Für Augenmenschen

Die Reihe «All-American Ads» fasst acht Jahrzehnte amerikanischer Werbegrafik zusammen.

Die Reihe «All-American Ads» fasst acht
Jahrzehnte amerikanischer Werbegrafik  zusammen. Buch eins mit
Anzeigen und Plakaten aus den Jahren 1900 bis 1919 überrascht mit
Hunderten von künstlerisch anspruchsvollen Sujets aus einer Zeit, als
die Konsumwut noch nicht grassierte. Die meisten Anzeigen und Plakate
waren, im Gegensatz zu heute, stark textlastig und sind ein Spiegelbild
der amerikanischen
Gesellschaft vor und während des Ersten Weltkrieges. Zum Beispiel wenn
die Frau ihrem Mann, der die Zeitung liest, ein Bier einschenkt.
Headline «The Evening Glass of Cheer». Das waren noch Zeiten. (rh)
All-American Ads 1900–1919 von Jim Heimann; Taschen, 2005, 638 Seiten, 50 Franken.

«Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» erstmals mit Gewinn

Fünf Jahre nach ihrem Start in den Markt erzielt die Sonntagsausgabe der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) erstmals einen operativen Gewinn.

Fünf Jahre nach ihrem Start in den Markt erzielt die Sonntagsausgabe der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) erstmals einen operativen Gewinn. Die Auflage ist im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent auf 309’920 Exemplare gestiegen und im Anzeigenbereich konnte ein Umsatzplus von 20 Prozent erreicht werden. Im Gegenzug ist die verkaufte Auflage der FAZ um 1,8 Prozent leicht gesunken, die Vertriebs- und Anzeigenerlöse seien jedoch gestiegen. Die FAZ GmbH konnte den Umsatz um 5,5 Prozent auf 309,4 Mio. Euro steigern. Das Ergebnis des Geschäftsjahres 2005 steht mit 14,5 Mio. Euro um 3,6 Prozent besser da als das Vorjahr.

Swiss Adex: Google-Klickpreise im Mai gesunken

Der neue Index fürs Suchmaschinenmarketing der Online-Marketing-Agentur Angelink yourposition zeigt für den Monat Mai eine Flaute in Sachen Keyword-Werbung: Die Klickpreise bei Google sind um 11 Punkte gefallen, das Buchungsvolumen hat sich ebenfalls um 10.8 Punkte reduziert.

Der Swiss Adex der Online-Marketing-Agentur Angelink yourposition zeigt für den Monat Mai erstaunliche Werte: Die Klickpreise bei Google sind um 11 Punkte gefallen, das Buchungsvolumen hat sich ebenfalls um 10.8 Punkte reduziert.
Eine parallele Entwicklung, die allerdings unterschiedliche Gründe
hat: Der Tiefflug der Klickpreise geht zu gewichtigem Teil auf die Versicherungsbranche zurück, die ihre Budgets wesentlich dezimiert hat. Viel weniger Google-Werbung haben die Bekleidungs- und die Telekommunikationsbranche gebucht. Dabei handelt es sich genau um dieselben Branchen, die gemäss Advertising Index Switzerland der Wemf Mehrinvestitionen in klassische Werbung getätigt haben.
Insgesamt bezahlten EDV-Dienstleister auch im Mai mit Abstand am meisten pro Klick auf ihre Keywords. Auch weiterhin sind gerade 40% der hierzulande sichtbaren Textanzeigen bei Google von inländischen Unternehmen – der Auslandsdruck war auch im Mai unverändert hoch.
Der monatlich publizierte Swiss Adex von Angelink yourposition misst, wie sich Suchmaschinenmarketing mit Google AdWords in der Schweiz entwickelt. Sämtliche Preisangaben stützen sich auf die Klickpreise, die Google potenziellen Werbekunden online offeriert.

Für Direktmarketer

John Caples zeigt nicht einfach, wie Direktmarketing funktioniert, sondern wie erfolgreiches Direktmarketing funktioniert.

Dieses Buch ist neun Jahre alt und immer
noch besser als das meiste, was seither erschienen ist. David Ogilvy
schreibt in seinem Vorwort zur vierten Auflage, «Tested Advertising
Methods» sei das brauchbarste Buch, das er jemals gelesen habe. Recht
hat er, denn John Caples zeigt nicht einfach, wie Direktmarketing
funktioniert, sondern wie erfolgreiches Direktmarketing funktioniert.
Und das ist ein grosser Unterschied. Kernstück seines Buches ist der
detaillierte Vergleich zweier Kampagnen. Eine hat dreimal mehr verkauft
als die andere – Caples erklärt Schritt für Schritt, warum. (rh)
Tested Advertising Methods von John Caples; Prentice Hall, 1997 (5. Auflage), 278 Seiten, 28.40 Franken.

