Die Adobe-Story oder: What you see is what you get

Publishing Die Übernahme von Macromedia ist die bisherige Krönung von Adobes Erfolgsgeschichte.


Publishing Die Übernahme von Macromedia ist die bisherige Krönung von Adobes Erfolgsgeschichte.
Es war einmal vor langer, langer Zeit in
einem fernen Land. Da wurden von einem Unternehmen ausgewiesene
Wissenschaftler an einem eigens ins Leben gerufenen Forschungszentrum
zusammengebracht und damit beauftragt, sich um den zukünftigen Umgang
mit der Information zu kümmern. Genauer: Sie sollten die «Architektur
der Information» entwickeln, erforschen oder definieren. Schon damals
war wohl abzusehen, dass die Informationsverarbeitung in der Zukunft
eine grosse und zentrale Rolle spielen würde.
Und so wurden, nun etwas präziser, am 1. Juli 1970, das «Xerox Palo
Alto Research Center» – kurz Parc – eröffnet. Die Wissenschaftler
konnten im kalifornischen Palo Alto (die Stadt ist Namensgeber des
Forschungscenters) mit ihrer Arbeit oder ihrem Auftrag beginnen. Ein
erstes Resultat der Forschungsanstrengungen am Parc war der Laserdruck.
Konkret wurde die Möglichkeit geschaffen, mittels Laser
lichtempfindliche Trommeln zu belichten, auf die sich Toner übertragen
lässt, der seinerseits auf einen Bedruckstoff gebracht werden kann.
Damit erklärt sich auch der erste Namensteil des Centers: Das
Unternehmen Xerox hat diese Technologie seither weiterentwickelt und
perfektioniert; doch das ist eine andere Geschichte – und soll ein
anderes Mal erzählt werden.

Geburtsstätte des DTP
1973 wurde am Parc der Computer «Alto» fertig gestellt – und nach und
nach auch die Basis moderner Betriebssysteme: Ein grafisches Interface
(GUI) samt Fenster, Pull-Down-Menus; alles ansteuerbar durch eine
Computermaus, die allerdings als «X-Y-Positions-Anzeiger für ein
Bildschirmsystem» bereits vom Ansatz her erfunden war. Ein Jahr später
wurde eine Technologie entwickelt, die vor allem für die
Satzherstellung beziehungsweise die Druckindustrie später grosse Folgen
haben sollte: Wysiwyg – die Abkürzung für What you see is what you get
–  ermöglichte damals die Darstellung von Schriften, Bildern und
Grafiken in einer Qualität, die (nach heutigen Massstäben nur
annähernd) dem Ausdruck entsprach. Auf eine Aufzählung weiterer
Innovationen soll hier verzichtet werden; sie sind unter www.parc.com
nachzulesen.
Zwei Wissenschaftler des Parc, John Warnock und Chuck Geschke,
arbeiteten dort an einer interpretativen Seitenbeschreibungssprache.
Weil ihnen die Entwicklung am Parc offenbar zuweilen zu langsam
verlief, verliessen sie das Parc und gründeten Ende 1982 das
Unternehmen Adobe (benannt nach einem Bach).
 

Von PostScript bis zu Flash
Die Erfolgsgeschichte von Adobe beginnt dann mit der
Seitenbeschreibungssprache PostScript. Sie ermöglicht die
hochauflösende Ausgabe von Dokumenten auf kompatiblen Druckern und
später auch auf Filmbelichtern. Zur Text-Bild-Integration, der
Zusammenstellung von Bildern, Grafiken und von Text zu Seiten kam die
1985 von Aldus-Gründer Paul Brainerd entwickelte Applikation PageMaker
zum Einsatz. Diese Layout-Applikation ermöglichte erstmals, Bilder, Grafiken und Text
ohne entsprechende Fotosatz- und Bildverarbeitungssysteme zu
produzieren.

Um PostScript baute Adobe ein erfolgreiches Geschäftsmodell, indem das
Unternehmen die Technologie an Hersteller von Belichtern und Rip (das
sind die erforderlichen Arbeitsstationen zum Umrechnen von PostScript
in Ausgabesignale) lizenzierte. Quasi im Gegenzug kaufte Adobe beim
Schriftenhersteller Linotype Know-how und Technologie zur Erzeugung von
hochwertigen (PostScript-)Schriften ein. So war es denn 1985 erstmals
möglich, im DTP-Verfahren, so wird die moderne Text-Bild-Integration
seither genannt, produzierte Seiten auf Film zu belichten, der damals
als Zwischenschritt für die Herstellung von Druckplatten für den
Offsetdruck notwendig war. Film wird auch heute noch verwendet, wenn
auch dessen Bedeutung durch die Direktbebilderung der Druckform (CtP)
abgenommen hat.

Wachstum durch Übernahmen
Doch die Lizenzierung von PostScript und der Vertrieb von Schriften
waren erst der Anfang. Weitere wichtige Meilensteine des
Software-Konzerns waren die Entwicklung wichtiger Applikationen für das
DTP, dem Vektorgrafik-Tool Illustrator (1987) und
Bildbearbeitungsprogramm Photoshop (1990). 1991 kam mit Premiere einer
Videoschnitt-Software hinzu.
In der Folge baute Adobe sein Produktportfolio hauptsächlich durch
Übernahmen aus, um immer komplexere und umfassendere Lösungsangebote
für das Publishing anbieten zu können. So wurden 1994 Aldus (und damit
PageMaker), 1995 Frame Technology (und damit FrameMaker), 1999 GoLive
(und damit die gleichnamige Webpublishing-Software) sowie die in der
grafischen Fachwelt vielleicht etwas weniger bekannten Unternehmen
Fotiva (Bildmanagement), Accelio (serverbasierende Lösungen zur
Herstellung von elektronischen Formularen und zur Verarbeitung der
Formularinhalte) und Yellow Dragon (XML-Spezialist) übernommen.

