Aller guten Dinge sind drei

EditorialPierre C. Meier über die Wahlen und das Kreativ-Ranking in dieser Ausgabe.

Pierre C. Meier über die Wahlen und das Kreativ-Ranking in dieser Ausgabe.Die Wahl des Werbers des Jahres steht vor
der Türe. Das Wahlgremium, bestehend aus ehemaligen Werbern und
Werberinnen des Jahres, hat sechs Persönlichkeiten der Schweizer
Werbeszene ausgewählt und zur Wahl vorgeschlagen.

Die Abonnenten und Abonnentinnen der Werbewoche werden nun aus den
sechs Nominierten den Werber des Jahres 2006 küren. Dazu erhalten sie
noch diese Woche das entsprechende Wahlformular. Am 18. Januar wird
einer aus der Runde der Kandidaten im Zürcher Kaufleuten den begehrten
Egon im Empfang nehmen können. Wer sich Chancen auf die Auszeichnung
Werber des Jahres 2006 machen kann, lesen Sie auf Seite 15.

Die Redaktion der Werbewoche hat zehn Werbekampagnen ausgewählt. Es
sind alles Kampagnen, die in diesem Jahr zumindest sprachregional
erschienen sind und einen bedeutenden Werbedruck aufwiesen. Die
Leserinnen und Leser der Werbewoche sowie der Fernsehzeitschrift TVStar
können aus diesen zehn Kampagnen die Werbekampagne des Jahres 2005
wählen. Der Gewinner wird ebenfalls am 18. Januar im Rahmen der
Egon-Verleihung ausgezeichnet. Um welche zehn Kampagnen es sich
handelt, erfahren Sie auf Seite 14.

Nachdem die internationalen Agenturen auf Grund des Sarbanes-Oxley-Act
keine Billing- oder Revenue-Zahlen mehr veröffentlichen dürfen, steigt
die Bedeutung des Kreativ-Rankings, das die Werbewoche jeweils gegen
Ende Jahr veröffentlicht. Das ist gut so, denn beim Kreativ-Ranking
steht nicht die Grösse der Agentur im Vordergrund, sondern deren
kreative Leistung, die im Rahmen von nationalen und internationalen
Wettbewerben ausgezeichnet wurde. Die Auswahl der Wettbewerbe und deren
entsprechende Gewichtung erfolgte, wie schon letztes Jahr, in
Zusammenarbeit mit einer Delegation des Art Director Club der Schweiz.
Das Top Ten Ranking finden Sie auf Seite 18.

Pierre C. Meier, Chefredaktor

Viele wollen DAB – doch: Wer soll das bezahlen?

Digitalradio Deutschschweizer Privatradios sind an DAB-Digitalradio interessiert, wie das Bakom abgeklärt hat. Die Finanzierung ist allerdings offen.

Digitalradio Deutschschweizer Privatradios sind an DAB-Digitalradio interessiert, wie das Bakom abgeklärt hat. Die Finanzierung ist allerdings offen. Optimistisch geschätzt, könnte das erste
Privatradio in rund zwei Jahren digital «on air» gehen. René Wehrlin
von der Abteilung Radio und Fernsehen beim Bakom gibt zu verstehen,
dass dieser Fahrplan jedoch nur dann einzuhalten ist, wenn die Frage
der Finanzierung geklärt sei. Bei der vom Bakom jüngst durchgeführten
Bedürfnisabklärung nach DAB-Digitalradio blieben Fragen nach dem Geld
ausgespart. Hundert Akteure der schweizerischen Radioszene waren
eingeladen, grundsätzlich Stellung zu nehmen zum weiteren Vorgehen in
Sachen DAB. Zur Diskussion steht der Aufbau einer zweiten Senderkette
in der Deutschschweiz unter Beteiligung der Privatradios. Der erste so
genannte Multiplex befindet sich seit 1999 im Regelbetrieb und ist
ausschliesslich mit Sendern der SRG SSR belegt.
47 der angeschriebenen Adressaten haben zu den Fragen des Bakom
Stellung genommen, 53 verzichteten darauf. Das sei keine schlechte
Rücklaufquote, interpretiert René Wehrlin, der für die Umfrage
zuständig ist: «Stellvertretend für zahlreiche Radios haben Verbände
Stellung genommen.» Wichtigstes Ergebnis: 84 Prozent oder 40 der 47
Radioakteure, die den Fragebogen des Bakom ausgefüllt haben, zeigen
Interesse an der Nutzung einer zweiten digitalen Senderkette in der
Deutschschweiz.
Diese Zustimmung darf vorerst nur als Lippenbekenntnis betrachtet
werden. Zu gross sind die Fragezeichen für den weiteren Ausbau von DAB
in der Schweiz – und zwar nicht nur was die Finanzierung angeht. «Bevor
die regionale Rundfunkkonferenz der ITU im nächsten Mai über die Bühne
ist, kann nicht wirklich weitergeplant werden», erklärt Wehrlin. In
Genf werden mehr als hundert Staaten um die (Neu-)-verteilung von
Frequenzen ringen, der Ausgang der Konferenz entscheidet unter anderem
darüber, in welchem Mass überhaupt die erforderlichen Ressourcen für
den DAB-Ausbau frei werden. Zudem zeigt sich eine Mehrheit der
Befragten primär an neuen Spartenprogrammen sowie an
programmbegleitenden Inhalten interessiert, ähnlich, wie das heute
bereits mit der Titelanzeige möglich ist.