Bald kommt Cash auf allen Kanälen

Multimedia Cash daily, Ringiers auf nächsten September geplante multimediale Plattform im Bereich Wirtschaft, gewinnt Kontur.

Multimedia Cash daily, Ringiers auf nächsten September geplante multimediale Plattform im Bereich Wirtschaft, gewinnt Kontur.Am 1. Juni, anlässlich des «Forums am Morgen», Ringiers Branchenanlass für die Kunden und Freunde der Zeitungsdrucker im luzernischen Adligenswil, umriss Geschäftsleitungsmitglied Thomas Trüb die Konturen des Multimediaprojekts Cash daily, in dessen Kern eine tägliche Wirtschaftszeitung steht. Cash daily soll die erste Medienkombination werden, welche Print, TV, Online, elektronische Zeitung und mobile Applikationen zu einem gemäss Trüb «unschlagbaren» neuen Tool für Wirtschaftsinformationen vereint. Anzeigenseitig ist das Projekt die erste Wirtschaftstageszeitung, wo Anzeigen mit einer einzigen Buchung gleichzeitig sowohl in Print als auch elektronisch erscheinen. Am Anfang war ein GerüchtBereits im vergangenen Jahr war das Projekt, allerdings unter anderen Vorzeichen, in die Schlagzeilen geraten. Es grassierte das Gerücht, privatwirtschaftliche Unternehmen könnten sich mittels Sponsoringbeiträgen redaktionellen Raum im Blatt sichern. Der Verlag hat dies in der Folge mehrmals dementiert.
Cash daily versteht sich zunächst als multimediale Erweiterung der Marke Cash, die heute aus dem breit eingeführten Wochentitel Cash, zwei wöchentlichen TV-Sendungen sowie der Website besteht. Neu hinzu kommt die interaktive Website Cash daily, auf der in erster Linie laufend aufdatierte Börsen-News abrufbar sind. Zum Projekt gehören ferner zehn- bis fünfzehnminütige Videopodcasts, die vorerst auf der Website angeboten werden. Auf eine entsprechende tägliche Fernsehsendung Cash daily will Ringier noch verzichten, da sowohl SRG als auch PresseTV wenig Interesse zeigten und keine zusätzlichen Sendeplätze bereitstellen wollen. Weiter will Ringier mit der Plattform ins kostenpflichtige Mobile-Geschäft einsteigen und börsennahe Inhalte verkaufen.
Tageszeitung im MittelpunktKern des Projekts ist aber die tägliche Wirtschaftszeitung Cash daily. Diese wird vorerst auf Papier erscheinen und vor allem kurze News aus der Wirtschaft enthalten. Trüb listete als tägliche Themenseiten auf: Top Story, Contest/Multimedia, Meldungen Schweiz, Europa, USA und Asien, Synthese, Comic, People, Wechselfälle, Fonds, Börsenguru und Börsenwetter. Hinzu kommen täglich vier Extraseiten über Gesundheit, Fitness und Sport jeweils montags, am Dienstag Themen rund um Mobilität, mittwochs Themen aus der digitalen Welt, donnerstags Essen, Wohnen, Mode sowie an den Freitagen Reisen und Weekend. Cash daily richtet sich an Wirtschafts- und Multimedia-interessierte Menschen «sowie an Werbekunden mit Mut zu neuen Auftritten und crossmedialen Kampagnen», sagte Thomas Trüb.
Die Macher haben sich für Cash daily eine Reichweite von 187’000 Leserinnen und Lesern gesetzt, unter ihnen 81’000 Leader und 18’000 Topleader. Zusammen mit Cash sollen 471’000 Leser erreicht werden, was zu 1’219’000 wöchentlichen Kontakten führen soll.
In letzter Konsequenz ist die tägliche Wirtschaftszeitung, die sich mit kurzen Happen begnügt und dem Mutterblatt Cash die recherchierten Hintergrundstorys überlässt, als elektronische Zeitung angedacht. Die Macher warten hier allerdings noch auf den technologischen Durchbruch des so genannten E-Papers. Dann werden die Informationen mit Datenbanken gekoppelt, welche eine Fülle von weiterführenden Informationen enthalten und sich zu ganzen Dossiers bündeln lassen. Auch inserateseitig bietet E-Paper zahlreiche neue Möglichkeiten, wie die gezielte Ausrichtung auf bestimmte Kunden beziehungsweise Zielgruppen bis hin zur Animation der Inserate. Wann das E-Paper jedoch breit verfügbar und massentauglich sein wird, steht in den Sternen.
René Worni

Swiss Adex deckt die Preise der Nuggets auf

Internet Mit dem neuen Index für Keyword-Werbung wird ersichtlich, wer wieviel pro Klick bezahlt.

