Nicht junge Wilde, aber Wilde

Awards Nur gerade vier Schweizer Agenturen haben seit 1991 die Auszeichnung «Newcomer-Agentur des Jahres» erhalten: Als fünfte wurde heuer KSSJ gewählt.

Awards Nur gerade vier Schweizer Agenturen haben seit 1991 die Auszeichnung «Newcomer-Agentur des Jahres» erhalten: Als fünfte wurde heuer KSSJ in die Hall of Fame gewählt.Im ruhigen Zürcher Aussenquartier
Wollishofen, eingezwängt zwischen Seestrasse und Bahnlinie, in einem
wuchtigen, fast 100-jährigen Gebäude hat sie ihren Sitz – die 2004
gegründete Agentur Krieg Schlupp Springer & Jacoby oder einfacher
KSSJ. Hier hecken seit gut eineinhalb Jahren gewiefte
Kommunikationsstrategen in nüchtern eingerichteten Grossraumbüros
Werbekonzepte aus, die man zu den kreativsten der Schweiz zählen darf.
Steckten anfangs noch die beiden Gründer ihre Köpfe zusammen, so sind
dies nach rund 20 Monaten bereits 35, die ihr Know-how für klingende
Marken wie die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG Schweiz, die
Beratungsorganisation Malik Management Zentrum St. Gallen oder den
Detailhändler Coop einsetzen: Die kurze Historie der
Kommunikationsagentur ist bereits eine eindrückliche unternehmerische
Erfolgsgeschichte.

Nicht Tochter, sondern Partner
Wer nun glaubt, dass sich Springer & Jacoby (S&J), die
kreativste Werbeagentur Deutschlands 2005 (W&V, 50/51, 2005), auch
mit Hilfe
der Zürcher Agentur leichter aus der wirtschaftlichen Bredouille
befreit, täuscht sich über die tatsächlichen Besitzverhältnisse. Denn
das deutsche Netzwerk war bei der Gründung am 1. April 2004 lediglich
mit einer Minderheitsbeteiligung von zehn Prozent und dem Goodwill in
Form des Start-up-Coaches Thomas Löw eingestiegen. Als Aufbauhelfer und
Geschäftsführer Beratung heuerte der Managing Director von S&J für
einige Monate befristet bei KSSJ in Zürich an. Bei KSSJ handelt es sich
also um eine inhabergeführte Schweizer Agentur, die zu 90 Prozent den
beiden Gründern und kreativen Köpfen Daniel Krieg und Uwe Schlupp sowie
dem Geschäftspartner Beratung Christoph Bürge gehört. Also keine
Filiale, sondern eine Partneragentur. Mit Elan ist es ihnen gelungen,
in nur 20 Monaten das Honorarvolumen
von rund drei Millionen Franken im ersten auf gegen zehn Millionen
Franken im laufenden Geschäftsjahr zu verdreifachen. Gemäss
inoffiziellem Agentur-Ranking zählt KSSJ  damit bereits zu den 15
grössten Agenturen der Schweiz.

Aber darum gehe es ihnen nicht, meint Daniel Krieg. Was er mit KSSJ
erreichen will, lässt sich nicht quantifizieren und messen. Dafür in
der Markenbibel «Let’s rock» mit den Markenwerten von KSSJ nachlesen:
«Wir stehen jeden Morgen auf, um gute Werbung zu machen. Damit wir
stolz sein können auf unsere Arbeit. Und damit unsere Kunden Werbung
bekommen, die ihnen wirklich weiterhilft und Mehrwert bringt.» Und auch
die Herleitung bleibt uns das Inhabertrio nicht schuldig: Schliesslich
sei Werbung wie Sex. Wenn gut, gut. Wenn schlecht, dann eben schlecht.

Wie Berserker losgelegt
Nur: Bekannt für kreative Werbekonzepte waren alle drei, lange bevor
sie sich selbstständig gemacht haben. Insgesamt sind die beiden
Kreativen Krieg und Schlupp mit über 400 nationalen und internationalen
Awards dekoriert und schon in diverse Award-Jurys berufen worden. Und
Christoph Bürge hatte als strategischer Planer schon für verschiedene
Auftraggeber die Markenpersönlichkeiten ihrer Produkte erfolgreich
geformt. Es drängt sich deshalb die Frage auf: Weshalb haben sie
ausgerechnet in der schweren Krise der Schweizer Werbebranche ihre
komfortablen Positionen bei den bekannten Agenturen Publicis und Matter
& Partner aufgegeben, um sich auf eine Firmengründung einzulassen?
Der Weggang von ihren ehemaligen Arbeitgebern habe nichts mit diesen zu tun, sondern mit der beruflichen
Standortbestimmung und der Selbstfrage: «Wohin jetzt?», versichert Uwe
Schlupp.

Auf diese Frage habe es für sie, die alle Chargen und Chancen in
verschiedenen führenden Agenturen wahrnehmen durften und die noch neue
Ziele erreichen wollten, nur eine Antwort gegeben: die
Selbstständigkeit. «Eine Rezession ist doch ideal für einen Start-up.
Da macht man sich gleich von Beginn weg keine Illusionen. Und wenn sich
dann der Markt erholt, umso besser», drückt sich der studierte
Betriebswirtschafter Daniel Krieg populärwissenschaftlich über das
antizyklische Verhalten aus. «Mittelfristig hatten wir keine Angst,
weil wir Kontakte und Opportunities hatten. Zudem haben wir wie die
Berserker losgelegt», blickt Krieg zurück. Bereits nach sechs Wochen
sei mehr Geld herein- als hinausgeflossen.

