Alte Tante lehrt Jugendliche

Printmedien Mit einem interaktiven Lernset will die NZZ an Schulen die freie Meinungsbildung fördern helfen und junge Leser für das Traditionsblatt begeistern.

Printmedien Mit einem interaktiven Lernset
will die NZZ an Schulen die freie Meinungsbildung fördern helfen und
junge Leser für das Traditionsblatt begeistern.Verschiedene Verlagshäuser haben in der
letzten Zeit mit medienpädagogischen Vorstössen an Schweizer Schulen
von sich reden gemacht und versuchen, Schülerinnen und Schülern
unterschiedlicher Altersstufen das Medium Zeitung näher zu bringen.
Motiv scheint hier weniger die mangelnde Lesekompetenz von Jugendlichen
zu sein, wie die Pisa-Studie im Jahr 2000 belegte, als vielmehr der
offensichtliche Erfolg der Pendlerzeitung 20 Minuten gerade bei der
jungen Leserschaft.

Das führt zu einem Nachholbedarf der Printmedien, neue
Publikumssegmente zu erschliessen, die bisher nur für schwer oder gar
nicht erreichbar galten. Einige Verlage haben deshalb das in
Deutschland seit 25 Jahren erprobte Modell des deutschen Institutes
IZOP adaptiert, so etwa Aargauer Zeitung und Zofinger Tagblatt, die ab
nächstem Frühjahr im Rahmen eines jeweils 12-wöchigen Programms
Primarschülerinnen und -schüler mit der Zeitungslektüre vertraut machen
wollen.

Die Neue Zürcher Zeitung hat innert eines Jahres ihr eigenes Modell
entwickelt. Am 17. November lanciert das Verlagshaus an der
Falkenstrasse erstmals sein «Lernset Eigene Meinung». Es handelt sich
dabei um ein Internetangebot in Form einer elektronischen, interaktiven
Unterrichtseinheit, die allen Schulen in der Schweiz kostenlos zur
Verfügung gestellt wird und sich in erster Linie an Schülerinnen und
Schüler der Sekundarstufe II richtet. Vorerst sind die Themen
«Integration von Ausländern», «Lärm» und «Ernährung» verfügbar, die
sich problemlos und
fächerübergreifend in die bestehenden Unterrichtspläne einbauen lassen.
Die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen sollen
Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, sich eine eigene
Meinung zu aktuellen Themen der Zeit zu bilden und ihre eigene
Urteilsfähigkeit im Sinne der Förderung einer freien Meinungsbildung zu
steigern. Neben der Lesekompetenz stehen Recherchieren, Analysieren von
Diskussionen und Argumentieren im Mittelpunkt der Lerneinheit.

Die NZZ versteht ihr Angebot zudem als substanziellen Beitrag im Rahmen
einer Initiative des Bundes «Public Private Partnership – Schule im
Netz», einer Kooperation von Bund, Kantonen sowie der Wirtschaft mit
Swisscom als Sponsorin, welche bis dato zur Ausstattung von einigen
Tausend Schulen mit Rechnern und leistungsfähigen Internetanschlüssen
geführt hat. Allein es fehlte bisher an ausreichenden und geeigneten
Lerninhalten.

«Wir wissen aus der Marktforschung, dass Jugendliche zwischen 16 und 19
Jahren zu einer anspruchsvollen Tageszeitung eher schwer Zugang
finden», sagt NZZ-Marke-
tingleiter Christoph Bauer. Deshalb versuchen die Macher mit der
Lerneinheit das Terrain für die künftigen Leserinnen und Leser der NZZ
vorzubereiten. Der Titel ist bei der jüngeren Leserschaft bisher
nicht  positioniert, wobei die tendenziell
höhere Schwelle der Jugendlichen gegenüber dem enzyklopädisch
anmutenden Traditionsblatt an sich völlig normal ist, was Bauer denn
auch als grosse Herausforderung erachtet. «Es geht dabei nicht darum,
Abos zu verkaufen», sagt er, auch die Gratiszeitungslieferung stehe
nicht im Mittelpunkt des Angebots, sondern erfolge nach Bedarf an
Schulen für Lehrpersonen zum Einsatz in deren Unterricht. Man wolle
vielmehr ein qualitatives Angebot machen im Bewusstsein, dass man damit
auch Ansprüche an die junge Leserschaft stelle.