Internet Mit dem neuen Index für Keyword-Werbung wird ersichtlich, wer wieviel pro Klick bezahlt.Der erste Schweizer Index für Suchmaschinenwerbung misst seit März monatlich, was die Werbung mit Google kostet. Mit der Lancierung füllt die Agentur für Online-Marketing Angelink yourposition eine Lücke im Werbemarkt. Bisher gab es in der Schweiz keine Kennzahlen zum Suchmaschinenmarketing, anders als in den USA oder in Deutschland. Mit dem neuen Index sollen sich Trends und Bewegungen der Keyword-Werbung aufspüren lassen. Und er soll zeigen, wie sich die Werbung mit den Schlüsselbegriffen entwickelt. Der Swiss Adex basiert auf Klickpreisen, die Google den potenziellen Werbekunden online offeriert, sowie weiteren öffentlich zugänglichen Google-Daten und belegt, was die wichtigsten Keywords kosten und wie sich das Buchungsvolumen entwickelt. Dabei gilt die Regel: Je begehrter ein Stichwort, desto höher der Preis. Im März 2006 wurden die Eckdaten von 585 Begriffen aus 39 Kategorien indexiert, die ersten Vergleichswerte von April zeigten einen Sinkflug der Klickpreise um 3,4 Punkte auf 1.68 Franken pro Klick. Diese Entwicklung hat sich im Mai dramatisiert, die Klickpreise sanken auf 1.49 Franken. Auch das Buchungsvolumen ist im Mai von 33 Werbeplätzen pro Abfrage auf 30 zurückgegangen. Der Sturz der Klickpreise geht vor allem auf die Telekommunikationsanbieter und die Versicherungen zurück, die ihre Kosten pro Klick (CPC) massiv reduziert haben. Der Rückgang des Buchungsvolumens basiert auf den Branchen Bekleidung und Telekommunikation, die weniger Google-Werbeplätze buchten und stattdessen gemäss Advertising Index Switzerland der Wemf im Mai mehr in klassische Werbung investierten.
«Wir untersuchen, wie sich Buchungsvolumen und Klickpreise entwickeln, welches die Schwankungen und saisonalen Unterschiede sind», erläutert Lukas Stuber, Co-Geschäftsführer bei Angelink yourposition. Dazu werden so genannte «Nuggets» beobachtet: Teuerste und günstigste Suchbegriffe und Branchen, der Werbedruck in den Branchen und der Druck des Auslands werden monatlich gelistet. «Das Preisgefüge im Suchmaschinenmarketing wird klar aufzeigbar, Kampagnen lassen sich entsprechend planen», so Stuber.
Die teuersten Begriffe waren im Mai «Privatdetektiv» mit 15.81 Franken pro Klick, gefolgt von «Hosting» mit 14.49 Franken und «Datenrettung» mit 12.71 Franken. Wer dagegen mit «Diskontsatz» oder «Lehrstuhl» warb, bezahlte lediglich 0.12 und 0.13 Franken pro Klick. Die teuersten Branchen waren im Mai EDV-Dienstleistungen (4.06), Sicherheit (2.31) und Körperpflege (2.29). Die billigsten Branchen waren dagegen Land- und Forstwirtschaft (0.43), Tiefbau (0.45) und Maschinen, Geräte (0.64). Die meisten Werbeplätze buchten Partnervermittler mit durchschnittlich 46 Anzeigen, Tourismus mit 44,5 und EDV-Dienstleistungen mit 41,3 Anzeigen, die wenigsten Anzeigen buchten Versicherungen (B2B) mit 6,8, Tiefbau mit 8,1 und Finanzdienstleistungen mit 11,8 Plätzen. Ebenfalls erhoben wird der Werbedruck aus dem Ausland, denn Schweizer Unternehmen belegen bloss durchschnittliche 40 Prozent von Googles Schweizer Werbeplätzen. Der höchste Auslandsdruck besteht in den Branchen Industrie, Finanzen und Tourismus, hier machen die Anzeigen aus dem Ausland über 74 Prozent des Volumens aus.
NachholbedarfLukas Stuber,
Co-Geschäftsführer von Angelink yourposition, zur Lancierung des Swiss Adex.
WW: Weshalb ist der Swiss Adex wichtig?Lukas Stuber: Verglichen mit den Nachbarländern ist in der Schweiz Suchmaschinenmarketing in den Budgets für Online-Werbung immer noch unterproportional vertreten. Es besteht ein Nachhol- und Informationsbedarf. Bisher gab es keine Kennzahlen. Das grosse Echo auf die Lancierung des Swiss Adex zeigt uns, dass wir richtig gedacht haben.  WW: Warum werden nur Google-Daten verwendet?Stuber: Was Keyword-Werbung betrifft, hat Google in der Schweiz einen Marktanteil von 85 Prozent, zusammen mit Search.ch und Bluewin, die auch Google-Anzeigen schalten, sogar fast 95 Prozent. WW: Ist Klickbetrug in der Schweiz ein Thema?Stuber: Anders als in Amerika ist Klickbetrug in der Schweiz bisher nur in Fachdiskussionen ein Thema. Nach unseren Messungen ist die Menge der nicht nachvollziehbaren Klicks, die man bei Google trotzdem bezahlt, nicht alarmierend. WW: Wie wird sich Keyword-Werbung entwickeln?Stuber: Bei einem grossen Teil der aufgesetzten Kampagnen zeigt sich ein Mangel an Know-how. Wir erwarten aber auch generell eine sehr starke Zunahme der Investitionen im Suchmaschinenmarketing im nächsten Jahr.  Kathrin Fischer

