noch so viel Geld in sein Mediabudget. Für den Spot als
solches aber werden sich neue Kanäle auftun. Ein Weg führt übers
Internet. Commercials, die sich viral verbreiten, sind schon heute
keine Seltenheit mehr. Wozu noch hohe Schaltgebühren in Kauf nehmen,
wenn man einen kostenlosen (weltweiten) Absatzkanal nutzen kann?

Werbung im Internet wird sich nicht mehr ausschliesslich mit Werbung
messen müssen, sondern mit Hollywood. Diese Entwicklung könnte wiederum
einen positiven Einfluss auf die Produktionskosten haben. Denn: Sven
Epiney ist mit einem 50000-Franken-Commercial zu schlagen, nicht aber
ein Jerry Bruckheimer.

Neue Chancen für den Spot stecken auch in den E-Papers. Werbung wird
als Anzeige in der elektronischen Zeitung platziert: Klickt man auf die
Anzeige, startet ein Commercial, und klickt man auf diesen, landet man
auf der Herstellerwebsite. Selbst das viel geschmähte Pay-TV birgt für
Konsumenten und Werbetreibende plötzlich versöhnliche Aussichten. Mit
Werbung versehene Filme können verbilligt oder gar kostenlos angeboten
werden.

Und schliesslich ist da noch die Kommunikation über mobile Datenträger
wie das Handy und ganz aktuell über die portable Sony-Playstation. In
Holland läuft bereits die erste Seifenoper für Mobilfunktelefone: Die
Serie «Jong Zuid» (zu Deutsch «Junger Süden») hat bereits 50000
Abonnenten. Fünf bis sechs Fotos mit kurzen Texten bilden eine Episode,
die zweimal täglich über SMS angekündigt wird.

Kurzum: Der Spot mutiert vom reinen One-to-Many-Instrument zur
One-to-One-Kommunikation mit interaktiven Möglichkeiten. Der Werbeblock
wird also sterben, der Spot jedoch weiterleben. Doch wie häufig in der
Geschichte des Fortschritts ist die Krise des Eis zugleich die Chance
des Kükens.

Alexander Jaggy ist Geschäftsführer Kreation bei
Jung von Matt/Limmat und Mitglied im ADC Schweiz, ADC Deutschland sowie
im englischen D&AD.

Bis an den Röstigraben

Gratispresse Für das Pendlerblatt von Edipresse sind die Agglomerationen am Genfersee die Startrampe zur Expansion nach Norden.

Gratispresse Für das Pendlerblatt von Edipresse sind die Agglomerationen am Genfersee die Startrampe zur Expansion nach Norden.Wenn Le Matin Bleu wie angekündigt am 31.
Oktober von Genf bis Aigle in den wichtigsten Agglomerationen entlang
dem Genferseebogen erscheint, dann beträgt die Auflage 100000
Exemplare. Doch dabei will es Edipresse nicht bewenden lassen. Denn
gemäss Théo Bouchat, Direktor bei Edipresse, soll sich das Pendlerblatt
«mit kleinen, aber schnellen Schritten» Richtung Norden ausbreiten,
sicher nach Fribourg, wohl auch nach Yverdon, Neuchâtel, La
Chaux-de-Fonds und Biel. Über die ganze Westschweiz? «Das kann ich mir
durchaus vorstellen», sagt Bouchat.