Auch wenn die beiden Gründer aus der kreativen Ecke stammen und
beteuern, sie wären auch heute noch keine Verwalter oder Buchhalter,
ihr Masterplan hatte von Beginn weg die Züge einer Outperformance. In
ihrem straffen Geschäftsplan waren die Ziele wie optimales
Kundenportfolio, ideale Belegschaftsgrösse für eine
Full-Service-Agentur oder Rentabilitätsgrenze genauso festgelegt wie
die möglichen Rettungswege – für den Fall, dass das Projekt trotz der
Must-Win-Deals gescheitert wäre. Doch die einzelnen Stationen beim
Unternehmensaufbau erreichten sie praktisch immer vor dem ohnehin
ambitiösen Zeitplan.

Zum Erfolgsrezept kommt auch die stimmende Chemie zwischen den
Geschäftsleitern, weil sie sich perfekt ergänzen. Jeder von ihnen sei
in allen betrieblichen Funktionsfeldern sattelfest. Doch wenn es nach
den jeweiligen Vorlieben gehe, dann sei Uwe Schlupp AD, Texter und
Berater, Daniel Krieg Texter, Berater und AD und Christoph Bürge
Berater, Texter und AD. «The perfect match also», spasst Krieg. So
unterschiedlich die drei Chefs sind – Krieg, die Zicke mit Herz,
Schlupp, der Schlagfertige mit Charme und Bürge, der Vielseitige mit
Humor –, so gut passen sie charakterlich und geistig als Team zusammen.

Dass die Kombinationsformel stimmt, stellten Krieg und Schlupp schon
1996 fest, als sich ihre Wege bei der damals erfolgreichsten Schweizer
Agentur Weber Hodel Schmid in Zürich (Newcomer-Agentur 1992) erstmals
kreuzten. Als Daniel Krieg als Texter/Konzepter bei WHS einstieg,
konnte er auf eine abwechslungsreiche Karriere zurückblicken:
BWL-Studium an der Uni St. Gallen, Anstellungen bei Philips, Credit
Suisse und dem Wirtschaftsblatt Cash sowie selbstständiger
Generalimporteur von zwei Sportfashion-Marken. 30-jährig und mit einem
grossen Wissens- und Erfahrungsrucksack startete er seine Laufbahn in
der Werbung bei der GGK Zürich. Von dort an wechselte er im
Zweijahresrhythmus – zu Farner Publicis FCB, zu WHS und zuletzt 1998
wieder zu Publicis, wo er als Texter/Konzepter und Creative Director
und erneut mit Uwe Schlupp als AD und CD die kreativen Stricke in die
Hand nehmen konnte. Letzterer war 1989 mit seinem Studienabschluss als
Diplom-Designer direkt von der Fachhochschule Düsseldorf in die Werbung
eingetreten und blieb ihr seither treu. Seiner nahen Heimat dagegen
nicht. Denn als WHS ihn nach Zürich lockte, wurde er schon nach zwei
Jahren mit der Geschäftsführung und kreativen Direktion bei der WHS
Smart Factory für sein Können belohnt.

Behäbige Branche wachgerüttelt
Der Dritte im Bunde, der diplomierte Werbeleiter Christoph Bürge, ist
zwar der Jüngste, doch mit bald zwei Jahrzehnten im Werbegeschäft der
Dienstälteste. Entsprechend weit hat ihn seine Agenturentournee
gebracht. Sein Handwerk lernte er in Zürich, Hamburg und als Account
Director bei Ammirati Puris Lintas selbst in Shanghai. Und das Mitte
der 90er-Jahre, als China in Sachen Marketingkommunikation noch als
Entwicklungsland galt.

Bevor Bürge und die KSSJ-Gründer sich gefunden haben, gingen mehrere
Treffen über die Bühne. Beide Seiten wollten sicher sein, dass sie auch
wirklich gleich ticken und prüften intensiv ihre Ziele,
Geschäftsführungsmethoden und Fähigkeiten auf Deckungsgleichheit. Wie
sich bald herausstellte, waren nicht nur die Vorstellungen darüber
kongruent. Auch für den potenziellen Key-Account Coop, an dessen
mehrstufigem Pitch sich KSSJ gegen etablierte Grossagenturen
durchsetzte, wuchs mit der sich anbahnenden Agenturkonstellation ein
Dreamteam heran. Während Krieg und Schlupp den Grossverteiler mit ihrem
Kreativkonzept zu überzeugen vermochten, wartete Bürge mit seinem
Wissen und  Verständnis über Detailhandel auf, das er sich in drei
Jahren bei der AY&R-Retailagentur Exxtra für die Marktleaderin
Migros angeeignet hatte.

Mit dem Gewinn des Gesamtetats im Juni 2005 landete die junge
Werbefirma volumenmässig einen der grössten Coups der Schweizer
Werbegeschichte. Immerhin konzentriert Coop als Schweizer Nummer zwei
bei den Werbeausgaben (gut 250 Millionen Franken) erstmals alle
relevanten Werbemassnahmen bei einer Agentur. Machte KSSJ vor dem
Gewinn des Werbekolosses höchstens mit guten Arbeiten von sich reden,
hatte sich das nun schlagartig geändert. In der Agentur sah man nun
plötzlich eine sehr ernst zu nehmende Konkurrentin – gerade auch bei
Pitches um grössere Kunden.