Hoffen auf Finanzierungshilfe
Wann diese Wünsche Wirklichkeit werden, kann heute niemand sagen. Doch:
«Wir werden um die Digitalisierung nicht herumkommen», erklärt René
Wehrlin vom Bakom. Gleich tönt es bei den Privatradios. Martin Muerner,
Programmleiter von Radio Beo in Interlaken und Vizepräsident vom
Verband Schweizer Privatradios (VSP), findet auch, dass an der
Digitalisierung kein Weg vorbeiführt: «Wir haben aber von Anfang an
gesagt, dass wir die Digitalisierung nicht selber finanzieren können.»
Das kommt auch in den Antworten zur DAB-Umfrage zum Ausdruck. «Zu hohe
Kosten für Private» sieht ein Grossteil der Befragten als «Einfluss,
der den Markterfolg von DAB gefährden könnte.»
Nun setzt der VSP Hoffnungen in das neue Radio- und Fernsehgesetz, das
unter bestimmten Voraussetzungen eine Unterstützung der Investitionen
in neue Technologien durch Gebührengelder vorsieht. Noch ist das Gesetz
nicht unter Dach und Fach, doch Muerner gibt sich zuversichtlich, dass
dieser Technologieförderungsbeitrag die letzte Hürde schaffen wird.
«Wenn die Finanzierung dem Markt alleine überlassen wird, verstösst
dies gegen den Grundsatz des neuen Gesetzes, wonach es in der Schweiz
eine föderalistische Radiolandschaft mit einer starken SRG und
regionalen Service-public-Veranstaltern geben soll.»
Auch beim Bakom vertritt man die Meinung, dass ein Teil der
Gebührengelder in den Aufbau der neuen digitalen Sender gesteckt werden
soll. «Wir sind uns der Problematik bewusst und suchen nun nach
Modellen, die zumindest eine Einstiegsfinanzierung für das neue
Sendernetz ermöglichen sollen, etwa über das Gebührensplitting»,
erklärt René Wehrlin. Im Rahmen der Ausschreibung des zweiten
DAB-Multiplex erwartet das Bakom aber auch entsprechende Vorschläge der
Veranstalter, beispielsweise indem sie sich zu einer
Betriebsgesellschaft zusammenschliessen. Einen ersten Schritt in diese
Richtung haben Tamedia, der Vermarkter Radiotele und die SRG mit einem
gemeinsamen «Letter of Intent» gemacht. Auf der Basis dieser
gemeinsamen Absichtserklärung soll dereinst ein Konsortium zum Aufbau
und zur Vermarktung von Digitalradio entstehen.

 Nick Lüthi

Leseratten ins Gesicht geschaut

Medien Das Magazin des Tamedia-Verlags hat seine Literatur-Aktion. Die nötige Lesehilfe leistet eine Kampagne von Ruf Lanz.

Medien Das Magazin des Tamedia-Verlags hat seine Literatur-Aktion. Die nötige Lesehilfe leistet eine Kampagne von Ruf Lanz.Falls es ein Erfolgsrezept des Magazins
gäbe, dann sei es die Überraschung, sagte dessen Chefredaktor Res
Strehle kürzlich in einem Werbewoche-
Interview. Darunter dürfte die am
vergangenen Wochenende lancierte Magazin-
Edition mit «20 der schönsten
Bücher des 20. Jahrhunderts» kaum fallen. Zwar sind solche
Nebengeschäftsmodelle in der Schweizer Medienlandschaft eine neuere
Erscheinung – Blick landete aber schon im Januar einen Erfolg mit
seiner CD-Aktion als erste Zeitung. Seit langem generieren
Verlagshäuser in Italien und seit 2004 auch in Deutschland
(SüddeutscheZeitung-Bibliothek) erkleckliche Zusatzerlöse mit dem
Verkauf von auflagestarken und günstigen Produkten.

Fokus Schweizer Literatur
Nun also auch die Wochenendbeilage des Tages-Anzeigers, der Basler
Zeitung und der Berner Zeitung. Das Überraschungselement blieb aber
nicht aus. Die 20-bändige Reihe hat nämlich nicht weltberühmte
Klassiker zum Inhalt, sondern Schweizer Literatur. Und erst noch von
Autoren und Autorinnen, die nicht einmal dem deutschen Literaturpapst
Marcel Reich-Ranicki gängig sind. «Ich kenne ja die meisten Bücher
nicht, die Sie da in dieser Reihe rausbringen», sagte er dem
stellvertretenden Magazin-Chefredaktor Peer Teuwsen in einem Interview,
das die Einführung des literarischen Kanons begleitete. Für das
ambitionierte Projekt, das laut Projektleiter Claudius Wirz mindestens
Break-even erreichen soll, wurde denn auch keineswegs gekleckert: Zur
Einstimmung erhielten 150000 Abonnenten der SonntagsZeitung einen
Gratisband in den Briefkasten gelegt. Als strategisches Ziel habe man
mit diesem Projekt nicht nur den Zusatzertrag ins Auge gefasst, denn
wie viel nach den sehr hohen Initiierungskosten übrig bleibe, sei im
Vergleich zu den erhofften Erfahrungswerten nebenrangig. Erst mit
weiteren Anschlussprojekten – auch für andere Tamedia-Titel – rechne
man dann mit ergiebigen Gewinnen, so Wirz. Als oberstes Ziel betrachte
man aber, dass die Buchreihe das Magazin bei einer Literatur- und
leseaffinen Zielgruppe noch stärker verankert.

Ins Bild des grossen Versuchsballons passt nicht nur die mit einem
siebenstelligen Frankenbetrag veranschlagte Werbe- und Mediapower, die
wohl noch nie für eine Schweizer Buchreihe eingesetzt wurde. Auch die
Werbekampagne – nicht von Magazin-Hausagentur McCann Erickson – aus der
Feder von Ruf Lanz reiht sich in dieses Projekt bestens ein: Im
Zeitalter der Achtelseiteninserate sind Printkampagnen wie die für die
Magazin-Buchreihe mit ihren beiden hintereinander geschalteten
Doppelseiten eine Aufsehen erregende Rarität.

Bücher mit Magazin verlinkt
Unkonventionell ist nebst dem medialen Gewicht auch die Werbeidee.
Anders als bei vergleichbaren Projekten, bei denen das Aktionsprodukt
beworben wurde, hat hier das CD-Duo Danielle Lanz und Markus Ruf die
Bücher mit dem Magazin verlinkt und sie mit einer sympathischen Portion
Selbstironie in Szene gesetzt. Augenzwinkernd demonstriert die vorerst
mit zehn Motiven geplante Anzeigenreihe einen ganz besonderen
Produktnutzen. Dass man künftig endlich wieder etwas mehr vom Partner
sieht, weil sich die Leseratten nach der Magazin- der Buchlektüre
widmen. Und da die Bände ein kleineres Format haben als die
Wochenendbeilage, wird man immerhin wieder die Augen des Gegenübers
sehen.