Start mit eigenen Verteilboxen
Weitere Details zur Wachstumsstrategie des ersten Westschweizer
Umsonstblattes will Bouchat nicht verraten. Fest steht aber: Vorläufig
setzen die Verantwortlichen von Le Matin Bleu nicht auf die
Verteilstandorte der SBB, auch nicht beim Start am 31. Oktober an den
Gestaden des Genfersees. Entsprechende Verteilboxen wären gar noch
nicht betriebsbereit, denn am selben Tag erst läuft die
Offerteingabefrist bei den Schweizerischen Bundesbahnen für die
ausgeschriebenen 150 Boxenstandorte entlang dem Léman-Bogen ab. Bei
Edipresse hat man deshalb anderweitig vorgesorgt. «In den wichtigsten
Agglomerationen werden wir eigene Boxen und Kolporteure haben, auch in
Bahnhofnähe», sagt Bouchat. Wie viele, lässt er offen. Doch später
sollen weitere Vertriebskanäle hinzukommen, zum Beispiel 
Restaurants. Klar ist: Die Startphase ohne SBB ist für Le Matin Bleu
eine gute Vorbereitung für die beabsichtigte Expansion: Denn wenn im
kommenden Frühling die Verteilboxen mit dem Pendlerblatt auf
SBB-Territorium in und um die Städte Genf und Lausanne stehen werden,
wird das Blatt vielleicht schon gegen Norden vorgedrungen sein – noch
bevor die SBB dort weitere Standorte ausgeschrieben haben werden.
Die neuen, offenen Boxen für Le Matin Bleu verursachen allerdings beim
Bezahltitel Le Matin mit dem orangefarbenen Logo unangenehme
Kostenfolgen: Denn bisher lag auch Le Matin Orange in der ganzen
Westschweiz in «Hunderten» offener Boxen auf, ein Modell, das auf eine
ehrliche Käuferschaft baut. Nun müssen die Boxen gemäss Bouchat
umgerüstet werden. Zwei offene Boxen nebeneinander, eine für die
Bezahl-, die andere für eine Gratiszeitung, würden sonst unweigerlich
zu unerwünschten «Verwechslungen» bei den potenziellen Lesern
führen.   

Markus Knöpfli

News für Neu-Singles

Magazine Höchste Zeit für eine «Zeitschrift über Trennung, Scheidung und Neuanfang».

Magazine Seit Michael Douglas’
Geschlechterdrama «War of the Roses» (1989) hat das Thema dank weiter
steigender Scheidungsraten an Bedeutung gewonnen. Höchste Zeit für eine
«Zeitschrift über Trennung, Scheidung und Neuanfang», wie sich der seit
Oktober an deutschen Kiosken erhältliche RosenKrieg im Untertitel
nennt. Gemacht und herausgegeben wird das (bis auf halbwegs diskrete
Anwaltsannoncen) noch anzeigenfreie Lebenshilfemagazin von zwei
betroffenen Journalisten in einer stolzen Startauflage von 35000
Exemplaren. Bleibt zu hoffen, dass sie sich mangels attraktivem
Werbeumfeld – selbst Betroffene lesen wohl kaum gerne sechsmal jährlich
vom neusten Liebesfrust – von ihrem netten Nischenprodukt nicht schon
bald wieder trennen müssen.

«Geht an Stammtisch und After-Work-Partys»

Senior Brand Manager Stefan Banz zapft ein wertvolles Erbe der Zürcher Biergeschichte bewusst provokativ an.

Senior Brand Manager Stefan Banz zapft ein wertvolles Erbe der Zürcher Biergeschichte bewusst provokativ an.WW: Um
Hürlimann wurde es in den letzten Jahren sehr ruhig: Mit der
Vermarktung ging auch die Marktabdeckung zurück. Weshalb jetzt dieser
plötzliche Kurswechsel?
Stefan Banz: Hürlimann ist
eine wertvolle, bekannte Marke in unserem Portfolio. Doch ist heute der
Konkurrenzkampf im Biermarkt härter denn je. Deshalb haben wir uns
entschieden, die Traditionsmarke von Zürich wieder zu beleben. Wir
verstehen den Relaunch als Commitment zur Marke und als Bestätigung für
unsere Kunden und Konsumenten.

WW: Eine sehr männliche Bestätigung.
Stefan Banz: Achtzig
Prozent der Hürlimann-Konsumenten sind Männer. Dem tragen wir in den
Werbemassnahmen Rechnung und grenzen Hürlimann klar vom Rest des
Biermarktes ab.

WW: Sie
beleben jetzt eine verhältnismässig margenschwache Volumenbiermarke,
und das in einem lokalen Markt, der ausgesprochen schwierig ist und in
letzter Zeit sehr viele Marken aufgenommen hat. Welche Strategie
verfolgen Sie mit Ihrem Relaunch?
Stefan Banz: Hürlimann
ist und bleibt dank seiner breiten Distribution die Marke im Raum
Zürich und wird durch einen neuen  Auftritt vermehrt von sich
reden machen. Damit wollen wir Hürlimann wieder näher zu unseren Kunden
und Konsumenten bringen.