Entwickler von Schlüsseltechnologien
Neben der für Adobe bis heute strategisch wichtigen Entwicklung von
PostScript hat das Unternehmen weitere Technologien geschaffen
beziehungsweise initiiert oder ist an der Entwicklung solcher
Technologien beteiligt. Die bekannteste ist hier das Dokumentenformat
PDF, das primär dazu gedacht war, digitale Dokumente
plattformübergreifend und originalgetreu verfügbar zu machen. Dies
führte zu einer generellen Flexibilität im Umgang mit digitalen
Dokumenten. Inzwischen wird das PDF-Format auch zur Übermittlung von
Druckvorlagen verwendet (hier zunehmend in Form so genannter
PDF-X-Dokumente).

Daneben etabliert sich die PDF-Technologie zunehmend
als wichtiges Element zur Abwicklung und/oder Dokumentation von
Geschäftsprozessen.
Ein wichtiges Element sind in diesem Zusammenhang die elektronischen
Formulare und die damit mögliche Interaktivität. So lassen sich
papierbasierte Prozesse in die automatisierten Prozesse der
Unternehmens-Software (von SAP, Oracle, IBM usw.) integrieren. In
Verbindung mit speziellen Server-Lösungen können so PDF-Dokumenten
weiter Zugriffsberechtigungen hinterlegt, «Ablaufdaten» definiert,
darin (für den berechtigten Empfänger) Funktionen freigeschaltet werden
und dergleichen mehr. Adobe spricht in diesem Zusammenhang von so
genannten Dokumenten-Lebenszyklen (Document Life Cycle). Auch hier hat
Adobe erst Mitte Januar diesen Jahres sein Portfolio durch die
Übernahme des Produkts FileLine ergänzt. Mit der DRM-Lösung (Digital
Rights Management) FileLine kann Adobe den Leistungsumfang seiner Adobe
LiveCycle Policy Server erweitern, womit sich geschäftskritische
Dokumente im PDF-, Microsoft Office- oder CAD-Format durch Vergabe von
Rechten schützen lassen.

Weiter ist Adobe neben Heidelberger Druckmaschinen, MAN Roland und Agfa
Mitinitiant der so genannten vernetzten Produktion, einem für die
Druckindustrie entwickelten Ansatz, der als Ziel die
computerunterstützte Produktion (CIM) auch in der grafischen Industrie
verfolgt. Als Mitglied des CIP4-Konsortiums, das für die
Weiterentwicklung sorgt, trägt Adobe damit dazu bei, dass sich heute
und in Zukunft Prozesse bei der Abwicklung von Drucksachen vernetzen
lassen, was zu einer optimierten Produktion führt.
Auch was die Integration von Vektorgrafiken in Webpublishingprogramme
zum Darstellen dieser Grafiken im Webbrowser angeht (womit sich dann
zum Beispiel auch statische Stadtpläne vergrössert darstellen lassen),
ist Adobe aktiv. Hier geht es um das Format SVG (Scalable Vector
Graphics), das die XML-Technologie für die Beschreibung grafischer,
zweidimensionaler Objekte nutzt. Die Verantwortung über SVG liegt
jedoch auch hier nicht bei Adobe selbst, sondern beim unabhängigen
W3-Konsortium, das die Webstandards definiert und deren Entwicklung
vorantreibt.
 
Macromedia bringt weitere Technologien und Produkte ein
Mit der Ende letzten Jahres abgeschlossenen Übernahme des
Software-Konzerns Macromedia hat sich Adobe weitere Technologien und
Produkte einverleibt.
Macromedia, 1992 gegründet, ist ebenfalls durch Übernahmen zu einem
führenden Software-Anbieter im Publishing-Umfeld geworden. So wurde die
bekannte Software Freehand – das Konkurrenzprodukt zu Adobes
Illustrator – durch Zukauf von Altsys ins Portfolio aufgenommen.
Altsys und Macromedia waren übrigens die Initianten des so genannten
EPS-Formats, das die Einbindung von Vektorgrafiken in Layout-Dokumente
erst ermöglichte. Somit hat auch Macromedia wichtige Standards im
Publishing-Umfeld erarbeitet respektive geschaffen. Altsys hat des
Weiteren das Vektorgrafikprogramm Freehand entwickelt, das später von
Aldus übernommen wurde. Nach der Übernahme von Aldus durch Adobe ging
Freehand aus kartellrechtlichen Gründen aber an Macromedia – bei der
jetzigen Übernahme muss Adobe indes kein Produkt aufgeben.