Smart an den Umsetzungen, die von Magazin-Fotografen wie Dan Cermak,
Tom Haller oder Christian Grund abgelichtet wurden, sind einerseits der
wiedererkennbare und dokumentarische Magazin-Fotostil und andererseits
die verschiedenen Locations, in denen Details unaufdringliche
Assoziationen an das gerade beworbene Werk wecken. So zum Beispiel die
Messer in der WG-Küche für Friedrich Glausers Kriminalroman «Matto
regiert» oder das puffige Ambiente der Zürcher Tina-Bar für Alice
Rivaz’ «Schlaflose Nacht». Weitere Sujets mit weiteren Fotografen sind
in Vorbereitung, weiss AD Katja Puccio zu erzählen.

Das erste Kapitel der Kampagne beinhaltet Anzeigen, Beilagen,
Kioskplakate und POS-Massnahmen für den Buchhandel. Tamedias
elektronische Medien könnten für eine der vier Staffeln auch noch zum
Zug kommen, hält sich Markus Ruf über die weiteren Massnahmen bedeckt.
Auskunftsfreudiger ist er höchstens noch, wenn es um seinen Schweizer
Lieblingsautor Markus Werner geht. Ansonsten sei er auf eher unbekannte
Namen wie Gertrud Leutenegger gespannt, «das macht neugierig auf die
Lektüre».

Luca Aloisi

Nachfolger für Beat Mühlemann gesucht

Die Jury der ehemaligen Preisträger hat sechs Vorschläge für den Werber des Jahres 2006 gemacht.

Schon bald läuft die Amtszeit Beat
Mühlemanns als Werber des Jahres ab. Wem der Migros-Werbeleiter den
Thron räumen muss, entscheiden die Abonnentinnen und Abonnenten der
Werbewoche. Die Jury der ehemaligen Preisträger hat wie jedes Jahr
sechs unverbindliche Vorschläge gemacht. Nach dem letztjährigen Sieg
eines Auftraggebers finden sich heuer ausschliesslich (männliche)
Werber auf der Shortlist. Darunter ein früherer Werber des Jahres, ein
Rekord-Nominierter und ein veritabler Überraschungskandidat. Wen die
Crème der Branche als die herausragenden Köpfe dieses Jahres
betrachtet, lesen Sie in der Werbewoche vom 8. Dezember 2005.
Kein Abo? Einzelausgaben der Werbewoche können per E-Mail bei Ginette
Peter () bestellt werden (CHF 8.00+MwSt./Porto).

Mehr Pilatus für LZ Medien

Lokalradios Coop ist beim Luzerner Radio Pilatus ausgestiegen, weshalb ihr Anteil (10 Prozent) auf die andern Aktionäre verteilt wurde.

Radiobeteiligungen Coop ist beim Luzerner
Radio Pilatus ausgestiegen, weshalb ihr Anteil (10 Prozent) auf die
andern Aktionäre verteilt wurde. Den grössten Brocken holte sich die LZ
Medien, die um 5,1 Prozent auf 41,5 Prozent aufstockte. Die grösste
Pilatus-Aktionärin stellt mit Erwin Bachmann den VR-Vizepräsidenten.
Präsidiert wird Pilatus jedoch von Leo Fischer, der neu 17,3 Prozent
hält. Die Migros hat neu 11,3 Prozent, die Luzerner Kantonalbank 11,7
Prozent. Ringier verzichtete auf weitere Zukäufe und bleibt bei 18,2
Prozent.
Die LZ Medien ist auch beim Zuger Radio Sunshine, wo sie 16 Prozent
hält, an einem Ausbau interessiert. So hat sie mitofferiert, als
Mehrheitsaktionär Markus Ruoss zu Kauf- oder Kooperationsangeboten
aufrief. Bis zum Abschluss des RTVG hat Ruoss diese Angelegenheit
allerdings auf Eis gelegt. Schliesslich hält die LZ Medien noch 6,5
Prozent bei TeleTell. (mk)

O Tannenbaum, wie schön sind deine Sprünge

Versicherungen Wirz Werbung hat für die Mobiliar einen Tannenbaum entsorgt. Und zwar absolut filmgerecht.

Versicherungen Wirz Werbung hat für die Mobiliar einen Tannenbaum entsorgt. Und zwar absolut filmgerecht.«Etwas vom Besten, was einem Texter oder
AD in seiner Karriere passieren kann, ist, an der Mobiliar-Kampagne
mitzuarbeiten», meint CD Matthias Freuler bei Wirz Werbung. Nur wenig
andere Kampagnen in der Schweiz sind so beliebt und bekannt. Dazu
bieten die witzigen Schadenprotokolle kreativ gesehen eine Spielwiese
völlig ohne Einschränkungen. Wo immer sich die Fantasie einen
verblüffenden, tragisch-komischen oder auch undenkbaren Schaden
ausdenken könnte, gibt es auch das passende Schadenprotokoll dazu.
Allerdings ist es auch etwas vom Schwierigsten, hier immer wieder aufs
Neue originell zu sein. Die Schadenprotokolle gehen bereits ins achte
Jahr. «Man könnte ein Buch mit allen unseren Ideen füllen», rechnet
Freuler. Bei bisher rund 100 publizierten Protokollen finden sich
zusammen mit den aus irgendeinem Grund einmal verworfenen Ideen
mindestens 300 Cartoons.

«Zehn neue witzige Ideen zu kreieren, wenn bereits über 100 lustige
Sujets erschienen sind, bringen nur Kreative fertig, die sich mit Leib
und Seele einer Kampagne verschrieben haben», meint Marco Fioroni,
Leiter Werbung und Sponsoring der Mobiliar. Natürlich zeigt er sich mit
der neuen Ausbeute einmal mehr zufrieden. Die Sujets spielen mit
allerlei Schaden rund um die kalte Jahreszeit. Die Plakate und Anzeigen
dramatisieren, worauf man sich im Winter alles gefasst machen sollte.
Im Zürcher Hauptbahnhof wird eines der Motive auch in einer fixen
Installation als Rollplakat gezeigt.