«Foul!?»

Werberecht Das Verfahren gegen das Fussball-WM-Gewinnspiel von Elektrofachhändler Fust wurde eingestellt. Für Marketingleute bleibt jedoch die Unsicherheit.

Werberecht Das Fussball-WM-Gewinnspiel von Elektrofachhändler Fust verstosse nicht gegen das Lotteriegesetz, begründet die St. Galler Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens. Für Marketingleute bleibt jedoch die Unsicherheit.Fust verspricht in seinen Inseraten und TV-Spots, den Kaufpreis für neu gekaufte Fernsehgeräte zurückzuerstatten, falls die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft den WM-Viertelfinal erreicht. Allerdings muss der Käufer auch noch einen Tippschein ausfüllen. Wegen der Koppelung der Teilnahme an den Kauf eines TV-Geräts und des damit möglichen Verstosses gegen das Lotteriegesetz forderte Ende April das Finanzdepartement des Kantons St. Gallen die Fust AG auf, den Wettbewerb abzubrechen. Trotz der drohenden Freiheitsstrafen von bis zu drei Monaten und Bussen bis 10000 Franken liess Fust das Spiel weiterlaufen; der Rechtsdienst des Unternehmens habe die Aktion juristisch gründlich geprüft. Vergangene Woche nun bestätigte Untersuchungsrichter Thomas Näf, dass kein Strafverfahren eröffnet werde. Gewinnspiele dieser Art fielen nicht unter das Lotteriegesetz.  Für Werber und Marketingverantwortliche bleibt die Sache aber
heikel, denn die vom Gesetz angedrohten Konsequenzen wiegen schwer.
Rechtliche Grundlagen für die Veranstaltung eines Wettbewerbs bilden das Lotteriegesetz (LG) und das Lauterkeitsgesetz (UWG).
Wettbewerb als Lotterie?Auch wenn es für den juristischen Laien etwas merkwürdig anmutet, kann ein Wettbewerb eine Lotterie im Sinne des Lotteriegesetzes sein. Lotterien aber sind in der Schweiz grundsätzlich verboten, ausser man hat dafür eine Bewilligung. Eine Bewilligung für eine Lotterie zu erhalten, ist jedoch sehr schwierig und das entsprechende Verfahren aufwändig. Folglich muss man darauf achten, dass ein Wettbewerb schon gar nicht die Voraussetzungen einer Lotterie erfüllt und damit auch nicht unter das Lotteriegesetz fällt. Ein Wettbewerb fällt unter das Lotteriegesetz, wenn vier Voraussetzungen kumulativ, also alle zusammen, gegeben sind:
Leistung eines Einsatzes oder Zwang zum Abschluss eines Rechtsgeschäfts,
vermögensrechtlicher Vorteil als Gewinn, Planmässigkeit bei der Eruierung der Gewinner und Zufall bei der Eruierung der Gewinner.Die Eruierung der Gewinner erfolgt bei einem Wettbewerb naturgemäss nach dem Zufallsprinzip. Planmässig geht ein Veranstalter unter anderem vor, wenn er sein Risiko einschränkt. Dies tut er bei einem Wettbewerb in der Regel damit, dass er die Anzahl der möglichen Gewinner beziehungsweise die Preise beschränkt. Da die Voraussetzungen von Zufall und Planmässigkeit bei den meisten Wettbewerben erfüllt sind, besteht nur die Möglichkeit, entweder keinen Einsatz beziehungsweise keinen Abschluss eines Rechtsgeschäfts zu verlangen oder keinen Gewinn mit vermögensrechtlichem Vorteil anzubieten.
«Ich will nur am Wettbewerb …»In der Praxis muss für die Teilnahme an einem Wettbewerb – mit Ausnahme des rechtlich ebenfalls problematischen Televotings – eigentlich nie ein Einsatz geleistet werden. Oft sind Wettbewerbe jedoch mit einem Rechtsgeschäft, insbesondere dem Kauf von Waren und dem Abschluss von Abonnementen, verbunden. Wenn bei einem solchen Wettbewerb darüber hinaus ein Gewinn mit einem vermögensrechtlichen Vorteil lockt, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass man am Wettbewerb auch teilnehmen kann, ohne ein entsprechendes Rechtsgeschäft abzuschliessen. Dies muss dem Publikum auch klar und offensichtlich kommuniziert werden.