Flash, das wohl bekannteste Format von Macromedia samt seiner
gleichnamigen Entwicklerumgebung, wurde von Macromedia «nur»
weiterentwickelt; die Grundlagen legte das Unternehmen FutureWave,
welches vor etwas mehr als zehn Jahren von Macromedia geschluckt wurde.
Gleiches gilt für
die ColdFusion Markup Language (CFML) und das daraus entwickelte
Produkt ColdFusion, das die Entwicklung von komplexen Websites stark
vereinfacht: Erst die Übernahme der Allaire Corp. hat sowohl CFML als
auch ColdFusion unter das Dach von Macromedia gebracht.  

Was bringt die Übernahme?
Die Übernahme von Macromedia ist für die beiden selbst auch durch
Übernahmen gewachsenen Unternehmen wahrscheinlich eine positive
Angelegenheit. Adobe kann durch die zusätzlichen Produkte sowie durch
weitere Schlüsseltechnologien die Reichweite seiner Lösungen erweitern.
Adobe hat nun auch Zugang zu einer erst im dritten Quartal 2005 von
Macromedia initiierten und inzwischen als «Adobe Lab» bezeichneten
Plattform. Das unter http:/labs.adobe.com/ zugängliche «Labor» stellt
Entwicklern und Kunden Produkte und Technologien vor, damit das
Unternehmen aus daraus gewonnenen Erkenntnissen und von entsprechendem
Feedback technisch durchgängige und homogene Applikationen entwickeln
kann. So wird im Adobe Lab seit wenigen Wochen eine Betaversion eines
möglichen, neuen Adobe-Produkts vorgestellt: «Adobe Lightroom» ist eine
speziell für die Bedürfnisse der Fotografen entwickelte Applikation,
mit der sich die Übernahme, Verwaltung, Verarbeitung und Ausgabe
(Slideshow und Print) von digitalen Bildern effizient erledigen lässt.

Ob und in welcher Form und unter welchem Namen die dort vorgestellte
Applikation allerdings auf den Markt kommt, ist bei den im Adobe Lab
vorgestellten Produkten und Technologien noch völlig offen.
Vermutlich wird auf dieser Plattform in Zukunft auch ein derzeit in
Entwicklung befindlicher «universal Client» vorgestellt, der die beiden
Technologien PDF und Flash (zusammen mit HTML, der Basissprache des
Internets) in irgendeiner Form zusammenfassen soll.

Bald alleine auf weiter Flur?
Durch die vielen Übernahmen gehen Adobe langsam die Mitbewerber im
Publishing-Umfeld aus. Die Gefahr des neuen, seit Dezember noch
grösseren Unternehmens Adobe ist nun, dass der Konzern seine
dominierende Position noch weiter ausbauen könnte und damit anderen
Unternehmen und Produkten keine Chancen mehr lässt. Wenn auch die in
letzter Zeit von Adobe geschnürten Pakete wie die «Creative Suite», das
ganz neue «Design Bundle» (entspricht Creative Suite Premium plus
Flash), das «Web Bundle» (entspricht Creative Suite Premium plus den
Macromedia-Applikationen Dreamweaver, Flash Professional, Fireworks, Contribute
und FlashPaper) oder das schon bald erhältliche «Video Bundle» (Inhalt
noch nicht definiert) ideale, äusserst leistungsfähige und insgesamt
gesehen preiswerte Pakete sind, so machen diese Bundles zusätzlich
deutlich, wie schwer es zukünftig andere Anbieter haben werden, dem
Giganten Adobe noch Paroli zu bieten.

Es bleibt abzuwarten, wie sich Apple, Quark und Microsoft mit Adobe
schlagen. Die erwähnte Software Adobe Lightroom steht in direkter
Konkurrenz zur erst kürzlich von Apple lancierten Applikation Aperture.
Hier ist zu vermuten, dass sich die beiden Unternehmen zukünftig noch
stärker konkurrenzieren – wobei Adobe den Vorteil hat, seine Produkte
auf beiden Plattformen (Win/Mac) anbieten zu können. Quark steht in den
Startlöchern mit XPress 7 und will Marktanteile zurückholen, die dem
Unternehmen durch InDesign respektive die Creative Suite verloren
gegangen sind. Spannend wird es, wenn Microsoft sein Betriebssystem
Vista auf den Markt bringt: Vor allem die unter dem Codenamen Metro
entwickelte, XML-basierende Seitenbeschreibungssprache ist ein
Frontalangriff auf Adobes PDF-Format.
Im professionellen Publishing-Bereich – mit Ausnahme des
Seitenlayout-Segments – führt nach der Übernahme von Macromedia an
Adobe nun kein Weg mehr vorbei. So gesehen macht die Übernahme für
Adobe noch viel mehr Sinn, als dies auf den ersten Blick vermuten
lässt.

Jürgen Franck

Pupillenmessung für Transparenz der Medienwirkung

Das Forschungsinstitut des Berliner Beratungsunternehmens Goldmedia hat ein neues biometrisches Verfahren entwickelt. Dabei wird die reale Wirkung von Medien anhand der Pupillenreaktionen gemessen.

Das Forschungsinstitut des Berliner
Beratungsunternehmens Goldmedia hat ein neues biometrisches Verfahren
entwickelt. Dabei wird die reale Wirkung von Medien anhand der
Pupillenreaktionen gemessen. Mental-Workload-Analyzer heisst das
patentierte Instrument, das erstmals Störreize wie Licht definitiv
ausschaltet. Dadurch wird die Grössenveränderung der Pupillen bei
emotionaler und mentaler Reizung ermittelt. Das Verfahren ermöglicht
den Gewinn transparenter Daten über die Produkt- und Medienwirkung
jenseits der Aussagen von Probanden.