Passend zur Jahreszeit hat Wirz Werbung für die Mobiliar jetzt auch
einen Weihnachtsfilm realisiert. Dies ist der erste Film für die
Mobiliar, der einen starken saisonalen Aktualitätsbezug aufweist. «Mit
den relativ kostengünstig produzierten Zeichnungen kann schnell auf
tagesaktuelle Ereignisse reagiert werden. Schwieriger ist es beim
Film», meint Freuler. Umso mehr freut sich Wirz Werbung, dass jetzt die
erste gefilmte «Schadenskizze» zeitlich genau abgestimmt auf
Weihnachten mit einem witzigen Sujet rund um die «Gefahrenzone
Christbaum» ausgestrahlt werden kann. Der humoristische Spot
thematisiert eine Schweizer (Un-)Sitte: den nachweihnachtlichen Wurf
des Christbaums aus dem Stubenfenster. Die Folgen sind in diesem Fall
ziemlich überraschend – nicht zuletzt für den Schadenverursacher, der
im Gegensatz zu den TV-Zuschauern nie erfahren wird, wie sein Baum in
der Stube des Nachbarn landen konnte.

Das Wirz-Team um AD Andrea Reinhart, Konzepter Thomas Kurzmeyer und CD
Matthias Freuler ging mit dem Anspruch ans Werk, eine trotz des
bekannten Grundkonzepts nicht voraussehbare Handlung zu inszenieren.
Erwartungen werden falsch befriedigt. Dass der Gag gelungen ist, liegt
nicht zuletzt auch an der einfallsreichen Regiearbeit von Altmeister
Ernst Wirz und Producer Stefan Fraefel.

Ein Trampolineffekt lässt den Christbaum wieder hochschnellen, wenn er
auf das Blachendach eines genau zum falschen Moment vorbeifahrenden
Cabrios fällt. Dann springt der Baum mit lautem Fensterklirren wieder
nach oben in eine Wohnung im zweiten Stock. Beim Realisieren dieser
Szene haben die Filmer den Baum an ein Gummiseil wie beim Bungeejumping
gebunden. «Wer den Film gesehen hat, kann nicht mehr – ohne sich dabei
etwas zu denken – seinen Christbaum aus dem Fenster schmeissen», hofft
die Mobiliar.

Andreas Panzeri

Unikat wirbt für Tagiplus

Die Kampagne für das Werbekombi startet noch im Dezember klassisch und below the line.

Unikat ist von Tamedia und der Publicitas
Winterthur mit dem Werbebudget von Tagiplus beauftragt worden. Die neue
Anzeigenkombination wird vom Tages-Anzeiger, dem Landboten und der
Thurgauer Zeitung per 1. Januar 2006 lanciert. Die Kampagne von Unikat
soll laut einer Mitteilung noch im Dezember auf der klassischen Ebene
und below the line lanciert werden und wird daher auch bald in der
Fachpresse zu sehen sein.

Am Anfang war das Z

Versicherungen Den Turnaround hat sie geschafft, nun will Zurich Financial Services zur Top-of-Mind-Versicherung avancieren. Eine Brand-Kampagne von Publicis soll den Weg dahin ebnen.

Versicherungen I Den Turnaround hat sie
geschafft, nun will Zurich Financial Services zur
Top-of-Mind-Versicherung avancieren. Eine Brand-Kampagne von Publicis soll den Weg dahin ebnen.
Die Marke Zurich aufbauen ist ein
dynamischer Prozess und nicht ein Ereignis. Das sagte E. Randall
Clouser, Group Chief Marketing Officer und Head of Global
Communications beim Versicherungskonzern, anlässlich der Bekanntgabe
der neuen Kampagne – angesichts des Budgets eine ziemliche
Tiefstapelei. Denn in Bezug auf das Budget hat diese – zumindest für
Schweizer Verhältnisse – eine grosse Bedeutung, soll doch der Etat bei
der neuen Leadagentur Publicis in Zürich laut CCO Markus Gut mit jenem
der UBS vergleichbar sein. Dem trug er Rechnung und spannte für den
kreativen Entwicklungsprozess gleich zwei international arrivierte CDs
ein – Sacha Moser und Tim Hoppin.

Einheitliches Markenerlebnis
Ausgehend von den relativ tiefen Werten in Bekanntheit und Markenimage
in den Schlüsselmärkten und der von CEO James J. Schiro angepeilten
One-Brand-Strategie entwickelten die Kreativen ein
Kommunikationskonzept, das die Marke wieder klar von der Konkurrenz
abhebt. Dabei wird die Zurich als Versicherung positioniert, die aktiv
die zukünftigen Chancen und Risiken jedes Kunden, von der Privatperson
über den Kleinbetrieb bis zum globalen Konzern, einschätzt und die
passenden Lösungen bietet. Aufmerksamkeitsstark kommt dieses
Markenversprechen im Claim «Because change happenz» mit dem Logo-Z der
Zurich in allen Umsetzungen zum Einsatz. Und diese – zwei einminütige
TV-Spots, elf grossformatige Anzeigesujets, Plakate und Online – lassen
sich sehen: Wie in einem Spielberg-Film entführen die Spots den
Zuschauer in die unmittelbare Zukunft, in der heutige Prototypen
bereits Kassenschlager sind (B-to-B), Senioren auf Snowboards virtuos
die Hänge hinunterfahren (B-to-C) und Autofahrer dank eines
mitsteuernden Antikollisionssystems absolut sorgenfrei durch den
chaotischen Verkehr kommen. Für die Dreharbeiten in Los Angeles,
Shanghai, Prag und den Schweizer Alpen konnte das CD-Duo neben den
Regieassen Oskar Homedal und Henry Moore Selder auch den Kameramann
John Mathieson gewinnen, der sich in der Branche durch seine Arbeit in
Ridley Scotts «Gladiator» einen Namen gemacht hat.