Einzigartigkeit für alle Kunden
Was für die Agentur ein Quantensprung war, zeichnet sich inzwischen
auch für Coop als eine markante und nachhaltige Vitalisierung der Marke
ab. Zu Jahresbeginn startete die Imageauffrischung mit dem völlig neuen
Markenauftritt und -Claim in einer gross angelegten TV-, Print- und
Posterkampagne. Die neue Kommunikationsplattform «Für mich und dich»
soll laut Jürg Peritz, Coops Leiter der Direktion
Marketing/Beschaffung, die einzigartige Angebotsvielfalt als zentrales
Versprechen vermitteln. Formatübergreifend und über die ganze
Angebotsleistung wird dieses in einer sympathischen
Coop-Welt-Atmosphäre inszeniert und dramatisiert. Kurzum: Die neue
Coop-Kampagne sagt künftig mit jedem Stück Werbung, dass Coop alles für
alle hat. Dazu liessen die Kreativen von KSSJ fürs Erste den
Coop-Kunden in die Hauptrolle schlüpfen. In mehreren witzigen
Werbespots und Anzeigenmotiven soll mit Alltagsszenen und einer grossen
Portion Charme, Emotion und Cleverness der normale Einkauf zum Erlebnis
und Coop zum «King of hearts» gemacht werden. Der neue Auftritt
integriert praktisch alle Werbekanäle bis hinunter zu den kleinsten
POS-Tools und umfasst alle Ladenkategorien vom Megastore über die Bau-
und Hobby-Märkte bis hin zu den Tankstellenshops.

Unkonventionell bedienen die Kreativen von der Seestrasse 367 auch
Kunde Siemens Mobile Phones. Crossmedial und abverkaufsstark lancierten
sie mit einer ironischen, angeteaserten Gender-Kampagne die Modelle M75
speziell für Männer und das CL75 speziell für Frauen. Am parallel dazu
durchgeführten Wettbewerb nahmen mehrere Tausend mit eigenen Sprüchen
teil, bevor die grosse Leserschaft der Pendlerzeitung 20 Minuten zehn
Gewinner bestimmte. Zum krönenden Abschluss gab das Motiv mit den bösen
Männer- und Frauensprüchen wieder viel zu reden und vor allem zu lachen.

Doch nicht nur Auftraggeber mit Renommee und entsprechendem Geldbeutel
dürfen bei KSSJ mit einzigartigen und effizienten Werbekonzepten
rechnen. Im Kundenportfolio finden sich auch «Kleinkunden» wie der VZF
Verein Zürich für den Film. Mit einer Kampagne, die auch in den Medien
eine breite Resonanz fand, konnte die aufstrebende Agentur allen
Filmschaffenden zum Gewinn einer eminent wichtigen Volksabstimmung
verhelfen. Ein weiteres Beispiel: Für die Snowboardfahrschule Laax
kreieren Krieg und Schlupp seit WHS-Zeiten die Werbeauftritte. «Das
sind unsere Freunde, die Spass haben an verrückter Werbung, die via PR
das Mediageld vervielfacht», sagt Daniel Krieg.

Arriviert, aber nicht am Ziel
Obschon sehr verschieden, tragen alle Kampagnen einen KSSJ-Stempel, der
sie aussergewöhnlich macht. Nur mit einzigartiger Werbung seien
einzigartige Resultate möglich, ist man bei der Agentur überzeugt.
Dieses zentrale Kundenversprechen löst KSSJ mit ihrem Arbeits- und
Managementprinzip ein, das an die Agenturphilosophie von
Springer&Jacoby anlehnt. Beschreiben lasse sich das Wertemodell mit
acht Buchstaben: 4 e und 4 K. Erstere reflektieren ihre Arbeit:
einfach, exakt, einfallsreich und einzigartig. «So denken, arbeiten und
sind wir. Egal, ob in der Kreation, in der Beratung oder in den
Services», erklärt Krieg. Nachhaltiger und langfristiger Erfolg hänge
von den 4 K – Kunde, Kreation, Kultur und Kasse – ab. Deshalb sind sie
bestrebt, diese immer auf hohem Niveau und in einem dynamischen
Gleichgewicht zu halten.

Stimmt eine Komponente nicht, leidet das ganze System. Mit welcher
Konsequenz sie sich daran halten? «Was wir denken, sagen wir auch. Was
wir sagen, tun wir auch. Was wir tun, tun wir schnell», heisst es in
der Agenturbibel unter dem Stichwort Haltung. In ihrer «emotionalen
Bindung an das S&J-Netzwerk» sieht sich KSSJ wohl gerade wegen
ihrer strikten Einhaltung der Normen bestätigt. Der Erfolg beweist,
dass das ein guter Entscheid war.

Auf die Frage, wie es bei der Agentur weitergehen soll, scheint auch
Klarheit zu herrschen: Genauso wie bisher. So bereiten sie sich derzeit
auf drei weitere Pitches vor, zu denen sie von den jeweiligen
Aufsichtsräten eingeladen worden sind. KSSJ hat sich zum Ziel gesetzt,
in allen Bewertungslisten der Branche auf die vordersten Plätze zu
kommen und nicht mehr als die «jungen Wilden» wahrgenommen zu werden,
sondern nur noch als «die Wilden». Das kreative Potenzial ist
vorhanden. Um es auszuschöpfen, kämen verschiedene Traumkunden in
Frage, meint Christoph Bürge: «Wir können uns eine Automarke genauso
gut vorstellen wie ein Verlagsprodukt, eine Bank oder eine
Versicherung.»

Luca Aloisi

Vom Wert der Dinge

Partys Eine absolute Rarität bietet ein Unbekannter auf eBay an: ein Original-ADC-Fest-Ticket 2006.