Feinstaub zum Geburtstag

Auto Nissan gratuliert der Automobil Revue zum 100-jährigen Bestehen – mit einer Anzeige, die das Kerzenausblasen auf autoaffine Weise dramatisiert.

Auto Die Automobil Revue feiert dieses
Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Eine gute Gelegenheit, um ihr zu
gratulieren und für sich zu werben. Dachte auch Nissan und liess
Hausagentur TBWA, gemäss den kreativen Richtlinien «to thrill and
inspire», ein Inserat entwickeln. «Entstanden ist eine witzige,
originelle und überraschende Anzeige, die das traditionelle
Kerzenausblasen … auf ungewöhnliche und autoaffine Weise dramatisiert»,
so das Communiqué. Gut gibt es Grenzwerte erst für Feinstaub und noch
nicht für Galgenhumor.

Herr Steiner, es ist Zeit!

Kabel-TV Cablecom lässt in der neuen McCann-Erickson-Kampagne die Vorzüge ihres digitalen Fernsehangebots durch Herrn Steiner vorführen.

Kabel-TV Cablecom lässt in der neuen
McCann-Erickson-Kampagne die Vorzüge ihres digitalen Fernsehangebots
durch Herrn Steiner vorführen. Die Schweizer Kabelnetzbetreiberin
Cablecom versorgt mit ihren Partnernetzen rund zwei Millionen oder gut
zwei Drittel aller Haushalte mit einem Anschluss. Im Unterschied zum
analogen liefert das digitale Angebot nebst höherer Bild- und
Tonqualität auch eine grössere Programmvielfalt ins Haus – über 130 TV-
und Radiosender. Fragt sich  nur, wer hier den Überblick behalten
kann und dafür auch noch mehr bezahlen will. Relativ wenige, wie die
Kundenentwicklung zeigt. Verfügten Ende März 2005 rund 114 000
Haushalte über eine Set-top-Box für den Empfang von digitalen
TV-Programmen, so sind es zehn Monate später rund 6000 mehr. Immerhin
ein Zuwachs von rund 5,3 Prozent. Keine ungewöhnliche Entwicklung in
diesem Markt, glaubt Eric G. Forsthoefel, Head of Brand Communications
bei Cablecom. Er spricht aus Erfahrung, hat er doch die Entwicklung von
TiVo in den USA mitgestaltet.

Trotzdem ist Forsthoefel überzeugt, dass das Potenzial noch lange nicht
ausgeschöpft ist. Deshalb wird das 1999 lancierte und 2004 ausgebaute
und vergünstigte Produkt mit einer neuen Kampagne dem Medienpublikum
schmackhaft gemacht. Dazu wurde der Fokus in den Werbeumsetzungen neu
bestimmt: weniger Feature- und Technologie-lastig als die Konkurrenz,
dafür Betonung der Benefits. Und die liegen nicht nur so deutlich auf
der Hand wie eine Fernbedienung. Sie sind, laut McCann-CD Peter
Rettinghausen, auch verständlicher und emotionaler zu vermitteln. Die
Botschaft lautet: «Bestimmen Sie doch einfach selber, wann Sie eine
Sendung sehen wollen. Auf über 130 Kanälen.» Dieses intelligente
Fernsehen stelle eine neue Freiheit dar. In der Inseratumsetzung lehnte
sich das Kreativteam dafür an das Heldenbild der Gründer der
Eidgenossenschaft und persiflierte es augenfällig.

Jenseits der Early adopters
Im TV-Spot hat der Freiheitsheld einen Namen und ein Problem. Herr
Steiners bevorzugte TV-Sendungen richten sich nicht nach seinem
Tagesablauf, sondern erinnern ihn andauernd daran, dass sie bald
beginnen: wenn er in einer Sitzung, beim Fitten oder mit seiner
Freundin auf dem Sofa beschäftigt ist. Ob Schauspieler, Schiedsrichter oder Anchor woman, alle rufen ihn vor
die Kiste. Eine solche Bevormundung lässt sich Steiner, wie jeder
Eidgenosse gut versteht, nicht länger gefallen. Am Ende des Spots hat
er das neue Digital-TV, mit dem er selbst bestimmt, wann er ein
Programm sehen will. Gefolgt wird der Streifen von einem Reminder, der
zusätzliche Vorteile des Cablecom-Produkts aufzeigt: elektronischer
Programm-Guide, Aufnahmefunktion sowie die Möglichkeit, TV-Sendungen
jederzeit zu unterbrechen und später weiterzuschauen. Mit dem hohen
Werbedruck soll die Kampagne weit breitere Segmente als nur die Early
adopters ansprechen, hofft Rettinghausen. Die Vorgaben hatte seine
05-Kampagne – für das Cablecom-Produkt ohne Recorderfunktion – um mehr
als 50 Prozent übertroffen. Fortsetzung folgt.

Luca Aloisi

Papst will Macht der Medien zügeln

Der Papst vertraut auf die Macht der Medien, um seine Kritik an der Macht der Medien zu platzieren.

