Brückenbauer mit Esprit
Alphonse Garcia will als Chief Creative Officer bei TBWA Switzerland zum internationalen Erfolg der kreativsten Gruppe der Welt beitragen.
Officer bei TBWA Switzerland zum internationalen Erfolg der kreativsten
Gruppe der Welt beitragen.Er arbeitet nicht in der Werbung. Die
Werbung ist sein Leben. Das zeige sich in einer permanenten Neugier.
Alphonse Garcia unterscheidet nicht zwischen Arbeitsstunden und
Freizeit. Und diese «Leidenschaft für die Werbung» will er mit seinen
Arbeiten auch transportiert sehen. «Die Werbung ist wie ein Spektakel
im Theater. Man adressiert sich an ein Publikum und das Publikum soll
spüren, dass man das mit Lust macht und ihm Vergnügen bereiten will.»
Es soll allerdings auch spüren, dass es respektiert wird. «Da zeigen
viele Werber für mich oft zu viel Arroganz. Sie machen eine schöne
Kreation, wollen dafür einen Award und der Rest geht sie nichts mehr
an», reflektiert Garcia.
Der Kreative hat sein Leben in jeder Beziehung rund um die Werbung
organisiert. Auch beim Entspannen will er sich gleichzeitig von Kultur
in den verschiedensten Bereichen inspirieren lassen. Jetzt hat Garcia
seinen Ausgangsrayon auf zwei Ufer ausgedehnt, denn seit ein paar Tagen
ist Alphonse Garcia neben CEO bei Rive Gauche am Genfersee auch als
Chief Creative Officer in der Agentur am Zürichsee für die ganze Gruppe
TBWA Switzerland zuständig.
Alphonse Garcia hat Rive Gauche in Genf vor dreieinhalb Jahren zusammen
mit Pierre Yves Brandt als Ableger für TBWA gegründet. Die Idee war,
für das Netzwerk in der Schweiz einen zweiten Brand mit
einem etwas anderen Konzept zu kreieren. Mitten in der Rezession der
Branche ist man damals gestartet. Die ehrgeizigen Pläne mussten deshalb
ein wenig korrigiert werden. Mit «ziemlich spektakulären Kampagnen und
einer etwas anderen Kreation» sowie vor allem auch mit dem Mittel der
Strategie – was damals in der welschen Schweiz noch weniger bekannt war
– hat sich die kleine Agentur schnell einen guten Namen gemacht.
Zweimal war Rive Gauche bereits «Agence de l’année» in der Romandie.
Das schreibt Garcia einer Arbeitsweise zu, die «absolument différent»
zu anderen Agenturen sei. Der Unterschied sieht er im strategischen
Ansatz sowie einer Vision, die «mehr pointiert und näher beim Kunden»
ist. Diese sind zum Beispiel Médecins sans Frontières, Swiss Lotto oder
Medien wie das SSR Radio espace deux, Le Temps, L’Hebdo.
Rive Gauche beschäftigt acht Leute. Garcia war bis zum Wechsel nach
Zürich gleichzeitig CD und Managing Director. Das funktionierte in
dieser kleinen Struktur, weil Rive Gauche mit Pierre Yves Brandt einen
zweiten CD hat. Zudem könne ein CD im Management auch diesem eine mehr
kreative Vision geben «mit viel Verständnis für die Arbeit der
Gestaltung». Solche Ideen kann Garcia jetzt für die ganze Schweiz
anwenden, nachdem er als CCO Hans-Joachim Timm ersetzt, der eine neue
Herausforderung gesucht hat.
Bei TBWA in Küsnacht sind 50 Leute beschäftigt. Garcia wird ab
Januar für die erste Phase die meiste Zeit hier sein. Für die Agentur in Genf hat er als Stellvertreter mit
Sébastien Fabbi einen neuen Managing Director engagiert. Dieser war vorher Marketing Director bei Citroën Suisse.
Und sein Deutsch? «Kein Problem», er verstehe genug, um einer Sitzung
folgen zu können und in diesem Job sei die wahre Sprache die Sprache
der Kreation. Zudem sei TBWA ziemlich multikulturell besetzt mit Leuten
die englisch, französisch oder spanisch sprechen. «Da musste man sich
schon immer irgendwo finden.»
Die Lösung mit dem CCO Schweiz ist ziemlich spontan gereift. «Ich lasse
mich von Herausforderungen leiten und folge nicht langen Plänen.» So
hat Garcia auch nicht lange überlegt, ob er das Leben im Welschen
vermissen könnte. «Ich mag Zürich schon lange. Mir gefällt die Energie
hier und ich habe in Zürich viele Freunde in verschiedenen Agenturen.»
Alphonse Garcia ist ein Weltbürger. Er ist in Spanien geboren und im
Alter von sieben Monaten mit seinen Eltern in die Schweiz
gekommen. «Ein Secondo», der in Lausanne alle Schulen durchlaufen hat
bis zur Kunstgewerbeschule. Er wollte immer schon Grafiker werden, weil
in seinem Elternhaus ein solcher auf dem selben Stock arbeitete – und
in dessen Atelier hat Alphonse als Bub viel von seiner Freizeit
verbracht.
Nach der École des Beaux Arts hat er Volontariate in mehreren Agenturen
angehängt. «Gleich nach dem Diplom war Werbung die Welt meiner Ziele.»
Dazu hat er an der Universität auch noch ergänzende Kurse in Fächern
wie Soziologie und Wirtschaft besucht.
Der Weg durch die welschen Agenturen führte ihn auch für drei Jahre als
CD zu Publicis Lausanne. Als diese Niederlassung geschlossen wurde, hat
Garcia Rive Gauche mitbegründet.
Garcia soll bei TBWA auch als eine Art «Brückenbauer» agieren. Das sei
überhaupt das Wesentliche am Beruf des Werbers: Brücken bauen zwischen
Kunden und Marken, Produkten und Konsumenten sowie jetzt Romandie und
Deutschschweiz. Garcia hofft, in Zürich einen mehr «lateinischen
Esprit» einführen zu können.
Seine persönliche Motivation für den Job in Zürich war, einer
eingesessenen Agentur wie TBWA zu einem frischen Geist und einem neuen
Image verhelfen zu können. TBWA International gilt als eines der zehn
am schnellsten wachsenden Agenturnetzwerke der Welt. Der Gunn Report
hat die Agenturkette zum kreativsten Netzwerk der Welt des Jahres 2005
erkoren. «Meine Ambition besteht darin, hier aus der Schweiz heraus
einen Beitrag zu leisten. Wir wollen aus Zürich eine neue TBWA schaffen
– eine Agentur mit einem gewissen Niveau.»
Andreas Panzeri