Partys Eine absolute Rarität bietet ein
Unbekannter bis 27. Januar auf eBay an: ein Original-ADC-
Fest-Ticket
2006. Der Startpreis von einem Franken lag zwar 249 Franken unter dem
offiziellen Preis. Da der Anlass aber bereits ausverkauft ist, könnte
er noch ein wenig klettern. Die Frage ist, um wie viel noch? Wie viel
ist das Dinner im exklusiven Kreis tatsächlich wert? Vor
Redaktionsschluss war der Höchstbietende «Schmetterling 004». Ob der
Geheimagent aus dem Reich der Insekten mit 56 Franken den Zuschlag
erhält und ans grosse Kreativfest fliegen darf oder ob er bei Biene
Maya, Willi und Flip bleiben muss, weil sich das ADC von Butterfliegen
nicht blamieren lässt, ist die andere Frage. Um sachdienliche Hinweise
wird gebeten.

Wettbewerb für Werbetreibende der Engadiner Post

Die Engadiner Post, Generalanzeiger für das Engadin mit einer Auflage von 9100 Exemplaren hat einen Wettbewerb für Werber durchgeführt.

Die Engadiner Post, Generalanzeiger für
das Engadin mit einer Auflage von 9100 Exemplaren hat sich etwas
Besonderes einfallen lassen und zusammen mit der Publicitas St. Moritz
einen Wettbewerb für Werber, Mediaverantwortliche und Auftraggeber
durchgeführt. Auf einer Doppelseite der Zeitung wurde St. Moritz
vorgestellt und zur Teilnahme am Wettbewerb animiert. Laut
Publicitas-Verantwortlichem Peter Zimmerli war der Rücklauf mit über 10
Prozent doppelt so hoch wie erwartet. Den Gewinnern, die heute
orientiert wurden, winkt ein VIP Wochenende in St. Moritz.

Schlechte Forschung

Gastkommentar Silvio Lebrument misstraut der Radioforschung, weil diese nicht nur die Berggebiete krass benachteiligt.

Gastkommentar Silvio Lebrument misstraut der Radioforschung, weil diese nicht nur die Berggebiete krass benachteiligt.Revolutionieren wollte Radiocontrol die
Zuhörerforschung. Und dies hat Radiocontrol geschafft. Unsicherheit,
Argumentations- und Kommunikationsnotstand herrscht bei den
Forschenden. Anfragen werden kaum beantwortet. Lösungsansätze werden
versprochen und wieder verworfen. Geradestehen will niemand.
Die Parameter bei Radiocontrol wurden vor gut zwei Jahren «angepasst».
Bei mindestens einem Radio gab es auch danach von einem zum anderen
Jahr Abweichungen von über 25 Prozent bei den Hörerzahlen. Doch das
betroffene Radio hatte weder sein Programm umgestellt noch sein
Verbreitungsgebiet verkleinert. Auch hat es laut Radiocontrol kaum
einheimische Hörer verloren. Nur die Auswärtigen schienen sich in Luft
aufgelöst zu haben. In einem anderen Fall schossen die Zahlen zunächst
in die Höhe, halbierten sich aber innerhalb von zwei Jahren wieder.
Auch hier wurde nicht Free-Jazz ins Programm aufgenommen, und es wurde
kein Konkurrent aufgeschaltet.

Die Forscher machen einen schlechten Job. Sie erweisen Radiomachern,
Werbetreibenden und Werbekunden einen Bärendienst. Wie sollen
Radiomacher ohne verlässliche Daten ihr Programm verbessern? Wie soll
verkauft werden, wenn keine Beständigkeit der Forschung besteht? Hier
hat die Forschung direkte finanzielle Auswirkungen. So werden Erlöse
aus nationalen Pools nach der Leistung verteilt. Die Messung der
Leistung basiert bekanntlich auf Radiocontrol-Zahlen.
Da stellen sich einige Fragen: Ist Radiocontrol für einige Gebiete
zumindest schlecht vorbereitet worden? Technisch sei Radiocontrol in
Ordnung, wurde wiederholt versichert. Taugt das System am Ende nur für
grossflächige, städtische Regionen? Wurden den Beteiligten falsche
Versprechungen gemacht?

Problematisch ist, die Forschung in den Händen der SRG zu wissen. Sie
könnte, theoretisch über die Daten aller Konkurrenten verfügen und sich
damit einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Umgekehrt
besteht diese Möglichkeit nicht. So existieren Radios, die über ihre
direkten Konkurrenten aus diesem Hause wenig bis nichts in Erfahrung
bringen können. Eines scheint festzustehen. Die Forschung benachteiligt
Radios in Berggebieten krass. Die Unbeständigkeit der Daten spricht
dafür.
Um in der Forschung Klarheit zu schaffen, legt das neue RTVG gute
Grundlagen. Mit den gegenwärtigen offenen Fragen werden sich aber auch
die Schiedsgerichte und die Wettbewerbskommission auseinander setzen
müssen.

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Silvio Lebrument ist Geschäftsführer der Südostschweiz Radio/TV AG

Cookmania made in Sweden

Möbelmarkt Im schrumpfenden Küchen- Einrichtungsmarkt gewinnt Ikea Anteile. Unikat liefert das Werberezept dazu.

