Agenturen-Ranking Zum dritten Mal haben die Werbeauftraggeber Image und Leistung der
Werber beurteilt. JvM/Limmat und SFLB sind die einzigen Agenturen, die bei allen sechs Befragungsthemen zu den Top 10 zählen.
Bereits zum dritten Mal erfragte die Media
Research Group im Rahmen ihrer jährlichen Werbemarktstudie bei den
grössten Schweizer Werbeauftraggebern ihr Urteil über die wichtigsten
Werbeagenturen (siehe Kasten Seite 12). 2003 wurden die Ergebnisse hier
veröffentlicht. Im vergangenen Jahr wurde eine Zusammenfassung der
Ergebnisse ins «Jahrbuch der Werbung» aufgenommen.
Abweichungen zu Kreativrankings
Die Sicht der Auftraggeber hat durchaus ihren Platz neben all den
vielen Awards für die kreativen Leistungen der Agenturen. Schliesslich
nützen die wertvollsten Awards nichts, wenn es nicht gelingt,
Auftraggeber zu gewinnen, die preisgekrönte Agenturen mit den nötigen
Aufträgen versorgen. Die Urteile der hochkarätigen Fachjurys mögen sich
in den meisten Fällen mit dem Urteil der Auftraggeber decken. In
einigen Fällen weichen sie aber voneinander ab. Und gerade dies macht
das Ganze interessant.
Das Interesse wäre aber nicht vorhanden, wenn die Ergebnisse nur auf
dem Urteil einer schmalen Basis beruhen würden. Diese Hintertür bleibt
diesmal fest verriegelt. Rund siebzig Prozent der Top-500-Auftraggeber
haben die Werbeagenturen beurteilt. Vor zwei Jahren lag beim
Gesamteindruck das Quorum für die Veröffentlichung noch bei 20
Antworten. 2005 liegen über jede Agentur mindestens 50 Beurteilungen
vor. 14 Agenturen erhielten 50 bis 75 Antworten, sechs Agenturen
zwischen 75 und 100 Antworten und zwei sogar über 100 Antworten.
Durchschnittlich wurden die abgefragten Werbeagenturen von 73,3
Auftraggebern beurteilt.
Diese grosse Antwortzahl wurde möglich, weil jeder befragte
Auftraggeber seinen Gesamteindruck über alle Werbeagenturen äussern
konnte.
Anders sieht es bei der Beurteilung der drei Einzelleistungen
(Kreativität, Strategie und Beratung) aus. Hierzu durften sich nur
Auftraggeber äussern, die diese Leistungen im vergangenen Jahr auch
tatsächlich in Anspruch genommen haben. Es liegt deshalb auf der Hand,
dass die Fallzahlen der einzelnen Werbeagenturen hier relativ tief
liegen. Elf Agenturen erhielten mehr als zehn Antworten, elf erhielten
zwischen fünf und zehn Antworten.
Abgefragt wurden 23 Werbeagenturen. Das Erfordernis von mindestens fünf Beurteilungen wird von 22 Werbeagenturen erfüllt.
In einer zusätzlichen Frage wurden die Befragten gebeten, die drei
Werbeagenturen zu nennen (erste, zweite und dritte Wahl), die sie einem Kollegen weiterempfehlen würden. Diese Frage durfte wiederum von allen Befragten beantwortet werden.
Somit besteht das Ergebnis der Befragung aus sechs Teilbereichen: 1.
Bekanntheitsgrad (Anzahl Antworten), 2. Image (Gesamteindruck), 3.
Kreativität, 4. Strategie, 5. Beratung und 6. Weiterempfehlung von Agenturen an Dritte.
1. Bekanntheitsgrad
Je grösser die Zahl der eingegangenen Antworten für eine Agentur, desto
grösser ihre Bekanntheit. Nach dieser einfachen Formel, anhand der
Beurteilungen des Gesamteindrucks, wird der Bekanntheitsgrad ermittelt.
Es liegt auf der Hand, dass hier bestandene, grosse Werbeagenturen
besonders gut abschneiden. So belegen Advico Young & Rubicam sowie
Publicis mit je 102 Nennungen gemeinsam den ersten Platz. Auf Platz 3
liegt mit 90 Antworten Euro RSCG. Dass auch jüngere Agenturen in dieser
Kategorie eine Chance haben, zeigt sich darin, dass es Spillmann Felser
Leo Burnett (SFLB) sowie Ruf Lanz schon in die Top 10 der bekanntesten
Agenturen gebracht haben (siehe Diagramm 1: «Der Bekanntheitsgrad der
wichtigsten Werbeagenturen bei den Top-500-Auftraggebern im Schweizer
Werbemarkt»).
