Kommunikation Eine generalstabsmässige Planung, Medienerfahrung, geschultes Personal und Glück – das machte die Züge rauchfrei.«Seit dem 11. Dezember 2005 ist der
gesamte öffentliche Verkehr der Schweiz rauchfrei. Ein halbes Jahr nach
der Einführung des rauchfreien Reisens ist klar: Es klappt.» Diese
positive Bilanz zog Susanna Oertli, Vizedirektorin des Verbandes
öffentlicher Verkehr (VöV), an einer Medienkonferenz Anfang Woche. Für
das Gelingen dieser schweizweit erwirkten Verhaltensänderung nannte
Oertli vier Gründe: Die Toleranz der Nichtraucher, die gute Arbeit des
Zugpersonals, ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend und schliesslich
ein praktischer Vorteil: mehr Platz für alle ohne ungenutzte Sitze in
Raucherabteilen.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Was Oertli nicht
erwähnte: Für das koordinierte Einführen rauchfreier Züge von insgesamt
19 ÖV-Unternehmen war eine generalstabsmässig vorbereitete
Kommunikation nötig. Die Fäden liefen beim
VöV-Kommunikationsverantwortlichen Ruedi Helfer zusammen. Und dieser
plante in verschiedenen Phasen. Als Phase I bezeichnet er die Zeit bis
zum Ja der 19 ÖV-Betriebe für ein gemeinsames Vorgehen. «Hätten die
Medien Wind von der Sache bekommen, wäre diese Geschlossenheit kaum
möglich gewesen», sagt Helfer. Entsprechend «baff» seien die Medien
gewesen, als der VöV seinen heiklen Entscheid vor rund einem Jahr
kommunizierte – noch dazu kurz nach dem grossen SBB-Stromausfall.
Danach folgte Phase II: Raucher sowie Verbotsgegner meldeten sich
lautstark zu Wort. Etwas, das Helfer befürchtete, trat dann aber nicht
ein: Der rauchfreie ÖV wurde kein Sommerlochthema. Ein weiteres Risiko
waren die Fotoshootings für die preisgekrönte Umstellungskampagne der
Werbeagentur Jung von Matt/Limmat (JvM): Ein Dromedar an einem Tessiner
Bahnhof liess sich nicht verstecken. Die Rauchfrei-Gegner hätten davon
Wind bekommen und die Sache für ihre Zwecke nützen können. Das geschah
nicht. Zur selben Zeit schulte man das Personal der 19 ÖV-Betriebe im
Umgang mit renitenten Rauchern. «Für das Gelingen der
Gesamtkommunikation sollte sich das als sehr wichtig herausstellen»,
sagt Helfer rückblickend.
Die entscheidende Phase III begann mit der Medienkonferenz am 5.
Dezember 2005. Die Botschaft lautete: Ab Sonntag, 11. Dezember wird der
ÖV definitiv rauchfrei. Dann folgte die Nagelprobe: Fast jedes Medium
testete das ÖV-Personal am Stichtag mit rauchenden Journalisten. «Das
war absehbar», lacht Helfer, selbst ehemaliger DRS-Journalist. «Doch
das Personal war gut ausgebildet und lieferte den Medien kaum Stoff –
ausser dass diese über die souveränen Reaktionen erstaunt waren.» Der
Vorteil des Medientests: Am Folgetag wurde die Umstellung noch einmal
schweizweit thematisiert. «Dass diese Verhaltensänderung so schlank
über die Bühne ging, hat auch mit Glück zu tun. Zudem haben wir
offenbar den richtigen Moment erwischt», sagt Helfer rückblickend.
Ähnlich sieht man es bei der Agentur JvM. «Damit eine solche Umstellung
gelingt, müssen die Leute schon dafür bereit sein. Das war offenbar der
Fall», sagt Kampagnentexter Michael Kathe.
Markus Knöpfli