Das Projekt trägt die Redaktion, genauer, es wurde von einer internen
Arbeitsgruppe unter den Fittichen von Chefredaktor Hugo Bütler in
Zusammenarbeit mit der Firma Lernetz entwickelt und wird intern
behandelt wie jedes andere redaktionelle NZZ-Produkt auch. Es erstreckt
sich zudem über weitere NZZ-Titel wie NZZ am Sonntag und Folio. Das
Thema Meinungsbildung passe überdies bestens zur NZZ und sei im
Lehrplan in verschiedenen Unterrichtsfächern verankert, weiss Bauer.
Er betont, es handle sich beim Lernset Eigene Meinung um ein
ausschliessliches Engagement der NZZ. «Es ist nicht unsere Philosophie,
mit Sponsoren zu arbeiten, dazu stehen wir.» Das soll auch die
inhaltliche Unabhängigkeit garantieren. Zu den Kosten will Bauer keine
genauen Angaben machen, verglichen mit dem von IZOP entwickelten Ansatz
fahre man jedoch langfristig wesentlich kostengünstiger.

Diesem ersten Schritt hin zu einem jüngeren Publikum sollen weitere
folgen. Das Lernset Eigene Meinung ist Bestandteil eines umfassenderen
Zielgruppenkonzeptes der NZZ, um neue Leserinnen und Leser zu
erschliessen und steht im Kontext von Printangeboten im Mutterblatt
rund um Studium und Beruf, um Karriere und Weiterbildung. Doch gemäss
Bauer sind entsprechende Projekte erst im kommenden Jahr spruchreif.

René Worni  

Ehret einheimisches Drehen

Filmpreise Mit dem Edi wird diese Woche das Schweizer Werbefilmschaffen geehrt. Dieses leidet aber immer mehr unter dem Preisdruck.

Filmpreise Mit dem Edi wird diese Woche das
Schweizer Werbefilmschaffen geehrt. Dieses leidet aber immer mehr unter
dem Preisdruck.«Wer nicht filmt, der wird gefilmt», hat
Fredi M. Murer einmal als Bonmot in die Welt gesetzt. Der Schweizer
Spielfilmregisseur hat es damals auf die Themen bezogen. Heute kann der
lockere Spruch auch arbeitspolitisch interpretiert werden. Mit der
Öffnung der Grenzen dürfen sich auch ausländische Filmproduktionen in
der Schweiz um Budgets bewerben. Immer mehr Agenturen nehmen das
Angebot an. Man lässt Ausländer in der Schweiz drehen. Man verlegt die
Dreharbeiten ins billigere Ausland. Oder man will
seinen Kunden etwas Besonderes bieten und sucht für einen aufwändigen
Spot den Anschluss an die Weltklasse, indem man nicht mehr bei
einheimischen Produzenten filmen lässt, sondern lieber auf
internationale Stars vertraut.
Gilt der Prophet wirklich nichts im eigenen Land? Wird die Schweizer
Filmindustrie ein Bauernopfer der Globalisierung? «Es stimmt, dass wir
manchmal ein ganzes Team mit billigen Technikern aus Prag oder auch nur
Deutschland eingekarrt haben», verrät ein Aufnahmeleiter.
Etwas schöner tönt es, wenn eine Produktion für ihren Spot in Polen
«eine wunderschöne und genau zur Idee passende Landschaft» findet.
Dekorbauten in Rumänien sind gefragt, weil das Handwerk dort «eine
lange Tradition» hat. Andere lassen in Korea zeichnen, «weil dort die
besten Trickspezialisten arbeiten». Der entscheidende Trick bei all
diesen Beispielen: Im Ausland ist es meistens billiger.
Die Entwicklung liegt darin begründet, dass immer mehr für immer
weniger Geld verlangt wird. «Um die Qualität halten zu können, muss ich
mir ewas einfallen lassen», erklärt als Folge davon zum Beispiel der
Zürcher Produzent Reiner Roduner von Absolutturnus. «Ich bin
interessiert, global funktionieren zu können», meint er und schaut
deshalb schon lange an, welche Länder ihm welche Vorteile bieten
können.
Eine Zeit lang hat Spanien als Drehort und Anbieter von
Serviceleistungen bei den Schweizer Produzenten geworben. Dieses Land
gilt aber nicht mehr als günstig. Mehr bieten in Sachen
Preis-Leistungs-Verhältnis wollen inzwischen die Russen. Diese
akquirieren in der Schweiz «ziemlich aggressiv».
Neuerdings wird in Südamerika «Action» gerufen. Argentinien und Chile
sind beliebt für sonnige Spots. Nicht nur schöne Landschaften, auch
eine hoch entwickelte und trotzdem billige Infrastruktur findet man in
Brasilien. Unter dem Namen Mixer haben sich dort sieben der besten
Produzenten und technischen Studios zusammengeschlossen. Diese Filmer,
die in Cannes schon unzählige Löwen gewonnen haben, wollen jetzt auch
in Europa aktiv werden. In den letzten Tagen hat die für das
internationale Management zuständige Repräsentantin von Mixer auch die
Schweiz besucht. Die Werbewoche hat Isabelle Hahn nach ihren Plänen
gefragt und wollte von Schweizer Kreativen wissen, wie gross das
Interesse für eine solche Zusammenarbeit mit Brasilien ist (siehe
Interviews Seiten 8, 9 und 10). 