Möbelmarkt Im schrumpfenden Küchen- Einrichtungsmarkt
gewinnt Ikea Anteile. Unikat liefert das
Werberezept dazu. Smörebröd ist angesagt: Noch bevor der
einstige Leader unter den Möbelhäusern, Möbel Pfister, sich mit «neuem»
Namen und Auftritt Publicity verschafft, tritt Ikea als klare Nummer
eins ins Rampenlicht und bestimmt das Thema: Mit einer mehrschichtigen
und -kanaligen Kampagne, die Unikat als
Head-Agentur konzipiert hat, will der schwedische Einrichter sein
Küchensortiment in einem schwierigen Markt, weil vor allem von
Generalunternehmungen statt von den Endkonsumenten bestimmt, stärker
positionieren.

So viel Kochen war noch nie
Ein Blick in die Kioske, Bücherläden und TV-Sender ganz Europas genügt,
um zu erkennen, dass die Möbelhauskette mit ihrem Fokus den Zeitgeist
wieder genau trifft. Ikea, die laut Marketingleiter Carlos Friedrich
ihre Restaurants erfolgreich als Marketing-Tool zur Traffic-Generierung
(2005: 8,7 Mio. Ladenbesuche) einsetzen, muss das ja wissen. Noch nie
wurden so viele Kochbücher, -sendungen und -magazine publiziert wie
heute. Und so wie sich Sternekoch Horst Petermann, «Räpzept»-Verfasser
Ivo Adam oder Blitzkoch Jamie Oliver zu Homestory-Lieferanten
emporgekocht haben, ist der Austausch von Kochtipps heutzutage keine
weibliche Domäne mehr. «Die Liebe zum Kochen scheint auch hier zu Lande
unbegrenzt», sagt Unikat-Mitinhaber und Managin Director Jan Maurer.

Mit derselben Hingabe konnte sich seine Agentur dank des signalroten
Kochhandschuhs als Key Visual für alle Werbemassnahmen im Pitch
durchsetzen. «Der Kochhandschuh als Werbeplattform bietet nicht nur ein
grosses Assoziationsfeld, sondern hat in seiner Form und Farbe eine
Stopperwirkung», erklärt Agenturmitinhaber und CD Daniel Meier.
Und beide Komponenten waren gefragt, denn Ikea richtet auf der
allgemeinen Kochwelle mit grosser Kelle an: Katalog,
Promotions-Infofolder, DVD mit Küchenträumen, Online-Software für die
CAD-Planung zu Hause unter der eigens dafür eingerichteten Site
Liebensiekochen.ch, Inserate, Plakate, POS-Mittel und ein witziger
TV-Spot mit Teaser und täglich wechselnden Aktionsspots. Auch der
obligate und PR-trächtige Event fehlt nicht. Alleine dieser wird in
aller Munde sein. Dafür sorgten an zwei Tagen die Ikea-Küchen, die in
den sieben frequenzstärksten Bahnhöfen der Schweiz die Passanten
bekochten.

Anhand der rasanten Übernacht-Montage bringt das Unternehmen gleich
zwei Botschaften «life» unter einen Pfannendeckel: Einerseits
vermitteln die Events die hohe Qualität, das leicht veränderbare Design
der Kücheneinrichtungen und die Breite des Kochutensiliensortiments.
Andererseits wurde mit den häufig geänderten Küchenfronten auf das
Serviceangebot «Rent a Handy Man» hingewiesen. «Neu, aber mit der
bekannten Kostentransparenz, kann der Kunde entscheiden, ob er wie
bisher selbst Hand anlegen will oder die Lieferung, Montage und
Installation Ikeas Handwerkerprofis überlassen will», erklärt Carlos
Friedrich.

Doch zurück zum TV-Spot, der auch wegen des herunterladbaren
Ohrenwurm-Soundtracks einen starken Eindruck hinterlässt. In neun
unterschiedlichen Settings – vom Boxring bis zum OP – wird die Liebe
zum Kochen auf recht grotesker Art mit dem roten Kochhandschuh
dramatisiert. Dabei haben die Kreativen mit fingierten Senderlogos und
anderen Mitteln allen Takes einen authentischen Charakter verliehen.
  
 

Luca Aloisi

Le Matin Bleu in welschen Bahnhöfen

Pendlerzeitungen Le Matin Bleu war bisher nur auf Grund einer Sondergenehmigung in den Westschweizer Bahnhöfen präsent. Jetzt hat die SBB Boxenstandorte in rund 40 Bahnhöfen definitiv bewilligt.

Pendlerzeitungen Le Matin Bleu, die erste
Gratiszeitung in der Westschweiz und Schwesterblatt der Bezahlzeitung
Le Matin aus dem Hause Edipresse, war bisher nur auf Grund einer
Sondergenehmigung in den wichtigsten Westschweizer Bahnhöfen präsent.
Dies ändert sich nun ab kommender Woche, da die SBB Boxenstandorte in
rund 40 westschweizer Bahnhöfen definitiv bewilligt hat. Le Matin Bleu
wird in rund 150 Boxen aufliegen.
Das Pendlerblatt wurde am 31. Oktober 2005 lanciert, nachdem ein Joint
Venture zwischen Herausgeberin Edipresse und Tamedia zur Lancierung
eines gemeinsamen Gratistitels gescheitert waren. Le Matin Bleu hat
gegenwärtig eine Auflage von 100 000 Exemplaren und erreicht etwa
doppelt so viele Leserinnen und Leser in der Westschweiz. Le Matin Bleu
wird über 400 Zeitungskästen in Bahnhöfen, an Bus- und Tramstationen
verteilt. Dem Vernehmen nach hat auch das Gratiszeitungsprojekt 20
Minutes aus dem Hause Tamedia die Bewilligung von den SBB erhalten.
Damit ergibt sich in der Westschweiz eine Konkurrenzsituation, Boxe
neben Boxe, wie einst zwischen 20 Minuten und dem eingestellten
Metropol. (rw)

Neues Modell für Luzerner Wirtschaftsförderung

Mit der neuen Organisation und Struktur sollen die bestehenden Ressourcen konzentriert werden.