2. Image
Obwohl Jung von Matt/Limmat (JvM/Limmat) beim Bekanntheitsgrad nur auf
dem vierten Platz steht, schwingt die Agentur beim Image deutlich oben
aus. Mit 7,9 Punkten liegt sie deutlich vor den beiden
nächstplatzierten Spillmann Felser Leo Burnett sowie Ruf Lanz, die nur
gerade zwei Hundertstelpunkte auseinander liegen (siehe Diagramm 2:
«Das Image der Werbeagenturen (Gesamteindruck) bei den
Top-500-Auftraggebern im Schweizer Werbemarkt»).
Vergleicht man die Noten für den Gesamteindruck (Image) mit denjenigen
für die drei einzelnen Leistungen, so fällt auf, dass das Image in den
allermeisten Fällen schlechter bewertet wird. Da sich der
Gesamteindruck und die Beurteilung der Leistungen über all die
Agenturen hinweg etwa die Waage halten sollten, muss vermutet werden,
dass die Agenturen von ihren Kunden besser beurteilt werden als von
potenziellen Neukunden. Dies trifft für alle zu, aber nicht für alle
gleich stark.
Am deutlichsten fällt dieser Unterschied bei Zogg Kettiger Gasser auf.
Mit ihrer Note für den Gesamteindruck von 5,57 liegt sie weit
abgeschlagen in der hinteren Hälfte der Rangliste. Ihre sehr guten
Noten für die drei Einzelleistungen verhelfen ihr zu drei
Spitzenplätzen. Dies deutet auf ein eher geringeres Potenzial an
Neukunden hin.
Am geringsten ist der Unterschied bei Publicis. Mit 7,23 Punkten beim
Gesamteindruck liegt sie an vierter Stelle. Der Durchschnittswert ihrer
Noten für die drei Einzelleistungen liegt nur unwesentlich höher. Für
Publicis heisst dies, dass sie über ein gutes Potenzial an Neukunden
verfügt.
3. Kreativität
In der Einzelwertung Kreativität geht Platz eins mit der Höchstnote der
ganzen Befragung von 9,46 Punkten an Ruf Lanz. Auf Platz zwei folgt mit
einem deutlichen Abstand und 8,93 Punkten Spillmann Felser Leo Burnett.
Auf Platz drei liegt mit 8,64 Punkten JvM/Limmat. 2003 hatte JvM/Limmat
mit 8,2 Punkten noch den Sieg in dieser Kategorie errungen.
Dieses Spitzentrio setzt sich deutlich von den nachfolgenden
Werbeagenturen ab. Zwischen dem dritten und dem vierten Platz klafft
eine doppelt so grosse Lücke wie zwischen dem vierten und dem zehnten
Platz. Mit Zogg Kettiger Gasser, Sulzer Sutter und FCB Leutenegger
Krüll folgen auf den Plätzen vier bis sechs drei Agenturen, die beim
Gesamteindruck viel weiter hinten rangieren (siehe Diagramm 3: «Die
Kreativität der Werbeagenturen im Urteil der Top-500-Auftraggeber im
Schweizer Werbemarkt»).
Die Durchschnittsnote aller Werbeagenturen für deren kreative
Leistungen beträgt 7,41. Sie liegt höher als die Durchschnittsnote für
den Gesamteindruck (6,26) und die Strategie (7,08), aber gleich hoch
wie für die Beratung (7,42).
4. Strategie
Bei der Strategie liegen die gleichen Agenturen auf den vorderen
Plätzen wie bei der Kreativität. Mit zwei Unterschieden allerdings: Der
haushohe Kreativitäts-Sieger, Ruf Lanz, sowie die fünftbeste
Kreativagentur, Sulzer Sutter, sind hier von den Auftraggebern in die
hintere Hälfte der Rangliste verbannt worden.
Am besten bewerten die Auftraggeber mit 8,29 Punkten die Strategie von
Spillmann Felser Leo Burnett. Dahinter folgen mit 8,0 Punkten
JvM/Limmat auf Platz zwei, Zogg Kettiger Gasser mit 7,83 Punkten auf
Platz drei und FCB Leutenegger Krüll mit 7,71 Punkten auf Platz vier.
Sehr gut auch die Noten der beiden Berner Werbeagenturen Contexta und
Lang Gysi Knoll, die mit 7,4 Punkten gemeinsam den fünften Platz
belegen (siehe Diagramm 4: «Die Strategie der Werbeagenturen im Urteil
der Top-500-Auftraggeber im Schweizer Werbemarkt»).
5. Beratung
Zwar belegt auch hier Spillmann Felser Leo Burnett den ersten Platz.
Aber das Feld der besten Werbeagenturen liegt hier viel näher beisammen
als bei den beiden andern Einzelleistungen. Beträgt der Abstand vom
achten auf den ersten Platz bei der Kreativität fast zwei Punkte und
bei der Strategie immerhin noch einen Punkt, so liegt bei der Beratung
der achte nur gerade 0,45 Punkte hinter dem Sieger zurück. Anderseits
beträgt die Note für die beste Beratung nur gerade 8,25 Punkte. Dies
ist die tiefste Note, die für einen Kategoriensieg gereicht hat.