Der Papst vertraut auf die Macht der
Medien, um seine Kritik an der Macht der Medien zu platzieren, wie die
Netzeitung schreibt. Radio Vatikan berichtet demzufolge auf seiner
Website über die päpstliche Botschaft zum Welttag der Sozialen
Kommunikationsmittel. Darin erklärt Benedikt XVI., dass die Medien «die
gesamte menschliche Gesellschaft beeinflussen» würden. «Im Interesse
der ganzen Menschheit» müsse jede Macht gezügelt werden. Der Macht der
medialen Produktionszwängen, wie zum Beispiel der Tagesaktualität,
musste sich der Papst nicht unterwerfen: Der Welttag der Sozialen
Kommunikationsmittel findet am 28. Mai statt.

So saftig kann das Leben sein

Fruchtsaft Euro RSCG Zürich soll mit neuen Fernsehspots wieder Saft in die Werbung für Michel bringen.

Fruchtsaft Euro RSCG Zürich soll mit neuen Fernsehspots wieder Saft in die Werbung für Michel bringen.Die Serienfigur Michel hat ihren kleinen
Saftladen geschlossen. Es war zwar eine sympathische Idee auf dem
Papier, wie der Verkäufer Michel für jeden Kunden – von Kindern bis
Promis – das jeweils richtige Fläschchen bereit hielt. Zum neuen
Serienhelden des Schweizer Werbefernsehens ist Michel damit aber kaum
geworden.
Nach einer mehrstufigen Konkurrenzpräsentation im letzten Jahr hat die
Rivella AG deshalb ihr Kommunikationsmandat für die Marke Michel
Fruchtsäfte neu an die Zürcher Niederlassung von Euro RSCG Worldwide
vergeben. Als erfolgreiche Werbung für die Marke Michel ist bis jetzt
vor allem eine Kampagne aus der Agentur GGK in Erinnerung geblieben.
Diese funktionierte mit einem halb aufgeschnittenen Fläschchen, in
welchem jeweils der Fruchtkern des eingefüllten Saftes für die
natürliche Echtheit  des Produktes werben sollte.
Junges Publikum angepeilt
Keine leichte Aufgabe für Euro RSCG also, nach diesen Vorgeschichten
noch einmal einen völlig neuen Saft aus dem Produkt herauszupressen. In
der heutigen Konsumwelt genügt es nämlich nicht mehr, dass ein
Fruchtsaft echt und fruchtig ist. Er muss auch auf einer emotionalen
Ebene des Lifestyle seine Kunden finden. Als wichtigste Zielgruppe für
Michel gelten Leute zwischen 25 und 35 Jahren.

Die Agentur musste die Marke Michel mit einer Kampagne nicht nur neu
beleben, sondern «eine eigenständige Advertising-Property entwickeln,
welche den Premium-Aspekt von Michel auf frische Art hervorhebt und in
den Volksmund übergehen lässt», wie das Briefing zusammenfasst. Die
Kampagne sollte darüber hinaus sowohl auf Image- als auch auf
Produkteebene umsetzbar und in sämtlichen Medien gleichermassen
spielbar sein. «Michel. Weil das Leben Saft braucht», heisst nun die
Idee und der Claim, den Frank Bodin und sein Team nach einer
mehrmonatigen Konzeptions- und Realisationsphase gefunden haben.
Umgesetzt wird die neue Werbung mit Animationsfilmen, die auf frische,
involvierende und vor allem in der hiesigen TV-Landschaft ungewohnte
Weise den Kern der Marke Michel bei einem breiten Publikum verankern.
Die Spots erzählen Geschichten rund um humorvolle Statistiken, die
aufzeigen, wie viel Saft der Alltag von einem abverlangt. 67mal einem
Kind die gleiche Gute-Nacht-Geschichte erzählen. 27 Sportsendungen pro
Woche ertragen. Beim Shoppen 68 Schuhläden abklappern. Xmal das Telefon
abheben … Die neue, Power verleihende Unterstützung in all diesen
täglichen Herausforderungen ist dabei natürlich immer griffbereit: die
qualitativ hochwertigen Michel-Fruchtsäfte.
Trickfiguren im Retrostil
Fünf längere Spots und fünf kurze Reminder mit Statistiken als
Texttafeln wurden von Heinrich Reinacher und seiner Markenfilm Zürich
bis jetzt produziert. Die stilistisch im Retrostil gehaltenen
Trickfiguren wurden von der Animationsfabrik in Hamburg zum Laufen
gebracht. Regie führte Heidi Wittlinger. «Einen super Job» innerhalb
der Euro RSCG haben für CEO Bodin Petra Bottignole (CD) und Dominik
Oberwiler (AD) beim Entwickeln des Stils geleistet. Die Musik im Ton
der Sixties hat der Zürcher Alex Kirschner komponiert.

Bodin will mit dieser Kampagne «eine eigene Markenwelt für Michel 
schaffen», so wie es in der Werbung bereits Produkten wie Coca-Cola
oder Kentucky Fried Chicken gelungen ist. Oder mit anderen Worten: Ein
neues Kultgetränk soll mit Michel lanciert werden.
Der Saft wird aller Voraussicht nach auch dieser wirkungsstarken
Kampagne nicht so schnell ausgehen. Das langfristig interessante
Konzept darf man demnächst auch als breit angelegte Anzeigenkampagne
sowie bei punktuellen Aktionen geniessen.