Dafür gibt man den Teilnehmern am besten die Möglichkeit, den Satz «ich will nur am Wettbewerb teilnehmen» anzukreuzen. Wenn Teilnahmeformulare für einen Wettbewerb mit einem Produkt abgegeben werden (z. B. als Etikette auf einer Flasche), muss die Möglichkeit bestehen, ein Teilnahmeformular auch ohne Kauf des Produktes zu erhalten. Dies kann heute relativ einfach über ein Teilnahmeformular auf dem Internet gelöst werden.
Wenn nun aber das Konzept trotzdem einen Geschäftsabschluss verlangt, darf für die Teilnehmer kein Gewinn mit vermögensrechtlichem Vorteil herausschauen. Einen vermögensrechtlichen Vorteil bietet jeder Gewinn, für den Dritte etwas bezahlen würden. Dazu gehören zum Beispiel auch Nachtessen mit Prominenten und VIP-Eintritte bei Sportevents. Keinen vermögensrechtlichen Gewinn darstellen dürften Preise wie Abziehbilder, Pins und ähnliches.
Ein Wettbewerb muss zudem, wie jedes andere Handeln im Markt, die Regeln des Lauterkeitsgesetzes erfüllen. Dabei gilt der Grundsatz des Fairplay. Für die Veranstaltung eines Wettbewerbs heisst dies, dass dieser für alle transparent und klar kommuniziert und durchgeführt werden muss. Dem Publikum muss einerseits klar sein, was es für eine Teilnahme an einer Verlosung tun muss. Andererseits muss auch klar sein, was es zu gewinnen gibt und wie die Gewinner eruiert werden.
Fust-WM-KampagneDie Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen ist nach anfänglichem Verdacht zum Schluss gekommen, die Fust-WM-Kampagne verstosse nicht gegen das Lotteriegesetz. Dabei argumentiert die Staatsanwaltschaft, Fust handle nicht planmässig, weil er die Zahl der Gewinner nicht einschränke. Fust wisse nicht, wie viele Fernseher in der Zeit der Aktion verkauft werden. Somit erfülle Fust mit seiner Kampagne einen der vier kumulativ notwendigen Voraussetzungen für eine
Lotterie nicht, falle also damit nicht unter das Lotteriegesetz und könne demnach auch nicht belangt werden.
Aus Sicht der Fachjuristen ist jedoch die Argumentation der St. Galler Staatsanwaltschaft diskutabel, denn Fust könnte ja die Kampagne einseitig abbrechen, wenn das Risiko zu gross wird, also zu viele Fernseher verkauft werden. Damit ist auch die Fust-WM-Kampagne planbar und somit sind alle Elemente einer Lotterie gegeben.
Nicht geprüft hat die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, ob die Fust-WM-Kampagne allenfalls gegen das Lauterkeitsgesetz verstösst. Die Schlagzeile «Alle Fernseher gratis» will mindestens suggerieren, dass dies generell so sei. Effektiv ist es ja dann, wie im Kleingedruckten erläutert, nicht so. Gratis sind die Fernseher nur unter einer bestimmten Bedingung, deren Eintreffen – so sehr wir uns dies auch wünschen – sehr ungewiss sein dürfte. Zudem sind die Wettbewerbsbedingungen eher schwierig zu verstehen. Schlussendlich sind auch die Preise nicht klar deklariert. Je nach dem, ob man den ganzen Kaufpreis rückerstattet erhält oder nur wenige Monatsraten einer Miete, ist der Gewinn unterschiedlich hoch.
Die Fust-WM-Kampagne ein «Foul»? Die «Refs» in St. Gallen haben dieses Mal die rote Karte nicht gezückt. Trotzdem ist es gut, die Regeln zu kennen. Auch wenn die Gelegenheit Riesenumsätze verspricht, sollte man wenigstens nicht aus allen Wolken fallen, wenn man plötzlich rot sieht.
Die Regeln bei der Veranstaltung eines Wettbewerbs Checkliste
für die Durchführung eines Wettbewerbs:kein Einsatz bzw. Geschäftsabschluss (Hinweis auf Gratisteilnahme) oder kein vermögensrechtlicher Vorteil
einfache, für jedermann lösbare Wettbewerbsaufgabeklare Umschreibung des Gewinns bzw. der PreiseTeilnahmeschlussAusschluss des Rechtsweges Mehr Informationen zum Thema unter
www.kommunikationsrecht.chUeli Grüter, LL. M., Rechtsanwalt, ist Partner bei Grüter Schneider & Partner, Zürich/Luzern (gsplaw.ch), und Dozent für Kommunikationsrecht an der Fachhochschule Zentralschweiz (fhz.ch). Er ist Herausgeber des Praktikerleitfadens «Werbe- und Kommunikationsrecht», der im WEKA-Verlag, Zürich, erscheint.

