Sportsponsoring Die internationale Studie «Sponsoring 21+» der Sport + Markt AG gibt für die Schweiz unter anderem einen Ausblick auf die Euro 2008. Nur wenige Wochen nachdem einige WM-Sponsoren eine eher durchzogene Wirkungsbilanz ihrer Engagements präsentiert hatten, meldete sich der Fachverband für Sponsoring (Faspo) und ihre Geschäftsstelle Felten & Cie mit einer durch die Sport + Markt AG international durchgeführten Sponsoringstudie zu Wort. Gemäss Organisatoren könnten nämlich künftige Sponsoringgeber von den Learnings aus der Fussballweltmeisterschaft 06 profitieren. Das macht die Studie gerade aus Schweizer Warte im Hinblick auf die Euro 2008 besonders interessant. Immerhin tritt das Kontinentalturnier gegen die Olympischen Spiele in Peking an, die aus internationaler, aber kaum aus regionaler Sicht eine starke Konkurrenz darstellen.
Schon hier gilt es, so die Studie, klarzustellen: In Sachen Sportarteninteresse liegt Fussball weit vor Leichtathletik. Selbst Eishockey und Skispringen führen in der Interessenskala vor Leichtathletik, Formel 1 und Radsport. Vergleicht man dagegen die einzelnen Sportveranstaltungen, erkennt man, dass Olympiaden dank der hohen Medienpräsenz sehr gut abschneiden.
Anhand des Beispiels von Fifa-Partner Coca-Cola zeigt die Studie auf, dass in der Informations- und Reizüberflutung um Grossveranstaltungen – durch Marken- und Medieninflation sowie steigende Kommunikationsbudgets – nur derjenige wahrgenommen wird, der integrierte, intelligente Sponsoringkonzeptionen mit einem nahe liegenden Schlüsselthema umsetzt. Im Falle von Coca-Cola: «It’s Your Heimspiel». Wichtig sei aber vor allem, dass diesen Kampagnen kontinuierlich weitere Aktionen (Holds) nachgeschoben werden.
Nebst konkreten Ergebnissen der Sponsoringwirkung (Return on Marketing Investment) enthält die Studie auch einen Fan-Interessenvergleich in der Schweiz und international, untersucht die ideale Plattform für Sponsoren und die Rolle von Sponsoren des Fussballs im Umfeld der Fans und beschreibt die Chancen und Risiken der Euro 2008 für die Sponsoren.
Die Aussichten, bei einer stimmigen und glaubwürdigen Positionierung als Partner des Fussballs die Marke zu emotionalisieren, das Image zu dynamisieren oder eine dauerhafte Bindung der Zielgruppe zu erreichen, sind laut Remo Rusca von Felten & Cie auch bei der Euro 2008 gut.
Gelinge es einem, ein Thema umfassend zu besetzen, sei sogar ein kommunikativer Ausschluss des Wettbewerbs möglich. Die Grundlage dafür ist Glaubwürdigkeit. Die Fussballfans, mehr noch als die Fussballkonsumenten, wollen ernst genommen werden. Ihr Engagement könne genutzt werden. Aber nur solange bei ihm nicht der Eindruck entsteht, dass seine Begeisterung für seinen Club instrumentalisiert und kommerzialisiert wird. Unter diesem Aspekt dürfte die summative Evaluation beispielsweise des Fanspiels von Swiss Life interessant sein.
Übernimmt ein Investor das Zepter und schert sich um die Bedürfnisse der Fans, wird dies nicht akzeptiert, wie die wochenlangen Demonstrationen gegen Red Bull Salzburg beweisen. Tatsächlich befinden sich die Fussballclub- und Fussballsponsoren mit ihren Engagements auf einer Gratwanderung, bei der sie riskieren, die Sportart zur Ware verkommen zu lassen und die Fans und Zuschauer abzuschrecken.
Ski alpin bleibt der NationalsportDie repräsentative Studie von Sport + Markt, «Sponsoring 21+»
hat für die Schweiz ein ziemlich erstaunliches Resultat zu Tage gebracht: Von den 1000 Schweizern zwischen 16 und 69 Jahren, die im Mai 2006 befragt wurden, gaben 56 Prozent an, sich für Ski alpin zu interessieren. Damit bleibt Ski alpin klar Schweizer Nationalsport Nummer eins. Weder Fussball (52 Prozent) noch der Tennissport der Federer-Ära (51 Prozent) reichen an diese Popularitätswerte heran. Ähnliches macht die Umfrage hinsichtlich der beliebtesten Sportereignisse anschaulich. Die meisten Befragten interessieren sich für die Olympischen Winter- und Sommerspiele (64 bzw. 59%). Das traditionelle Lauberhornrennen in Wengen, auf Platz 4 (53%), ist ebenfalls sehr populär. Es liegt zwar knapp hinter der Fifa Fussball-WM (58%), aber deutlich vor weiteren grossen Fussballereignissen wie die Uefa Champions League (37%). Auch die heimische Axpo Super League und die Tennis ATP-Tour liegen hinter dem Lauberhornrennen.
Schwieriger hat es der Abfahrtssport bei der jüngeren Zielgruppe. Nur 39 Prozent der bis 29-Jährigen interessieren sich für Ski alpin, dessen Imageprofil in diesem Alterssegment ebenfalls schlechtere Werte gegenüber dem Gesamtergebnis aufweist. Das widerspiegelt sich auch bei den Fernsehübertragungen. «Dies deutet darauf hin, dass die Sportart in Zukunft ein ‹Nachwuchsproblem› bei den TV-Zuschauern bekommen könnte», so Boris Hedde, International Sales Manager bei Sport + Markt in Köln.
Luca Aloisi