Die Wirtschaftsförderung Luzern wird als
Public Private Partnership organisiert. Sie nimmt im April 2006 ihre
Arbeit auf, wie die Staatskanzlei Luzern mitteilte. Mit der neuen
Organisation und Struktur sollen die bestehenden Ressourcen
konzentriert werden, was einen einheitlichen Auftritt mit der Marke
Luzern und eine deutliche Verstärkung der Marktpräsenz ermögliche.
Aufgabe der Wirtschaftsförderung ist es, zu einem nachhaltigen
Wirtschaftswachstum im Kanton Luzern beizutragen. Der Kanton Luzern
soll als Wohnstandort für Gutverdienende gestärkt und bestehende
Motoren gefördert werden, vor allem im Bereich der High-Tech-Industrie,
des Tourismus, der Health-Services, des Transports und der Logistik.
Die Dienstleistung ist auf das ganze Kantonsgebiet ausgerichtet.
Finanziert wird die Wirtschaftsförderung zu 50 % vom Kanton, zu 30 %
von den Gemeinden und zu 20 % von der Wirtschaft. Budgetiert ist ein
Jahresaufwand von 1.5 Mio. Franken.

Entscheidungsträger vertrauen guten Bekannten

Rund um den Globus lassen sich Entscheidungsträger am liebsten von Menschen beraten, die sie gut kennen.

Rund um den Globus lassen sich
Entscheidungsträger am liebsten von Menschen beraten, die sie gut
kennen. Das zeigt das ‚Trust-Barometer‘ der weltweit tätigen PR-Agentur
Edelman. Wie W&V berichtet, geniessen ‚Menschen wie Du und ich‘
inzwischen das meiste Vertrauen – mehr als Ärzte und Wissenschaftler,
die bislang immer den Spitzenwert erzielten. Die Glaubwürdigkeit von
Pressesprechern wird von der Mehrzahl der Meinungsführer in Frage
gestellt. Auch das Vertrauen in Regierungen, Unternehmen und Medien hat
weiter abgenommen. Nichtstaatliche Organisationen bilden hingegen
mittlerweile die vertrauenswürdigste Institution. Befragt wurden 1’950
Meinungsführer in Europa, Amerika und Asien.

Basler Zeitung mit neuer Dienstleistung

Dem vorherrschenden Trend des Abbaus von Dokumentationen setzt die Basler Zeitung ein Gegengewicht entgegen: Sie erweitert das Dienstleistungsangebot ihrer Dokumentation.

Dem vorherrschenden Trend des Abbaus von
Dokumentationen setzt die Basler Zeitung ein Gegengewicht entgegen: Sie
erweitert das Dienstleistungsangbot ihrer Dokumentation. Die
Kompetenzen in Recherche und Beratung von zwei Profidokumentalisten
stehen neu auch gegen Entgelt der Öffentlichkeit zur Verfügung. Damit
biete erstmals eine Tageszeitung eines ihrer Kernpotenziale einer breiteren
Öffentlichkeit an, schreibt die Basler Zeitung.
Das Projekt wurde auf Inititive von Informationsspezialist Ernst Schlumpf
zum Leben erweckt und hat die Zustimmung der Unternehmensleitung
gefunden. „Dokumentationen müssen neue Aufgabenfelder definieren, damit
sie nicht abgeschafft werden“, sagte Schlumpf gegenüber der Werbewoche.
Derzeit sei man damit beschäftigt, die Promotion aufzugleisen und die
Marketingaktivitäten unter einen Hut zu bringen. Der veranschlagte
interne Start der Dienstleistung sei eigentlich der 1. Juni, doch
bereits gelangen einzelne Anfragen an die Dokumentation, so Schlumpf
weiter. Für die Recherchen werden Datenbanken, Internet, Archive,
Bibliotheken, Sammlungen etc. konsultiert, die Preise richten sich nach
dem Schwierigkeitsgrad der Recherche. Für komplexe Recherchen erhält
man einen verbindlichen Kostenvoranschlag.

US-Zeitungsleser gestalten Titelseite

Leser der US-Zeitung Wisconsin State Journal können nun mitbestimmen, welche Artikel auf die Frontseite kommen.

Leser des Wisconsin State Journals, einer
US-Zeitung aus dem Mittleren Westen, können nun mitbestimmen, welche
Artikel auf die Frontseite kommen. Das berichtet die deutsche
Netzeitung. Täglich von 11 bis 16 Uhr kann das Publikum die
Lieblingsgeschichte aus fünf Artikeln auswählen, welche die Redaktion
zuvor online gestellt hat. Sofern am Abend keine Breaking News mehr
eintreffen, sollte es diese Story auf die Titelseite schaffen – die
Redaktion ist allerdings nicht verpflichtet, sich an die Entscheidung
der Leser zu halten. Redaktorin Ellen Foley sagte, dass Interaktivität
in der Zukunft der Printmedien eine wichtige Rolle spiele. Entscheidend
sei, die Einbeziehung der Leser auf glaubwürdige und transparente Weise
abzuwickeln. Chefredakteur Tim Kelley rechnet damit, dass künftig mehr
Sportnachrichten und Kommentare auf der Frontseite stehen könnten. In
einem Testlauf letzte Woche entschied sich die Mehrheit der Leser
tatsächlich für einen Artikel über zwei Football-Spieler der
Universität Wisconsin-Madison, die Marihuana geraucht hatten. Nicht
alle Leser sind begeistert von dieser Trendwende: Wahrscheinlich gäbe
es bald viele Geschichten über Britney Spears und Kevin Federline auf
der Titelseite, mutmasst ein Leser im Onlineforum der Zeitung. Das
Wisconsin State Journals verzeichnet wochentags eine Auflage von 90’000
Exemplaren, die Sonntagsausgabe hat eine Auflage von 147’000 Stück.