US-Kongress gegen «Obszönitäten» in TV und Radio

Ein erneutes „Nippelgate“ käme Janet Jackson heute teuer zu stehen. Denn der US-Kongress hat die Strafen für die Verbreitung von «obszönen» Inhalten in Radio und Fernsehen verzehnfacht.

Ein erneutes „Nippelgate“ käme Janet Jackson heute teuer zu stehen. Denn der US-Kongress hat die Strafen für die Verbreitung von «obszönen» Inhalten in Radio und Fernsehen verzehnfacht – das höchste Strafmass wurde vom Repräsentantenhaus auf 325’000 Dollar angehoben. Zukünftig werden die Zuschauer also nur noch eine verhüllte Janet Jackson zu sehen bekommen. „Das ist ein Sieg für Kinder und ihre Familien“, jubelte Senator Sam Brownback, der sich als Vorkämpfer für das Gesetz hervorgetan hatte. Auch US-Präsident George W. Bush begrüsste die Entscheidung und kündigte gleich an, das Gesetz zu unterzeichnen.
Die US-Kommunikationsbehörde FCC hatte im Jahr 2004 fast acht Millionen Dollar für «obszöne» Darstellungen verhängt.

Paris statt Papagena

Aufgefallen Andreas Panzeri über Alexander Pereira, Mitleid für Paris Hilton und eine Anzeige - oder vielleicht zwei.

Musikdrama Violetta leidet an Tuberkulose
und stirbt einen dramatischen Tod. Othello wird zum Mörder, Siegfried
muss Brünnhilde heiraten: So schön diese Opern wie «La
Traviata» von Giuseppe Verdi, «Othello» von
Gioachino Rossini oder «Siegfried« von
Richard Wagner auch sind, so langweilig wird es schliesslich, wenn man
sie immer wieder vorgeführt bekommt. Auch wenn die Inszenierung
vielleicht futuristisch sein will – der
Inhalt bleibt historisch. Dem will Alexander Pereira an der Zürcher Oper offensichtlich
Abhilfe verschaffen. Das am erfolgreichsten vermarktete Theater in
Europa wagt sich jetzt für sein Publikum noch weiter aus dem Guckkasten
und scheut sich auch nicht vor einem schlüpfrigen Parkett: Das
ausgeschweifte Lieben, Lottern und Leiden der illustren Prima Donna
Paris Hilton ist in eine dramatische Oper gefasst worden. Den Titel
will Pereira noch nicht verraten. Ebenso verschweigt er den
Komponisten. So kann leider nur spekuliert werden: Braucht Paris Hilton
unser Mitleid wegen der Handlung dieser neuen Oper oder ist es wegen
der Musik oder gar modernen Inszenierung? – Mehr dazu ist vielleicht
bald in
20 Minuten zu lesen, wo diese Anzeige auch abgedruckt worden ist. Oder waren es vielleicht zwei? (pan)

Inform bringt Aids-Hilfe Schweiz in neues Corporate Design

Die Agentur für Design und Kommunikation Inform entwickelte das neue Logo und das neue Erscheinungsbild der Aids-Hilfe Schweiz (AHS).