Andreas Panzeri

Radio 24 bleibt Nummer 1

Radiocontrol Die Radionutzung ist stabil. Leichte Veränderungen gibt es dennoch sowohl bei den SRG-Stationen als auch bei den Privatradios.

Radiocontrol Die Radionutzung ist stabil.
Leichte Veränderungen gibt es dennoch sowohl bei den SRG-Stationen als
auch bei den Privatradios.Radioforschungsinstitut und SRG-Tochter
Publica Data hat jüngst die Zahlen über die Radionutzung in der Schweiz
publiziert. Die Erhebung für den Zeitraum des zweiten Semesters 2005
wurde in der Deutschschweiz unter 15 531 Hörerinnen und Hörern mit den
Radiocontrol-Uhren durchgeführt, die im Erhebungszeitraum
durchschnittlich 116,1 Stunden dem Medium ihre Aufmerksamkeit geschenkt
haben. (Romandie: 8007 Personen, 110,2 Std. Tessin: 2793 Personen,
110,6 Std.). Die Statistik weist eine Reihe von signifikanten
Veränderungen sowohl bei den SRG-Stationen als auch bei den privaten.
Insgesamt blieb die Radionutzung stabil, während sich in der Südschweiz
eine minimale Verschiebung zu Gunsten der privaten und ausländischen
Sendern zeigt.

Im Jahresvergleich nahm die Aufmerksamkeit in der Deutschschweiz leicht
zu, während sie in der West- und Südschweiz leicht zurückging.
Gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres haben die
öffentlich-rechtlichen Sender in der Deutschschweiz um 3,6 Prozent an
Marktanteilen gewonnen (SRG total 67,1%), während die Privatsender 4,5
Prozent und ausländische Stationen sogar 7,5 Prozent Marktanteile
verloren haben. Ein ähnliches Bild präsentiert sich in der Romandie:
Dort hält die SSR gesamthaft 63,4 Prozent (+ 1%), während die
Privatradios 0,7 Prozent (23,3%) und ausländische Stationen 0,3 Prozent
(13,3%) Anteile verloren. Im Tessin hingegen ist die Entwicklung
gegenläufig. Im Ticino büssten die öffentlich-rechtlichen 1,3 Prozent
(82,4%) Marktanteile ein, während die privaten um 1,1 Prozent (7,0%)
und ausländische Stationen um 0,1 Prozent (10,6%) zulegten. Darüber
hinaus ist im Tessin die Nettoreichweite (NR) des Mediums Radio als
solches um signifikante 1,5 Prozent (88,6%) zurückgegangen.

DRS 2 legt signifikant zu
Das marktbeherrschende Unternehmen SRG hat mit Radio DRS bei einem
Marktanteil von 63,1 Prozent (+0,5%) und einer NR von 63,7 Prozent
(+0,1%) im Halbjahresvergleich zugelegt. Übers Jahr gesehen stieg der
Marktanteil um 1,6 Prozent und die NR um 0,5 Prozent. Signifikant
verändert hat sich im selben Zeitraum die NR von DRS 2 von 8,7 auf 9,9
Prozent. Auch in der Westschweiz hat sich Radio Suisse Romande
gegenüber dem Vorjahr weitere 0,7 Prozent (total 56,4%) Marktanteile
gesichert. Signifikante Veränderungen der NR verzeichnete in der
Westschweiz Option Musique um plus 0,9 Prozent (14,2%). Hingegen
verloren die RSI-Stationen im Tessin 0,9 Prozent NR (total 71%).
Auffällig ist die negative NR-Veränderung bei RSI 1 von minus 3,4
Prozent (50,5%) während RSI 3  um 1,8 Prozent NR zulegte.

Unveränderte Spitzenplätze
Signifikante Veränderungen sind im Jahresvergleich auch bei einer Reihe
von Privatradios zu beobachten. Zunächst hat in der Deutschschweiz das
grösste Privatradio Radio 24 gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozent
Marktanteil verloren (2,7%), seine NR jedoch um signifikante 0,5
Prozent verbessert. Auch Radio Top steigerte die NR um signifikante 0,6
Prozent, ebenso Radio Zürisee (+ 0,4%). Beide haben überdies 0,1
Prozent Marktanteile gewonnen. Sinkende Nettoreichweiten verzeichneten
hingegen Radio Grischa (–0,3%), BeO (–0,3%), Radio 105 (–0,5%) und
Tropic (–0,2%). In der Westschweiz bleibt Lausanne FM der stärkste
Sender, gefolgt von Rouge FM und dem französischen Nostalgie (Nostalgie
France und Nostalgie Léman 105). Im Tessin hat Radio 3iii seinen
Marktanteil um 0,6 Prozent und die NR um 0,4 Prozent verbessert.

René Worni

AdScreen-Netz wächst mit Militärkasernen und Raststätten

Die zur Goldbach Media gehörende IP Multimedia hat ihr AdScreen-Netz erweitert. Neu sind 22 Militärkasernen dabei.