Psychologische Kriegsführung

Kolumne Lebt der investigative Journalismus, oder sind die Enthüllungen über US-Foltergefängnisse mit Bedacht gestreute Infos aus dem Pentagon?

Kolumne Lebt der investigative
Journalismus, oder sind die Enthüllungen über US-Foltergefängnisse mit
Bedacht gestreute Infos aus dem Pentagon? Es schmeichelt uns, wenn die Washington
Post geheime CIA-Folterkammern in Europa enthüllt. Es erhöht unser
Selbstwertgefühl, wenn italienische Medien die Verschleppung
Unschuldiger aus unseren Städten an den Tag bringen, britische Kollegen
Transportflüge mit gefesselten, geknebelten, unter Drogen gesetzten
Verdächtigen enttarnen. Wow! sagen wir und halten die Erhellungen für
den Beweis, dass investigativer Journalismus, der totgeglaubte, noch
lebt – mehr: dass er Wirkung zeige.

Die war beträchtlich. Demokraten bringen scharfe Sentenzen über
Menschenrechte zu Gehör. Der Europarat lässt recherchieren. Weil er
wusste, ist Tony Blair wieder einmal «unter Druck». Die Mailänder
Staatsanwaltschaft sucht 22 CIA-Agenten per Haftbefehl – und bekommt
dafür Prügel von Silvio Berlusconi. In Berlin wogen monumentale
Debatten darüber, ob die Sache debattiert werden dürfe. Schwedens
Regierung… Nur der Schweizer Bundesrat weiss von nichts, wartet auf
Beweise, bittet in Washington folgenlos um Aufklärung.
Konsequenterweise richtet Bern seine ganze staatsanwaltschaftliche
Energie auf den unbekannten Enthüller eines Folter-Faxes statt auf die
Menschen- und Völkerrechtsverletzungen der US-Agenten auf unserem
Boden.

So paart sich unter manchen Journalisten, in schöner Fusion, Empörung
mit dem Gefühl, über eine kleine Parzelle Macht zu gebieten, die Macht
des Wortes, der Aufklärung, kurzum: die Macht der vierten Gewalt.
Schön wärs. Wer noch des Zweifels mächtig ist, fragt: Wie kommt es,
dass ausgerechnet die «Post» die Sache ans Licht zerrte? Das Blatt
glänzt eher mit Botmässigkeit denn mit Erhellungen. Kaum eine Lüge der
US-Regierung, die da nicht zur Information umgedichtet wurde. Die
meisten US-Journalisten verstehen sich, wie der Philosoph Alain
Finkielkraut, «als Soldaten der Zivilisation». Daran ändern auch die
rituellen Autoflagellationen der US-Medien nichts. Soldaten gehorchen,
sie fragen nicht.

Was also wäre, wenn die US-Regierung dieses Leck selbst inszeniert
hätte? Derlei fragt man nicht, ohne des Anti-Amerikanismus geziehen zu
werden. Gemach. Die Enthüllung dient Präsident Bushs Zielen. Europa,
das eine eigene Position zu Krieg und Frieden behauptete, ist nun, aus
Sicht der Welt, in die imperialen Schandtaten hineingezogen. Weil die
meisten europäischen Regierungen den «Krieg gegen den Terrorismus»
schweigend billigten, ihre Dienste, auch die schweizerischen,
gelegentlich sogar mitmischten, zwingt die Enthüllung sie nun,
essenzielle Werte der eigenen Gesellschaften umzuschreiben. Folter etwa
wird banalisiert. Seit der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble,
von dem man Besseres erwarten durfte, am Folter-Begriff semantisch bis
zur Unkenntlichkeit schraubte, wird irgendwann auch auf deutschem Boden
genichtfoltert werden. Und wenn Schweizer Dienste in Guantanamo
verhören lassen wollen, obschon sie von der Folter im US-Camp wissen,
stiften sie zur Menschenrechtsverletzung an.

Kriegsherren foltern, auch «zivilisierte». Aber dagegen stand das Recht
– die erklärte Absicht also, die Folter bannen zu wollen, als Akt
zivilisatorischer Selbstzähmung. Manchmal mit Erfolg. Das eigentlich
Entsetzliche an der gegenwärtigen Debatte ist diese langsame Schleifung
dieses Vorsatzes.

Verschwörungstheorie? Ach was. Naiv und arrogant wäre es, den
Amerikanern zu unterstellen, sie hätten die Informationen nicht mit
Bedacht gestreut. Hunderte gescheiter Köpfe im Pentagon, in der CIA, in
Thinktanks beschäftigen sich mit «Psychops» – psychologischer
Kriegsführung. Sie wissen um die Macht über die Köpfe. Vor dem
Marschflugkörper kommt die symbolische Gewalt. Über diese Verheerungen
nachzudenken – das hätte uns Journalisten tatsächlich geschmeichelt.