Die Agentur für Design und Kommunikation Inform entwickelte das neue Logo und das neue Erscheinungsbild der Aids-Hilfe Schweiz (AHS). Der neue Auftritt biete Anknüpfungspunkte an den alten Spendenauftritt, denn Kontinuität in diesem Bereich sei von besonderer Wichtigkeit, heisst es in einer Mitteilung. Zudem wurde auch die Website www.aids.ch rundumerneuert. Die weiteren Websites der Aids-Hilfe Schweiz werden folgen.

Streifzug durch die Musikgeschichte

Getränke Um die Positionierung der holländischen Biermarke Heineken im Musikbereich voranzutreiben, durfte Publicis neue Event-Plakate realisieren.


Getränke Um die Positionierung der holländischen Biermarke
im Musikbereich voranzutreiben, durfte Publicis neue Event-Plakate
realisieren. Aus Elementen der Heineken-Etikette entstanden grafisch
reduzierte Lookalikes von Grössen der Popmusik: der unbestrittene König des
Rock ’n’ Roll, der King of Pop und last but loudest der König der
kopflosen Fledermäuse. Die Porträts kommen als Gestaltungselemente in
den Räumlichkeiten der Brauerei, bei unterschiedlichen Events und
Cluberöffnungen zum Einsatz. 

Alte Schule, neuer Drive

Presse Die Wochenzeitung WOZ hat ihre letztjährige Krise überlebt. Ob sich die Trendwende hält, ist offen.