Andreas Panzeri

Magazin als Verkaufshelfer

Corporate Publishing Kundenmagazine gewinnen an Dynamik. Vor allem im Handel zeigt sich die Schweiz als Impulsgeber für neue, erfolgreiche Vertriebskonzepte.

Corporate Publishing Kundenmagazine
gewinnen an Dynamik. Vor allem im Handel zeigt sich die Schweiz als
Impulsgeber für neue, erfolgreiche Vertriebskonzepte.
Ein Jahresumsatz von deutlich über fünf
Milliarden Euro im deutschsprachigen Raum und ein zweistelliges
Wachstum seit vielen Jahren belegen: Das Corporate Publishing hat sich
in der Marketing-Kommunikation einen wichtigen Platz erobert. Denn
seine Argumente überzeugen: Professionelles journalistisches und
grafisches Handwerk garantieren Information und Emotion, das
regelmässige Erscheinen der Medien – seien es Kunden- oder
Mitarbeitermagazine, Corporate Broadcasting oder Corporate TV – sichert
den dauerhaften Kontakt. Gemeinsam bilden diese Faktoren eine Basis zur
langfristigen Kundenbindung und zur Steigerung des Kundenwerts. Laut
Umfrage des Forum Corporate Publishing, des europaweit grössten
Branchenverbands, setzen allein in Deutschland mehr als 90 Prozent der
Top-100-Unternehmen auf Magazine als wichtigstes Instrument ihrer
Kundenbindung. Tendenz steigend.

Die Schweiz entwickelt sich im europäischen CP-Markt zum Trendsetter,
ein Fünftel der Schweizer Grossunternehmen unterhalten gar eigene
Corporate-Publishing-Abteilungen. Vor allem im Handel sorgen aktuelle
Schweizer Magazine grenzüberschreitend für grosse Aufmerksamkeit.

Vertriebsimpulse dank konsequentem Storytelling
In Zeiten von Konsumstau und Rabattschlachten reichen die
althergebrachten Werbe- und Kommunikationsmittel nicht mehr aus.
Sales-Magazine liegen daher im Trend. Diese neue Magazinform bindet mit
journalistischen Mitteln Produkte in Erlebniswelten ein. So wecken
Sales-Magazine Sehnsüchte und rücken gleichzeitig das Erfüllen von
Träumen in greifbare Nähe. Schon bieten die ersten Vertreter ihrer Art
bei Globus und PKZ, Otto-Versand und Tchibo den Prospekten und
Multi-Mix-Katalogen heftige Konkurrenz.

Einen überzeugenden Magazin-Auftritt hat das Warenhaus Globus, Zürich,
im Vorjahr mit seiner Weihnachtsausgabe hingelegt. Statt katalogartig
aneinander gereiht, wurden Globus-Produkte von Schuhen über Pelze bis
Kerzenleuchter in eine Bilderzählung im Hotel Sils Maria bei St. Moritz
eingebaut. Geschickt vernetzte Globus das Sales-Magazin mit Aktionen am
Point of Sale. Schaufenster und Kaufhausfassade griffen Bilderwelten
aus dem Magazin auf, für eine enge kommunikative Verzahnung war damit
gesorgt.