Die Printumsetzungen kommen mit weniger visionären Bildern, dafür mit
einer für die Branche ungewöhnlichen Portion Humor daher. Die in Szene
gesetzten Motive – von der fehlgeleiteten Kunstinvestition bis hin zum
Marsfahrzeug – thematisieren augenzwinkernd Ereignisse, mit denen sich
die Versicherten im privaten wie beruflichen Alltag konfrontiert sehen
könnten. Die Imagekampagne ist letzte Woche in den USA, der Schweiz,
Deutschland und Österreich gestartet. Anfang 2006 sollen die anderen
wichtigen Märkte Grossbritannien, Italien und Spanien folgen.
   

Luca Aloisi

O schöne kleine Schweiz: Der BZ-Preis ging an den Bund 

Medienpreise Die Berner Espace Media hat im Landesmuseum Zürich zum 20. Mal ihre Preise für Lokaljournalismus und Pressefotografie verliehen.

Medienpreise Die Berner Espace Media hat im Landesmuseum Zürich zum 20. Mal ihre Preise für Lokaljournalismus und Pressefotografie verliehen.Obwohl die Feier im Landesmuseum angesetzt
war, «ist der Lokaljournalismus noch nicht museumsreif», meinte Charles
von Graffenried in seiner Rede. Der Verleger und Stiftungspräsident des
BZ-Preises für Lokaljournalismus und des Espace- Media-Preises für
Pressefotografie konnte an einer sehr würdig aufgezogenen Feier 520
Gäste begrüssen, darunter als Gastreferenten auch Bundesrat Christoph
Blocher.
Wie bedeutend das Lokale und damit auch der Regionaljournalismus wieder
geworden sind, analysierte Graffenried in seiner Rede anhand der wie
Pilze aus dem Boden schiessenden Splitausgaben. Lokaljournalismus
vermöge die verloren gegangene Medienvielfalt neu zu beleben. «Eine
Vielfalt der Analysen und unterschiedliche Interpretation der lokalen
Ereignisse sind Bestandteil einer funktionierenden Demokratie», meinte der Verleger.
Redaktionen müssen sich nach der Decke strecken. «Die Subventionen
durch Zürcher Verlage wollen wir aber nicht mehr», meinte Graffenried
in Anspielung an die Beteiligung der NZZ am Bund sowie des
Tages-Anzeigers an der Berner Zeitung. Das Berner Modell mit dem
Zusammengehen von BZ und Bund soll für Graffenried deshalb jetzt «die
Rettung bringen».

Moderne Formen der Information
Für die Zukunft des Lokaljournalismus sieht Graffenried viel mehr
interaktiven Einbezug der Leserschaft. Leserbriefe werden auf grösseres
Interesse stossen. Leser werden aus ihrem direkten Umfeld die
Redaktionen mit Informationen beliefern. Der Redner erwähnte die
Bombenattentate in London, wo die interessantesten Meldungen über SMS
und sogar MMS von Betroffenen aus der U-Bahn direkt an die Medien
geschickt worden sind. Graffenried sieht hier in verschiedenen
Anwendungen in Zukunft «die alternative Öffentlichkeit» mit einer
Lokalzeitung als Mittler.
Beim Wettbewerb der Lokalredaktionen haben sich mit 72 Autoren deutlich
mehr beteiligt als im letzten Jahr. «Man vermisst die herausragenden
Arbeiten. Dafür ist der Durchschnitt besser geworden», meinte zwar die
Jury. Ihr ist auch aufgefallen, dass unter den meisten eingereichten
Beiträgen keine politisch relevanten Artikel mit harter Recherche zu
finden sind. «Es dominieren Soft-Themen» mit Porträts über Aussenseiter
sowie schräge oder liebenswerte Begebenheiten. Trotzdem wollte die Jury
würdigen, «welche tolle Arbeit in meist sehr kleinen Lokalredaktionen»
geleistet werde.
Im Gegensatz zum Vorjahr konnte wieder ein Hauptpreisträger
ausgezeichnet werden. Daniel Di Falco, Der Bund, wurde mit dem
Hauptpreis des BZ-Preises für Lokaljournalismus der deutschsprachigen
Schweiz ausgezeichnet. Sein hervorragend geschriebener und respektvoll
verfasster Beitrag «Ottos Arche ist aus Polyester» erschien im Kleinen
Bund. Der Preisträger sprach sich bei seiner Dankesrede gegen
Sparmassnahmen aus. Fünfmal habe er seinen Protagonisten besuchen
müssen, bis der Text in vorliegender Form möglich war. «Nicht der
Stoff, sondern die Zeit für Qualität wird uns ausgehen», meinte Di
Falco.
«Etwas so vermitteln, dass man es auch lesen will» war für die Jury ein
wichtiges Kriterium. Das funktionierte zum Beispiel bei einer Arbeit
des Redaktorenteams Janine Hosp, Walter Sturzenegger, Hélène Arnet und
Andres Büchi vom Tages-Anzeiger. Für ihre vielseitige und politisch
relevante Pendler-Serie «Was Zürich bewegt», erschienen in fünf Teilen,
erhielten sie den Anerkennungspreis.
Die Hauptpreisträgerin des BZ-Preises für Lokaljournalismus der
französischen Schweiz ist Isabelle Graber vom Journal de Jura. Mit
ihrer fein nuancierten und vielseitigen Artikelserie «Les orphelins de
Courtelary» hat sie ansonsten sprachlose Waisenkinder zum Reden
gebracht. Mit einem zweiten Preis wurde Nic Ulmi von der Tribune de
Genève ausgezeichnet, der mit einer lesernahen und begeisternden
Reportagen-Serie über das Leben und die Menschen der Stadt Genf
berichtete.