Oliver Fahrni ist freier Publizist.

Abheben – und die Chancen nutzen

Produktion An einer Kundenveranstaltung von Chromos ging es um grosse, vor allem aber um kleine Höhenflüge.

Produktion An einer Kundenveranstaltung von Chromos ging es um grosse, vor allem aber um kleine Höhenflüge.Während Bertrand Piccards Vorfahren vor
allem durch Unterwasserweltrekorde Bekanntheit erlangten, umkreiste er
zusammen mit Brian Jones als erster Mensch die Erde in einem Ballon.
Wie knapp der Erfolg der Mission schliesslich war und was das Team 1999
riskiert hat, verriet Piccard anlässlich einer Mitte Januar in
Dielsdorf ZH organisierten Kundenveranstaltung von Chromos, einem
Anbieter von Druck- und Verpackungslösungen.
Mit auf den Weg gab Piccard den über 100 Gästen unter anderem, dass man
als Mensch wie auch als grafisches Unternehmen verschiedene Höhenlagen
und Richtungen ausprobieren und sich von Ballast trennen muss, wenn man
erfolgreich andere Regionen erreichen will.

Bodenständiger ging es im Vorfeld zu und her. Rolf Broglie,
Geschäftsführer der Chromos AG und Moderator des Events, hielt fest,
dass zwischen den Beteiligten bei der Produktion von Werbemitteln immer
noch Berührungsängste abgebaut werden müssten und man hie und da
Althergebrachtes über Bord werfen sollte. Um hier anzusetzen, waren zum
einen zwei Produktionerinnen und zum anderen Vertreter von Druckereien
eingeladen, ihre Standpunkte respektive Situation darzulegen.

Die eine und die andere Seite
Verena Buser und Agnes Meier – gestandene
Werbemittelproduktionerinnen mit viel Agenturerfahrung, glauben, dass
man nur «abheben» kann, wenn man sich als Unternehmen attraktiv macht.
Druckereien, die bei Agenturen Aufmerksamkeit erregen wollen, müssen
irgendwo einzigartig sein und sollen in ewas Spezielles investieren –
sonst sind sie austauschbar. Agenturen erwarten, dass Blindmuster
vielleicht einmal unaufgefordert geschickt oder
Verbesserungsvorschläge, Alternativen eingebracht werden. «Die
Druckerei muss auch mal auf eine ausgefallene Idee parieren können»,
fordert Agnes Meier. Verena Buser wünscht sich von den
Drucksacheneinkäufern, dass diese sich nicht nur an die grossen
Agenturen, sondern auch an die vielen kleinen Ateliers wenden.

Dass Druckereien sich an veränderte Gegebenheiten anpassen und auf
Kundenanforderungen ausrichten müssen, ist keine wirklich neue
Erkenntnis. Chromos hat daher auch hier keine Theoretiker eingeladen,
um über Zukunftsmodelle zu diskutieren. Vielmehr zeigten die Firmen
Kyburz AG, Fotorotar AG und Wipf AG am Chromos-Event auf, welche
Strategien sie einsetzen und wie sie sich im harten Wettbewerb
behaupten.
Das Unternehmen von Konrad Kyburz, dem Inhaber einer
Rollenoffsetdruckerei in Dielsdorf, setzt sich täglich dem europäischen
Konkurrenzkampf aus. Doch er hat diese Situation stets als
Herausforderung gesehen und seine Druckerei immer wieder ausgebaut. Die
technischen Möglichkeiten der inzwischen fünf Rotationsanlagen haben
dem Unternehmen Möglichkeiten eröffnet, um im harten Wettbewerb zu
bestehen. «Es ist wichtig, mit der richtigen Ausstattung in der
richtigen Nische zu sein», erklärte Praktiker Kyburz sein
Erfolgskonzept.

Einen anderen strategischen Weg hat Fotorotar eingeschlagen. Wie Jürg
Konrad erklärte, setzt der in Egg ZH ansässige Akzidenzbetrieb vor
allem auf eine Vereinfachung von Prozessen. Das Unternehmen hat früh
erkannt, dass sich Druckdienstleister durch veränderte Ansprüche der
Kunden an veränderte Bedingungen anpassen müssen, um eine Abwanderung
von Kommunikationsaufträgen ins Internet zu verhindern. So sind es
heute insgesamt sechs Segmente, die das Unternehmen bearbeitet. Diese
reichen vom Digitaldruck über den Sicherheitsdruck bis zum Offsetdruck
– von der Herstellung von Fotobüchern bis zu klassischen
Akzidenzdrucksachen. Das Unternehmen hat rechtzeitig erkannt, dass es
verschiedene Kundenbedürfnisse gibt und ist heute in der Lage, diese
ideal zu befriedigen.

Wie Kyburz ist auch Wipf im Kerngeschäft, der Herstellung von flexiblen
Verpackungsmaterialien, dem europäischen Wettbewerb ausgesetzt.
Innovation ist daher gefragt. Hansruedi Schafflützel sieht den
Familienbetrieb heute vor allem als Problemlöser, der alles aus einer
Hand anbietet. Er lässt nicht zu, dass das Unternehmen auf seine
Technik reduziert wird. «Mit dem Kunden Produkte entwickeln, ist unser
Credo», erklärt der Geschäftsführer des Volketswiler Unternehmens. Dass
dazu auch die interne Optimierung sämtlicher Prozesse gehört, um es
auch mit viel grösseren Anbietern aus dem europäischen Umfeld aufnehmen
zu können, erklärt sich von selbst.   

Jürgen Franck

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