Auch das Schweizer Sales-Magazin «adress», herausgegeben von einem
eigens gegründeten Verlag der Bekleidungsgruppe PKZ, geleitet von
Philippe Olivier Burger, vermeldet einen erfolgreichen Start: Bereits
die erste Ausgabe des Magazins konnte komplett über Anzeigen
refinanziert werden. Die stattliche Auflage von 480000 adressierten
Exemplaren überzeugte bereits Konzerne wie DaimlerChrysler, BMW, Nokia
und L’Oreal als Werbekunden.

Das Forum Corporate Publishing freut sich über die Schweizer Erfolge.
Präsident Manfred Hasenbeck: «Die Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie
sich die Offenheit im Umgang mit neuen Kommunikationsinstrumenten
letztlich in barer Münze auszahlen können. Genau das wollen wir als
Verband der Öffentlichkeit auch kommunizieren.»

Michael Höflich

20 minutes ist teurer als Le Matin Bleu

Zeitungen Für 20 minutes, das Westschweizer Pendant von 20 Minuten, stehen die Tarife fest.

Zeitungen Für 20 minutes, das
Westschweizer Pendant von 20 Minuten, das (angeblich) im März 2006
startet, stehen die Tarife fest. Ausgehend von einer Druckauflage von
120000 Exemplaren kostet ein ganzseitiges, vierfarbiges Inserat brutto
6500 Franken. Zur Erinnerung: Le Matin Bleu verlangt 6300 Franken. Wer
20 minutes und 20 Minuten bucht, bezahlt einen «National»-Tarif von
36250 Franken. Das ergibt einen Kombirabatt von 7,3 Prozent. Die
Lokaltarife von Genf und Lausanne werden gemäss Anzeigenleiter Marco
Gasser derzeit noch nicht publiziert.

Und noch mehr Stars

Frauenzeitschriften Ringier will das auflagenstärkste Frauenmagazin der Schweiz lancieren und hofft auf 500 000 Leserinnen und Leser.

Frauenzeitschriften Ringier will das auflagenstärkste Frauenmagazin der Schweiz lancieren und hofft auf 500 000 Leserinnen und Leser.Die Schweizer Illustrierte bekommt ein
Baby mit dem vorläufigen Arbeitstitel «Schweizer Illustrierte Young».
Was die Branchendienste bereits vermeldet und der Verlag auch schon per
Mediencommuniqué verbreitet hat, zeigt allmählich  Konturen. Am
20. Februar wird erstmals die März-Nummer des neuen Monatstitels
erscheinen.
Es soll eine moderne, junge Frauenzeitschrift werden, elegant, auf
teurem 200g-Hochglanzpapier, klebegebunden, die alle Elemente des
klassischen Genres und dazu einen ausgedehnten Gesellschaftsteil
enthält. «Müsste man es in drei Worte fassen, dann hiessen diese: Mode,
Beauty und Stars», sagt SI-Verlagsdirektor und Young-Projektleiter Urs
Heller. Man darf sich getrost fragen, ob junge und jung gebliebene
Leserinnen zwischen 20 und 40 angesichts von knappen Ausbildungs- und
Studienplätzen und beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten auf solche Themen
gewartet haben.

Blick über Grenze macht Mut
Doch der Blick über die Grenze scheint die Macher zu bestärken. «Wir
glauben, dass unser Vorhaben eine Unique Selling Proposition ist, die
dem Zeitgeist entspricht», sagt Heller. Er verweist auf den Boom des
deutschen Peoplemagazins
Gala aus dem Hause von Bertelsmann-Tochter Gruner und Jahr. Das Blatt
mit einer Auflage von über 412000 Exemplaren erzielte jüngst trotz
hartem Wettbewerbs-
umfeld das beste Quartalsergebnis seiner Geschichte.

In der Schweiz will man sich mit starken und aussergewöhnlichen
Peoplegeschichten von den bestehenden Frauen- und Modezeitschriften
abheben – etwa vom eigenen Bolero, aber auch vom Tamedia-Titel
Annabelle. «Wir glauben, dass die Kombination von klassischer
Modezeitschrift und Society viel versprechend ist», sagt Heller. Die
Macher setzen dabei auf das gute Beziehungsgeflecht der Schweizer
Illustrierten. Da komme man schnell zu exklusiven Interviews, wo
herkömmliche Frauenzeitschriften auf Grund der Aktualität oder des
Genres wegen hinten anstehen müssten, weiss Heller.