Swiss Press Photo 2005
Das «Swiss Press Photo» des Jahres 2005 zeigt ein friedliches Bild des
landesweiten Blackouts anlässlich der SBB-Strompanne vom 22. Juni. Der
Keystone-Fotograf Laurent Gilliéron hielt die Momente dieser
unfreiwilligen Auszeit mit der Kamera fest. Das «Bild des Jahres» und
Siegerbild der Kategorie «Aktualität» erschien unter anderem in der NZZ
und im Tages-Anzeiger.
In der Kategorie «Alltag und Umwelt» gewann Olivier Vogelsang aus Genf,
dessen Bildserie «Gletscherdecke bei Andermatt» in der Tribune de
Genève erschien. In der Kategorie «Porträt» ging der Preis an Monika
Flückiger von Keystone. Ihre Bilder zeigen den Besuch von Bundesrätin
Micheline Calmy-Rey auf dem Tempelberg in Jerusalem. In der Kategorie
«Sport» gewann Andreas Blatter von der Berner Zeitung BZ. Sein Bild
hält den Jubel des FC Thun über dessen Einzug in die Champions League
fest. Die Kategorie «Kunst und Kultur» wurde von Gaëtan Bally,
Keystone, für seine Reportage über die SBB-Bahnhofsbeleuchtung
gewonnen. In der Kategorie «Ausland» gewann der freie Winterthurer
Fotograf Manuel Bauer mit einer Bildreportage über den Dalai Lama.
Die Jury bewertete in diesem Jahr ingesamt 1408 Bildeinsendungen. Die
besten Bilder von Swiss Press Photo erscheinen seit neun Jahren jeweils
in einem Katalog. Die Ausgabe 2005 zählt 128 Seiten und ist ab 5.
Dezember im Buchhandel und bei grösseren Kiosken erhältlich. Zudem ist
heuer ein grosser Jubiläumsband «The Eye of Switzerland. 15 Years of
Swiss Press Photo» gestaltet worden.
Die aktuellen Bilder sind noch bis zum 19. Februar 2006 im Landesmuseum
ausgestellt unter dem Titel «Das Auge der Schweiz». Die
Wanderausstellung «Swiss Press Photo 05» wird auch am Salon du Livre
Genf (27.4. – 1.5.06) und anschliessend im Politforum Käfigturm Bern
(Mai/Juni 2006) zu sehen sein.

Die Rede
Bodenständiges Realitätsverständnis forderte Bundesrat Christoph
Blocher in seiner Laudatio beim Wettbewerb des Lokaljournalismus. Als
Titel für sein Plädoyer nahm er Augsteins (Spiegel) Forderung
«Schreiben Sie, was ist!».

Der Journalist soll keine Wertung vornehmen, wünschte sich Blocher. Die
Journalisten sollen aber ohne Hemmungen alles aufzeigen, was in unserer
Welt nicht stimmt. Dann werde das Volk schon werten.

Sein Vorbild für guten Journalismus hat Blocher in Albert Anker gefunden. Auch dieser habe nur exakt abgebildet, was ist.

Peinlich lange hat die anwesende Elite der Medienwelt der Kopfmassage
von Blocher applaudiert. Man merkte offenbar nicht, dass der raffiniert
formulierte Schmeichel an kritischen Journalismus nur eine Absage an
mitdenkenden Journalismus war.

Schreiben, was ist, hilft Blochers Politik nämlich mehr als das
Schreiben, was sein soll oder könnte. Anerkennung für Lokaljournalismus
zollt Blocher, weil es schwieriger sei, die kleinen Widerwärtigkeiten
zu veröffentlichen als über das grosse Geschehen in der Welt zu
schwadronieren.

Andreas Panzeri

Mühlemann geht – wer folgt?

Award Die Werbewoche-Abonnenten verleihen auch dieses Jahr den begehrten Egon. Einmal mehr stehen nur männliche Anwärter zur Wahl. Nach Auftraggeber Beat Mühlemann (MGB) sind heuer wieder ausschliesslich Werber nominiert.


Award Die Werbewoche-Abonnenten verleihen
auch dieses Jahr den begehrten Egon. Einmal mehr stehen nur männliche
Anwärter zur Wahl. Nach Auftraggeber Beat Mühlemann (MGB) sind heuer
wieder ausschliesslich Werber nominiert.
Frank Bodin
Eigentlich ist von ihm alles bekannt. Als Frank Bodin 1996 als CD an
den Genfersee zu McCann Erickson zog, wurde er belächelt – drei Jahre
später war die bis dato graue Agentur eine der kreativsten und
erfolgreichsten. Als er diese 2001 verliess, um als junger CEO die in
Schräglage geratene Euro RSCG Gruppe mit Agenturen in Zürich, Genf und
Basel auf einen neuen Kurs zu bringen, wurde dem Topkreativen
wirtschaftliches Scheitern prophezeit – inzwischen ist die Agentur mit
über 70 Mitarbeitenden wieder flott unterwegs und weist auch im Jahr
2005 ein enormes Wachstum aus dank Neugeschäftserfolgen wie SBB Cargo,
Stop Aids, Global Asset Management, 20 Minuten, HSG, Riposa, M-Budget
Mobile, Kronenbourg und Michel Fruchtsäfte.
Als der mit über 400 Awards
Dekorierte den ADC kritisierte, wurde er mit anonymen Mails überhäuft –
inzwischen wird mit qualitativen Kriterien juriert. Und wenn er
häufiger von den Medien angefragt wird als andere, wird ihm nicht wenig
Neid und Missgunst zuteil – dabei setzt er sich als Vorstandsmitglied
des IAA sowie der BSW Leading Swiss Agencies für intelligente Werbung
ein, welche die Menschen nicht für dumm verkauft, und er macht Werbung
für das Ansehen der Werbebranche.
Sicherlich ist er deshalb zum siebten
Mal nominiert worden. Und womöglich war ihm aus demselben Grund der
Titel bis jetzt nicht vergönnt.