Presse Die Wochenzeitung WOZ hat ihre letztjährige Krise überlebt. Ob sich die Trendwende hält, ist offen.Dank Umstrukturierungen, rigorosem Sparprogramm und Spenden habe die grösste unabhängige linke Zeitung der Schweiz überlebt: «Die WoZ wurde schlanker, inhaltlich konzentrierter, noch unverwechselbarer», teilte jüngst die Geschäftsleitung mit. Jetzt ist also auch die WOZ in die Schlankheitsfalle getappt, möchte man meinen. Die Anorexie bei den Printtiteln ist eine wahre Krankheit. Nur schlanke Redaktionen scheinen biegsam genug, um mit den sich stetig wandelnden Anforderungen der modernen Informationsgesellschaft Schritt halten zu können.Allerdings liegen die Voraussetzungen bei der WOZ etwas anders. Die konsequente Absage an kommerzielle Vereinnahmung, wo inhaltliche Anliegen über denen der wirtschaftlichen Realitäten liegen, hat dem Blatt eine bewegte Geschichte immer mal wieder am Rand des Abgrunds beschert. Den letzten Hilferuf lancierte das Kollektiv – die WOZ gehört den Schreibenden – vor einem Jahr, also bereits zwei Jahre nach der Sammelaktion, welche dem Relaunch von 2003 mit einer Kapitalerhöhung von 650’000 Franken vorausgegangen war. Böse Ironie für ein linkes unabhängiges Blatt, ausgerechnet am real existierenden Kapitalismus zu scheitern, schrieben Kommentatoren nicht ohne Häme.
Doch jetzt scheint die Krise abgewendet. «Der Betrieb ist im Gleichgewicht», sagt Geschäftsleiter Christoph Eschmann. Es entstehen demnach keine neuen Schulden.  Das WOZ-Kollektiv hat ausserdem im Geschäftsjahr 2005 einen Gewinn von 79’000 Franken erwirtschaftet, unabhängig von Spenden. Damit nicht genug: Mit einer beglaubigten Auflage von 14’233 Exemplaren und 113’000 Leserinnen und Lesern erreichte die WOZ im Krisenjahr die höchste Verbreitung in ihrer diesen Herbst 25-jährigen Geschichte. Auch die Inserateinnahmen lagen 7,5 Prozent über den Vorjahreswerten und – das freut die Geschäftsleitung besonders – interessieren sich Grossinserenten wie zum Beispiel Migros, Coop oder Denner mehr und mehr für den Titel, dessen Umfeld Werbeauftraggeber schon länger als sehr attraktiv einstufen. «Uns lesen erstaunlich viele junge Leserinnen und Leser», sagt Eschmann dazu.
Über 15 Prozent sind zwischen 15- und 30-jährig, eine Struktur, von der andere Titel auf der verbissenen Suche nach jungem urbanem Publikum nur träumen können. Woran liegt das? «Das politische Bewusstsein wächst», erklärt Redaktionsleiterin Susan Boos. «Viele junge Leute sind hungrig nach Erklärungen, sie wollen begreifen, was in der Welt passiert, und suchen nach Handlungsperspektiven.» Boos schätzt, dass das Phänomen der Pendlerpresse, welches viele junge Leute wieder zum Lesen angeregt hat, auch einige zur WOZ greifen lässt. Dass heutzutage journalistische Inhalte gratis angeboten werden, hat sich bisher nicht ausgewirkt. «Wir stehen auf der anderen Seite, wir machen nicht gedrucktes Fernsehen, in den Artikeln steckt Arbeit drin», sagt sie entschieden.
Im vergangenen Geschäftsjahr hat die WOZ ihren Betriebsaufwand um rund 10 Prozent gesenkt und 5,5 Stellen abgebaut. 49 Beschäftigte teilen sich gegenwärtig 33,7 Vollzeitstellen. «Die Umstrukturierung hat uns vor grosse Probleme gestellt», sagt Susan Boos. Denn ein selbstverwaltetes Kollektiv kennt keine Chefs, die Mitarbeitende entlassen könnten. Mehr Effizienz war gefragt, die einzelnen Abteilungen erhoben erstmals ihren Aufwand, Ressorts wurden zusammengelegt, zum Beispiel «Szene», «Veranstaltungen» und «Kultur» verschmolzen und «Wirtschaft», «Inland» und «Leben» rückten näher zusammen.
Die Geschäftsführung wurde mit einem Controllingsystem professionalisiert. «Heute haben wir eine genaue Kontrolle für jede Abteilung», sagt Christoph Eschmann. Doch die wirtschaftliche Krise ist noch nicht ganz überwunden, denn dem Gewinn stehen nach wie vor 438’000 Franken Schulden gegenüber. Was tun? Konkrete Massnahmen sind keine geplant, denn der eigentliche Rettungsanker fasste bereits vor mehr als einem Jahr festen Grund. Konkret: Die WOZ überlebt dank Spenden. Im neu gegründeten Kapitalfonds des Fördervereins Pro WOZ kamen im vergangenen Jahr über 100’000 Franken zusammen. Bisher belaufen sich die Zuschüsse aus dem Förderverein gesamthaft auf über 400’000 Franken.
Offensichtlich hat sich die Perspektive für die Überlebensstrategie verschoben: «Wir wollen von Hilfsaufrufen abkommen», sagt Eschmann. Die journalistische Qualität muss demnach über Zuschüsse des Fördervereins gesichert werden. Denn trotz der hohen Leserreichweite kann das Blatt nicht allein von den Abos leben. Susan Boos versteht die Rolle der WOZ ähnlich der einer Nichtregierungsorganisation. «Wir sind eine politische Kraft, die es in der Schweizer Presselandschaft braucht.»
Umgekehrt wurde und wird dem Blatt immer wieder vorgehalten, es mache vor allem durch seine Hilferufe denn durch inhaltliche Leistungen von sich reden. Am pointiertesten äussern sich Ehemalige. So hat etwa Filippo Leutenegger, heute CEO der Jean Frey AG, in der Weltwoche, konstatiert, dass die einstige Klientel der WOZ mittlerweile an den Hebeln der Staatsmacht sitze und das Blatt deshalb nicht mehr gegen die Verkrustung in Staat und Gesellschaft antrete. Dafür hat Susan Boos ein mildes Lächeln übrig: «Wir sind ein lebendiger Organismus, der sich permanent verändert.» Glücklicherweise habe man den Generationenwechsel rechtzeitig geschafft und nicht verlernt, die richtigen Fragen zu stellen.
Linke Presse unter DruckDie linke Presse ist in der Schweiz
praktisch nur noch mit der WOZ existent. Eine Reihe von Arbeiterzeitungen verschwand im Verlauf der vergangenen beiden Jahrzehnte. Auch im Ausland gerät die Linkspresse zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Regelmässig vollzieht die Berliner taz den rituellen Selbstmord, um auf ihren Überlebenswillen aufmerksam zu machen. Sie ist unter anderem zusammen mit der WOZ und Il Manifesto Herausgeberin des kulturpolitischen Magazins Le Monde diplomatique. In Frankreich hat sich der Rüstungsindustrielle Lagardère den Qualitätstitel Le Monde einverleibt. Auch die Libération, mit Jean-Paul Sartre als erstem Chefredaktor, gehört heute unter anderem dem Finanzinvestor Edouard Rothschild und der Gruppe Chargeurs-Pathé (Textilien und Kinokette). In Italien teilen sich Il Manifesto, L’Unità und Liberazione weitgehend den schwankenden Markt der Linkspresse. Namhafte Beteiligungsgelüste im Falle der Unità durch einen Freund Berlusconis sind bisher gescheitert.
René Worni
Bild: Geschäftsleiter Christoph Eschmann und Redaktionsleiterin Susan Boos

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