Im Unterschied zur Schweizer Illustrierten bewege sich beispielsweise
eine Homestory schnell einmal in Richtung Style (zum Beispiel schöner
Wohnen). Hobby, Freizeit und Familie müsse jedoch die klassische Domäne
des Mutterblattes bleiben – keine langen Geschichten demnach, sondern
eher kürzer portionierte Texte. «Uns interessiert die SI-Welt in einer
internationalen Form», erklärt Heller. Ob es zwischen Gisèle Bündchen
und Leonardo di Caprio endgültig aus ist, ob John Cleese seiner
Lieblingsdarstellerin Jamie Lee Curtis (A fish called Wanda) den
Rückzug von der Leinwand vereiteln will und ob Jennifer Aniston bald
bei ihrem Freund in Chicago leben wird: Die deutsche Gala macht vor,
worum es auch in Ringiers neuem Frauentitel ungefähr gehen wird.

Break-even nach vier Jahren
Der Marktnewcomer möchte von Anfang an gross einsteigen. Schon der
Verkaufspreis am Kiosk im Bereich zwischen vier und fünf Franken legt
die Schwelle für die Zielgruppe tief. Auch anzeigenseitig geizt der
Neuling nicht mit Reizen, die Anzeigentarife werden unter denen der
Annabelle liegen. Das ist besonders angesichts der Auflage interessant:
Ohne eine genaue Zahl zu nennen, strebt Heller möglichst schnell die
grösste Auflage des Genres landesweit an, «so dass man nach kurzer Zeit
sagen kann, 500000 Leute lesen das». Gemessen am Westschweizer
Erfolgstitel Fémina (217845 Expl.) ist von einer Auflage von 250000 und
mehr Exemplaren auszugehen. Der Umfang der März-Nummer wird 148 Seiten
stark, bei einem «markt-
üblichen» Verteilschlüssel von redaktionellem und kommerziellem Teil.
Im Bereich der Werbesonderformen will man eher konservativ bleiben und
auf Gags, wie jüngst das Loch im Titelblatt der Illustré, verzichten.
Nach vier Jahren soll der Break-even erreicht sein: «Was länger dauert
ist einem Verleger nicht zuzumuten», meint Heller. Der obligate
Onlineauftritt folgt später.

14 Leute haben von Ringier-Titeln aber auch aus anderen Verlagshäusern
zu Young gewechselt. Dabei wollte man die SI-Redaktion nicht schwächen,
weil das Mutterblatt auch vom neuen Titel profitieren soll.
Naheliegenderweise ist die neue Redaktion vor allem mit Frauen dotiert.
Offenbar war das Interesse gross und damit den Machern gleichzeitig ein
erster Hinweis für die Qualität des neuen Produktes. Zunächst will
Heller selber zusammen mit SI-Chefredaktor Marc Walder das Blatt leiten
und später wohl aus der Redaktion eine Chefredaktorin küren. Für das
Blattdesign zeichnen Ulrike Beling und Nina Thoenen, die unter anderem
bereits bei Bolero engagiert waren.

René Worni

Radio Top neu in Rapperswil-Jona und in der Region See-Gaster

Das Ostschweizer Privatradio hat seinen sechsten Sender für den Kanton St. Gallen in Betrieb genommen.

Das Ostschweizer Privatradio Radio Top ist
seit Montag auch in Rapperswil-Jona und
der Region See-Gaster empfangbar. Mit dem Sender Feusisberg wurde
genau elf Monate nach der Eröffnung des Senders Gossau-Schochenberg die
neueste Top-Frequenz für den Kanton St. Gallen in Betrieb genommen. Die
16. Sendeanlage von Radio Top ist gleichzeitig der sechste
Sendestandort für den Kanton St. Gallen. In den nächsten Wochen dürfte noch die Aufschaltung in
der Stadt Zürich erfolgen. Damit könnten vor allem die beträchtlichen
Pendlerströme aus der Ostschweiz versorgt werden, heisst es in einer Mitteilung.

UPC/Cablecom-Studie: Welche Rolle spielt TV in Europa?