Die zur Goldbach Media gehörende IP
Multimedia und grösste Vermarkterin von AdScreen-Werbung in der Schweiz
hat ihr AdScreen-Netz erweitert. Neu sind 22 Militärkasernen
dabei, um die entsprechende Zielgruppe der Männer zwischen 18 und 35
Jahren besser zu kontaktieren. Aufgestellt werden die 44
Werbe-Bildschirme an zentralen Orten wie Aufenthaltsräumen,
Eingangsbereichen und Korridoren. Die AdScreens funktionieren
gleichzeitig als Internet-Terminals, der Internet-Zugriff wird gratis
angeboten. Monatlich würde so über eine halbe Million Werbekontakte
generiert, heisst es in der Mitteilung. Wie der Teamleader des
Produktmanagement New Business Guido Trevisan der Werbewoche Auskunft
gibt, habe ein Bedürfnis seitens des Militärs für freien Internetzugang
bestanden, der Kontakt zum Screen-Vermarkter Mobile Solutions hat
schliesslich zur erfolgreichen Umsetzung geführt.
Zudem erweitert IP Multimedia das ADScreen-Netz auf Raststätten, 17
weitere Autobahnraststätten kommen zu den bestehenden 74 Standorten
hinzu. Insgesamt können Werbekunden pro Monat über das
IP-Multimedia-AdScreen-Netz mehr als 10 Millionen Werbekontakte
erreichen, heisst es in der Mitteilung weiter. In der Schweiz bestehen
zur Zeit über 30 AdScreen-Netzwerke und der Markt wächst nach Auskunft
von Guido Trevisan sehr stark. Die Wemf und auch Mediafokus werden im
Februar 2006 zum ersten Mal AdScreen-Daten veröffentlichen, die auch
die letzten beiden Jahre umfassen. Es bestehe auch eine
Interessensgemeinschaft AdScreen, die sich um die Definition der
Marktstandards kümmere. Als erste Amtshandlung wurde der Name für die
Werbeform auf „AdScreen“ festgelegt.

Ganz schön gross

Monitor Dells neuer Flachbildschirm UltraSharp 3007WFP verfügt über eine Bildschirmdiagonale von 30 Zoll.

Monitor Dells neuer Flachbildschirm
UltraSharp 3007WFP verfügt über eine Bildschirmdiagonale von 30 Zoll;
damit können Anwender mehrere Dokumente nebeneinander betrachten. Der
Monitor ist auch ideal für Aufgaben wie Videoschnitt, Bildbearbeitung
oder zum Einsatz in Druckvorstufen. Die maximale Auflösung beträgt 2560 x 1600 Bildpunkte. Der Dell 3007WFP verfügt über einen
9-in-2-Media-Card-Leser und vier USB-2.0-Schnittstellen für den
Anschluss von Digitalkameras, Druckern etc. Für den Einsatz des
Monitors benötigen Anwender ein Computersystem mit einer Grafikkarte,
die über zwei DVI-Anschlüsse verfügt.

Werbung Schweiz: UBS legt zu, Philipp Morris spart

Die beiden grössten Werbeauftraggeber des vergangenen Jahres waren wiederum die Grossverteiler Migros und Coop. Das geht aus der Werbemarkt-Trend-Studie von Media Focus hervor.

Die beiden grössten Werbeauftraggeber des
vergangenen Jahres waren wiederum die Grossverteiler Migros und Coop,
beide jedoch mit rückläufigen Investitionen (-6,8 % resp. -8,0 %). Das
geht aus der Werbemarkt-Trend-Studie von Media Focus hervor. Zu den Top
Five der Werbetreibenden nach Brutto-Werbeinvestitionen zählen
ausserdem Swisscom, Nestlé und Denner. Der Discounter hat seine
Investitionen mit + 34,5 % deutlich gesteigert. Zugelegt haben
ausserdem die UBS mit +45,9 %, Gillette (+32,6 %), Peugeot (+19,6 %)
und Swisscom (+ 21,3 %). Markant Werbeausgaben eingespart haben L’Oréal
(-22,7 %), Philipp Morris (-23,9 %) sowie die beiden Autoriesen Hyundai
(-13,7 %) und Toyota (-13,1 %). Media Focus weist in der Studie unter
den jeweiligen Werbungtreibenden alle Brutto-Werbeinvestitionen aus,
auch die Produkte anderer Hersteller (Händlerwerbung).

Aldi führt die deutsche Markenwelt an

Seit 1993 ermittelt Young & Rubicam Deutschland die weltweit wichtigsten Marken, jetzt ist die Erhebungswelle in Deutschland zuende gegangen. Die stärkste Marke ist aktuell und zum dritten Mal Aldi.

Seit 1993 ermittelt Young & Rubicam
Deutschland die weltweit wichtigsten Marken, jetzt ist die
Erhebungswelle in Deutschland zuende gegangen. Die stärkste Marke ist
aktuell und zum dritten Mal Aldi, gefolgt von Ikea und Nivea. Im
klassischen Sinne einer Marketingdefinition betrachtet sei Aldi ein
Handelsunternehmen und kein Markenartikel. Aber aus der Sicht der
Verbraucher wirke Aldi sehr wohl eine starke und konsequent geführte
Marke, deren Angebot und Preisstellung überzeugt, schreibt Young &
Rubicam zum Testergebnis. Kontinuität und zeitgemäße Angebote sind gut
ausbalanciert, die Erwartungshaltung seitens der Konsumenten wird
konsequent erfüllt. Aldi investiere in diese Wahrnehmung. Befragt nach
der Popularität sahnen immer mehr Internetfirmen die
Spitzenplatzierungen ab, allen voran Ebay. Auch Google und Gmx finden
sich auf den vorderen Plätzen. Die innovativste Marken in den Augen der
deutschen Bevölkerung ist Porsche, gefolgt von Nokia und Bang &
Olufsen. Bafragt nach der grössten Nähe der Marke lautet die
meistgenannte Antwort Nivea.
Der Y&R Brand Asset Valuator erfasst 30’000 Marken weltweit und
über 1540 deutsche Marken. Das Status der Marke ergibt sich aus
Differenzierung und Relevanz, zusammengefasst in Markenkraft und
Ansehen und Vertrautheit. Die Studie wurde von TNS-Infratest in einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung durchgeführt.