Es liegt an seiner Bescheidenheit, dass es
nicht alle wissen: Alfi Burkard (68) ist der erfahrenste Kreative der
Schweiz. Dabei ist seine Arbeit von ausserordentlicher Qualität.
Alfi Burkard arbeitete in Topagenturen wie DDB (New York), FCB und BBF
(Stockholm), um schliesslich fester Bestandteil der Geschichte der GGK
Basel zu werden. Er sammelte seine Erfahrungen bei Werbegrössen wie
Bill Bernbach, Helmut Krone, Sam Katz und vertiefte sie in der Schweiz
bei Paul Gredinger, Robert Stalder, Martin Suter, Reinhold Weber und
anderen mehr. Burkard ist Mitglied des ADC Schweden und des ADC
Schweiz, sammelte und sammelt Auszeichnungen, bisher über 250, darunter
Gold, Silber und Bronze in Cannes. Trotz seines Alters ist Burkard
immer noch ein Aktivposten, vom Burn-out weit entfernt und als freier
Art
Director voller Ideen, die sich niemals selbst zitieren.
Im Semester 2004/05 hat Alfi Burkard den Schülern der Kreativschule
erstmals seine Erfahrung vermittelt. Mit Erfolg. Die Schüler waren von
seiner Person ebenso begeistert wie von seinen Lektionen und dem eigens
dafür komponierten Handbuch «Kochen mit Alfi». Mit seinen lebendigen,
klugen und praxisgerechten Lehrstunden hat er neue Massstäbe gesetzt.
Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr, denn neben seiner
reichen Werberkarriere hat Alfi Burkard auch noch Pädagogik,
Psychologie, Soziologie, Philosophie und Statistik an der Universität
Stockholm studiert.

Ihn kennt man, den Creative Director und
Mitinhaber der – gemäss Ranking – kreativsten Werbeagentur der Schweiz
Ruf Lanz. Markus Ruf, Jahrgang 1963, ist einer der herausragenden
Werber der Schweiz. Für seine Verdienste als freier Konzepter wurde er
bereits im Jahr 2000 zum Werber des Jahres gewählt. 2001 gründete
Markus Ruf zusammen mit Danielle Lanz, der Werberin des Jahres 1999,
die Werbeagentur Ruf Lanz. Und bewies, dass er auch unternehmerisch
eine gute Nase hat. Die Agentur wurde innert kurzer Zeit zu einer der
gefragtesten Adressen des Landes und stellt Qualität konsequent vor
Quantität. Zu sehen an den pointierten Kampagnen für Suva, VBZ, NZZ
Folio, McKinsey, Bank Coop, Hotel Dolder Waldhaus und vielen anderen
mehr. Ein Liedchen singen von Rufs Qualitäten können auch die
Bewohnerinnen und Bewohner des Blindenheims Mühlehalde in Zürich: Ihre
Coverversion von Stevie Wonders Welthit «I just called» erhöhte das
Spendenvolumen markant und wurde zum Liebling von Publikum und
Werbejurys. Bis heute hat Markus Ruf über 500 nationale und
internationale Auszeichnungen gewonnen, darunter im Jahr 2005 gleich
drei Löwen in Cannes.

Im April 2004 gründete Uwe Schlupp
zusammen mit Daniel Krieg die Zwei-Mann-Agentur Krieg Schlupp Springer
& Jacoby. Mit Budgetgewinnen und kreativen Highlights für
Auftraggeber wie Maurice Lacroix, MZSG Malik Management Zentrum
St. Gallen, die Tierwelt, Siemens Mobile, die Snowboardfahrschule Laax,
die Bilanz und Viva errang die Agentur schnell erste Achtungserfolge
und wuchs beständig.
Der Gewinn des Coop-Pitches im vergangenen Sommer verhalf der
inzwischen von Uwe Schlupp, Daniel Krieg und Christoph Bürge geführten
Agentur zum definitiven Durchbruch. Im Januar 2006 wird KSSJ bereits 34
Mitarbeitende beschäftigen.
Vor seiner Zeit bei KSSJ arbeitete Uwe Schlupp während seiner
inzwischen zehnjährigen Schweizer Zeit als Art Director und Creative
Director bei den Zürcher Agenturen Publicis und Weber Hodel Schmid. In
gleicher Funktion war Uwe Schlupp zuvor in namhaften Agenturen in
seiner Heimatstadt Düsseldorf tätig.
Uwe Schlupp ist seit 1998 Mitglied des ADC Schweiz und hat schon viele
nationale und internationale Awards gewonnen.Alexander Jaggy (35) startete seine
Karriere 1990 als Texter bei BBDO in Zürich. Weitere Stationen waren
GGK Zürich, Springer & Jacoby in Hamburg, Jung von Matt in Hamburg
sowie Springer & Jacoby International in London. Nach sieben Jahren
im Ausland kehrte er 2001 für den Start von Jung von Matt/Limmat nach
Zürich zurück.
2004 wurde er zum Executive Creative Director ernannt. Unter seiner
Führung entstanden unter anderen Kampagnen für Bluewin, Panasonic,
Julius Bär und SBB. Für Letztere konnte er dieses Jahr beim ADC Schweiz
den Goldwürfel sowie den begehrten Pressepreis entgegennehmen. Erstmals
in der Firmengeschichte schaffte seine Agentur 2004 im Kreativ-Ranking
den Sprung auf Rang 3. Auch im Neugeschäft war JvM/Limmat erfolgreich.
In den letzten zwölf Monaten kamen Kunden wie Avia, Interpharma/VIPS,
BMW und Mini, Bucherer und Rivella international dazu.
Mit seiner Werbung hat Jaggy weit über 200 nationale und internationale
Preise gewonnen. Seit 2004 ist er Mitglied im ADC Schweiz und im ADC
Deutschland, seit 2005 Member des englischen D&AD. Im September
wurde er in den Schulrat der ADC/BSW-Kreativschule gewählt. Ab 2006
wird er Teilhaber von JvM/Limmat. Jaggy ist verheiratet und hat zwei
Kinder.

Markus Gut ist Geschäftsführer Kreation
von Publicis, der grössten Schweizer Werbeagentur, und als Chief
Creative Officer auch Mitglied des Verwaltungsrates der Publicis Gruppe
Schweiz.
Nach dem Phil.-I-Studium und einer Ausbildung zum Grafiker führte ihn
seine Laufbahn über renommierte Werbeagenturen zu Publicis. Unter der
Leitung von Markus Gut ist es Publicis gelungen, sich einen permanenten
Spitzenplatz bei den Kreativ-Rankings der Schweizer Agenturen zu
sichern und bei der Zusammenführung der Publicis Gruppe Schweiz die
Verpflichtung zu Topleistungen hochzuhalten. In seinem Portefeuille
finden sich zahlreiche Kampagnen, die Werbegeschichte geschrieben
haben, etwa der blaue NZZ-Bleistift, Angie Becker für APG oder der
weltweite UBS-Auftritt.
Als einer der meistausgezeichneten Kreativen der Schweiz ist er
Vorstandsmitglied des ADC, Dozent an Fachschulen und immer wieder Juror
bei Kreativfestivals im In- und Ausland. Zudem ist er Member des
12-köpfigen Creative Board von Publicis Worldwide.
Dass kreative Stärke den wirtschaftlichen Erfolg einer Agentur
bestimmt, zeigt Gut immer wieder mit dem Gewinn von wichtigen
Werbebudgets, in letzter Zeit etwa Rivella oder Odlo, sowie neuen
Mandaten von UBS und Nestlé.
Markus Gut ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und schätzt auch
privat das Erstklassige. Sei es ein Tropfen aus dem familieneigenen
Weingut im Tessin oder ein Single Malt der schottischen Distillery Isle
of Arran, an der er beteiligt ist.