Eine neue gesamteuropäische Studie von UPC und Cablecom soll kulturelle Unterschiede eruieren und der Frage nachgehen, inwiefern sich die TV-Wahrnehmung je nach Altersgruppe ändert.

Eine neue gesamteuropäische Studie von
UPC und Cablecom soll kulturelle Unterschiede eruieren und der Frage
nachgehen, inwiefern sich die TV-Wahrnehmung je nach Altersgruppe
ändert. Ferner soll untersucht werden, ob Europäer das Fernsehen als
glaubwürdiges Medium betrachten und ob es ihre politischen oder
religiösen Standpunkte beeinflusst. Befragt werden mehr als 6000
TV-Konsumenten in sämtlichen 14 europäischen Ländern, in denen UPC
seinen Kunden TV-Dienste bereitstellt, wie es in einer Pressemitteilung
heisst. Die Ergebnisse der Studie werden im Dezember dieses Jahres
präsentiert. UPC ist die europäische Kabeltochter von Liberty Global,
die Cablecom kürzlich übernommen hat. Sie führte die Studie bereits im
vergangenen Jahr durch.

Microsoft erwägt angeblich werbefinanzierte Software

Das Betriebssystem Windows könnte künftig werbefinanziert auf die Desktops kommen.

Das Betriebssystem Windows könnte künftig
werbefinanziert auf die Desktops kommen. Entsprechende Pläne würden
derzeit bei Microsoft erwogen, berichtet Heise Online. Das würde die
Fortsetzung der bisher vom Softwarekonzern unternommenen Schritte in
Richtung Live-Software bedeuten. Microsoft hat mit Windows Live und
Office Live bereits Internet-Strategien vorgestellt, die in erster
Linie Werbeplattformen darstellen. «Da der Markt für Online-Anzeigen
wächst und der Verkaufsumsatz nachlässt, benötigen wir eine
werbefinanzierte Version unserer Software», schreiben
Microsoft-Forscher gemäss Cnet in einem Strategiepapier. Die Anfang
dieses Jahres initiierten AdCenter, über die Werbepartner ihre Anzeigen
platzieren und verwalten könnten, sollen eine bedeutende Position in Microsofts Online-Strategie einnehmen. Die AdCenter könnten
ferner auch als Schaltzentrale für andere Werbeformen dienen.
Möglicherweise wird es demnächst Textverarbeitungssoftware geben, in
der Adsense-Werbefunktionen auf die Eingabe von Schlüsselwörtern
warten, um Werbung einzublenden.

Beförderungen bei TV-Star

Ab 1. Januar 2006 wird Gion Stecher stellvertretender Chefredaktor und Leo Lüthy Mitglied der Chefredaktion.

Gion Stecher wird ab 1. Januar 2006
stellvertretender Chefredaktor von TV-Star. Zum gleichen Zeitpunkt wird
Leo Lüthy Mitglied der Chefredaktion des Fernseh-Magazins. «Ich freue
mich, mit den beiden erfahrenen Kollegen und einem hochmotivierten Team
den erfolgreichen Kurs unserer Zeitschrift weiterzuführen», kommentiert
TV-Star-Chefredaktor René Hildbrand die Beförderungen.

10. Berner Marketingtag Einmal Zeit als individueller Erfolgsfaktor

Der 10. Berner Marketingtag und zugleich dessen 10-jähriges Jubiläum gingen am Donnerstag, 10. November 2005 im Berner Kursaal über die Bühne.

(pr) Der 10. Berner Marketing und zugleich dessen 10-jähriges Jubiläum
gingen am Donnerstag, 10. November 2005 im Berner Kursaal über die Bühne. Die
Veranstaltung war ein voller Erfolg. Rund 320 Gäste nahmen sich die
Zeit und liessen sich in einer kurzweiligen Tour d’horizon von
hochkarätigen Referenten inspirieren, unterhalten und informieren.
 