Auf dem zweiten Platz liegen gemeinsam mit 8,14 Punkten FCB Leutenegger
Krüll und Zogg Kettiger Gasser. Dahinter folgen, wiederum gemeinsam,
mit 8,0 Punkten Lesch+Frei sowie Sulzer Sutter (siehe Diagramm 5:
«Beratung der Werbeagenturen im Urteil der Top-500- Auftraggeber im
Schweizer Werbemarkt»).
6. Empfehlungen
Eindeutig ist die Entscheidung bei den Empfehlungen. Gefragt, welche
Agentur sie einem Kollegen empfehlen würden, haben die meisten
Auftraggeber JvM/Limmat genannt: 29-mal als erste, 17-mal als zweite
und 11-mal als dritte Empfehlung. Dies ergibt eine Gesamtnote von 10,5.
An zweiter Stelle folgt Publicis mit einer Gesamtnote von 9,0. Ihre
Empfehlungen lauten: 21-mal als erste, 16-mal als zweite und 10-mal als
dritte.
Auffallend ist, dass die gleichen Werbeagenturen, die beim
Bekanntheitsgrad die ersten 10 Plätze belegen, auch bei den
Empfehlungen unter den ersten 10 anzutreffen sind, in völlig anderer
Reihenfolge allerdings. In beiden Kategorien auf dem Podest ist nur
Publicis (siehe Diagramm 6: «Die Weiterempfehlung von Werbeagenturen
durch Top-500-Auftraggeber im Schweizer Werbemarkt»).
Eine Gesamtnote aller sechs Kategorien beziehungsweise nur einzelner
dieser sechs Kategorien zu ermitteln, erübrigt sich. Auch ohne diesen
Zusammenzug wird recht deutlich, welche Werbeagenturen bei den
Top-500-Auftraggebern im Schweizer Werbemarkt am besten abschneiden.
JvM/Limmat und SFLB sind die beiden einzigen Agenturen, die in allen
sechs Kategorien in den Top 10 anzutreffen sind. Alle andern Agenturen
patzen zumindest in einer Kategorie.
Walter Weder
Dr. Walter Weder ist Mitinhaber der Media Research Group und Initiant der Werbemarkt-Studie.
Methodenbeschrieb
Die Beurteilung der Agenturen ist Bestandteil der jährlich
durchgeführten Werbemarkt-Studie, die von Mitte Januar bis Mitte März
lief. Nach Abschluss der Werbemarkt-Studie wurden die Fragen, welche
die Beurteilung der Agenturen
betreffen, aus dem Werbemarkt-Fragebogen herausgelöst und den
Auftraggebern, die noch nicht geantwortet hatten, nochmals zur
Beantwortung vorgelegt.
Grundgesamtheit: Befragt
wurden die Top 500 im Schweizer Werbemarkt. Sämtliche dieser
Unternehmen wurden angefragt. 341 dieser Unternehmen (=68,2%) haben an
der Befragung teilgenommen.
Methode: Den Befragten
wurde
eine E-Mail zugestellt. Diese enthielt
einen Link, der zur Umfrage führte. Die Umfrage fand auf der Website
der Media Research Group statt. Ohne diesen Link gab es keinen Zugang
zur Umfrage. Dennoch wurden alle Antworten geprüft, ob sie von einer
berechtigten Person stammen.
Funktion der Befragten: Befragt
wurden die Verantwortlichen für die Marketingkommunikation (Marketing-
bzw. Werbeleiter). Die Entscheidung, ob Marketing- oder Werbeleiter,
liegt allein beim befragten Unternehmen (Organisation, Kompetenzen,
Kenntnisse). In den meisten Fällen wurde der
Kommunikationsverantwortliche für das Gesamtunternehmen befragt, in
einzelnen Fällen der Kommunikationsleiter des wichtigsten
Unternehmensbereichs bzw. Produkts.
Den Befragten wurden drei
unterschiedliche Fragetypen vorgelegt:
Zum Gesamteindruck konnte sich jeder Befragte unabhängig davon äussern,
ob er mit der beurteilten Agentur in einem Auftragsverhältnis steht
oder nicht.
Zu den einzelnen Leistungen (abgefragt wurden Kreativität, Strategie
und Beratung) konnten sich nur Befragte äussern, die im Verlaufe des
vergangenen Jahres Leistungen von der beurteilten Agentur bezogen
hatten.
Die Frage, welche Agenturen sie an Dritte weiter empfehlen, durfte
wiederum jeder Befragte beantworten.
Bei der Beurteilung der einzelnen Leistungen sind die Fallzahlen
naturgemäss eher gering. Es wurde eine Mindestfallzahl festgelegt, die
für eine Veröffentlichung der Ergebnisse erforderlich ist. Diese liegt
bei fünf Antworten. Dies führt dazu, dass die Ergebnisse einer einzigen
Werbeagentur nicht veröffentlicht werden können. Bei 11 liegt die Zahl
der abgegebenen Urteile über 10, bei weiteren 11 zwischen 5 und 10.