Mutige Entscheide

Gastkommentar Die Generation Golf rückt als Chefredaktoren nach. Ihre Ausgangslage ist ideal, weil ideologisch unbelastet, meint Res Strehle.

Gastkommentar Die Generation Golf rückt als
Chefredaktoren nach. Ihre Ausgangslage ist ideal, weil ideologisch
unbelastet, meint Res Strehle.
Nachdem man in der Schweiz früher erst in
jenem Alter Chefredaktor wurde, in dem man in China ins ZK der Partei
berufen wird, senken drei Ernennungen von Schweizer Tageszeitungen in
diesen Tagen das Durchschnittsalter der Schweizer Chefredaktoren ab
2006 markant. Bei der NZZ wird Markus Spillmann (38) auf Hugo Bütler
folgen, bei der Berner Zeitung lösen Michael Hug (41) und Markus
Eisenhut (43) Andreas Z’Graggen ab. Zwei mutige Entscheide, die zeigen,
dass die Verleger – eine gleich bleibende Amtszeit der neu Ernannten
wie ihrer Vorgänger vorausgesetzt – zumindest für die nächsten ein,
zwei Jahrzehnte an die Zukunft ihrer Printmedien glauben.

Die designierten Chefredaktoren sind, um mit Florian Ilies zu sprechen,
Vertreter der Generation Golf. Zu jung, um 68er oder Anti-68er zu sein,
ideologisch unbelastet und damit in idealer Ausgangslage  
für Kommentare jeglicher Art. Sie werden auf aktuelle Themen nicht mit
ideologischem Reflex reagieren, sondern für die eine oder andere
überraschende Meinungsäusserung gut sein. Die Tatsache, dass Markus
Spillmann im Unterschied zu seinen Vorgängern nicht Mitglied der
freisinnigen Partei ist, spricht für seine Unabhängigkeit. Auch in
Sachen Irakkrieg hat sich der designierte NZZ-Chefredaktor nicht von
der Ideologie leiten lassen, sondern von den Fakten.

Ein gutes Zeichen für Unabhängigkeit ist auch, dass die drei nicht aus
dem innersten Zirkel der Macht kommen, sondern aus der Diaspora:
Spillmann aus der NZZ am Sonntag, Hug aus dem Solothurner Tagblatt, dem
Aussen-posten der Berner Zeitung in Solothurn, Eisenhut hatte 20
Minuten redaktionell verantwortet, bevor der Titel von Tamedia
übernommen wurde. Alle drei haben einen guten Job gemacht und gelten
als kommunikativ. Wenn sie irgendwo noch zulegen können, dann in Sachen
Meinungsstärke. Die Generation Golf ist auf hohem Niveau meinungslos,
die drei neuen Chefredaktoren dürften aber, um den Schriftsteller
Markus Werner zu zitieren, in ihrem Amt durchaus spielerisch die eine
oder andere Meinung herauspurzeln lassen.

Die neuen Ernennungen haben den Vorteil, dass künftig nicht mehr über
das Alter von Chefredaktoren diskutiert werden muss. Es wird wie
überall im Leben Alt und Jung nebeneinander geben, und weil im
Unterschied zu Fussballern abnehmende Schnelligkeit in den
Redaktionsstuben weniger stark ins Gewicht fällt als auf dem Rasen und
im Unterschied zu Zootieren der Attraktivitätsfaktor des Nachwuchses
weniger ins Gewicht fällt, wird künftig weder das eine noch das andere
zum Nachteil gereichen. Vielleicht kommt im Alter ja ein bisschen
Weisheit dazu. Und die Chefredaktorenkonferenz muss nicht mehr gleich
damit rechnen, dass ein Mitglied, kaum eingetreten, zwangsweise oder
freiwillig frühpensioniert wird.

Res Strehle ist Chefredaktor von Das Magazin und Präsident der Chefredaktorenkonferenz.

Das Glück ist so nah

Aufgefallen Erst jetzt schwenken die Kreativen auf eine neue, interessante Zielgruppe für die Prozessorindustrie ein.

Prozessoren Erst jetzt schwenken die Kreativen auf eine neue, interessante
Zielgruppe ein. Die der allein stehenden, kapriziösen Frauen zwischen
45 und 65, die im Auto zu Celine Dion summen, Salat nur mit
Traubenkernöl und Zitronensaft essen, dreimal täglich ihrer Frisur
neues Volumen gönnen und launenhaft wie das Wetter in England sind.
Kurz: sämtliche Marotten und Warzen eines unbefriedigenden, aber wohl
situierten Lebens in der Stadt entwickelt haben. Dass auch sie ihre
sündigen Träume haben, wussten wir schon lange, und dass sie sich diese
in der Karibik erfüllen, ebenfalls.
All das und noch viel mehr können sie mit einem Centrino-gerüsteten
Gerät günstiger, immer und hautnah erleben, wie die Anzeige uns sagen
will. Zum Beispiel in Form eines Seal: Notebook auf dem Schoss
aufklappen, ein paar Tastengriffe, Return und schon kann der hardest
working Schmusesänger im Showbiz aus vollen Lungensäcken lossoulen und
angeschmachtet werden. Also wenn das kein einleuchtender USP ist und
grosses Identifikations- und Käuferinnenpotenzial hat! (la)
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