Wie Gemeinderätin Barbara Hayoz in Ihrer Grussbotschaft des Berner
Gemeinderats vermerkte „reiht sich der 10. Berner Marketingtag nahtlos
in die übrigen Highlights in diesem, an kulturellen Ereignissen reichen
Jahr in Bern ein“. Diesem hohen Anspruch vermochten die Referenten in
unterschiedlichem Masse gerecht zu werden. Den fulminanten Auftakt
machte einer der ganz Grossen aus der Uhrenbranche: Jean-Claude Biver,
Direktor der Montres Hublot in Genf. In einer mit Herzblut und
Engagement vorgetragenen Geschichte zur Entwicklung der Schweizerischen
Uhrenindustrie, zeigte er eindrücklich, wie geschicktes Marketing
bereits im Spätmittelalter einem gefährdeten Handwerk verhalf zu
überleben und in neue Erfolgssphären durchzustarten. Als die Kirchen in
Genf das Tragen von Schmuck verboten, stand die alteingesessene
Goldschmiedezunft vor dem Ruin. In einer Allianz
mit Uhrmachern wurden die ehemaligen Schmuckstücke zu Uhren
umpositioniert. Dieser frühen Marketingstrategie konnte die Kirche
nichts entgegensetzen und wurde so zum unfreiwilligen Geburtshelfer der
bis heute anhaltenden Erfolgsgeschichte der Schweizer Uhrenindustrie.
Marc Biver betonte in diesem Zusammenhang auch, dass der Erfolg von
heute nicht gleichzeitig der Erfolg von Morgen bedeutet. Mit dem Credo
„Der Schlaf ist der Feind des Marketings“ beendete er sein energiege-
ladenes und überzeugendes Referat.
 
Wolfgang Schweiger, Geschäftsführer von TrustMark CFI, oblag nach
dieser Geschichtsstunde die nicht ganz einfache Aufgabe, die
aufmerksame Hörerschaft wieder auf das harte Terrain des
Marketingalltags zurückzuholen. In seinem Referat stellte er die
gängigen Marketingtypologisierungen in Frage und präsentierte Tools,
mit denen Bedürfnis-, Einstellungs- und Verhaltenspräferenzen von
Kunden präzise herausgefiltert werden können.

Das Publikum nahm, nach diesem interessanten aber doch recht komplexen
theoretischen Input, die Auflockerung durch den ersten Showblock mit
dem „Duo Ohne Rolf“ mit Begeisterung auf. Stumm, aber keineswegs
sprachlos, bot das Duo eine witzige und tiefgründige Persiflage zu den
Tagungsthemen Zeit und Kommunikation.
 
Unter dem Motto „Turnaround Schweiz – wie viel Zeit bleibt uns noch?“
kreuzten der Gewerkschaftsökonom Dr. Serge Gaillard und der
Wirtschaftsprofessor Silvio Borner in einem Streitgespräch die Klingen.
Ob nun die Angebots- oder die Nachfrage-Ökonomie zu mehr Wohlstand
führt, konnte erwartungsgemäss nicht aufgelöst werden, einig war man
sich darin, dass die Schweiz noch nicht
verloren ist. Geschmeichelt nahmen die anwesenden
Kommunikationsspezialisten zudem zur Kenntnis, dass sie laut Silvio
Borner zu einer fortschrittlichen Branche zu zählen seien.
 
Ethos, Rock’n Roll und Fussball
Nach Christa Joss, Geschäftsführerin „Alternative Bank Schweiz“, die in
Ihrem Referat Ethik und volle Transparenz als entscheidende
Marketingfaktoren für nachhaltigen Erfolg pries, erwartete Mann und
Frau mit Spannung auf den Auftritt des erfolgreichsten Rock’n Rollers
der Schweiz Chris von Rohr. Die Hoffnungen oder Befürchtungen des
Publikums erfüllten sich nicht, Chris von Rohr behielt die
Hosen während des ganzen Auftritts an und überzeugte das Publikum als charismatischen Erzähler.

Aus seinen Erfahrungen im Musikgeschäft gab er dem Publikum auf den
Weg, dass ohne Leidenschaft, Herzblut und Spirit für das Produkt oder
eine Idee längerfristig auch mit bestem Marketing allenfalls ein
„kurzes Strohfeuerchen wie beispielsweise bei Modern Talking“, aber
kein nachhaltiger Erfolg möglich sei. 
 
René C. Jäggi, Vorstandsvorsitzender des 1. FC. Kaiserslautern und
ehemaliger Meistermacher des FC Basel unterstrich in seinem
anschliessenden Referat die Bedeutung einer sauber konzipierten
Krisenkommunikation, ein Spielfeld, das er laut eigener Aussage bestens
kennt und liebt.