WW: Können die rauen Werbesprüche bei einem volkstümlichen Bier wie Hürlimann ironisch wirken und jüngere Zielgruppen gewinnen?
Stefan Banz: Davon
sind wir überzeugt. Direkte und witzige Sprüche sind in unserer
Gesellschaft generell eine beliebte Form der Unterhaltung, sei es am
Stammtisch auf dem Lande oder bei der After-Work-Party in Zürich.

WW: Stört Sie der Vergleich mit der alten IWC-Kampagne?
Stefan Banz: Nein.

Interview: Luca Aloisi

Maxi-Ereignis für Mini

Auto Nach der erfolgreich verlaufenen «Mission Mini» mit 70 internationalen Teams 2002 in Barcelona fährt BMW-Tochter Mini mit einem neuen Event in Italien ein.

Auto Nach der erfolgreich verlaufenen «Mission Mini» mit
70 internationalen Teams 2002 in Barcelona fährt BMW-Tochter Mini mit
einem neuen Event in Italien ein. Mini-Begeisterte aus der ganzen Welt
sind an die Mini United in Misano eingeladen. Ein Weekend lang dürfen
sie auf der Rennstrecke Santa Monica ihre fahrerischen Grenzen ausloten
und sich an jeder Menge Partys austoben. Piloten aus der Schweiz lockt
Jung von Matt/ Limmat mit einem Post-Mailing sowie einem Viral-/TV-Spot
an. Der animierte Film «Italien gibt Gas» zeigt die Stiefelhalbinsel
mit Sizilien als Pedal.

Wie das Auto Flügel erhält

Luftfahrt Die schweizerische Billig-Fluglinie Helvetic startet durch mit einer Aktion «Gratisflüge gegen Werbekleber».

Flugverkehr Die schweizerische Billig-Fluglinie Helvetic startet durch mit einer Aktion «Gratisflüge gegen Werbekleber».Kostenlos in die attraktivsten Städte
Europas fliegen und wieder zurück: Das propagiert Helvetic Airways bei
den Abonnenten ihres Newsletters mit einer Aktion, die ab dem 31.
Oktober bestimmt für grassierendes Reisefieber sorgen wird. Wer auf der
Heckscheibe seines Autos nämlich einen Kleber von Helvetic anbringen
lässt, erhält vom violetten Billigflieger einen Hin- und Rückflug für
zwei Personen im Wert von 99 Euro pro Strecke (exkl. Gebühren). Dazu
brauchen Interessierte bloss eine Vereinbarung auszufüllen, dass ihr
Auto noch bis mindestens April zugelassen ist, sich in gepflegtem
Zustand befindet und zwei intakte Rückspiegel aufweist. Die sind nötig,
weil rollende Helvetic-Sympathisanten in Zukunft mit einem 20 auf 68 cm
grossen Kleber auf ihrer Heckscheibe trotzdem weiter parkierfähig
bleiben sollen. Montiert wird die neuste Kreation aus dem Bereich
Ambient-Media in fünf ausgewählten Nissan-Garagen.

Glück haben kann man in der Zeit vom 31.Oktober bis 4. November 2005 –
jeweils zwischen 8 und 18 Uhr. Da Helvetic einen grossen Ansturm
erwartet, wird in der Einladung um genügend Zeit zum Warten gebeten.
Verteilt werden pro Garage je 100 Kleber, was total einem Gegenwert von
2000 Freiflügen entspricht. Aber auch wer es zu keinem Kleber schafft,
muss bei Helvetic nicht am Boden bleiben. Noch bis zum 5. November wird
in sämtlichen Denner-Filialen bei einem Einkauf ab 100 Franken
(ausgenommen Tabak und Spirituosen) solange Vorrat ein
Helvetic-Gutschein im Wert von 49 Euro abgegeben.

Verzweifelte Flucht nach vorn oder durchgestartetes Marketing? Bei
Helvetic war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss niemand
erreichbar. In den Medien ist dafür zu erfahren, dass Helvetic soeben
ihre Flotte von sechs auf vier Flugzeuge verkleinert hat und
entsprechend Personal entlässt, weil Rom und Prag nicht mehr angeflogen
werden.

Andreas Panzeri

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