L’Agéfi-Chefredaktion weg

Wirtschaftspresse Erneuter Streit bei L’Agéfi: Die Chefredaktion wirft das Handtuch, wie schon vor zwei Jahren ihre Vorgänger.

Wirtschaftspresse Erneuter Streit bei L’Agéfi: Die Chefredaktion wirft das Handtuch, wie schon vor zwei Jahren ihre Vorgänger.Eines muss man Agéfi-Herausgeber Alain
Fabarez lassen: Er beschäftigt Journalisten unterschiedlicher
politischer Horizonte. Seine Redaktion machte aus der Westschweizer
Tageszeitung für die Wirtschaft L’Agéfi ein respektiertes Blatt; die
mit rund 10000 Exemplaren bezifferte Auflage wird im Moment zwar nicht
von der Wemf kontrolliert, wohl aber die Reichweite (Stand September
2005: 19000 Leser). Auch hat Fabarez es bisher geschafft, der
Konkurrenz von Le Temps standzuhalten, die von den beiden Grossverlagen
Edipresse und Ringier herausgegeben wird – keine kleine Sache für den
Verleger, der die Agéfi Gruppe aufgebaut hat. Doch seit drei Jahren
schreibt sein Unternehmen rote Zahlen.

Zu viel Kritik, zu wenig Lob
Mit den finanziellen Schwierigkeiten hätten die Kündigungen von
Chefredaktor Christoph Roulet und seinem Stellvertreter Gian Pozzy
jedoch nichts zu tun. Das versichern Unternehmer und Angestellte wie
aus einem Munde. Damit sind die Übereinstimmungen auch schon erschöpft.
Roulet hatte das Gefühl, «in der Redaktion keinen Platz mehr zu haben».
Er habe wegen des gespannten Verhältnisses zum Verleger gekündigt und
weil er den Eindruck gewann, dieses Verhältnis liesse sich mit den
«kommenden strategischen Ausrichtungen nicht verbessern». Will sagen:
Zu viel Kritik, zu wenig Anerkennung für die Redaktionsleitung.

Pozzy hat wegen «Meinungsverschiedenheiten über die immer markantere
politische Ausrichtung der Zeitung» das Handtuch geworfen. Er meint
damit Kommentare, «die so tun, als ob alles, was nicht rechts von der
Rechten angesiedelt ist, schon fast Sozialismus» sei. Er habe mit dem
ökonomischen Liberalismus, den die Zeitung verteidige, kein Problem,
den «doktrinären politischen Liberalismus», den diese in letzter Zeit
vertrete, könne er nicht mehr mittragen: «Die Schweiz hat ein
Regierungssystem der Konkordanz, man kann nicht so tun, als ob drei
Viertel der Parteien und neun Zehntel der Bevölkerung nicht
existierten», sagt Pozzi. Alain Fabarez dementiert demgegenüber eine Verschiebung der
redaktionellen Linie nach rechts: «Wir sind und bleiben eine Zeitung,
die den Wirtschaftsliberalismus verteidigt, aber wir sind nicht der
Transmissionsriemen irgend einer Partei.»
Im letzten Dezember hat die Agéfi Gruppe ihre Aktionärsstruktur
verändert. Hauptaktionär Fabarez senkte seinen Aktienanteil von 38,2
auf weniger als 20 Prozent. Die Aktien gingen an verschiedene, bis
jetzt anonyme Einzelaktionäre. «Wir geben die Namen der neuen Aktionäre
im ersten Halbjahr 2006 bekannt», sagt Fabarez, «zusammen mit den neuen
strategischen Ausrichtungen.»

Le Temps übt den Spagat
Über diese neuen strategischen Optionen will Fabarez vorerst nichts
verraten. Die Annahme, das Blatt könnte noch stärker als bisher das
business-freundliche Umfeld betonen, scheint nicht aus der Luft
gegriffen, wie Le Temps andeutet und nach weiteren Möglichkeiten frägt:
«Konzentration auf die Wirtschaftsinfo, Verzicht auf die Printversion,
Ausbau der Magazine, Allianzen?» Wie auch immer: Es gilt, sich anders
zu positionieren als Le Temps, die einzige Konkurrentin von L’Agéfi auf
dem Westschweizer Markt. Während Erstere als überregionale Vollzeitung
täglich den Spagat zwischen ihren eher links situierten intellektuellen
Lesern und den Wirtschafts- und Finanzfachleuten machen muss, hat es
das Fabarez-Blatt einfacher: Sein Zielpublikum ist in erster Linie die
Finanz- und Wirtschaftswelt. Le Temps macht Fabarez trotzdem zu schaffen, denn die Konkurrenz
zwischen den beiden Zeitungen wurde in den letzten Jahren immer
schärfer.

Helen Brügger

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