Beschlossen wurde die facettenreiche Veranstaltung durch den BZ-Talk
von Tele Bärn, zum Thema Image Bern und Image Schweiz mit Andreas
Zgraggen, Chefredaktor der BZ, Johannes Matyasy von Präsenz Schweiz und
Hanspeter Danuser, Tourismusdirektor von St. Moritz.
 
Die ganze Veranstaltung wurde souverän und charmant moderiert von Mona
Vetsch, die mit Ihren Kommentaren für Heiterkeit im Saal sorgte. Den
professionell organisierten Anlass liess man beim anschliessenden Apéro
ausklingen und sinnierte bei Häppchen und Wein über Zeit und Sein – und
hatte für einmal alle Zeit der Welt. Der 11. Berner Marketingtag findet
am 8. November 2007 statt.

Hollywoods Schauspieler fordern Mitspracherecht bei Product Placement

Zwei der grössten Schauspieler-Verbände Hollywoods haben eine Beschwerdeschrift verfasst, in der sie ihren Wunsch nach Mitspracherecht bei Product Placement in Film und Fernsehen äussern.

Zwei der grössten Schauspieler-Verbände
Hollywoods haben eine Beschwerdeschrift verfasst, in der sie ihren
Wunsch nach Mitspracherecht bei Product Placement in Film und Fernsehen
äussern, wie Adage.com berichtet. Die Verbände fordern Richtlinien, die
unter anderem Transparenz gleich zu Beginn eines Film beinhaltet. Des
Weiteren fordern sie strikte Regelungen bei Product Placement in
Kindersendungen, eine Ausdehnung der Richtlinien auf Kabelfernsehen
sowie ein Mitspracherecht, wie ein Produkt platziert werden soll. Die
Verbände monieren einerseits, dass die Schauspieler und
Drehbuchtautoren nie in den Entscheidungsprozess integriert werden und
oft erst in letzter Minute informiert werden, wie und wo sie für ein
Produkt werben sollen. Darunter würde auch das Produkt leiden, erklären
die Verbände. Darüber hinaus würden die Schauspieler nicht für diesen
Extra-Service entlöhnt. Ausserdem hätten sie auch nicht die
Möglichkeit, mitzubestimmen, für welches Produkt sie werben müssen. Die
Schauspieler müssten zumindest die Gelegenheit haben, nein zu sagen,
erklärt Ann-Marie Johnson, Präsidentin der Screen Actors Guild (SAG),
gegenüber Adage.com.

Andreas Durisch übernimmt Facts

Das Newsmagazin und die SonntagsZeitung teilen sich künftig den Chefredaktor. Stefan Barmettler will sich bei Tamedia wieder vermehrt publizistisch betätigen.

Facts-Chefredaktor Stefan Barmettler nimmt
nach zwei Amtsjahren den Hut. Er wird durch Andreas Durisch,
Chefredaktor der SonntagsZeitung, ersetzt. Laut einer Mitteilung von
Tamedia tritt Barmettler auf eigenen Wunsch zurück, um sich künftig
wieder verstärkt publizistischen Aufgaben widmen. Er werde dem Zürcher
Medienhaus als Autor erhalten bleiben. Tamedia-Sprecherin Eta Pavlovic
sagte der Nachrichtenagentur SDA, Barmettler nehme eine Auszeit von
zwei Monaten. Für welche Publikation er anschliessend schreiben werde,
sei noch offen. Andreas Durisch wird ab Mitte Dezember sein Pensum bei
der SonntagsZeitung reduzieren
und sich schwergewichtig um die Weiterentwicklung von Facts kümmern. Er
werde
sich vor allem darauf konzentrieren, die Zeitschrift «als führendes
News-Magazin im hart umkämpften Markt der Wochentitel
weiterzuentwickeln und als relevantes,
meinungsbildendes Medium zu profilieren», schreibt Tamedia. Bei der
SonntagsZeitung werden die beiden stellvertretenden Chefredaktoren
Armin Müller und Ueli Walther verstärkt blattmacherische Verantwortung
übernehmen und Durisch vom operativen Alltagsgeschäft entlasten. Er
soll aber weiterhin die wesentlichen
Weichenstellungen der des Blattes mitbestimmen.
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